Ausgabe 
12.3.1929
 
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teflebxWt Dek tot Lszembettvahken 19-24 braute es die Wendische Volkspartei nur auf 5585 Stimmen, während die Polen. damals immerhin über BO 000 Stimmen erzielen konnten.

Neue Niederlagen der mexika­nischen Rebellen.

ttera (£ru j wieder i« Händen der Regiei ung.

Mexiko. 11. März. (WB.) Die Dorhut der von General Calles befchligten Regierungsarmee hat den Truppen der Aufständischen unter Ge­neral Llrbalejv bei Camitas eine Rieder- l a g e zugesügt, die in hiesigen Regierungskreisen mit großer Freude begrüßt wurde. Offiziös wird dazu noch mitgeteilt, daß die Truppen Llrbalejos selbst gegen ihren Führer Partei er­griffen hätten, sobald sie erfuhren, daß 11 r» balejv nicht auf Seiten dec Regierung, sondern für die Sache der Aufständischen kämpfte. Der größte Teil der Truppen ist zur Regie­rungsarmee übergegangen, während Urbalejo mit einer persönlichen Bedeckung von kaum dreißig Mann entflohen ist. Die Re­gierung ist nicht geneigt, den Führern des Auf­standes etwas anderes zuzugestehen als den Prozeß vor dem Kriegsgericht. Der einzige Umstand zugunsten der Sache der Auf­ständischen ist, daß sich der südliche Teil von Rieder-Kalifornien neuerdings den Re­bellen angeschlossen hat. Wie weiter amtlich ge­meldet wird, ist auch der Aus st and in Dera Cruz endgültig unterdrückt worden. Die letzten Truppen des Rebellenführers Agu- irre, die aus lleberresten von zwei Regimen­tern und einem Bataillon Baqui-Indianer be­standen. haben sich bedingungslos erge­ben. Aguirre selbst ist mit seinem Bruder Simon und einer Handvoll von Anhängern i n s Gebirge geflüchtet und wird von Regie- rungstruppen verfolgt. 3m nördlichen Texas ist die Lage unverändert. Das Hauptquartier Cal­les' befindet sich noch immer in Canitas. Rach Ausbesserungen der zerstörten Eisenbohngeleise wird Calles seinen Dormarsch auf Durango und Torreon wieder aufnehmen.

Amerikanische Waffenlieferungen für Mexiko.

Paris, 11. März. (WLB.) DerRewBork Heralb" meldet aus Washington, die Regierung habe beschlossen, der mexikanischen Regierung 10 000 Gewehre mit 10 Millionen Patronen zu liefern. Es handle sich dabei um Munition, die aus dem Kriege übrig geblieben sei. Sollten die mexikanischen Bundestruppen noch weitere Waffen benötigen, so könnten die Vereinigten Staaten eine nahe­zu unbegrenzte Menge dieser Gewehre liefern, denn es lägen in den amerikanischen Arsenalen noch vier Millionen Stück. Die Washingtoner Regierung würde nichts da­gegen einzuwenden haben, wenn die mexikani­schen Bundestruppen einen Tell amerikani­schen Gebiets überquerten, falls es nötig sein sollte, um die Aufständischen anzugreifen. Die Ausfuhr von Flugzeugen, die für die Auf­ständischen bestimmt waren, sei von Washington verboten worden.

Oie Krankheit König Georgs.

London. 11. März. (WTB.) Der König verbrachte heute zum erstenmal seit vier Mo­naten kurze Zeit im Freiem Er wurde bei schönstem Wetter und völliger Windstllle in einem Rollstuhl in den Park von Craig- toeil House in Bognor gefahren und verweilte dort geraume Zeit in Begleitung der Königin und seines Leibarztes. Das Kabinett prüft zur Zeit die Frage, ob der R e g e n t s ch a f t s r a t, der seit der Erkrankung des Königs die Funktio­nen des Monarchen ausübt, durch den Prin­zen von Wales als persönlichem Re­genten erseht werden soll. Diese Umwand-

kung tot Regentschaft werde einerseits befür­wortet, weil die Aerzte die v öl l i g e S ch o - nun g des König-auf ein halbes Sahr verlangen und andererseits, well der Regent­schaftsrat in der Person deS Premiermini­sters ein politisches Mitglied enthalte, das durch Wahlen und Regierungsniederlage außer Funktion treten könne.

Oie Auslandreise des Zaren Boris.

Belgrad, 11. März. (Telun.) Zar Do­ris von Bulgarien traf am Montag mit dem Simplon-Expretz in Belgrad ein, von wo er kurz darauf seine Reise nach Rom fort» setzte. Wie die ,Politika" meldet, wird mit dem Zaren zugleich der bulgarische Metropolit Ste­phan in Rom eintrcffen. Der Zweck der Reise sei die Verlobung des Zaren mit der ita­lienischen Prinzessin G i o v a n n a , der noch Glaubensschwierigkeiten im Wege ständen, da die Prinzessin zum orthodoxen Glauben übertreten müßte. Das Blatt meint, der bul­garisch« Metropolit habe einen Weg gefunden, um die Verlobung des bulgarischen Königs zu ermöglichen. Rach anderen Meldungen begibt sich der Zar zuerst nach Wien und Ber­lin. um verschiedene Spezialisten für Ohren-

teißert auszusuchen. Anschließend daran wird tot König eine Erholungsreise antreten, die in mehrere europäische Staaten führen wird. Zar Doris reist wie üblich unter dem "21 amen Graf Boris Rilski. Sein Paß enthält Visa für die Einreise nach Oesterreich, der Schweiz, Sta­tten, Frankreich und Deutschland. Der Metro­polit von Sofia, Stephan, reist am Montag in besonderer Mission nach Paris. An diese Aus­landreise wurde das Gerücht geknüpft, daß sie mit der Verlobung des Zaren in Zusammen­hang stehe. Metropolit Stephan hat der Presse erllärt, daß er nicht nach Rom, sondern nur nach Paris, Genf und Mailand reise. Sn Paris wird der Metropolit mit dem bulgarischen Außen­minister Duroff zusammentreffen. Er beabsichtigt, die Pariser Kreise für die bulgarischen Minderheiten in Mazedonien zu in­teressieren, deren bekannter Vorkämpfer Ste­phan ist.

päpstliche Orden für Mussolini und Viktor Emanuel.

Rom, 11. März. (WTB. Funkspruch.) Eine Kom­mission von Rittern des Ordensoom Heiligen G r a b e, zu der auch ein Neffe des Papstes gehörte,

Das Washingtoner Arbeitszeitabkonimen.

England verlangt Revision.

Genf, 11.März. (WTB.) Die Revision des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag, die seit Anfang vorigen Jahres auf englische Ini­tiative wiederholt dcn Derwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes befaßt hat, bildete in seiner heute vormittag begonnenen 43. Tagung wieder den Hauptgegenstand der Tages­ordnung. Die Sitzung begann sofort mit der Be­gründung der englischen Revisionsvorschläge durch den englischen Arbeitsminister Sir Steel Mait­land, der, wie auch Reichsarbeitsministcr Dr. Wissel! und der französische Arbeitsminister L o u ch e u r, persönlich an dieser Tagung teil» nimmt Steel Maitland führte verschiedene Lücken an, die nach englischer Auffassung im Washingtoner Abkommen vorhanden seien und den Grund für die bisherige Nichtratifizierung durch England bildeten. Insbesondere beanstandete er die man­gelnde Definierung von Arbeitszeit, Arbeitsstunde, Arbeitswoche, ferner der Fälle höherer Gewalt, in denen die 48-Stunden-Woche ausnahmsweise über­schritten werden könne, der Ueberstunden- und Aus­nahmefälle. Eine nach den jetzigen englischen An­regungen revidierte Washingtoner Konvention könnte von England alsdann sofort ratifiziert werden.

Der englische Gewerkschaftsführer Po ul ton bedauerte, daß die englische Regierung mehr als neun Sahre gebraucht habe, um die heutigen Anträge zu stellen. Er habe sehr stark den Eindruck, daß die Haltung des englischen Regierungsvertreters unter dem Einfluß der Llnternehmerkreise stehe. Der englische Unter­nehmet Wa11son erinnerte daran, daß bis jetzt nur neun Staaten die Washingtoner Konvention bedingungslos ratifizierten. 32 über­haupt noch nicht und der Rest nur bedingungs­weise. Der französische Arbeitsminister L o u- ch e u v wies auf den gefährlichen Eindruck hin. den ein Weiterleiten der englischen Anregungen auf die gesamte Arbeiterschaft machen mühte. Der französische Gewerkschaftsführer Sou- haux wies darauf hin. daß schon seinerzeit das Washingtoner Abkommen über den Acht­stundentag in der vorliegenden Form von der gesamten Arbeiterschaft als ein Minimum betrachtet und nur in der Hoffnung und Aus­sicht einer Erweiterung angenommen worden war. Das Washingtoner Abkommen sei eine Lebens- Notwendigkeit für den Bestand der internationalen Arbeitsorganisation in Genf.

Reichsarbeitsminister Dr. Wisfell erklärte: Auch Deutschland ist daran interessiert, daß das Abkom­men in allen ratifizierenden Ländern gleich­

artig ausgelegt und mit dergleichen Strenge durchgeführt wird. Fast alle Fra­gen, die die englische Regierung aufgeworfen hat, sind bereits Gegenstand der Londoner Be­sprechungen im Jahre 1926 gewesen, und in fast allen diesen Fragen ist es damals gelungen, eine übereinstimmende Meinung festzulegen. Deutschland ist der Ansicht, daß die dadurch erzielte praktische Sicherheit einer einheitlichen Auslegung eine aus­reichende Grundlage für die Ratifizierung ab geb en könnte. Wäre es nicht zweckmäßig, zunächst einmal das Uebereinfommen in seiner bisherigen Fassung zu ratifizieren und die sicher erstrebens­werte weitere Derbesserung der Zukunft anheimzu- stellen?

Der deutsche Unternehmeroertreter, Geheimrat Bogel, teilte mit, daß die gesamten im Berwal- tungsrat des Internationalen Arbeitsamtes vertre­tenen Unternehmergruppen die englische Anregung insgesamt unterstützen.

Die Washingtoner Vereinbarung kam im An­schluß an die Unterzeichnung des Friedensver- tcages zustande. Sie sollte ein Geschenk an die toerhätigen Kreise aller Völker für. die während den Krieges gebrachten Opfer darstellen. Tatsäch­lich war sie aber nur eine Beruhigungspille: an die praktische Durchführung des Ver­trages ist bis heute keiner der Unterzeichner herangegangen, weil sich sämtliche Regierungen sagten, daß keine Wirtschaft ohne nachhal­tige Schäden eine Schematisierung der Ar­beitszeit ertragen könne. Deutschland da­gegen. das in Washington nicht vertreten war, hat sich die Grundsätze des Abkommens zu eigen gemacht, hat allerdings Ende 1923 die Arbeitszeit wieder lockern müssen, steht jedoch heute aufs neue unmittelbar vor der restlosen Einführung der achtstündigen Arbeitszeit. Sn den letzten Sahren haben nun verschiedentlich Ver­handlungen über die Ratifizierung des. Washingtoner Vertrages stattgefunden. Dabei wurden von allen Regierungen mit Ausnahme der deutschen Bedenken mancherlei Art in den Vordergrund geschoben. Ramenllich die Eng­länder lehnten es ab, ihrer Wirtschaft auf dem Gebiete der Arbeitszeit Bindungen und Einschränkungen zuzumuten. Sie haben im vorigen Herbst eine Revision des Vertrages gefordert und haben jetzt ihrem Antrag eine eingehende Begründung nachgeschickt, die darauf hinausläuft, die Schematisierung der Arbeitszeit gänzlich fallen zu lassen, dafür aber in den Vertrag Bestimmungen hineinzumauern, die eine An­passung der Arbeitszeit an die Bedürfnisse der Wirtschaft zulassen.

Musik in Schlössern.

Monbijou-Münchm-Würzburg-Bruchsal.

Von Dr. Augusta v. Oerhen.

Sn demLustschloß der Hohenzollern", Mon­bijou genannt, finden jeden Winter Konzerte statt, veranstaltet von der ..gemeinnützigen Ver­einigung zur Pflege deutscher Kunst". Konzerte, welche im historischen Rahmen historische Musik bringen, ja, daL Stllgefühl geht sogar soweit, daß Hunderte von Kerzen entzündet werden, um Mozart und Schubert zu illuminieren; in diesem melden Kerzenschein verwischt sich der kalte, museale Eindruck, den das heutige Hohenzollern- museum im harten Tageslicht dem Besucher macht, die Räume werden sozusagen ..menschlich". Warm und weich fließt auS den kleinen, flackernden Zlämmchen verklärender Schimmer über die Fest­räume des Rokoko, spiegelt sich in den hohen verglasten Spiegeln, flammt in den Dronzebe- ichlägen der Möbel auf, gleitet sanft über die strengen Züge der brandenburg scheu Kurfürsten und preußischen Könige, und über die hoch- frisierten, gepuderten Gesichter der fürstlichen Damen. Eingehüllt in die schwingenden Rhyth­men der heiteren Musil des Dix-huitieme, erlebt der Zuschauer noch einmal die Glanzzeit des Lustschlößchens, als die geistreiche Mutter deS großen Friedrich dort Hof hielt: hier wurde Musik getrieben, Literatur gepflegt. Kunst ge­sammelt; im Gegensatz zu den weihgetünchten Wänden, zu den Fichtenmöbeln, zu den einfachen 'llbernen Geschirren, die als höchsten Luxus auf die Tafel des Soldatenlönigs tarnen, lebte man in Monbijou in goldenen Kabinetten, ah von gol­denen Tellern und umgab sich mit Kuriositäten und künstlerischen Spielereien des 18. Sahrhun- derts; hier war der Boden, auf dem die hohe Kultur von Preußens größtem König er» wachten ist.

Wenn in dem historischen Musiksaal sich heute Berlins Gesellschaft versammelt, um bei Kcrzen- schimmer Rololomusll zu genießen, so erscheint dem historisch Wissenden wie eine zauberische Vision der junge Kronprinz von Preußen, wie er vor denselben Säulen, welche heute noch diesen prächtigen Saal mnschließen, die Flöte an die Lippen setzte, um in denselben Klängen, die uns entzücken. Trost und Ausgleich zu finden.

Eingesponnen in den Zauber von Kerzenschim­mer und Rokokomusll verläßt man dasLust­schloß" und empfindet beglückt, was Friedrich der Erste sagen wollte, als er bei der Schenkung von Monbiiou feinem Günstling und allmäch» Hgen Minister, dem Grafen von Wartenberg,

schrieb:et möge fein Gemüth, welches von vielen ] und großen Geschäften fatigieret sei, daselbst I etwas ausruhen."

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Auch in München bleibt man im Stil, man gibt Kammermusik des Barock im schönsten, präch­tigsten Barocksaal der Residenz, im Herkulessaal; vor den mächtigen Herkulesfiguren. die diesen Saal beherrschen, in Plastik und Malerei, als Wandgemälde und als Kaminschmuck, wirken die düsteren, ernsten Stimmen aus dem 1Z. Sah» hundert, von Caccini bis Dach, mit eigentümlicher Wucht... dieser Saal, einst der Schauplatz pom­pöser Feste, welche die lebenslustige Stalienerin Henriette Adelaide von Savoyen zum Entsetzen ihrer strengen Schwiegermutter, der langweiligen Anna von Habsburg, ihrem jungen Gatten, dem Kurfürsten Ferdinand Maria, veranstaltete, hat zwar viel von seinem reinen Barockstil eingebüht, aber trotz einiger Hebertünchungen des 19. Sah» hunderts wirkt er doch noch mit der ganzen Pracht des Barock. Auch hier, wie in Monbijou, sind bildende Kunst und Musik in Einklang; wenn das Kammermusikorchester inmitten des Saales Platz genommen hat, und die Rhythmen der großen Italiener erklingen, dann erscheint aller Pomp, alle ilebigleit des 1Z. Jahrhunderts lebendig ge­worden, und man meint die Hofgesellschaft Hen­riettens AdelaidenS sich im Takte der Sarabanden wiegen zu sehen... .biet tanzt man ganz anders als bei uns", schrieb die junge Kurfürstin nach Turin,man läuft so schnell, daß man Mühe hat, nicht zu fallen!"

Stumm und ehrn schauen die gewaltigen Her­kulesse auf die kleinen Menschlein herab, nur die Musik entspricht ihren übermenschlichen Di­mensionen.

Sn der heitersten, der fröhlichsten Stadt am Main wird im Sommer Mozart gespielt, im weißen Saale der Würzburger Residenz flammen Kerzen aus, und wenn aus dem ver­träumten Schlohpark die abendlichen Düfte des Sommers zu den geöffneten Fenstern des Schlosses emporsteigen, dann wird es in der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz lebendig ... hier resi­dierten im 18. Sahrhundert die Grafen von Schönborn, das feudalste, verschwenderischste Fürstengeschlecht Süddeutschlands, eine Dynastie der Fürstbischöfe tn Würzburg und Bamberg, die unter Ausbietung enormer persönlicher Geld­mittel den großen '2Irc6iteftcn ihrer Epoche zu tun gaben; einer der glänzendsten Aufträge war der Dau der Würzburger Residenz in den Jahren 1720 bis 1744. Soh. Balthasar Neumann, dem genialsten Baumeister des Rokoko, über­

tragen. Von den Wänden des schimmernden Saa­les blicken noch heute die lebenslustigen Physio­gnomien der Schönborns herab, wie eine Ovation steigt zu diesen Gönnern der Kunst Mozart- Musik empor...

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Seit 1922 veranstaltet im Fürstenfaal deS Druchsaler Schlosses dieOrtsgruppe Bruch­sal der badischen Landesvereine" historische Kon­zerte; dieser Prunlraum im zierlichsten Rokokostil mit FreSken der Brüder Zick ist der glücklichste Rahmen für Musik; hier geht man sogar so weit, daß man die Musikanten in die heiteren Gewän­der des fröhlichsten Sahrhunderts kleidet. Der junge Fritz mit seinen reizenden Schwestern er­scheint im Dienste der Musen, und auch die anderen so hochkultivierten Höfe des damaligen Deutschland liefern Statisten. Wer Bruchsal kennt und Hebt, weiß von dem unbeschreiblichen Charme dieses Schlößchens, das wie ein schimmerndes Sutoel inmitten eines gepflegten Gartens ruht; Sommer. Rosen und Rokokomusik, das ist eine Kombination von Genüssen, die jedem unvergeß­lich bleiben wird, der so begnadet war, sie zu erleben. Ein Hauch von dem Charme echten Dixhuttteme fdjtoebt um diese Musikanten, be­strahlt von Kerzen, umweht von dem Dufte hun­derter von Rosen...

Waterloo-Kilm.

Der feit gestern im Lichts piclhaus Bahn- h o f st r a ß e laufende, von Karl Grüne inszenierte Emelka-FilmWaterloo- erwies sich als eine arge Enttäuschung. Aus der Zettmode der Historien- filme als Nachläufer auftauchend, offenbar auch vom Fridericus"-Erfolg angeregt und beeinflußt, läßt das Werk vor allem reyiemäßig die aus geistiger Beherrschung und umfassendem geschichtlichen Blick heroorgcbende, große Linienführung peinlich vcr- misten. Gerade von dem befähigten Filmregisseur Grüne, der bereits tüchtige Proben eines gediegenen Könnens abgelegt hat. war eine erheblich bessere, ftraffere, innerlichere Leistung durchaus zu erwarten.

Seine Inszenierung ergeht sich in allerlei wenig glücklich wirkenden, technischen Mätzchen mit über- blendeten und synoptischen Bildern, ist viel zu breü, bleibt im Episodischen, Anekdotischen und Idyllischen, in Kostümparaden, pathetischen Gesten und gestellten Kampstzenen. die noch dazu allenthalben in Änzesi heilen aufgelöst sind, vollkommen stecken. Er schwelgt selbftvergesten im nebensächlichen Beiwerk, in der Ausmalung und bestenfalls im effektvollen Schaubild. Streckenweise muß man vermuten, daß die Schlacht bet Waterloo über den Liebesaben­teuern des Leutnants Reutlingen, Blüchers Adju-

überreichte Mussolini die Insignien des Groß­kreuzes des Ordens vom Heiligen Grabe Die gleiche Kommission hatte vorher dieselbe Ordensauszeichnung König Viktor Emanuel überreicht.

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Gewerkschaften und Kartellreform.

Berlin, 12. März. (Priv.-Lel.- Schon seit einiger Zeit wird in verschiedenen gewerkschaft­lichen Kreisen der Gedanke propagiert, ein großes einheitliches Programm zur Kartell­reform aufzustellen, doö dann von allen wich­tigen und in Frage koimnenden Gewerkschaften sowohl der demokratischen tote der christlichen und der freigewerkschaftlichen Richtung ange­nommen und unterstützt wird. Rachdem man anfangs große Hoffnungen hegte, hat sich inzwischen gezeigt, daß diesem Plan die größten Schwierigkeiten entgegen« stehen und daß es nicht so « leicht sein wird, in dieser Frage die gewünschte Einheits­front der Arbeitnehmer herzustellen. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, beschäftigt man sich in den verschiedenen Gewerkschaftslagern zur Zeit sehr intensiv mit diesem Prcchlem, muß aber zunächst erst einmal in den eigenen Reihen Klarheit schaffen. Es zeigt sich, daß vor allem zwischen den christlichen Gewerkschaften, die nach der großen Eisenaussperrung im vergan­genen Rovember sehr lebhaft mit SozialisierungS- plänen beschäftigt waren, und den anderen ge­werkschaftlichen Gruppen heute noch erheb * liche Meinungs unterschiede bestehen, die erst noch längerer Zeit zur Klärung be­dürfen. Fest steht aber jedenfalls, daß verschiedene Gewerkschaftsführer aller Richtungen für eine Einheitsfront zu einem Kartellvvrstoh werben.

Oie gewerbliche Beschäftigung von Schulkindern. **

Berlin, 12. März. (Priv.-Tel.) Eine vom Berliner Magistrat in den Schulen angestellte Untersuchung über die gewerbliche Be­schäftigung von Schulkindern Hal bas Ergebnis gehabt, daß Z895 gewerblich tätige Schulkinder in einem Sahr festgestellt wurden. Davon waren im Widerspruch mit den Bestimmungen deS Kinders ch u tzge» s e tz e s 394 Kinder vor Schulanfang, 633 Kinder über vier Stunden täglich, 119 über sechs Stunden täglich und 1133 mit Sonntagsarbeit befdjäftigt. Alle diese gewerblich tätigen Kinder wurden ärztlich unter­sucht, dabei wurden bei 134Z Kindern nach­teilige Folgen ihrer gewerblichen Arbeit festgestellt. Der Magistrat hat nun beschlossen, durch die Fürsorge dahin zu wirken, daß Schul­kinder eine gewerbliche Tätigkeit überhaupt nicht mehr ausüben.

Aus aller Wett.

Präsident Dr. Schmidt-Ott Ehrendoktor von Budapest

Der Reichsverweser hat auf Antrag des Kul­tus- und des Unterrichtsministers seine Zustim­mung erteilt, daß der frühere preußische Staats­minister und Präsident der Notgemein­schaft verdeutschen Wissenschaft, Dr. Franz Schmidt-Ott, zum Ehrendoktor der Medizin an der Budapester Universität er­nannt werde.

Revolte im Erziehung-Hans.

Snt Erziehungsheim Lindenhof bei Beritt', brach ' abends gegen 22 übr eine Revolte aus. 16 Zög­linge hatten sich in ihrem Saale einge- schlossen, an den Türen Barrikaden auf­gebaut, sämtliche Einrichtungsgegenftände und Fensterscheiben zertrümmert und durch die Fensteröffnungen auf den Hof geworfen. Erst dem herbeigerufenen üebcrfaUfommanbo war es möglich, die Ruhe wiederherzustellen. Fünf Zögllnge, die als Haupttäter in Frage kom­men, wurden ins Polizeipräsidium abgeführt. Die Llntersuchung hat ergeben, daß die Jungen auch nicht die geringste Klage über Behandlung, Essen und Arbeit an­geben konnten, daß eS sich vielmehr um ei«

tanten (historisch: Rostitz) von der Regie ganz ver­gessen wurde.

Anderes, wie die ausführlichen Liebes- und Spionagefzenen im preußischen Hauptquartier zwi­schen Ligny und Waterloo, wirkt geradezu unmöglich und zeugt von einer mehr als primitiven Geschichts­auffassung der Bearbeiter. Weder der große histo­rische Rahmen der Ereignisse noch die gewaltige stra­tegische Leistung der Entscheidungsschlacht ist in einer annähernd befriedigenden Form bewältigt. Don ge­schichtlichen Unrichtigkeiten (Anmarsch der Preußen im hellen Sonnenschein) soll nid)t weiter die Rede sein.

Es bleiben etliche brauchbare Einzelszenen vom Wiener Kongreß und nach der Landung Napoleons in Frankreich. Dazu einige Hauptdarsteller, vor allen, -.der populäre Otto Gebühr, der allerdings ale Fridericus eine ungleich wertvollere Leistung bot, während er hier fast überall in feinem eigenen Schatten steht, was außerdem durch eine kurze Doppelrollen-Episode noch betont wird; yut, obwohl nicht ganz ähnlich, der aus derStämgin Luise" schon bekannte Napoleon des Charles B a n e l, Wera Malinowskaja (Gräfin Tanwwska), de Doot (Ney), Marion (Reullingen), Auguste P r a s ch - Grevenberg (Blüchers Frau) und 11 (m er (Gneisenau). Sehr schwach auch in der Maske Kaysers Friedrich Wilhelm, farblos der Wek- lington des Herrn Wright.

Das Manuskript stammt von Mar Ferner und und B. E. L ü t h g e.7

£urie Höflich

im frankfurter Schauspielhaus.

Gerhart Hauptmann- »Biberpelz" er­weist sich auch heute noch als eine Komödie, die ihre Wirkung auf daS Publikum nicht verfehlt, zumal wenn eine Schauspielerin wie Sude Höf­lich mit ihrer urwüchsigen und doch souveränen Kunst sich dasür einsetzt. Shr erstes Gastspiel am Frankfurter Schauspielhaus alS die schlaue, diebische Waschfrau Wolffen gestaltete sich zu einem vollen Erfolg. Und es läßt sich augenblicklich auch wohl kaum eine deutsche Schau­spielerin denken, die besser als die Höflich ge­eignet wäre, diese Rolle mit sprühender Vitalität zu erfüllen und so überlegen zu gestalten, toic , cs hier im Schauspielhaus geschah. Das Publi­kum war dankbar und quittierte die wirklich große Leistung mit reichern Beifall, der wohl zum Teil i auch den anderen Darstellern gatt, die meist befried'gen tonnen. Erwöhrtt feien W r erH v kl- rn a nn als Amtsvorsteher Wehrhahn, Otto We­ber als der bestohlene und cholerische Herv Krüger und Eva Brock als Adelheid.

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