Architekt
Iain. T 59351
Sööss
e
yynvxtj
19 Gießen
S84D
Seben betannf
'cher
rieinWer
timburg
........VW
n Wanzen
b UN- Leusel Mial' tötet lebe Mn-e »und jer(?W 61t Ämtnesir- fleckend, übitatt nnwenddar. . .85, Stt. 1.50 unbX 2.40. babtn bei: erb oll, Drogerie, Kreuz- ^Krenr-Drogerir, Bahn- icl^Gcrmania-Drogerie, uiier Strafte 39.
erg:KarlSL°tt,Kr°N ne. _--
rren, die über gute (»WM . fügen und «ich »k Miteiter für eine
189®°*
Ä “«'S*
II V*
indaus mernid
rsleinß i verk. derGe- ehLL- »mer ehe lolber eri ab' 59740
la
ZS
LL
O iß® .g n ein« odnung bai '1
BIWiiH S»s -LI WkL
biiE ku t‘." jlni oi»*“ gnadh; fc0i«2iLöXfla en/'- — leikioS. b. unt.
Ä
Die sN"N'NguliS^ k%»-e,S HM -sr^n nrt
Kinder •sgsS O-S! ZuSL 5*LD
E zBewerbunesschm739 rch B-g »M
Nr. M Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Donnerstag, N. Zuli 1929
Rom. Anfang Juli.
Der Rat der Vierhundert ist in seine ersten Ferien gegangen und hat nun Muhe, darüber nachzudenten, warum und wieso er seinen Vorgängern überlegen ist. Und inwiefern die Sommerfrische von der römischen Tagung abweicht. Die Oeffentlichkeit merkt nämlich kaum einen älnter- schied. ,
Auch viele der Herren Deputierten werden das Gefühl nicht los, eine wesenlose Erscheinung abgegeben zu haben. Der Ton, um es ohren- gefälliger zu sagen, blieb unangenehm in der Luft hängen — es fehlte der Resonanzboden. Der Resonanzboden eines Parlaments ist die Opposition, und eine Geige ohne Resonanzboden hat kein Rückgrat. Zuweilen versuchte zwar der Duce, auch dieses Amt noch zu übernehmen, aber fein Autoritätswille scheiterte an der hundertprozentigen Vaterähnlichkeit seines parlamentarischen Erstlings. Rur zu gut hatte man die ersehnte „Totalität" erreicht: wenn, wie die fa- Izistische Doktrin lautet, der Faszismus Italien und Italien der Duce ist, so läht sich schwer vovstellen, wie der in vierhundert Teilchen zerlegte Ducc etwas Besseres ergeben soll, als der einheitliche Mussolini. Wozu die Aufteilung in vierhundert Redner, wenn alle zusammen nur dieselbe Stimme ergeben wie die Kehle des Führers? Wozu vierhundert Blätter verteilen, wenn das Buch schon gebunden vorliegt? Wozu ein faszistisches Parlament, wenn nur ein Faszist entscheidet. .
Fragen, die in Rom herumschwirren wie die Schwalben. Zuwellen hott man, Mussolini habe ja nur ein Experiment gemacht, vorsichtige Stimm- chen flüstern, er selbst habe einmal in der vorigen Kammer die Rotwendigkeit einer Opposition betont. älnd in einer seiner letzten Reden deutete er an, die Ausnahmegesetze abbauen zu wollen unter der Bedingung, daß sich die Gegner mit dem faszistischsn Alleinregime als einer unantastbaren Tatsache abfinden. Kurz, es erwacht allenthalben so etwas wie Sehnsucht nach einer Opposition. Man wird des Alleinseins müde. Gerade dem Faszismus, der ja mit der stürini- schen Iugend gleichgestellt wird, kann es nicht gefallen, offene Türen einzurennen oder seine Kraft an einem nicht vorhandenen Gegner zu messen. Wo der Hieb kein Ziel mehr findet, da muh der Kampfgeist rosten.
