Ausgabe 
11.3.1929
 
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Bel Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte kommt der Verfasser zu dem Ergebnis, Daß am ReichshauShaltsplan 1929 rund 490 Mill. Mark gestrichen werden können. Für 1929 erschienen damit Steuererhöhungen ver­meidbar, Steuer senkungen umfangreicher Art könnten ermöglicht werden. Die Denkschrift gibt an Hand der einzelnen Haushalte dann eingehend begründete Srsparnisvorschläge.

Oie Verwaltungsreform der Reichspost.

Berlin, 9. März. (WTB.) Die Bermaltungs- reform der Reichspost soll in den Mittelinstanzen nach einer Erklärung des Reichspostministers im Reichstage so weiter gefördert werden, daß für be­stimmte wirtschaftlich zusammengehörige größere Gebiete eine Oberpostdirektion als Haupt- oder Gruppendircktion aufge- stellt wird, der die übrigen Oberpostdirektionen des betreffenden Gebietes als Neben-oderBe- triebsdirektionen angegliedert werden sollen. Dadurch soll die Zusammenfassung der Der- kehrspolitik des gesamten Gebietes, vor allem im Ausbau der Fernsprech-, Kabel-, Kraftpost- und Bahnpostverbindungen, in der Verwaltung und Wirtschaftsführung, ferner eine Vereinfachung und Verbilligung erreicht werden. Der Verschiedenheit der örtlichen Verkehrsinteressen in den einzelnen Be­zirken sollen die Nebendirektionen dienen. Inter­essant war die Mitteilung des Reichspostministers, daß es sich bei der im vorigen Jahre durchgeführten Aufhebung einzelner kleinerer Ober­postdirektionen bald gezeigt habe, daß die örtlichen Betriebsinteressen hierdurch zu stark Not litten, und man vor der Frage stand, die aufge­hobenen Oberpostdirektionen noch dem Vorgang bei der Reichsbahn durch Betriebsinspektionen zu ersetzen. Die Absicht des Reichspostministers fand von allen Seiten des Reichstagsausschufses Billigung.

Wo bleibt Preußens Antwort?

AeiuEchoderTarmftirdterReformvorschläge

Frankfurt o.M., 9. März. DieFrankfurter Zeitung" beschäftigt sich mit der jüngsten Erklä­rung des hessischen Staatspräsidenten Dr. Ade­lung. Sie bedauert, daß diese Erklärung in der reichshauptstädtischen Presse nicht die ihrer Bedeu- tung entsprechende Beachtung gefunden hat und schreibt zum Schluß: Der Vorschlag Leuschners war ein tapferer Vorreiter der Anregungen, die jetzt der hessische Regierungsführer Staatspräsident Ade­lung gegeben hat. Ohne Leuschners Vorgehen hätte man in Darmstadt wohl kaum schon den Mut zu so kühnem Handeln gefunden. Herr Leuschner ist ohne Antwort von der preußischen Seite geblieben, wenn man nicht einen Artikel des sozialdemokratischen Abgeordneten Hamburger dafür nehmen will, der allerdings ganz aus der parteimäßigen und gleichzeitig preu­ßisch- partikulari st ischen Gesinnung heraus geschrieben war, die man mit Sc­hauern immer wieder auch bei dem Ministerpräsi- denten Braun bemerkt. Wir glauben, daß die jetzige offizielle Regierungserklärung in Darmstadt nicht ohne Antwort von Berlin aus gelassen werden sollte. Wie lange es noch dauern wird, bis auf dem Weg der Länder- konferenz etwas Positives zustande kommen mag, das steht dahin. Aber die Bevölkerung unse­res Rhein-Maingebietes wird nicht ruhig mit an- sehen wollen, daß dieses Lebensproblem ihrer enge­ren Heimat wie des deutschen Gesamtvolkes durch egoistische Länderbureaukratie ad calendas gräecäs verschleppt werde.

Oie Kämpfe in Mexiko.

Die Regierung zieht gegen den Norden.

Mexiko City, 10. März. (Associated Preß.) Nachdem die Regierung den Aufstand im Süden des Landes vollständig niedergeworfen hat, setzt sie die gesamte Streitmacht jetzt im Norden ein. Man nimmt an, daß die Entscheidungsschlacht in der Nähe von Torreon geschlagen werden wird. Die in Jrapuoto konzentrierte LunDesatmee wird auf 18 000 Mann geschätzt. Sie ist zum Vormarsch aus Canitas Zacatecas bereit, wo mehrere tausend Mann Aufständische stehen. Der in Saltillo eingetroffene Bundesgeneral Almazan erbat Ar- tillerie, offenbar, um nötigenfalls Torreon zu be­schießen, während andere Bundestruppen nach Nor­den marschieren. Die Aufständischen kündigen einen baldigen Vormarsch auf die Stadt Mexiko an. General Montero, der Neuyorker Vertreter der Aufständischen, erklärte, zwei Armeen der Rebellen rückten in Stärke von 30 000 Mann nach Süden vor. In I u a r e z herrschte heute Ruhe. Jedoch werden neue Kämpfe an der Grenze der Vereinigten Staaten bei der Rebellenfeste N o 6 ales und bei Sonora erwartet. Es wird an­genommen, daß die Bundesb Hörden einen Luft­angriff auf Nogales vorbereiten.

Fünf Fahre Fafzismus in Italien.

Mussolini zur künftigen Politik Roms.

Rom, 10. März. (WB.) Mussolini eröff­nete heute nachmittag in der königlichen Oper dieerste Fünfjahresfeier des f a f - zistischen Regimes, zu der die gesamte Regierung, der Faszistische Große Rat, olle hohen Offiziere und leitenden Staats- und Gemeinde­beamten erschienen waren, während die großen Organisationen des Landes wenigstens durch Ver­treter repräsentiert wurden. 3m ganzen waren etwa 4000 Personen anwesend. Mussolini gab einen ileberblid über die bisherigen Leistungen des faszistischen Systems, wobei er noch einmal scharf die Grenze gegen den Sozialismus sowohl wie gegen den Liberalismus zog. Die zum Schuh des Staates und des Regimes getroffenen Sondermaßnahmen feien streng, aber gerecht. Es sei nicht beabsichtigt, die Gesetze zum Schutz des Staates beim Ablauf ihrer Gültigkeitsfrist zu erneuern, ja, die Regierung sei bereit, sie vorzeitig außer Kraft zu setzen, falls der Anti-FasziSmus, soweit ein sol­cher in Italien noch lebe, sich mit den unwider­ruflich gegebenen Tatsachen abfinbe.

Die großen Richtlinien dec italienischen aus­wärtigen Politik hätten sich nicht geändert und Bnnten sich auch nicht ändern, es sei denn, daß unvorhersehbare Ereignisse eintreten. Die- Wenigen, die das Schreckgespenst des italienischen Imperialismus und Militarismus an die Wand malen, müsse man daran erinnern, daß Italien seine Militärausgaben int Rabmen des strikt Rotwendigen halte, daß eS obendrein mit seinem

Ser Kurs der Deutschen Volkspartei.

Oer Krakiionsführer Or. Echolz spricht auf dem hessischen Landesparteitag in Mainz.

Mainz, 10.März. Der Lanbesparteitag der Deutschen Volkspartei in Heften würbe Samstag nachmittag in der Mainzer Stabthalle mit einer Sitzung bes kommunalpolitischen Lanbesausschuftes eröffnet Beigeorbneter Dr. Hansemann (Neuß) sprach überGrenzen ber wirtschaftlichen Betäti­gung ber Gemeinden". Eine gesunde Selbstverwal­tung, so betonte ber Rebner, kann sich nur auf ber Grunblage eines wirtschaftlich blühenben Gemein­wesens entwickeln. Die Erhaltung ber Pri­vatwirtschaft unb bie Steigerung ihrer Lei- stungsfähi'gkeit ist auf weite Sicht ber einzige Weg, bas finanzielle Rückgrat ber Kommunen zu stärken unb zu erhalten. Dem Vorschlag ber Reichstags­fraktion auf Besteuerung ber tommuna- len Betriebe sei burchaus zuzustimmen. Man müsse verlangen, baß ber Grundsatz ber Renta­bilität in ihnen zur Durchführung gelange, wie bies auch bei ben Privatbetrieben notwendig fei. Der Vorsitzende des kommunalpolitischen Landes- ausschusses, Landtagsabgeordneter Bürgermeister Dr. N i e p o t h (Schlitz), betonte in seinem Referat Deutsche Dolkspartei unb Gemeinde- Politik", daß die Selbstverwaltung der Kom­munen erhöhten Schutzes bedürfe. Die Deutsche Volkspartei sei nicht grundsätzlich gegen jede Ein­gemeindung, wie z. M. in Mainz, wo eine Notwendigkeit dafür vorliege. Wohl ober sei sie gegen eine Eingemeindung, wenn sie nicht den Ge- samtinteressen diene, wie es z. D. in Darmstadt der Fall sei. Die Kommunen dürften nicht an neue Aus­gaben herantreten, bevor deren finanzielle Deckung auch für die Zukunft gesichert fei. Zur Sozialpolitik trat der Redner für i n di v idelle Fürsorge in jedem Einzelfall ein. Sozialpolitik könne nur soweit getrieben werden, als es die Wirt­schaft vertrage. Der Redner setzte sich weiter für die gemeindlichen Zuschlage zur Einkom­mensteuer ein.

Die Ortsgruppe Mainz der Deutschen Volkspartei veranstaltete am Samstagabend im Rheingoldsaal der Stabthalle einen Begrüßungsabenb, auf dem Landesvorsitzender, Reichstagsabgeorbneter Din­ge l d e y, überVolk unb Vaterland" sprach. Die Deutsche Dolksvartei habe bie traurigen Regierungs­wirren zum Anlaß genommen, um einen War- nungsruf ergehen au lassen; bie Popularität s- hafcherei ber ilbgeorbnetcn müsse aufhören unb bie Parteien müßten unabhängig gemacht wer­ben von einzelnen Organisationen, Interessengrup­pen unb Stänbe. Es brehe sich um eine Reform bes parlamentarischen Verantwortungsgefühls, nicht um eine Wahlreform. Die Schrankenlosig­keit des Wahlrechts sei die letzte Ursache des Niedergangs. Man brauche verantwortungsvolle und verantwortungsfreudige Politiker! (Bravo.) Wann der ftühere Reichskanzler Dr. Wirth sage, das deutsche Volk stehe nicht mehr in, sondern neben den Parteien, bann müsse man ihm leider Recht geben. Auch zwischen der Jugend und den Parteien klaffe eine unüberbrückbare Lücke.

Am Sonntag sprach auf dem Landesparteitag

Reichsminister a. O. Or. Scholz

als Fraktionsvorsihender über die politische Lage. Wir haben in immer steigendem Maße in den letzten Jahren erleben müssen, daß eine ge­radezu unverantwortliche Wirt­schaft mit dem deutschen Steuerzah­ler getrieben worden ist; nicht nur daß Die Steuer in größtem Ausmaße insbesondere auf die am stärksten notleidenden Schichten des deut­schen Volkes, auf den Mittelstand, gelegt worden sind, sondern es hat sich auch im Staat eine völlig unverantwortliche Fi­

nanzwirtschaft eingesch'ichen. Deshalb for­dern die beiden großen Anträge der Deutschen Volkspartei-Frakiion, 1. dah Mehrerträge aus Steuern nicht verwendet, sondern zurück- gezahlt werden, um im nächsten Jahre zu Steuersenkungen benutzt zu werden, und 2. dah der neue Etat ohne n.eue Steuer­erhebungen ins Gleichgewicht gebracht wer­den muh. Wir sind bereit, lieber heute als mor­gen eine tragfähige Regierungsmehrheit im Reich durch unsere ^Beteiligung zu schaffen, aber nur dann, wenn die anderen Parteien, die mit uns regieren wollen, mit uns einig sind dar­über, dah es höchste Zeit ist. im Interesse der deutschen Wirtschaft und des deutschen Volkes Schluß zu machen mit der bisherigen M i ß w i r t sch a f t auf dem Gebiete der Finan­zen und Steuern. Wenn das erzielt wird, unb es scheint möglich zu werden, dann haben wir durch unsere Energie und starke Haltung einmal wirk­lich einen Wendepunkt in der Wirtschaftsgeba­rung des Reiches, der Länder und Gemeinden herbeiführen helfen, für den uns das deutsche Volk in seiner Gesamtheit dankbar sein kann.

Dr. Scholz beantwortet dann den Ruf nach den »Hochzielen ber Deutschen Volkspar!ei", von denen er anführt die, feit nunmehr nahezu sechs Jahren ununterbrochene, von stärkstem Verant­wortungsgefühl getragene aktive Beteiligung an der Regierung, den von Siresemann unentwegt geführten Kampf um die Befrei­ung des deutschen Rheins von fremder Knechtschaft (Lebh. Bravorufe), den Anschluß Deutsch-Oesterreichs und auf dem Gebiet der inneren Politik die Schaffung des deut­schen Einheitsstaates, die schon ein Grundsatz der Politik Bismarcks gewesen fei. Auf wirtschaftlichem und ideellem Gebiet haben wir ein großes Ziel: Die verantwortungs­bewußte Persönlichkeit muh gegenüber der allgemeinen Verantwortungslosigkeit wieder in den Vordergrund gestellt werden! (Sehr rich­tig!) Die Mehrheit, die über die Steuerkraft befindet, bezahlt überhaupt keine Steuern! (Zu­stimmung.) In kultureller Beziehung schreibt uns unsere liberale Grundgesinnung Wege und Ziele klar und deutlich vor: Keine Abmachung mit irgendwelchen, außerhalb des Staates stehenden Kräften, die eine Gefährdung unserer liberalen Geistesentwickeluim bedeuten! Wir halten unent­wegt fest an b:n Farben S ch w a r z - w e i ß - r o t (Bravo). Wir halten fest an dem Wehrge- danken des deutschen Volkes. (Lebh. Beifall.) Solange der allgemeine Friede und die allge­meine Abrüstung nicht Tatsache geworden find, begibt sich ein Volk in freiwillige Knechtschaft, wenn es den Wehrgedanken ablehnt.

Reichstagsabg. Graf zu Stolberg-Wer­nigerode sprach hierauf überDie Rot der Landwirtschaft". Wer für die Landwirt­schaft sorgen wolle, der müsse in die Regierung hinein. Es komme nicht auf die gestellten An­träge an, von denen noch niemand satt geworden fei. sondern auf die angenommenen. Ehe wir nicht erkannt haben, dah wir entweder alle wieder zur Höhe gelangen oder alle zugrunde gehen, eher wird xs im deutschen Volke nicht besser werden. Rachdem Frau Reichstagsabg. Dr. Matz über »Familie und Gesetzgebung" sich in wirtschaftspolitischer, sozialer und kul­tureller Hinsicht ausgesprochen hatte, nahm der Vorsitzende der hessischen Landtagsfraktion, Ober­studiendirektor Dr. Keller, in feinem Refe­rat ,,Wo stehen wir in Hessen" zur derzeitigen Gesamtlage in Heften ausführlich Stellung.

wirtschafllichen Wiederaufbau und seiner großen Ausgabe, in einer neuen Zivilisation die Syn­these zwischen dem Lieberkommenen und dem Reuzeitlichen, zwischen Fortschritt und Glauben, au schaffen, vollauf beschäftigt sei. Italien, so sehr es auch gewappnet sei, in allen Teilen der Welt seine Interessen zu verteidigen, habe kein Verlangen, Den Frieden zu stören.

Die Versöhnung zwischen Italien und dem Hl. Stuhl habe eine Atmosphäre nicht der Verwirrung und der Heuchelei, sondern der reinlichen Scheidung und der Loyalität ge­schaffen. Rur unter der Herrschaft eines Kon­kordats lasse sich eine normale, logische und wohl­tuende Trennung zwischen Kirche und Staat verwirklichen, d. h. Die ilnterfdjeiöung und Be­grenzung dessen, was jedem der beiden zu- lommt und was ihm an Aufgaben auf erlegt ist, fo daß jeder seine Rechte, seine Pflichten, die ihm zukommende ,Macht und ein abgegrenztes Tätigkeitsgebiet besitzt. Rur unter dieser Vor­aussetzung fei eS möglich, auf gewissen Auf­gabengebieten eine Zusammenarbeit von sou­veräner Macht zu souveräner Macht herbeizu­führen.

Aus aller Wett.

Zum Sv. Geburtstag de» ehemaligen Reichskanzlers Dr. Luther.

Der Reichskanzler hat zugleich im Namen der Reichsregierung dem Reichskanzler a. D. Dr. Luther zur Vollendung seines 50. Lebensjahres telegraphisch Die besten Glückwünsche übermittelt. Der Herr Reichspräsident hat in einem herz­lich gehaltenen Schreiben gleichfalls seine Glück­wünsche ausgesprochen.

Die ersten Ueberfchwemmungeu im Laholal.

Limburg. 10. Würz. Die in den letzten Tagen mit Wacht auf den Höhen bes Wester- waldeS und des Taunus einsetzende Schnee- schmelze führt der Lahn durch die Bäche ge­waltige Wasfermaffen zu. Im Laufe des gestri­gen TageS ist die Lahn um einen Meter gestiegen, in der vergangenen Rächt etwas gefallen und heute erneut etwa 8/4 Meter gestiegen. Im Unterlauf der Lahn hat sich das Eis zwischen ErnS und Diez an verschiedenen Stellen gestern und heute in Bewegung gesetzt. Bei Lim­burg und im weiteren Oberlauf steht die Eis­decke noch. Heute mittag 12 Llhr ist eS bei dem Ab treiben des Eises zwischen Bad Ems und Dausenau zu einer gewaltigen Eisstockung gekommen. Mehrere 100 Meter weit hatten sich ie Schollen in 4 Meter Höhe aufgetürmt Im Ru trat die Lahn über die Ufer und setzte die Ortschaft Dausenau zur Halste unter Wasser. Die Isfort alarmierte Emser Feuerwehr nahm den

ganzen Tag über umfangreiche Sprengun­gen vor, die den Erfolg hatten, daß heute abend um 7 Ahr die Stauung vollkommen beseitigt war und die Lahn wieder in ihr Bett zurück­trat. Bereits in Der Rächt zum Samstag war es auch unterhalb Diez zu einer starken Eisstauung gekommen, die aber ebenfalls bis Samstag­abend gesprengt war. 3n den Ortschaften an der Lahn sind Rachtwachen eingesetzt worden.

Eismassenstürmen" eine Insel.

Die Bevölkerung Der im Oerefunb gelegenen Insel Hven erlebte in Der Rächt zum Samstag ein seltenes Raturschauspiel. Die durch eine starke nördliche Strömung in Bewegung gesetzten Eis- massen des Sundes richteten einen wahren Sturmangriff auf die Insel. Ungeheuere Eismassen wurden über Den Strand getrieben und türmten sich zu riesigen Eisbergen und Säu­len bis zu 15 Meter Höhe aufeinander. Die Eis­massen zerstörten dabei auch eine Anzahl Boote und Fischereigerätschaften. Eine halbe Stunde spä­ter wiederholte sich dieser seltene Vorgang noch­mals, wobei die Eismassen nod> weiter landein­wärts getrieben wurden, als beim ersten Stoß und erst etwa zehn Meter vor den Häusern der Insel zum Stillstand kamen.

Zugzusammenstoh bei Hamm.

Am Sonntagabend stieß Der O-Zug 40Der- lin Köln in Heeßen vor der Einfahrt in den Dorbahnhof Hamm infolge dichten Rebels auf einen Viehzug auf. Die letzten Wagen des Diehzuges wurden völlig zertrümmert, wobei 60 Tiere umkamen. Von Den Reisenden des v-Zuges wurden drei verletzt. Der Hilfs­zug von Hamm war nach 20 Minuten zur Stelle. Kurz darauf stellten sich Feuerwehr- und Sani- tätskolonnen ein. Die Unglucksstclle bildet einen großen Trümmerhaufen. Die Schienen sind ver­bogen, die Strecke ist vorläufig gesperrt.

Erstickungstod eine» Kindes.

Schwere Folgen hatte ein WohnungSbrand, Der in Der Rächt zum Sonntag in einem Hause zu Weißensee Durch Fahrlässigkeit eines Bewoh­ners entstanD unD einem Kinde das Leben kostete. Der im ersten Stock bei seinen Eltern wohnende Gustav Immer kam des nachts nach Hause, legte sich mit einer brennenden Zigarette im Munde zu Bett und muß rasch ein- geschlafen fein. Eine halbe Stunde später be­merkte ein Passant von Der Straße einen hel­len Flammenschein aus Der Wohnung und alarmierte die Feuerwehr. Inzwischen war Im­mer in Dem brennenden Bette aufgewacht; kurz entschlossen brachte er sich Durch einen Sprung aus Dem Fenster in Sicherheit. Er hat erhebliche Brandwunden davongetragen. Der sich entwickelnde dicke Qualm war in Die darüber liegende Dachkammer gedrun­

gen, wo das Ehepaar Seppelt mit seinen zwei Kindern wohnt. Die beiden schlafenden Kinder wurden schwer betäubt; während es Den Bemühungen Der Feuerwehr gelang. Das ältere Mädchen zu retten, war die P/jäljrigc Agnes Seppelt nicht mehr ins Leben zurückzurufen.

Sieben Todesopfer eines Hotelbrande» in Hongkong.

Das King-Edward-Hotel wurde durch Feuer zer­stört. Die Zahl der Verluste an Menschenleben steht noch nicht fest, doch scheint es, daß minde­stens sieben Personen den Tod gefun­den haben, fünf weiße Männer, eine Frau und em Chinese. Eine Dame sprang aus dem vierten Stockwerk auf die Straße hinab und war sofort tot. Ihr Gatte, ei« Beamter eines britischen Marine­vorratslagers, wird vermißt. Ein amerikanischer Seemann vom KreuzerMemphis" verfehlle beim Abspringen das Sprungtuch und mar sofort tot. Ein anderer Seemann brach sich das Rückgrat und liegt in bedenklichem Zustand im Krankenhaus. Außer- dem werden noch ein Franzose und zwei englische Kaufleute als vermißt gemeldet. Ein chinesischer Kuli sprang aus einem Fenster und fand den Tod. Außer der Feuerwehr beteiligten sich auch Matro­sen der britischen Kriegsmarine an den Lösch- arbeiten.

Schweres Lrandunglück.

In Löbau brach ein gefährlicher Brand in einem alten vierstöckigen Hause auS. Durch Rauch und Flammen wurde sechs Famllien Der Weg ins Freie abgeschnitten. Obwohl die Feuerwehr sofort mit Steigeleitern anrückte und sämtlichen eingeschlosfenen Personen Hilfe zu bringen suchte, lieh sich eine 38 Jahre alte Frau Liebscher aus Zuruse von Straßenpattanten aus Dem Dritten Stockwerk in Die Tiefe fallen. Dabei stürzte sie einem Feuer­wehrmann auf Den Rücken und schlug aus Das Pflaster auf. Sie erlitt schwere Ver­letzungen, Denen sie kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus erlag. Duck Der Feuerwehr­mann erlitt schwere Verletzungen. Es gelang, Den Brand zu löschen, ehe Die Flammen auch das stark bedrohte Nebengebäude erreichten.

Eine sechsköpfige Jamilie von Räubern getötet

In D u b n o an Der polnisch-litauischen Grenze drangen mehrere Räuber in das Haus eines ge- wissen Halkow ein und forderten Die Herausgabe Des Geldes. Als Halkow sich weigerte, dem Befehle nach­zukommen, unterzogen sie ihn und seine sechsköpfige Familie furchtbaren Martern. Dem Ehe­paar und Den vier Kindern wurden die Finger zer­brochen, die Augen ausgestochen und die Haare vom Kops gerissen. Ein 14jähriges Mädchen hielten die Unmenschen mit dem Kops in das Feuer des bren­nenden Ofens und ließen erst von ihren unglück­lichen Opfern ab, nachdem sie sie alle getötet hatten.

Ein Danziger Zeitungsverleger gestorben.

In Danzig ist an Den Folgen eines Herzleidens Der Verleger DerDanziger Reue ft en Rachrichten", Senator a. D. Dr. Ing. h. c. Gustav Fuchs. im Aller von 72 Jahren ge* ftorben. Der Verstorbene, Der feit ,35 Jahren auf das engste mit Dem politischen und wirt­schaftlichen Leben Der 6taDt Danzig verknüpft war, gehörte Dem Vorstand DeS Vereins Deutscher Zeitungsverleger an. Rach Begründung Der Freien 6taDt Danzig vertrat er von 1920 bis 1924 Die über Den Parteien stehende Freie Wirt­schaftliche Vereinigung im Danziger Senat. 1927 verlieh ihm Die Technische Hochschule Stuttgart in Ansehung seiner Verdienste um das geistige Leben Danzigs Die Würde eineS Dr. Ing. h. c.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Unter Dem Einfluß der im Norden oo rüberziehen - den Störung sind maritime Luftmaften auf dem Kontinent vorgedrungen, die vielfach Nebelbildung und in Norddeutschland sogar Niederschläge verur­sachen. In ganz Deutschland lagen heute moraen die Temperaturen noch um Den Gefrierpunkt. Kö­nigsberg meldete sogar minus 13 Grad. Der hohe Druck über England hat sich gehalten und wird zu­nächst für unsere Wetterlage bestimmend sein. Die Temperaturen, die tagsüber kräftig ansteigen, wer­den nachts wieder in Gefrierpunktnähe zu liegen kommen. Mit Niederschlägen ist kaum zu rechnen.

WetterooraussagefürDienstag: Neb­lig, wolkig, auch zeitweise ausheiternd, tagsüber mild, nachts Temperatur noch in Gefrierpunktsnähe, trocken.

Wettervoraussage für Mittwoch. Stellenweise neblig, sonst vielfach aufheiternd, troffen.

Lufttemperaturen am 10. März: mittags +10 Grad Celsius, abends + 0,7 Grad; am 11. März: morgens +1,2 Grad. Maximum +10,2 Grad, Minimum1,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. Marz: abends 0,4 Grad; am 11. März: morgens 0,3 Grad Gelsius.- Sonnen» fcheindauer 3n Stunden.