Nr. 85 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Zrettag, 12. April 1929
MetzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Gberheflen
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°/„ mehr.
Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.
richten: Sinelaer Stehen.
Postscheckkonto:
Frankfurt am Main 1IS86. Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfilStS'Vuch- und Ztelndruckerel R. Lange in Gießen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.
Erscheint täglich,auher Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte
Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112.
Anschrift für Drahtnach-
Schluß mit den Fememordprozeffen!
Don unserer Berliner Redaktion.
Zwei Tage hat sich der Ausschuß des preußischen Landtages über den Fall Schulz herum- geft ritten, ohne zu einem Ergebnis gekommen zu sein. Er hat sich schließlich auf einige Wochen vertagt, um dann vielleicht den abgeriffenen Faden wieder anzuknüpfen. Eine furchtbare Aussicht! Schulz ist eins der letzten und tragischsten Opfer aus der Aera der Fememordprozesse. Er war wegen Anstiftung zum Morde zum Tode verurteilt, wurde dann zu Zuchthaus begnadigt und auf Grund des letzten Amnestiegesetzes für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis geschickt. Die Verhandlung gegen ihn hat seinerzeit viel Staub aufgewirbelt, bas Urteil ist von hervorragenden Sachverständigen angefochten worden, und auch der Zeitgenosse, der Die Dinge nur aus der Zeitung verfolgt, hatte damals den Eindruck, daß der Indizienbeweis zum mindesten sehr lückenhaft war.
Traurig genug, daß dieselben Parteien, die sonst immer für die größtmöglichste Milde sind, gerade hier eine Ausnahme machen, nur aus politischen Gründen. Denn endlich müssen wir Doch einmal mit diesem traurigen Kapitel der Fememordprozesse zum Abschluß kommen. Niemand wird bestreiten wollen, daß damals unerhörte Dinge vorgekommen sind, Dinge auch, die uns heute mit Entsetzen erfüllen. Aber was damals geschah, muß eben auch aus der damaligen Zeit heraus verstanden werden. Die Angehörigen der Schwarzen Reichswehr haben zum mindesten subjektiv in dem Glauben gelebt, daß sie Soldaten waren. Sie haben sich in den Traum hineingesponnen, daß es ihre Verpflichtung wäre, ihre Organisation geheim zu halten. Deshalb konnten und durften sie sich an Die Gerichte nicht wenden, um der Ententekommission keine Handhabe zum Einschreiten zu bieten. Sie haben deshalb zur Selbsthilfe gegriffen und Verräter „um die Ecke" gebracht. Das ist sicher nicht zu entschuldigen. Aber ein Menschenleben stand damals niedrig im Kurs, und selbst grausame Rohheiten werden wenigstens erklärlich aus der geheimnisvollen Umgebung heraus, in die leider die Existenz der Schwarzen Reichswehr gerückt wurde.
Läge ^s nun nicht im allseitigen Interesse, darunter endlich einmal einen Strich zu machen? Wer gefehlt hat, wird mit seinem Gewissen schwer genug darum zu kämpfen haben. Der Staat aber sollte eine allgemeine Amnestie ausschreiben, schon um zu verhindern, daß die öffentliche Meinung durch immer neue Prozesse vergiftet wird. Statt dessen ist jetzt ein neuer Inkulpant aus Amerika ausgeliefert, der in nicht weniger als sieben Mordverfahren verwickelt fein soll. Die Angeklagten ?toben auf ihn, als den Abwesenden, die Haupt- chuld geschoben. Wahrscheinlich wird er sich zu entlasten suchen, wahrscheinlich aber werden alle Verurteilten Wiederaufnahme des Verfahrens beantragen, und so stehen wir vor einer ganzen Serie von neuen Prozessen, die nur dazu dienen können, alte Wunden wieder aufzureißen. Das sollte im Interesse aller Parteien vermieden werden. Es wäre deshalb die erträglichste Lösung, wenn sämtliche Verfahren niedergeschlagen und auch Schulz aus der Haft befreit würde, dem auch die Sozialdemokraten, selbst wenn sie ihn für schuldig halten sollten, nicht absprechen können, daß er geglaubt hat, in Erfüllung seiner Pflicht zu handeln.
Ein Grenzlandministenum."
Wirths Unwrganisationspläne.
Berlin, 12. April. (Priv.-Tel.) Es ist schon jetzt fest damit zu rechnen, daß G u e r a r d, Stegerwald und Wirth in das Reichskabinett eintreten werden. Damit rückt auch jener Plan in den Vordergrund, den Dr. Wirth bereits früher schon einmal geäußert hat, und nach dem das jetzige Ministerium für die besetzten Gebiete zu einem Ministerium aller Grenz- lande ausgebaut werden soll. Dr. Wirth, der das Ministerium ja nunmehr übernehmen soll, hat dabei Die Absicht, eine völlige Umorganisation dieses Ministeriums vorzunehmen, wobei allerdings abgewartet werden muh. ob er schon jetzt zur Verwirklichung dieses seines Planes, für den auch Stegerwald eintritt, schreiten wird. Diese Umorganisation soll nach den seinerzeitigen Dispositionen an Stelle einer regionalen Gliederung des Ministeriums eine solche nach Sachgebieten vorsehen, so daß Sonderabteilungen für kulturelle Fragen, für Minderheitenfragen, für Rechtsfragen usw. entstehen würden. Auf diese Weise würde naturgemäß eine Entlastung des Auswärtigen Amtes von diesen die Außenpolitik natürlich immer erschwerenden Fragen geschaffen werden, so daß das Auswärtige Amt in seinen Handlungen einen freieren Spielraum erhielte. Andererseits hofft Dr. Wirth, dadurch das Ausspielen des Westens gegen den Osten zu beseitigen, womit, da es sich bet der Grenzlandfrage um ein Problem handelt, das sicher noch mehrere Menschenalter akut sein wird, die politische Atmosphäre ebenfalls eine Entspannung erfahren würde. Man wird also abzuwarten haben, wann und wie all diese Pläne verwirklicht werden. In diesem Zusammenhänge wird uns bestätigt, daß bis jetzt wenigstens die Frage über das weitere Verbleiben des Staatssekretärs Schmidt in seinem Amte noch nicht geklärt ist.
Die ermäßigten Jordenmgen der Reparalionsgläubiger.
Grundsätzliche Einigung der Gläubigersachverständigen. — Oie künftigen Lahreszahlungen sollen angeblich zwischen 1,7 und 2,3 Milliarden betragen.
Paris, 12. April. (wTv. Funkspruch.) Die Morgenpresse berichtet übereinstimmend, daß die Delegierten der reparationsberechtigten Staaten sich im großen und ganzen auf einen Vorschlag geeinigt haben, den sie im Laufe des heutigen oder morgigen Tages der deutschen Delegation unterbreiten wollen. Rach dem„Malin" besteht nur noch zwischen den Delegierten und dem Vorsitzenden der Reparalionskonferen; e i n e D i f - feren; von 200 Millionen Mark, die man eventuell dadurch ausgleichen will, daß man die eigentlichen Reparationszahlungen über 37 Jahrehinausausgedehnt und die reinen Schuldenzahlungen, also diejenigen, die nach Ansicht der Delegierten 58 Jahre andauern sollen, später beginnen läßt.
Hebet die angeflelllen Berechnungen glaubt „Mattn" berichten zu können, daß sich der kapitalswert der eigentlichen Reparationsforderungen auf etwa 19 Milliarden belaufen hätte. Das hätte einschließlich der 80 Millionen für den Zinsendienst und die Tilgung der Dawesanleihe bei einem Zinsfuß von 5 v. h. eine Jahreszahlung von etwa 1,5 Milliarden eigentliche Reparationen ergeben. Zuzüglich der veränderlichen Jahreszahlungen für die Schulden, die sich schon im ersten Jahre auf 870 Milliorten belaufen, hätten die deutschen Gesamtjahreszahlun- gen m i f 2 3 0 0 Millionen beginnen müssen, um nach zehn Jahren aus mehr als drei Milliarden zu steigen und nach 37 Jahren auf 1700 Millionen, also den Betrag der Schuldenzahlungen, zurückzugehen. Die Ansicht der amerikanischen Sachverständigen scheine zu sein, daß man niemals die 2,5 Milliarden Ro rmal- annulkät des Dawesplanes überschreiten dürfe. Sie hätten infolgedessen Ermäßigungen gefordert. Jedes Land habe solche bewilligt und zwar in einem sehr weiten Ausmaße. Die genannte Kapitalsumme von 19 Milliarden sei auf etwa 13 Milliarden gesunken. Jetzt seien noch die Annuitäten zu errechnen.
Hebet die Nachlässe, die die einzelnen Staaten bewilligt haben sollen, berichtet „Petit parisien": Frankreich habe seine Forderungen auf Rückerstattung der Wiederaufbaukosten von vornherein auf die Hälfte herabgesetzt, aber auch diese Ziffer nicht aufrechterhalten können; die gemachten Zugeständnisse dürsten jedoch 20 bis 25 Prozent nicht übersteigen. Die anderen Delegierten, die bis auf den letzten Augenblick mit ihren Zugeständnissen zurückhielten, hätten verhältnismäßig größere Nachlässe bewilligen müssen. So begnüge sich Belgien mit 1400 Millionen für die Reparationen und für die Rückerstattung des Wertes der in Belgien während des Krieges ansgegebenen Marknoten. England, dessen Ansprüche sich anfänglich auf 4 Milliarden belaufen hätten, werde nur noch drei Viertel dieser Summe fordern. Auch Italien habe auf eine Ermäßigung seiner Forderung von angeblich 600 Millionen eingewllligt und die kleinen Mächte hätten sich ebenfalls zu einigen Opfern bereit erklärt. Das Blatt gibt dann als vermutliche Anfangsannuität die Gesamtsumme von 1700 Millionen, und als höchst- a n n u i t ä l 2300 Millionen Goldmark an. .
havas erklärt: In unterrichteten Kreisen sei man heute abend der Ansicht gewesen, daß ein merklicher Forlschritl auf dem Wege der Verständigung zwifchen den Delegierten der repara-
Kommunistenkrawalle in Berlin.
Schwere Ausschreitungen gegen Polizeibeamte.
Berlin, 11. April. (WTB.) Trotz des Verbotes von Umzügen, das das Polizeipräsidium vor einiger Zeit erlassen hatte, versuchten die Kommunisten heute die Polizei durch Veranstaltung von Umzügen zu überrumpeln. Gegen 19.30 Uhr hotte sich aus einzelnen kleineren Trupps am Moritzplatz plötzlich ein großer Zug von etwa 4 0 0 Personen gebildet, die mit Fahnen und Abzeichen der KPD. nach dem Kottbuser Damm Zu ziehen versuchten. Als Polizeibeamte versuchten, den Demonstrationszug aufzulösen, kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf einer der Polizeibeamten am Kopfe verletzt wurde. Der Zug konnte gesprengt werden, wobei einer der lautesten Schreier sistiert wurde. Bald formierte sich ein neuer Zug, der inzwischen bis zum Kottbuser Damm gelangt war. Auch hier trat die Polizei den Demonstranten entgegen. Dabei wurden zwei der Teilnehmer fe ft genommen und einer der Beamten verletzt. Ein d r i t te r Z u g , der aus einer 'Nebenstraße tarn, tauchte plötzlich am hohenstaufen- plotz im Zuge des Kottbuser Dammes auf und erhielt von aßen Seiten Zuzug. Als hier Polizeibeamte einschritten, wurde ein Wachtmeister von Demonstranten niedergeschlagen und ebenfalls am Kopse verletzt. Schließlich erschien das Uebersallkommando und brachte den
tionsberechtigten Länder erzielt worden fei. Man erwarte, daß die Diskussion mit der deutschen Delegation morgen oder spätestens übermorgen wieder aufgenommen werden könne, heroorzuheben sei, daß diese Verständigung, die erzielt worden zu sein scheine, in keiner Weise gegen die deutsche Delegation gerichtet sei und nicht in einer A r t H l l i m a t u m zum Ausdruck kommen werde, das die deutschen Vertreter anzunehmen oder abzulehnen
hätten. Der Meinungsaustausch unter den Delegierten der ehemals alliierten Länder habe lediglich bezweckt, die Modalitäten festzusehen, noch denen der A n n u i t ä t e n t e i l, der zur Deckung der eigentlichen Reparationen dienen werde, an die Repara- tionsberechtiglen verteilt werden könne. Der allgemeine Eindruck sei, daß man etwa Mitte nächster Woche über die Ergebnisse der Konferenz Klarheit haben könne.
Die Umbildung der Reichsregierung.
Reichskanzler Müller berichtet dem Reichspräsidenten.
ReichsjustizministerKoch-Wesermachtemem Zentrumsmann Platz.
Berlin, 11. April. (WB.) Reichspräsident von Hindenburg empfing heute den Reichskanzler zum Vortrag. Der Reichskanzler berichtete über die innerpolitifche Lage und schlug die Entbindung des Reichsmini st ers K o ch - W e f e r von seinem Amte als Reichsmini- sler der Justiz gemäß seinem Anträge sowie die Erweiterung der Re i ch s r e g i e r u n g durch drei dem Zentrum zugehörige Reichsmini st er vor. Der Reichspräsident erklärte sein Einverständnis zu den Vorschlägen des Kanzlers. Die formelle Entlassung des Reichsministers der Justiz und die Ernennung der neuen Reichsminister ist im Lause des morgigen Tages zu erwarten. Der Reichspräsident ist ovßer- ordentlich darüber befriedigt, daß die Krise überwunden und daß es gelungen ist, eine trag- fähige Basis für die Regierung zu schaffen. Es war sein dringendster Wunsch, daß jetzt m i t dem hin und her Schluß gemacht würde, und daß die Parteien, die in diesem Reichstag zur Regierungsverantwortung berufen sind, sich endlich zusammenfänden, hiervon sind gestern die Fraktionen unterrichtet worden.
Das Reichskabinett tagte heute nachmittag zum letzten Male in seiner bisherigen Zusammensetzung. Rach Erledigung der Tagesordnung, die nur lausenden Angelegenheiten galt, wandte sich Reichskanzler Müller mit herzlichen Worten an den nunmehr ausscheidenden Reichsminister der Justiz K o ch - W e s e r. Im Ramen der Reichsregierung und in seinem eigenen Ramen dankte der Reichskanzler dem scheidenden Reichsminister für feine umfassende und wertvolle Mitarbeit im Reichskabinetl im Laufe des vergangenen Jahres sowie für fein verdienstvolles wirken als Reichs- minifter der Justiz zum Besten des deutschen Rechtslebens. Der Reichskanzler gab der Erwartung Ausdruck, daß das reiche Können des Reichs- minifters Koch-weser unserem Vaterlande noch für lange Zeit erhalten bleibe.
Oie Mehrheit
für den Panzerkreuzer.
Wie stimmt die Sozialdemokratie.
Berlin, 12. April. (Priv.-Tel.) Wie wir schon vor Tagen ankündigen konnten, wird sich bei der Abstimmung über den Panzerkreuzer A für die neue Regierungsmehrheit eine große Schwie
rigkeit ergeben. Bekanntlich hat die Sozialdemokratie beschlossen, auch die zweite Rate für den Panzerkreuzer A abzulehnen. Wenn diese Rate also bewilligt werden soll, wäre die Regierungskoalition auf die Tlnterstühung der Rechtsparteien, insbesondere der Deutschnationalen, angewiesen. Rach einer Mitteilung der deutschnationalen Pressestelle sind die Deutschnationalen nicht gesonnen, den So- zialdemokraten auch diesmal die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Stimmen also die Sozialdemokraten dagegen, dann wäre eine Mehrheit für die zweite Daurate nicht vorhanden. Die übrige Koalitionspresse redet schon jetzt den Sozialdemokraten gut zu, es doch ja nicht zum Aeußersten kommen zu lassen und sich von den Deutschnationalen das Gesetz des Handelns vorschreiben zu lassen. Man wird abwarten müssen, wie sich die S. P. D. aus dieser Zwickmühle befreit, zumal sie noch soeben mit großer Mehrheit beschlossen hat, auch diesmal die Miitel für den Panzerkreuzer abzulehnen, weil sie die kommunistische Agitation in dieser Frage nicht aushalten zu können glaubt. Man wird sich später dieser Vorgänge erinnern müssen, wenn die Dinge nach den sächsischen Landtagswahlen und dem sozialdemokratischen Parteitag anders liegen sollen.
Die Preußenfrage kommt wieder.
Volkspartei und Regierungsumbildung.
Berlin, 11. April. Die Zustimmung der Deutschen Volkspartei zu der Regierungsbildung im Reich hat insofern eine gewisse äleberraschung erregt, als bislang die politische Kardinalforderung der Deutschen Volks- Partei, nämlich die gleichzeitige Um- Bildung der Regierungen im Reiche und in Preußen nicht erfüllt worden ist. Wie wir dazu aus parlamentarischen Kreisen erfahren, denkt die Vclkspartei gar nicht daran, ihre Forderung nach einer Umbildung der preußischen Regierung fallen zu lassen. Man übersieht vielfach, daß es sich bei der jetzigen Erweiterung der Reichsregierung nicht etwa um eine feste Koalition handelt, sondern lediglich um eine Arbeitsgemeinschaft zur Verabschiedung des Haushalts. Ist aber dieses Ziel einmal erreicht, dann ergibt sich alsbald eine neue Situation, bei der die Deutsche Volkspartei ihre völlige Handlungsfreiheit wiedergewonnen hat und zweifellos auch gebrauchen wird. Schon aus diesen Erwägungen heraus wäre es verfehlt, angesichts der vorgesehenen Ernennung der drei Zentrumsminister von einer Lösung der politischen Krise im Reich zu sprechen.
verletzten Beamten zur Neuköllner Rettungswache und dann, da sich sein Zustand als e r n ft erwies, nach dem Polizeikrankenhaus. Einer der Demonstranten, der von verschiedenen Zeugen als Täter bezeichnet worden war, wurde f e ft g e n o m- men, außerdem noch fünf weitere Kommunisten. Insgesamt wurden neun Personen festgenommen. Regierungskrisis in Gtrelih.
Rücktritt des Staatsministers Freiherrn von Reibnitz.
Reustrelih, 11. April.. (WB.) In der Rachmittagsfitzung des mecklenburgisch-strelitzschen Landtages wurde der Staatshaushaltsplan für 1929 in der Schluhabstimrnung mit 18 gegen 16 Stimmen abgelehnt. Für den Etat stimmten die Sozialdemokraten und die Ar- beitsgemeinschaft der Mitte (Deutsche Volkspartei, Volksrechtspartei und Bauernbund), alle übrigen Abgeordneten stimmten gegen den Etat. Rach kurzer ülnterbrechung der Sitzung verlas Landtagspräsident Dr. Foth ein Schreiben des Staatsministers Dr. Freiherrn von Reib- n i tz (Soz.), in dem dieser seinen Rücktritt als Staats mini st er erklärte, da der von ihm borgelegte Etat van der Mehrheit des Landtages abgelehnt sei. Abg. Bartvsch (Soz.) verlas alsdann einen Urantrag der sozialdemokratischen Fraktion, wonach der Staatsminister Dr. Freiherr von Reibnitz auf Grund des § 27 des Landes grundgesehes von der Weiterführung der Ge
schäfte entbunden wird. In der Begründung dieses ülrantrages heißt es: Die sozialdemokratische Fraktion ist aus staatspolitischen Gründen bei den Verhandlungen b is an die äußerst e Grenze des Möglichen gegangen, glaubt aber nunmehr für die Konsequenzen, die sich aus der Ablehnung des Haushaltsplanes zwang - läufig für das Land ergeben, d i e Verantwortung ablehnen zu müssen. Sie stellt diesen Urantrag, um der Opposition, bestehend aus den Deutschnationalen und der Wirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft, die nach den parlamentarischen Grundsätzen nunmehr eine Regierung zu bilden haben, den Weg frei zu machen. Präsident Dr. Foth teilte mit, daß er den sozialdemokratischen Urantrag aus die Tagesordnung der morgigen Sitzung sehen werde.
Oie Heiratsabsichten des Königs Boris
Paris, 11. April. (WTB.) Das „Echo de Paris" glaubt berichten zu können, daß der Plan einer Heirat zwischen dem König Doris von Bulgarien und der Prinzessin Giovanna von Italien nunmehr endgültig als unmöglich aufgegeben worden ist, da der Papst Ehen zwischen einer Katholikin und einem Andersgläubigen nur dann zu billigen gewillt ist, wenn zumindest die Kinder männlichen Geschlechts in der katholischen Religion erzogen werden. Die bulgarische Verfassung schreibt jedoch vor, daß der Kronprinz dem orthodoxen Glauben angehören muß.