Ein Redner hatte in seiner Verzweiflung ausgerufen, das sei eine sehr schwierige Kammer, und als Mussolini sofort mit einein schneidenden „Warum?" dazwischenfuhr, antwottete er verlegen: „Weil die Gesetze so ausgezeichnet sind, daß man nichts mehr dazu sagen kann." Eine Ausflucht, die Mussolini nicht befttedigte. „Ich werde es Ihnen selber sagen," donnerte er vom Katheder herab, „warum diese Kammer schwierig ist!" Und dann gab er eine Erläuterung, über die sich viele Erörterungen ergaben, aus denen sich ergibt, dah es schwierig ist, den schwiettgen Charakter des Rates zu beschreiben ...
Am ehesten kommt man noch mit der negativen Methode ans Ziel. Indem man aufzählt, was es jetzt alles im italienischen Parlament nicht mehr gibt. Früher war die Kammer, um es mit zwei Worten zu sagen, Schauspielhaus und Börse. Die Darsteller kamen auf ihre Rechnung und die Regisseure, das Publikum amüsierte sich, die Presse hatte einen unerschöpflichen innenpolitischen Stoff, und zahllose Existenzen, von den
wie er in Bolivien, Ekuador und Kolumbien erscheint. Ueber die Pusta Ungarns wie über viele seiner Marken fliegt der Turul dahin.
Leidenschaftliche Vogelliebhabcr sind offenbar besonders die Postgewältigen einzelner Länder. So versammeln sich allein auf Rordborneos Briefmarken Pfau, Kakadu, Rashornvogel und Kasuar: im Regerstaat Liberia Reiher, Da- nanenfresser und ein anderer Rashornvogel: auf japanischen Wertzeichen Bachstelze, Wildgans und Wanderfalke. Reiche Auswahl herrscht auch in der philatelistischen Vogelwelt Au- st r a l i e n s, wo man natürlich den Lieferanten der Damenhutfedern, den Strauß, antrifft, ferner den vergnügten Lachvogel, den musikalischen Lciervogel (Rcusüdwales): Kiwi und Kakadu (Reuseeland). Ein Papagei steht auch — allerdings nur bildlich — in postalischen Diensten der Tonga-Inseln: ein Kagu mit seiner drolligen Skalplocke prangt auf Marken Reu- kaledoniens. In Amerika finden wir noch den schönen, langschwänzigen Wappenvogel Gua- t e m a la s , den Quetzal, und in Uruguay den hochbeinigen Terutero - Vogel auf Briefmarken. Schließlich sei erwähnt, dah auf öfter- r e i ch i s ch e n Luftpostmarken ein Wettrennen zwischen Flugzeug und Kranich stattfindet und dah sich auf Postwertzeichen von Marokko und Uruguay sogar das Tier verirrt hat, an dessen bevölkerungspolitische Bedeutung heute niemand mehr glauben will: der gute alte Storch.
Wenn wir aus der Lust nun auf der Erde landen, wollen wir zuerst in Gegenden bleiben, die dem Himmel am nächsten sind, im Gebirge. Wie belebt es ist, illustriert manche Briefmarke. Dem Steinbock begegnet man in den Bergen und auf Marken der Schweiz, die Gemse ist allerdings nur von der Post des asiatischen TannuTuwa (Mongolei) porträtiert worden, wo übrigens auch das Renntier zu sehen ist. Das Lama ist von jeher das Wappen- und Markentier Perus. Antilope und Springbock sind durch das afrikanische Liberia vertreten, die Gazelle durch die diesjährigen Marken von Tripolis und Spanien, das Gnu durch Südafrika.
