Ausgabe 
11.9.1929
 
Einzelbild herunterladen

Gerüchte um ein Tabakmonopol.

Berlin, 10. Sept. (Privat--Tel.) 3m Zu­sammenhang mit der Anwesenheit des amerika­nischen Bankiers James Speyer und ver­schiedener Verhandlungen, die der Ziga­rettentrust Aeemtsma-Aeuerburg in Stcuerfragen mit dem Reichsfinanzministerium führt, wird jetzt die Mitteilung gemacht, daß der Gedanke eines Zigarettenmonopols ernsthaft erörtert wird. Bekanntlich hat der demokratische Wirtschaftspolitiler Gustav Stolper vor einiger Zeit den in Wirtschaftskreisen viel dis­kutierten Vorschlag der Gründung eines Zigarettenmonopols gemacht, das zusam­men mit einer sehr wesentlichen Erhöhung der Getränke st euern ein fühlbare S e n- tung der Einkorn men st euer und eine Beseitigung der Gewerbe st euer ermög­lichen soll. All diese Pläne sind als Vorschläge für die kommende Finanzreform gedacht. Wie wir aber von sehr gut unterrichteter Seite wissen, sind führende Persönlichkeiten im Rcichs- finanzministerium der Ansicht, dah die Schaf­fung eines Tabakmonopols nicht wünschens­wert und nahezu unmöglich sei. Man sieht in der Abfindungssumme, die in die Milliarden gehen würde, eine derartige Be­lastung, das; das Monopol für absehbare Zeit zur ^Inw ir tsch af tlichkei t im Sinne des Reiches verurteilt wäre. Auch dürfte die kurze Zeit, die bis zum 1. April für die Reform un­serer jetzigen Steuergesetzgebung zur Verfügung steht, nicht ausreichen, um eine derart kompli­zierte Umgestaltung durchzuführen. Alle Ge­rüchte, daß schon irgendwelche zuständigen Stel­len für den Plan eines Tabakmonopols gewonnen seien, entsprechen nach dem jetzigen Stand der Dinge in keiner Weise den Tatsachen.

Die Organisation der internationalen Zahlungsbank.

Paris, 11. Sept. (WTD. Funkspruch.) 3m Hinblick auf die Vorbereitungen zur Einberu­fung des Organisationsausschusses für die internationale Zahlungsbank schreibt Sxcelsior": Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Organisation der internationalen Bank ziem­lich lange Zeit in Anspruch nehmen. Die Dank wird ihre Aufgabe der Kommerzialisie­rung der ungeschützten deutschen An­nuitäten erst dann mit Ruhen erfüllen kön­nen, wenn der Reichstag die Maßnahmen an­genommen hat, durch die deutsche Gesetz­gebung mit dem Voung-Plan in Einklang gebracht werden kann. Auch in denjenigen Voraussagen, die sehr optimistisch ge­halten sind, wird es nicht für möglich gehalten, daß die Bank ihre Arbeiten vor Ende Ok­tober beginnen und dah die erste Ausgabe von Titeln vor Rovember stattfinden kann.

Oie deutschen Vertreter im Bank- und Bahnausschuß.

Berlin, 11. Sept. (TU.) Wie dieDAZ" berichtet, ist in dem im Doungplan vorgesehenen Reichsbankausschuß neben dem Deichs­wirtschaftsministerium, das durch Ministerial­direktor Schäffer vertreten wird, die Reichs­bank durch das Mitglied des Reichsbankdirek­toriums, Dr. W. Bocke, vertreten. 3m Bahn­ausschuß hat Deutschland zwei Beamte dele­giert, nämlich den Ministerialdirektor im Finanz­ministerium, Dr. Dorn, und den Leiter der Tarifabteilung im Reichsverkehrsministerium, Direktor Bogt. Die Reichsbahn selbst dagegen ist im Unterausschuß ohne Vertretung gelassen. Das verkehrspolitische Uebergewicht im Ausschuß dürfte infolgedessen auf dem ausländi­schen Delegierten, dem bisherigen Eisenbahnkom­missar L e v e s e r e liegen, der zweite ausländische Vertreter ist das bisherige italienische Mitglied des Derwaltungsrates der Deutschen Reichs­bahngesellschaft G. Bianchini.

