foDanrr tiK Graf Wonzaistnf-DvtNvnde-RemeS, seines Zeichen« ungarischer Staatsangehöriger. den Scheidungsprozeß gegen seine Frau anstrengen. Das war ja 3toed der Uebung: in Italien gibt es nämlich heut« noch keine Scheidung! Früher galt im allgemeinen die kleine Republik San Marino als ein Dorado für Scheidungslustige. Italienische Staatsbürger besorgten dies hingegen meist in der vor dem Zusammenbruch ungarischen Hafenstadt Fiume. Seitdem San Marino die Ehen fremder Staatsangehöriger nicht mehr trennt, und Fiume italienisch geworden ist, greifen die Italiener häufig auf Ungarn zurück! in den letzten Monaten sollen sich mehr als zwanzig Leute auf die geschilderte Weise haben adoptieren lassen, um vom Joch der Gye freizukommen.
Der Schrei im Telephon
— Paris.
3n der Nacht vom vorigen Freitag zum Samstag, so gegen vier Uhr morgens alimmte plötzlich im Telephon-Zentralamt „Marcadet in Gruppe 40 ein kleines Lämpchen auf. da» andeutete, daß der Teilnehmer in der Coulaincourtstraße sprechen wollte. Ein Telephonist nahm die Verbindung auf und antwortete mit dem hier üblichen „Ich höre" Er Hörle im ersten Augenblick nichts als einen unbeschreiblichen Lärm i)a — plötzlich' ein furcht- barer Schrei am ander«n Ende de» Drahtes ein Schrei, von einer Frau ausgestoßen der dem armen Telephonisten durch Mark und Bein fuhr Einige Sekunden vergingen, dann erlosch das kleine Lamp- chen. Was war geschehen? In der Wohnung des Äbonnenten war die Verbindung plötzlich unter» brachen Das ist ein Drama dachte der Telephonist sofort, eine ernste Gefahr droht dieser Frau. Die telephonisch Hilfe herbei rufen wollte. In aller Eile tat er das. was in diesem Falle dos einzig Richtige war, er benachrichtigte sofort das Uederfov- kommando der Polizeistation Tourlaque und mochte Mitteilung von seinem furchtbaren Erlebnis.
Eine Viertelstunde später stellten sich zwei Kriminalbeamte in der betreffenden Wohnung in der Coulaincourtstraße vor. Die Tür öfsnete sich und ein Herr in fröhlicher Stimmung stand vor ihnen und fragte noch ihrem Begehr Als er nun von den Beamten den Grund ihres Erscheinens erfuhr, hätte er beinahe einen Lachkrampf bekommen. Er führte sie in die Wohnung, in der eine größere Gesellschaft feuchtfröhlich versammelt war, und erklärte den auf- schenerreaenden Fall-
Einer Der Gäste hott« durch Unvorsichtigkeit den Telephonapparat vom Tisch gestoßen: dabei war der Hörer obgefallen. Der Tturz des Apparates und dos vielleicht urkomische Gesicht des Uebeltäters hatten bei einer der Domen ein derartiges Lachen ausgelöft. daß es, entstellt durch Mikrophon — und Alkohol? — am anderen Ende der Strippe wie ein verzweifelter Hilfeschrei klang.
Oberheffen.
Gießen, den 11. Februar 1989.
Landkreis Gietzen
(D Lollar, S Febr. Unsere Gemeinde- jaad, die 82,50 Hektar Wald und 383.25 Hektar StlD umfaßt, war bisher für 800 Mark jährlich verpachtet. Da di« Pachtzeit Ende Januar ablief erfolgte kürzlich eine öffentliche Reuverpachtung, bei der jedoch nur ein Höchstgebot von 370 Mark, abgegeben von dem seitherigen Inhaber der Jagd, erzielt wurde. Da andere ernsthafte Bewerber um die Jagd nicht in Betracht kommen und ein nochmaliges AuSgebot kaum ein günstigeres Ergebnis haben dürfte, trat die Gemeinde mit dem seitherigen Inhaber in Unterhandlungen. um wenigstens den früheren Pacht- pretS wieder zu erzielen. Erfreulicherweise konnte durch die freiwillige Zustimmung des seitherigen Pächters eine Einigung auf dem früheren Pacht- yreisstand von 800 Mark erzielt werden, so daß
Stirnen, Sport und Spiel.
Fußball - Landerkampf Deutschland — Schweiz.
Deutschland schlägt die Schweiz 7:1 (3:0)
Im Mannheimer Stadion erfocht gestern die deutsch« Fußball-Ländermannschaft vor etwa 30 000 Zuschauern einen glanzenden Sieg über die schweizerische Vertretung. Die Schweizer stießen aus eine Mannschaft, dir in allen Teilen so stark überlegen war, daß die groß« Anzahl von Loren fast selbstverständlich fallen muhte. Das erste wurde von Frank acht Minuten nach Spielbeginn aus Stettvorlage P ö t 1 i n - gerS erzielt. In der 22. Minute schoß Sobeck nach einem Freistoß im Strafraum der Schweizer den zweiten Treffer. Ihm schloß sich unmittelbar vor der Pause das dritte Lor durch Frank an, nachdem Weinmann mit einer Glanzleistung den Ball von der Auslinie ins Feld hereingeholt hatte. Kurz nach der Pause erzielte Pöttinger mit Kopfball aus Vorlage Franks das vierte Lor, dem ganz kurz darauf toicberum durch Fran, der fünfte Treffer folgt«. Eaenso erzielte auch Frank in der 67. Minute das sechste Tor für Deutschland. Darm erst gelanr es den Schwe zern. im Anschluß an ei um S rafslo Weilers vurch Ko faalt von ckbeg le fi das Eh e.-hoi zu erzielen Loch folg « d ese n b S fufcte Lor für Deutschland durch eine Kombination des Innensturms und Schuh S o b e ck s.
Die deutsche Ländermannschaft war in garu hervorragender Form. Besonders arbeitete der Sturm in einer ungeahnten Flüssigkeit und Prduktivität. Hier tat sich namentlich Frank auf halblinks hervor, der mit Hoffmann einen vorzüglichen Flügel bildete Fast ebenso gut war auch die rechte An- griffsfeite einschließlich des Sturmführers Pöttinger In ganz hervorragender Weife spielte auch die Läuferreche. und ihr stand auch die Der- teidigung mit dem besonders zuverlässigen Schütz nicht nach. Kreß bewährte sich ebenso aufs beste als Torhüter, trotzdem er nicht allzuoft in Tätigkeit zu treten brauchte Dieser Mannschaft gegenüber, Vie ein kompaktes Ganzes bildete waren die Schweizer machtlos Besonders galt dies von der Hintermannschaft, in der die Verteidiger Weiler und R a m s e y e r mit den deutschen Flügelstür- mern nicht Schritt halten konnten. Noch hervor- ragender als die Dertetdiaung wurde die Läuferreihe überspiell Die deutsche Mannschaft hielt die gegnerische Deckung durch dauerndes Dreieckspiel in Atem. Nur vereinzelt kam die Schweizer Mann- schäft zu einer geschlossenen Handlung scheiterte dann aber sehr bald an der Energie der deutschen Abwehr Der Sieg ist zwar etwas hoch ausgefallen, die Tore fielen aber mit einer solchen Celbstver- ständlichkeit. daß an dem Resultat nichts zu deuteln ist. Der überlegen« Sieg Deutschlands reiht sich dem 5:0, das Süddeutschland kürzlich gegen Oesterreich erzielte, würdig an und wird mit Recht größte» Aufsehen erregen Das Spiel wurde von dem Kopenhagener Schiedsrichter Lauritz Anderson aufs beste geleitet. Es verlief sehr fair, wie auch die ganz« Rahmenveranstaltung einen äußerst harmonischen Verlauf nahm. Die Schweizer wurden von Der Mannheimer Bevölkerung aufs herzlichste bewillkommnet und waren sichtlich non der Aufnahme befriedigt.
Kußball in Hessen-Haimover.
Sp.D. Kassel — 6.6.03 Kassel 2:4 (2:1).
Dyr 4000 Zuschauern errang gestern in Kassel der S. T. 03 Kassel einen 4:2°Vieg über Spiel - verein. Während der ersten Hälfte des Kampfes war Spielverein etwas besser, nach der Halbzeit ließ jedoch seine Hintermannschaft stark nach. S. C. 03 hat dieses Spiel verdient gewonnen und sich damit den Meistertitel in der Rord- gruppe gesichert. Die Leistungen auf beiden Seiten befriedigten nicht r«ht.
Fußball in Süddeutschland.
In der Runde der Meister ruhte der Dpiel- betrieb vollkommen, während in der Runde der Zweiten und Dritten in der Gruppe Rord und in der Gruppe Süd nur je ein Spiel stattfand. In der Gruppe Rord feierte der F. E. Idar über Saar 05 Saarbrücken wieder einen glatten 5:l-6icg und tritt damit allen Ernstes als Bewerber um die Tabellenspitze auf. In der ersten Halbzeit leisteten die Saarbrücker erbitterten Widerstand, in der zweiten Halbzeit konnten sie aber dem Idaer Sturm nicht widerstehen. 3n der Gruppe Süd hatte der A. S. B. Rürnberg München 1860 zu Gast Dis zur Halbzei' lieferten sich beide Mannschaften ein gleichwertiges Spiel und gingen mit 1:1 in die Pause. Rach der Pause erzielten die Nürnberger schnell hintereinander drei Tore und sahen bei dem Stande von 4:1 sich bereits als sichere Sieger. Die Münchner waren aber trotz des Karnevals nicht energielos, sondern machten die größten Anstrengungen. um wenigstens einen Punkt zu retten, was chnen auch schließlich gelang. Mit 4:4 endete da- ereignisreiche Tressen.
Handball im Bezirk Main-Hessen.
Alm die Bezirlsmeisterschaft von Main-Hessen für Damen schlug am gestrigen Sonntag F. Ep. D. Frankfurt die Sp. Dgg. Arhettgen mit 5:0. Deutsche Hatteniennismeisterschasten.
Die Spiele um die Deutschen Hallentennismeister, schäften wurden am geftugen Sonntag in Bremen beendet Wie im Vorjahre, so konnte auch diesmal wieder der Kopenhagener Axel Petersen den Meistertitel davontraaen. Im Finale fch'.ug er den Hamburaer Dr D ess art 7:5, 7:5, 6:0 Außerordentlich spannend verlies die Entscheidung in der Domenmeisterschaft Frll Rost (Köln) gelang es nach ausgegl ch?nem Spiel, Frau Friedleben (Frankfurt a.'JÄ ), die seit 1926 die Meisterschaft innehatte, 11.9, 3:6, 7:5 zu bezwingen Im Herren- doppel überwanden Matejka Moldenhauer bte Hamburger Dr Dessart-Frentz 6:4, 6:4, 6 4 Zu einem Doppelerfolg kam Frl Rost mit dem Wiener Matejka als Partner im gemischten Doppel, wo sie in der Endrunde Frau o. Recnick- Moldenhauer 6:3, 6:3 schlugen. Im Damen- doppel, das nicht als Meisterftyoftskonkurrenz aus- geschrieben war, kamen Frl. H o f f m a n n - Frl. Kallmeyer zu einem ziemlich leichten Siege mit 6:2, 7 5 über Frau Neppach - Frl. R o st. Sieger in den Trostrunden wurden der Düsseldorfer Rem- m e r und Frau Fritsch (Dresden).
unser Gemeinbehaushalt keine Mindereinnahme erleidet.
Reiskirchen, 9. Febr. Am 2. Februar wurde die hiesige Demeindejagb, bestehend au» 738 Hektar einschll 200 Hektar Wald, zum Preise von 1310 Mark an einen Gießener Herrn verpachtet. Die Genehmigung, die sich der Gemeinderat Vorbehalten hatte, wurde jedoch nicht erteilt Rach rechtmäßig erfolgter Bekanntmachung
kam die Jagd heut« zum zweitenmal zum Aus- gebot und eS wurden 1522 Mark dafür bezahlt Die Gemeinde hat damit einen Mehrerlös von 212 Mark erzielt Gegenüber der letzten Iagd- periode. in der pro Jahr 850 Mark bezahlt wurden. beträgt das Mehr 672 Mark.
Ö Göbelnrod, 10. Febr. Der hiesige Kriege r v e r e i n hielt dieser Tage bei Gastwirt Decker seine &ter"iäljr:ge ©eneralnerfamm-
Das große Grauen.
Vornan von H. A. von Byern.
Urheber-Rechtsschutz durch Qkrlag OSkar Meister, Werdau.
4. Fortsetzung Nachdruck verboten
Gut wäre es schon, wem» der Hirsch bei der Hitze bald zu Tal kommt und hier — zwanzig Kronen, dafür trinken Sie abends ein paar Mast--46
.4 naa. Herr, soviel braucht« net---
.Rehmen Sie nut,“ und dann drückte ich dem Jack! einen Hundertguldenschem in die Hand. Ganz verdattert starrte er auf die Banknote.
Steden Sie nur ein —, nein, bitte keinen Dank, ds maag ich nicht leiden."
.Herr, da hab'n S' Ihna verschaugt, daderfür frtagt ma ja a Kuah--—"
.Ra also, kaufen Sie sich eine, und nun wollen wir ein bißchen rasch gehen, es ist ohnehin spät geworden."
Sine Weile schritten wir schweigend »rebeneinander her, der Jäger schluckte ein paarmal.
.Herr, wen S ebba g rab an Fetzenbock schloßen möchten, an ganz an schwären — — —
.Mögen schon, ich lächelte: .aber lieber wär mir’« noch, wenn ihn mein Freund auf bte Decke legte.“
»Dos glaubst, nur — der Herr von Andrian verwischt 'n net. hat hall koan Stern im Terofaler Revier, met, do kannst ntf mach«, iS a schiachS G'wand. an der Rheiderspitz grab ober der Klamm.“
.Dabin wollten wir heute nachmittag. Steht da nicht irgendwo eine Jagdhütte?“
.Doll, woll, an Dera Rordseitn von da au« 's nv a guate Stund' — —
„Ra, dann llappt es vielleicht morgen, ist der ftöd wirklich so kapital?"
.Derfelblg'?^ 3adl paffte mächtige Wollen aus seiner halblangen Iagdpfeife: „Kruck'n tota r a geringer Hirsch so stark d' Schläuch ganz dick voller Pech, spmuibroat ausg’legt un g'hackÄt —. ah, do seit st nie, g’rai) nobel!"
UntoiUtürlid) dachte ich an die andere Krücke, die in Schloß Serofal unter dem Bild des Hubertus Silvester hing:
v 3a cf 1 mir will die Geschichte nut dem----
dem „anbicen' immer noch nicht aus dem Srmr. Hoben Sie denn den geheimnisvollen wilden Jäger damals wirklich leibhaftig gesehen?"
„2lul Ehr und Seligkeit. Herr''
.Eine Täuschung durch zteyende Rebelschwaden kann rs also nicht gewesen sein?"
,G'wih und wahrhaftig net. an Jurament leg i braut ab!“
»Dann war'S am Ende ein Wilderer----V
„2 Lump?" Der Jäger schüttelte langsam den Kopf: .Ra, Herr, dö ttag'n doch kva Montur net, und der Zwilling, so a g'spaß'ger Stutz n, mit Feuer steins chlösser.- —
Ich ließ noch immer nicht Loefer
.Sie hatten wohl gerade mit dem Herrn von Andrian über den Hubertus Silvester gesprochen? '
.Dees schv —gab er zögernd zu.
.So — o! Hub da hall dann die Phantasie nach: Aber was sagen denn eigentlich die Leute? Ich uietne, die Geschichte ist doch so lange her. daß man meinen sollte, es sei nun endlich einmal Gras darüber gewachfeir."
Iackl wühlte mit den Fingern in dem roten, wuchernden Dlattgestrüpp:
.De Leut. Herr, (an wia de Hammel, wann oaner bl5tt. bl&fn dö andern mit, aber in Tero- fal, da werden S' net oan sind'n. der den wild'n Jager net. scho leibhafti g'sehgn hat, Stoa un' Boan schwören f drauf, un' mir Jager lass'n f a dabei, nacha krax'ln s net allweil im Revier umananb un' machn de GamS rogllg."
Dagegen lieh sich nichts einwendeir. Aberglaube und Gespenstcrsurcht sind oft der beste Jagdschutz. Die Steinmauer des SchloßparkS hob sich aus dem satten Grün der Hainbuchen, ich öffnete die kleine Oattentür. ging den mit Taxus eingefaßten Mittelweg hinab. — Droben klirrte ein Fenster.
„Hast ihn, Lllterle?!"
,$r siegt!"
„Hcrrgot nochmal!" Strahleird vor Freude. alS hätte er selbst den Hirsch geschossen, kam mir der Vinzenz entgegen. „Die mich das freut! Und brav iS S G'weih! Aber schon seiyt brav! So laufen net viele umananber in Trrvl? Lag er denn gleich?"
Dir traten ins Haus und ich berichtete.
,Is schon a Glückstag." meinte mein Freund:
„Der Poldi Pürkstein uni der Ritter von Molnar hab'n jeder an guten Gams, jetza ruhst di aber erst amal auS, ißt vor allem wa« um halber drei lnarfchier'n ma nacha auf d' Hütt'n. und morgen früh holst dir den Kapitalen." —
„Boir dem hat mir der Iackl schon vvrge- fchwärmt"
„IS a Fetzenbock. ja. aber dir gönn ich ihn. bist wohl arg müd?"
Gin Vissel lag mir die Frühbirich schon in den Gliedern, doch das warme Gabeltruhstück und zwei Gläser alten Pvrtwsttrs frischten die Lebensgeister rasch genug wieder auf.
„Ro also, jetza schlas ,wch a pa«ir otünbert, mei TUtede. um ein Uhr tarn di der Andrrl wecken nacha ess n ma. trinken a Schaler! Kaffee -. is recht foT
^Ganz tote du metnst. ich gab dem Vinzenz bte Hand ..und eh ich's vergesse, wenn du im Rovcmber zu den Jagden zu mir kommst, dann Äöu den Iackl mit. ich hab ’S ihm Der-
.Is recht, der wird aber amal schaug'n" — die Tür klappte und ich war allein in meinem Zimmer —. auf dem Flur schlug di« alte Kastenuhr die elfte Stunde.
Aber der Schlaf wollte nicht kommen. Dafür stellte sich ein dumpfer Kopfschmerz ein — na ja. schließlich war das kein Wunder, ich mußt« mich eben erst wieder an die Strapazen einer Hochgebirgsbirsch gewöhnen. Aber vielleicht wurde es im Freien besser. Leis«, um bte anderen Gäste nicht zu stören, ging ich über den Flur und trat in den Park. Kein Matt regte sich, kein Botel fang, still und verträumt lagen die Wei en Rasenflächen da. Hinter einem Oleandergesträuch taucht« ein flacher, brettrandiger Hut auf.
,.Ah. guten/Tag, Hochwürden!"
„®uten Morgen." Der Kaplan lächelte: „Sie haben Weidmannsheil gehabt?"
„Jawvhll einen Giss rosfenzehner, doch — Der- zeihung, ich störe wohl?"
„Durchaus nicht, bitte, lassen Sie sich ickcht durch mich vertreiben..
Wir gingen langsam nebeneinander her bis zu einer moosbewachsenen SteirrbanL
„Hier ist mein Lieblingsplötzchen ' sagt« der geistliche Herr, „bie gaiye Terofaler Oed kann man übersehen, das Tal brunten, ist es nicht ein gesegnetes Erdenfleckchen?"
„3a. offen gesagt, ich begreife meinen Freund nicht recht, an seiner Stelle würde ich nicht bloß zur Jagdzeit für ein paar Wochen hier bleiben, um dann wieder in irgendeinem fremden Grdtell ein Romadenleben zu fuhren."
Wir hatten uns gesetzt. Kaplan Zrurerrnvser zeichnet« mit einem abgebrochenen Rst Figuren in den Sand. „Getrau dasselbe h^be ich Herrn von Andrian auch schon öfters getagt.“
„Unb?“
„Gr hat nun einmal eine Abneigung gegen Terofal.. ."
„Doch nicht etwa tragen des sagenhaften Hubertus Silvester?" fuhr es mir heraus. „Das — das wäre ja einfach lächerllch!"
„Meineir Sie? " Gs war ein seltsam prüfender Mick, der mich streifte, ein halbes Lächeln, in dem nod) em tiefer Ernst lag
„Hochwürden!"
Scharf umvissen hob sich das Prosil des geistlichen Herrn von einer buntlen Radelholzgruppe ab" die hohe, finge (Stirn, das eckige Kinn, darüber der fest geichlv.'ene. ichmallippige Mund und die wett vorspringende Rase. Er sah mich rächt an. seine Stimme flanq verschleiert:
„Sie kennen die Geschichtet^
. Derttgstrnrs das Wesentlichste, es ist eine Sage, wie man sie auch in meiner Heimat findet, eine Abwandlung der Legende vom wilden Jäger."
.Ganz recht, nur daß diesen... Gerüchten eine tatfac&lKbe Begebenheit Zugrunde liegt, Dinge.
lang ad. Rachdem der 1. Vorsitzende. ^Bürger* meister Weber, die Kameraden begrüßt hatte, erfolgte die Rechnungsablage, die einen Heber- schuh von 114 Mk. ergab. Sodann wurden drei neue Mitglieder aufgenommen. Bei der Vorstandswahl wurden die settherigen Inhaber der Remter wiedergewahlll Hierauf fand die vom ReichSkriegerburch ..Koffhäuler" angeregte Kundgebung gegen die Krieg öschuldlüge ftatt Aus Anregung hin wurde zuletzt befchlosfeir. am 16. Februar einen Familienabend mit Konzert und Verlosung zu veranstalten.
4- Grünberg, 9. gebt. Eine wohlverdiente Ehrung wurde dem ersten Sprecher des hiesigen Turnvereins, Lehrer Wenzel, von turnerischer Seite bereitet. Gelegentlich seiner Silberhochzeit, die Lehrer Wenzel am 7. Februar feierte, wurde ihm der Ehrenbries des Mittelrbeinkreifes der Deutschen Turnerschaft verliehen. Lehrer Wen- zel war früher lange Jahre Schriftwart und ist letzt seit etwa einem Jahrzehnt erster Sprecher des hiesigen LlltrnvereinS. Dei dm Gauturnfesten totrtte et als Riegenführer. Kampfrichter und namentlich als Rechner im Verechnungsaus- schuß hervorragend mit
* Lang-Göns. 8. Febr. Ein ahnsehnlicher Trauerzug bewegte sich heute nachmittag burw unseren Ort. um den nahezu 81jährigen seither im Ruhestand lebenden Förster Heller, Kriegsveteran von 1870/71, zur letzten Ruhe zu bestatten. Außer dem Kriegerverein, dessen Wi brgründer und Ehrenmitglied der Verstorbene war, beteiligten sich der Gesangverein ..Frohsinn" eine Anzahl Forstbeamte und eine große Zahl Ortsangehörige an dem Trauergefolge. Rach einer erhebenden Ansprache des Ortöge.stlichen. der die Verdienste und die Persönlichkeit des Verstorbenen würdigte, spielle der Posaunen- chor. der auch die Trauerfeier einleitete, einen Ehorall Bei den folgenden Kranzniederlegungen würdigte der Vürgermeister die Verdienste deS Verstorbenen, die er sich um die Pflege deS Ge- meindewaldeS erworben hatte: eS folgten weitere Z^ranzniederlegungen durch den Kriegerverein. den Gesangverein ..Frohsinn" und vom Vorstand des hessischen ZorftamteS Gießen. Gin« Abordnung deS KriegervereinS gab die übliche Ehrensalve ab.
h. Aus der nördlichen Wetterau (0. Febr. Bei dem hohen Schnee und der lang- dauernden Kälte ist es in unserer Gegend eine auffallende Erscheinung, daß sich auf den vielen Futter st eilen für Vögel meistens nur Duchfinkenmännchen, Dorf- und Feldsperlinge mtt Amseln von unseren Standvögeln einfanben, die in ihrer Gesellschaft aber in früheren Wintern beobachteten Goldammern gänzlich fehlen. Auch die verschiedenen Meisenarten sind diesmal viel geringer alS sonst vertreten. Die schönen Dompfaffen suchen auch die HauSgärten auf, wagen sich aber selten auf Futterplätze, sondern ernähren sich vorwiegend mit Unkraut- unb Ahornsamen. Von den nordischen Wintervögeln haben sich sehr zahlreich die Bergfinken eingelunden. Die Haubenlerche welche früher in jedem Winter die Dorfstrahen unserer Gegend besuchte und mühsam ihr Futter fand, fehlt jetzt völlig ebenso die schöne Mantelkrähe. Rur fetten stellt sich einmal der Kernbeißer auf einem Futterplatz ein. Einer der schönsten W'intergäste aus dem hohen Rorden. der Seidenschwanz, der in den letzten strengen Wintern an verschiedenen Orten unserer Gegend, besonders häufig im Kurpark von Bad Salzhausen angetroffen wurde, hat sich bis jetzt nicht wieder eingesteNi. Dagegen sind viele Stare hier geblieben, di« doch gewöhnlich die strenge Winterszeit in bei Rheinebene verbringen.
Mreie Büdingen.
△ Ridda. 10. Febr. Die Arbeit der Ueberlandzentrale zur Umstellung dcS Ortsnetzes Ridda auf di« Strom-
di« sich erst vor hundert Jahren zugetragen haben..."
„Und wahrscheinllch maßlos übertrieben worden sind!" fiel ich ein.
„Mag sein, daß der Bolksmund manches hin- zugcdichtet und auSgeschmückt hat. aber abgesehen davon, es existieren die Berichte meines Amts- vvraän^ers, des Pfarrers Gyprian und — unb-7 er stockte.
„Und?!" fragte ich atemlos.
„Gs gibt Ding«, die menschlichem Scharftimi verschlossen sind, alles Grübeln ist da zwecklos"
Wir schwiegen beide, bis ich -özernd fragte
„So glauben also auch Sie an die MöglicAeit eines Berhängnisies, eines Fluches, der auf dem Geschlecht meines Freundes ruht?"
„Gott ist gerecht..
„Und ist die ßtebe. die Barmherzigkeit I" M ich rasch ein.
„3a. aber nur dem reuigen Sünder gegenüber!"
„Wag fein, immerhin — sollen Unschuldig leiden, todl einet ihres Blutes Unrecht tat? Sind wir nicht alle erlöst durch Thristi Leiden und Sterben? Kann man einen Menschen verantwortlich machen für die Taten seiner Vorfahren?"
Der Kaplan fah mich jetzt voll an. die Antworten folgten sich Schlag auf Schlag:
„Sine Erlösung ist erst im Ien^ettS möglch und — was Ihre Frage anbetrifft - ist nicht das ganze jüdische Dolk verdammt worden? Erleben totr es incht täglich, daß Geschlechter ,u» gründe gehen, wett ihre Ahnen wider Gottes Gebote fünbigten? Werden nicht die Verschlungen der Eltern oft genug heimgesucht an Kindern und Kindeskindern?''
Ich brannte mir eine Zigarette an um Zeit zu gewinnen.
_öte hämmern da mit Argumenten aut mtä ein. denen ich im Augenblick nicht gewachsen bin Hoch wurden. Aber gesetzt den Fall, Sie hättet Recht mtt Ihrer- Theorie einer schon aus Erder rächenden Remesis. dann müßte es doch auch eine Sühne, eine Entsühnung geben, und gerat* Ihre Kirche kennt so viele Gnadenmittel: 'Beichw Seelenmessen."
„Für einen Gebannten gibt es feine Beichü werden feine Mellen gelesen, er steht außerhalb
Gemernschast..
.^Mer mein Freund?'"
,.3$) bete für ihn....' sagte der GsstÜckL leise: „nur — Gottes 'Ratschluß ist auch dew Priester verborgen, wir dürfen unS nicht v«> messen in fein Walten einzugrnfen unb — da- Hei! der Seele, die sellge Ewigkeit ist toichkige» als leben oder sterben..
Ziehende WvlLrnschatten verdeckten die im Zenith stehende Sonne ich warf die erst halb auf- gerauchte Zigarette weg. ein Frösteln Ref den Rücken hinab, (Fortsetzung folgt.'


