Ausgabe 
11.1.1929
 
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Nie französische Gesandtschaft in München.

Berlin, II. Ion. 3m S t r a f r« ch ts au s- schuh des Reichstages ist ein Beschluß zu­stande gekommen, der bedeutungsvoller ist, oid es auf den ersten Blick scheinen mag. 3n der Frage des verschärften Rechtsschutzes frem­der Diplomaten gegen Beleidigungen hat sich eine Mehrheit des Ausschusses auf den Standpunkt gestellt, dah solchen Rechtsschutzes nur diejenigen Diplomaten teilhaftig werden kön­nen, die beim Reich und nicht etwa, wie es der R-gierrmgsentwurf vorsah, im Reich beglau­bigt sind. Das richtet sich ganz deutlich, wie das auch aus der Aussprach« hervorgeht, gegen den französischen Gesandten, der heute noch in München sitzt, als gäbe es nicht seit 1870 ein einheitliches Deutsches Reich mit einheitlicher deutscher Außenpolitik, und als gäbe cs nicht eine Reichsversassung, die die Regelung der Beziehungen zu auswärtigen Staaten zur ausschließlichen Reichssache macht. Der französische Gesandte in München, der natürlich überhaupt nichts zu tun hat, ist praktisch nichts weiter als eine unfreundliche Demon­stration Frankreichs und darüber hinaus eine völlig überflüssige Einrichtung. Die Tat­sache, daß diese Gesandtschaft noch heute existiert, wirbt um so mittelalterlicher, als sich im Reich doch die Ileberzeugung immer stärker durchgeseht hat, daß wir ohne eine großzügige Erneuerung des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern nicht zu gesunden Verhältnissen kommen können.

Der Kelloßg-patt und Osteuropa.

Polens Antwort auf die Litwinownote.

Warschau, 11. Ian. (TU.) Am Donnerstag hat das polnische Außenministerium den Text der Ant- wortnote an Sowjetrußland veröffentlicht. In der Note heißt es u. a.: Die Regierung habe sich mit dem russischen Vorschlag befaßt und sei grund­sätzlich bereit, den Vorschlag anzu­nehmen. Sie müsse sich aber die Möglichkeit vor­behalten, der Sowjetregierung ihrerseits Abände­rungen vorzuschlagen, die sich im Verlaufe der weiteren Erwägungen als notwendig erweisen könnten. Ferner sehe sic sich zu der Feststellung ver­anlaßt, daß der Art. 3 des Kelloggpaktes die Be­stimmung enthalle, daß das Abkommen erst nach Niederlegung der Ratifikations­urkunden in Washington durch sämt­liche beteiligten Staaten in Kraft treten solle. Diese Bestimmung mache allen Signatarmäch­ten zur Pflicht, sie gemeinsam vorzulegen. Polen als einer der ursprünglichen Signatarstaaten sehe sich genötigt, sich in bezug auf die von So­wjetrußland vorgeschloaene abweichende Behandlung vorher mit den Urhebern des Paktes und den übrigen Signatarstaaten ins Einver­nehmen zu setzen. Es müsse darauf aufmerksam gemacht werden, daß bisher noch keine die- s e r Mächte die Ratifizierung des Paktes vorge- nommen habe.

Es heißt bann weiter: Obwohl unter den an­deren unmittelbaren Rachbarn der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken so ehrenhaft aus­gezeichnet, muh die polnische Regierung des wei­teren ihre Verwunderung darüber ausdrücken, daß die Regierung der Sowjetunion mit ihrem Vorschläge die Regierungen Finnlands, Estlands, Lettlands und Rumäniens übergangen hat. Dagegen sich an Litauen, das nicht unmittelbarer Rachbar der Sowjetunion ist, und das, wie der Regierung der Sowjetunion bekannt ist, die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Polen ablehnt, gewandt hat. Solche Differenzierung erschwert die Situation der polnischen Regierung um so mehr, da sowohl Rumänien, wie die balti­schen Staaten in dieser- oder jener Form ihre Bereitwilligkeit, dem Kelloggpakt beizutreten, er­klärt haben. Die polnische Regierung möchte die Regierung der Sowjetunion daran erinnern, daß sie immer auf dem Standpunkte der Aotwendig- keit der einheitlichen Behandlung der Frage der Sicherheit in Osteuropa durch alle daran interessierten Staaten stand, da nur eine solche Behandlung dieser Frage eine reelle Friedens­sicherung für diesen Teil Europas sein kann.

