Ausgabe 
11.5.1929
 
Einzelbild herunterladen

26prozentigen Einfuhrabgabe, die für Gutschrift auf die deutschen Jahresleistungen von England und Frankreich vorweg erhoben wird. Wesentlicher sind die drei restlichen Vorbehalte, die sich auf das Funktionieren des neuen, an die Stelle des Dawcs- abkommens tretenden Young-Plans selber be» ziehen. So soll dieser Zahlungsplan im Falle einer Verschlechterung der deutschen Wirtschaftslage auf Antrag Deutschlands abgeändert werden können. Er erhält also damit auch wieder einen nur provi­sorischen Charakter. Das Ziel der Reparationskon- . ferenz, die Schaffung eines Definitivums, wird mit ' der Annahme dieses deutschen Vorbehalts hinfällig.

Selbstverständlich bei der nun doch eingetretenen Verbindung von Reparationen und Kriegsschulden ist Deutschlands Forderung, den gleichen Schulden- nachlaß zu erhalten, den Amerika später etwa seinen Schuldnern, Deutschlands Gläubigern, ein­räumt. Vielleicht der wichtigste Vorbehalt betrifft den Transferschutz für den größeren Teil der deutschen Jahresleistungen. Auf Antrag Deutsch­lands soll der Aufsichtsrat der Reparationsbank, der hier an Stelle des Transferkomitees treten würde, nicht nur für die Uebertragung der deutschen Zah­lungen, sondern auch für ihre Aufbringung ein mehrjähriges Moratorium gewähren können, wenn sich aus dem Transfer oder der inneren Aufbrin- B der Zahlungen Gefahren für die deutsche rung ergeben sollten. Ob die ganz außerordent­lich weitgehenden Zugeständnisse, die die deutsche Delegation durch ihre Zustimmung zu dem Vor­schlag Owen Youngs gemacht hat, durch diese Vor­behalte, bei deren Wiedergabe wir vorläufig noch auf französische Quellen angewiesen sind, gerecht­fertigt werden, ist eine Frage, die erst die Zukunft beantworten kann.

Die Gläubiger scheinen jedenfalls von der deut­schen Zustimmung nicht minder überrascht worden zu sein, als die öffentliche Meinung Deutschlands. Die deutschen Vorbehalte sind kaum besprochen wor­den, der Zahlungsplan als solcher ist sogar ganz zurückgetreten gegenüber dem Verteilungs­schlüssel, dem sich das ganze Interesse der Gläu­bigernationen zuwendet. Und das ist begreiflich, denn die Frage, wer nun die Kosten aus der Reduk­tion der Gläubigerforderungen auf die Ziffern des Young-Planes tragen soll, ist nicht so einfach zu beantworten. Deutschland hat sein ursprüngliches Angebot durch die Annahme des Young-Planes um rund zehn Milliarden erhöht, bleiben noch rund 3,5 Milliarden, die die Alliierten unter sich zu teilen hätten. Eine Einigung war nicht zu erzielen, so daß auch hier der Amerikaner Vorschläge machen mußte. Auf Grund des Abkommens von Spa beträgt der Anteil Frankreichs an den deutschen Reparations­leistungen 52, Großbritanniens 22, Italiens 10, Bel­giens 8, Südslawiens 5, Rumäniens 1, Japans 0,75, Portugals 0,75 und Griechenlands 0,50 v. H. Rach dem von Owen Young ausgearbeiteten Verteilungs­schlüssel würde nun England neben Belgien die Hauptkosten der Reduktion zu tragen haben, Eng­lands Anteil soll von bisher 22 d. Sy auf 19 o. Sy herabgesetzt werden, von bisher drei Milliarden, das es über die Schuldenzahlungen an Amerika hinaus von den deutschen Reparationen für sich und die Do­minien verlangte, soll es nur 650 Millionen erhal­ten, während die 50 Milliarden Francs, die Poin- carö über die amerikanische Schuld hinaus für den Wiederaufbau Frankreichs gefordert hatte, um nur etwa 6,5 Milliarden Francs gekürzt würden. Die Engländer, deren Anteil auf weniger als ein Viertel ihrer ursprünglichen Forderungen zusammenge­schrumpft ist, sind also verhältnismäßig weit stärker belastet worden als die Franzosen, die nicht viel mehr als ein Achtel einbüßen sollen.

Wenn Owen Young damit gerechnet hatte, daß England diese Reduzierung seiner Ansprüche ruhig einstecken würde, vielleicht, weil die Regierung in London der Wahlen wegen eine baldige Beendigung der Sachoerständigenkonferenz wünsche, so sah er sich auf das schmerzlichste enttäuscht. Ein Sturm der Entrüstung über diese Zumutung des Amerikaners tobt in der britischen Presse, und Politiker aller Par­teien sind sich darüber einig, daß England diesem Verteilungsschlüssel nie und nimmer zustimmen dürfe. Sogar die Regierung ist aus der bisher ge­übten Reserve herausgetreten und hat auf die An­frage eines Labonr-Abgeordneten im Unterhaus durch den Mund des Schatzkanzlers Churchill erklären lassen, daß sie sich' die Youngschen Vor­schläge in dieser Form niemals zu eigen machen werde. Si« hat auf diese klare Stellungnahme um so größeren Wert legen müssen, als erst vor weni­gen Tagen Philipp Snowden, der Schatzkanzler einer nach den Wahlen etwa kommenden Arbeiter­regierung, die sog. Balfour-Rote, die Grundlage der englischen Schuldenpolitik, als nicht für alle Zeiten unabänderlich bezeichnet hatte und mit einem deut­lichen Hinweis auf Frankreich eine Belastung der britischen Steuerzahler zugunsten des französischen Alliierten entschieden abgelehnt hatte. Der Youngsche Verteilungsschlüssel, der nackt und dürr einen Ver- zicht Englands zugunsten Frankreichs vorschlägt, wäre also Wasser auf den Mühlen der Opposition, hätte Churchill, der noch dazu den Ueberschuß sei­nes schönen Wahlbudgets davonschwimmen sieht, durch seine Erklärung nicht den zu erwartenden An­griffen der Labourmänner die Spitze abgebrochen. Dabei richtet sich die Erbitterung der öffentlichen Meinung in England begreiflicherweise auch in hohem Maße gegen Amerika, dem man vor- wirst, daß es in Paris wohl als Schiedsrichter die Verteilung der deutschen Reparationen diktiert, selbst aber sich nicht bereitfinden läßt, auch nur einen Cent von seinen eigenen Kriegsschuldforderungen zu streichen.

Die Sache ist also wieder einmal recht verfahren, wesentlich wohl deshalb, weil Owen Young es nicht für nötig gehalten hat, seine britischen Sachverstän­digenkollegen Sir Josiah Stomp und Sir Charles Addis über seine Pläne vorher zu unterrichten, bevor er mit der großen Ueberraschung des Vertei­lungsschlüssels coram puplico herausrückte, und da- mit den britischen Delegierten die Möglichkeit nahm, noch hinter den Kulissen auf die Unmöglichkeit sei­nes Vorschlags aufmerksam zu machen. Wir Deutsche könnten diesem Streit um die Verteilung unserer Zahlungen in Ruhe zusehen, wenn nicht die Gefahr bestände, daß die Alliierten, wenn ihr gegenseitiger Zorn einmal verraucht ist, sich nach bewährtem Re­zept wieder auf unserem Rücken einigten, dergestalt, daß wir zu den zehn Milliarden, um die wir unser, auf dem Grundsatz der Leistungsfähigkeit gemachtes Angebot überschritten haben, noch d e n R e st auf­gebrummt bekommen, um den die Gläubiger sich nicht zu einigen vermögen. Der Streit kann auch um deswillen für die Konferenz bedrohlich werden, als die Franzosen die entstandenen Schwierig­keiten benutzen könnten, um im Falle man den Versuch machen wollte, auf Kosten Frankreichs die britischen Ansprüche zu befriedigen, die an sich schon abgeschlossene Erörterung über die Höh« der deut- schen Zahlungen aufs neue zur Sprache zu bringen oder gar an den deutschen Vorbehalten die Konfe­renz ganz scheitern zu lassen. Es wird großer Ge-

Kommunistische Verschwörung in Peking

zur Ermordung

London, 11. Mai. (2DI23. Funkspruch.)Daily Telegraph" berichtet aus Peking über eine angeb­liche Verschwörung zur Ermordung der dortigen auswärtigen Diplomaten. 3n dem von Freitag abend datierten Telegramm des Korrespondenten des vlaltes heißt es: Beunruhigung wurde heule früh in Peking hervorgerufen, als der vormalige chinesische Premierminister Tschiang Tschau T s ch u n g Vertreter zum diplomatischen Korps sandte, um sie vor einer kommuni st ischen Verschwörung zur Ermordung der Ausländer zu warnen. Er ließ mitteilen, cs sei die Absicht der Kommunisten, die Dienst- boten der Ausländer zur Teilnahme an der Er­mordung der Fremden zu bewegen. Auf furchtsame Angestellte sei ein Druck ausgeübt worden, Häuser innerhalb und außerhalb des Gesandtschaftsviertels unbewacht zu lassen, um den Mördern den Ein­tritt in die Häuser zu ermöglichen. Der Zweck der Verschwörung sei die Vernichtung der Au­torität der Nankinger Regierung. Die Tat sollte während der am 1.3uni slattfindenden Feierlichkeiten zu Ehren Sunyatsens ausgeführk werden.

Nankings Kampf gegen -en Bürgerkrieg.

Ernste Lage vor Kanton.

Peking, 10. Mai. (Telun.) Sn einem Be­richt Tschicmgkaischecks über die politische Lage

der Ausländer?

in Kanton heißt es, die Truppen der Provinz K w a n g s i befanden sich in einem regelrechten Krieg gegen die Nankinger Regierung. Sie habe daher beschlossen, sämtliche Truppen mo­bil zu machen, um den Kampf gegen die Truppen der Provinz Kwangsi, deren Ziel der Sturz der gegenwärtigen Nankinger Regierung ist, erfolgreich zu beenden. Die chinesische Zen­tralregierung werd« es nicht dulden, daß ein­zelne Generale immer wieder den Versuch unter­nehmen, den Bürgerkrieg in China aufs neue zu entfesseln. Mit sämtlichen ihm zu Gebote stehenden Machtmitteln werde er gegen die auf­rührerischen Truppen in Kwangsi vorgehen sowie auch gegen den linken Flügel der Kuomintang-Partei. Am vergangenen Freitag ist ein chinesisches Geschwader nach Kan­ton afcgegangm, um die dort befindlichen Kwar.gsi- Truppen zu bombardieren. Die Streitkräfte Kan­tons eröffneten jedoch gestern morgen plötzlich in der Nähe des Forts von Macao das Feuer aus Maschinengewehren auf die chinesische Flotte, die im Verdacht stand, die Trup­pen von Kwangsi zu unterstützen. Die Schiffe wurden auch ausder Luftbeschos- s e n. Der Kampf dauerte eine halbe Stunde. Zahlreiche Mannschaften wurden getötet. Die chinesische Flotte ging in See und ankerte dann auf der Höhe von Schamien in der Nähe der ausländischen Kanonenboote, wo sie von den Kantonesen entwaffnet wurde. Lieber Kan­ton ist das Kriegsrecht verhängt worden. Tau­sende von Personen fliehen nach Hongkong. Sie­ben ausländische Kriegsschiffe liegen gegenwärtig vor Kanton.

schicklichkeit und noch viel mehr guten Willens der Sachverständigen bedürfen, die Reparationskonferenz aus dieser neuen Sackgasse wieder hinauszumano- orieren.

Unverminderte Besatzungsnot in Hessen.

Tie katastrophale Wohnungsnot in Mainz hält an.

Mainz, 10. Mai. DerMainzer Anzeiger" stellt eine Betrachtung der Besahungslasten nach dem Stande vom 15. März 1929 an. aus der her­vorgeht, daß die Stadt Mainz allein Besatzungslasten in einer Hohr trägt, wie sie die gesamte zweite Zone und die Pfalz zu tragen haben. Sn der Truppenzahl ist zwar gegenüber dem Vorjahr eine geringe Erleichterung erfolgt, doch ist der hessische An­teil an der Truppenzahl noch immer außer­ordentlich hoch. Fast 27 Proz. der ge­samten fremden Truppenmacht befin­den sich noch im besetzten hessischen Ge­biet, d'essen Bevölkerung nur 13,1 Proz. der Gesamtbevölkerung der besetzten Gebiete aus­macht. Für Preußen sind die entsprechenden Zahlen: 59,7 Proz. Bevölkerungsanteil. 46,6 Proz. Besahungsanteil: in der Pfalz: 24,9 Proz. Bevölkerungsanteil, 22,6 Prvz. Anteil an der Besatzung. Noch immer kommen im besetzten Hessen 35.3 Besahungsangehorige, im besetzten Preußen deren 13,5 und in der Pfalz 15,6 auf 1000 Einwohner. Die Tatsache, daß für Hessen noch immer keine Erleichterung eingetreten ist, hat für die Stadt Mainz eine besonders schmerz­liche Bedeutung. Sn der Stadt Mainz allein sind noch immer erheblich mehr Bürger- wohnungen beschlagnahmt als in der ganzen zweiten Zone. Rechnet man die Mainzer Vororte Gonsenheim und Weisenau hinzu, deren Wohnungsverhältnisse sich auf dem Mainzer Wohnungsmarkt auswirken müssen, so ergibt sich sogar, daß Mainz mit diesen Vororten nicht viel geringere Besatzungslasten zu tragen hat, als die zweite Zone und die Pfalz zusammen. Etwa in jedem siebenten Bürgerhaus in der Stadt Mainz ist eine Wohnung für die fremden Truppen beschlagnahmt, die Einzelzimmer nicht eingerechnet.

polnische Truppenschau gegen Eintrittsgeld.

Das Publikum kommt nicht auf seine Kosten.

Warschau, 10. Mai. (WB.) Auf dem bei der Warschauer Zitadelle gelegenen M ilitärübungs- p l a tz fand ein von Infanterie und Pilsudskischützen veranstaltetes militärisches Schauspiel statt, das Ein­blick in eine moderne Feldschlacht liefern sollte. Es war die Mitwirkung von Panzerwagen, Artillerie, Maschinengewehren, Giftgasen mit Gasmasken und Einrichtungen zur Erzeu­gung künstlichen Nebels angekündigt. Zu­schauer waren gegen die Bezahlung eines Eintrittsgeldes zugelassen. Wie die national- demokratischeGazeta Warszawski" mitteilt, ging es bei diesem Schauspiel völlig ungeordnet zu. Die Kämpfenden und das Publikum mischten sich durcheinander, so daß von einer geordneten Vor­führung überhaupt keine Rede fein konnte. Die an* gekündigten Tanks waren überhaupt nicht erschie­nen. Ueberdies wurde noch ein Knabe von einem blinden Geschoß schwer verletzt, so daß das Publikum, empört über den Leichtsinn der Ver­anstalter, dieses mißglückte Schauspiel vorzeitig verließ.

Das Attentat aus WoldemaraS. Ein litauischer Student unter dem Verdacht der Mittäterschaft verhaftet.

Königsberg, 10. Mai. (TU.) Wie der Ver­treter der Telegraphen-Union von der Pressestelle deS litauischen Außenministeriums erfährt, rechnet man bestimmt damit, unter den bisher Festgenom­menen eine der an dem Anschlag beteiligten Per­sonen zu haben. Um welche es sich babei handelt, wird zunächst noch nicht angegeben. Sn Frage kommt aber ein Student namens Vo - s i l i u s , den die litauische Polizei in der Rähe von Uthena festnehmen konnte. Vosilius versuchte zunächst zu fliehen und warf eine Handgranate auf die ihn verfolgenden Beamten, die aber z u früh exvlodierte und den Studen­ten selbst schwer verletzte. Man sand bei Vosilius Patronen vor, die mit den Pa­

tronenhülsen, die man am Tatort gefunden hat, übereinstimmten. Vosilius gehört einer studenti­schen Verbindung namens Auschrininkai an. die politisch links steht, aber mehr volkssozialistisch als sozialdemokratisch sein dürste. Auch die an­deren Studenten, die man festgenommen hat, ge­hören verschiedenen Verbindungen, die zum Teil radikal rechtsgerichtet sind, an. Bis zur Stunde hat Vosilius noch kein Geständnis abgelegt. Sollte sich aber der gegen ihn gehegte Verdacht bestä­tigen, so würde gleichzeitig damit feststehen, daß der Anschlag aus dem eigenen Lande kommt und nicht, wie man zunächst annahm, aus Wilna. Sm übrigen ist der Student Vosilius seit einiger Zeit aus Kowno verbannt, wo er in der technischen Abteilung der Universi­tät Chemie studierte. Die Verbannung ist aus politischen Gründen ausgesprochen worden. Vo­silius muhte sich, wie viele andere Studenten, in der Provnz aufhalten, und es ist durchaus möglich, daß es sich hier, falls sich der Verdacht gegen Vosilius bestätigt, um den Racheakt verbannter Studenten handelt, denen das Leben durch die Verbannung verpfuscht ist.

Oie Lohnbewegung bei der Reichsbahn.

Berlin, 11. Mai. (Priv.-Tel.) Die Eisen­bahnerorganisationen haben am Freitag nach Fühlungnahme mit den Organisationen der Ar­beiter der Post sowie der Reichs- und preußi­schen Staatsbetriebe von neuem zur Lohnfrage Stellung genommen. Die Entscheidung über die Frage: Streik oder Schlichtungsver­fahren konnte am Freitag noch nicht fallen, da die Beratungen erst am Samstag zu Ende gehen. Wie derVorwärts" meldet, werden währscheinlich die Eisenbahner zunächst noch den Weg zum Schlichter einschlagen, be­vor sie zum letzten Mittel, zum Streik, greifen.

Kleine politische Nachrichten.

Sm Reichsministerium des Snnern wird eine Reuordnung des Pahwesens vorberei­tet, die voraussichtlich am 1. Sartuar 1930 in Kruft gesetzt werden kann. Die Reuordnung bringt eine Anzahl wesentlicher Erleichterungen auf dem Gebiete des Paßwesens.

Der Präsident des Deutschen Handwerkerbundes, Schneidermeister Voigt, Mitglied des Preußischen Landtags, hat dem Präsidenten des Landtags mit* geteilt, daß er aus der Fraktion der Deutschnatio­nalen Dolkspartei ausgeschieden sei. Der Aus­tritt erfolgte wegen der Haltung der Fraktion bei der Abstimmung über die G e werbesteuer. Landtagsabgeordneter Voigt hat sich der Wirtschafts­partei angeschlossen.

Der Ehrenausschuß für die 9. Tagung des Bun­des der Saarvereine erläßt einen Aufruf zu einer Kundgebung für das abgetrennte Saar- und Pfalzgebiet und gegen die Saar-Lüge unter dem Protektorat des früheren Reichskanzlers Dr. Marx vom 8. bis 10. Juni d. I. in Münster i. W. In dem Aufruf wird dargelegt, daß das Saarvolk fein Recht auf Selbstbestimmung sowie seine baldige Rückkehr zu seinem angestammten Mutterlande Deutschland fordert.

Nach einer Entscheidung des Präsidenten des Danziger Hafenausschusses soll in Zu­kunft die Finanzverwaltung des Hafenausschusies, die bisher unmittelbar der Delegation des Hafen­ausschusses unterstand, dem kommerziellen Direktor des Hafenausschusses untergeordnet werden. Die Re­gierung der Freien Stadt Danzig hat gegen diese Entscheidung mit der Begründung, daß sie eine E r- Weiterung des polnischen Einflusses bedeute und mit den geltenden Vereinbarungen für den Hafenausschuß nicht übereinstimme, B c * rufung b e i m V ö l k e r b u n d s k o m m i s s a r eingelegt.

Der stellvertretend« russische Außenkommissar Litwinow, der sich auf der Rückreise nach Moskau befindet, hatte auf der Durchreise in Berlin eine Unterredung mit Dr. Strese - mann.

Zum erstenmal seit dem 4. Dezember 1928 führte König Georg von England, dem es außer­gewöhnlich gut zu gehen schien, den Vorsitz bei dem in Bognor abgehaltenen geheimen Rat. Der König unterzeichnete die Verfügung über die Auflösung des Parlaments.

Die im Zusammenhang mit der Ermordung des mexikanischen Generals Obregon au zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt« Nonne ist zusammen

mit einer Gruppe von 65 anderen Gefangenen, bar* unter 39 Frauen, nach der Strafkolonie Las Tres Marias gebracht worden. Di« Mehrzahl der Frauen war wegen religiöser Propa- ganda und Verbreitung aufwieglerischer Schriften verurteilt worden.

Aus aller Welt.

Reichs-Frauenlag der Deutschen Doltsparld.

Sn Bremen wurde die Reichsfrauentagung der Deutschen Volkspartei durch die Reichstags­abgeordnete Frau Dr. C. M a h eröffnet. An­wesend waren 900 Delegierte aus dem ganzen Deich. Syndikus Ulrich, Mitglied der Bremer Bürgerschaft, nahm in einem Vortrag über das ThemaDeutschland in der Weltwirtschaft und im Weltverkehr" gegen d i e Entwicklung Deutschlands zum Wohlfahrtsstaat Stellung und erklärte, die Fortsetzung einer der­artigen Politik müsse eines Tages zur Kata- Itrophe führen. Sodann sprachen Oberstudien­direktorin M a h , M. d. R.. überProbleme deut­scher Auswanderung", Dr. Elisabeth Lürs- s e n, Mitglied der Bremer Bürgerschaft, über Grundsätzliches zur Kulturpolitik" und A. v. K u l e s z a, Mitglied des Landtags, überVolks­parteiliche Kulturpolitik".

Schwere Explosionen in U. S. A.

Sn Hanover (Massachusetts) erfolgte in der Fabrik der amerikanischen Feuerwerksgesellschaft West-Hanover eine vierfache Explosion, bei der drei Personen getötet und mehrere ver­letzt wurden. Die Explosion erschütterte die ganze Stadt und wurde meilenweit gehört. Sn Sy- racufe (Reuhork) explodierte in den chemischen Farbwerken der Solvay Proceß Company ein Riesenbehälter, der 9 0 0 0 Gallonen Chlor­gas enthielt. Das Holzgebäude, in dem sich der Behälter befand, wurde durch die Explosion völlig zerstört. Das Gas verbreitete sich in der weiteren Umgebung und rief bei 30 Personen Gasver­giftungen hervor. Zwei der Vergifteten dürf­ten kaum mit dem Leben davonkommen. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine Panik, die noch durch den Umstand erhöht wurde, daß das LuftschiffLos Angeles" zur Zeit der Explosion gerade über der Stadt kreuzte und viele Leute glaubten, es erfolge ein Luftangriff. Anderseits wurden viele Menschenleben dadurch gerettet, daß die Arbeiter, die sich in dem zer­störten Gebäude der Fabrik befanden, vor der Explosion ins Freie geeilt waren, um das Luftschiff zu beobachten. Sn Clizabethton (Ten­nessee) wurde das Wohnhaus eines früheren Ar­beiters der Bemberg Rayon-Fabrik durch eine Explosion zerstört. Die Behörden sind der Ansicht, daß die Explosion aus Ritroglyzerin zurück­zuführen ist, das von unbekannten Tätern ver­mutlich unter den Fußboden des Wohn- zimmers gelegt worden war. Der Arbeiter wohnte zur Zeit der Explosion einer Gewerk- fchaftsversammlung bei und entrann so dem Tode.

Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen.

Professor D. Spiecker ist aus Gesundheits­rücksichten von seinem Amt als Vorsitzender der Deutschen Vereinigung des Weltbundes für inter­nationale Freundschastsarbeit der Kirchen zu­rück g e t r e t e n. An seiner Stelle wurde von dem Arbeitsausschuß der Vereinigung des Welt­bundes D. Burghardt, Vizepräsident des Evangelischen Oberlirchenrates der Evangelischen Kirchen der Altpreuhischen Union, vorbehaltlich der Bestätigung durch die Mitgliederversamm­lung, zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Oie Wetterlage.

-----Mren-fi

Seydisf

16

Genf

rreitad, d.lO.fAai 1929. 7" aMs.

<i t /v £ _ l

owolkenlos. Oneuer. <jnaft> oede<M. ® wolkig. Bedeckt Regen, w Schnee a Graupeln, e HeDei K Gewitier.(^)windstiiie. «o-, sehr

eienter Ost j5 massige' Südsüdwest q stürmischer nordwesl Oie Piene fliegen mit dem Winde. Die oeiden Stationen stenenden Zah­len geoen die Temperatur an. Die Limen veromden Orte.mit gleichem, «ut Meeresmveau umoereenneten Luitdruck

Wettervoraussage.

Der hohe Luftdruck nimmt ganz Deutschland mit in seinen Bereich. Infolgedessen herrscht trockenes, vielfach heiteres Wetter, und während der vergan­genen Nacht erfolgte starke Abkühlung. Die Luft­druckwetterlage bestimmt zunächst weiter den Witte- rungscharakter. Auch in der kommenden Nacht wer­den die Temperaturen noch nicht wesentlich an­steigen. Im Laufe des morgigen Tages dürften die Ausläufer des nördlichen Tiefs auch in unserem Bezirk zu leichter Bewölkung führen.

Wettervoraussage für Sonntag: Vielfach heiter, nachts kühles, tagsüber warmes Wetter, trocken.

Wettervoraussage für Montag: Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, keine oder nur im nördlichen Teil des Bezirks ver­einzelte Riederschläge.

Lufttemperaturen am 10. Mai: mittags 17,1 Grad Celsius, abends 10 Grad; am 11. Mai: morgens 7 Grad. Maximum 17,3 Grad, Minimum 2,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 10. Mai: abends 17 Grad: am 11. Mai: morgens 10,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 9 Stunden.