Ausgabe 
12.6.1929
 
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Sinne des § 10 Absatz 1 Ziffer 3 deS ZwangS- versteigernngsgcsetzeö. Aach dieser Bestimmung und nach 8 155 Absatz 2 Ziffer 1 der Dienst­vorschriften für das Verfahren der Zwangsvoll­streckung im Verwaltungsweg vom 10. April 1894 ist im Falle der Zwangsversteigerung eines Grundstücks die auf ihm ruhende kommunale SonderLebäudesteuer mit den laufenden und den ovt den letzten zwei Jahren rückstän­digen De'-äge vorzugsweise aus dem Grundstück zu befriedigen und gemäß § 49 ZVG. von dem Ersteher im Verteilungstermin bar zu berichtigen.

Ach. da kennt ihr den Krummholz schlecht! - » orflt tote im Trabe. Aber dann wacht er Am nächsten Tage erst. Angst und Derzweif- ch" tote einen abgemagerten Sigerl Er stoßt er schiebt und stößt und wühlt.

Ist nicht»! Srauß«n, der flan- 011^8 Himmel, wie ein Magnet, der über und ihn aus Moder und Sand zieht. Als er das erste Krümchen Licht auf sei- nen erdigen Händen merkt, verläßt ihn die Kraft

Stumm, wie ein Stein liegt er da. Aur die Augen leben noch. Furchen und Striche im Ge­sicht. Wie gepeitscht. Sogar das Schweigen ritzt sich in das Soldatengeiicht.

Gießener Stadttheater.

Walter Hackctt:Die Frau des Andern".

Edgar Wallace mit seinemHexer" liegt zwar wenn wir uns recht erinnern, schon eiyige 3ähr> chen zurück, doch Kriminalstücke scheinen immer noch in Mode. Für den Kritiker zweifellos nicht unsympathisch, denn hier ist seine wesentliche Aufgabe schweigen! schweigen in allen Ton­arten. Aur ein Wort zuviel, und das geehrte Publikum schmunzelt verständnisinnig, der Herr Intendant ringt die Hände:3a. wie konnte er nur!" Also wir verraten nichts! Es fällt auch, offen gestanden, schwer, aus diesem Kriminal­ragout von blitzschnell wechselnden Situationen, sich überstürzenden Ereignissen, urplötzlich ver­tauschten Vollen alle Fäden zu rekonstruieren, die Herr Hackett hier mit anerkennenswertem Geschick für dunkle Verwicklungen und über­raschende Entwirrungen fleißig gesponnen hat. Ein jeder protzt ja gelegentlich gern einmal mit seinem kriminalistischen Instinkt, glaubt, an chm sei eine Welt, ein Sherlok Holmes, oder Aick Carter verlorengegangen, aber in dem Hackettschen Labyrinth zurechtzukommen, der Ge- danke schon wäre vermessen. Also kommt und seht selber, wie ihrs entwirrt.

Es wäre fade. Herrn Hackett mit literarischen Aspirationen kommen zu wollen, ihm zu bewei« sen, daß sein opus Kitsch ist. Unter dem Re- gime des Sommerfahrplans verlangt man Unter­haltung. Spannung, Witz, Laune. Nichts we­niger wurde geboten. Intendant Dr. P rasch brachte ein flottes, atemraubendes Spiel, nicht einen Augenblick durfte der Blick von der Bühne schweifen, auf der Ilse Jahn, geschmeidig, raf- finiert, jeder Situation gewachsen, vom simplen Kammerzöfchen bis zur großen Verbrecherin in allen Farben schillernd, mit ihren Verführung-^ künsten alle in die Tasche steckt und zu guter Letzt auch ihren großen Antipoden, den von Hans Hais sehr elegant, sehr schlau, sehr überlegen, sehr ironisch gespielten Detektiv hineinlegt. Kein Wunder, daß chr ein so harmloser Junge wie Antony Peel (Eduard Wesen er) blind ins Garn läuft und Angela Worthing (Trude H e ß) in der etwas unglücklichen Rolle der Zofe wider Willen Gift und Galle gegen die überlegene Konkurrentin ist. Don den übrigen: Franz Arz- d o r f, ein sympathischer Schurke, wie er leider nur in Kriminalstücken zu Hause ist. Wir

Oer vergessene Soldat.