Mit diesen letzten Beispielen haben wir uns schon dem flachen Lande genähert, wo es nun von Driefmarkentieren nur so wimmelt. Beginnen wir mit unseren fleißigen Gehilfen, den Haustieren. Das Pferd, an das in der modernen Großstadt fast nur noch die motorisierte Pferdekraft erinnert, spielt auf Postwertzeichen noch die verschiedenartigsten Rollen. Sozusagen als Richtstuer, als bloßes Wappentier, kennt der Sammler es von den alten Marken "Braun* schweigs und Reapels her. Als meist militärisches Reittier tritt es in vielen Ländern auf, wie Oesterreich, Rumänien, Bulgarien, Rußland, Siam und vielen anderen. Im Postdienst steht es bei Bosnien, Schweden (berittener Postillion) und in den
strahlendsten bis zu den dunkelsten, zehrten so oder so von der „Volksvertretung". Mil der Trockenlegung des sumpfigen Teiches ging eine unfaßbare Menge von Lebewesen zugrunde, von den Zellenlierchen anfangen bis hinauf zu den räuberischen Hechten und dem lustigen Menschenvoll, das sich auf und um den Wasserfpiegel tummelte.
Greifen wir nur drei Hauptgruppen heraus: die Redner, die Politiker und die Iournalisten.
Da bekanntlich nur der Vortrag des Redners Glück macht — wer soll sich jetzt unter den Vierhundert glücklich fühlen? Die Modellrede ist bald gehalten, der oberste des Rates hat längst vorher alle Stichworte gegeben und die schönsten Kraststellen, die trefflichsten Paraden, die zündendsten Bonmots requiriert. Was bleibt für den Mann übrig, der an hübsch gesagten und feingesehten Worten Gefallen findet? Des Sch ön- redners Blütezeit ist dahin. Da auch alle anderen zum Thema sprechen und im Gegensatz zu gewissen anderen Parlamenten nur vom Thema gesprochen werden darf, mit den Mitteln, die auch alle anderen in der Tasche oder auf dem Pult haben — ja, perbacco, soll es da nicht schwierig sein, Applaus zu finden? Was ist aber eine Rode ohne Applaus? Das ist dasselbe wie ein römischer Weinwitt ohne Wasser.
Dann der brillante, der witzige, der Redner von Geist und Format. Wo sind die Trapeze, an denen man herumttlrnen, die Kanzeln, auf die man stürmen, die Klippen, um die man elegant tänzeln kann? Wo sind die herrlichen Schranken, in die hinabzusteigen sich lohnt, die Ränge, vor denen man filrnhaft fechten, die Handschuhe, die man, jeder Zoll ein Held, aufnehmen und die Rosen, die man an die Lippen drücken kann, ja, wo sind — die Damen in schönem Kranz? Vor leeren Tribünen sprechen heißt vor leeren Stühlen fingen.
Richt besser in Form fühlt sich der gegenpolige, der Dolksredner, wenn er sich in der faszistischsn Kammer erheben zu müssen glaubt. Keine Ausfälle gegen die Regierung, gegen andere Parteien — kein Gewieher und Getrampel und Pultdeckelgeklapper! Keine Zwischenrufe, keine Ordnungsrufe, keine Zurufe! Richt einmal eine solide Keilerei. Ich bitte Sie: eine Kammer, wo alle schon die gleiche Meinung haben! Wo aber der Widerspruch fehlt, da fehlt das Pulver auf der Pfanne.
Wir kannten auch den Gruppenredner, den am ganzen Vaterland nur eine bestimmte Schachtel mit einem bestimmten Akten- oder Aktienbündel interessierte, wie den Archivar der Abteilung Q nur die Ramen mit dem Anfangsbuchstaben Q. Der Gruppenredner starb mit dem Staat der Einheitsgruppe.
Wir kannten den technischen Redner, den eine vollkommene Ignoranz auszeichnete, ausgenommen die hydraulische Anlage von Roccacanuccia, mit der er feit drei Legislaturperioden hausieren ging. Er ging dahin.
Wir kannten alle jene Typen, die auch Sie aus Ihrem Parlament kennen, die teils zur Erheiterung der Oeffentlichkeit, teils zur Verschleuderung der Staatsgelder beitrugen, die Skandalsucher, die Krisenmacher, die verbohrten Einzelgänger, die Rationalistenfresser, die Militaristen, die Phrasendrescher, die Schreckenskinder und den ganzen Tiergarten des zeitgenössischen
Ein schwieriges Parlament
Von unserem römischen ll-Korrespondenten.
Briefmarken-Zooiogie.
Don M. Büttner.
