Innerpolitische Debatte im Reichstag.
Berlin, 11.Juni. (VDZ.) Im Reichstag wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums fortgesetzt. Von den Deutschnationalen, Nationalsozialisten, Christlichnationalen und Kommunisten sind Mißtrauensanträge gegen Minister Severing eingebracht worden. Von den Regierungsparteien wird in einer Entschließung die Regierung ersucht, bei der Hereinnahme fremder Arbeitskräfte auch das Auslanddeutschtum zu berücksichtigen.
Abg. Dr. Strathmann (Dn.) weist die Angriffe zurück, die gestern Abgeordneter Dr. Moses gegen die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft gerichtet hat. Er wendet sich dann gegen Tendenzen im Theaterleben, wie sie in Lam- pels „Giftgas über Berlin" zum Ausdruck gekommen • seien. Wenn der Minister sich als Verfassungshüter fühle, dann sollte er vor allem auch den Artikel 119 der Verfassung durchsetzen, der die Ehe unter den Schutz des Staates stellt.
Abg. Dr. Dessauer (Zentr.) stimmt der vom Abgeordneten Dr. Moses an der Notgemeinschaft der Wissenschaft geübten Kritik nicht zu. Die von Dr. Moses beanstandeten Arbeiten hätten von den 16 Millionen Neichsbeihilfe nur 11 000 Mark in zwei Jahren erfordert. Auch sachlich gehe die Kritik fehl. Die Notgemeinschaft wirke auch segensreich durch ihre Unterstützungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Heichsimrenminister Severing.
Wenn wir das Be r u f s s ch u l ge se tz aus dos Reich übernehmen, würde das dreißig Millionen kosten. Demnächst wird dem Reichstag die Vorlage des Vereinsgesetzes zugehen. Die Regierung hat hier den alten Entwurf akzeptiert, ohne sich mit allen Einzelheiten zu identifizieren. Ein Reichs- fchulgefetz wird heute kein Minister vorlegen, wenn er nicht die Parteigegensätze verschärfen will. Wir haben für eine solche Gesetzgebung gegenwärtig auch gar nicht das nötige Geld. Wenn ^„Stahlhelm" nur den Wehrgedanken pflegen wollte, wie es ja auch der Jungdeutsche Orden tut (Lachen bei den Nationalsozialisten), dann hätten die Behörden keinen Grund, gegen ihn vorzugehen. Er will aber tatsächlich den Parlamentarismus abwürgen, und das lassen wir uns nicht gefallen. Zu meinen Ausführungen über die Begriffe national und international bin ich durch die Angriffe von deutschnationaler Seite provoziert worden. Die Erfahrungen beim Weltkrieg haben gezeigt, welche außenpolitische Gefahr es sein kann, wenn durch unberechtigte Angriffe gegen die Sozialdemokratie im Ausland der Glaube erweckt wird, daß diese größte Partei bei einem Angriff auf Deutschland tatenlos beiseite stehen würde. Die wissenschaftliche Notgemein- schäft wollen wir beim Reicks erhalten, aber die Herren von der Notgemeinschaft sollten nicht zu empfindlich sein gegen berechtigte und auch unberechtigte Kritik. Wir wollen ein Kontrollorgan schaffen, durch das die Verbindung der Herren von der Notgemeinschast mit der Volksvertretung hergestellt wird.
Abg. Dr. Joos (Zentr.) verlangt bessere Fürsorge für die kinderreichen Familien.
Weiterberatung Mittwoch.
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Die Strafanträge im Rogens-Prozeß.
Das Plädoyer des Oberstaatsanwaltes.
Neustrelitz, 11. 3uni. (WB.) 3m Nogens- Prozeh begannen die Plädoyers. Oberstaatsanwalt Dr. Weber als Vertreter der Anklage betonte, die Hauptverhandlung gegen Nogens und Genossen habe ergeben, daß der Hingerichtete 3akubowskl nicht als allein schuldig anzusehen sei. Die Geständnisse der Angeklagten Nogens seien nur mit größter Schwierigkeit zustande gekommen. Es sei ihnen deswegen auch bei dem Geständnis des August Nogens, der ja mehrfach wieder geleugnet habe, Beweismittelwert beizumessen. Die Geständnisse seien das festeste Fundament der Anklage. Ein Beweis des Alibis des August Nogens konnte nicht geführt werden. Kreuzfeldt, der in der Hauptverhandlung als Zeuge stark gelogen habe, sei sehr verdächtig. Am Tatort könne Kreuzfeldt jedoch nicht gewesen sein. Als Täter oder Mittäter komme er vorläufig nicht in Frage. 3ft Kreuzfeldt der Anstifter gewesen? Auch für diese Vermutung läßt sich kein Beweis erbringen. Gegen Blöcker habe sich eigentlich gar kein Verdacht erhoben. 3ch möchte glauben, so sagte der Oberstaatsanwalt, daß Kreuzfeldt Mitwisser war. Gegen die Beteiligung 3akubowskis können ernste Bedenken bestehen^ diese Bedenken müssen aber stark eingeschränkt werden. Von der Mitwisserschaft 3akubowskis bin ich überzeugt. Die Familie No- gens hat aber 3akubowski in gerissenster Weise belastet.
Nach mehrstündigen Ausführungen stellte Oberstaatsanwalt Weber folgende ©traf an- träge:
gegen August Nogens wegen gemeinschaftlichen Mordes die T o d e s st r a f e, wegen Meineides zwei Fahre Zuchthaus, außerdem dauernde Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte:
gegen Fritz Nogens wegen gemeinschaftlichen Mordes und Mittäterschaft, aber unter Berücksichtigung des 3ugendgerichtsgesehes zwei Fahre Gefängnis, wegen Meineides ein 3ahr Gefängnis, zusammengefaht in eine Gefängnisstrafe von 2V2 3ähren:
gegen Frau Kähler-Nogens wegen Beihilfe zum Morde fünf Fahre Zuchthaus, wegen schweren Meineides drei Fahre Zuchthaus, zusammengezogen in eine Zuchthausstrafe von sechs Fahren, sowie Ehrverlust auf zehn Fahre:
gegen Blöcker wegen schweren Meineides die Mindeststrafe von drei Fahren Zuchthaus, ferner fünf Fahre Ehrverlust und dauernde Entziehung der Zeugnisfähigkeit sowie Erlaß eines Haftbefehles wegen Fluchtverdachtes.
Oie Oeutschnaiionalen zum Konlordat
Berlin, ll.Funi. (VDZ.) Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Landtages hat folgendes Schreiben an den Ministerpräsidenten gerichtet: „Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Landtages ist bereit, an einem Vertrag des Staates mit der Kurie m i t- zuwirken. Sie kann zu dem jetzigen Vertragsentwurf erst Stellung nehmen, wenn er i m Wortlaut vorliegt. Sie lehnt den Abschluß eines Vertrages mit der Kurie ab, solange nicht gleichwertige Verträge mit den
König Fuads Berliner Besuch.
Oer König besichtigt Industrie- und Derkehrsanlagen.
Berlin, 11. 3uni. (WTB.) König Fuad besichtigte heute vormittag nach einer Rundfahrt durch den Tiergarten in Begleitung seines Gefolges und feines deutschen Ehrendienstes die Anlagen des Tempelhofer Flughafens. Der König begab sich hierauf zu einer Besichtigung des älllsteinhauses und folgte mittags mit seinem Gefolge und den Herren des Ehrendienstes einer Einladung des Reichstagspräsidenten Lobe zu einem Frühstück. An dem Frühstück nahmen teil u. a.: Mitglieder der Reichstagsfraktionen und die Reichsminister Curtius, Severing, Ste- gerwald und Wirth: nachmittags stattete der König der Staatlichen Porzellanmanufaktur einen Besuch ab, wobei Staatskommisfar Regierungsrat Dr. Moelle und der technische Direktor Professor König berichteten über die einzelnen Abteilungen. Besonderes Fnteresse brachte der König dem 900teiIigen Tafel- und Kaffeeservice entgegen, das die Staatliche Manufaktur im Auftrage des ägyptischen Gesandten für den Empfang hergestellt hat, den König Fuad veranstaltet. Hieran schloß sich ein Tee, wobei dem König von der Staatlichen QUanufaftur zum Andenken ein Schinkelkorb überreicht wurde.