Von Max Zungnickel.

Zurück!" Dieses Wort schließt langsam die Schleusen des Blutes. Der Krieg ist wohl aus. 1918.. Und der flandrische Regenwind weht. Das Regiment wankt müde und nah. vor Hunger und Elend wie betrunken, dem Rheine zu. Dem großen Strome zu. der einmal blitzend durch Soldatenlieder rauschte. Aber das viele Blut, das da tropfte und der unaufhörliche Regen ha­ben die Lieder fortgeschwemmt, ganz nah an die fahle Insel Vergessen. Der Krieg ist wohl aus?

Wie der Punkt hinter einer apokalyptischen Ballade haut eine Granate in den deutschen Frontabschnitt.

Krummholz, ein Thüringer, kriecht im Unter- stand auf allen vieren, sucht sein Soldbuch, tastet hierhin und dorthin. Ein Lichtstumpi fun- seit. Da hat er das verschweißte, verdreckte Buch. Will hoch, ans Licht, ist schon auf der glitschigen Treppe. Da stößt die französische Granate wie ein stählerner Geier auf den Unter­stand. Der haut zusammen wie eine Streichholz- schachtel. Krummholz sieht das Licht nicht mehr. Er weih nichts mehr. Krummholz ist ver­schüttet.

Und das Regiment wankt weiter. An flan- huschen Mühlen vorbei. Dirkenblätter fegen in Soldatengesichter, spitz und welk. Einmal, für eine halbe Stunde, kommt die Sonne. Wie eine öcile, die De Coster mit Gelbstift an eine graue Scheunentüre schrieb. Aber Dann ist wieder Jöino und Regen und treibt die Soldaten aus Flandern hinaus.

Oie rechtliche Aatur der gemeindlichen Sondergebäudesteuer.

Zu dieser Frage hat der hessische Minister des Innern in einer allgemeinen Verfügung Stellung genommen. Der Minister geht davon aus, daß die Sondergebäudesteuer der Gemeinden und Gemeindeverbände einen Teil der gesamten Sondergebäudesteuer bildet und somit densel­ben rechtlichen Charakter hat, wie die staatliche Sondergebäude st euer. Sie ist daher wie die staatliche Sondergebäudesteuer ihrem ganzen Aufbau nach als eine Grund­steuer (O b j e k t st e u e r) anzusehen und gehört zu denöffentlichen Lasten des Grundstücks" im

Kann er dein Heimweh nicht mehr finden, der vergessene Soldat?

Vielleicht sitzt er hier solange mit seinem Ge­wehr. seinem Soldbuch und seiner Mundhar­monika. solange, bis er ein leiblicher Bruder Der alten Pappel geworDen ist. Die zerschunden am Grabenausgang steht. Die Vögel schießen manchmal herab und ruhen auf feinen Schultern tote auf einem Zweig. Das Korn greift nach ihm und Der Mohn. Ein Zweig granatroter Hage­butten langt nach seiner Brust.

Aber Der große Mäher liegt In einem ver- wucherten Loch, schläft neben seiner Sichel. Der kalte, unerbittliche Würfel ist ihm aus Der Tasche gefallen und verrollt, neben Ameisen und Rittersporn. Und Der große Mäher lächelt ta seinem Traum.

Tagung der Hessischen Handwerkskammer

WSN. DarmftaDt, 10.Juni. Im Stadtver­ordnetensaale zu Darmstadt fand dieser Tage die 3 6. Vollversammlung Der Hessi­schen Handwerkskammer statt, die der Dorsihende, A o h l - Darmstadt, mit Worten der Begrüßung eröffnete. Erschienen waren für das Ministerium Ministerialrat Hechler und Mi­nisterialrat Wagner.

