Jer Megsächwngspakt für Osteuropa.
Polens Absage.
Die polnische Regierung Hot sich bei der Stilisierung der Antwort, die sie nach Moskau wegen des Vorschlages eines besonderen osteuropäischen Kellogg-Paktes ergehen lief), sehr viel Mühe gegeben. Aber es ist ihr trotzdem nicht gelungen, das Eingeständnis peinlicher Verlegenheit herauszukorrigierrn, in die sie durch Litwinows Diplomatie gebracht worden ist. Sie hat sogar ihren Vertreter in Moskau zitiert, um seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Indessen ist es ein alter Erfahrungssah, daß viele Köche den Vrei verderben, und so ist denn das E.aborat. das aus tagelangen Beratung en schließlich herausgekommen ist, ein Schulue.fprel jener unglücklichen Halbheit, die nicht Weitz, was sie will, die nicht nein zu sagen wagt, die aber auch nicht ja sagen kann, wenn sie sich nicht selbst desavouieren will. Glatt ablehnen konnte Polen das russische Angebot nicht, schon weil Polen ja selbst zu den Unterzeichnern des Kellogg-Paktes gehört. Deshalb mußte es schon seine „g r u n d s ä h l i ch e" Z u st i m m u n g aus- spcechen, die denn aber mit soviel Einschränkungen und Einschachtelungen behaftet ist, daß sie politisch nur als ein nein ausgelegt und empfunden werden kann. Denn die Entschuldigungsgründe Polens sind zu fadenscheinig, als daß sie ernsthafte Beachtung verdientem
Wenn Polen wirklich Bedenken gehabt haben sollte, vor der allgemeinen Ratifizierung des Kellogg-Paktes ein entsprechendes Sonder- a b k o m m e n mit seinen Rachbarn zu treffen, dann genügte ja eine kurze telegraphische Anfrage etwa in Washington, und Herr Kellogg selbst wäre sicherlich begeistert gewesen, wenn er gesehen hätte, wie rasch feine Ideen sich durchsetzen. Statt dessen will Polen absichtlich den umständlichen Weg diplomatischer Sondierungen einschlagen, um auf diese Weise den russischen Vorstoß versacken zu lassen, im schlimmsten Falle aber ihn mit soviel Bedingungen zu belasten. daß er für Rußland jeden Wert verliert.
Litwinow hat schon gewußt was er tat. Er wollte die Polen in Verlegenheit bringen, er wollte sie vor die Wahl stellen, ihre unfreundliche Gesinnung gegen Rußland vor oller Welt ei:'.zugeftehen oder ihre westlichen Bundesgenossen in Paris und London vor den Kopf zu stoßen. Es hätte Möglichkeiten genug gegeben, diesen Hieb zu parieren, aber dazu ist Maleski nicht geschickt genug gewesen und Litwinow darf schmunzelnd feststellen, daß ihm sein Trick geglückt ist. Die polnische Antwort ist der beste Beweis dafür, daß die Polen weder mit Rußland noch mit Litauen in freundlichem Einvernehmen leben wollen, was wir freilich ja ohnehin alle schon vorher gewußt haben. Aber ein derartiger aktenmähiger Rachweis ist doch nützlich, wenn auch für Polen peinlich.
Moskaus Replik.
Litwinows Antwortnote an Polen.
