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11.7.1929
 
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Nr. M Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Donnerstag, N. Zuli 1929

Rom. Anfang Juli.

Der Rat der Vierhundert ist in seine ersten Ferien gegangen und hat nun Muhe, darüber nachzudenten, warum und wieso er seinen Vor­gängern überlegen ist. Und inwiefern die Sommer­frische von der römischen Tagung abweicht. Die Oeffentlichkeit merkt nämlich kaum einen älnter- schied. ,

Auch viele der Herren Deputierten werden das Gefühl nicht los, eine wesenlose Erscheinung abgegeben zu haben. Der Ton, um es ohren- gefälliger zu sagen, blieb unangenehm in der Luft hängen es fehlte der Resonanzboden. Der Resonanzboden eines Parlaments ist die Opposition, und eine Geige ohne Resonanzboden hat kein Rückgrat. Zuweilen versuchte zwar der Duce, auch dieses Amt noch zu übernehmen, aber fein Autoritätswille scheiterte an der hun­dertprozentigen Vaterähnlichkeit seines parlamen­tarischen Erstlings. Rur zu gut hatte man die ersehnteTotalität" erreicht: wenn, wie die fa- Izistische Doktrin lautet, der Faszismus Italien und Italien der Duce ist, so läht sich schwer vovstellen, wie der in vierhundert Teilchen zer­legte Ducc etwas Besseres ergeben soll, als der einheitliche Mussolini. Wozu die Aufteilung in vierhundert Redner, wenn alle zusammen nur dieselbe Stimme ergeben wie die Kehle des Führers? Wozu vierhundert Blätter ver­teilen, wenn das Buch schon gebunden vorliegt? Wozu ein faszistisches Parlament, wenn nur ein Faszist entscheidet. .

Fragen, die in Rom herumschwirren wie die Schwalben. Zuwellen hott man, Mussolini habe ja nur ein Experiment gemacht, vorsichtige Stimm- chen flüstern, er selbst habe einmal in der vorigen Kammer die Rotwendigkeit einer Opposition be­tont. älnd in einer seiner letzten Reden deutete er an, die Ausnahmegesetze abbauen zu wollen unter der Bedingung, daß sich die Gegner mit dem faszistischsn Alleinregime als einer unan­tastbaren Tatsache abfinden. Kurz, es erwacht allenthalben so etwas wie Sehnsucht nach einer Opposition. Man wird des Alleinseins müde. Gerade dem Faszismus, der ja mit der stürini- schen Iugend gleichgestellt wird, kann es nicht gefallen, offene Türen einzurennen oder seine Kraft an einem nicht vorhandenen Gegner zu messen. Wo der Hieb kein Ziel mehr findet, da muh der Kampfgeist rosten.

Ein Redner hatte in seiner Verzweiflung aus­gerufen, das sei eine sehr schwierige Kammer, und als Mussolini sofort mit einein schneidenden Warum?" dazwischenfuhr, antwottete er ver­legen:Weil die Gesetze so ausgezeichnet sind, daß man nichts mehr dazu sagen kann." Eine Ausflucht, die Mussolini nicht befttedigte.Ich werde es Ihnen selber sagen," donnerte er vom Katheder herab,warum diese Kammer schwierig ist!" Und dann gab er eine Erläuterung, über die sich viele Erörterungen ergaben, aus denen sich ergibt, dah es schwierig ist, den schwiettgen Charakter des Rates zu beschreiben ...

Am ehesten kommt man noch mit der negativen Methode ans Ziel. Indem man aufzählt, was es jetzt alles im italienischen Parlament nicht mehr gibt. Früher war die Kammer, um es mit zwei Worten zu sagen, Schauspielhaus und Börse. Die Darsteller kamen auf ihre Rechnung und die Regisseure, das Publikum amüsierte sich, die Presse hatte einen unerschöpflichen innenpoliti­schen Stoff, und zahllose Existenzen, von den

wie er in Bolivien, Ekuador und Ko­lumbien erscheint. Ueber die Pusta Un­garns wie über viele seiner Marken fliegt der Turul dahin.

