Ausgabe 
12.6.1929
 
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Innerpolitische Debatte im Reichstag.

Berlin, 11.Juni. (VDZ.) Im Reichstag wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichs­innenministeriums fortgesetzt. Von den Deutschnatio­nalen, Nationalsozialisten, Christlichnationalen und Kommunisten sind Mißtrauensanträge gegen Minister Severing eingebracht worden. Von den Regierungs­parteien wird in einer Entschließung die Regierung ersucht, bei der Hereinnahme fremder Arbeitskräfte auch das Auslanddeutschtum zu berücksichtigen.

Abg. Dr. Strathmann (Dn.) weist die An­griffe zurück, die gestern Abgeordneter Dr. Moses gegen die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft gerichtet hat. Er wendet sich dann gegen Tendenzen im Theaterleben, wie sie in Lam- pelsGiftgas über Berlin" zum Ausdruck gekommen seien. Wenn der Minister sich als Verfassungshüter fühle, dann sollte er vor allem auch den Artikel 119 der Verfassung durchsetzen, der die Ehe unter den Schutz des Staates stellt.

Abg. Dr. Dessauer (Zentr.) stimmt der vom Abgeordneten Dr. Moses an der Notgemeinschaft der Wissenschaft geübten Kritik nicht zu. Die von Dr. Moses beanstandeten Arbeiten hätten von den 16 Millionen Neichsbeihilfe nur 11 000 Mark in zwei Jahren erfordert. Auch sachlich gehe die Kritik fehl. Die Notgemeinschaft wirke auch segensreich durch ihre Unterstützungen für den wissenschaftlichen Nach­wuchs.

Heichsimrenminister Severing.

Wenn wir das Be r u f s s ch u l ge se tz aus dos Reich übernehmen, würde das dreißig Millionen kosten. Demnächst wird dem Reichstag die Vorlage des Vereinsgesetzes zugehen. Die Regierung hat hier den alten Entwurf akzeptiert, ohne sich mit allen Einzelheiten zu identifizieren. Ein Reichs- fchulgefetz wird heute kein Minister vorlegen, wenn er nicht die Parteigegensätze verschärfen will. Wir haben für eine solche Gesetzgebung gegenwärtig auch gar nicht das nötige Geld. Wenn ^Stahl­helm" nur den Wehrgedanken pflegen wollte, wie es ja auch der Jungdeutsche Orden tut (Lachen bei den Nationalsozialisten), dann hätten die Behörden keinen Grund, gegen ihn vorzugehen. Er will aber tatsächlich den Parlamentarismus abwürgen, und das lassen wir uns nicht gefallen. Zu meinen Aus­führungen über die Begriffe national und inter­national bin ich durch die Angriffe von deutschnatio­naler Seite provoziert worden. Die Erfahrungen beim Weltkrieg haben gezeigt, welche außenpolitische Gefahr es sein kann, wenn durch unberechtigte An­griffe gegen die Sozialdemokratie im Ausland der Glaube erweckt wird, daß diese größte Partei bei einem Angriff auf Deutschland tatenlos beiseite stehen würde. Die wissenschaftliche Notgemein- schäft wollen wir beim Reicks erhalten, aber die Herren von der Notgemeinschaft sollten nicht zu empfindlich sein gegen berechtigte und auch unbe­rechtigte Kritik. Wir wollen ein Kontrollorgan schaffen, durch das die Verbindung der Herren von der Notgemeinschast mit der Volksvertretung her­gestellt wird.

Abg. Dr. Joos (Zentr.) verlangt bessere Für­sorge für die kinderreichen Familien.

Weiterberatung Mittwoch.

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Die Strafanträge im Rogens-Prozeß.

Das Plädoyer des Oberstaatsanwaltes.