K o w n o, 12. Ian. (Sil.) Wie aus Moskau gemeldet wird, ist dem polnischen Geschäftsträger
am Freitag die Antwort der Sowjetregierung auf die letzte Rote Polens in der Frage des Litwinow-Vorschlages überreicht worden. In der Rote wird darauf hingewies.n, daß die Regierung der Sowjetunion die Erklärung der polnischen Regierung über ihre grundsätzliche Annahme der sowjetrussischen Vorschläge mit Befriedigung zur Kenntnis genommen habe. Weiter wird das Bedauern ausgesprochen, daß in der polnischen Rote eine Zusage zur sofortigen Verwirklichung der Vorschläge der Sowjetunion fehle. Indem die polnische Regierung eine Reihe Bedingungen stell«, weise sie faktisch den Antrag der Sowjetregierung aus einen unbedingten beiderseitigen Angrifssverz.cht zurück. Die von Polen gestellte Bedingung sei um so unverständlicher, als der Vertrag im Falle seiner Ratifizierung durch 15 Signale staaten automatisch zwischen Polen und der Sowjetunion in Kraft tritt, unabhängig vom Beitritt aller baltischer Staaten. Die Sowjetregierung habe jedoch in der Rote vollkommen eindeutig erklärt, daß jeder Staat dem Protokoll beitreten kann, und dem Wunsche nach Beitritt der Rach- barstaaten der Sowjetunion zu dem Protokoll Ausdruck verliehen. Die Sowjetregierung habe den gleichen Vorschlag nur an Litauen lediglich deshalb gerichtet, weil die übrigen baltischen Staaten ihren Beitritt zu dem Pariser Vertrag noch nrcht vollzogen haben. Roch vor verhältnismäßig kurger Zeit erregten die polnisch-litauischen Beziehungen ernste Besorgnis um das Schicksal des europäischen Friedens und Polen selbst hat im Völkerbund auf die Aufhebung des Kriegszustandes zwischen Polen und Litauen gedrängt. Daher glaubte die Sowjetregierung, daß Polen die an die litauische Regierung gerichtete Aufforderung zur Teilnahme an der Unterzeichnung des Protokolls nur begrüßen werde.
Die Rote erklärt bann weiter, wenn sich Rumänien, mit dem die Sowjetregierung keine diplomatischen Beziehungen unterhält, ebenfalls unter denjenigen Staaten befindet, welche ihren Beitritt zum Pariser Vertrag vollzogen haben, so sei die Sowjetregierung bereit, auch Rumänien den Beitritt zum Protokoll vorzuschlagen. Die Sowjetregierung wird der polnischen Regierung dafür dankbar fein, wenn diese ihr baldigst mitteilt, ob der formale Beitritt Rumäniens zu dem Pariser Vertrage erfolgt ist und ob Rumänien bereit ist, dem von der Sowjetregierung vorgeschlagenen Protokoll beiMreten. Tie Rote bemerkt dann, die Sowjetregierung finde in dem Pariser Vertrag keinen Hinweis auf eine Verpflichtung der ursprünglichen Signatarmächte zu einem solidarischen Rat.fi a'eion iv r ähren. Die Unterzeichnung des vorgeschlagenen Protokolls werde auch dann eine große moralische Beedeutung für die sowjetrussi ch-polnischen Beziehungen behalten, wenn das Inkrafttreten des Pariser Vertrages zwischen sämtlichen Teilnehmern demnächst das Protokoll decken werde. Um so größere Bedeutung für den Frieden werde die Unterzeichnung haben, falls die Ratifizierung des Pariser Vertrages durch alle 15 Signatarstaaten sich für längere Zeit verzögern sollte.
Ser Kamps um die Mandschurei.
General Aangyuling tzingerichtct. Sieg der Nationalisten.
Schanghai, 11. Ian. (Reuter.) Nachrichten aus japanischer Quelle besagen, daß der Sohn Tschang- tfolins, T s ch a n g h s ü l i a n g, fid; des 2Tlut- I dener Zeughauses bemächtigt und den ehemaligen Generalslabsdies seines Vaters, gongyuting, sowie zwei andere mandschurische Führer g e - fangengeseht habe, da diese sich gegen d I e Anerkennung der Nanking - Regie - r u a g in der Mandschurei aufgelehnt hätten. Oer japanische Generalstabschef hat einen offiziellen Bericht erhallen, wonach Vangyuting, der ehemalige Generalstabschcf Tschonglsolins, heute früh d u r dz einen Schuh getötet worden ist. General Tschanghsüliang habe sich gestern abend in das Hauptquartier Jangyutings begeben und seine Truppen angewiesen, den Raum, in dem Zang- yullng und Tschangyinhuai konferierten, ju um- ff eilen. Alsdann fei er in den Raum eingedrungen, habe beiden Generälen ihre Umtriebe vorgehalten und sie einem strengen Verhör unterzogen und ihre sofortige Hinrichtung besohlen.