Leidenschaftliche Vogelliebhabcr sind offenbar besonders die Postgewältigen einzelner Länder. So versammeln sich allein auf Rordborneos Briefmarken Pfau, Kakadu, Rashornvogel und Kasuar: im Regerstaat Liberia Reiher, Da- nanenfresser und ein anderer Rashornvogel: auf japanischen Wertzeichen Bachstelze, Wild­gans und Wanderfalke. Reiche Auswahl herrscht auch in der philatelistischen Vogelwelt Au- st r a l i e n s, wo man natürlich den Lieferanten der Damenhutfedern, den Strauß, antrifft, fer­ner den vergnügten Lachvogel, den musikali­schen Lciervogel (Rcusüdwales): Kiwi und Ka­kadu (Reuseeland). Ein Papagei steht auch allerdings nur bildlich in postalischen Dien­sten der Tonga-Inseln: ein Kagu mit seiner drolligen Skalplocke prangt auf Marken Reu- kaledoniens. In Amerika finden wir noch den schönen, langschwänzigen Wappenvogel Gua- t e m a la s , den Quetzal, und in Uruguay den hochbeinigen Terutero - Vogel auf Brief­marken. Schließlich sei erwähnt, dah auf öfter- r e i ch i s ch e n Luftpostmarken ein Wettrennen zwischen Flugzeug und Kranich stattfindet und dah sich auf Postwertzeichen von Marokko und Uruguay sogar das Tier verirrt hat, an dessen bevölkerungspolitische Bedeutung heute nie­mand mehr glauben will: der gute alte Storch.

Wenn wir aus der Lust nun auf der Erde landen, wollen wir zuerst in Gegenden bleiben, die dem Himmel am nächsten sind, im Gebirge. Wie belebt es ist, illustriert manche Briefmarke. Dem Steinbock begegnet man in den Bergen und auf Marken der Schweiz, die Gemse ist allerdings nur von der Post des asiatischen TannuTuwa (Mongolei) porträtiert worden, wo übrigens auch das Renntier zu sehen ist. Das Lama ist von jeher das Wappen- und Markentier Perus. Antilope und Springbock sind durch das afrikanische Liberia vertreten, die Gazelle durch die diesjährigen Marken von Tripolis und Spanien, das Gnu durch Südafrika.

Mit diesen letzten Beispielen haben wir uns schon dem flachen Lande genähert, wo es nun von Driefmarkentieren nur so wimmelt. Be­ginnen wir mit unseren fleißigen Gehilfen, den Haustieren. Das Pferd, an das in der modernen Großstadt fast nur noch die motorisierte Pferde­kraft erinnert, spielt auf Postwertzeichen noch die verschiedenartigsten Rollen. Sozusagen als Richtstuer, als bloßes Wappentier, kennt der Sammler es von den alten Marken "Braun* schweigs und Reapels her. Als meist mili­tärisches Reittier tritt es in vielen Ländern auf, wie Oesterreich, Rumänien, Bul­garien, Rußland, Siam und vielen an­deren. Im Postdienst steht es bei Bosnien, Schweden (berittener Postillion) und in den

strahlendsten bis zu den dunkelsten, zehrten so oder so von derVolksvertretung". Mil der Trockenlegung des sumpfigen Teiches ging eine unfaßbare Menge von Lebewesen zugrunde, von den Zellenlierchen anfangen bis hinauf zu den räuberischen Hechten und dem lustigen Menschen­voll, das sich auf und um den Wasserfpiegel tummelte.

Greifen wir nur drei Hauptgruppen heraus: die Redner, die Politiker und die Iournalisten.