Oie nächste Oeutschlandfahrt desGraf Zeppelin".

Neber StuttgartHanauLiegen in das Industriegebiet.

Friedrichshafen, 10. Sept. (WTB.) Das LuftschiffGraf Zeppelin" wird in der Dacht zum Donnerstag unter Führung von Kapi­tän Lehmann zu einer Fernfahrt nach dem rheinisch-westfälischen 3ndustricgebiet aufsteigen. Während dieser Fahrt, die etwa 18 Stunden dauern wird, sollen auch noch andere Gebiete und Städte Deutschlands überflogen werden, die denGras Zeppelin" noch nicht zu Gesicht bekom­men haben. Der Aufstieg wird bei günstiger Wetterlage zwischen 23 und 24 Ahr erfolgen. Die Fahrt dürfte über Stuttgart, Hanau und Siegen nach dem westfälischen 3 n d u st r i e g e b i e t führen, wo voraussichtlich die Städte Lüdenscheid, Remscheid, Solingen, El­berfeld, Barmen, Hagen, 3serlohn, Dortmund, Gelsenkirchen und Recklinghausen überflogen wer­den. Der Weg wird dann in nördlicher Rich» . tung weiterführen auf M ü n st e r , von dort über Bielefeld nach Minden, Hanno­ver und Braunschweig. Falls die verfüg­bare Zeit ausreicht, nimmt das Luftschiff darauf den Weg über Gardelegen und Stendal nach der Reichshauptstadt. Bei Zeit­mangel tritt das Luftschiff von Braunschweig über Magdeburg. Apolda, Eisenach, Coburg, Ro­thenburg, Heidenheim und Alm die Rückfahrt nach dem Heimathafen an.

, Schwere Grenzkämpfe in der Mandschurei.

Mulden, 10. Sept. (WB.) Ein amtliches chinesisches Kommunique besagt' Der Bahnhof, die drahtlose Station und das Telegraphenamt von Pogranitschnaja sind durch die Bom­ben der sowjetrussischen Flugzeuge zerstört worden. Dabei wurden vierzig Sol­daten und etwa zwanzig Eisenbahnbeamte ge­tötet oder verletzt. Russische Schiffe haben versucht, in den Fluß S u n g a r i einzudringen, dessen Mündung von den Chinesen unter Feuer gehalten wurde. Heute früh haben sowjetrussische Flugzeuge die Stadt Mulin westlich Pogro- nitschnaja mit Bomben beworfen. Das chine­sische Kriegsministerium veröffentlicht einen De- richt über die militärische Lage in der Dord-

Mandschurei. Danach ist es in den letzten 24 C tunden z u keinen neuen Kämpfen an der russisch-chinesischen Grenze gekommen. Die sowjetrussischen Truppen haben sich wieder i n russisches Gebiet zurückgezogen und haben die Bombardierung der chinesischen Städte durch Militärflugzeuge e i n g e st e l l t. Das chi­nesische Kriegsministerium hat sämtliche Militär­attaches der ausländischen diplomatischen Vertre­tungen in Peking eingeladen, nach der Rordman- dschurei zu kommen, um die in Pogranitschnaja von den Russen angerichteten Verwüstungen in Augenschein zu nehmen. Weiter wird berichtet, dah die chinesische Regierung beschlossen hat, zwei Divisionen nach der Rordman-

dschurei zu entsenden. Die Truppenteile sind aus Tientsin bereits abtransportiert worden und befinden sich unterwegs nach Mukden. Wie aus Moskau berichtet wird, telegraphierte der Ober­befehlshaber der Sowjetarmee im Fernen Osten, Blücher, dah chinesische Truppen am Dienstag d i e ru s s ische Grenzeüber- schritten und die russische Stadt ©tobe« kowo beschossen haben. Auherdem hat die chinesische Kavallerie die russische Grenze in der Rähe von 3man überschritten. Rach eingetroffe­nen Verstärkungen sei es den russischen Grenz- wachen gelungen, die Chinesen wieder zurück­zuschlagen.

Die Provinz Mau nach der Räumung.

Oie Verwendung des reichseigenen Besitzes. Oer Westfond.