Tschanghsüliang hat die Erschießung Zangyutings folgendermaßen begründet: Davgyuting habe ihn bei den Verhandlungen über die Eisenbahn mit 3a- pan in eine unangenehme Lage gebracht. Er habe 20 Millionen Dollar Arsenalgelder unterschlagen, Hangyuting und seine Anhänger Hlten ein Komplott geschmiedet, das seinen (Tschanghsüliangs) Stur; bezweckte. Die Rationalisten hätten Kenntnis von diesem Komplott erhalten und ihn (Tschanghsüliang) um sein Einschreiten ersucht. Zangyntinq habe sid) der hissung der nationalistischen Flagge in der Man- dschurei widersetzt. Tschanghsüliang erklärte dem japanischen Konsul und den japanischen Militärbehörden, Dangyuting sei auf Grund unwiderlegbaren veweismaterials hin- gerichtet worden. Sein Staatsstreich werde die ve- ziehungen zu Iapan in keiner De.se gefährden.
Vie Lage in Mukden ist ernst. Die junge Ranking- partei hat geegenwärtig in Mukden die Oberhand. Hangyutings Partei ist jedoch sehr mächtig und ver- geltun-zsmaßregeln sind möglich. Der in Schanghai aus Ranking eingetroffene Außenminister der national.si scheu Regierung, Dang, erklärte die h.n- richluni Pangyutinqs sei der Höhepunkt in dem Kampfe um die Macht in der Mandschurei. wenn das Ereignis irgendeine Rückwirkung in nationalistischen Kreisen haben werde, so werde es nur zum Vorteil der nationalistischen Regierung sein, die Tschanghsüliang als treuen Anhänger ansieht.
Amanuttah gibt nach.
Das ganze Rcsormprogramm wird zurückrevidiert.
Delhi, 11. Ian. (WTD.) Die afghanische Zeitung „Qlmani Afghan" veröffentlicht eine vom 7. Januar datierte Proklamation des Königs Amanullah, worin dieser fast sein ganzes Reformprogramm zurück- zieht. In seiner Proklamation erklärt Amanullah. daß die nach der Türkei zur Ausblldung geschickten Mädchen zurückgerufen werden sollen, daß das Pirdah-System wiederher- gestellt und die Aushebung zum Heeresdienst ab geschafft wird. Die Frauen-Vereinigun- gen werden a u f g e l ö st, die europäische Kleidung wieder durch die einheimische Tracht erseht. Die Soldaten können wieder Anhänger der Heiligen Männer werden. Außerdem wird ein Rat von 50 Rotabeln, darunter Mitglieder des Adels, der Geistlichkeit und des Deamtentumes gebildet, der die Verfassung und die Beschlüsse des neugebildeten Parlamentes revidieren soll. Die Pro-la- mation trägt auch die Unterschrift der Stammesführer.
Glückliches Schweden.
Stockholm. 11. Ian. (TU.) Die Thronrede des Königs erweckt allgemeine Zufriedenheit. Sie kündigt eine Herabsetzung der Einkommen- und Vermögenssteuer um 10 v. H. an, ferner die Abschaffung der Zucker ft euer. Dagegen wird der Zuckerzoll erhöht. Der Drotzoll wird in den ersten sieben Monaten des Jahres fortfallen. Diese Maßnahme ist für die deutsche Ausfuhr vorteilhaft. „Dagligt Allebanda" sagt, der Staatshaushalt gebe ein Bild des allgemeinen Wohlstandes und der günstigen Lage der schwedischen Staatsfinanzen. „Aftonbladet" meint, der Kriegsminister sei in seinen Forderungen bezüglich der notwendigen Verbesserungen der Landesverteidigung zu bescheiden
Präsident Coolidge Über die Aufgabe der Experten.
Die Feststellung der deutschen Gesamtschuld und derZahl der Annuitäten.
Berlin, 12. Jan. (TU.) Wie das „D. T." aus Washington berichtet, lieh Präsident Coolidge in einer Erklärung des Weihen Hauses bekannt* geben, datz nach seiner Information die einzige Aufgabe des Reparationsausschusses in der I e st- sehung der deutschen Gesamtschuld bestehe. Die Höhe der Annuitäten, so fügte der offizielle Sprecher hinzu, stehe ja bereits mit 2,5 Milliarden Mark fest. Es bleibe nur noch übrig, über d i« Zahl der Annuitäten eine Einigung herbeizuführen. Weiter wurde erklärt, datz die amerikanischen Sachver- ständigen zunächst nicht Vertreter der Regierung im Ausschuß seien. Erst später, wenn ein neuer Verteilungsschlüssel für die zu er- wartende Reparationsüberetnkunft verabredet werden müsse, würden offizielle diplomatische Vertreter der Vereinigten Staaten an solchen Beratungen teilnehmen. Amerika habe das »eutsche Eigentum freigegeben, habe aber noch immer Interesse an,einer Sicherung seiner Ansprüche gegen die deutschen Staatsangehörigen sowie an den Soften derRheinlandbesetzung. M^n dürfe auf ein befriedigendes Ergebnis hoffen denn auch der Dawes-Plan habe sich als Erfolg erwiesen
Kein Prozeß, sondern ein Geschäft
Eine französische Stimme für Mäßigung.
