Sn der Abteilung I werben Banknoten und Wertpapiere hergestellt. Komplizierte Maschinen er- Tnö^ichen es, daß in dieser Abteilungi taglrch eine Million Stück Banknoten, etwa 40 Millionen Marken, drei Millionen Postkarten und etwa fünf Mlllionen Banderolen hergestellt werden Sn feuer- und diebessicheren Raumen werden die Druckmaterialien, Schriften, Stempel und Wasserzeichenpapiere aufbewahrt. Auf Runddruckmaschinen werden in dieser Abteilung täglich etwa 20 Millionen Stück Briefmarken hergestellt. Eine einzige solche Maschine kann täglich fünf Mlllionen Briefmarken im Bogen zu je 100 Stück liefern. Die Herstellung der Wertpapiere geschieht gewöhnlich nach dem Verfahren des Linien- fiiches, wobei Linien mit einem Stichel in eine Kupfer- oder Stahlplatte gestochen werden. Dieses Verfahren erfordert neben künstlerischem Blick auch Erfahrung und vor allem eine ungemein sichere und geübte Hand. Die komplizierten Muster und Linien, die man auf allen Banknoten sieht, werden mit Guillochiermaschinen her- gestellt. Mit Diamantspitzen werden die Linienzüge in den Aehgrund eingeritzt, und dieser Vorgang wird auf maschinelle Weise bewerkstelligt. Eigentlich sollte zur Herstellung von Banknoten nur reines Hadernpapier benutzt werden, das 400 Doppelfalzungen verträgt. Man nimmt aber heute Papier, dos einen kleinen Zusatz von Zellulose enthält, da die Banknoten meist nur wenige Sahre im Amlauf bleiben. Selbstverständlich müssen besondere Vorsichtsmaßnahmen vorgenommen werden, um Banknotenfälschern das Handwerk zu legen. Große Walzen, die in der Reichsdruckerei selbst hergestellt werden, pressen bestimmte Stellen der weichen Papiermasse derart zusammen, daß an bestimmten Stellen dir Fasern zur Seite gedrängt werden. Wenn man dann das derart behandelte Papier gegen das Licht halt, sieht man, da'ß es bestimmte helle Flecke ausweist, die für seine Echtheit charakteristisch sind.
Sn der Abteilung II werden die Reichsgeseh- blätter, Amtsblätter, Gesetzentwürfe, Dienstanweisungen und amtlichen Vordrucke angefertigt. Allein für die Postverwaltung müssen stets 2500 bestimmte Vordrucke auf Lager sein. Versicherungs- marken dagegen werden nicht in der Reichsdruckerei, sondern in München gedruckt. 4 0 0 Hand- und 100 Maschinensetzer arbeiten in der Abteilung II. Dort werden auch fremdsprachige Drucksachen, wie beispielsweise Ex- pvrtlataloge, hergestellt, die von großen Handelsfirmen bestellt wurden. Man barf aber nicht etwa glauben, daß in dieser Abteilung nur Drucksachen in wenigen, besonders gebräuchlichen Fremdsprachen hergestellt werden. Richt weniger als 3 0 0 verschiedene Schriftarten der arabischen und 50 der orientalischen Sprache werden dort angewandt. Mit Recht nennt man eine Unterabteilung die „akademische Setzerei". Vollständige Schriftsätze für russischen, hebräischen, griechischen, türkischen, chinesischen, japanischen und siamesischen Sah sind vorhanden. Außerdem kann man dort Werke in Keilschrift, Hieroglyphen und Sanskrit herstellen. Anläßlich der Turfanexpeditivn wurde sogar ein Satz der uigurischen und manichäischen Sprache geschaffen. Ein koreanischer Schriftsatz war schon seit längerer Zeit vorhanden. Sn der akademischen Setzerei werden die Sitzungsberichte und Abhandlungen der preußischen Akademie der Wissenschaften gedruckt. Daneben werden Lehrbücher und Mitteilungen des orientalischen Seminars hergestellt. Sn denselben Räumen wurde das chinesisch-deutsche Wörterbuch von Rüdenberg und ein anderes Werk, „Alphabete und Cchriftzeichen des Morgen- und Abendlandes", herausgegeben. Sn einer anderen Abteilung werden Plakate, Landkarten und Unterrichtskarten hergestellt. Alle diese Werke werden in einer besonderen Buchbinderei gebunden, in der 300 Personen beschäftigt sind. Die Reichsdruckerei hat auch eine Anzahl von
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Vornan von Edgar Wallace.
24. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Die Limousine war erst kürzlich gereinigt worden, und Larry schrieb sich beide Rummern auf. Es konnte ja natürlich auch möglich sein, daß die beiden Wagen rechtmäßiges Eigentum der neuen Hausbesitzer waren und vollkommen harmlos für geschäftliche Zwecke benutzt wurden. Cs konnte ebensogut Zufall gewesen sein, daß ein solcher Lieferwagen in der Rächt, in der Sake den Versuch gemacht hatte, das junge Mädchen zu entführen, in der Charing Croß Road gesehen worden war.
Er schob die Garagentüren zu, die Harvey kunstgerecht mit seinem Dietrich verschloß.
„Telephonieren Sie die Rummern nach dem Präsidium", sagte Larry, „und lassen Sie in der Verkehrskontrolle Nachfragen, für wen sie ausgestellt sind."
Harvey ging seiner Wege, und Larry blieb allein im Hof zurück. Von neuem untersuchte er die Räderspuren. Es hatte in der Rächt stark geregnet, und man konnte an der Deutlichkeit der Spuren erkennen, daß sie erst an diesem Morgen entstanden waren.
Er ging an dem eigentlichen Wäschereigebäude entlang — ein Reubau aus Ziegelsteinen mit Mattglasfenstern. Auch hier befand sich eine Schiebetür und auf den Stufen, die zu dieser führten, war eine Fußspur sichtbar. Er bückte sich plötzlich, um diese genauer zu betrachten.
Wenn Larry innerlich stark erregt war, hatte er die Angewohnheit, sich ruckweise zu bewegen, und seine Handlungen würden einem Beobachter plötzlich und unerwartet erschienen sein. Er beugte seinen Kopf.
„Ploff!"
Ein Ton wie das Knallen eines Champagnerpfropfens, nur ein wenig lauter und härter, erschreckte ihn. Ein Schlag oberhalb seines Kopfes — Holzsplitter fielen auf Larrys Hals, und mit einem Satz sprang er zur Seite. Die Türfüllung war durch eine Kugel zersplittert. Hätte er nicht so unvermutet seinen Kopf gesenkt, um den Fußabdruck zu prüfen — Sunny würde die Morgenzeitungen abbestellt haben. Das war merkwürdigerweise der erste Gedanke, der ihm durch den Kops schoß.
Larry überflog blitzschnell feine Umgebung Den Ton hatte er erkannt, kaum daß er ihn gehört hatte. Es war keine Detonation zu hören gewesen, aber man hatte auf ihn mit einem Gewehr oder einer Pistole geschossen, die mit
größeren Werken herausgegeben, so vor allem die Druckschriften des 15. und 18. Sahrhunderts. Besonders gut gelungen sind die sogenannten R e i ch s d r u ck e , die unter Mitwirkung des Direktors des Königlichen Kupferstichkabinetts, Friedrich Lippmanns, herausgegeben wurden. Es sind Rachbildungen von Originalen berühmter alter Meister. Diese Sammlung zählt heute nicht weniger als 1037 Rummern. Seder Kunstliebhaber kann sich für einige Mark solche Kopien kaufen. Zwei Rachbildungen allerdings sind etwas teurer. Es handelt sich dabei um Kopien von Werken Max Liebermanns. Sie kosten zwar 40 und 100 Mark, gleichen dafür aber den Originalen so sehr, daß ein Aufdruck auf der Rückseite sie als Reproduktionen kenntlich machen muß.