Der gute alte Brehm, dessen hundertsten Geburtstag man in diesem Iahr feiern konnte, hätte seine Helle Freude, wenn er heute in einem gutgefüllten Markenalbum blättern könnte. Auf vielen Seiten herrscht da ein erstaunlich reges „Tierleben", dessen bunte Vielseitigkeit nichts zu wünschen übrig läht. So manchem unserer nützlichen, braven Haustiere begegnet man auf Briefmarken, noch häufiger aber den seltsamen Vertretern der ausländischen Fauna, die besonders gern von den überseeischen Postverwaltungen der übrigen Welt vorgeführt werden.
Beginnen wir einmal — um der Gefahr wissenschaftlicher Langeweile zu entrinnen — unseren kleinen Querschnitt durch die Tierwelt „von oben nach unten“, also mit dem modernsten postalischen Verkehrsgebiet, der Luft. Sie ist, wie viele Markenbilder zeigen, von einer großen Schar philatelistischen Geflügels bevölkert. Das nächstliegende Symbol für die Postbeförderung, die sanfte Taube, ist als anmutiger Briefträger seit dem Erscheinen des klassisch-wertvollen „Basler Täubchens"" im Iahre 1845 bis in unsere Tage hinein des öfteren auf Postwertzeichen zu finden, wie etwa auf Marken Deutschlands, der Tschechoslowakei, Litauens, der Riederlande, Paraguays usw. Im besonderen wird die Brieftaube neuerdings gern als Sinnbild für den Luftpostverkehr verwendet. Mit Wehmut denken wir etwa an die Mißgeburt auf den deutschen Flugpostmarken von 1922 ab, an deren Wiege nicht gerade die Grazien gestanden hatten. Iene Taubenzeichnung grenzte fchon dicht an Tierquälerei. Aber auch eine sozusagen politische Rolle als Friedenstaube lieh man das Tierchen spielen, z. B. auf den Abstimmungsmarken für Oberschlesien oder in besonders hübscher Gestalt in Iapan 1919. Eine nahe Verwandte, die schnelle Möwe, sieht man auf Marken der Rieder lande, üru* guahs und der französischen Besitzung St. Pierre und Miquelon dahinsegeln.
Als dekoratives Markenbild ist häufig auch der majestätische Adler, vielfach in stolzer Wap- penpose, anzutreffen. Man braucht nur an zahlreiche Postwertzeichen Deutschlands, Frankreichs, Modenas oder der Vereinigten Staaten zu denken. Mit einer höchst seltenen Farben-Abart, dem berühmten „weißen Adler" macht uns Polen bekannt. In einer recht ungemütlichen Situation befindet sich der Wappenadler Mexikos: Er kämpft mit einer Schlange und muh dabei noch höchst unbequem auf einem Kaktus sitzen! Den Kollegen von einer anderen Fakultät, den Fischadler, zeigt uns das afrikanische Liberia. Das amerika- nifche Gegenstück ist der Kondor mit dem an* fcheinend frisch umgebundenen, weißen Kragen,
Parlaments, älnd nun stehen wir vor einem einzigen großen Rednerfriedhof.
Ist es nötig, auszuführen, daß auf einem solchen Voden auch der Polittker nicht gedeihen kann? Schließlich ist der Redner oder der Parlamentarier nur eine seiner Entwicklungsstufen, wenn nicht der Politiker überhaupt nur ein Schatten ist, den der Abgeordnete wirft.
ilnb unsereins? Der Iournalist? Die Zeitung? Richts mehr von Krieg und Kriegsgeschrei auf den Straßen, wenn im hohen Hause die Volker aufeinanderschlugen: Die Zwischenfälle in der Kammer! Die Regierung in Krisis! Wer wird Rachfolger? Old), alles ist dahin, dahin.
Richts blieb als eine trostlose Einförmigkeit für die Oeffentlichkeit und die ernste Aufgabe für die Presse, diese Einförmigkeit als den Inbegriff des Fortschritts zu deuten. Für die Kammer selber gibt es nur ein einziges, trockenes Aufsatzthema: Arbeit.