Neustrelitz, 11. 3uni. (WB.) 3m Nogens- Prozeh begannen die Plädoyers. Oberstaats­anwalt Dr. Weber als Vertreter der An­klage betonte, die Hauptverhandlung gegen No­gens und Genossen habe ergeben, daß der Hin­gerichtete 3akubowskl nicht als al­lein schuldig anzusehen sei. Die Geständnisse der Angeklagten Nogens seien nur mit größter Schwierigkeit zustande gekommen. Es sei ihnen deswegen auch bei dem Geständnis des August Nogens, der ja mehrfach wieder geleugnet habe, Beweismittelwert beizumessen. Die Geständnisse seien das festeste Fundament der Anklage. Ein Beweis des Alibis des August Nogens konnte nicht geführt werden. Kreuzfeldt, der in der Hauptverhandlung als Zeuge stark gelogen habe, sei sehr verdächtig. Am Tatort könne Kreuzfeldt jedoch nicht gewesen sein. Als Täter oder Mittäter komme er vorläufig nicht in Frage. 3ft Kreuzfeldt der Anstifter gewesen? Auch für diese Vermutung läßt sich kein Beweis er­bringen. Gegen Blöcker habe sich eigentlich gar kein Verdacht erhoben. 3ch möchte glauben, so sagte der Oberstaatsanwalt, daß Kreuzfeldt Mitwisser war. Gegen die Beteiligung 3akubowskis können ernste Bedenken be­stehen^ diese Bedenken müssen aber stark ein­geschränkt werden. Von der Mitwisserschaft 3akubowskis bin ich überzeugt. Die Familie No- gens hat aber 3akubowski in gerissenster Weise belastet.

Nach mehrstündigen Ausführungen stellte Oberstaatsanwalt Weber folgende ©traf an- träge:

gegen August Nogens wegen gemeinschaft­lichen Mordes die T o d e s st r a f e, wegen Mein­eides zwei Fahre Zuchthaus, außerdem dauernde Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte:

gegen Fritz Nogens wegen gemeinschaft­lichen Mordes und Mittäterschaft, aber unter Berücksichtigung des 3ugendgerichtsgesehes zwei Fahre Gefängnis, wegen Meineides ein 3ahr Gefängnis, zusammengefaht in eine Ge­fängnisstrafe von 2V2 3ähren:

gegen Frau Kähler-Nogens wegen Bei­hilfe zum Morde fünf Fahre Zuchthaus, wegen schweren Meineides drei Fahre Zucht­haus, zusammengezogen in eine Zuchthausstrafe von sechs Fahren, sowie Ehrverlust auf zehn Fahre:

gegen Blöcker wegen schweren Meineides die Mindeststrafe von drei Fahren Zucht­haus, ferner fünf Fahre Ehrverlust und dauernde Entziehung der Zeugnisfähigkeit sowie Erlaß eines Haftbefehles wegen Fluchtverdachtes.

Oie Oeutschnaiionalen zum Konlordat

Berlin, ll.Funi. (VDZ.) Die deutschnatio­nale Fraktion des Preußischen Landtages hat folgendes Schreiben an den Minister­präsidenten gerichtet:Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Landtages ist bereit, an einem Vertrag des Staates mit der Kurie m i t- zuwirken. Sie kann zu dem jetzigen Ver­tragsentwurf erst Stellung nehmen, wenn er i m Wortlaut vorliegt. Sie lehnt den Ab­schluß eines Vertrages mit der Kurie ab, solange nicht gleichwertige Verträge mit den

König Fuads Berliner Besuch.

Oer König besichtigt Industrie- und Derkehrsanlagen.

Berlin, 11. 3uni. (WTB.) König Fuad besichtigte heute vormittag nach einer Rundfahrt durch den Tiergarten in Begleitung seines Ge­folges und feines deutschen Ehrendienstes die An­lagen des Tempelhofer Flughafens. Der König begab sich hierauf zu einer Besichtigung des älllsteinhauses und folgte mittags mit sei­nem Gefolge und den Herren des Ehrendienstes einer Einladung des Reichstagspräsidenten Lobe zu einem Frühstück. An dem Frühstück nahmen teil u. a.: Mitglieder der Reichstagsfraktionen und die Reichsminister Curtius, Severing, Ste- gerwald und Wirth: nachmittags stattete der Kö­nig der Staatlichen Porzellanmanu­faktur einen Besuch ab, wobei Staatskommisfar Regierungsrat Dr. Moelle und der technische Direktor Professor König berichteten über die einzelnen Abteilungen. Besonderes Fnteresse brachte der König dem 900teiIigen Tafel- und Kaffeeservice entgegen, das die Staatliche Ma­nufaktur im Auftrage des ägyptischen Gesandten für den Empfang hergestellt hat, den König Fuad veranstaltet. Hieran schloß sich ein Tee, wobei dem König von der Staatlichen QUanufaftur zum Andenken ein Schinkelkorb überreicht wurde.