Da bekanntlich nur der Vortrag des Redners Glück macht wer soll sich jetzt unter den Vier­hundert glücklich fühlen? Die Modellrede ist bald gehalten, der oberste des Rates hat längst vor­her alle Stichworte gegeben und die schönsten Kraststellen, die trefflichsten Paraden, die zün­dendsten Bonmots requiriert. Was bleibt für den Mann übrig, der an hübsch gesagten und feingesehten Worten Gefallen findet? Des Sch ön- redners Blütezeit ist dahin. Da auch alle an­deren zum Thema sprechen und im Gegensatz zu gewissen anderen Parlamenten nur vom Thema gesprochen werden darf, mit den Mitteln, die auch alle anderen in der Tasche oder auf dem Pult haben ja, perbacco, soll es da nicht schwierig sein, Applaus zu finden? Was ist aber eine Rode ohne Applaus? Das ist dasselbe wie ein römischer Weinwitt ohne Wasser.

Dann der brillante, der witzige, der Redner von Geist und Format. Wo sind die Trapeze, an denen man herumttlrnen, die Kanzeln, auf die man stürmen, die Klippen, um die man elegant tänzeln kann? Wo sind die herrlichen Schranken, in die hinabzusteigen sich lohnt, die Ränge, vor denen man filrnhaft fechten, die Handschuhe, die man, jeder Zoll ein Held, aufnehmen und die Rosen, die man an die Lippen drücken kann, ja, wo sind die Damen in schönem Kranz? Vor leeren Tribünen sprechen heißt vor leeren Stühlen fingen.

Richt besser in Form fühlt sich der gegenpolige, der Dolksredner, wenn er sich in der faszistischsn Kammer erheben zu müssen glaubt. Keine Aus­fälle gegen die Regierung, gegen andere Par­teien kein Gewieher und Getrampel und Pult­deckelgeklapper! Keine Zwischenrufe, keine Ord­nungsrufe, keine Zurufe! Richt einmal eine solide Keilerei. Ich bitte Sie: eine Kammer, wo alle schon die gleiche Meinung haben! Wo aber der Widerspruch fehlt, da fehlt das Pulver auf der Pfanne.

Wir kannten auch den Gruppenredner, den am ganzen Vaterland nur eine bestimmte Schachtel mit einem bestimmten Akten- oder Aktienbündel interessierte, wie den Archivar der Abteilung Q nur die Ramen mit dem Anfangsbuchstaben Q. Der Gruppenredner starb mit dem Staat der Ein­heitsgruppe.

Wir kannten den technischen Redner, den eine vollkommene Ignoranz auszeichnete, ausgenom­men die hydraulische Anlage von Roccacanuccia, mit der er feit drei Legislaturperioden hausieren ging. Er ging dahin.

Wir kannten alle jene Typen, die auch Sie aus Ihrem Parlament kennen, die teils zur Er­heiterung der Oeffentlichkeit, teils zur Ver­schleuderung der Staatsgelder beitrugen, die Skandalsucher, die Krisenmacher, die verbohrten Einzelgänger, die Rationalistenfresser, die Mili­taristen, die Phrasendrescher, die Schreckenskinder und den ganzen Tiergarten des zeitgenössischen

Ein schwieriges Parlament

Von unserem römischen ll-Korrespondenten.

Briefmarken-Zooiogie.

Don M. Büttner.

Der gute alte Brehm, dessen hundertsten Ge­burtstag man in diesem Iahr feiern konnte, hätte seine Helle Freude, wenn er heute in einem gutgefüllten Markenalbum blättern könnte. Auf vielen Seiten herrscht da ein erstaunlich reges Tierleben", dessen bunte Vielseitigkeit nichts zu wünschen übrig läht. So manchem unserer nütz­lichen, braven Haustiere begegnet man auf Brief­marken, noch häufiger aber den seltsamen Ver­tretern der ausländischen Fauna, die besonders gern von den überseeischen Postverwaltungen der übrigen Welt vorgeführt werden.