Paris, 11. Ian. (WTD.) Wladimir d ' O r m e f s o n fordert im „Pellt Journal" hinsichtlich der Reparationsfrage eine realistische Politik. Er schreibt: Anstatt daß Schuldner und Gläubiger sich mit Bitterkeit streiten, müßte sich doch jedermann über die vorhandenen Beruhigungsaussichten freuen. Gewisse Franzosen, die Blitze schleudernd den „Skandal" des deutschen Wohlstandes aufzeichnen, irren sich, wenn sie glauben, datz sie deshalb einen Centime mehr erhalten. Das Problem der f'nanz el'en Liquidierung des Krieges ist nicht ein Schwurgerichtsprozeß, in dem Rechtsanwälte plädieren, sondern eine geschäftliche Angelegenheit, und zwar eine besonders schwierige, deren Regelung den angesehenen Fachleuten zusteht, die von den verantwortl.chen Regierungen damit beauftragt sind.
Oie Bedingtheit des Gilbert-Berichts.
London, 11. Januar. (WTD.) „Manchester Guardian" veröffentlicht ein Interview seines Pariser Korrespondenten mit einem h)hen Beamten der Reparationskommission, der erklärt habe, daß die von der französischen Presse an den Derichtdes Reparationsagenten geknüpften Schlußfolgerungen nicht berechtigt seien. Ob Deutschland leisten könne, werde die Zukunft lehren. Daher sei auch ein Urteil über den Weg,all der Transfer Klausel verfrüht. Zwecks Plazierung der Bonds, von denen die Vereinigten Staaten höchstens 40 Proz. übernehmen würden, sei aber eine Modifikation der Transfer-Klausel erlorder- lich, da schon der Zusammentrllt des Transfer- Ausschusses Panik Hervorrufen und die Zurückziehung fremder Gelder aus Deutschland veranlassen würde.
Aus alter Welt.
70 heiratslustige treffen sich in der Philharmonie.
In Berlin hatte sich irgendeine Unbekannte den Schem erlaubt, 60 oder 70 Herren, deren Adressen sie auf Grund einer von ihr aufgegebenen Heiratsannonce erfahren hatte, gleich- zeitig In das Konzert der Wiener Dirigentin Lisa Mayer zu b e ft e 11 e n. Schon zu Beginn des Konzertes fiel es auf, daß sich f a st nur Herren im Saale befanden. Es herrschte besonders in den vorderen Reihen, in den sich die teuren Plätze befinden, von vornherein eine gewisse Unruhe, weil viele Herren die Briefschreiberin überall vergeblich suchten. Alle hatten sich auf dl? Heiratsannonce beworben, nach der, wie es hieß, „eine 21jährige Waise die Bekanntschaft eines besseren Herrn zwecks späterer Heirat" suchte. Die „21jährige Waise" hatte auf zierlichen rosa und grünen Briefbog-n an alle Bewerber die gleiche Antwort ergehen lassen: „Ihre Zuschrift gefällt, und ich wäre nicht abgeneigt, Ihre Be annt- lchast zu machen. Ich bin Freitagabend, den 11. d. M., in der Philharmonie und sitze in den vordersten Reihen und wäre in den Pausen Vorstellungsmöglichkeit gegeben. Bin
groß und trage einen Strauß weißer Rosen". Auch nach ' em 1. Teil des Konzerts war die Dame mit den Rosen noch nicht da. Schließlich bildete sich in einer Saalecke eine Gruppe von Leidensgenossen, denen sich immer mehr Entrüstete zugesellten. Die Erregung wurde immer lauter, drohend schwang man die roten und grünen Brieschen. Schließlich, als zum Schluß die „Euryanthe-Ouvertüre" von Weber gespielt wurde, entfesselte ein lauter Zuruf nach dem Dirigentenpult einen allgemeinen Skan - dal. Die Dirigentin versuchte zunächst weiterzuspielen, verfiel aber, als der Lärm immer größer wurde, in eine Ohnmacht, und mußte hinausgetragen werden. Nach einer längeren Pause konnte sie dann das Konzert zu Ende führen.