W i e s b a d e n , 10. Sept. (WTB.) DieRhein. Volksztg." beschäftigt sich in einem längeren Artikel mH dcn großen Problemen im Zusammenhang mit der Räumung und schreibt u. a.: In Wiesbaden haben die Engländer nach ihren eigenen Angaben rund 870 Wohnungen inne. 500 Wohnungen davon werden sofort neue Besitzer finden. Hinsichtlich des Restes ist eine Verwertung nicht so leicht möglich, denn hier handelt es sich um V i l l e n u n d g r o ß e Wohnungen, für die im Augenblick Interessen­ten nicht zur Verfügung stehen. Die Reichsregierung trägt sich mit der Absicht, ihren ganzen Besitz im besetzten Gebiet zu liquidieren. Wird das möglich sein? Da sind zuerst die Kasernen. Das Schicksal der W i e s b a d e n e r Kasernen ist anscheinend noch nicht entschieden. Das gleiche gilt für K ö n i g st e i n. Hie und da nimmt man an, daß in Königstein aus den Kasernen ein Erholungsheim gemacht werden könnte. Hinsichtlich der I d st e i n e r Kaserne besteht Aussicht für eine industrielle Verwertung. Wie aus Bad Schwalbach berichtet wird, soll die dortige Kaserne drei preußische For st schulen auf­nehmen. Für die Kasernen in B i e b r i ch wird vor­aussichtlich eine Verwendung zu industriellen Zwecken möglich sein. Der Besitz an Wohn­häusern wird natürlich leichter abzustoßen sein. So heißt es, daß die P o st geneigt ist, eine Anzahl Häuser, die in Wiesbaden durch das Reich erbaut wurden, zu erwerben. Von den beiden Wiesbadener Exerzierplätzen wird man voraussichtlich den Exerzierplatz an der Schiersteiner Straße auch wei­terhin für Sportzwecke zur Verfügung stellen müssen. Bezüglich des Dotzheimer Exerzierplatzes ist in Er­wägung gezogen, die Parzellen den früheren Be­sitzern für landwirtschaftliche Zwecke zu- rückzugeben. Bekanntlich hat das Reich dann in Wiesbaden noch zwei Schulen gebaut. Ob die

Stadt Wiesbaden bereit ist, dem Reich diese Schulen abzukaufen, muß bezweifelt werden.

Bekanntlich sind in den Bureaus und Wohnungen der Besatzung große Bestände an reichs- eigenen Möbeln und sonstigen Einrichtungs­gegenständen vorhanden. Würde man beispielsweise das, was in Wiesbaden in den reichseigencn Woh­nungen steht, nur an die Wiesbadener Bevölkerung abgeben, dann könnten ämtliche Möbelgeschäfte in Wiesbaden für di^ nächsten zehn Jahre ihre Tore schließen. Daß unter die en Umständen sich die Or­ganisationen des Handwerks und des Handels zu Worte melden, ist selbstverständlich. Voraussichtlich werden die Möbel über ganz Deutschland verteilt werden. In dem besetzten Gebiet will man Bedürftige, charikative Anstalten usw. berück­sichtigen.

Der Artikel beschäftigt sich dann mit der Frage, welche Schäden die Besatzung zurückläßt und stellt fest, daß die Besatzungsschäden die Höhe von mehreren hundert Millionen er­reichen. An und für sich bestehe keine Befürchtung, daß die, welche Schäden erlitten haben, benachteiligt werden. Das Reichswirtschaftsgericht sorge schon da­für, daß die Geschädigten zu ihrem Recht kommen. Schon aus diesen wenigen Angaben ersieht man, welche großen Probleme die Lequidation der Be­satzung aufwirft. Diese Liquidation ist mit schweren Schäden für das besetzte Gebiet verbunden. Infolge­dessen, so heißt es am Schluß in dem Artikel, müssen in dem Westprogramm umfangreiche Mittel bereitgestellt werden. Es handelt sich darum zu ver­hindern, daß zu den eingetretenen Schäden nicht neue schwerere Schäden hinzutreten. Run, nach­dem ein bestimmter Termin für den Abzug der Besatzung einwandfrei festliegt, ist es Pflicht, auf die jetzigen und künftigen Schäden mit allem Nach­druck hinzuweisen.