Beginnen wir einmal um der Gefahr wissen­schaftlicher Langeweile zu entrinnen unseren kleinen Querschnitt durch die Tierweltvon oben nach unten, also mit dem modernsten postalischen Verkehrsgebiet, der Luft. Sie ist, wie viele Markenbilder zeigen, von einer großen Schar philatelistischen Geflügels bevölkert. Das nächstliegende Symbol für die Postbeförderung, die sanfte Taube, ist als anmutiger Briefträger seit dem Erscheinen des klassisch-wertvollenBas­ler Täubchens"" im Iahre 1845 bis in unsere Tage hinein des öfteren auf Postwertzeichen zu finden, wie etwa auf Marken Deutschlands, der Tschechoslowakei, Litauens, der Riederlande, Paraguays usw. Im be­sonderen wird die Brieftaube neuerdings gern als Sinnbild für den Luftpostverkehr verwendet. Mit Wehmut denken wir etwa an die Mißgeburt auf den deutschen Flugpostmarken von 1922 ab, an deren Wiege nicht gerade die Grazien ge­standen hatten. Iene Taubenzeichnung grenzte fchon dicht an Tierquälerei. Aber auch eine so­zusagen politische Rolle als Friedenstaube lieh man das Tierchen spielen, z. B. auf den Ab­stimmungsmarken für Oberschlesien oder in besonders hübscher Gestalt in Iapan 1919. Eine nahe Verwandte, die schnelle Möwe, sieht man auf Marken der Rieder lande, üru* guahs und der französischen Besitzung St. Pierre und Miquelon dahinsegeln.

Als dekoratives Markenbild ist häufig auch der majestätische Adler, vielfach in stolzer Wap- penpose, anzutreffen. Man braucht nur an zahl­reiche Postwertzeichen Deutschlands, Frankreichs, Modenas oder der Ver­einigten Staaten zu denken. Mit einer höchst seltenen Farben-Abart, dem berühmten weißen Adler" macht uns Polen bekannt. In einer recht ungemütlichen Situation befindet sich der Wappenadler Mexikos: Er kämpft mit einer Schlange und muh dabei noch höchst unbequem auf einem Kaktus sitzen! Den Kollegen von einer anderen Fakultät, den Fischadler, zeigt uns das afrikanische Liberia. Das amerika- nifche Gegenstück ist der Kondor mit dem an* fcheinend frisch umgebundenen, weißen Kragen,

Parlaments, älnd nun stehen wir vor einem einzigen großen Rednerfriedhof.

Ist es nötig, auszuführen, daß auf einem solchen Voden auch der Polittker nicht gedeihen kann? Schließlich ist der Redner oder der Parla­mentarier nur eine seiner Entwicklungsstufen, wenn nicht der Politiker überhaupt nur ein Schatten ist, den der Abgeordnete wirft.

ilnb unsereins? Der Iournalist? Die Zeitung? Richts mehr von Krieg und Kriegsgeschrei auf den Straßen, wenn im hohen Hause die Volker aufeinanderschlugen: Die Zwischenfälle in der Kammer! Die Regierung in Krisis! Wer wird Rachfolger? Old), alles ist dahin, dahin.

Richts blieb als eine trostlose Einförmigkeit für die Oeffentlichkeit und die ernste Aufgabe für die Presse, diese Einförmigkeit als den Inbegriff des Fortschritts zu deuten. Für die Kammer selber gibt es nur ein einziges, trockenes Aufsatz­thema: Arbeit.

Das Fehlen jeglicher Opposition, so erläutern es die Zeitungen, die ja den Vereinheitlichungs­prozeh schon vorher durchgemacht haben, beraubt allerdings die Kammer der gerade auf den Gegen­satz der Parteien aufgebauten charakteristischen Tätigkeit eines Parlaments, infolge ihrer Totali­tät kann ihre Funktion nicht eine politische, son­dern nur eine technische sein. Aber gerade des­halb kann sie mit der Regierung in den wichtig­sten Fragen reibungslos zusammen arbeiten, wie

die Debatte über die Lateranverträge gezeigt hat. Kritik tut not, selbstverständlich, jedoch muh es sich um eine gesunde, ehrliche, intelligente und nützliche Kritik handeln, nicht bloh um eine partei- oppositionelle. Sie kann also nicht von den Faszistengegnern kommen, die grundsätzlich am faszistischen Staate nicht mitarbeiten wollen, son­dern nur von den staatsgläubigen Faszisten selber. Es muh eine faszistische Selbstkritik ins Leben gerufen werden! Besonders betreffs der Staats­gelder und Steuern, älnd zwar schleunigst, an­dernfalls das kann man, wie gesagt, in der Regierungspresse lesen verliere die Kammer ihre Existenzberechtigung. Bereits werden die Redner bemängelt, die sich aus der schwierigen Situation einer gleichgefinnten und daher teil­nahmslosen Kammer dadurch zu retten versuchen, dah sie plötzlich, um der illustren Versammlung eine Beifallsäußerung zu entreißen, in irgend­einen Hymnus auf den Duce ausbrechen.

Dreißig Sitzungen hat der Rat abgehalten, die meisten abends und nachts und immer war Mussolini wach, förmlich auf dem Anstand, griff unzählige Male mit einem korrigierenden Zwischen­ruf ein. Ein Iagdherr. der feinen Schießer durch­gehen läßt. Wirklich, ein schwieriges Revier.

Wie mag sich diese eigenartige Kammer noch entwickeln? Von einet Ständekammer, wie sie ursprünglich gedacht war, ist schon keine Rede mehr.

Die Druckerei

für Keilschrift und Dreipfennigmarken.

50 ZahreReichsdruckerei. Aus derLieferliste. BanknoLen,Briefmarken,Lotterie- lose, exotische Wörterbücher, Kupferstiche, Warenkataloge und Landkarten. Ein Betrieb mit 4000 Personen und 1400 Maschinen.

Don Walter Gersky.

Eine glatte, schmucklose Fassade kehrt der rie­sige Häuserblock, der mitten im Geschäftsviertel von Berlin liegt, dem Vorübergehenden zu. Die hochaufstrebenden Mauern, die von allen über­flüssigen Verzierungen freien Wände atmen den Geist der neuen Sachlichkeit. Schreitet man bann durch die Eingangspforte dieses Häuserblocks, glaubt man, sich in einem besonderen Stadtviertel zu befinden. Rastlose Arbeit erfüllt alle Räume dieses ungeheuren Detriabes, den man kurzweg Reichsdruckerei zu nennen pflegt. In Wirk­lichkeit handelt es sich um eine Reihe von mo­dernsten Druckereien, Duchbinderwerkstätten, che­mischen Laboratorien und lithographischen Be­trieben. Dieser Tage konnte die Reichsdruckerei auf eine fünfzigjährige Tätigkeit zurückblicken: in den letzten Iahren hat sie einen Aufschwung genommen, den niemand vorausahnen konnte. Zwar war die preußische Staatsdruckerei auch schon ein recht ansehnlicher Betrieb, als sie im Iahre 1879 mit der vom Reich erworbenen R. von Deckerschen Geheimen Oberhofbuchdruckerei vereinigt wurde. Beide Betriebe bildeten zu­sammen die neue Reichsdruckerei. Die Beamten der Deckerschen Druckerei blickten aber noch immer ein wenig geringschätzig auf ihre neuen Kollegen, denn die Oberhofbuchdruckerei erfreute sich eines beträchtlichen Alters: sie ist bereits im Iahre 1763 gegründet worden. Der damalige General- Postmeister v. Stephan konnte das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, die Verschmelzung der beiden Druckereien bewerkstelligt zu haben.

Vereinigten Staaten. Als Zugtier quält es sich u. a. auf Marken von Deutschland, Dänemark, Rumänien. Förmliche Pferde­rennen, nach olympischer Art, wurden auf Mar­ken Griechenlands oder Belgiens ver­anstaltet. Das Schlachtroß bemerkt man z. B. auf kriegerischen Markenbildern von Portugal oder Chile. Der in die preußischen Farben gekleidete Vetter aus der Pferd?familie, das Zebra, aus dem portugiesischen Rhassaland, sei nicht vergessen.