Domela der kleine.
Eine reiche Phantasie hat ein 34jähriger Erich Reustadt bewiesen, der sich in allen möglichen Berufen versucht hat und jetzt dem Berliner Schöffengericht wegen zahlreicher Schwindeleien vorgcführt wurde. Der Angeklagte hatte studiert und vordem gute Stellungen innegehabt. Im Kriege war er mehrfach verletzt worden und später in eine üble Spionageaffäre verwickelt gewesen. Seitdem konnte er nirgends mehr festen Fuß fassen und kam ohne Geld nach "Berlin Inzwischen war er auch fast erblindet. In Berlin richtete er ein großes Bureau ein, das er Presse-Lloyd nannte. Angeblich sollte dasselbe aus amtlichen Geldern unterstützt werden. Ein großes Bureaupersonal stellte er unter Abnahme von beträchtlichen Kautionen ein, die er für sich verbrauchte. Daneben veranstaltete er auch Kurse für Journalisten und Filmoperateure, und erzählte dabei die abenteuerlichsten Geschichten. So wollte er aus dem Hause Habsburg stammen, aber verstoßen worden sein, well er sich mit einer Unebenburtigen verheiratet hatte. Zum Beweis für seine Abstammung verwies er auf seine Unterlippe, die berühmte Habsburger Hängelippe. Bei anderer Gelegenheit erzählte er wieder, datz er aus belgischem Urade 1 stamme, Doktor aller Fakultäten und Professor sei. Er wollte auch zwei Filme drehen, einen am Rordpol und einen am Aequator. Eine ganze Menge Leute sind von ihm um erhebliche Summen geschädigt worden. Mit 7 Monaten Gefängnis wurden die Straftaten des Angeklagten gesühnt, der allerdings nunmehr nach Frankfurt übergeführt werden soll, wo er ähnliche Schwindeleien verübt hat.
Scharfe Kälte in Oesterreich.
Die starke Kälte in Oesterrllch dauert an. Wien hatte gegen Mittag eine Temperatur von minus 14 Grad. In der Oberfteiermarf ist die Tempera.ur sogar unter minus 30 Grad gefallen, in Oberwoelz zeigte das Thermometer minus 33 Grad und in Tamsweg minus 32 Grad. Auf den Bergen ist es verhältnismäßig wärmer: so meldete die Raxbahnstation um 9 Uhr früh null Grad.
Großseuer.
In Mirow (Mecklenburg) brach in den Grum. bachschen Sägewerken Feuer aus, dem das Maschinenhaus und die elektrische Anlage zum
Opfer fielen. Der Techniker Paul Grumbach, der früher Mitinhaber des Oampfsägewerkes war und seit einiger Zeit ausgeschieden ist, wurde unter dem dringenden Verdacht der Brandstiftung verhaftet. Er soll das Feuer aus Rache angelegt haben.
Vier kohlengasoergiftuugen.
In Prestcwih (Sachsen) wurde die Famllie eines Rentenempfängers durch Kohlen- oxhdgase vergiftet aufgcsunden. Die ganze Familie war am Donnerstag abend in einem wegen der großen Kälte gründlich geheizten Raum schlafen gegangen. In der Rächt müssen Kohlenoxydgase aus dem Ofen gedrungen fein, denen vier Mitglieder der Familie zum Opfer fielen. Der über 70 Jahre alte Rentenempfänger, die 20 Jahre alte Enkeltochter, deren zweijähriges Kind, sowie ihr Verlobter waren bereits tot, während die etwa 70 Jahre alte Frau in bewußtlosem Zustande darnieder- üegt; es besteht wenig Hoffnung, sie zu retten.
Lin Antrag
auf Freilassung des Oberleutnants Schulz.
In Sachen des Oberleutnants Schulz hat nunmehr Rechtsanwalt Professor Grimm (Essen), nachdem das Gericht den Wiederaufnahme» antrag aus formal-juristischen Gründen ab* gelehnt hat, beim Justizminister den Antrag gestellt, die Freilassung des Oberleutnants Schulz im administrativen Wege (Gnadenwege) auszusprechen. Dieses Gesuch stützt sich auf Gründe, die im gerichtlichen Wied raufnahme- verfahren nicht berücksichtigt werden könn.n, nämlich darauf, datz das angefochten« Urteil von anfang an rechtsirrig war. Der Wiederauf- nahrneanirag kann dagegen nur darauf gestützt werden, daß neue Tatsachen vorgeöracht werden.
Das Urteil im kadolzburger Bilderdiebstahlprozeh.
Rach viertägiger Verhandlung hat bas Erweiterte Schöf, enger ich t Fürth im Prozeß gegen die Cado.zburger Bilde.dieöe folgend.s Urteil gefällt: Lipp mann zehn Monate, Mayer ein Jahr vier Monate, Schmidt ein 2ahr zwei Monate Cesängn'.s, Graste drei Oahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust, Zahn zehn Monate, B r e i t f e l d sieben Monate ©cfängi is, die Angeklagte Schwarz wurde unter Auf* büröung der Kosten auf d.e Staatskasse frei- gesprochen. Die Berurtlllung erfolgte gejen die ersten fünf Angeklagten wegen gemeinschaftlicher Verübung eines Verbrechens des schwe :n Diebstahles. Bei ©raffe handelt es sich um einen Rückfall.
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Wettervoraussage
Die Temperaturgegensätze haben sich seit gestern wesentlich verschärft. Während in Mittel- und Süddeutschland die Temperaturen heute noch bis unter minus 10 Grad, ja sogar bis unter minus 15 Grad lagen, zeigt das Küstengebiet, das Luftzufuhr aus dem nordwesllichen Tief erhält, kräftigen Temperaturanstieg, der bis über Null Grad geht. Königsberg gestern morgen minus 12 Grad Celsius, heute morgen plus 3 Grad Celsius. Durch die Lruckftörung wird die kontinentale Kaltluft mehr und mehr ab« geschwächt, so daß die aus nordwestlicher Richtung kommende Lust zur Abschwächung des Frostes, sowie zu Nebel- und Wolkenbildung führen wird.
Wettervorhersage für Sonntag: Abschwächung des Frostes, teils nebelig-wolliges, teils auch aufheiterndes Wetter, meist trocken.
Witterungsaussichten für Montag: Weiter Frostrückgang und meist wolkiges Wetter wahrscheinlich.
Lufttemperaturen am 11. Januar: mittags 7,4 Grad Celsius, abenL. —10 Grad Celsius: am 12. Januar: morgens —12,8 Grad Celsius. Maximum — 6,6 Grad Celsius, Minimum —13 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 11. Januar: abends —2,9 Grad Celsius; am 12 Januar: morgens —3,2 Grad Celsius.
Vinlersporlnadirichlen der Hess, Wetterdienststelle.
Vogelsberg, Hoherodslopf: Heiter, — 5 Grad Celsius, 27 Zentimeter Schnee im Wald, etwas verharscht. Sportmöglichk it für Eli gut.
Sauerland, Winterl eg: Heiter, — 2 Grad Celsius. 32 Zentimeter Schnee, stark verharscht, Ski und Rodel gut.
Taunus. Kleiner Feldberg: Heiter, — 3 Grad Celsius, 15 Zenti neter Schnee, etwas bet* haricht, Sti möglich, Rodel gut.
Schwarzwald (Hernisgründe): Heiter, — 4 Grad Celsius. 68 Zentim.ter Schnee, etwas verharscht, Ski und Rodel gut. — (Ruhestein): Heiter. — 4 ©-ab Celsius. 4o Zentimeter Schner, etwas verharscht, Sll und Rodel gut.
Alpen >Garmisch -Partenlir^-en): Heiter, — 11 G ad Celsius, 32 Zentimeter Pulverschnee, Ski unü Rodel sehr gut. — (Berchtesgaden): Hei* ter, — 12 Grad Celsius, 20 Zentimeter Schnee.
1 Ski und Rodel sehr gut.