Das Fehlen jeglicher Opposition, so erläutern es die Zeitungen, die ja den Vereinheitlichungsprozeh schon vorher durchgemacht haben, beraubt allerdings die Kammer der gerade auf den Gegensatz der Parteien aufgebauten charakteristischen Tätigkeit eines Parlaments, infolge ihrer Totalität kann ihre Funktion nicht eine politische, sondern nur eine technische sein. Aber gerade deshalb kann sie mit der Regierung in den wichtigsten Fragen reibungslos zusammen arbeiten, wie
die Debatte über die Lateranverträge gezeigt hat. Kritik tut not, selbstverständlich, jedoch muh es sich um eine gesunde, ehrliche, intelligente und nützliche Kritik handeln, nicht bloh um eine partei- oppositionelle. Sie kann also nicht von den Faszistengegnern kommen, die grundsätzlich am faszistischen Staate nicht mitarbeiten wollen, sondern nur von den staatsgläubigen Faszisten selber. Es muh eine faszistische Selbstkritik ins Leben gerufen werden! Besonders betreffs der Staatsgelder und Steuern, älnd zwar schleunigst, andernfalls — das kann man, wie gesagt, in der Regierungspresse lesen — verliere die Kammer ihre Existenzberechtigung. Bereits werden die Redner bemängelt, die sich aus der schwierigen Situation einer gleichgefinnten und daher teilnahmslosen Kammer dadurch zu retten versuchen, dah sie plötzlich, um der illustren Versammlung eine Beifallsäußerung zu entreißen, in irgendeinen Hymnus auf den Duce ausbrechen.
Dreißig Sitzungen hat der Rat abgehalten, die meisten abends und nachts und immer war Mussolini wach, förmlich auf dem Anstand, griff unzählige Male mit einem korrigierenden Zwischenruf ein. Ein Iagdherr. der feinen Schießer durchgehen läßt. Wirklich, ein schwieriges Revier.
Wie mag sich diese eigenartige Kammer noch entwickeln? Von einet Ständekammer, wie sie ursprünglich gedacht war, ist schon keine Rede mehr.
Die Druckerei
für Keilschrift und Dreipfennigmarken.
50 ZahreReichsdruckerei.— Aus derLieferliste. BanknoLen,Briefmarken,Lotterie- lose, exotische Wörterbücher, Kupferstiche, Warenkataloge und Landkarten. — Ein Betrieb mit 4000 Personen und 1400 Maschinen.
Don Walter Gersky.
Eine glatte, schmucklose Fassade kehrt der riesige Häuserblock, der mitten im Geschäftsviertel von Berlin liegt, dem Vorübergehenden zu. Die hochaufstrebenden Mauern, die von allen überflüssigen Verzierungen freien Wände atmen den Geist der neuen Sachlichkeit. Schreitet man bann durch die Eingangspforte dieses Häuserblocks, glaubt man, sich in einem besonderen Stadtviertel zu befinden. Rastlose Arbeit erfüllt alle Räume dieses ungeheuren Detriabes, den man kurzweg Reichsdruckerei zu nennen pflegt. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Reihe von modernsten Druckereien, Duchbinderwerkstätten, chemischen Laboratorien und lithographischen Betrieben. Dieser Tage konnte die Reichsdruckerei auf eine fünfzigjährige Tätigkeit zurückblicken: in den letzten Iahren hat sie einen Aufschwung genommen, den niemand vorausahnen konnte. Zwar war die preußische Staatsdruckerei auch schon ein recht ansehnlicher Betrieb, als sie im Iahre 1879 mit der vom Reich erworbenen R. von Deckerschen Geheimen Oberhofbuchdruckerei vereinigt wurde. Beide Betriebe bildeten zusammen die neue Reichsdruckerei. Die Beamten der Deckerschen Druckerei blickten aber noch immer ein wenig geringschätzig auf ihre neuen Kollegen, denn die Oberhofbuchdruckerei erfreute sich eines beträchtlichen Alters: sie ist bereits im Iahre 1763 gegründet worden. Der damalige General- Postmeister v. Stephan konnte das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, die Verschmelzung der beiden Druckereien bewerkstelligt zu haben.
Vereinigten Staaten. Als Zugtier quält es sich u. a. auf Marken von Deutschland, Dänemark, Rumänien. Förmliche Pferderennen, nach olympischer Art, wurden auf Marken Griechenlands oder Belgiens veranstaltet. Das Schlachtroß bemerkt man z. B. auf kriegerischen Markenbildern von Portugal oder Chile. Der in die preußischen Farben gekleidete Vetter aus der Pferd?familie, das Zebra, aus dem portugiesischen Rhassaland, sei nicht vergessen.
Von anderen Haustteren ist besonders häufig das Rind als Briefmarkenmotiv verwendet worden. Der Ochsenkopf im Wappen Mecklenburgs, der Moldau und des Schweizer Kantons M r i ist den Sammlern bekannt. Sonst betätigt sich der brave Mitarbeiter der Landwirtschaft meist vor dem Pfluge, wie es etwa auf Postwertzeichen von Belgien, Bulgarien, Aegypten oder Kuba zu sehen ist. An die Milchwirtschaft erinnern die Rinderherden auf Marken von Mozambique, Belgisch- Ko n g o oder Uruguay. Den gewaltigen Büffel führen uns die Vereinigten Staa- t e n und Liberia vor. Das angeblich so geduldige Schaf ist der philatelistischen Ehrung merkwürdigerweise nur in Marokko. Tripolis, Tannu Tuwa und Uruguay teilhaftig geworden. Der Hund erscheint im Sanitätsdienst auf Marken d es S a a r g e b i e t s, der schone Kopf eines richtigen Reufundländers natürlich auf Reufundland! Richt nur als Kosewort, sondern auch als unermüdliche Last- träger werden Esel und Kamel benutzt, die auch auf Briefmarken auf tauchen. Der Maulesel ist in Bosnien. Marokko und den Vereinigten Staaten postalisch abgebildet worden, das Kamel in vielen exotischen Ländern, von denen nur die französischen Kolonien in Afrika, wie Obock, Somaliküste, Senegal, ferner Sudan, Tripolis, Irak, Ryassaland genannt fein.
Von den Tieren des Waldes findet man den Hirsch auf Wertzeichen von Württemberg, Reukaledonien und — als besonders gut geratenes Kopfbild— Rordborneo. den entfernt verwandten Elch auf Neufundland. Ein unsympathisch aussehendes Wildschwein tobt * sich ebenfalls auf einer QKarfe Rordborneos aus. Das gleiche Land stellt uns einen feiner stattlichen Bären vor (der übrigens auch mehrfach auf den schweizerischen Wappenmarken erschienen ist), ferner einen knüppel- fchwingenden Orang-ältan, das afrikanische Liberia einen Schimpansen und Madagaskar einen Affen kleineren Formats. Aus einer Ausgabe von Franzosisch-Guiana beschäftigt sich ein Ameisenbär, der ja nur ein Namensvetter jenes anderen ist, sonst aber mit ihm „nicht in einen Topf geworfen werden kann", wie man sagt.
Mit der gebotenen Vorsicht treten wir dann an die wenigen harmlosen Vertreter der Tier-
Die neue Che erwies sich als sehr glücklich, denn in den fünfzig Iahren, die seit der Vereinigung verflossen sind, hat die Reichsdruckerei einen beispiellosen Aufstieg genommen.
Man wundert fich nicht mehr über den großen Gebäudekomplex, den die Reichsdruckerei einnimmt, wenn man erfährt, wieviel verschiedene Aufträge dort erledigt werden. Richt allein Banknoten, Wertpapiere, Postkarten, Briefmarken und Banderolen werden dort hergestellt. Die Reichsdruckerei liefert auch Lotterielose. Aktien, Urkunden, Reichsgesehblätter, sämtliche Reichstagsdrucksachen, amtliche Vordrucke und Gesetzentwürfe. Daneben werden dort sämtliche Postscheckkundenver- z e i ch n i s s e. das Berliner Fernsprechbuch und das Reichskursbuch gedruckt. Diese verschiedenen Aufträge, die vom Reich erteilt werden, würden fchon genügen, um einen Druckerei-Großbetrieb zu beschäftigen. Die Reichsdruckerei gibt sich aber noch nicht mit dieser Tätigkeit allein zufrieden. Obwohl sie mit der Privatindustrie niemals in Konkurrenz tritt und nur solche Arbeiten übernimmt, für die sie durch ihre Spezialmaschinen und besonderen Verfahren gewissermaßen ein Monopol besitzt, geht ihr Tätigkeitsbereich noch viel weiter.
Ein Rundgang durch die verschiedenen Betriebe führt dem Außenstehenden vor Augen, welche mühselige, aber auch technisch und künstlerisch hochstehende Arbeit hier geleistet wird.
Welt heran, denen man nicht gerade gern abends begegnen mochte. Der König des Tierreichs treibt auf Briefmarken derart herdenweise sein Wesen, daß alle seine Wirkungsstätten hier nicht aufgezählt werden können. Den zeichnerisch mehr oder minder mißhandelten Wappenlöwen kennt man bei Baden, Bayern, Danzig, Bulgarien, Finnland usw. Eine Krone trug er sogar in Toskana 1849, ein Beil in Rorwegen 1855, und besonders elegant trat er auf den ersten Marken von Paraguay auf, nämlich mit Stock und Mütze. Mit dem raublustigen Tiger schmückten die Postverwaltungen der verschiedenen Malahenstaaten, Französisch-Kongos usw. anheimelnd ihre Marken, Liberia mit einem nicht eben freundlich lächelnden Leoparden. Der Wolf findet sich auf Kreta und in der Türkei, die historische Wölfin Roms auf Marken von Fiume und der neuesten Ausgabe Italiens. Als gutfüllendes Markenmotiv ist die korpulente Gestalt des Elefanten sehr beliebt, so daß er über zahlreiche Marken afrikanischer und asiatischer Länder schreitet, wie z. D. Abessinien, Delgisch-Kongo, Dri - tisch-Indien, Rordborneo und viele andere. Einen kleinen körperlichen Gegensatz zu ihm bildet die ..schlanke Linie" der Giraffe, die auch im Mattenalbum bei Rordrhodesia, Rhassa. Tanganyika usw. heimisch geworden ist. Das Känguruh sieht man natürlich auf Postwertzeichen von A u st r a l i e n und Reusüdwales hocken. Wenig auf ein klassisches Profil einbilden kann sich das Rashom, wie cs uns die Post von Liberia und Rordborneo zeigt. Beide Länder machen übrigens den Markensammler noch mit seltenen Tieren, wie Palmenmarder und Schabrackentier, bekannt.
Die Fauna, die im Wasser lebt ober doch feuchte Gegenden liebt, ist in der Philatelie etwas weniger zahlreich, aber immerhin noch vielseitig genug vertreten. Da tummeln sich Fische auf Marken Schwedens. Chinas oderReu- f u n d l a n d s (Dorsch). Bei Liberia lernen wir sogar den merkwürdigen Kletterfisch kennen. In demselben reichhaltigen Tierparadies leben auch Flußpferd, Eidechse und Krokodil, das im übrigen auch noch auf Marken von Rordborneo, Labuan und Jamaika (im Wappen) die Zähne fletscht. Die Schlange findet sich als sonderbarer Markenschutz bei Portugal (1898), der englischen Insel St. Lucia und abermals bei Liberia. Auf Reufundland gibt es nicht nur Reufundländer, sondern — laut Briefmarke — auch Seehunde. Saubere Eisbären find auf norwegischen und dänischen Wertzeichen (Paketmatten für Grönland) dargestellt. Tasmanien wartet mit seinem Schnabeltier, Kanada mit seinem Biber auf. Ein Schwan spielt auf Postmatten von Französisch-Indien eine mythologische Rolle, während Westaustralien seinen berühmten schwarzen Bruder im Mattenwappen führt:


