Ausgabe 
11.9.1929
 
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Nr. 2(3 Erstes Blatt

U9. Jahrgang

Mittwoch, U- September <929

Eriche,ni täglich,außer Sonntags und Feiertags.

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Die Illustrierte Gießener Familienblätter

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Auf der Spur der Bombenatteniäter.

Sensationelle Verhaftungen in Berlin unn Holstein. Oie Holls der Organisation Konsul. Oer verdächtige Fordwagen.

Berlin, 11. SepL (Priv.Tcl.) Nach Bläffer­mdbungen aus Itzehoe wurde gestern nadjmitfag im benachbarten Krempe ein angeblicher früherer Polizeihaupfmann im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen verhaftet, lieber die Per­sonalien wird strengstes Stillschweigen beobachtet. Der verhaftete wurde schon längere Zeit verfolgt und gesucht. Er kam am Dienstag mit seinem Auto nach Krempe und stieg imkremper Hof" ab, um mit dem Zuge nach Heide weiterzu- sahren. kurz nach seiner Ankunft wurde er ver­haftet. DieDAZ." meldet hierzu aus Hamburg: TD.e wir erfahren, soll es sich bei dem in Krempe verhafteten um den etwa 40 Jahre alten angeb­lichen früheren Polizeihauptmann Nickel handeln, "'n feinem Besitz soll eine Bombe von der glei­ten Beschaffenheit gefunden worden fein, wie fie bei den Anschlägen zur Verwendung gelangt sind. Noch im Laufe der fpäten Abendstunden fanden die er st en Vernehmungen im Landratsamt Itze­hoe, wohin der verhaftete zunächst gebracht worden ist, statt. Zwei höhere Beamte des Altonaer Polizei­präsidiums haben sich sofort nach Itzehoe begeben, um die Ueberfüfjrung des verhafteten nach dem Altonaer Polizeipräsidium in die Wege zu leiten. Wit Rücksicht auf die Tragweite des Falles wird ihn wahrscheinlich die Staatsanwaltschaft in Altona direkt bearbeiten. Es verlautet, daß man glaubt, im Anschluß an die Verhaftung noch eine Reihe weiterer Spuren aufdecken zu können. So wurden, wie dieVoss. Ztg."aus Hamburg berichtet, am Dienstag in Hamburg ein Bankbeam- ter verhaftet, der in Verbindung mit dem in Krempe verhafteten Polizeihaupfmann a. D. Nickel stand und von diesem eine Höllenmaschine erhol- ten haben soll. Die Höllenmaschine, die in eine Zi­garrenkiste eingebaut war, mit einem Zeitzünder versehen ist, und sich in völlig gebrauchs- fertigem Z u st a n d befand, wurde in der hie­sigen Wohnung des Kaufmannes im Bücherschrank vorgefunden und beschlagnahmt.

Die Persönlichkeit des polizeihcmptmanns a. D. Mel.

Itzehoe, 11. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der in der Bombenaffäre verhaftetePolizeihaupfmann a. D. Nickel" ist der Leiter der Wach- und Schließgefellschaft in Heide. Den Titel eines Polizeihauplmanns a. D. hat er s i ch selbst 3 u g e l e g f. Er hafte in der Zeit der oberschlesi­schen Wirren dorlselbsf eine Abwehrkompagnie auf- gestellt und sich als deren Führer mit dem haupt- mannstitel ausgeffaftet. Bei der Haussuchung in Heide fand man in der Wohnung Nickels die lleber- refte von verbrannten Papieren, die verdäch­tiges Waferial enthielten und im Augenblick einer genauen Untersuchung unterworfen werden. Nach der amtlichen Darstellung des Landratsamtes in Itzehoe, wurde die Verhaftung Nickels dadurch möglich, daß man dem in Hamburg verhafteten Kaufmann auf die Spur gekommen ist. Es wurde fcffgeffellt, daß der Kaufmann die Höllenmaschine von Nickel erhalten hafte. Nickel kommt demnach in der Hauptsache als Heberbringer der Bombe in Frage. Nickel war in Krempe ausge­stiegen und Haffe sich dann zur Redaktion der ZeitungDas Landvolk" begeben. Nach seiner Rückkehr nach Krempe wurde er dort ver­haftet. Die ZeitungDas Landvolk" war durch den Besuch Nickels in der Redaktion verdächtig, so daß die Verhaftungen beim Landvolk erfolgten. Ob sich diese ausrechferhalten lassen, muß die weitere Unter­suchung ergeben. Die Zeitung ist das Organ der bäuerlichen schleswig-holsteinischen sog. Landvolkbe­wegung, deren Kampf sich, wie aus vielen Prozessen crsich^.ch, vornehmlich gegen denheutigen Verwal­tungsapparat" richtet, zur nationalsozialistischen Be­wegung aber wiederum in Gegnerschaft steht.

Verhaftungen in Ftzehve.

Itzehoe, 11. Sept. (WTB. Funkspruch.) Ein riesiges Aufgebot von Kriminalbeamten und Lan­despolizei befehle das Landratsamt, gegen das ein Anschlag geplant gewesen sein soll. Der gesamte Redaktionsstob, sowie das sonstige Personal der hiesigen ZeitungDas Landvolk" wurden verhaftet. Ferner wurde der frühere Oberleut­nant Wefchke, der Geschäftsführer der Land- uolfberoegung, in Haff genommen.

Auch in Berlin eine Reihe von Verhaftungen.

Salomon und Techow verhaftet.

B erlin, 11. Sept. (WTB. Funkfpmch.) Wie der Polizeipräsident mitteilt, sind am Morgen des 11. September mehrere Personen unter dem dringenden Verdacht der Teilnahme

an den Spreng st ossanschlägen vorläufig feftgenommen worden: (Ern ff von Salomon, der sich unangemeldet in Berlin aufhält, Dr. So­linger, bei dem Salomon gewohnt hat, Wer­ner Laß und Hans Gert Techow. (Zus. der Red.: Ein Bruder des an der Ermordung Ra- fhenaus beteiligten Werner Techow.) Die Fesige- nommenen stehen in eng ff en Beziehungen 3 u dem Kreis, der in Hamburg und Schleswig- Holstein feffgenommenen Personen.

Weitere Ermittlungen.

Noch der D.Z. haben die bisherigen Verneh­mungen der verhafteten ergeben, daß es sich bei den Bombenlegern um eine anarchistische Terrorgruppe handelt, die sich a u s d e n Re st en der ehemaligen Organisation K o n s u l und der OrganisationE" 3ufammen- seht, die feinerseif 3um ersten Wale bei der Ermor­dung Eibergers auffauchten. Unter den Leuten, die in Holstein verhaftet worden sind, befindet sich auch der Uhrmacher P l e n, der verdächtig ist, die Uhrwerke für die Höllenmaschine angeferfigf 3u ha­ben. Außerdem ist in Itzehoe ein Bruno von Salomon verhaftet worden, der Bruder des in Berlin verhafteten Ernst von Salomon. Bruno ist Redakteur der Landvolk3eitung in Itzehoe, Weschke ist Herausgeber dieses Blattes.

Bei den Verhaftungen in Holstein spielte ein Fordwagen eine erhebliche Rolle, der der Po- lisei verdächtig vorgekommen war. Die Polizei war sich nämlich darüber klar, daß die Lüneburger An­schläge nicht von dortigen Einwohnern verübt sein konnten, sondern nur von Leuten, die mit einem Auto herübergekommen waren. Ihr Sih muhte in Ostholstein liegen, und deshalb wurden dort mit Hilfe der lokalen Poli3eibehörden und der Feldjäge­rei alle Straßen nach und nach beobachtet. Der ver­dächtige Fordwagen, der bei allen Weldungen im­mer wieder auftauchfe, wurde besonders beobachtet, und so gelang es, sestzustellen» daß er nach ham-

Ge n f, 10. Sept. (WTB.) Die heutige Vor- mittagssihung der Dölkerbundsversammlung wurde mit einer großen Rede des ungarischen Delegierten

Graf Apponyi

eröffnet, der trotz seines hohen Greisenalters wieder mit unveränderter geistiger Frische und älnabhängigkeit des älrteils die Hauptarbeits­gebiete des Völkerbundes unter allgemeiner Auf­merksamkeit des Hauses umrih. Er betonte zu­nächst die grundlegende Bedeutung der obli­gatorischen Schiedsgerichtsbarkeit, mit deren Annahme Deutschland den übrigen Großmächten vorangegangen fei. Der Kellogg- pakt und vor allem die Generalakte der letzten diesjährigen Völkerbundsversammlung, der Graf Apponyi wegen ihres Verzichtes auf den Sank­tionsgedanken und wegen Anpassung des Ver­gleichs- und Schlichtungsversahrens an die Me­thoden der Schiedsgerichtsbarkeit den Vorzug gibt, hätten neue Wege für die Anwendung der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit er­öffnet. Bedenklich bleibe freilich dasfatale Kapitel" der Vorbehalte vor allem in bezug auf den Ausschluß jener Konflikte, die sich aus den Friedensverträgen ergeben. Die Abrüstungsverpfltchtung ergebe sich nicht nur aus dem Artikel 8 des Völkerbunds- Paktes, sondern ganz wesentlich aus den Frie­densverträgen, in denen die Abrüstung der besiegten Staaten als der Weg zur Vor­bereitung der allgemeinen Abrüstung be­zeichnet wird. Dies formelle Versprechen müsse erfüllt werden. Die Ungleichheit im Rüstungsstand sei nicht nur ein Element des Weiterbestehens der Unsicherheit, sondern über­dies eine Demütigung der besiegten Staaten. Driand stimme er durchaus bei, daß in der Äugend nicht Haßgefühl und Rache­gedanken großgezogen werden dürsten. Auch könne er Dr. Stresemanns Bemerkung bei­pflichten, daß unter den heutigen technischen Be­dingungen der Heroismus auf dem Schlachtfelde keine Bedeutung mehr habe. Man müsse aber unterscheiden zwischen der Äugend, die im Glanze der Vormachtstellung ihres Landes auf­wachse und jener anderen, die ..im Schatten der Traurigkeit über ein zerstückeltes Land" lebe. So sei es schwer, der ungarischen Äugend nach­zuweisen, auf Grund welcher Prinzipien weite Gebiete mit einer komvakten magyarischen Be­völkerung fremder Staatshoheit unter­stellt worden sind. Wer vorbehaltlos in der

bürg fuhr, wo man auch sein Ziel herausbekam. In Hamburg führten die Nachforschungen der Po- lijei in die Wohnung des bereits in den früheren Weldungen erwähnten Kaufmanns, dessen Name jetzt mit £ reget angegeben wird. Aus die Landvolkzeilung kam die Polizei nach dieser Dar­stellung auch dadurch, daß das Auto weiter ver­folgt und dabei fcffgeffellt wurde, daß fein Jnsaffe Nickel dort eine Hnferrebung hatte. Unter den in Holstein verhafteten befinden sich drei weitere Leute: Kühl, Dammann und Johnsen, die mit dem Bombenlegen in Beziehungen standen. Zwei weitere Personen sind in den letzten Tagen ge­flüchtet, einer von ihnen nach Italien. Seine Adresse ist aber bekannt, so daß er bereits weiter verfolgt wird.

Zu den Verhaftungen in Berlin meldet das Blaff noch, daß Werner Laß früher R o h b a ch nahe- sland. Er ist Führer der Freischar Schift, deren tätiger Mitarbeiter Hans Gert Techow ist. Die Aktion der Berliner Polizei, die zusammen mit den in Altona tätigen Beamten den Ring um die Bombenleger zog, geht noch weiter. Deshalb ist die Polizei mit ihren Aeußerungen sehr zurückhal­tend. Es ist nicht ausgeschlossen, daß noch weitere Waßnahmen erfolgen, zumal die Spuren noch auf andere Personen Hinweisen. Zur Zeit findet eine Haussuchung im Bureau Ehrhardts in der Lühowstrahe statt, das von ehemaligen Angehörigen der OrganisationKonsul" geleitet wird. Wieweit Kapitän Ehrhardt selbst belastet ist, kann noch nicht gesagt werden. Es wird behauptet, daß bei den Sprengffoffattenfafen dieses Jahres nicht wie früher eine Auslosung vorgenommen wurde, vielmehr sol­len sich die Witgliedcr freiwillig angeboten haben, die Bombenanschläge zu übernehmen.

Das Attentat in Lüneburg.

Lüneburg, 11. Sept. (WTB. Funkspruch.) Das in Lüneburg zur Llntersuchung der Bomben­anschläge eingerichtete Landeskriminalamt arbeitet

Richtung auf die friedliche Regelung aller Kon- fliktsmöglichkeiten mitarbeite, sei berechtigt, die Gerechtigkeit und die Achtung der grundlegenden Lebensbedingungen der nationalen Existenz zu verlangen.

Oer österreichische Bundeskanzler Streeruwih

begrüßte ebenfalls die Fortschritte, welche die Ädee der Schiedsgerichtsbarkeit im Laufe dieser Tagung gemacht hat. Es wäre indessen zwecklos, zu übersehen, daß die langsamen und von Schwie­rigkeiten gehemmten Fortschritte des Abrüstungs­problems viel dazu beigetragen haben, die Reste der Dorkriegsmentcklität zu erhalten, und daß dieser Standpunkt bis zum gegenwärtigen Augen­blick Volker, Parteien und einzelne Menschen daran gehindert hat, endgültig auf den Gedanken der Machtanwendung zu verzichten.

Die Annäherung der Volker auf der Grund­lage des Vertrauens und das Minder­heiten Problem gehören zu den aktuellsten Fragen des internationalen Lebens, zu den Fra­gen. deren billige Regelung sich von Jahr zu Jahr nachdrücklicher auswirkt. An einer gerech­ten Regelung der Minderheitenfrage in einer ganz besonderen Weise interessiert sind Staaten, die. wie der unsrige. sich in der Rähe von Ge­bieten nationaler Erregung befinden und im Falle von unliebsamen Ereignissen in diesen Ge­bieten auf eine unausbleibliche Rückwirkung im eigenen Territorium gefaßt sein müssen.

Rach den Ausführungen von Dr. Strceruwih mußte die Sitzung unterbrochen werden, da keiner der eingeschriebenen Red­ner anwesend war. Rach Wiederaufnahme der Sitzung erklärte der australische Delegierte Rarr, daß er seine Ausführungen erst morgen machen werde. Rach weiteren Absagen gelang cs schließlich dem Präsidenten, den letzten eingeschriebenen Redner, den chinesischen Delx- gationsführer Ehao Ehu-wu zu finden, der der Sitzung durch einen Antrag auf Einsetzung eines Studienkomitees zur Prüfung der MittelundWegefürdie Anwendung des Art. 19 des Völkerbundspaktes noch einen recht interessanten Abschluß gab. Art. 19 betrifft die Nachprüfung der unanwendbar gewordenen Verträge und solcher inter­nationalen Verhältnisse, deren Aufrechterhaltung den Weltfrieden gefährden konnte. Der chinesische Delegationsführer bemerkte, es han­dele sich dabei nicht um eine Aenderung des Pak­

Tag und Rächt. Linker den zahlreichen Spuren wird auch eine Spur verfolgt, die in den Kreis Llelzen führt. Hier wurde ein Autorücken - schild gefunden, dessen Rümmer auf Fäl­schung deutet. Das Schild trug keinen po­lizeilichen Zulassungs stempel. Es ist nicht während der Fahrt verloren, sondern sorg­sam versteckt im Straßengraben gesunden wor­den. Än der Rächt vom Sonntag ist ein Fenster der Wohnung des Lüneburger Kriminalassistenten Mink von Dubenhänden zertrümmert worden. Dieser Beamte wirkt an den örtlichen Nach­forschungen mit. Regierungspräsident Dr. Herbst erklärte, man sei der Ansicht, daß die an dem! Bombenanschlag Beteiligten ihre Taktik geändert hätten. Während es ihnen früher vielleicht nur auf Sachschäden angekommen sei, gingen sie an­scheinend jetzt daraus aus, bestimmte leitende Persönlichkeiten zu treffen. Hinzu komme, daß der in Lüneburg verwandte Sprengstoff weit stärkere Brisanzwirkung gehabt habe, als der bei den früheren Attentaten zur Verwendung gelangte Sprengstoff.

Ein geheimnisvolles Telephongespräch.

Kiel, 10. Sept. (WB.) Den KielerNeuesten! Nachrichten" zufolge ist die hiesige Polizei mit der Aufklärung eines geheimnisvollen Telephongesprächs beschäftigt. Gestern nachmittag, kurz nach 2.30 Uhr, hörte eine Fernsprechbeamtin bei einem Gespräch, das von dem Anschluß des Cafe­hauses Nielsen am Knooperweg geführt wurde, die Worte:J-n den nächsten Tagen gibt c s hier ein Attenta t." Der Sprecher, der nach diesem Satz sofort anhängte, war anschei­nend sehr aufgeregt. Auf Grund der polizei­lichen Ermittlungen vermutet man, daß in dem Caf6 ein etwa 30jähriger Ma n das Gespräch -geführt-IhTt, der Inh c<ne^Lrkssc- kaffr^ t-effetile, bafauf telephonierte und fortlief, ohne den Kaffee getrunken zu haben. Der Mann war ohne Kopfbedeckung und trug einen dunklen Anzug. Er hatte dunkles Haar und ein volles, rundes Gesicht.

tes, sondern nur darum, ihn wirksam zu ge­stalten. Es handele sich um einen Punkt, der ein wesentlicher Faktor zur Kriegsverhütung sei. Nachdem man in den ersten zehn Jahren des Völkerbundes dem Artikel keine Anwendung gegeben habe, glaube er, daß jetzt der -Zeitpunkt gekommen sei, diesen Artikel wirksam zu machen.

Eine neue Weltwirtschafts- konserenz.

Genf, 10. Sept. (WTB.) Der Völkerbunds- Versammlung ist von der französischen Delegation ein Entschließungsantrag über die Einberufung einer neuen Weltwirtschafts­konferenz zugegangen, an der im Gegensatz zur ersten Weltwirtschaftskonsererz vom Jahre 1927 Regierungsvertreter teilnehmen sollen, um die Frage zu prüfen, die im Wirt­schaftsrat offengeblieben sind. Der Antrag for­dert, daß ein vom Völkerbundsrat und vom Wirtschaftskomitee genau umschriebenes, wenn auch beschränktes Programm für diese Kon­ferenz entworfen wird. In einem weiteren von der englischen Delegation einge­brachten Entschließungsantrag über das Koh­len- und Zuckerproblem wird der Vol- kerbundsrak aufgefordert, eine Zusammenkunft von Vertretern der interefi'ierten Regierungen herbeizuführen, um die Möglichkeit des Ab­schlusses einer internationalen Verein­barung zu prüfen, die sowohl die Interessen der Produzenten wie auch der Verbraucherländer und der Arbeiter gewährleisten und erlauben würde, die gegenwärtig zu beobachtenden erheb­lichen Schwankungen im Kohlen- und Zuckerpreis zu beseitigen sowie gleichzeitig das Mißverhältnis zwischen Produktion und Be­darf herabzusehen.

Erholungsurlaub Dr. Stresemanns.

_ ® c n f, 10. Sept. (WB.) Reichsaußenminister Dr. Stresemann begibt sich morgen nachmittag zu einem Erholungsaufenthalt nach einem Ort der Z e n t r a l s ch w c i z. Er wird in zwei bis drei Wochen nach Berlin zurückkehren. Der franzö­sische Ministerpräsident B r i a n d hat Genf bereits heute mittag verlassen. Briand, der bekanntlich Ehrenvorsitzender der Paneuropa-Union ist, hatte noch mit dem Grafen Coudenhove-Ka« lergi eine längere Besprechung über die Weiter­führung der Paneuropabewegung.

Graf Apponyi fordert allgemeine Abrüstung als ein Recht der besiegten Staaten.

Oie Kleinen in Genf. Rednermüdigkeit in der Völkerbundsversammlung.