Von anderen Haustteren ist besonders häufig das Rind als Briefmarkenmotiv verwendet wor­den. Der Ochsenkopf im Wappen Mecklen­burgs, der Moldau und des Schweizer Kan­tons M r i ist den Sammlern bekannt. Sonst betätigt sich der brave Mitarbeiter der Land­wirtschaft meist vor dem Pfluge, wie es etwa auf Postwertzeichen von Belgien, Bulgarien, Aegypten oder Kuba zu sehen ist. An die Milchwirtschaft erinnern die Rinderherden auf Marken von Mozambique, Belgisch- Ko n g o oder Uruguay. Den gewaltigen Büffel führen uns die Vereinigten Staa- t e n und Liberia vor. Das angeblich so ge­duldige Schaf ist der philatelistischen Ehrung merkwürdigerweise nur in Marokko. Tri­polis, Tannu Tuwa und Uruguay teil­haftig geworden. Der Hund erscheint im Sani­tätsdienst auf Marken d es S a a r g e b i e t s, der schone Kopf eines richtigen Reufundländers na­türlich auf Reufundland! Richt nur als Kosewort, sondern auch als unermüdliche Last- träger werden Esel und Kamel benutzt, die auch auf Briefmarken auf tauchen. Der Maulesel ist in Bosnien. Marokko und den Ver­einigten Staaten postalisch abgebildet wor­den, das Kamel in vielen exotischen Ländern, von denen nur die französischen Kolo­nien in Afrika, wie Obock, Somaliküste, Senegal, ferner Sudan, Tripolis, Irak, Ryassaland ge­nannt fein.

Von den Tieren des Waldes findet man den Hirsch auf Wertzeichen von Württemberg, Reukaledonien und als besonders gut geratenes Kopfbild Rordborneo. den ent­fernt verwandten Elch auf Neufundland. Ein unsympathisch aussehendes Wildschwein tobt * sich ebenfalls auf einer QKarfe Rordborneos aus. Das gleiche Land stellt uns einen feiner stattlichen Bären vor (der übrigens auch mehr­fach auf den schweizerischen Wappen­marken erschienen ist), ferner einen knüppel- fchwingenden Orang-ältan, das afrikanische Li­beria einen Schimpansen und Madagaskar einen Affen kleineren Formats. Aus einer Aus­gabe von Franzosisch-Guiana beschäftigt sich ein Ameisenbär, der ja nur ein Namensvetter jenes anderen ist, sonst aber mit ihmnicht in einen Topf geworfen werden kann", wie man sagt.

Mit der gebotenen Vorsicht treten wir dann an die wenigen harmlosen Vertreter der Tier-

Die neue Che erwies sich als sehr glücklich, denn in den fünfzig Iahren, die seit der Vereinigung verflossen sind, hat die Reichsdruckerei einen beispiellosen Aufstieg genommen.

Man wundert fich nicht mehr über den großen Gebäudekomplex, den die Reichsdruckerei ein­nimmt, wenn man erfährt, wieviel verschiedene Aufträge dort erledigt werden. Richt allein Banknoten, Wertpapiere, Postkar­ten, Briefmarken und Banderolen werden dort hergestellt. Die Reichsdruckerei lie­fert auch Lotterielose. Aktien, Ur­kunden, Reichsgesehblätter, sämtliche Reichstagsdrucksachen, amtliche Vor­drucke und Gesetzentwürfe. Daneben wer­den dort sämtliche Postscheckkundenver- z e i ch n i s s e. das Berliner Fernsprechbuch und das Reichskursbuch gedruckt. Diese verschiedenen Aufträge, die vom Reich erteilt werden, würden fchon genügen, um einen Drucke­rei-Großbetrieb zu beschäftigen. Die Reichs­druckerei gibt sich aber noch nicht mit dieser Tätigkeit allein zufrieden. Obwohl sie mit der Privatindustrie niemals in Konkurrenz tritt und nur solche Arbeiten übernimmt, für die sie durch ihre Spezialmaschinen und besonderen Verfahren gewissermaßen ein Monopol besitzt, geht ihr Tätigkeitsbereich noch viel weiter.

