Aus der Provinzialhauptfiadt.
Dießen, den 12. 3imi 1929.
Linser neuer Roman.
In der morgigen Nummer des „Gießener Anzeigers" beginnen wir, nachdem der „Wettlauf um Gllinor" heute sein glückliches Ende gefunden hat, mit der Veröffentlichung eines neuen Romans, eines Kriminalromans von Edgar Wallace. Lind zwar handelt es sich um etne_ der jüngsten uno erst kürzlich für Deutschland übersetzten Arbeiten des zur Zeit volkstümlichsten englischen Erzählers, die bisher weder verfilmt noch auf die Bühne gebracht wurde und also eine ganz originelle Leistung darstellt.
„Oie toten Augen von London"
von Edgar Wallace
sind ein Roman, den Sie, verehrte Leserinnen und Leser, zu jeder Tages- und Nachtzeit. in jeder Lebenslage und -stellung lesen können. Beim Frühstück, im Bureau, in der Eisenbahn, im Bett, auf der Straße. Aber Sie müssen achtgeben, daß Sie nicht unters Auto kommen oder den Derkehrsschuhmann anrempeln. Erst neulich ist in Berlin ein Mann am lichten Tage in einen Kanal gefallen, weil er sich unterwegs so in seine Lektüre vertieft hatte; er wurde gerettet und sein Buch mit ihm. Auf der Polizeiwache wollten es gleich zwei Wachtmeister geliehen haben. Es waren „Die toten Augen von London".
So ein Buch ist das. Man braucht ja Wallace eigentlich nicht mehr zu empfehlen, er ist für uns, was Conan Dohle mit seinem Sherlock Holmes für unsere Eltern bedeutete. Eine ungeheuer spannende und abenteuerliche Sache, die man auf jeden Fall zu Ende lesen muß, wenn man einmal hineingeschaut hat. Uebrigens handelt es sich bei unserem neuen Roman nicht nur um einen Kriminalfall, wie er im Buche steht, sondern auch um ein Liebesabenteuer, das seinesgleichen sucht.
Wir sind überzeugt, daß die anmutige junge Dame, welche hier die Hauptrolle spielt, Ihnen ebensogut gefallen wird, wie der ganze Roman.
Der Mensch in gesunden und kranken Tagen.
Eigenllich sollte uns nichts näher liegen, als unser eigener Körper. Richt nur weil Krankheiten, die ihn befallen, außerordentlich störend, oft schmerzhaft und gefährlich sind, weil sie uns wirtschaftlich schaden, nein, auch weil unser Körper an sich ja die Grundlage unseres ganzen Daseins ist und weil wir im Tiefsten verpflichtet sind, diesen Körper nicht nur kräftig zu erhalten, sondern ihn in seiner Leistungsfähigkeit möglichst noch zu steigern.
Merkwürdigerweise aber wissen nur sehr wenige Menschen über sich selbst, d. h. über chren Körper Bescheid, und so kommt es auch, daß
nur sehr wenige Menschen Sinn für Pflege und Entwicklung dieses Körpers haben. An dieser Unknntniß scheitern auch sehr viel sozialhhgie- nische Maßnahmen un>. Bestrebungen, scheitert vieles in der öffenllichen Gesundheitspflege.
Deshalb hat die Ausstellung „Der Mensch in gesunden und kranken Tagen", die in der Gießener Dolkshalle noch bis zum 16. Juni gezeigt wird, es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen zunächst einmal über den Körper in gesunden Tagen zu unterrichten. Erst wenn alle die normale Tättgkeit und den normalen Dau des Menschenkörpers begriffen haben, können sie Krankheitsvorgänge in ihm verstehen und mit Erfolg und äleberlegung solchen Krankheitszufi änden Vorbeugen bzw. sie bekämpfen.
Das Besondere der Ausstellung besteht nicht darin, daß tote Duchweisheit gebracht wird, sondern daß der Körper anschaulich, möglichst in voller Tätigkeit und Bewegung vorgeführt wird. Im Spiel geradezu lernt der Besucher alles, was für ihn wissenswert und wichtig ist.
Außerdem sind die dargestellten Dinge zum Teil von hohem Schönheitswert. Wir erinnern nur an den durchsichtigen Menschen, jene Sammlung wundervoller durchscheinender Präparate. Mit immer neuer Begeisterung strömen aller Orten die Menschen in „Den Menschen", und nachdem sie den gesunden Menschen schätzen und lieben gelernt haben, studieren sie mit Eifer die Feinde der Gesundheit und anschließend die Mittel und Wege, gesund zu bleiben oder wieder zu werden.
Es ist wohl selbstverständlich, daß auch in diesen Abteilungen von der bewährten Unterrichtsmethode nicht abgegangen, daß alles in lebendiger, anschaulicher Weise bar» geboten wird. Doch das wird der Besucher selbst sehen, und braucht hier nicht näher erörtert zu werden. Es ist nur zu wünschen, daß möglichst jeder sich diese Ausstellung „Der Mensch in gesunden und kranken Tagen" ansieht. Man beachte die heutige Anzeige.
Daten für Donnerstag, 13. Juni.
Sonnenaufgang 3.43 Uhr, Sonnenuntergang 20.16 Uhr. — Mondaufgang 10.36 Uhr, Monduntergang 0.26 Uhr.
1810: der Dichter Johann Gottfried Seume in Teplitz gestorben; — 1831: der Physiker James Giere Maxwell in Edinburg geboren; — 1878: Berliner Kongreß.
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Anschluß um Mitternacht" und „Seine Heimat".
— lieber die Sturmfahrt mit dem „Graf Zeppelin" spricht am kommenden Freitagabend auf Einladung des Goethe-Bundes der Redakteur Max Geifenheyner aus Frank- ■MFTWIMIUiaBXK". ■■■TOirWBOTIW III HIHI ■BMBMnn—M
furt a. M. hier In der Neuen Aula der Universität. Man beachte die heutige Anzeige.
— Wieder ein Ja n n i n g s - F i l m in Gießen. Das Lichtspielhaus Bahnhofstraße bringt von morgen ab den Film „Der Weg allen Fleisches" mit EmilIannings in der Hauptrolle zur Vorführung. Dieser Film hat bisher durch die große künstlerische Kraft Iannings' in allen Städten einen außerordentlich starken Erfolg gehabt. Man wird der hiesigen Vorführung mit Interesse entgegensetzen dürfen.
•* Die Umgestaltung der Westan- l a g e wird in der nächsten Zeit zur Durchführung kommen. Die Arbeiten sind dieser Tage zur Vergebung ausgeschrieben worden. Es ist vorgesehen, den jetzigen Bürgersteig erheblich zu verbreitern, daran anschließend eine Fahrbahn von 9 Meter Breite zu schaffen und den übrigen Teil der Straße, der heute als Fahrbahn dient, entlang dem Bahnkörper anlagenrnäßig herzu- richten. In Verbindung mit dieser Neugestaltung der Westanlage sind Kabelverlegungsarbeiten notwendig, weiter ist die Herrichtung einer ordnungsgemäßen und neuzeitlichen Straßenbeleuchtung erforderlich. Die gesamten Umgestaltungsarbeiten werden voraussichtlich die ganzen Sommermonate über andauern.
* Strahenherstellungsarbeiten. Mit Beginn der günstigen Witterung ist eine Reihe von Strahenherstellungsarbeiten in Gang gekommen. Zunächst wurde in der L ö b e r st r a ß e die Fahrbahn durch Einwalzen und durch Cin- auh von Kaltasphalt in ordnungsgemäßen Zustand gebracht. Diese Arbeiten sind jetzt im großen und ganzen beendet. Gegenwärtig wird an der dringend notwendigen Neugestaltung der Wage n g a s s e gearbeitet, wo an Stelle des bisherigen überaus schlechten Pflasters jetzt Guh- asphalt treten wird. Diese Arbeiten dürften in Kürze ebenfalls beendet sein. Weiter ist man zur Zeit mit der Instandsetzung der Stephan- it r a 6 e beschäftigt, die in gleicher Weise wie die Löberstrahe erfolgt. Der Stephanstraße sollen in der gleichen Erneuerungsart die Garten- st r a ß e zwischen Ludwigstraße und Straße am Nahrungsberg, sodann die Friedrich st raße zwischen Frankfurter Straße und Röntgenstraße, weiter die Rodheirner Straße (soweit diese noch ungepflastert ist) folgen. Durch diese Arbeiten dürfte den häufigen Klagen der Anwohnerschaft über den jetzigen Zustand der Straßen Rechnung getragen werden. Es ist begrüßenswert, daß die Stadtverwaltung trotz der angespannten Finanzlage in dieser einsichttgen Weise bemüht ist, den Erfordernissen der Verhältnisse und den Wünschen der Bürgerschaft Rechnung zu tragen.
** Gießener Porzellan. Wie man uns berichtet, wurde am vorigen Donnerstag in der Keramischen Dersuchswerkstätte der Gewerbeschule in Gießen zum ersten Male werkmäßig Porzellan gebrannt. Dieses Porzellan ist zum Teil aus Gießener Ton und Quarz und einem kaolin-
arhgen Ton von Lang-Gon- zusammengesetzt. Da in Oberhessen kein Feldspat und Kaolin vorkommt, mußten diese beiden Materiallen anderweitig ersetzt werden. Den Ton von Lang-GönS stellte Herr Dern von Leihgestern, der früher im hiesigen Dergwerksbetriebe tätig war und für das Bergwerk in der ganzen Gegend zahlreiche Bohrungen ausführte, bereitwilligst zur Verfügung. Die aus diesem Porzellanbrand hervorgegangenen Stücke können, wie man betont, als gelungen bezeichnet werden. Die Stücke, gezeichnet vom 6.6.1929, dürften für unsere Stadt historische Bedeutung gewinnen.
** Heimatvereinigung „Schiffender g". Am 17. Juni 1129, also vor nunmehr 800 Jahren, wurde dem Erzbischof von Trier eine Urkunde überreicht, kraft deren Gräfin Giern entia von Gleiberg der Bruderschaft von der Regel des hl. Augustinus ein Stück Rod land auf der Skephenburc mit Wiesen-, Wasser- und Weidegerechtigkeit schenkte, damit sie sich ein Haus bauten und Gott und der heiligen Jungfrau dienten. Die Stunde, in der dieses Schriftstück übergeben wurde, ist die Geburtsstunde des Klosters Schiffenberg, „unseres Schiffenberg", wie ihn längst die Bevölkerung unserer Gegend nennt; eine Stunde, die wichtig genug ist, daß man ihrer in weitesten Kreisen gedenkt, wenn man in Betracht zieht, welche Bedeutung der Schiffenberg von jeher für die Stadt Gießen und ihre Umgebung gehabt hat. Aus diesem Anlaß veranstaltet die Heimatvereinigung „Schiffenberg" am nächsten Montag eine Gedenkfeier, zu der alle Freundinnen und Freunde des Schisfenbergs eingeladen sind. Eine große, der Wichtigkeit des Tages entsprechende Feier mußte mit Rücksicht auf die vielen diesjährigen Festlichkeiten in Gießen und Umgegend für nächstes Jahr verschoben toerben; doch ist zu hoffen, daß auch diese kleinere Veranstaltung eine recht erkleckliche Zahl von Freundinnen und Freunden des Schiffenberys dort oben zusammenführen wird. Jedermann ist herzlich willkommen. (Siehe heutige Anzeige.)
** Heugrasver st eigerungen der Stadt finden am Dienstag und Mittwoch nächster Woche statt. Interessenten seien auf die heu- ttge Bekanntmachung aufmerksam gemacht.
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