Richt weniger als 4000 Arbeiter und etwa 500 Beamte und Angestellte sowie 160
Künstler sind in der Reichsdruckerei beschäftigt. 1 4 0 0 Maschinen arbeiten in den ausgedehnten Räumen, und das Papierlager, das dauernd unterhalten werden muh, würde etwa 400 Eisenbahnwaggons füllen. Sm Sahre 1926 wurden über 900 Waggons Papier verbraucht. Richt weniger als 18 300 Aufträge im Werte von etwa 25 Millionen Maick wurden im Sahre 1926 ausgeführt. Der Gewinn der Reichsdruckerei, den sie stets an die Reichshauptkasse abführt, betrug in diesem Sahre mehr als 4 Millionen Mark. Dabei wurden fast 10 Millionen Mark für Löhne und Gehälter gezahlt. Die gesamten Arbeitsund Lagerräume umfassen mehr als 75 000 Quadratmeter, also eine riesige Käche, so daß man mit Recht davon sprechen kann, daß die Reichsdruckerei eine kleine Stadt für sich bildet.
Heß. Haupiverem her Gustav-Mols-SWng
Die Lutherstadt Worms hatte den Hessischen Hauptverein derGustav-Adolf- Stiftung eingeladen, seine 86. Sahres- hauptversammlung in ihren Mauern zu feiern.
Oer Begrüßungsabend,
mit dem am Samstag der Reigen der Veranstaltungen eröffnet wurde, bedeutete einen verheißungsvollen Auftakt zu der Tagung. Sn dem wundervollen Festsaal des Cornelianums begrüßte der Vorsitzende des Hauptvereins, Freiherr D. Dr. Hey l zu Herrnsheim, die zahlreich erschienenen Besucher. Rachdem die Vertreter kirchlicher und staatlicher Behörden den Gustav- Adolf-Verein begrüßt hatten, hielt Llniversitäts- professor Dr. H o l l b o r n (Heidelberg) einen mit großem Snteresse auf genommenen Vortrag über „Martin Luther und Lllrich von Hutten während des Wormser Reichstages von 1521".
Der Sonntag als erster Festtag wurde mit den bei allen Gustav-Adolf-Vereinen üblichen
großen Festgoitesdiensten
eröffnet, bei denen eine überaus große Festgemeinde Gelegenheit hatte, in den Pfarrern Lempp (Stanislau, Galizien), Kindermann (Athen, Griechenland), Popp (Agram, Sugo- slawien) und Müller (Alzey, früher Olmütz) namhafte Vertreter des Ausland-Deutschtums und der evangelischen Kirchen des europäischen Ostens kennenzulernen. Sn beredten Worten schilderten sie die Lage ihrer Auslandgemeinden und verstanden es, die Herzen für deren Rote zu erwärmen. Von allgemeinem Snteresse dürfte es fein, daß Athen, einstmals die geistige Führerin des klassischen Altertums, heute die einzige Hauptstadt in Europa ist, in der sich noch keine evangelische Kirche befindet. Die dortige deutsche evangelische Gemeinde ist noch immer auf einen Rotbehelf für ihre Gottesdienste angewiesen; aber gerade jetzt hat ihr der Gustav- Adolf-Verein durch den Ankauf eines wundervoll an klassischer Stätte gelegenen Kirchbauplatzes die Wege, zu einem eignen würdigen Gotteshaus zu kommen, geebnet. Sn dem Haupt- gottesdienst nachmittags 2 Llhr in der reichgeschmückten Dreisaltigkeitskirche begrüßte außerdem der Landesbischof, Prälat D. Dr. Die h l, die Festgemeinde und den Gustav-Adolf-Verein als den großen Mitarbeiter am Reuaufbau kirchlichen und kulturellen, sittlichen und religiösen Lebens in aller Welt. Aus dem reichen Schatz seiner geschichtlichen Kenntnisse schöpfte er interessante Rachricht über die erste Gustav-Adolf- Predigt am 29. April 1632 im Wormser Dom und an die erste Gustav-Adolf-Tat in Worms, die darin bestand, daß der siegreiche Schwedenkönig die ihm angeratene Unterdrückung deS Katholizismus in der alten Bischofsstadt ablehnte.