Der Vorsitzende wies in seiner Erösf- nungsansprnch Darauf hin, daß durch das In­krafttreten Der HanDwerksnovelle Die Satzung Der HanDwerlskammer verschiedene Aenderungen erfahren werde. Die Wahl zur Handwerkskam­mer fei für Die Folge auf einer ganz anDeren Grundlage aufgebaut, außerdem falle Die Bestel­lung eines Staatskommissars in Zukunft weg. Die Vollversammlung tage in Der gegenwärti­gen Zusammensetzung zum letzten Male, Da vor­aussichtlich noch im Laufe Dieses Jahres Aeu- Wahlen stattfinden müßten. Der Vorsitzende nahm Veranlassung, Den Kammermitgliedern für ihre bisher geleistete Mitarbeit zu Danken, sprach aber auch Die Hoffnung aus, daß sie weiterhin für Die Interessen Des Handwerks tatkräftig Mitarbeiten möchten. Besonderer Dank wurde Dem scheidenden Staatskommissar, Ministerial­rat Hechler, gesagt, Der sich stets für Das Handwerk und Die Erreichung feiner Ziele ein­gesetzt habe.

Zu Punkt 2 bis 4 der Tagesordnung standen Die Jahresberichte Der Kammer, Der sieben Nebenstellen, Der Gewerbeförderungs- und Betriebsberatungsstelle und des Revisionsbeam- ten zur Erörterung. Der umfangreiche Bericht der Hauptverwaltung befaßte sich zunächst mit Der wirtschaftlichen Lage Des HanDwerks im abgelaufenen Geschäftsjahr, Den einzelnen Ar­beitsgebieten Der Kammer, wie Kreditwirtschaft, Abhaltung von Weiterbildungskursen. Fragen des Vergebungs-. Steuer-, Lehrlings-, Prüfungs- Wesens usw. Auch Die Berichte Der Aebenstellen ergaben, Daß im abgelaufenen Geschäftsjahre Er­sprießliches für das HanDwerk geleistet worden ist. Der Bericht der Gewerbeforderungs- und Betriebsberatungsstelle verriet eine umfangreiche Tätigkeit. Detriebsorganisation, Reklame, Berufs­ausbildung, Dortragswesen, kaufmännische Be­triebsführung und Musterschutz und Pa­tentwesen sind ihre Hauptarbeit. Es war interessant zu erfahren, daß zahlreiche Er­findungen von allgemeiner Bedeutung verwertet werden konnten. An Die Berichte schloß sich eine rege Aussprache, in der zahlreiche Anregun­gen gegeben wurden. Dabei wurden namentlich Bedenken gegen Die gewerblichen Fortbildungsschulen erhoben, weil diese wenig Rücksicht auf Die Gewerbe nahmen. Wegen Der rückständigen Beiträge der Gemeinden soll­ten die Aufsichtsstellen in Bewegung gesetzt wer­den. Ministerialrat Hechler erklärte, es sei nicht ganz einfach, diese rückständigen Gemeinde- beiträge hereinzubekommen, Da die Gemeinden diese Beträge einfach mit ihnen vorn Staat zu- stehenden Geldern kompensieren wollten. Die Re­gierung werde aber nachdrücklich sorgen, daß Die Der Kammer zustehenDen Beträge dieser zugeführt würden. In der neuen Handwerkernovelle sei ja eine Neuregelung Durch Direktes Umlagerecht Der Kammern vorgesehen. Landtagsabgeordneter D o n a t (Dem.) will Diese Angelegenheit noch einmal im Landtag zur Sprache bringen. Direktor Schüttler gab eine Liebersicht Der Einnahmen und Ausgaben im letzten Jahre. Weiterhin be­richtete KammermitglieD G ö r i ch über Das Er­

gebnis der Rechnungsprüfung, worauf Dem Rech­ner Entlastung erteilt wurde.

Lieber die Altersfürsorge berichtete Di­rektor S chü t Her. Vorgesehen ist, alten HanD- werkern über 65 Jahre, Die bestimmt vorgeschrie­bene Voraussetzungen (Würdigkeit, Bedürftigkeit uftoj erfüllen und eine anderweitige Unter- ftützung nicht beziehen, eine periodenweise Zu­wendung zu gewähren, deren Höhe noch nicht festliegt, sich vielmehr nach der Zahl Der ein« laufenden Anträge und Der Höhe Der zur Ver­fügung stehenden Mittel bemessen muh. Ein Rechtsanspruch auf Gewährung dieser Zuwen­dung besteht nicht. Die erforderlich werdenden Gelder sollen Dem laufenden Etat entnommen werden, so daß eine Lirnlageerhöhung vermieden werden kann. Die Vollversammlung stimmte den Richtlinien zu.

Der Voranschlag für 1 929, in Dem die Umlage gegenüber dem Vorjahre nicht geändert wurde, fand glatte Zustimmung. Da ein gerin­gerer Betrag als im Vorjahre zur Deckung Der Verwaltungskosten erforderlich ist, soll der über- schiehende Betrag zur Stärkung des Fonds Der Altersfürsorge benutzt werden.

Ueber die Durchführung der Handwerks­novelle erstattete Direktor Schüttler Be­richt. Gr hob besonders Die Anlegung Der Hand« toerksrolle, die Aenderung des Wahlsystems, Die Anstellung von beeidigten Sachverständigen und die Zusammenarbeit mit Den InDustrie- und Handelskammern hervor, die hoffentlich nach den zwischen den Spihenverbänden getroffenen Ver­einbarungen sich reibungslos gestalten werde.

Syndikus Dr. Lindemann legte Richtlinien für die Wirksamkeit von Sachverständigen Dar, äu deren öffentlichen Anstellung und Vereidigung die Handwerkskammer durch Die Aovelle ermäch­tigt wird. Die vorgelegte Satzung wurde ge­nehmigt.

Direktor P aech berichtete noch über die Tätig­keit und Lage der Hessischen Handwer­ker-Zentral-Genossenschaft, die am 1. Juni ds. 3s. das Jubiläum Des 25jährigen Bestehens feiern konnte.

Landtagsabgeordneter Lautenbacher (Ztr.) banfte dem Vorstand für Die mühevolle Arbeit im Ql amen der Kammermitglieder, worauf die Verhandlung geschlossen wurde.

bedauern aufrichtig Die lelDer allzu Vielen. Die verlockt Durch linde Eommerlüfte sich Den amüsanten AbenD im StaDttheater entgehen ließen.e

Am Dienstag hielt zunächst Prof. Haupt, SU rektor Des Gewerbemuseums in Darmstadt, einen bedeutsamen Vortrag überQleue kirchliche Ku »i st". Der Redner beschäftigte sich in Der Hauptsache mit dem Problem des KirchenbcmS, das man nur dann befriedigend lösen könne, wenn man Dem Kirchenbau aus Dem Wesen des Got­tesdienstes heraus bestimmte Ausgaben stelle. Dasselbe gelte auch von der Paramentik: auch hier müsse Die kirchliche Kunst aufgehen in deO Aufgaben des Gottesdienstes. Universitätspre- diger Dr. Ritter (Marburg), Schriftleiter der Derneuchener Konferenz, ergänzte die wertvol­len Ausführungen des Hauptredners als Kor­referent. Auch er hob Die Bedeutung des Gottes­hauses als Kultraum der Anbetung besonders hervor.

Am Aachmittag sprach Pfarrer Lic. Dr. S t u m p f (Merlau) auf Grund eingehender wis­senschaftlicher Arbeiten überDibelworte als Spruch und Gebet". Für Die Gemeinde fand am Abend ein auch von Kurgästen sehr gut besuchter Abendgottesdienst in der Dankeskirche statt in dem Prof. Dr. Frick (Marburg) über die Ziele der liturgischen Bewegung predigte.

Der Mittwoch brachüe noch einen sehr tief­gründigen Vortrag von Pfarrer Gründler (Sinn) über das ThemaWelche neueren liturgischen Vorschläge sind für die .Dorf kirche< verwendbar?" Der Redner gab aus reicher Erfahrung Anregungen für die zweckmäßige Gestaltung der Gottesdienste auf Dem Land und zeigte, tote man dem im Ge­triebe des Alltags abgehetzten Menschen durch Feierstunden in Der abendlichen Kirche Samm­lung und inneren Frieden geben könne. Die Aus­sprache zu dem Thema eröffnete Bibliothekar Prof. Dr. Georg Koch (Gießen), Dozent für christliche Volkskunde an Der Landesuniversität, der besonders auf die enge Verbindung hinwieS, Die Der Gottesdienst auf dem Lande mit Qlatur und Heimat finden müsse.

Während Der Tagung bot sich wiederholt Ge­legenheit zur Besichtigung der in der Dankes­kirche untergebrachten Qlusstellung neuerer kirchlicher Kunst. Reben kirchlichen Ge­brauchsgegenständen, die in Der Werkstatt von Prof. Rudolf Koch (Offenbach a. M.) herge- stellt sind, sind Paramente von Elisabeth Köster (Eisenach) zu sehen. Die Ausstellung gibt einen sehr interessanten Lieberblick über den heutigen Stand Der kirchlichen Kunst und fand, seit Sonn­tag auch von Einheimischen und Kurgästen, größte Beachtung.

Die sehr anregend verlaufene Tagung wurde heute mittag von Prof. Dr. Frick mit Dankes- toorfen an alle, die durch Referate und in der Aussprache die Bestrebungen der liturgischen De- toegung fordern halfen, geschlossen.

Lind er hat wohl geantwortet:Ich warte so lange, bis ihr zu Korn geworden seid und zu Feldblumen." Da haben die toten Soldaten wohl unten im Grabe gekichert.

Manchmal steckt er die Finger in die Ohren. Will er die Stille nicht hören? Oder hört er das Toben Der Schlacht? Lebt er Immer noch al- kleines, winziges Rädchen in Der Teufelsuhr des Krieges?

3a, so vergeht Die Zeit. Eis und Sonne klirren auf ihn. Vögel besuchen ihn. Mond schwimmt in seinen Augen. Immer weiter lebt er im Krieg. Vergessener Soldat Krummholz.

Aber an einem Mittag sieht er Den Mohn im Niemandsland blühen. Sieht Kornähren und Disteln auf Soldatengräbern und durch Draht­verhaue wachsen. Lind als er Das sieht, Da lacht er, lacht laut auf wie übet etwas Kunz Lustiges.

An einem Sommermorgen geht er wieder auf Patrouille, weiter als sonst. Eine mähende Bäuerin auf Der Wiese. Er schleicht im GraS, finDet ein KinD, In ein wollenes Brusttuch ge­wickelt, am Raine liegen. Wie vor einem Wun- Der lauert er. Starrt. In feine Augen kommt ein Helles Licht, Das bis in seinen Bart sickert. Gr legt sein verwüstetes Gesicht auf Die Brust Des Wickelkindes. Gr wagt nicht, Das Kinder­angesicht zu berühren. Es ist ihm zu rein und zu fein. Aber seit Dem Tage spielt er oft auf Der Mundharmonika. Wie eine irre Flamme flackern Die Töne auS Dem Grdloch, in D en Himmel.

Tagung der liturgischen Arbeitsgemeinschaft für Hessen.

4- Bad-Nauheim, 10. Juni.

Die liturgische Bewegung, Die den Ausbau der Gottesdienste im evangelischen Sinne, ihre Viel­fältigkeit und Belebung anstrebt, Die deshalb auch wertvolle Gottesöienstordnungen sammelt und der Allgemeinheit zugänglich machen will, hat auch in Hessen schon weitere Kreise gezogen. Diese haben sich zur Liturgischen Ar­beitsgemeinschaft für Hessen zusam­mengeschlossen, die hier ihre 4. liturgische Tagung abhielt. Die von Prof. D. Dr- Frick (Marburg, früher Gießen), geleitete Tagung war sehr gut besucht; u. a. nahmen auch daran teil: Ober­kirchenrat Wagner (Gießen), der hessische Denk­malpfleger Geh. Rat Prof. QBalbe (Darmstadt), Bad- und Kurdirektor v. B o e h m e r, Studie­rende der theologischen Fakultät (Gießen), Qkr- treter Der Liturgischen Vereinigungen Frankfurt a. M., Baden, Niedersachsen, sowie Qkrtreter Der hessischenDorskirche" und der Paramentenanstalt in Kloster Marienberg bei Helmstedt.

Nach Der Eröffnung am Montagnachmittag im evangelischen Gemeindehaus (alte Wilhelms- kirche) erstattete Universitätsprofessor D. Dr- Cordier (Gießen) das erste Referat überD i e Verwendung des Psalters im Got­te s D i e n st". Der Redner, durch die Wieder- entdeckung des hugenottischen Psalters bekannt, behandelte eingehend Die geschichtliche und die kultische Seite des Psalters. Luther hat Den Psalter als Gebetbuch für die Zwecke des Gottes­dienstes überseht und ihn durch Den kultischen Gebrauch auf die christliche Hohe emporgehoben. Eine sehr rege Aussprache folgte den inhaltreichen Ausführungen. Die Abendandacht, die abends Pfarrer Knodt (Dad-Nauheim) in der Dankes­kirche hielt, trug Den von Prof. CorDi er ent­wickelten Gedankengängen praktisch Rechnung.

Aber weshalb läuft er nicht nach Haufe? Fragt sich nicht durch bis an Den Rhein?

Der Krieg ist doch aus!

Er steht immer noch im Graben, läuft hier­hin und dorthin. Putzt sein Gewehr. Steht immer noch unter einem Befehl. Merkt er Denn nicht, tote sein armseliger Soldatenrock immer Dünner und fahler wird? Hastig, würgend ißt er Die -Rüben, die er aus einem verwüsteten ©arten Lieht. Hält Wache. Fühlt nach, ob er Patronen in Der Tasche hat. UnD wenn oben, im Himmel, toie ein kleiner Raubvogel ein Flieger schwebt, bann Duckt er sich und springt in ein Granatloch. Manchmal sitzt er stundenlang, hat einen zerknit­terten Zehnmarkschein in Der HanD unD beschaut ihn etDtg: Den Kopf Der Germania und Die Kornähren Darauf. Verzieht den Mund zu einem kleinen, verkniffenen Lächeln, holt Die Pfeife aus Dem Stiefelschaft, klemmt sie zwischen Die Zähne unD raucht kalt. Ja, so vergeht Die Zeit. So vergeht ein Jahr. Verlumpt und verwildert. Rur sein Gewehr ist blank und das Soldbuch hat er fest in Der Brusttasche und fühlt ab und zu nach, ob er 's auch nicht verloren hat. Manch­mal schlüpft eine Maus zu ihm. O, eine Maus kann lustig sein! Wie in einen Königssaal kommt sie in sein Grdloch gehuscht.

Lind dann hat er noch feine Mundharmonika! Er streichelt wie über etwas ganz Edles über sie hin, reibt sie blank, harft vier, fünf Tone und horcht, als ob er Die Töne wiederhaben möchte, auf ihre Heimkehr lauert.

UnD Dann saust er in Den Graben unD hält toieDer Wache. Wenn Die Gewitter toben mit Donner unD Blitz, Dann zittert er und wird plotz- lich wie zu Stein, greift das Gewehr, die Gas­maske und steht schußbereit an Der ©rabcntoanD. Manchmal schleicht er auf Patrouille, ins Nie-- manDsland. Wie eine graue Katze schleicht er. Bleibt auf einem Hügel liegen, wo Drei Kreuze stehen. SolDatenkreuze. Es ist, als ob er hinunterhorcht, als ob Da unten Drei zu ihm sprechen. Er lauscht so anDächtig und bewegt Die Lippen. Gr antwortet wohl? Lind jeDesmal lacht er, wenn er zurückkriecht. Ein irrsinniges Lachen. Dei Drei haben wohl aus Der Erde ge­rufen:Krummholz, toaS machst Du noch hier?"

Oie Selbsthilfe der Landwirtschaft.

Die Münchener Wanderausstellung DerDeutfchenLanDwirtschaftsgesell- schäft geht zu Ende. Sie ist Der Fläche nach bisher die größte Ausstellung gewesen. Hat auch Das besonders ungünstige Wetter Die Besucher­zahl verringert, so ist das doch nur Damit zu erklären, daß Die städtische Besucherschaft zum größten Teil a u s g e b l i e be n ist. Für den Städter ist eine Derartige landwirtschaftliche Aus­stellung eben im wesentlichen eine Qkrgnügung, von Der man beim Regen nichts hat. Das ist zweifellos zu beDauem, weil sonst Die stäDtischen Besucher einen lebenDigen EinDruck von Der Viel­fältigkeit der landwirtschaftlichen Arbeit und von den vielseitigen Anforderungen bekommen hätten, die auch in jedem Bauernhof an den Betriebs­leiter, Der vorankommen will, herantreten. Ge­rade in diesem Sinne hat bisher die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft mit ihren jährlich von Gau zu Gau durch die deutschen Lande wechseln­den Ausstellungen viel zur Forderung des Ver­ständnisses zwischen Stadt und Land beigetragen. Mer das Wesentliche bei den DLG.-Ausstelll'"- gen ist doch die Förderung der Land­wirtschaft selbst, das Heranbringen der Fortschritte moderner Detriebsführung an die Masse der Bauernschaft, besonders des Aus­stellungsgaues, und Der Austausch der Erfah­rungen zwischen Wissenschaft, Technik und land- wlirtschaftlicher Praxis an Hand des Ausstel­lungsmaterials. Die DLG. ist als Organ der landwirtschaftlichen Selbsthilfe in dem halben Jahrhundert ihres Bestehens zugleich die Platt­form der organisierten Zusammen­arbeit zwischen Stadt und Land ge­worden. Dieser Hauptzweck der Ausstellung ist voll erfüllt. Der landwirtschaftliche Besuch war trotz des tagelang strömenden Regens genau so stark wie sonst. Man spricht so oft von der Rückständigkeit und Schwerfälligkeit Der Deutschen Bauern unD stellt sich vor allem unter dem bayerischen Bauern einen jedem Fortschitt ab­geneigten Querkops vor. Run, wer nicht nur die fortschrittlichen Landwirte aus dem ganzen Reich, sondern auch die Scharen der bayrischen Bauern auf der Ausstellung gesehen hat, wird wissen, daß dieser Vorwurf unberechtigt ist. Es ist nun einmal so, daß derartige Dinge in der Land­wirtschaft ganz anders in die Erscheinung treten, als etwa bei Industrie und Handel. Eine große landwirtschaftliche Ausstellung muß naturnotwendig ein wesentlich anderes Gesicht zeigen als etwa die Mustermesse in Leipzig. Cs handelt sich hier ja auch nicht nur um die Ver- kaufstätigkeit, die bei den Messen stark von der Aellametüchtigkeit abhängt; Die Ausstellungen Der DLG. zeichnen sich Dadurch aus, daß alle wesentlichen Ausstellungsgegenstände geprüft sind und jeder Besucher sofort an Ort und Stelle ein objektives Sachverständigenurteil erhalten kann. Das ist darum von Wichtigkeit, weil die Verhältnisse hier in jedem einzelnen Betrieb ganz verschieden liegen, so daß ein Muster­gerät für den einen Betrieb im anderen Betrieb nichts wert ist. Es wäre nur zu wünschen, daß dieser gewaltige Eindruck des Selbsthilfewillens der Landwirtschaft nicht ohne Folgen bleibt. Wer die Ausführungen des Viermännerprogramms der deutschen Bauernschaft recht versteht, weih, daß wir vor der Möglichkeit der Beendigung der Agrar k r i s e durch eine Agrar katastrophe stehen.

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Strafkammer Gießen.

Gießen, 11. Juni. Der Kellner Georg QL von Gießen war im Sommer 1927 mit zwei Ge­nossen nach Amsterdam geflüchtet, weil sie hier wegen Betrugs verfolgt wurden. 3n Amsterdam wohnten sie in der Pension eines gewissen Wes­sels. Ms N. und dem noch flüchtigen Walter Julius St. von Wieseck (der dritte hatte in* zwischen Amsterdam verlassen) das Geld ausging, faßten N., St. und ein Viktor Habermann von Wien, der Hausdiener in Der Pension war, Den Entschluß, Wessels zu berauben. Am 3. August 1927 warf ihm Habermann unverfehens eine Decke über Den Kopf, und QL und St. fesselten ihn unter Gewaltanwendung, dann erbrachen sie einen Schrank, entwendeten auS einer darin be­findlichen Kassette etwa 150 fl. und gingen flüch­tig- Wegen dieses Raubs hatte das hiesige Schöffengericht Ql. zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Straf­kammer betätigte dieses Urteil. Habermann ist ebenfalls inzwischen abgeurteUt worden; das Schwurgericht Wien erkannte gegen ihn auf 18 Monate verschärften schweren Kerker.

Unter Ausschluß Der Öffentlichkeit wurde gegen ein Ehepaar aus Friedberg wegen Ab- treibung verhandelt. Ihre Berufung, die an Stelle Der von Dem Schöffengericht erkannten Gefängnisstrafen von sieben und zwei Monaten eine Geldstrafe bezweckte, war ohne Erfolg.