Am Abend gaben der Reichskanzler und Frau Müller zu Ehren des Königs im Kongreßsaal der Reichskanzlei ein Festessen, zu dem der Reichspräsident, der Doyen des Diplomatischen Korps, Nuntius P a c e l l i, Reichstagspräsident L ö b e und die Vizepräsidenten des Reichstages, Esser und v. Kardorff, die Mitglieder der Reichsregierung, der preußische Ministerpräsident Dr. Braun, die Minister Dr. Becker und Dr. Hirtsiefer, Oberbürgermeister Böß, die Chefs der Heeres- und Marineleitung, Vertreter der Wissenschaft, der Industrie, der Banken, des Handels, der Wirtschaft und der Presse erschienen waren.
Eine Gefallenen-Ehrung im Zeughaus.
Berlin, 11. Juni. (WTB.) Der König von Aegypten hatte den Wunsch ausgesprochen, das Andenken der deutschen St r i e g s gefallenen zu ehren. Aus Anregung der Reichs
regierung hatte deshalb der preußische Ministerpräsident Dr. Braun den König von Aegypten in das Zeughaus geladen. Wenige Minuten vor der Ankunft des Königs traf Reichspräsident v. H i n b e n b u r g in Marschallsuniform ein, begrüßt von sämtlichen zur Zeit in Berlin anwesenden Mitgliedern der preußischen Staatsregierung, an ihrer Spitze Ministerpräsident Dr. Braun. Kurz darauf traf der König von Aegypten ein, der in der unteren Halle des Zeughauses vom Herrn Reichspräsidenten und dem preußischen Ministerpräsidenten empfangen wurde. Ministerpräsident Dr. Braun führte dann seinen Gast und den Herrn Reichspräsidenten über die breiten Freitreppen, die von Fahnenträgern der Reichs- wehr-Traditionskompagnien flankiert waren, in die Gedenkhalle, die der Erinnerung an die gefallenen deutschen Soldaten geweiht ist. Dort legte der König von Aegypten einen großen Lorbeerkranz mit einer in den ägyptischen Farben gehaltenen Schleife nieder, auf der die Worte standen: „Fuad R. 1929." Nach der Kranzniederlegung schritt der König von Aegypten die Front der im Vorhofe aufgestälten Fahnenkompagnie ab.
Keine Ordensverleihungen.
Berlin, ll.Funi. Mit Rücksicht auf die entgegenstehenden Bestimmungen der Reichs- Verfassung haben die beteiligten Stellen des Deutschen Reiches und des ägyptischen Königs- Hofes sich dahin verständigt, daß keine Auszeichnungen aus Anlaß des Berliner Staatsbesuches des ägyptischen Königs Fuad erfolgen. König Fuad von Aegypten hatte ursprünglich die Absicht, bei seinem Berliner Aufenthalt Ordensauszeichnungen seines Landes an die Repräsentanten des Deutschen Reiches zu verleihen. Die jetzige Reichsregierung vertritt entsprechend der Ansicht des hierfür Anstehenden Reichsinnenministers Severing die Auffassung, daß die Bestimmungen der Reichsverfas- sung ganz klar und eindeutig sind, unö eine Annahme von Titeln und Orden nicht zu lassen. Der ägyptische König ist hiervon verständigt worden, so daß er von Auszeichnungen Abstand genommen hat.
Sommertagmg des Kesslschen Landtages.
Die Prügelstrafe. — Rot-Zroni im Parlament.
Darmstadt, ll.Funi. Präsident Delp eröffnet die 48. Sitzung des Landtags bei gut besetztem Haus. Anwesend sind Staatspräsident Adelung und sämtliche Minister. Die kommunistischen Abgeordneten Sumpf und Schäfer erscheinen in der .Uniform des verbotenen Roten Frontkämpferbundes. Der Präsident widmet dem verstorbenen sozialdemokratischen Abg. Södel einen warmen Nachruf, den das Haus stehend anhört. Der Nachfolger, Gemeinderechner Georg Schwebe!, Siedelsbrunn, wird eingeführt.
Es folgen zahlreiche kleine Anfragen. 11. a. erklärt Staatspräsident Adelung, daß von einer Aufhebung der E i s e n b a h n d i r e k t i o n Mainz und der Oberpostdirektion Darmstadt nichts bekannt sei und daß die Regierung sich gegen solche Bestrebungen energisch wenden würde.
Auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten v. d. S ch m i 11 (Komm.), ob die Regierung bereit ist, die Verfügung, wonach Notferien wegen Kälte und Kohlenmangel auf die sonstigen Ferien angerechnet werden sollen, rückgängig zu machen, erwidert Ministerialdirektor 11 r st a d t, daß er nicht beabsichtige, die Verfügung zurückzunehmen. Nach der Kürzung der Osterferien, und da nur unwesentliche lleberschreitungen der in der Verfügung gezogenen Grenze vorgekom- men sind, ist eine Kürzung sonstiger Ferien nicht erforderlich geworden.
Auf eine kleine Anfrage des Abg. Senat erwidert Staatsrat Karcher: Der Regierung ist bekannt, daß eine Anzahl Gemeinden mit der Ablieferung der erhvoenen Beiträge zur Handwerkskammer im Rückstand ist. Die Säumigen werden zur alsbaldigen Erfüllung der ihnen obliegenden gesetzlichen Verpflichtungen angehalten werden.
Die vom Hauptausschuß als vordringlich genehmigte Errichtung von Dergarbei- terwohnungen in Wölfersheim und die Umstellung der Landwirtschaft im Hohen Vogelsberg werden zur Kenntnis genommen. Bei dem Einbau einer Sammelhei- jung in das Ludwig-Georg-Gym- n a f i u m in Darmstadt (40 000 Mk.) sprechen sich die Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.), Ham- mann (Komm.), Donath (Dem.) gegen die Vorlage aus, während Abg. Heimstadt (Ztr.) sich dafür erklärt. Die Abg. Dr. Werner (fraktionslos) und Dr. Keller (D. Dp.) unterstützen die Vorlage, die ?egen Bauernbund, Kommunisten und drei Demoraten angenommen wird mit der Maßgabe, daß die Stadt Darmstadt die Kosten verzinsen mutz.
Abg. H a m m n n n (Komm.) begründet seinen Antrag, die Prügelstrafe in den hessischen Schulen aufzuheben. Es sei ein Skandal, daß die
hessische Regierung an dem Erlaß über die Prügelstrafe, der schon über 25 Jahre alt sei, festhalte, trotzdem wir inzwischen eine Revolution gehabt und einen neuen Volksstaat bekommen haben sollen. Warum werde nur in der Volksschule so häufig geprügelt?
Ministerialdirektor U rfta bt stellt fest, daß entsprechend den Anregungen der Regierung die körperliche Züchtigung in den Schulen immer seltener werde. Bei dieser Frage seien auch die Erzieher und Eltern zu hören. Wenn das Dolksschulgesetz nicht bald komme, werde die Regierung von sich aus vorgehen. Die meisten kommunistischen Behauptungen über Mißhandlungen hätten sich als falsch erwiesen.
Abg. Winter (Zentr.) wandte sich scharf gegen die Uebertreibungen des Abgeordneten Hammann. Es gäbe allerdings Fälle, in denen ein Lehrer bei aller Güte ohne Züchtigung nicht auskommen könne.
Abg. Reiber (Dem.) erhebt Einspruch gegen die allgemeinen Derdächtigungen der hessischen Lehrerschaft durch die Kommunisten, denen leichtfertige Behauptungen wiederholt nachgewiesen worden seien. Er bittet die Regierung, alsbald eine Revision der Züchtigungsoorschriften etwa nach preußischem Muster vorzunehmen.
Abg. Kaul (Soz.) polemisiert gegen die agitatorische Haltung der Kommunisten in dieser Frage. Wenn die vorgebrachten Fälle von Mißhandlungen zuträfen, bann verlange er allerdings schärfste strafrechtliche Verfolgung. Die Sozialdemokratie erachte die Prügelstrafe als ein zur Erziehung ungeeignetes Mittel und trete für den Antrag ein.
Abg. G a l m (Komm.) verlangt nicht öffentliche Zustimmung der Sozialdemokraten zu dem Antrag, sondern Durchsetzung ihrer Gewalt in der Regierung. Notwendig sei auch eine bessere Auswahl bei der Lehrereinstellung.
In der Abstimmung wird der Antrag mit den Stimmen der Rechten und der Mitte abgelehnt.
Präsident Delp fordert die beiden kommunistischen Abgeordneten Sumpf und Schäfer, die die verbotene Rotfrontuniform tragen, auf, beit Saal z u verlas fen. Die Abgeordneten weigern sich und protestieren. Daraufhin werden I sie auf vier Sitzungen ausgeschlossen. Die Sitzung wird unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der -Sitzuna fordert der Präsident die beiden Abgeordneten abermals auf, den Saal zu verlassen. Da sie sich erneut weigern, erfolgt ihr Ausschluß auf die Dauer von 14 Sitzungstagen. Präsident Delp schließt die Sitzung um 2 Uhr und beraumt die nächste Sitzung auf Mittwoch, 10 Uhr, an: Aussprache über die Aenderung des Notariats. Die Kommunisten begleiten den Sitzungsschluß mit Rot-Front-Rufen.
evangelischen Kirchen vereinbart sind, die vom Landtage gleichzeitig und in unlöslicher Verbindung mit jenem angenommen werden können. Die Fraktion ersucht das Staatsministerium: 1. entsprechend den vom Kultusminister gemachten Zusagen den jetzigen Vertragsentwurf zu veröffentlichen: 2. diesen Vertrag noch nicht zu unterzeichnen und die Verhandlungen mit den evangelischen Kirchen wieder aufzunehmen."
Volkspartei
und Preußenkabinett.
Die Ablehnung des Brarmschen Angebots.
Berlin, 11.Juni. (Priv.-Tel.) Die preußische Regierungspresse zerbricht sich den Kopf darüber, weshalb die Deutsche Dolkspartei nicht auf bas angebliche Entgegenkommen des preußischen Ministerpräsidenten Braun eingegangen ist. Für die Deutsche Dolkspartei ist dabei sicherlich die Erwägung maßgebend gewesen, daß das Angebot des politisch I ärmlich bedeutungslosen Handelsministeriums und eines Ministers ohne Portefeuille für eine Vertre
tung der Partei im Kabinett ungenügend ist, zumal der Versuch, die Verbindung zwischen Reichskabinett und Preußenkabinett durch die Person eines Ministers herzustellen, kaum als eine glückliche Lösung des Dualismus zwischen dem Reich und Preußen angesehen werden kann. Darüber hinaus aber dürsten auch Erwägungen der Reichspo- l i t i k für die Vorstandsentscheidung der preußischen Landtagsfraktion maßgebend sein. Aus der Rede des Führers der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei in Düsseldorf ging hervor, daß die Deutsche Dolkspartei die sachlichen Differenzen mit der So- zialdemokratie in der Frage der Balancierung des Etats doch für recht schwerwiegend hält. Natürlich wäre es falsch, annehmen zu wollen, daß die Deutsche Volkspartei gesonnen sei, heute oder morgen hieraus Konsequenzen zu ziehen. Aber man kann die Möglichkeit nicht von der Hand weisen, daß es wegen der Finanzfragen im Reich, insbesondere wegen der Arbeitslosenversicherung, einmal zu tiefgehenden und unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten zwischen dem rechten und dem linken Flügel der jetzigen Regierungs- koalition kommt. Aus diesem Grunde dürfte die Deutsche Volkspartei in Preußen es einstweilen vorziehen, sich in einiger Reserve zu halten, zu
mal ja gerade In 8er Konkorvatsfraae
sehen dem Liberalismus einerseits und dem Zentrum und der Sozialdemokratie andererseits erhebliche Differenzen bestehen.
Aus aller Well.
Generaldirektor Lolsmann
vom Luftschiffbau „Zeppelin" tritt zurück.
Kommerzienrat Dr.-Jng. C o l s m a n n wird auf Grund eines in der Gesellschaftsoersammlung des Luftschiffbaus „Zeppelin" zustande gekommenen Beschlusses am 1. Juli in freundschaftlichem Einvernehmen mit den Gesellschaftern feit» Stellung als Generaldirektor des Luftschiffbaus „Zeppelin" niederlegen, um sich volkswirtschaftlichen Aufgaben zuzuwenden. Hinsichtlich der Neubesetzung sind bisher noch keine Beschlüsse gefaßt worden.
Riesenbrand in einem amerikanischen Petroleumfeld.
3n einem der Los Angeles nahegelegenen Pe- troleumselder sind neun Bohrtürme und 4 5 000 Fässer Petroleum durch einen Riesenbrand vernichtet worden, der einen Gesamtschaden von mehr als einer Million Dollar anrichtete. Die mit Asbestbekleidung versehenen _ Feuerwehrleute waren die ganze Nacht bemüht, den Brand einzudämmen. Die Polizei hatte die größten Schwierigkeiten, die Menge der Zuschauer, die durch den gewaltigen Feuerschein und die ungeheuren Rauchwolken an- gelockt worden waren, aus der Gefahrzone fernzuhalten.
Schwerer Unfall bei einem Turmkarusseü.
Auf dem Vergnügungspark am Holzmarkt in Ratibor löste sich plötzlich eine etwa 100 Kilogramm schwere Gondel von einem 5 Meter hohen Turmkarussell. Die Gondel wurde, da sich das Karussell in voller Fahrt befand, mitten unter die Zuschauer geschleudert. Neun Erwachsene und fünf Kinder wurden verletzt, davon ein Erwachsener und zwei Kinder sehr schwer. Das Unglück soll darauf zurückzuführen sein, daß die Drahtseilenden nicht vorfchrists- mäßig mit der Gondel verbunden waren.
Kunst und Wissenschaft.
Der schöne Mensch in der Neuen Kunst. Darmstadt 1929.
Die Räume des Nusstellungsgebäudes sind neu hergerichtet worden. Durch Herausnahme von Zwischenwänden und Einbauten ist die herrliche Architektur des Erbauers Olbrich wiederhergestellt. 3n dem sogenannten Sektraum neben dem Hochzeitsraum wird ein Kaffeerestaurant eingerichtet. Die Eröffnung findet Sonntag, 16. 3uni, statt.
(Eine deutsche Kunstausstellung in Paris.
Fn der Pariser Nationalbibliothek wurde am Sonntagnachmittag durch den deutschen Botschafter von H o e s ch und den französischen Anterstaatssekretär für schöne Künste, Francois Poncet, eine Ausstellung moderner deutscher Graphik eröffnet. Sie ist als Gegenstück der im März d. 3. in der staatlichen Kunstbibliothek in Berlin veranstalteten Ausstellung moderner französischer Graphik gedacht und führt von Liebermann und Korinth bis zur jüngsten Gegenwart. Fhre Organisation liegt in den Händen des Direktors der staatlichen Kunstbibliothek, Pro- feffor Dr. Glaser, der von den Beamten der Nationalbibliothek unterstützt wurde. Die Ausstellung vereinigt mehr als 300 Werke deutscher Künstler und gibt ein anschauliches Bild der verschiedenen Kunstrichtungen. Auch Hans Thoma und Slevogt kommen zu Wort. Ebenso die bekanntesten deutscher Bildhauer, Graphiker, die Dresdener Schule und Käthe Kollwitz.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Der hohe Druck wandert ostwärts ab. Sein Einfluß auf unsere Wetterlage geht dem Ende zu, und die über Frankreich lagernde Störung bringt bereits bis in unseren Bezirk leichte Bewölkung. Unter ihrem Einfluß herrscht morgen vielfach wolkiges Wetter, und strichweise Niederschläge sind dabei nicht ausgeschlossen.
Wettervoraussage für Donnerstag: Wolkiges Wetter, vereinzelte Niederschläge, teilweise gewitterhafter 21 rt
WetterooraussagefürFreitag: Wenig Aenderung der Wetterlage wahrscheinlich.
Lufttemperaturen am 11. Juni: mittags 20,3 Grad Celsius, abends 17 Grad: am 12. Juni: morgens 15,3 Grad. Maximum 23,4 Grad, Minimum 6,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. Juni: abends 24,2 Grad; am 12. Juni: morgens 16,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1S-L Stunden.