Vor Eröffnung der Saarverhandlungen.

Frankreichs Standpunkt.

Saarbrücken. 11. Sept. (WTD. Funk­spruch.) DieSaarbrücker Zeitung" meldet aus Gens, daß mit der Führung der franzö­sischen Delegation für die kommenden Saarverhandlungen in Paris der Direktor des französischen Handelsministeriums, E l b e l, be­traut worden ist. Elbel leitet die Abteilung für Handelsverträge im französischen Handelsmini­sterium.

Zu den Verhandlungen schreibtExcelsior": 3n der Saarfrage ist die französische Regierung nicht die fordernde, und deshalb ist von ihr keine 3nitiative zu ergreifen. Sie wird alle Vorschläge, die die deutsche Regierung ihr unterbreiten zu sollen glaubt, prüfen unter dem Vorbehalt, dah diese Vorschläge gleichzeitig die Rechte der Saarbevölkerung und die 3nteres- sen Frankreichs, das durch den Versailler Vertrag Eigentümerin der staatlichen Gruben ist, berücksichtigt. Die deutsche Regie­rung hat wiederholt, vor allem 1925 und 1926. indirekte Vorschläge für den Rückkauf der Saargruben gemacht. Cs war, dem Vernehmen nach, die Rede von 180, später von 250 Mil­lionen Goldmark. Seitdem ist durch umfangreiche Derbesserungsarbeiten unter der französischen Verwaltung der Ertrag und damit der Wert der Gruben beträchtlich gestiegen.

Es ist wenig wahrscheinlich, daß die französische Regierung angesichts der Politik, die zur beträchtlichen Herabsetzung der deut­schen Schuld durch den Houngplan geführt hat, eine Erhöhung der Budgetlasten des Reiches in Form der entgeltlichen Rückgabe der Saargruben an die deutsche Regierung in Aus­sicht nimmt. Es läge mehr im Sinne der in den letzten Tagen in Genf ausgesprochenen Plänen

der internationalen Zusammenarbeit und der wirtschaftlichen Verständigung, aus dem Saargebiet ein fruchtbares Ver­suchsfeld für eine dauernde Zusam­menarbeit der französischen und der deutschen Wirtschaft zu machen, da­mit in Zukunft alle Mißverständnisse, besonders hinsichtlich der Menge und des Preises der Lieferungen von Saarkohle, die für die fran­zösische 3ndustrie unerläßlich ist, vermieden wer­den. Diese Pläne sind in Deutschland auf einen gewissen Widerstand gestoßen. Sie haben zu­gleich lebhafte Kritik hervorgerufen. Das ist um so weniger verständlich, als die Lage des Saargebietes eine der klarsten ist, die durch den Versailler Vertrag geschaffen wurden. Die Rechte Frankreichs sind unbestreitbar. Es kann nicht ohne angemessene und notwendige Gegenlei stungen, durch die die Zukunft zuverlässig sichergestellt wird, darauf verzichten.

Saarbesprechungen in Genf.

Saarbrücken, 10.Sept. (Priv.-Tel.) Die in Genf weilenden Führer der saarländischen Parteien sind in Anwesenheit Dr. Stresemanns, Staats­sekretärs v. Schu-bert und der Reichstagsabge­ordneten v. Rheinbaben, Dr. Kaas und Dr. Koch - Wefer von der deutschen Delegation emp­fangen worden. Bei der Besprechung sind alle Fra­gen erörtert worden, die mit der Einleitung diplo­matischer Verhandlungen über die Saarfrage zwi­schen Deutschland und Frankreich in Verbindung stehen und festgestellt, daß der Standpunkt sämt­licher vertretenen Parteien in den besprochenen Fragen ein einheitlicher ist. Die Verhand­lungen, die in der zweiten Hälfte des Septembers in Paris beginnen, stehen deutscherseits voraus­sichtlich unter der Leitung des Staatssekretärs a. D. D r. Ernst v. S i m s o n.

Die Reform der Arbeitslosenversicherung erneut vertagt.

Oie Sitzung des Reichsrats verschoben. Preußenkabinett und Reichsregierung bereiten einen neuen Entwurf vor.