Eine große Volksversammlung
im Garten des Städtischen Spiel- und Festhauses schloß sich an den letzten Festgottesdienst unmittelbar an und nahm gleichfalls einen imposanten Verlauf. Der Hauptvereinsvorsitzende konnte eine unübersehbare Menge von Festteilnehmern begrüßen und ihnen die Ziele des Vereins mit beredten Worten als Hochziele evangelisch-kirchlicher Liebesarbeit vor Augen stellen. Danach kamen die gleichen Redner wie bei den Festgottesdiensten zu Wort. Sn anschaulichen Schilderungen von den mancherlei Roten des evangelischen Deutschtums nah und fern verstanden sie es, den Eindruck ihrer Worte bei den gottesdienstlichen Feiern noch zu vertiefen. Die Volksversammlung fand ihren naturgemäßen 2lb- schluß durch einen Zug der Festteilnehmer zum nahegelegenen Lutherdenkmal, von dessen Stufen der Superintendent von Rheinhessen, Oberkirchenrat Zentgraf (Mainz), in zündender Rede die Mahnung zur Treue gegen das Werk Luthers und Gustav Adolfs an die Festgenossen richtete.
Ein Jamilienabend
in dem Saal des „Karpfen" beschloß den ersten Festtag in würdiger und schöner Weise. „Das alte und das neue Athen" war das Thema, das der Hauptredner des Abends, Pfarrer Lic. Kin - dermann (Athen), behandelte und mit dem er regstem Snteresse bei den Hunderten von Festteilnehmern begegnete, die den weiten Saal füllten. Außerdem berichtete Pfarrer Dr. L e m p p (Stanislau) über das „Bethel des Ostens", die weithin bekannten Anstalten des Pfarrers Dr. Z ö ck l e r in Stanislau. Warm empfundene Worte der Begrüßung der Vertreter kirchlicher und städtischer Behörden legten Zeugnis davon ab, daß der Gustav-Adolf-Verein allerseits die Würdigung findet, die feine Arbeit in so reichem Maße verdient. 5>ie Lieberreichung namhafter Festgaben an den Verein, der für feine überreichen Aufgaben allein auf die freiwillige Opferwilligkeit aller Kreise der evangelischen Kirche angewiesen ist, bewies die erfreuliche Tatsache, daß die mancherlei Rote der Heimat in diesen wirtschaftlich so ernsten Zeiten erfreulicherweise den Sinn für die Rvtwendigkeit, sich auch fremder Rot anzunehmen, nicht ertötet hat. Wertvolle musikalische Darbietungen bereicherten den Familienabend und machten ihn zu einem überaus gelungenen Ausklang des ersten Festtages.
Oer zweite Tag
galt zunächst geschäftlichen Beratungen. Wenn die Eesamteinnahme des Hess' Gustav-Adolf- Hauptvereins in diesem Sahre die Höhe von 103 624,04 Mk. erreicht hat und damit trotz der wirtschaftlich so schwierigen Lage das Sahres-
einem Maxim-Schalldämpfer versehen war. Das „Ploff" hatte er schon öfter gehört. Seine scharfen Augen suchten an einem der Fenster des hinter ihm liegenden Gebäudes nach einem Anzeichen von Pulverrauch, der sich aber, falls der Schuß von dortgekommen war, sofort verflüchtigt haben mußte. Setzt bemerkte er zum erstenmal, daß man von dem Fenster des Schlafsaales, aus dem Diana verschwunden war, auf den Hof blicken konnte. Er sah das offene Fenster und erkannte mit seinem ausgeprägten Ortssinn den betreffenden Raum. Kein weiterer Schuß fiel, und er zog sich langsam über den Hof zurück, ohne die Rückseiten der beiden Gebäude aus den Augen zu verlieren und bereit, sich beim ersten Aufblihen eines Schusses zu Boden zu werfen.
