Ausgabe 
12.4.1929
 
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Das Wahlprogramm der Arbeiterpartei.

London. 11. QlbriL (WB.) Der Sekretär der Arbeiterpartei, Henderson, entwickelte in einer großen durch Rundfunk verbreiteten Wahl­rede das Programm der Arbeiterpartei. Die Ar- beiterpartÄ halte für das dringendste Problem die Lösung der Arbeitslosenfrage. Als De standteile der von der Partei vertretenen großen Pläne sozialer und industrieller Reu- organtsation nannte er u. a. die Errichtung einer großen Zahl von Arbeiterwohnungen zu billigen Mietsätzen, die Riederreißung solcher Ar- Kellerwohnungen, die lediglich elende Daracken darstellen, der Dau von Straßen. Häfen, DockS und Werftanlagen und die Mo­dernisierung der vorhandenen, die Wieder-Zn- standsetzung der Wasserstraßen, die Auf­forstung deS Landes und die Förderung der Elektrifizierung. Die Partei beabsichtige, durch einen Ausbau deS Systems der Export­förderung und Begünstigung daran mitzu­wirken, daß die verlorengegangenen Ausland- Märkte dem englischen Handel wiedergewvnnen werden. Sie beabsichtige weiter, fall- eine sozia­listische Regierung ans Ruder komme, Maßnah­men zu ergreifen, um die diplomatischen DeziehunaenmitDußland sofortwieder- herzustellen. Zum Schluß stellte Henderson fest, daß die Arbeiterpartei keine allgemeine Ratio­nalisierung der Industrie beabsichtige. Die Politik der Partei baue sich in dieser Beziehung auf der Grundlage des gesunden Menschenverstan­des auf.

Oie Regierungsumbildung in polen.

Fünf Militärs Mitglieder deS neuen Kabinetts.

Warschau, 11. April. (LU.) Am Mittwoch­abend hatte Ministerpräsident Bartel eine län­gere Besprechung mit dem Staatspräsidenten. DerExpreß Porcmnh" weiß zu berichten, baß diese Besprechung bereits zu entscheidenden Be­schlüssen in der Frage der Kabinettsbildung ge­führt habe. Die amtliche Ernennung durch den Staatspräsidenten sei spätestens am Freitag ober Samstag zu erwarten. DaS Kabinett werde sich vermutlich folgendermaßen zusammensetzen: Mi­nisterpräsident: Dr. S w i t a l s k i; Innenminister: General Skabkowskt: Außenminister: Zale- ski: Kriegsminister: Marschall Pilsudski; Äustizminister: 6 a r ; Finanzminister: General Gorecki; Arbeitsminister: Oberst Szred- nicki: Postminister: Major Polakiewicz; Berkeyrsminister: Kühn' Agrarreform: Przed VerkehrSminister: Kühn: Landwirtschaftsminister: Rudows ki: Agrarreform: Przedpelski. Heber die Cd hing deS Kultusministeriums und deS Handelsministeriums fei noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

Aus aller Wett.

DUliam Voolh zum 100. Geburtstag.

Anläßlich deS 100. Geburtstages des Grün­ders der Heilsarmee, WilliamBooth, fand am Mittwochabend in der Londoner Albert- Halle eine große Kundgebung der Hells- armee statt. Den Dorsitz führte Minister- präsioent Baldwin. Baldwin leitete feine Festrede mit der Bemerkung ein, daS Gefühl zu haben, daß der Ministerpräsident Großbritan­niens verpflichtet sei, den Dank d e S Landes bei dieser Gelegenheit auszusprechen. Baldwin wieS ferner auf die letzte Rede W. Doochs vor 17 Jahren in der Londoner Alberthalle hin. Damals habe Dooth von den verschiedenen Lebensaufgaben gesprochen, die er in seiner Jugend gelöst haben könnte. Er habe gesagt, daß er ebensogut hätte Politiker werden und eine neue Partei bilden können. Es gibt viele Formen des geistigen Llnternehmungs- geistes, es gibt zahlreiche und verschiedene Be­gabungen in der Welt. Gott enthülle sich selbst in vielen Wesen und seine Liebe sei weit größer als unsere Fassungskraft. Heute aber danken wir Gott für William Bovth, als für einen Mann, den die ganze Christenheit anerkenne als einen der größten religiösen Führer der Welt.

Ein 17jähr. Unterprimaner besteht die Reifeprüfung.

Der Fall, in dem ein Gießener Llnter- primaner wegen seiner hervorragenden Leistun­gen auf botanischem Gebiete kürzlich von der Ab­legung der Abiturientenprüfung befreit wurde, hat jetzt in T r i e r ein Gegenstück gefunden. Dort ist dem 17jährigen Unterprimaner Manfred Alt­mann, dem Sohne des Trierischen Oberrabbi­ners, wegen seiner hervorragenden Begabung i n sämtlichen Fächern gestattet worden, eine Klasse zu überspringen. Gr wurde im Rovember vorigen Jahres aus der Unterprima nach Oberprima verseht und hat dort vor eini­gen Tagen sein Abiturientenexamen mit dem Prädikat gut abgelegt.

Internationale Duchdruckereiausstellung in London.

In der Olympia Hall wurde eine internationale Duchdruckereiausstellung eröffnet, an der zum ersten Male nach dem Kriege Vertreter des Duch- druckergewerbes aller Rationen, darunter eine deutsche Gruppe nach einer Abwesenheit von 15 Jahren teilnehmen. Die Ausstellung ist die größte, die das Duchdruckergewerbe bisher veranstaltet bat. An der Spihe der deutschen Ab­ordnung steht Dr. Rudolf Ullstein, der ein Referat über dieInternationale Organisation des Duchdruckergewerbes" halten wird. Zu Ehren der Teilnehmer an der Ausstellung fand ein großer Empfang In der Guild Hall statt an dem Botschaftsrat Dieckhoff und Frau Dieckhoff teilnahmen.

Schwerer Aerztekonfliki an einem Berliner Krankenhaus.

Ein Konflikt am Krankenhause Lichter­felde, wo der bisherige Leiter der Inneren Ab­teilung, Prof. Rautenberg, der seit 19 Jahren dort amtiert, oom Kreisausschuß unter den ver­letzendsten Begleitumständen fr i st l o s ent­lassen wurde, hat nach der Darstellung einer Ber­liner Korrespondenz folgende Vorgeschichte: Im Stubenrauch - Krankenhaus ist seit zwei Jah­ren Prof. Dönitz als Chirurg tätig, der früher in der Charitee angestellt war. Prof. Dönitz hatte im vorigen Jahre zwei Spezialoveratio- n e n durchgeführt, die beide mit betn lobe der Patienten endeten, wodurch sich Professor Dönitz veranlaßt sah, zu erklären, daß er diese spe­zielle Operation nicht mehr vornehmen

Oie Streichungen am Lustfahrtetat.

Zusammenarbeit der deutschen Luftfahrtindustrie. Einigung auf einheitliche Richtlinien. Ein deutsches Lustfahrtprogramm.

Berlin, 11. April, (privat.) Die gesamte deutsche Luftfahrtindustrie Hot vor Monatsfrist einen Aus­schuß bestellt, bestehend aus Vertretern der Firmen Bayerische Motorenwerke, Dornier, heinkel, Jun­ker» Flugzeugwerk und Motorenbau, Rohrbach, Sie­mens & Halske Flugmolorenwerk, mit der Aufgabe, einen engen Zusammenschluß sämt- licher Werke des Flugzeug- und Mo­torenbaues herbeizuführen. Diese Arbeiten haben zu einer vollen Einigung geführt. 3n seiner gestrigen Sitzung hat dieser Ausschuß nun­mehr auch zu den oou der Reichstagsmehrheit vor­geschlagenen Streichung am Luftfahrtetat Stellung genommen und folgende einmütige Auf­fassung aller deutschen Flugzeuge und Motore her­stellenden Werke sestgestellt.-

Vie schwierige Lage Deutschlands, insbesondere die durch die Reparationslasten hervorgerufkne Not­lage der Reichsflnanzeu, erfordert Opfer von allen. 3m Bewußtsein ihrer vaterländischen pflicht wird die deutsche Luftfahrtindustrie sich jeder Rotwendigkeit grundsätzlich nicht verschließen. Die Rot der Zeit hat aber schon bisher wirtschaftlich und politisch gerade auf ihr besonders schwer gelastet: die neuen Reichstagsoorschläge richte« sich wiederum im besonderen Aus­maße gerade gegen sie. Die Zukunft der deutschen Luftfahrt hängt in erster Linie von der unmittelbaren vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Luftfahrt und Ration ab. 3m Sinne die­ser Zusammenarbeit hat sich die deutsche Luftfahrt­industrie auf einheitliche Richtlinien ge­einigt, welche, den Schwierigkeiten der finan- ziellen Lage des Reiches Rechnung tragend, doch die Möglichkeiten einer den deutschen 3nteresten gerecht werdenden Luftpolltik darlegea. Diese Richtlinien werden in Form eines Programmes in kürze den gesetzgebenden Körperschaften und der Oeffentlichkeit unterbreitet werden.

Die Zukunft des ZeppelinbauS. Dr. Eckener gegen die Abstriche am Etat für Friedrichshafen.

Stuttgart, 11. April. (Privatmeldung.) 3n einer Konferenz der staatlichen Pressestelle nahm Dr. Eckener Gelegenhell, die Vertreter der Presse über die offizielle Auffassung deS Luft­schiffbaues Zeppelin in Friedrichshafen zu informieren. Dr. Eckener erklärte u. a., die Rachricht, daß von dem Luftfahrtetat von 50 Millionen insgesamt '20 Milllonen a e st r i ch e n werden sollten, habe ihn schwer er­schüttert. da eine Streichung in diesem Umfang eine Katastrophe für btt ganze

deutsche Luftfahrt bedeut«, inzwischen habe er erfahren, daß wenigstens die Rachricht, daß in den abgestrichenen 20 Millionen Mark die ganzen 4 Millionen enthalten seien, die den Luftschiffbau Zeppelin zum Dau einer neuen Halle gegeben werden sollen, auf einem Orr- tum beruhe. Es wurden lediglich 20 Millionen Mark gestrichen, die er st noch auf die ver­schiedenen Positionen verteilt wer­den sollen.

Dr. Eckener erklärte hierzu, daß ein auch noch so geringer Abstrich von den vier Millionen Mark vorn Luftschiffbau nicht ertragen werden könne, da dieser die vier Millionen des Reiches und die weiteren zwei Millionen Mark von Württemberg zur Fortsetzung des Werkes des Grafen Zeppellu unbedingt benötigt.

Die Situation sei heute so, daß man jetzt in die Lage aebracht werden müsse, das mooernste Luftschiff zu bauen, um mit Sicherheit einen Verkehr über den Ozean ausführen zu formen. Der Graf Zeppelin" genüge hierzu keineswegs. Mit diesem Schiff könne ein Wettbewerb mit Eng­land und Amerika nicht auf genommen werden. Man müsse nun eine große Bau- Halle haben, von genügender Höh«, um den Dau eines Schiffes von genügender Leistungsfähigkeit und ausreichenden Maschinsnkräften fertigzustellen. Zur Finanzierung dieses Luftschiffbaues fei an die Gründung einer transatlantischen Derkehrsaesellschaft gedacht, an der sich der Zeppelinbau mit zwei Dritteln beteiligen will.

Die Vorbedingung sei aber, daß der Lustschisf- bau vom Reiche die Mittel bekomme, eine neue Halle zu bauen, und zwar eine geräumige Doppelhalle, die nicht nur Platz für ein großes Schift, sondern die Möglichkeit zum Ausfahren bietet.

Am Schluß seiner Ausführungen WieS Dr. Eckener auf das moralische Anrecht hin, daS der Luftschiffbau Zeppelin auf Grund seiner gezeig­ten Leistungen und seiner Enttoicklungsmöglichkell habe, weiter gefördert zu werden, ferner auf die nationale Pflicht, den Vorsprung, den Deutsch­land im Luftschiffbau gegenüber England und Amerika hat, auch für di e Zukunft auf» recht-verhalten.

Staatsrat Rau machte dann noch nähere Mit­teilungen über den Standpunkt derwüri- tembergischen Regierung. Die tofirt* tembergische Regierung glaubt danach, die im Etat für 1929 für den Luftschiffbau eingesetzten 2 Millionen Mark in dieser Höhe verantworten zu können, und sie wolle sich dafür einsehen, daß bei der großen Bedeutung, die der Zeppelinbau für acmz Deutschland hat, die im Reichsetat vor­gesehenen Gelder für i>en Luftschiffbau Zeppelin ganz gerettet werden können.

Sie Lohnbewegung bei der Reichsbahn.

Oie Gpihengewerkschasten erklären sich zur Vermittlung bereit.

Berlin, 11. April. (WB.) Das Schreiben der gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen bei der Reichsbahn, des A.D.G.D., des D.G.B. und deS Gewerkschaftsringes, an die Deutsche ReichS- bahngesellschaft hat folgenden Wortlaut:

Die unterzeichneten Spitzenorganisationen der Gewerkschaften haben durch die ihnen ange- schlossenen Eisenbahngewerkschaften Kenntnis er­halten von der Stellungnahme der Reichsbahn- hauplverwaltung, die jede Lohnerhöhung für das nichtbeamtete Reichsbahnpersonal ab­lehnt. Die daraus entstandene Situation war Gegenstand eingehender Beratung im Kreise der Vorstandsvertreter der drei anerkannten Spitzen- verbände, die nach Prüfung aller Umstände, die mit der Lohnbewegung in Beziehung stehen, ein­mütig zu der Auffassung gelangten, daß aus einem etwaigen Lvhnkampf der Eisenbahner dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammen­wirken in Deutschland außerordentlicher Schaden erwachsen würde, der in gar keinem Verhältnis zu einer Lohnerhöhung stehen würde. Die wirtschaftliche Lage der Eisenbahnarbeiter ist im Vergleich zu den Bezügen anderer Ar­beitergruppen in der Privatwirtschaft als un­günstig zu bezeichnen, insbesondere ist es die hohe Spanne zwischen Gisenbahnarbeiter- lohn und den vergleichsweisen Löhnen der Eisen­bahnbeamten für nahezu völlig gleiche Leistun­gen, die als ungerechtfertigt bean­standet und daher bekämpft wird. Die Spitzen­organisationen haben den ernsten Willen, den Arbeitsfrieden in dem für die gesamte deutsche Wirtschaft so überaus bedeutsamen Eisen­bahnbetriebe nicht ohne zwingend st eR o t gefährden zu lassen. Das setzt jedoch vor­aus, daß Reichsregierung und Reichsbahnhaupt­verwaltung den Weg der Verständigung beschreiten, denn sie verhindern damit die Ar­beitsniederlegung, die in ernste Rähe ge­rückt ist. Die Möglichkeit einer Verständigung mit dem Ziele der Lohnerhöhung erblicken die Spitzengewerkschaften in neuen Verh and - lungen, bei denen mitzuwirken die Ver­treter der unterzeichneten Organisationen even­tuell bereit wären. Für die Hinterlassung jedergewerkschaftlichenKampfhand- l u n g innerhalb der Eisenbahnbetriebe haben sich die Vertreter dieser Verbände bei den Eisen-

bahngewerkschasten bis zum Abschluß der neuen Verhandlungen bisher mit Erfolg eingesetzt. Zur Aussprache über etwa zu beschreitende Wege, die zu aussichtsreichen Verhandlungen führen können, hallen sich die Unterzeichneten jederzeit bereit.

Die Reichsbahnhauptverwaltung wirb auf das Schreiben hin sich zunächst mtt den beteiligten Aeichsressorts in Verbindung setzen und eine gemeinsame Besprechung der zur Zeit gegebenen Lage anregen.

Mahnung zur Disziplin.

Berlin, 11. April. (WB.) Der Leiter der Tarifabteilung im Hauptvorstand des Einheits­verbandes der Eisenbahner, Apitsch, sprach gestern abend in einer stark, besuchten Versamm­lung des Werkstattpersonals in Berlin. Er kam auch auf den Lohnkonflikt bei der Reichsbahn und die Eingabe der Spitzenorganisationen an die Hauptverwaltung zu sprechen und gab dazu fol­gende Erklärung ab: Sowohl die Spitzenorgani­sationen als die Eisenbahnergewerkschaften sind sich darüber llar, daß eine ablehnende Stellung­nahme der Reichsbahn zu den neuen Vorschlägen den Streik der Eisenbahnarbeiter zur Folge haben wird. Die Organisationen haben mit der Eingabe an die Reichsbahn bewiesen, daß sie sich ihrer großen Verantwortung gegenüber der Oeffentlichkeit bewußt sind und einen Kampf nicht leichtfertig vom Zaune brechen wollen. Rach wie vor sibd die Gewerkschaften zur friedlichen Verständigung bereit. Sie sind aber eben­so fest entschlossen, die Bewegung nicht im Sande verlaufen zu lassen und werden, wenn die Reichs­bahn dazu treibt, auch das letzte gewerk­schaftliche Kampfmittel zur Durchsetzung der berechtigten Forderungen der Eisenbahner an­wenden. Die Eisenbahner haben keinen Grund, nervös zu werden, sondern müssen der weiteren Entwicklung im Vertrauen auf ihre Organisation ruhig entgegensehen und sichnicht durch Pa­rolen außenstehender und unverant­wortlicher Elementekopfscheumachen lassen. Die Versammelten brachten ihr Ver­trauen zur Organisation durch die einstimmige Annahme einer Entschließung zum Ausdruck, in der diese Erklärung gebilligt wurde.

werde. Vor einigen'Wochen wurde nun ein Patient eingeliefert, bei dem eine Operation glei­cher Art sich als unbedingt notwendig erwies. Der Patient erfuhr im Krankenhause, daß zwei Operationen dieser Art tödlich verlaufen waren, und weigerte sich, eine Operation durch Professor Dönitz vornehmen zu lassen. Der Kranke fragte dann Prof. Rautenberg um Rat und Prof. Rauten­berg empfahl ihm, sich in das Rittberg- Krankenhaus zu begeben, dessen Leiter Prof. Brüning Spezialist für derartige Operationen sei, die ihm bisher noch immer geglückt seien. Diese Unterredung tarn Prof. Dönitz zu Ohren, der sich daraufhin beschwerdeführend an den Kreisausschuß wandte und erklärte, er könne mit Prof. Rautenberg nicht mehr zusammen arbeiten, ba dieser durch Herabsetzung eines Kollegen die ärzt­liche Standeswürde in schwerster Form verletzt

habe. Prof. Rautenberg wurde vom Kreisausschuß vorgeladen und erklärte u. a., da Prof. Dönitz der­artige Operationen nicht mehr habe durchfuhren wollen, sei es nur eine Pflicht der Mensch­lichkeit gewesen, den Patienten an einen bekannten Spezialisten zu verweisen. Der Kreisausschuß teilte darauf dem verdienten lebenslänglich angestellten Arzt schriftlich mit, daß er seines Postens enthoben sei und sofort das Krankenhaus zu verlassen habe. Als Prof. Rautenberg den Versuch machte, die Kranken­journale und sonstigen Papiere zur Uebergabe in Ordnung zu bringen, rief gegen Abend der Kreis­st kretär bei ihm an und drohte mit gemalt- famer Entfernung, falls Prof. Rautenberg nicht sofort das Haus verlasse. Unter den Berliner Aerzten hat der Vorfall große Erregung ausge- löst. Es soll beabsichtigt sein, eine Protestoer-

sammln na einzuberufen, bte sich mtt btw tfo» gängen befassen soll.

vergleich

Im LohnkonflUt der mitteldeutschen Landwirtschaft.

Der LohnstveU In der mitteldeutschen landwirt­schaftlichen Tarifaemeinschaft, au der die Gebiet» Anhalt, Braunschweig, Kurhessen, Freistaat Sachsen, Provinz Sachsen, Südhannooer und Thü­ringen gehören, ist dadurch beendet worden, daß in einer Verhandlung im Reicksarbettsministerium über den am 25. Februar 1929 gefällten SMeds- spruch mit einigen Abänderungen ein Vergleich zustandegekommen ist. Zu der Lohnerhöhung der Schiedsspruchs von einem Pfennig kommt ein weiterer Pfennigab 1. Juli hinzu. Dafür sind verschiedene die Arbeitgeber enttastende Ab­änderungen des Schiedsspruchs tn den Vergleich aufgenommen worden.

3hren Ausweis, bitte" der vergeßliche RLi^sanßenminifier.

Am vergangenen Mttttvoch fand die Trauung des österreichischen Gesandten in Berlin Dr. Frank, mit der Wiener Pianistin Wit statt, bei der der deutsche Reichsaußenminister Dr. Stresemann und der Generaloberst von Seeckt als Trauzeugen vor dem Standesbeam­ten fungierten. Die bei der standesamtlichen Trauung notwendigen Formalitäten sehen u. a. auch die Bestimmung vor, daß sich jeder der Trauungen vor der Eheschllehung über seine Personalren legitrmieren mutz. So auch Dr. Stresemann und General von Seeckt. Das ging aber am Mittwoch nicht ganz ohne Schwie­rigkeiten vonstatten, denn pkötzlich stellte sich h«aus, daß Dr. Stresemann, der sonst an alles zu danken pflegt, keine Legitimations- Papiere bei sich hatte. Der Standesbeamte, offenbar durch schlechte Erfahrungen aewitzigt. bestand anfänglich darauf, daß der ReicySautzm- minister sich erst seine Legitimations- Papiere besorgen müßte. Rur dem guten Zureden deS Generals von Seeckt hatte jener es dann zu verdanken, daß der Standesbeamte Gnade vor Recht ergehen lieh und dem Reichs- auhenminister wohl auf sein ehrliche« Gesicht hin auch ohne Legitimation die angegebenen Personalien glaubte. So konnte also die Trauung, wenn auch mit Hindernissen, doch noch vollzogen werden.

Das vermisste FlugzeugSouthern Lrotz" wieder aafgefunben.

Don dem FlugzeugLamberra", das an den Nach­forschungen nach dem am 31. März mit 4 Passagieren zu einem Fernflug AustralienE Ugland gestarteten und bald darauf vermißten Flugzeug Southern Eroß" beteiligt war, ist folgende Lob schäft eingegangen:Wir habenSouthern (Sroft* gefunden. Alkefinda m Leben und wohl. Wir haben Lebensmittel abgeworfen.-

Vrandfliflungen in Westeregeln.

Jin der Rächt zum Donnerstag brach inner- hallb 14 Tagen der vierte Brand in unmittelbarer Rähe deS Rathauses Feuer aus. Diesmal brannte ein hinter dem Rach aus ge­legener Schuppen völlig ab. Auch in dem hinter dem Rathaufe gelegenen Feuerwehr- depvt war Feuer angelegt worden, daS aber noch rechtzeitig gelöscht werden konnte. ES liegt unzweifelhaft amh diesmal Brandstiftung vor. Der Bürgermeister von Westeregeln ist vor einigen Tagen im Anschluß an die drei letzten Brände wegen deS Verdachts der Brand- stistung und Veruntreuung verhaftet wordcn. Dce Landeskriminalpolizei ist mit der Unter­suchung des letzten BrandeS beschäftigt. Die Er- mittlunacn zu den drei vorherigen Brandstiftun­gen sind abgeschlossen, und die Angelegenheit ist nunmehr der Staatsanwaltschaft in Ha^ t übergeben worden.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die südliche Störung ist stationär geblieben und verursacht immer noch unfreundliches Aprilwetter. Fast in ganz Deutschland ist noch starke Bewölkung, nur an der Ostseeküste, wo das Hochdruckgebiet sich weiter südwärts vorgedrängt hat, ist Aufheiterung erngetreten. Da die Störung den Einfluß des Hoch­druckgebietes nicht zur Geltung kommen laßt, so bleibt bei uns bas trübe Wetter fortbestehen. Die kontinentale Kaltlustzufuhr hält weiter an, so daß auch die Temperaturen verhäUnismäßig niedrig zu liegen kommen.

Wettervoraussage für Samstag: Noch vielfach trübes Wetter mit Niederschlagsnei­gung, verhältnismäßig kühl.

Wettervoraussage für Sonntag: Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 11. April: mittags 5,6 Grad Celsius, abends 4,7 Grad: am 12. April: morgens 2,9 Grad. Maximum 6,1 Grad, Minimum 2 Grad. Erdtemperoturen in 10 cm Tiefe am 11. April: abends 5,2 Grad: am 12. April: morgens 3,9 Grad. Niederschlag 2,2 nun.