Berlin, 10. Sept. (D3B. Amtlich.) Die preu­ßische Staatsregierung hat sich mit der Vorlage der Reichsregierung zur Reform der Ar­beitslosenversicherung und den Beschlüssen der Reichsratsausschüsfe besaht. Die preußische Staats- regierung legt Wert darauf, in Zusammen­arbeit mit der Reichsregierung eine Lösung zu finden, welche die Billigung des Reichs­rates findet und auch Aussicht bietet, vom Reichs­tage angenommen zu werden. Bel den Verhand­lungen der beteiligten Regierungen hierüber sollen auch die Vertreter der Länder zugezogen werden, die zu den umstrittenen Punkten der Vor­lage Anträge ge st eilt haben (Bayern, Sach­sen und Württemberg). Die Reichsregierung hat diesem verlangen der preußischen Staatsregierung z u g e st i m m t. Aus gemeinsamen Antrag beider Regierungen wurde daher die heute angesehte Vollsitzung des Reichsrates durch Mehr­heitsbeschluß vertagt. Die Verhandlungen wurden unverzüglich ausgenommen.

Zu dieser neuen Vertagung der Beratungen des ReichsrateS schreibt die® c r m a n i a", die Vertagung scheine eine etwas günstigere Deur- feilung der Lage zuzulassen. Rachdem die Par­

teien in einen Stellungskampf geraten seien, in dem es kaum noch einen Ausweg zu geben scheine, dürfte ein gemeinsames Vorgehen der Reichsregierung und der preußischen Regierung am ehesten Aussicht bieten, zu einer positiven Entscheidung über die Arbeitslosenversicherung zu gelangen. Die durch den preußischen Kabinetts­beschluß in Liebereinstimmung mit der Reichs­regierung geschaffenen Lage gebe dieser nochmals eine große Chance in die Hand. DieD. A. Z." sagt, die sozialdemokratischen Mitglieder der Reichsregierung und des Preußenkabinetts ar­beiteten sich zweifellos in die Hände, und zwar auf Kosten der übrigen beteiligten P a.r t e i c n, die sich, wie es scheine, von den Sozialdemokraten alles gefallen ließen. Die Sozialdemokratie wolle, wenn sie sich schon verständigen müsse, dieses Kompromiß mit dem Zentrum machen, und zwar a u f Kosten der Deutschen Volkspartei. Wenn es während der Verhandlungen im Haag staatspolitisch richtig gewesen sei, Krisen zu ver­meiden, so sei doch heute die Situation wesentlich anders. Eine Koalition dürfe nicht zur Alleinherrschaft der Sozialdemo­kratie ausarten. Wie derVor­wärts" berichtet, haben die Vorstände der Sozialdemokratischen Partei, der sozialdemokrati- schen Reichstagsfraktion und des Allgemeinen

Deutschen Gewerkschaftsbundes am Dienstagnach­mittag eine Sitzung abgehalten, an der auch der Reichsfinanzminister Dr. Hilferding teilnahm. Es wurde über die erste Lesung der Arbeitslosen­versicherung im Sozialpolitischen Ausschuß Be­richt erstattet. Die Haltung der Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion wurde allgemein gutgeheihen. 3nsbesondere wurde einmütig die Auffassung vertreten, daß auch in der zwei­ten Lesung alle Anträge, die in irgendeiner Form auf einen allgemeinen Leistungsabbau hin­auslaufen, abzulehnen seien.

Aus aller Wett.

Zusammenschluß des Personals der Deutschen Reich-post.

Zur Sicherung des Berufsbeamtentums und zur Vertretung gemeinsamer Interessen des Gesamtper- sonals der Deutschen Reichspost haben sich die fol­genden Berufsorganisationen der Beam­ten des höheren, des gehobenen mittleren, des mitt­leren und des unteren Dienstes sowie des im Tarif­vertragsverhältnis stehenden Personals und die Postagenten zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen: Bund der Inspektoren und Amtmänner der Deutschen Reichspost E. V., Bund Deutscher Post- und Telegraphenbeamten (Zivil­dienstberechtigte), Deutsche Postgewerkschaft, Deut­scher Postoerband, Mitgliedschaft im Bunde Deut­scher Zivilsupernumerare, Reichsbund der mittleren Post- und Telegraphenbeamten E. V., Reichsoerband Deutscher Postaaenten E, V., Reichsverband Deut­scher Post- und Telegraphenbeamten E. V., Verband der Deutschen Reichspost- und Telegraphenbeamtin­nen, Vereinigung der höheren Reichspost, und Tele­graphenbeamten. Die Mitgliederzahl der an der Arbeitsgemeinschaft beteiligten Organisationen beträgt rund 280 000.

Die Brandkatastrophe im Rotterdamer Hasen.

Die Zahl der Todesopfer, die bei dem Brande des englischen TankdampfersRiemeira" zu beklagen sind, beträgt, wie nunmehr endgültig feststeht, insgesamt zehn. Unter den Getöteten befindet sich der Erste Steuermann und der Erste Maschinist derRiemeira". Die übrigen acht Toten sind Dockarbeiter der Rotterdamsche Droogdok Maatschappij. Von den zehn Getöte­ten sind sieben ertrunken, zwei auf dem Schiff verbrannt und einer nach der Einlie­ferung ins Krankenhaus an seinen schweren Drandverlehungen gestorben.

571 Kilometer Stundengeschwindigkeil.

Der englische Geschwaderkommandant Orlc- b a r hat auf dem drei Kilometer larigen Kurs über den Solvent zwischen der 3nscl Wight und dem Festlande mit dem von Leutnant Waghorn im Schneider-Pokal-Rennen zum Siege gesteuer­ten Flugzeug Rolls Royce VI einen neuert Schnelligkeitsrekord aufgestellt. Er er­reichte eine Stundengeschwindigkeit von 571,5 Kilometer und hat damit den von Leutnant W a g h o r n beim Schneider-Pokal-Rennen auf­gestellten Rekord von 522,8 Kilometer bei weitem überboten. Auch der Flieger S t a i n f o r t h, der zusammen mit Orlebar zu einem Rekordver­such auftzestiegen war, erreichte eine Geschwin­digkeit von mehr als 540 Stundenkilometer.

Feuertod dreier Arbeiter.

3n Houston (U. S. 21.) fingen drei Arbeiter in einer der Petroleumquellen, die ihre ölbe- schmuhten Körper mit Benzin abrieben, plötzlich Feuer und verbrannten.

Oie Wetterlage.

-Rta-

5e,di$f

3OTT

Dienstaa, ept. 1929 7h äbdS-

AO 24 , ,

©woiKenios. <3neuer. <>nalD ocdecKL» woixig. oedeext

V Schnee g Graupeln, e MeDei K Gewiller.(§)windstiiie-O-« sehr «ejcnter Ost massiger Südsüdwest stürmischer nordwesS Oie Pfeile fliegen mit dem Winde. Pie oeiden Stationen stenenden Zat^ len gehen die Temperatur an. Pie Linien verpmdco Orte mit gleichcg etf Metrcsniveau umgerexancleo Luftdruck

Wettervoraussage.

Das neue Hochdruckgebiet hat sich über Zen­traleuropa ausgebreitet. Deutschland, das in sei­nem Kerngebiet liegt, weist Barometerstände von über 770 Millimeter auf. Durch den. fast wolken­losen Himmel werden durch die tägliche Ein­strahlung und nächtliche Ausstrahlung wieder stärkere Temperaturschwankungen hervorgerufen. Der herrschende Witterungscharakter hält zunächst noch an, jedoch wird mit der Verlagerung des hohen Druckes ein Drehen der Winde nach Süden und Südwesten stattfinden, die bald wär­mere Luft nach dem Kontinent bringen werden. Dabei seht Barometerfall ein und Bewölkung kommt auf.

Wettervoraussage für Donners­tag: Rachts kühl, tagsüber warm, meist heiter, trocken.

Wettervoraussage für Freitag: Stellenweise Frühnebel und tagsüber aufkom­mende ^Bewölkung, auch nachts leichter Tempe­raturanstieg.

Lufttemperaturen am 10. September: mittags 23 Grad Celsius, abends 14 Grad; am 11. September; morgens 10,1 Grad. Maximum 23,2 Grad, Mini­mum 8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. September, abends 22,1 Grad; am 11. Sep­tember: moraens 14,4 Grad Celsius. Sonnen* fcheindarrer 8i Stunden.