Harvey hatte bei seinem Weggehen eine kleine Durchgangstür in dem großen Tor geöffnet, und durch diese trat ein sehr nachdenklicher Larry auf die Straße. Er ging direkt in das Heim zurück, wo die blinden Straßenhändler, die dort Alntctfunft hatten, langsam einzutreffen begannen. Sie kamen allein oder zu zweien, tappten sich ihren Weg mit den eisenbeschla- genen Stöcken entlang und suchten den gemeinsamen Wohnraum auf. Ein Beamter des zuständigen Polizeireviers stellte die Persönlichkeit eines jeden fest.
„Alles unbescholtene Leute, was?" fragte Larry. „Keiner von ihnen auf der Derbrecher- liste?"
„Rein, Sir", sagte der Beamte. „Alle haben ein gutes Führungszeugnis, und wir haben niemals Beschwerde zgegen irgendeinen von ihnen gehabt."
Larry ging nach dem Schlafsaal hinauf, von dem seiner Ansicht nach der Schuß auf ihn abgefeuert war. Zu seiner Ueberraschung war die Tür verschlossen, und der Schuhmann stand jetzt außerhalb der Tür auf Posten.
„Was soll das bedeuten?" fragte er streng.
„Der Vorsteher hat mir sagen lassen. Sie wünschten mich zu sehen," entschuldigte sich der Detektiv, „aber als ich nach unten kam, stellte sich heraus, daß er keine Botschaft geschickt hatte. Als ich wieder zurückkam, war die Tür verschlossen."
„Von innen?"
„Scheint so, Sir. Es steckt kein Schlüssel im Schlüsselloch."
„Wer hat Shnen die Mitteilung gebracht?" „Der kleine Kerl, der immer die Tür des Heims öffnet.“
„Seb weiß, wen Sie meinen,“ nickte Larry, „und was hat er für eine Erklärung gegeben?“
„Er hat gesagt, jemand mit einer Stimme wie der Vorsteher hätte chm aufgetragen, mit der Bestellung an mich nach oben zu gehen."
„Machen Sie Platz", sagte Larrl) und stieß mit einem kräftigen Fußtritt die Tür auf.
Das Zimmer war leer, aber Larry schnüffelte.
„Hier ist ein Schutz abgefeuert worden; jedenfalls, als Sie nach unten gingen“, sagte er. „Merken Sie sich. Sie verlassen das Zimmer nicht, wenn nicht Sergeant Harvey oder ich persönlich kommen, um Sie abzulösen und einen anderen Mann an Shre Stelle zu bringen.“
„Zu Befehl, Sir", sagte der Mann niedergeschlagen.
„Unter den vorliegenden ümftänben mache ich Shnen übrigens keinen Vorwurf", fuhr Larry mit halbem Lächeln fort. „Wir haben es mit einer ganz außergewöhnlichen Bande zu tun, und sie wendet ganz außergewöhnliche Methoden an — man kann von Shnen nicht erwarten, daß Sie jeden Zug des Gegners parieren und noch viel weniger voraussehen können, wie der nächste fein wird."
Es bestand nicht der geringste Zweifel, daß in diesem Raum eine Schußwaffe abgefeuert worden war; er konnte ganz deutlich den Geruch des verbrannten Schießpulvers erkennen, und eine abgefeuerte Patronenhülse, die er unter einem Bett in der Rühe des Fensters fand, lieferte ihm den endgültigen Beweis. Larry ging nach unten in das Bureau des Vorstehers, der unruhig auf ihn wartete.
„Beabsichtigen Sie Shre Leute noch lange hier zu lassen, Mr. Holt?" fragte Ehrw. Sohn Dear- bom. „Verschiedene meiner Schutzbefohlenen möchten nach dem Schlaf raum gehen; sie sind müde."
„Meine Leute bleiben so lange hier, bis ich mich davon überzeugt habe, daß Mitz Ward nicht mehr in dem Grundstück ist," sagte Larry kurz, „und bis ich den Herrn gefunden habe, der in so liebenswürdiger Weise von dem Schlafsaal, aus dem sie verschwunden ist, auf mich gefeuert hat."
„Auf Sie gefeuert hat?" wiederholte der andere entsetzt. „Sie wollen doch nicht sagen —“
„Sch meine genau das, was ich gefaßt habe", fiel Larry ein. ,.Verzeihen Sie, wenn ich etwas schroff bin. Während Sie mit dem Detektiv sprachen, der durch eine List nach unten gelockt wurde, ist von dem Zimmer aus auf mich geschossen worden — und die Tür war von innen verschlossen."
„Das ist ja kaum glaublich!" rief Ehrw. Sohn kopfschüttelnd. „Sch kann mir kaum eine Situation vorstellen, die für mich und Sie noch angreifender und aufregender fein könnte."
„Aufregend!" lachte Larry bitter. „Aufregung werden wir noch genug haben, nur etwas später, wenn ich erst hinter die ganze Geschichte gekommen bin.“
ilnb dann gewann sein bissiger Humor die Oberhand
ergebnis des Vorjahres (90 368,52 Mk.) um 13 255,52 Mk. übertrifft, so ist das ein erfreuliches Zeugnis für die Bedeutung, die der Verein im kirchlichen Leben der Gegenwart hat. Snner* und außerhalb der Grenze des Hessenlandes fand dieses Geld Verwendung zur Linderung der Diasporanöte. Sn Hessen waren es besonders die beiden „Baugemeinden" Oberroden und H e ch t s h e i m, welche mit größeren Beträgen zur Snangriffnahme bzw. Fertigstellung chrer kirchlichen Bauten bedacht wurden. Daneben wurden einer ganzen Reihe weiterer Diasporagemeinden des Landes Beiträge zu ihren Kirchenbaufonds dargereicht, um auch sie in absehbarer Zeit in den Stand zu setzen, zu einem Gotteshaus zu kommen. Aber auch die Rote der deutsch-evangelischen Auslanbdia- s p o r a wurden nicht übersehen. Der Rachmittag des zweiten Festtages pflegt der
Gustav-Adolf-Irauenarbeii
gewidmet zu sein, wie sie von den Gustav-Adolf- Frauenvereinen, die im Landesverband der Gu- stav-Adolf-Frauenvereine in Hessen zusammengeschlossen sind, geleistet wird. Rach einer kurzen Vorstandssitzung des Landesverbandes vereinigte eine von mehreren Hundert Teilnehmerinnen besuchte Frauenversammlung eine aufmerksame Schar von Hörerinnen und Hörern. Pfarrer Weitz, Darmstadt, sprach über das Thema: „Dienst an der evangelischen Heimat-Diaspora“. Sn beredten Worten schilderte er die Rotwendigkeit, sich gerade auch der wachsenden Röte der evangelischen Heimatdiaspora in steigendem Matze anzunehmen. Pfarrer Lempp, Stanislau, berichtete über die Mitarbeit evangelischer Frauen an den großen Liebeswerken in Stanislau. So wurden auch hier die Rote der Heimat, wie die der gerne in gleicher Weise berücksichtigt, was auch bei der ganzen Llnterstützungstätigkeit der Gustav- Adolf-Frauenvereine zum Ausdruck kommt. ®inen Teil feiner Einnahmen wendet der Gustav-Adolf- Frauenverein nach eigenem Ermessen einer der im Llnterstützungsplan für die Frauenvereine genannten Diasporagemeinde oder -anstalten zu, während ein anderer Teil als sog. Gemeinsames hessisches Liebeswerk der Gustav-Adolf-Frauen- vereine jeweils der hessischen Gemeinde zufällt, die gerade mit Gustav-Adolf-Hilfe im Bauen begriffen ist. Dies war für das Berichtsjahr die kleine oberhefsische Diafporagemeinde Herbstein im Vogelsberg, die zu einer notwendigen und unaufschiebbaren Reparatur ihrer Kirche um Hilfe gebeten hatte. Das nächstjährige gemeinsame Liebeswerk wird der Gemeinde Hechts- h e i m bei Mainz zugute kommen.
Wie seit mehreren Sahren schloß sich an die Hauptversammlung am Dienstag noch ein
Lehrgang
an, der dazu dient, Snteressenten tiefer in die Probleme der Arbeit und in ihre Losung einzuführen. Bei solchen Arbeitsgemeinschaften ist es noch besser als im großen Kreise möglich, daß die Vertreter der Auslanddiaspora Schilderungen authentischer Art über ihre Arbeitsfelder draußen geben.' So wurden den Hörern diesmal durch drei Redner aus Athen, Stanislau und Agram die Verhältnisse der dortigen Gemeinden geschildert und lebensvolle Bilder aus Griechenland, Galizien und Sugoflatoien gegeben.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
* Das Amtsverkündigungsblatt 21 r. 4 8 vom 9. Suli enthält: Straßensperren. — Reklame an Telegraphenstangen bzw. an Masten der Hochspannungsleitungen. — Verzeichnis über Personen, die durch Einbügerung im Auslande ihre deutsche Staatsangehörigkeit verloren haben. — Feldbereinigung in Harbach und Ronnenroth. — Aufnahme der blinden und taubstummen Kinder in die für ihre Erziehung bestimmten staatlichen Anstalten.
„Sie sollten das in einem Shrer Stücke verwenden, Mr. Dearborn", sagte er und glaubte, eine schwache Röte in dem fahlen Gesicht des Mannes erscheinen zu sehen.
„Das ist ein guter Gedanke," sagte der Vorsteher nachdenklich, „und ich bin Shnen wirklich dankbar dafür. Haben Sie schon einige meiner Stücke gesehen?"
„Rein, bis jetzt noch nicht, aber bei der ersten passenden Gelegenheit werde ich mal nach dem Macready-Theater gehen."
Der Vorsteher fuhr kopfschüttelnd fort:
„Manchmal befürchte ich, daß meine Stücke doch nicht so gut sind, wie einige meiner Bekannten es annehmen, und es tut mir leid, daß Sie noch keines gesehen haben. Aber sie werden doch immer wieder angenommen und aufgeführt, und das bringt Geld für unser Heim."
„Wer bestreitet eigentlich die Aufführungskosten?" fragte Larry neugierig. Sebe Ablenkung von der quälenden Sorge in seinem Snnem war ihm willkommen.
„Ein Herr, der sich für meine Arbeit unter den Blinden interessiert", war die Antwort. „Sch bin niemals mit ihm zusammengetroffen, aber niemals hat er sich gesträubt, ein Stück von mir auf die Bühne zu bringen. Manchmal habe ich das Gefühl, er tut dies nur, um dem Heim zu helfen."
„Srgendeinen guten Grund muh er ja haben", sagte Larry.
Die Unterhaltung schlief langsam ein. Ein Telephon schnarrte, und der Vorsteher nahm den Hörer auf.
„Sa, ich glaube, es ist besser, Sie machen das so", sagte er und hängte den Hörer an. „Eine Haushaltsfrage von der Küche", lächelte er. „Soweit unsere Mittel es gestatteten, habe ich Telephonverbindungen im ganzen Hause anlegen lassen. Es erspart so viele Laufereien."
Sn dem Augenblick erschien eine Abordnung aus dem gemeinsamen Wohnraum. Man beklagte sich. Die Snsassen von Schlafsaal Rr. 1 wollten zu Bett gehen. Verschiedene waren gewöhnt, ihre zwölf Stunden zu schlafen, und alle, ob sie sich nun niederlegen wollten ober nicht, bestauben auf ihrem Recht, den Schlafraum aufsuchen zu können.
„Da sehen Sie es ja selbst", sagte ber Vorsteher. „Sd> komme ba in eine sehr unangenehme Lage."
Larry nickte.
„Sie alle können Betten in bem nächstliegenbett Hotel bekommen. Sch komme für bie Kosten auf. Meinetwegen können sie auch in einem anberen Raum schlafen. Sch habe nichts bagegen, daß die Betten herausgeholt werden. Aber niemand hat sich in dem Zimmer aufzuhalten, bis Mitz Ward wieder aufgefunden ist."
(Fortsetzung folgt.) J