Ein Rundgang durch die verschiedenen Be­triebe führt dem Außenstehenden vor Augen, welche mühselige, aber auch technisch und künst­lerisch hochstehende Arbeit hier geleistet wird.

Welt heran, denen man nicht gerade gern abends begegnen mochte. Der König des Tierreichs treibt auf Briefmarken derart herdenweise sein Wesen, daß alle seine Wirkungsstätten hier nicht aufge­zählt werden können. Den zeichnerisch mehr oder minder mißhandelten Wappenlöwen kennt man bei Baden, Bayern, Danzig, Bulga­rien, Finnland usw. Eine Krone trug er sogar in Toskana 1849, ein Beil in Rorwegen 1855, und besonders elegant trat er auf den ersten Marken von Paraguay auf, nämlich mit Stock und Mütze. Mit dem raublustigen Tiger schmückten die Postverwaltungen der verschie­denen Malahenstaaten, Französisch-Kon­gos usw. anheimelnd ihre Marken, Liberia mit einem nicht eben freundlich lächelnden Leoparden. Der Wolf findet sich auf Kreta und in der Türkei, die historische Wölfin Roms auf Mar­ken von Fiume und der neuesten Ausgabe Italiens. Als gutfüllendes Markenmotiv ist die korpulente Gestalt des Elefanten sehr be­liebt, so daß er über zahlreiche Marken afrika­nischer und asiatischer Länder schreitet, wie z. D. Abessinien, Delgisch-Kongo, Dri - tisch-Indien, Rordborneo und viele andere. Einen kleinen körperlichen Gegensatz zu ihm bildet die ..schlanke Linie" der Giraffe, die auch im Mattenalbum bei Rordrhodesia, Rhassa. Tanganyika usw. heimisch ge­worden ist. Das Känguruh sieht man natürlich auf Postwertzeichen von A u st r a l i e n und Reusüdwales hocken. Wenig auf ein klassi­sches Profil einbilden kann sich das Rashom, wie cs uns die Post von Liberia und Rordborneo zeigt. Beide Länder machen übrigens den Mar­kensammler noch mit seltenen Tieren, wie Pal­menmarder und Schabrackentier, bekannt.

Die Fauna, die im Wasser lebt ober doch feuchte Gegenden liebt, ist in der Philatelie etwas weniger zahlreich, aber immerhin noch vielseitig genug vertreten. Da tummeln sich Fische auf Marken Schwedens. Chinas oderReu- f u n d l a n d s (Dorsch). Bei Liberia lernen wir sogar den merkwürdigen Kletterfisch kennen. In demselben reichhaltigen Tierparadies leben auch Flußpferd, Eidechse und Krokodil, das im übri­gen auch noch auf Marken von Rordborneo, Labuan und Jamaika (im Wappen) die Zähne fletscht. Die Schlange findet sich als sonderbarer Markenschutz bei Portugal (1898), der eng­lischen Insel St. Lucia und abermals bei Libe­ria. Auf Reufundland gibt es nicht nur Reu­fundländer, sondern laut Briefmarke auch Seehunde. Saubere Eisbären find auf norwegi­schen und dänischen Wertzeichen (Paketmatten für Grönland) dargestellt. Tasmanien wartet mit seinem Schnabeltier, Kanada mit seinem Biber auf. Ein Schwan spielt auf Postmatten von Französisch-Indien eine mytholo­gische Rolle, während Westaustralien seinen berühmten schwarzen Bruder im Mattenwappen führt: