Ausgabe 
12.4.1929
 
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Lin Gedenktag ans der heMchen SKulgeWchte.

Don Prof. Dr. Dr. Karl Esselborn, Darmstadt.

Totenwart. ferner die Mehrzahl der Darm­städter Geistlichen, die fünf Lehrer und zwölf Gymnasiasten.

Der Gesang des Veni, veni sancte Spiritus (Komm heilger Geist) eröffnete die Feier, nachdem der Landgraf, feine Gemahlin Sophie Eleonore und sein Bruder Johannes in den Saal getre­ten waren und die Mitte der sich im Halbkreis um sie reihenden Versammlung eingenommen hatten. Zunächst sprach nun der Hofprediger Dr. Simon L e i s r i n g ein Gebet, dann gab der Landgraf dem Kanzler v. Totenwart das Zeichen, seine Rede zu beginnen. Diese wies in deutscher Sprache eingehend auf die Bedeutung der noch von dem verstorbenen Landgrafen an­geordneten Gründungder feinen Trivialschul, die dem paedagogio in Marburg ähnlich oder gleich sei", hin und lieft sich dann von den Leh­rern unverbrüchliche Pflichttreue in die Hand geloben. Darauf setzte der Kanzler seine Bede fort, die nun von dem durch gewissenhafte Leh­rer gestifteten Segen handelte und in den Dank an Gott ausklang.

Die sich hieran anschließende lateinische Bede des Rektors K l i n k e r f u ft war ein Gelöbnis treuer Pflichterfüllung. Ihm antwortete der Kanzler v. Totenwart in einer lateinischen Rede, die mit den Wünschen für das Vaterland und das Fürstenhaus schloß.

Run setzte wiederum die Musik ein; unter Vor­antritt der Fürstlichkeiten begab sich die Versamm­lung in die Schl oft kirche; der Rektor des Päda­gogiums und die übrigen Lehrer wurden zuvor in der geheimen Ratsstube auf die von dem Landgra'en an dem nämlichen Tage, dem 12. April 1629, erlassenen Schulgesetze von dem Kanzler v. Totenwart und dem Präsidenten Ludwig Wolf zu Karspach vereidigt. Dann hörten sie in der Echloßkirche die Predigt des Super­intendenten Tobias P l a u st r a r i u s , die das erste Kapitel Daniels zugrunde gelegt hatte und von der Schule Rebukadnezars handelte. Mit dem Gottesdienste endete die Feier. Die geist­lichen und weltlichen Räte behielt der Landgraf zur Mittagstafel. Am folgenden Tage, Montag, dem 13. April 1629, begann der Llnterricht in dem neueröffneten Pädagog.

Sein dreihundertjähriges Bestehen wird das Darmstädter Gymnasium, dem bei seinem zwei­hundertfünfzigjährigen Jubiläum nach seinen bei­den Gründern der RameLudwig-Georgs-Ghm- nasium" verliehen worden war, in diesem Jahre feierlich begehen. Doch wurde die Feier mit Rück­sicht auf die zahlreichen auswärtigen Teilnehmer auf Anfang September verlegt. Um so mehr ist es aber Pflicht, den wirklichen Iubiläumstag nicht unerwähnt zu lassen.

Landgraf Ludwig V., der Getreue, von Hessen- Darmstadt, ein Enkel Philipps des Großmütigen, ist der Gründer des Gymnasiums und der Uni­versität in Gießen, die 1605 und 1607 ins Leben traten. Daß er nicht auch der Gründer des Darmstädter Gymnasiums wurde, daran hinderte ihn der Tod, der diesen tatkräf­tigen Fürsten vor Vollendung seines neunund­vierzigsten Lebensjahres hinwegraffte. Er mochte Wohl geahnt haben, daß es ihm nicht beschieden fein werde, diesen Gründungsplan auszuführen, denn er ordnete letztwillig an:Zu Darmbstatt soll Unser Sohn der künftige Landes Regent (wo fern wir es beh Unserm Leben nicht selbst thun) eine feine trivial schuel, die dem paedaaogio zu Marpurgk allerdings ähnlich und gleich sehe, an- ordnen, damit die Knaben, wenn sie zu Darmb­statt durch die clasfes kommen, mit ehren und nutz zu Marpurgk die Universität Gießen war nach dem Anfall von Marburg an Hessen- Darmstadt im Jahre 1624 aufgehoben worden publicas lectiones hören können. Solche trivial schuel zu Darmbstatt soll nicht nur eifferig an­geordnet, sondern auch fort und fort, steif, fest und vätterlich darüber also gehalten werden, da­mit auch Adeliche und andere Vornehme Leuth ihre Kinder dahin schicken, und der Bürger Rah- rung etwas hieraus wachsten, auch man in den Kirchen eine feine Vocal music haben möge."

Am 27. Juli 1626 war Ludwig V. gestorben; ein halbes Jahr sväter, am 1. Januar 1627, ord­nete sein Sohn und Nachfolger Landgraf Georg II., der Gelehrte, die Errichtung der Schule und eines Gebäudes für sie an. Daraufhin wurde der Dau des alten Pädagoggebäudes in der nach ihm be­nannten Straße, desPiu", wie es im Volks­munde hieß, alsbald in Angriff genommen.

Im Frühjahr 1629 war der für seine Zeit stattliche Bau mit einem Turm, der das Gym­nasium bis Ende 1831 und von Herbst 1896 bis Ostern 1912 dessen Vorschule beherbergte, voll­endet und konnte bezogen werden. Zum Rektor der zu eröffnenden Schule hatte der Landgraf den aus Aliendorf an der Werra gebürtigen M. Bal­thasar Klinkerfuh berufen und zu Lehrern die Konrektor M. Heinrich Wormser, M. Hein­rich Wick, M. Jakob Walther und M. Jo­hannes Matern ernannt, die alle bis auf Ma­tern in den Jahren 1632 und 1635 der Pest zum Opfer fielen.

Der Weihetag war der Sonntag nach Ostern (Quasimcdogeniti) 1629. Morgens zwischen sechs und sieben Uhr versammelten sich in dem gro­ßen Saale des 1715 durch Feuersbrunst zerstörten Kanzleibaues des Schlosses der Darmstädter Adel und die Mitglieder der Kollegien, darunter vor allem der um die Gründung der Anstalt sehr ver­diente Kanzler Dr. Anton Wolff von

Die musikalischen Veransialiungen deS2.HesflschenSängerbuni>rssestesmDarmfladi vom 12. bis 14. Juli

Don Friedrich Tloack, Darmstadt.

Solange Sängerbünde bestehen, also seit un- fiefähr 100 Jahren, pflegen diese auch Bundes­este abzuhalten, Veranstaltungen, die dem ge­meinsamen Streben, den idealen Zielen dienen sollen, die das gesangliche Können der BundeS- vereine einer breiteren Allgemeinheit zeigen wol­len, und die durch die Begeisterung, die mit solchen großzügigen Massenveranstaltungen Hand in Hand zu gehen pflegt, das Ansehen des Bun­des noch vergrößern sollen, denen man also mit Recht eine große Werbekraft zuschreibt. Sah der Anspruchsvollere jedoch mit kritischen Blicken das an, was künstlerisch auf solchen Festen geleistet lourde, so muhte er häufig genug erkennen, daß sie nur selten wertvolle Kunst zu fördern im­stande waren, ja, daß oft fast ausschließlich Mit­telgut volkstümlicher Art als besonders geeignet für solche Anlässe angesehen wurde.

Ist dies in dem letzten Jahrzehnt, in dem der Eborgesang in steigendem Maße als hoch- bedeutsam für die gesamte Volksbildung ange­sehen wird, schon allgemein anders geworden, zeigen Veranstaltungen wie die der Nürnberger Sänaerwochen des Deutschen Sängerbundes deut­lich das Streben nach Qualität des Kunstwerkes und der Ausführung, so dürfte das Programm des diesjährigen Hessischen Sängerbün­de s f e st e s als Ganzes auf einer Höhe stehen, die Wohl kaum je bei einer solch großen Massen­veranstaltung innerhalb des Deutschen Sänger­bundes erreicht wurde. Den Auftakt bildet am Abend des 12. Juli ein Konzert der 1400 SängerdesGauesDarmstadt-Stadt, das in seinem ersten Teil als Ehrung für unse­ren Meister Arnold Mendelssohn gedacht ist; es erklingen zwei Chöre aus feiner Pandora und sein Festgesang mit Orchester. Der zweite Teil wendet sich dem Volkslied zu. Weitere Gaukonzerte folgen am Samstag und Sonn­tag teils in der Festhalle, teils unter freiem Simmet Hierbei wirken mit 1200 Sänger des kümling- und Gersprenzgaues, 600 Sänger aus Worms, 1500 Sänger aus Mainz und Umgebung, etwa ebensoviele aus dem Main-Spessartgau, 500 Sänger des Gaues Bingen, und je ebensoviele der Gaue Dingen, Dergstraße, Neckartal, Oppen­heim, Wetterau und L ahnt al. Dei die­sen Veranstaltungen kommt selbstverständlich das Lied, Und das Volkslied in erster Linie, zu seinem Rechte; jedoch wurde bei der Auswahl peinlich daraus geachtet, daß werllose Kompo­sitionen ausgeschaltet blieben. Die größte Ver­anstaltung wird die Kundgebung am Sonntag* vormittag im Orangeriegarten sein, bei der ein Dundesmassenchor unter Leitung des Bundeschormeisters Otto Naumann (Mainz) singen wird, dessen Teilnehmerzahl auf 2 0000 Sanger geschaht wird. Konzerte unter freiem Himmel finden am Samstag auf dem Schloßhof, auf dem Riegerplah, auf dem Schulhof neben der Dessunger Kirche, dem Kapellplatz und im Herrngarten statt.

Don besonderer künstlerischer Dedeutung sind endlich die Programme all der Sonderkon- zerte von Vereinen und Vereinsgruppen, die alle am Samstagabend in den verschiedensten Sälen Darmstadts abgehalten werden. Dieser Tag wird zum eigentlichen Musiziertag. und da man damit rechnet, daß Wohl mindestens 40 000 Aus­wärtige in Darmstadt anwesend sein werden, un6

daß auch von den Einwohnern Darmstadts und der näheren Umgebung diesen Konzerten reges Interesse entgegengebracht wird, so glaubt man, daß die 17 Sonderkonzerte, die auf je eine Stunde Dauer berechnet sind, genügend Zu­spruch finden werden. Zweierlei dürfte für diese Sonderkonzerte besonders interessieren, vor allem der Umstand, daß jedes Programm einen ge­schlossenen Gedankengang auf weist, und daß eine Neuerung in der Organisation des Deutschen und des Hessischen Sängerbundes auch einige gemischte Chöre sich an den Konzerten be­teiligen. Don interessanten Programmen seien nur einige angedeutet: Die Chöre der Städtischen Musikhochschule Mainz stellen alte deutsche Kom­positionen des 16. Jahrhunderts in Gegensatz zu Schumannschen und ganz modernen Werken von Hindemith. Auch der Lehrergesangverein Mainz- Wiesbaden singt nach vier alten kontrapunktischen Werken moderne Satze in linear-polyphonem Sah. Ter Männerg^sangve.ein^iederlai el Mairz W.i- fenau widmet fein ganzes Konzert unter Zu­ziehung eines Knabenchors und von Instrumenten demDeutschen Lustgarten" von Hans Leo Has­ler aus dem Jahre 1601, und auch die Madrigal- Vereinigung Darmstadt singt historische Lieder. Wird die ältere Männerchorliteratur naturgemäß in den Gaukonzerten stark bevorzugt, so hören wir auch bei den Sonderkonzerten ein ganzes Silcher-Konzert (Frohsinn Neu-Isenburg und eines, das nur Kompositionen von Schubert, Schumann und Mendelssohn bringt, Union-Club Wetzlar). Wesentlich aus Chorballaden haben sich eingestellt Liederkranz Michelstadt und Sänger- lüft Dieburg. Don besonderer Dedeutung dürften dann die Konzerte sein, die sich ganz in den Dienst Neuer Kunst stellen, so das Hugo-Kaun-Konzert, das Turnverein Offenbach gemeinsam mit Harmo­nie Mainz-Kostheim geben, das Konzert des Landerkranz' Darmstadt, die Veranstaltung des Dauerschen Gesangvereins Gießen, der Volkslieder in neueren ^Bearbeitungen auf- weisen wird. Auch der Orthsche Männerchor Darmstadt ist in diesem Zusammenhang zu nen­nen mit seinem Programm, das Hugo Kaun und W. Rinkens gewidmet ist, ebenso die unter W. Etzold stehenden Vereine, die außer einem Gesang von K. Kämpf die Uraufführung von acht Männerchoren von Paul Ottenheimer übernom­men haben. Neuere Volkslieder in Bearbeitung von Neumann, Orthegraven und Moldenhauer singen die unter G. Jäger vereinten Vereine von Groß-Zimmern und Urberach. Auch die Dar­bietung von typisch Wienerischen Mannerchören bon Niemeyer und R. Heuberger durch drei Darmstädter Vereine mit Liederkranz Hergers- housen unter G. Adam wird eine besondere Note haben. Dazu kommen noch zwei Programme ge­mischten Inhalts, die vonHeiterkeit" Gie­ßen undSängerbund" Neckarsteinach vorgetra­gen werden.

Auf diese Weise gibt das Darmstädter Dundes- feft einen recht umfangreichen Einblick in das deutsche Schaffen für Männerchöre, vernachlässigt öa&ei nicht die alte klassische Entwicklung der Chormusik vor 1600 und vermag auf diese Weise für die Weiterarbeit der Vere ne, und zwar ganz besonders der Heineren Landvereine, eine fast übergroße Fülle von Anregungen zu bieten. Neh­men wir z. D. an, daß ein Verein seine erteils-

fähigen Musikalischen Mitglieder in verschiedenem Gruppenan mehreren der genannten Konzerte teilnehmen läßt, so können zahlreiche fruchtbrin­gende Erfahrungen verschiedenster Art gesammelt und für den Verein nutzbar gemacht werden. Möge darum auch bei Sängern und Musikfreun­den das nötige Interesse und der Ernst vorhan­den sein, damit die riesenhafte Mühe der Orga­nisation des Festes, der Zusammenstellung so viel­seitiger Programme, der sorgfältigen Einstudie­rung des Gebotenen Früchte trage, die das Sängerfest zu einem Markstein in der Entwick­lung des hessischen, wie des deutschen Chorge- sanges werden lassen. Der vorbildliche Ernst, mit dem die Vorbereitungen getroffen werden, die künstlerische Höhe der Au wähl des Gebotenen wird zweifellos auch weit über Hessens Grenzen hinaus das Darmstädter Sängerfeft als eine Ver­anstaltung von ganz besonders tiefer Bedeutung für Gesang und Kultur erscheinen lassen.

Der neue Oberbürgermeister von Darmstadt.

WSN. Darmstadt, 11. April. Der Stadt­rat der hessischen Landeshauptstadt wählte heute in geheimer Abstimmung den seitherigen zweiten Bürgermeister Rudolf Mueller zum Ober- bürgermeister der S;adt.

Der neue Oberbürgermeister der Stadt Darm­stadt, der bisher als zweiter (juristischer) Bürger­meister gleichzeitig der geschäftliche Vertreter des Oberbürgermeisters war, wurde am 4. August 1869 in Gießen als Sohn des Ministerialrats im Finanzministerium Mueller geboren. Im Jahre 1886 siedelte die Familie nach Hannover über, wo der Vater Aeichsbevollmächtigter für Zölle und Steuern war. Im Jahre 1895 bestand Mueller fein Referendarexamen in Gießen mit der Notegut und legte im Jahre 1899 fein Assesforenexamen mit der gleichen Prüfungsr.ote ab. Noch im gleichen Jahre wurde er zum Re­gierungsassessor im Staatsministerium ernannt. Im Jahre 1901 erfolgte feine definitive Anstel­lung bei der Regierung. Vorher war er in der Abteilung für Handel und Gewerbe tätig, als Oberregierungsrat Dr. Wagner zum Weltaus­stellungs-Kommissar für St. Louis ernannt wurde. Aus dieser Zeit stammt eine Anzahl vvn han­delspolitischen Publikationen Muellers. Im Jahre 1904 wurde der jetzige Oberbürgermeister zum Minifterialsekretär im Ministerium ernannt, und im Jahre 1908 auf seinen Wunsch nach Heppen­heim an das Kreisamt verseht. Am 11. Septem­ber 1909 trat Mueller als juristischer Beigeord­neter in den Dienst der Stadt Darmstadt ein, nachdem seine Wahl einstimmig erfolgt war. Am 1. Januar 1911 erhielt er ben Titel Bürger­meister. Im Jahre 1921 wurde er .auf weitere zwölf Jahre gewählt. Der neue Oberbürger­meister war von Anfang bis Ende 1915 als Oberleutnant und Tataillonsadjutant im Hessi­schen Landsturmbataillon 3 an der Ostfront, wo er für persönliche Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet wurde. Ende 1915 wurde er auf dringendes Er­suchen der Stadtverwaltung Darmstadt freigege­ben und nahm dann seine Derwallungstätigkeit sofort wieder auf.

Oberheffen.

Landkreis Giessen.

e Alten-Buseck, 10. April. (Einge­sandt.) Von den Anwohnern des Großen- Dufecker Weges wird es schon seit längerer Zeit unangenehm empfunden, daß ihnen bei star­ken Regenfällen oder nach den Wintermonaten bei Tauwetter erheb liche Wassermen­gen, die vom sog. Gäßchen oder von der Holz- gaffe herströmen, In die Hausgrundstücke eindringen, weil die zwei Sinkkästen der Kanalisation allein nicht ausreichen zur Auf­nahme der Wassermassen und außerdem auch immer sehr schnell von dem durch das Wasser angetriebenen Geröll zugeschwemmt sind. Der Schaden, der in den Höfen, Scheunen und Gär­ten der Grundstücke im Grohen-Dusecker Weg auf diese Weise angerichtet wird, ist mitunter recht erheblich. Auch ncvch betn Tauwetter der letzten Wochen war dieser Uebelftanb wieder zu verzeichnen. Die Anwohner des Grohen-Busecker Weges, die schon seit langer Zeit vergeblich auf die Beseitigung dieses Mißstandes hoffen, geben sich der Erwartung hin, daß nun endlich dem Hebel gründlich gesteuert wird und sie in Zukunft vor derartigen Schäden und Beein­trächtigungen ihres Besitztums bewahrt bleiben.

ist Lollar, 11. April. Kommenden Sonntag, 14. April, können in körperlicher und geistiger Frische die Eheleute Weiftbindermeifter Franz Säubert ihre goldene Hochzeit feiern. Gleichzeitig werden es 50 Jahre, daß der Ju­bilar fein Geschäft hier selbständig betreibt. Eine Hühnerfarm ist jetzt auch hier im Ent­stehen. Auf dem Gelände der VillaLahnperle" sind zur Zeit die Arbeiten hierzu von R. Ar- helger und H. . 5- Geißler im Gange.

* Trais-Horloff, 11. April. Die Ge­werkschaft Friedrich in Trais-Horloff war durch den starken Frost gezwungen, Mitte Febrüar ihr S ch w e 1 w e r k vorüber­gehend stillzulegen. Die Zeit dier Still­legung wurde dazu benutzt, das Werk zu über­holen und einige technische Verbesserungen durch- znsühren. Gleichzeitig wird während des Still­standes des Schwelwerks der Sagebau* o e t r i e b, der durch den starken Frost ebenfalls zurückgekommen war, forciert. Zur Unter­stützung des Kabelbaggers wurden noch zwei Löffelbagger mit dem nötigen Fuhrpark in Be­trieb genommen. Die durch die Stillegung der Schwelerei frei gewordenen Arbeiter werden, so­weit es möglich ist, anderweitig beschäftigt, ein Seil wird vorübergehend entlassen werden. Der Schwelbetrieb wird voraussichtlich Mitte Mai wieder ausgenommen werden.

Kreis Friedberg.

00 Aus der mittleren We11erau, 11. April. Nachdem in der vorigen Woche etwas Sommerweizen und Gerste gesät worden war, hat die Aussaat von Hafer jetzt erst begonnen. Damit ist gegen das vorige Jahr ein R ü ck st a n d von etwa vier Wochen zu verzeichnen. Auch in den Gärten wird noch sehr wenig gear­beitet, da der Boden noch nicht genügend' trocken ist. Wintergemüse, Rosen- und Krausekohl sind vollständig erfroren, ebenso der Wintersalat, und auch der Spinat ist noch sehr zurück, so daß das Gemüse für den Haushalt von auswärtigen Händ­lern gekauft werden muh. Durch den strengen Winter haben sich sehr viel Rehe und

einige Hirsche in unsere Wälder gezogen. Gegen Abend kann man Rudel bis zu 30 Stück auf den Roggenfeldern beobachten.

OO Nieder-Flor st adt, 11. April. In der letzten Sitzung wurde vom Gemeinderat der Vor­anschlag für 1 9 29 beraten. Er schließt in Einnahme und Ausgabe mit 214 000 Mk. ab, gegen 198 350 Mk. im vorigen Jahre. Die Um­lage beträgt 26 000 Mk., sie ist etwas über 2000 Mark geringer als im Jahre 1928. Der Ge­meinderat änderte an den vom Bürgermeister eingesetzten Zahlen nur wenig und stimmte dann dem Voranschlag zu. Der Betrieb des Steinbruchs bringt mit 103000 Mk. Ein­nahme und 89 000 Mk. Ausgabe die größten Zahlen im Voranschlag. Ein größeres Projekt, der Umbau desHeiligen Hauses", wird nun mit einem voranschlagsmäßigen Kostenaufwand von 35 000 Mk. durchgeführt. Damit sollen die acht vorhandenen Wohnungen neü instandgesetzt und sieben weitere Wohnungen gewonnen werden.

Kreis Büdingen.

** Aus dem Niddatal, 11. April. Die 11 m scha 1 tung der bereits im Vorjahre instandgesetz- ten Ortsnetze auf höhere Spannung geht nur langsam vor sich. Bisher find nur die größeren Plätze umgeschaltet bzw. in Angriff genommen. Die Verzögerung wäre an sich nicht zu bedaüern, zu­mal sich herausgestellt, daß bei dem hochgespannten Strom die Lebensdauer der Lichtbirnen sich ver­kürzt hat, ohne daß eine größere Helligkeit zn ver­zeichnen ist. Dagegen herrscht bei den Stromabneh­mern der noch nicht umgeschalteten Ortsnetze eine gewisse Unsicherheit in der Neubeschaf. sung von Anschlußgeraten. Das lieber- lcmdwerk läßt nur die schon im Vorjahre an^etnel- deten Gerate auf feine Kosten umatbeiten. Für die in der Zwischenzeit angeschafften übernimmt es keinerlei Verpflichtungen. Deshalb Unterbleibt jede weitere Beschaffung. £jm Hinblick auf den neuen S t r o m t a r i f, der nur dem vermehrten Strom­verbrauch finanzielle Erleichterung gewährt, wäre es erwünscht, wenn das lleberlandwerk, in eigen­stem Interesse, die Umschaltung der Ortsnetze mit größerer Beschleunigung durchführen würde.

Kreis Schotten.

Laubach, 11. April. In der gestrigen Sitzung des Gemeinderats wurde zunächst die Besetzung der Stelle des Kontrolleurs der Gemeinde erörtert. Schmiedemeister Kopp, Mitglied des Gemeinderats, wurde hiermit be­traut. Weiter wurde die Anschaffung von Geräten für die Kanalisation in der Höhe von 600 Mark beschlossen. Die Zu­fahrt hinter der Wetterbrücke zum B ä h n h o f bietet den mit Langholz beladenen Wagen besondere Schwierigkeiten. Schon seit längerer Zeit ist man auf Abhilfe bedacht. Die Gemeinde ist bereit, auf Verbesserung der Hungener Strafte eiNzügShen und mit der Reichseisenbahngesellschaft einen Geländetaufch zu diesem Zwecke vorzunehmen. Die Provinz soll als Gegenleistung die Kosten der Verbreite­rung der Wetterbrücke tragen. Die Bewohner des ^H ä 11 e n b e r g « (an der Hungener Straße) leiden sehr unter s chl echter Wasserversorgung. Die Gemeinde will Abhilfe schaffen. Es soll hierfür ein Kosten- Voranschlag eingeholt werden. Dem Bäcker­meister Wilhelm D ö 11 wird die Genehmigung zu elftem Wohnungsumbau, dem Wil­helm Seltner i. wird die Genehmigung zu Einern Neubau an der Sicher Strafte (im Schmidtschen Garten) erteilt.

Eichelsdorf, 11. April. Zu Ostern 1926 wurden an der hiesigen, wie an der benachbarten Schule zu Obet-Schmitten je eine S ch ul­st e 11 e abgebaut. Da in der Zwischenzeit die Schülerzahl in beiden Orten stark angestiegen ist, werden mit dem neuen Schuljahre beide Stellen wieder errichtet. Bis zur Be­schaffung eines dritten Schulsaales wird die neue Klasse hier provisorisch in dem Saale eines Gast­hauses untergebracht.

Kreis Alsfeld.

*1* Ruppertenrod, 10. April. Heute fand unser diesjähriger Frühjahrsmarkt statt. Bei gutem Wetter konnte er glatt voftstatten gehen. Auf dem Schweine markt wurden 168 Ferkel -um Verkauf angeboten. Die Preise waren hoch. Die geringste Sorte bezahlte man mit 40 bis 45 Mark, mittlere Qualität kam auf 50 und die beste gar auf 60 Mk. pro Stück. Gegenüber diesen hohen Preisen war die Kauflust nur gering. Immerhin ging das Geschäft gut. Der Krämermarkt zeigte gegenüber den bisherigen Jahren einen Rückgang für jedes Geschäft.

Starkenburg.

WSN. Pfungstadt, 11.April. Zwischen hier vor dem Ortseingang lagernden Landfahrern und S ch i r m f l i ck e r n kam es zu einem schwe­ren Zusammenstoß. Dabei schoß ein junger Mann einer Frau mit dem Revolver in di e 58 ruft, so daß sie schwerverletzt in dos Darmstädter Krankenhaus verbracht werden wußte. Der Täter machte sich mit seinem Wöhnwagen ans dem Staube, doch ist ihm die Gendarmerie bereits auf den Fersen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

O Dornholzhausen, 11. April. Die Fischerei in den öffentlichen Gewässern der hiesigen Gemarkung wurde auf einen sechsjäh­rigen Zeitraum neu verpachtet. Höchstbie­tender blieb mit einem Gebot von 150 Mark jährlich Fritz Geißler, Gießen. Det Ge­meinderat hat auf das Höchstgebot den Zuschlag erteilt; die bisherige Pacht betrug 76 Mark jährlich.

^ Groft°Rechtenbach, 11. April. Bei der dieser Sage hier stattgehabten gemeinsamen Nuhholzversteigerung der Gemeinden Vollnkirchen, Weidenhausen, Reiskirchen, Groh- Rechtenbach, Hörnsheim, Lützellinden, Münch­holzhausen, Volpertshausen und Hochelheim wur­den folgende Preise erzielte Eichenstämme 1. bis 3. Klasse 10-25 Mk., 4. bis 6. Klasse 45 bis 60 Mk., gutes Fournierholz bis zu 100 Mk. je Festmeter. Die Gemeinde Vollnkirchen er­löste für elften erstklassigen Eichenfournierstamm 400 Mark. Weiter wurden folgende Preise er­zielt: Eichennutzscheit (1,25 Meter lang) 25 bis 40 Mk. je Raummeter, Fichtenstämme» bis 2b- Klasse 1520 Mk.. 3a- bis 3b-Klasse 2024 Mk. je Festmeier, Fichtenstaftgen 1. Klasse 1.50 Mk. je Stück, Kiefernstämme. 1215 Mark, Larchen- stamme 1315 Mark, Buchenstämme 2530 Mk. je Festmeter.