Am Abend gaben der Reichskanzler und Frau Müller zu Ehren des Königs im Kongreß­saal der Reichskanzlei ein Festessen, zu dem der Reichspräsident, der Doyen des Diplo­matischen Korps, Nuntius P a c e l l i, Reichstags­präsident L ö b e und die Vizepräsidenten des Reichstages, Esser und v. Kardorff, die Mitglieder der Reichsregierung, der preußische Ministerpräsi­dent Dr. Braun, die Minister Dr. Becker und Dr. Hirtsiefer, Oberbürgermeister Böß, die Chefs der Heeres- und Marineleitung, Vertreter der Wissenschaft, der Industrie, der Banken, des Han­dels, der Wirtschaft und der Presse erschienen waren.

Eine Gefallenen-Ehrung im Zeughaus.

Berlin, 11. Juni. (WTB.) Der König von Aegypten hatte den Wunsch ausgesprochen, das Andenken der deutschen St r i e g s ge­fallenen zu ehren. Aus Anregung der Reichs­

regierung hatte deshalb der preußische Minister­präsident Dr. Braun den König von Aegypten in das Zeughaus geladen. Wenige Minuten vor der Ankunft des Königs traf Reichspräsident v. H i n b e n b u r g in Marschallsuniform ein, be­grüßt von sämtlichen zur Zeit in Berlin anwesen­den Mitgliedern der preußischen Staatsregierung, an ihrer Spitze Ministerpräsident Dr. Braun. Kurz darauf traf der König von Aegypten ein, der in der unteren Halle des Zeughauses vom Herrn Reichspräsidenten und dem preußischen Mi­nisterpräsidenten empfangen wurde. Ministerpräsi­dent Dr. Braun führte dann seinen Gast und den Herrn Reichspräsidenten über die breiten Freitrep­pen, die von Fahnenträgern der Reichs- wehr-Traditionskompagnien flankiert waren, in die Gedenkhalle, die der Erinnerung an die gefallenen deutschen Soldaten geweiht ist. Dort legte der König von Aegypten einen großen Lor­beerkranz mit einer in den ägyptischen Farben gehaltenen Schleife nieder, auf der die Worte stan­den:Fuad R. 1929." Nach der Kranzniederlegung schritt der König von Aegypten die Front der im Vorhofe aufgestälten Fahnenkompagnie ab.

Keine Ordensverleihungen.

Berlin, ll.Funi. Mit Rücksicht auf die entgegenstehenden Bestimmungen der Reichs- Verfassung haben die beteiligten Stellen des Deutschen Reiches und des ägyptischen Königs- Hofes sich dahin verständigt, daß keine Auszeichnungen aus Anlaß des Berliner Staatsbesuches des ägyptischen Königs Fuad er­folgen. König Fuad von Aegypten hatte ur­sprünglich die Absicht, bei seinem Berliner Auf­enthalt Ordensauszeichnungen seines Landes an die Repräsentanten des Deutschen Reiches zu verleihen. Die jetzige Reichsregierung vertritt entsprechend der Ansicht des hierfür Anstehenden Reichsinnenministers Severing die Auffas­sung, daß die Bestimmungen der Reichsverfas- sung ganz klar und eindeutig sind, unö eine An­nahme von Titeln und Orden nicht zu lassen. Der ägyptische König ist hiervon verständigt worden, so daß er von Auszeichnungen Ab­stand genommen hat.

Sommertagmg des Kesslschen Landtages.

Die Prügelstrafe. Rot-Zroni im Parlament.

Darmstadt, ll.Funi. Präsident Delp er­öffnet die 48. Sitzung des Landtags bei gut be­setztem Haus. Anwesend sind Staatspräsident Adelung und sämtliche Minister. Die kommunisti­schen Abgeordneten Sumpf und Schäfer erscheinen in der .Uniform des verbotenen Roten Front­kämpferbundes. Der Präsident widmet dem ver­storbenen sozialdemokratischen Abg. Södel einen warmen Nachruf, den das Haus stehend anhört. Der Nachfolger, Gemeinderechner Georg Schwe­be!, Siedelsbrunn, wird eingeführt.