Schaumburg-Lippes Anschluß an Preußen.

Berlin, 11. 3cm. (Priv.-Tel.) Die »Ger­mania" meldet aus Bückeburg: Der Schcuun- burg-Lippische Landtag hat Richtlinien aufge­stellt, in denen die Bedingungen enthalten sind, unter denen Schaumburg-Lippe bereit wäre, den Anschluß an Preußen zu vollziehen. Diese Bedingungen, deren Wortlaut der Oeffentlichkeit noch nicht übermittelt wurde, sind so gehalten, daß Schaumburg-Lippe erhebliche Vor­teile hätte. Preußen ist geneigt, die Verhand­lungen auf der Grundlage der Bedingungen vom Jahre 1926 zu führen. 3etzt ist der Landtag aber über diese Bedingungen noch hinausgegangen und hat weitergehende Forderungen gestellt. Man hofft gleichwohl, daß sich Preußen ifjnen nicht verschließen wird. Sollten die späte­ren Verhandlungen mit Preußen ein für Schaum­burg-Lippe annehmbares Ergebnis habcn, so wird der Landtag auf der Grundlage der neuen Bedingungen zweifellos die erforderliche Zwei­drittelmehrheit für die Anschlußabstimmung auf­bringen.

Aus aller Welt.

Das Fahrtenprograrnm desGrasen Zeppelin".

Dr. Eckcner gab demD. T." 3nfonnationen über die bevorstehenden großen Fahrten des 2. Z. 127. Die Fahrten werden in den nächsten Wochen beginnen. Zunächst werden Versuchs- führten in die weitere Umgebung des Bodensees veranstaltet. Ende Februar wird der erste Mit­telmeer-Rundflug mit Passagieren unter­nommen, der über die Küsten von Europa, Afrika und As-EN gehen und etwa SVz bis 4 Tage in Anspruch nehmen wird. Er soll über Mar­seille nach Alexandria. Kairo, Jaffa und Jeru­salem führen: zurück ist der Weg über Triest und Wien geplant. 3n Palästina ober Aegypten soll nach Möglichkeit eine Zwi­schenlandung mit Autoausflug zum Heiligen Grabe oder zu den Pyramiden vorgenommen werden. Weitere Passagierslüge sind für März und April vorgesehen. Sie werden Ozeanflüge in der Rahe der Festlandsküsten fein, und wahr­scheinlich teils nach Island, teils nach Ma-

Die Siaaiskn'se in Südflawien.

Die in Südslowien am 6. Januar eingerichtete Diktatur' des Königs versucht die seit Jahren per­manente Staatskrise auf der Grundlage der ab­soluten Monarchie zu lösen Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, wie Südstawien offiziell heißt, ist trotz diesem Öl amen, dem Wesen nach ein großserbischer Einheitsstaat, in dem die zahlreichen Rationalitäten feine Autonomie haben. Die Kroaten, vertreten durch die kroatische Bauern­partei, beffeu Führer Raditsch im vorigen Jahre in der Sitzung des südslawischen Parlamentes

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Was wollen die Kroaten?

(Skuptschina) erschossen wurde, verlangen nun die Einteilung des Landes in die historisch gewor­denen Landesteile mit weitgehender Autonomie. Diese Landesteile sind:

1. das eigentliche Serbien:

2. Kroatien mit Slawonien und Dalmatien (bis 1918 Teile von Oesterreich-Ungarn):

3. Slowenien (bis 1918 österreichisch):

4. Bosnien und Herzegowina (bis 1918 Oester­reich-Ungarn gehörig):

5. Woidwodina (bis 1918 ungarisch):

6. Montenegro (bis 1918 selbständig):

7. Mazedonien (bis 1912 türkisch).

Unsere Karte veranschaulicht diese von den Kroaten geforderte Einteilung, die in den un­ausbleiblichen Auseinandersetzungen der nächsten Zeit eine ausschlaggebende Rolle spielen wird.

Kroatien und die Diktatur.

Schärfste Opposition. - Zensur in Agram

B u d a p e st, 10. Ian. (WB.) Der Kroatenführer M a t s ch e k äußerte gegenüber dem Sonderbericht­erstatter desPesti Hirlap", es sei eine Torheit, ihm eine Aeußerung zuzuschreiben, als ob die Kroaten mit der jung st en Wendung zufrieden wären. In Kroatien und im Gene­ralstab sei die Meinung allgemein, daß die Dik­tatur sich gegen die Existenz des Kroatentums richte. Auf serbischer Seite gebe es kein einziges Mitglied der Regierung, das par­teipolitisch nicht exponiert wäre. Um dem Ausland Sand in die Augen zu streuen,, habe man auch drei Kroaten in das Kabinett aufgenommen, die tatsächlich außerhalb jeder Partei stehen. Die Ernennung von Churlage zum Fi­nanzminister betrachteten die Kroaten als eine Provokation. Er sei von Serbien zum Finanz­minister bestellt worden, weil man glaube, daß die Auslandanleihe leichter zu erhalten sei, wenn man sagen könne, der Finanzminister sei ein Kroate. Die Kroaten, fuhr Matschet fort, erklären der Welt, daß sie die Anleihen der Diktatur nicht anerkennen werden. Verpflichtend für Kroa­tien ist nur eine vom kroatischen Ga­bor beschlossene Anleihe.

Die Kroaten fühlen instinltiv, daß die Dik­tatur sich gegen ihre Selbständig­keit s- und Freiheitsbewegung richtet. Sie wissen recht gut, dah schwere Tage folgen werden. CS handelt sich jedoch um den letzten Unterdrückungsversuch. Mißlingt dieser, so wird es kein Mittel mehr geben, um die Kroaten im S.H.S.-Staat behalten zu können. Don kroati­scher Seite wurde keine einzige Stimme laut, die sich über die Diktatur gefreut hätte. Anders­lautende Rachrichten find Lüge. 3m Agrarner Bezirk wird Briefzensur ausgeübt. Den Kroaten werden Auslandpässe verwei- g e r t. Seit Ausrufung der Diktatur ist Kroatien geradezu hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen. Deshalb vermag die Dik­tatur im Ausland Rachrichten über eine Freude der Kroaten zu verbreiten. Die Kroaten wissen, daß die Diktatur keinen provisorischen, sondern dauernden Charakter hat und den Zweck verfolgt, mit Hilfe des Absolutismus das zu er­reichen, was mit anderen Mitteln nicht möglich war: nämlich die 6erbifierung der Kro­aten.

DerZchlungMschlanHemianllMchling.

Berlin, 11. 3an (Priv.-Tel.) 14 441,41 Franks zuzüglich 1 Frank für Porto soll der saarländische Großindustrielle HermannRöch- ling binnen einer Woche zahlen, widrigenfalls diese nicht ganz unbeträchtliche Summe durch Zwangsvollstreckung erhoben werden soll. So will es daS Derkehrssteueramt in Metz, das auf Grund ungeklärter Zusammenhänge sich dabei irgendwie auf die 1919 gegen Röchling verhängte Strafe von 10 3ahren Zuchthaus, 13 3ahren Landesverweisung und 10 Millionen Geldstrafe in Frank wegenRaubes, ge­waltsamen Diebstahls und sonstiger Verbrechen" bezieht. Run ist es nicht das erstemal, dah Röchling solche Briefe erhält, und er selbst ist der Auffassung, dah der seltsamen Aufforderung keine Weiterungen folgen werden, daß es sich vielmehr um einen formalen Aki handelt, der lediglich die Verjährungs­frist unterbrechen will. Das ändert aber nichts an dem grotesken Zustand, dah Frankreich noch heute sich auf die brutalen und irr­sinnigen Urteile französischer sogenannter Militär­justiz aus der ersten Besahungszeit bezieht, in einer Zeit, in der auch die französischen Staats­männer wenigstens mit dem Munde die Liquidierung des Krieges und seiner Folgen für das große Ziel europäischer Politik erklären. Es sieht fast so aus, als habe das Metzer Der­kehrssteueramt von Paris die Aufgabe zuerteilt erhalten, diese Phrasen durch die Ausgrabung uralter Fossilien gründlich zu widerlegen.

Aber seltsamer noch als die Tatsache dieser Zahlungsaufforderung an sich ist eigentlich die, dah die Regierungskommission des Saargebietes sich dazu hergegeben hat, die­sen Brief an Röchling w ei t e rzu l e i ten. Ist denn diese Regierungskommissiem, deren Mitglie­der in Genf vom Völkerbunde ernannt werden, und unter denen sich auch Vertreter der deutschen Saarbevölkerung befinden, ein Brief­träger französischer Behörden? Oder ist sie nach dem Saarstatut eingesetzt, um die Interessen der Bevölkerung des Saargebietes wahrzunehmen? Der ganze Irrsinn des gegen­

wärtigen Saarregimes kann nicht deutlicher de­monstriert werden, als durch dieses Vorkommnis.

Der Brief an Röchling wird, be8 kann man Wohl gewiß fein, seinen Weg durch die Pvesse der ganzen Welt machen. Es ist beim besten Willen nicht möglich, ihn so zu kommentieren, daß der Leser nicht den Kopf schüttelt über das Groteske und Irrsinnige dieses Vorgangs. Das hat daS Metzer Verkeyrssteueramt sicher nicht beabsichtigt, aber das ist nun einmal das Schicksal ausgespro­chener Dummheiten, daß sie andere Folgen nach sich ziehen, als ihr Urheber hofft. Auch die seyr deutlichen Worte, zu denen dieser Metzer Brief den Industriellen Röchling selbst veranlaßt hat, werden sicher weder In das Pariser noch in das Metzer Konzept passen. Man kann nicht prägnanter sein, als diese Antwort, die von den Franzosen erklärt:©ie reden von Friedenssehn­sucht und halten die größte Armee in Europa. Sie unterzeichnen den Kelloggpakt gegen den Krieg und geben gleichzeitig Milliarden und aber Milliarden für Rüstungen und Befestigungen gegen Deutschland aus. Sie triefen von Freund­schaftsbeteuerungen gegenüber dem deutschen Dol e und sorgen gleichzeitig dafür, daß die haßerfüll­ten bornierten Kriegsgerichtsurbelle aufrechterhal­ten werden."

Englische Kritik.

London, 10. Jan. (WB ) DerManchester Guardian" bezeichnet in einem Leitartikel die For­derung des französischen Steueramts in Metz an den Großindustriellen Hermann Röchling als einen Mißgriff und hebt hervor, daß Röchling d i e hervorragend st ePersönlichkeitindem Saargebiet ist, dessen Schicksal 1935 durch Volks­abstimmung entschieden wird. Das Blatt bemerkt: Jedermann weiß jetzt, daß die Volksabstimmung den überwältigenden Wunsch der Saarbeoölkeruna be­kräftigen wird, zu Deutschland zurückzu- kehren. Zum Schlüsse betont dos Blatt, daß auf keinen Fall französische Gendarmen einen widerspenstigen Schuldner auf einem vom Völkerbund verwalteten Gebiet ver­haften können.

t>eira und den Kanarischen3nseln gehen. Die Fahrtdauer wird jedesmal etwa 48 Stunden betragen. Ihnen folgen im Mai bis 3uli die beiden großen Amerikaflüge, für die so­wohl Fahrgäste wie Post und Pakete zugelassen werden. Sollte bis dahin die Beschaffung der erforderlichen Mengen Antriebsgas mög'ich fein, so könnte das Luftschiff nach Detriebsstoffergän- zung in Amerika den geplanten W e l t r u n b - flug über den fernen O st en antreten. Dr. Eckener erklärte zum Schluß, daß das Luftschiff stabil genug sei, um allen Beanspruchungen stand zu halten. ES sei lediglich ungeeignet für flug- planmäßige Ozeansahrten, weil feine zu schwache Maschinenanlage ein pünktliches Hinhal­ten der Ankunftzeitey nicht gewährleiste.

Oos Wiederaufnahmeverfahren des Oberleutnants a. D. Schul; obgelehnt.

Wie eine Korrespondenz erfährt, hat das Landgericht Berlin den Antrag des zu lang­jähriger Zuchthausstrafe verurteilten, aus dem Femeprozeß bekannten Oberleutnants a. D. Paul Schulz als unzulässig verworfen. Schulz hatte Ende des Jahres 1928 den Antrag gestellt, zur Begründung der Wiederaufnahme des Ver­fahrens aus der Haft entlassen zu wer­den. doch war dieses Gesuch von den maßgeben­den Stellen a b g e l e h n 1 worden. Schulz stützte sich bei seinem Antrag darauf, dah sich im Wllms-Prozeh, in dem er bekanntlich zum Tode verurteilt worden war, neue Tatsachen er­geben und daß auch Zeugen sich nachträglich gemeldet hätten, die ihn belastende Momente er­schüttern könnten. Der Verteidiger von Schulz, Professor Grimm- Essen, hat nun gegen die

Ablehnung des Wiederaufnahmeverfahrens Be­schwerde eingelegt, und das Kammergericht wird sich in nächster Zeit endgültig mit der Ent­scheidung zu befassen hoben.

Der Untergang desMalakoff",

An Bord des DampfersDille de Paris" sind in Marseille drei Ueberlebenbe des unter­gegangenen DampfersMalakoff" eingetroffen. Sie berichten, daß der Dampfer am 2. Januar gegen 9 plhr abends bei den Balearen auf ein Felsenriff gelaufen und rafch gefun- k e n sei. Ein Rettungsboot mit 20 Wann der Besatzung fei ausgesetzt worden. Ob später noch ein zweites Doot ausgesetzt wurde, konnten die ileberlebenben nicht angeben. Der Kapitän und der 1. Offizier des Dampfers seien auf dem sinkenden Schiff verblieben. Aber auch das erste Rettungsboot sei infolge des hohen Seeganges umgeschlagen. Den drei Ueberlebenöen fei es gelungen, sich auf eine kleine Jacht zu retten, die sich unter der Fracht desMalakoff" befunden hatte und die sich nach dem Unglück zunächst über Wasser halten konnte. Rach sechstägigem War- t e n wurden die drei Lieberlebenden von dem DampferDllle de Paris" ausgenommen.

Schmuggel aus Gefälligkeit.

Bei den Berliner Finanzbehörden schwebt gegen­wärtig eine Untersuchung gegen zehn Domen der besten Berliner Gesellschaft wegen gewerbs­mäßigen Schmuggels zwischen Italien und Deutschland. Die Straftaten, die den Damen zur Last gelegt werden, entbehren nicht einer gewissen Tragikomik, denn alle Domen sind Mitglieder eines der vielen Bridgeclubs, die

es gegenwärtig in Berlin gibt. Die Prästdentin des Bridgeclubs ist die Witwe eines bekonntcn Ber­liner Anwaltes und Iustizrots, die längere Zeit des Jahres in italienischen Badeorten ver­brachte, wo sie regelmäßig den Besuch ihrer Bridge- freundinnen empfing. Wenn diese Damen wieder nach Berlin zurückkehrten, bat sie, die Frau Justiz­rat, stets um einekleine G e lI_i g f e i t", die darin bestand, daß sie einige Schals, Stickereien und Spitzen für sie mit nach Berlin nehmen, und solange aufbcwahren sollten, bis sie nachkäme. Bei der großen Zahl der Damen kamen auf diese Weise beträchtliche Mengen über die italienisch, deutsche Grenze, und die Frau Iustizrat fand dann in Berlin sehr schnellen reichlichen Absatz für die Dinge, die infolge des niedrigen Preises sehr beliebt waren. Gegen die Beteiligten ist ein Verfahren von den Finanzbehörden eingeleitet worden.

Der FilmSf< Hellseherin" bleibt verboten.

Die Filmoberprüfstelle hat bas von der Film- prüfstelle ausgesprochene Verbot des FilmeSDie Hellseherin", in dem die durch ihren Prozeß in 3nsterburg bekanntgewordene Frau Günter- Ges fers die Rolle der Hellseherin spiell, be­stätigt. Kriminalrat © en n a t vom Berliner Polizeipräsidium erklärte als Sachverständiger, dah die Kriminalpolizei nach dem Kriege e i n besonderes Verfuchsdezernat einge­richtet habe, in dem alle die Fälle nachgeprüft worden seien, in denen angeblich der Tatbestand durch Hellsehereiaufgeklärt sein sollte. Die Rachprüfung aller dieser Fälle sei aber negativ verlaufen. Gerade Frau Günter- Geffers habe in der letzten Zeit verschiedentlich versucht, Kviminalfälle aufzuklären, jedoch stets ohne Erfolg. Bei jedem großen Kriminalfall werde die Kriminalpolizei von Hellsehern, Astro­logen,^ Radiologen usw. überlaufen, die als un­erwünschte Mitarbeiter angesehen wür­den und der Kriminalpolizei durch falsch? Spuren ungeheuere Arbeit verursachten. Man könne sogar direkt von einer Hellseher­industrie sprechen. Die Filmoberprüfstelle kam nach längerer Beratung zu einer Bestätigung des Verbotes, well der Film geeignet sei, die Orffent- lichkell irrezuführen.

Ein haus unter Gas.

In dem Hause Potsdamerftrahe 17 in Spandau erkrankten drei Personen an einer leichten Gas­vergiftung. Die ganze Wohnung war von Gas­geruch erfüllt, obwohl sich in chr keine Gas­leitung befindet. Die Berliner Gaswerke ermit­telten spät in der Nacht den Grund für das Aus­strömen des Gases. Es war ein unter der Straße liegendes Gasrohr gebrochen. Man nimmt an, daß die Leitung unter den allzu starken Erschütterungen, denen die Strotze durch den Autobusverkehr ausgesetzt ist, ge­litten hat. Durch die starke Kälte ist der Boden ge­froren und hat so die Weiterleitung der Erschütte­rungen begünstigt.

Oie Wetterlage.

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Freitag, d.1O.Jan.1929. 7b abds.

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Wettervoraussage.

Die kalten Luftrnassen des Hochdruckgebietes haben der flachen westlichen Druckstörung starken Widerstand entgeaengebracht, so daß es in unserem Gebiet nur zu Trübung und Schneetreiben kam. Da noch immer der Einfluß hohen Druckes vor­herrschen wird, hält die Frost Wetterlage weiter an.

Wettervorhersage für Samstag: Frostwetter, nebelig-wolkig, stellenweise auch auf* heiternd, Neigung zu vereinzelten Schneefällen.

W i t te r u n g s a u s s i ch t e n für Sonn­tag: Fortdauer der herrschenden Wetterlage..

Lufttemperaturen am 10. Januar: mittags5,4 Grad Eelsius, abends6,3 Grad Celsius:. am 11. Januar: morgens8 Grad Celsius. Maximum 5,2 Grad Celsius, Minimum 12,4 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter liefe am 10. Ian.: abends 1,7 Grad Celsius: am 11. Januar: morgens 1,9 Grad Celsius.

winlersportnachrlchten der Hess. Wetterdienststelle.

Vogelsberg (Hoherodslvift): Heiter,12 Grad Eelsius, Schneehöhe im Wald und auf der Höhe 20 bis 25 Zentimeter, etwas verharscht, Skr gut

Sauerland (Winterberg): Rebel, 6 Grad Eelsius. 22 Zentimeter Schnee, verharscht, Ski und Rodel gut.

Taunus (Kleiner Feldberg): Heiter,13 Grad Celsius, 15 Zentimeter Schnee, etwas ver­harscht, Ski und Rodel gut.

Schwarzwald (Feldberg): Wolkig, minus 3 Grad Celsius, 60 Zentimeter Schnee, verharscht, Ski und Rodel gut. Ruhestein: Bewölkt, minus 1 Grad Celsius, 45 Zentimeter Schnee, Pulver­schnee, Ski und Rodel gut.

Alpen (Garmisch-Partenkirchen): Heiter, minus 9 Grad Celsius, 33 Zentimeter Schnce, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Berchtesgaden: Heiter, minus 12 Grad Celsius, 21 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut.

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