Es folgen zahlreiche kleine Anfragen. 11. a. er­klärt Staatspräsident Adelung, daß von einer Aufhebung der E i s e n b a h n d i r e k t i o n Mainz und der Oberpostdirektion Darmstadt nichts bekannt sei und daß die Regierung sich gegen solche Bestrebungen energisch wenden würde.

Auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten v. d. S ch m i 11 (Komm.), ob die Regierung bereit ist, die Verfügung, wonach Notferien wegen Kälte und Kohlenmangel auf die sonstigen Ferien angerechnet werden sollen, rückgängig zu machen, erwidert Ministerialdirektor 11 r st a d t, daß er nicht beabsichtige, die Verfügung zurück­zunehmen. Nach der Kürzung der Osterferien, und da nur unwesentliche lleberschreitungen der in der Verfügung gezogenen Grenze vorgekom- men sind, ist eine Kürzung sonstiger Ferien nicht erforderlich geworden.

Auf eine kleine Anfrage des Abg. Senat er­widert Staatsrat Karcher: Der Regierung ist bekannt, daß eine Anzahl Gemeinden mit der Ablieferung der erhvoenen Beiträge zur Handwerkskammer im Rückstand ist. Die Säumigen werden zur alsbaldigen Erfüllung der ihnen obliegenden gesetzlichen Verpflichtungen angehalten werden.

Die vom Hauptausschuß als vordringlich ge­nehmigte Errichtung von Dergarbei- terwohnungen in Wölfersheim und die Umstellung der Landwirtschaft im Hohen Vogelsberg werden zur Kenntnis genom­men. Bei dem Einbau einer Sammelhei- jung in das Ludwig-Georg-Gym- n a f i u m in Darmstadt (40 000 Mk.) spre­chen sich die Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.), Ham- mann (Komm.), Donath (Dem.) gegen die Vorlage aus, während Abg. Heimstadt (Ztr.) sich dafür erklärt. Die Abg. Dr. Werner (fraktionslos) und Dr. Keller (D. Dp.) unterstützen die Vorlage, die ?egen Bauernbund, Kommunisten und drei Demo­raten angenommen wird mit der Maßgabe, daß die Stadt Darmstadt die Kosten verzinsen mutz.

Abg. H a m m n n n (Komm.) begründet seinen Antrag, die Prügelstrafe in den hessischen Schulen aufzuheben. Es sei ein Skandal, daß die

hessische Regierung an dem Erlaß über die Prügel­strafe, der schon über 25 Jahre alt sei, festhalte, trotzdem wir inzwischen eine Revolution gehabt und einen neuen Volksstaat bekommen haben sollen. Warum werde nur in der Volksschule so häufig ge­prügelt?

Ministerialdirektor U rfta bt stellt fest, daß ent­sprechend den Anregungen der Regierung die kör­perliche Züchtigung in den Schulen immer seltener werde. Bei dieser Frage seien auch die Erzieher und Eltern zu hören. Wenn das Dolksschulgesetz nicht bald komme, werde die Regierung von sich aus vorgehen. Die meisten kommunistischen Behauptun­gen über Mißhandlungen hätten sich als falsch er­wiesen.

Abg. Winter (Zentr.) wandte sich scharf gegen die Uebertreibungen des Abgeordneten Hammann. Es gäbe allerdings Fälle, in denen ein Lehrer bei aller Güte ohne Züchtigung nicht auskommen könne.

Abg. Reiber (Dem.) erhebt Einspruch gegen die allgemeinen Derdächtigungen der hessischen Lehrer­schaft durch die Kommunisten, denen leichtfertige Be­hauptungen wiederholt nachgewiesen worden seien. Er bittet die Regierung, alsbald eine Revision der Züchtigungsoorschriften etwa nach preußischem Muster vorzunehmen.

Abg. Kaul (Soz.) polemisiert gegen die agita­torische Haltung der Kommunisten in dieser Frage. Wenn die vorgebrachten Fälle von Mißhandlungen zuträfen, bann verlange er allerdings schärfste straf­rechtliche Verfolgung. Die Sozialdemokratie erachte die Prügelstrafe als ein zur Erziehung ungeeignetes Mittel und trete für den Antrag ein.

Abg. G a l m (Komm.) verlangt nicht öffentliche Zustimmung der Sozialdemokraten zu dem Antrag, sondern Durchsetzung ihrer Gewalt in der Regie­rung. Notwendig sei auch eine bessere Auswahl bei der Lehrereinstellung.

In der Abstimmung wird der Antrag mit den Stimmen der Rechten und der Mitte abgelehnt.

Präsident Delp fordert die beiden kommunisti­schen Abgeordneten Sumpf und Schäfer, die die verbotene Rotfrontuniform tragen, auf, beit Saal z u verlas fen. Die Abgeordneten weigern sich und protestieren. Daraufhin werden I sie auf vier Sitzungen ausgeschlossen. Die Sitzung wird unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der -Sitzuna fordert der Präsident die beiden Ab­geordneten abermals auf, den Saal zu ver­lassen. Da sie sich erneut weigern, erfolgt ihr Aus­schluß auf die Dauer von 14 Sitzungstagen. Prä­sident Delp schließt die Sitzung um 2 Uhr und be­raumt die nächste Sitzung auf Mittwoch, 10 Uhr, an: Aussprache über die Aenderung des Notariats. Die Kommunisten begleiten den Sitzungsschluß mit Rot-Front-Rufen.

evangelischen Kirchen vereinbart sind, die vom Landtage gleichzeitig und in un­löslicher Verbindung mit jenem an­genommen werden können. Die Fraktion ersucht das Staatsministerium: 1. entsprechend den vom Kultusminister gemachten Zusagen den jetzigen Vertragsentwurf zu veröffentlichen: 2. die­sen Vertrag noch nicht zu unterzeichnen und die Verhandlungen mit den evangelischen Kirchen wieder aufzunehmen."

Volkspartei

und Preußenkabinett.

Die Ablehnung des Brarmschen Angebots.

Berlin, 11.Juni. (Priv.-Tel.) Die preußische Regierungspresse zerbricht sich den Kopf darüber, weshalb die Deutsche Dolkspartei nicht auf bas angebliche Entgegenkommen des preußischen Ministerpräsidenten Braun eingegangen ist. Für die Deutsche Dolkspartei ist dabei sicherlich die Erwägung maßgebend gewesen, daß das Angebot des politisch I ärmlich bedeutungslosen Handelsministeriums und eines Ministers ohne Portefeuille für eine Vertre­

tung der Partei im Kabinett ungenügend ist, zumal der Versuch, die Verbindung zwischen Reichs­kabinett und Preußenkabinett durch die Person eines Ministers herzustellen, kaum als eine glückliche Lö­sung des Dualismus zwischen dem Reich und Preu­ßen angesehen werden kann. Darüber hinaus aber dürsten auch Erwägungen der Reichspo- l i t i k für die Vorstandsentscheidung der preußischen Landtagsfraktion maßgebend sein. Aus der Rede des Führers der Reichstagsfraktion der Deutschen Volks­partei in Düsseldorf ging hervor, daß die Deutsche Dolkspartei die sachlichen Differenzen mit der So- zialdemokratie in der Frage der Balancierung des Etats doch für recht schwerwiegend hält. Na­türlich wäre es falsch, annehmen zu wollen, daß die Deutsche Volkspartei gesonnen sei, heute oder mor­gen hieraus Konsequenzen zu ziehen. Aber man kann die Möglichkeit nicht von der Hand weisen, daß es wegen der Finanzfragen im Reich, insbe­sondere wegen der Arbeitslosenversiche­rung, einmal zu tiefgehenden und unüberbrück­baren Meinungsverschiedenheiten zwischen dem rech­ten und dem linken Flügel der jetzigen Regierungs- koalition kommt. Aus diesem Grunde dürfte die Deutsche Volkspartei in Preußen es einstweilen vorziehen, sich in einiger Reserve zu halten, zu­

mal ja gerade In 8er Konkorvatsfraae

sehen dem Liberalismus einerseits und dem Zentrum und der Sozialdemokratie andererseits erhebliche Differenzen bestehen.

Aus aller Well.

Generaldirektor Lolsmann

vom LuftschiffbauZeppelin" tritt zurück.

Kommerzienrat Dr.-Jng. C o l s m a n n wird auf Grund eines in der Gesellschaftsoersammlung des LuftschiffbausZeppelin" zustande gekommenen Be­schlusses am 1. Juli in freundschaftlichem Einverneh­men mit den Gesellschaftern feit» Stellung als Ge­neraldirektor des LuftschiffbausZeppelin" nie­derlegen, um sich volkswirtschaftlichen Aufgaben zuzuwenden. Hinsichtlich der Neubesetzung sind bis­her noch keine Beschlüsse gefaßt worden.

Riesenbrand in einem amerikanischen Petroleumfeld.

3n einem der Los Angeles nahegelegenen Pe- troleumselder sind neun Bohrtürme und 4 5 000 Fässer Petroleum durch einen Riesenbrand vernichtet worden, der einen Gesamtschaden von mehr als einer Mil­lion Dollar anrichtete. Die mit Asbestbekleidung versehenen _ Feuerwehrleute waren die ganze Nacht bemüht, den Brand einzudämmen. Die Polizei hatte die größten Schwierigkeiten, die Menge der Zuschauer, die durch den gewaltigen Feuerschein und die ungeheuren Rauchwolken an- gelockt worden waren, aus der Gefahrzone fern­zuhalten.

Schwerer Unfall bei einem Turmkarusseü.

Auf dem Vergnügungspark am Holzmarkt in Ratibor löste sich plötzlich eine etwa 100 Kilo­gramm schwere Gondel von einem 5 Meter hohen Turmkarussell. Die Gondel wurde, da sich das Karussell in voller Fahrt befand, mitten unter die Zuschauer geschleudert. Neun Erwachsene und fünf Kinder wurden ver­letzt, davon ein Erwachsener und zwei Kinder sehr schwer. Das Unglück soll darauf zurückzuführen sein, daß die Drahtseilenden nicht vorfchrists- mäßig mit der Gondel verbunden waren.

Kunst und Wissenschaft.

Der schöne Mensch in der Neuen Kunst. Darmstadt 1929.

Die Räume des Nusstellungsgebäudes sind neu hergerichtet worden. Durch Herausnahme von Zwischenwänden und Einbauten ist die herr­liche Architektur des Erbauers Olbrich wieder­hergestellt. 3n dem sogenannten Sektraum ne­ben dem Hochzeitsraum wird ein Kaffeerestau­rant eingerichtet. Die Eröffnung findet Sonntag, 16. 3uni, statt.

(Eine deutsche Kunstausstellung in Paris.

Fn der Pariser Nationalbibliothek wurde am Sonntagnachmittag durch den deutschen Botschafter von H o e s ch und den französischen Anterstaatssekretär für schöne Künste, Francois Poncet, eine Ausstellung moderner deutscher Graphik eröffnet. Sie ist als Gegenstück der im März d. 3. in der staatlichen Kunstbibliothek in Berlin veranstalteten Ausstellung moderner französischer Graphik gedacht und führt von Lie­bermann und Korinth bis zur jüngsten Gegen­wart. Fhre Organisation liegt in den Händen des Direktors der staatlichen Kunstbibliothek, Pro- feffor Dr. Glaser, der von den Beamten der Nationalbibliothek unterstützt wurde. Die Aus­stellung vereinigt mehr als 300 Werke deutscher Künstler und gibt ein anschauliches Bild der ver­schiedenen Kunstrichtungen. Auch Hans Thoma und Slevogt kommen zu Wort. Ebenso die be­kanntesten deutscher Bildhauer, Graphiker, die Dresdener Schule und Käthe Kollwitz.

Oie Wetterlage.

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Coruna

Dienstaa, nl 1929,7 aDds.

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Wettervoraussage.

Der hohe Druck wandert ostwärts ab. Sein Einfluß auf unsere Wetterlage geht dem Ende zu, und die über Frankreich lagernde Störung bringt bereits bis in unseren Bezirk leichte Bewölkung. Unter ihrem Einfluß herrscht morgen vielfach wolkiges Wetter, und strichweise Niederschläge sind dabei nicht ausgeschlossen.

Wettervoraussage für Donnerstag: Wolkiges Wetter, vereinzelte Niederschläge, teilweise gewitterhafter 21 rt

WetterooraussagefürFreitag: Wenig Aenderung der Wetterlage wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 11. Juni: mittags 20,3 Grad Celsius, abends 17 Grad: am 12. Juni: morgens 15,3 Grad. Maximum 23,4 Grad, Minimum 6,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. Juni: abends 24,2 Grad; am 12. Juni: morgens 16,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1S-L Stunden.