Ausgabe 
10.9.1929
 
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Wulle stattfand,n ahm auch der Minister­präsident des Mecklenburg-Schweriner Staatsministeriums Eschenburg teil, der in seiner Begrüßungsansprache erklärte, daß das Staatsminrsterium in den grasten Zielen mit der deutsch-völkischen Freiheitsbewegung überein­stimme. 3m gleichen Sinne sprachen sich die anwesenden Vertreter des Landbundes, Vertreter des Stahlhelms, des National- dcutschen Offiziersbundes, des Deutschen Offiziersbundes, der Reichsleitung des Wehr-

Aber das Nashorn ist noch sündhaft einkaufen. Schlangen handelt man

Löwen angeboten, Giraffen wohlfeiler, Wisente haussierend" so könnte ein Marktbericht der gro­ßen Firmen lauten, die sich mit der Einfuhr exotischer Tierarten befassen. Es gibt näm­lich Kaufleute, die mit Tigern, Löwen und Riesen­schlangen handeln, als ob diese gefährliä)en Tiere harmlos wie Hauskatzen oder Kanarienvögel wä­ren. Die kühnen Löwenjäger, die wir im Film be­wundern, üben ihren romantischen Beruf im 2(uf= trag der großen Tierhandelsfirmen aus, und die Expeditionen, die nach den entlegensten Gegenden der Erde entsandt werden, reisenmit fester Order". Sie dürfen nicht etwa wahllos Tiere fangen und adliefern, sondern müssen sich an die Aufträge hal­ten, die ihnen mit auf den Weg gegeben werden.

Der Besucher des Zoologischen Gartens, der die gefangenen Tiere betrachtet, ahnt gewöhnlich nicht, welche Miche, Sachkenntnis und Geldopfer die An­schaffung all der Raubtiere, Vögel und Schlangen gekostet hat. Er neigt vielleicht zu der Ansicht, daß die größten Tiere auch am meisten kosten, daß also ein Elefant weit wertvoller sei als ein Nashorn. Demnach müßten die Löwen unter den Raubtieren besonders hoch in Kurs stehen. Nun hat gerade in den letzten Tagen der König der Tiere in Fach­kreisen einen erheblichen Teil seines Wertes ein- gebußt; aus England berichtet man über einen sensationellen Preis st urz in Löwen. Während vor einem Jahr ein afrikanischer Löwe noch etwa fünftausend Mark kostete, kann man jetzt ein gutes Exemplar schon für tausend Mark kaufen. Aeltere Löwinnen wurden sogar in diesen Tagen schon für 600 Mark angeboten. Auch im Tierhandel rich­tet sich der Preis nach Angebot und Nachfrage. Nun haben sich die Löwen in Afrika in letzter Zeit nicht überraschend vermehrt; der Preissturz für Löwen ist vielmehr darauf zurllckzuführen, daß man in einigen Zoologischen Gärten so z. B. im Berliner Zoo über reichlichen Nachwuchs verfügt. Die jungen Tiere, die in der Gefangenschaft geboren wurden, werden sehr sorgfältig aufgezogen und dann entweder verkauft oder gegen andere Tiere eingetauscht. Zwischen sämtlichen Zoologischen Gär­ten der Welt bestehen freundschaftliche Beziehungen; durch den Tauschverkehr werden Lücken ausgefüllt und Aufträge erledigt, die sonst am Tiermarkt eine gewisse Nachfrage hervorgerufen hätten.

Der Handel mit exotischen Tieren wird in Deutsch­land nur von wenigen Firmen betrieben. In Ham­burg und Alfeld haben die zwei größten deut­schen Tierhandelshäuser ihren Sitz. Aus der gan­zen Welt strömen diesen Firmen Aufträge zu, die nicht immer schnell erledigt werden können. Am umfangreichsten haben in den letzten Jahren die Zoologischen Gärten der Vereinigten Staaten ein­gekauft, und auch Rußland ist ein guter Kunde gewesen. Die Blütezeit des Großtierhandels scheint aber endgültig vorüber zu sein. Die Preise für exo­tische Tiere gehen unaufhaltsam zurück, und es wird nicht mehr lange dauern, bis die Einfuhr be­stimmter Tierarten wegen der hohen Beför­derungsspesen überhaupt nicht mehr loh­nend sein wird. Mit Wehmut denken die Impor­teure an die Jahre 1919 und 1920 zurück, als sie die Nachfrage nach Löwen, Tigern und Elefanten kaum befriedigen konnten. Der Krieg hatte in den Tierbestand der Zoologischen Gärten empfindliche Lücken gerissen, ohne das zunächst daran gedacht werden konnte, ausreichenden Ersatz zu beschaffen. Erschreckend hohe Preise wurden nach dem Ende des Krieges gefordert und bewilligt. Erst als wieder

Wolfes. der Deutschen Adelsgenossenschaft und anderer Verbände aus. Den ersten Vortrag hielt Reinhold Wulle über das ThemaSer völkische Freiheitskampf als politische Notwen­digkeit". Angenommen wurden drei Resolutio­nen. die sich mit den in den Vortagen zum Aus­druck gebrachten Zielen befaßten und hervor- heben, dast gegen die Annahme des Preußenkonkordats Klage beim Staats­gerichtshof erhoben werden wird.

teuer. Wie die Zoologischen Gärten meterweise. Preissturz in Giraffen, größere Expeditionen ausgeschickt werden konnten, traten langsam einigermaßen geregelte Verhältnisse ein.

Selbst bei den gesunkenen Preisen ist es ein kost­spieliges Vergnügen, einen Zoologischen Garten einzurichten. Man muß wie von der Leitung des Berliner Zoologischen Gartens versichert wird mindestens eine halbe Million Mark zur Ver­fügung haben, um einen Tierpark zusammenzustel­len, der das Publikum anlockt. Eines der teuersten Tiere ist der Wisent, von dem es nur noch we­nige Exemplare gibt. Man muß mindes! L0 000 Mark ausgeben, wenn man dieses seltene -vier be­sitzen will. Nicht viel billiger sind Giraffen, ob­wohl sie heute nicht mehr so hoch bezahlt werden wie vor einigen Jahren. Kurz nach Kriegsende kostete ein Giraffenpaar 80 000 Mark; vor Jahres­frist konnte man es schon für 45 000 Mark kaufen, und heute braucht man für die langhalsigen Ge­schöpfe nur noch 30 000 Mark auszugeben. Ob sich eine solche Ausgabe für den Käufer lohnt, ist eine andere Frage. Zwar liebt das Publikum diese merk­würdigen Tiere; da Giraffen die Gefangenschaft jedoch schlecht vertragen, kann es dem glücklich-un­glücklichen Besitzer widerfahren, daß seine teuer er­kauften Tiere in kurzer Zeit eingehen. Am tiefsten muß man in die Tasche greifen, um ein Nashorn zu kaufen. Erft vor kurzer Zeit wurde von Ame­rika der Rekordpreis von 5 2 0 0 0 Mark für ein besonders schönes Exemplar bezahlt. Wenn man sich mit einem kleineren Nashorn begnügen will, muß man immerhin 25 000 bis 30 000 Mark ausgeben. Billiger ist ein afrikanischer Elefant, den man bereits für 15 000 bis 20 000 Mark erhält. In­dische Elefanten stehen sogar noch niedriger im Preis. Etwa 10 000 Mark kostet ein schöner sibiri­scher Tiger, während indische Königstiger weit preiswerter sind; für etwa 4000 Mark gibt es schon prächtig aussehende Exemplare dieser Gattung. Ein gut geleiteter Zoo muß aber auch ein Nil­pferd haben, denn das Publikum will dieses Unförmige Tier gebührend bewundern und belachen.

V e r l i n, 10. Sept. (Priv.-Tel.) Die Unter­suchung der Bombenatteniate und insbesondere die Aufdeckung des Bombenanschlages auf den Reichstag hat nach dem bisherigen Stand nur wenige Fortschritte gemacht. Ein großer Teil der bis heute verfolgten Spuren ist von der politischen ^olizei nunmehr endgültig auf- gegeben worden, da die zahllosen Nachfor­schungen so gut wie aussichtslos er­scheinen. 3n den heutigen Nachmittagsstunden ist zvar eine neue und für die Polizeibehörden wicylige Spur aufgedeckt worden, die sich jedoch ebenfalls bald wieder als illusorisch er­wiesen hat. Die Gerüchte von einer groß ange­legten Prl ze'.ak.ion im Norden Berlins die tat­sächlich im Hinblick auf die lehtgenanri e ©pur vorbereitet war, treffen demnach nicht z i. Vis- her steht nur soviel fest, daß auf Grund ves end­gültigen Sachverständigengutachtens der chemisch-technischen Reichsanstalt, das heute der Pol'zri übergeben worden ist, zwischen dem Attentat auf das Reichstagsgebäude und den in Norddeutschland verübten Attentaten ein Zu-

Die 10 000 Mark, die für eine solche Anschaffung geopfert werden, bilden gewöhnlich eine gute Ka­pitalsanlage, da sich das Nilpferd in der Gefangen­schaft willig fortpflanzt. Pinguine, die nicht feh­len dürfen, stehen ziemlich hoch im Preis, denn ein Paar kostet immerhin noch etwa 2000 Mark.

In Berlin gibt es eine Firma, die zwar weder mit Löwen, oder Tigern noch mit Elefanten han­delt, die aber dennoch in den zoologischen Fach­kreisen der ganzen Welt bekannt ist. Seit fünfund­zwanzig Jahren hat sich der Inhaber dieses Hauses auf den Handel mit Alligatoren, Riesenschlangen und anderen Reptilien spezialisiert. Betritt man die im fünften Stock gelegenen Geschäftsräume, so schlägt dem Besucher sofort ein beklemmender Ge­ruch entgegen. Ein unheimliches Kratzen und Schar­ren läßt den Gast zusammenschrecken, schließlich ent­deckt er, daß das Geräusch von einer Anzahl Schildkröten verursacht wird, die in großen Blechkisten umherkrabbeln. In diesem Geschäft kann man jede gewünschte Schlangenart kaufen. Eine 560 Zentimeter lange Anacondaschlange kostet etwa 800 Mark, 2 Meter Brillen­schlange sind schon für 120 Mark zu haben. Ebensoviel muß man für eine 2 Meter lange Kobra ausgeben. Aermere. Bevölkerungsschichten werden sich mit einer Kreuzotter für fünf Mark begnügen, wenn sie Sehnsucht nach einem solchen Hausgefährten haben. Für 74 Mark kann man eine 215 Zentimeter lange Boa constrictor erhalten, während diereizenden kleinen Jungtiere" dieser Schlange nur 25 Mark kosten. Am teuersten sind Alligatoren. Für ein 250 Zentimeter langes Tier werden 950 Mark aeforbert; Alligatorenbabys, die aus der Hand fressen, erhält man schon für 25 Mark. Alligatoren werden nicht nur von Zoolo­gischen Gärten verlangt. Kleinere Schausteller, die mit ihren Attraktionen durch das Reich ziehen, sind die besten Abnehmer für diese Tiere; sie kaufen ge­wöhnlich ein großes Exemplar und einige Alliga­torenbabys. Es kommt nicht feiten vor, daß sie diese Zusammenstellung ahnungslosen Dorfbewohnern als ein 2 0 0 0 Jahre altes Krokodil mit feinen Jungen" vorstellen. Die Ausgabe brau­chen diese Unternehmer nicht zu scheuen, denn ein Alligator bringt immer Kassenerfolge. Auch unter den Reptilien gibt esGelegenheitskäufe"; so kann man Alligatoren mit etwas schiefem Nachen zu herabgesetzten Preisen erstehen. Alle großen Zoolo­gischen Gärten der Welt stehen in der Kundenliste dieses Unternehmens, das bei der Einrichtung des Berliner Aquariums, und des Zoologischen Gar­tens von Elberfeld hervorragend beteiligt gewesen ist. Wenn ein besonders seltenes Reptil oder eine besondere Schildkrötenart eingeliefert werden, weiß diese Firma stets, welcher Kunde sich für den Neu­erwerb interessiert. G bt es doch Leute, die Schild­kröten sammeln! Diese Sammler scheuen keinerlei Geldopfer, um in den Besitz seltener Exemplare zu gelangen, und es macht ihnen nicht viel aus, wenn sie für eine 8 Zentimeter lange Schildkröte 150 Mk. bezahlen müssen.

sammenhang bestehen muß. wenn auch der Anschlag auf das Reichstagsgebäude mit einem viel schwächeren Sprengstoff ausgeführt worden ist als die Anschläge vorher. Die Haupt­tätigkeit der Crmittlungsbehörden erstreckt sich im Augenblick auf die Aufdeckung der erheblichen Spreng st offdieb stähle, die seit M"rz in verschiedenen Bergwerken. Steinb.üchen und Fabriken ausgeführt worien sind. Man neigt sehr stark zu der Annahme, daß zwischen diesen Diebstählen und den ©prengstofsatientaten der letzten Monate ein Zusammenhang besteht.

Das Gutachten der chemisch- technischen Reichsansialt.

Berlin, 9. Sept. (WTD.) Das Gutachten der chemisch-technischen Reichsanstalt über die letzten ©prengstoffanschläge besagt, dast bei dem Anschlag auf das Haus des Regierungsvizepräsi­denten in Schleswig die gleichen Mate­rialien verwendet worden sind wie bei dem

Löwen werden erschwinglich!

Aus der Suche »ach den SprengstoWeniäsern.

Serien mit Renate.

Von Harry Schreck.

Renates Leben hat als Hintergrund die kleine Stadt am Rand der Ostsee, wo die Bewohner ?erne Bauernfeind, Begaffe, Wasserstradt und Fo- uhl heißen.

Natürlich ist die kleine Stadt gar keine kleine Stadt. Denn die Begaffe und die Waasserstradts, die Bauemseinds und die Fokuhls würden das nie glauben; und in der Tat, sie haben doch ein Rund- fahrtauto, in dem sechs Fremde durch die alten Straßen fahren können; und dann, im Winter ha­ben sie am Stadttheater schon die Dreigroschenoper aufgeführt. Was kann man mehr von einer Stadt verlangen, zumal Renate selbstverständlich auch in diesen Grohstadtmauem weilt?

Renate fünfzehnjährig, schlank und nervenlos und straff hat jetzt den ehrenvollen Auftrag, den Herrn, der auf Besuch kam, hübsch zu unterhalten.

*

Der Herr, der eben ankommt, ist zunächst ver- legem-

Er hat Renate sieben Jahre nicht gesehen und merkt verdutzt, daß er wohl anders reden muß, als er vor lieben Jahren mit Renate redete. Er schaltet ungestüm im Hebelwerk des Gehirns und sucht nach einem Ausspruch, der nun angemessen märe. Zu seinem lebhaften Bedauern kommt er bloß darauf, zu sagen:Ja, wirklich nein, wie du groß geworden bist! Und wie die Zeit ver­geht!"

Renate lächelt höflich und mit zarter Nachsicht.

Der Herr, der auf Besuch tarn, spürt, daß sein Beginn nicht gerade glücklich war; er stiefelt schwei­gend mit Renate durch die Stadt und hofft sich daran zu gewöhnen, daß sie heute fünfzehnjährig ist, daß sie ein Baskenmützchen auf dem kurzen Schwarzhaar trägt, daß sie hochbeinig, schlank und nervenlos und straff an seiner Seite geht und überhaupt nicht mehr die frühere Renate ist...

Der Herr, der auf Besuch tarn, schaltet immer noch.

Renate schwenkt mit ihm vorerst zum Tennis­platz.

Der Herr, der auf Besuch tarn, sieht dort Hart­wig Drücke wieder. Indes ... dies ist nicht rich­tig; er sieht ihn gar nicht wieder; denn Hartwig Drücke ist nicht mehr der Hartwig Drücke; der

Hartwig Drücke, der dort knapp und hart den hellen Ball ins gegnerische Feld hinüberhaut, ist ein Athlet, ein Heros in dem braunen Glanz von sechzehn Jahren. Er grüßt mit freundlich lärmen­dem Gebrüll.

Renate salutiert mit ihrem Tennisschlägergriff.

Aus der Athletenkehle Hartwig Drückes dröhnt es donnernd:Was meinst du dazu ... sechs zu zwei!" Renate lächelt achtungsvoll zurück und fragt Den Herrn, der auf Besuch kam, harmlos aus, was er von Haldflugbällen halte, und ob er ihrer An­sicht sei, daß Hartwig geradezu fürs Doppelspiel geboren scheine, sofern er nicht so nah ans Netz vorginge und dort nur an den Angriff dächte...?

Der Herr, der auf Besuch 'am, spielt nicht Tennis.

Man geht zu britt spazieren durch das Städtchen.

Ein schlankes Auto, b'au lackiert und nickel­glänzend, parkt still ar. einem Straßenrand; der Herr, der auf Besuch kam, wirft nur einen schnellen Blick nach dem Gefährt ... indes, Renate kreist be­

zaubert und erregt um Nickel, Lack und Glas herum. Ich möchte wissen," wendet sie sich an den Herrn, der auf Besuch tarn,ob der hydraulisch doppelseitig bremst und Vier-Zylinder-Viertakt-Motor bat?"

Der Herr, der mf Besuch kam, lächelt überrumpelt.

Der sechzehnjährige Athlet (de- braune Heros Hartwig) ist rücksichtsvoll genua um keine Pause zuzulassen:Natürlich, Vierzylinder-Viertakt! Das heißt, hydraulisch bremst er schlecht." Renate lächelt achtungsvoll zurück; sie ist zu höflich, um sich zu verwundern, daß ihr der Herr, der auf Besuch kam, hier keine Antwort geben konnte; und Hartwig Drücke lärmt die dumme Pause ruhig zu.

Der Herr, der auf Besuch kam, wird ein wenig rot ...

*

Der Herr, der auf Besuch kam, ändert das Ge­spräch.

Er fragt mit einem leisen und befangenen Zau­dern, ob wohl Renate gerne lese. Renate lächelt knapp und äußerst höflich, daß sie dies gelegentlich schon tue. Erleichtert fährt der Herr, der auf Be­such kam, im Gespräch fort; er fragt mit einem Eifer, der ihm selber nicht geheuer ist, was denn Renate gelegentlich natürlich lese. Renate teilt ergeben seufzend mit-Kriminalromane".

Der Herr, der auf Besuch kam, lieft sie nicht.

Indes er wunschi in diesem Augenblick, er hätte doch einmal welche gelesen genau so, wie er wünscht, er kennte sich in Halbflugbällen und einem

Automotor aus. Er äußerte aber leider wider sei­nen bessern Glauben, daß er ganz andere Dinge schätze, denn Menschen von Geschmack ... und über­haupt, nicht wahr, natürlich ... und Menschen von Kultur (er murmelt eine ganze Zeit so fort).

Renate läßt ihn zart, doch melancholisch stehen.

*

Am nächsten Morgen aber kommt Renate wie­der her.

Sie lächelt fünfzehnjährig, also höflich ernst, und sieht den Herrn, der auf Besuch kam, liebenswür­dig an, um schließlich die Erkundigung an ihn zu richten, ob er denn in der Tat damit den Lebens­unterhalt verdiene, indem er schreibe, um gedruckt zu werden. Der Herr, der auf Besuch kam, nickt geschmeichelt und denkt hierbei, daß doch der Augen­schein oft trüge. Wie reizend, daß Renate...

Renate zückt ermutigt schnell ein Heft­chen ...

Wir haben nämlich," meint sie plötzlich leicht be­kümmert,wir haben nämlich Ferienaufsatz; und da ... da hab ich gedacht",Ach so!" bemerkte der Herr, der auf Besuch kam,den sollen wir wohl jetzt gemeinsam machen?" Renatens Auge zieht sich überrascht zusammen:Ich glaube aber, daß er besser wird, wenn einer das allein anfängt. Und dann ... wir haben drüben grab das Gram­mophon."

Der Herr, der auf Besuch kam, nimmt die Ar­beit an.

*

Der Herr, der auf Besuch kam, schreibt und brütet.

Er kann es manchmal kaum noch verhindern, daß seine Achtsamkeit vom Thema abschweift, das ein Studienrat ersann. Statt geistreich jenem Sprichwort nachzugehen, bas steif darauf beharrt, daß Wohltun Zinsen trägt statt dessen sieht er gern zum Grammophon hinüber, in dessen Nähe Hartwig und Renate tanzen.Wie reizend", denkt er,doch Renate tanzt schlank, neroenlos und straff ...!"

Renate zwitschert etwas Mahnendes zum Tisch hinüber.

Der Herr, der auf Besuch kam, schreibt und brü­tet, warum das Wohltun Zinsen trägt. Er schreibt es nicht ganz ohne leisen Unmut..doch immer­hin, er schreibt es in dem philosophisch durchge­formten Stil und mit der Eleganz, auf die er in der Tat «sehr stolz ist. Der Studienrat muß end­lich doch einmal erfahren, weshalb, zu welchem

ersten Anschlag in Lüneburg. Insbesondere waren die Margarinckisten und die Blechbüchsen in beiden Fällen genau die gleichen. Die Spreng- stoffladung war 3,9 Kilogramm schwer. Der Sprengstoff ist ein Bergwerksspreng- stoss vom Typ des Ammonit II, der aus Trini- trotoluol, Nitronaphtalin, Ammonsalpeter und Holzmehl zusammengesetzt ist. Zur Zündung des Sprengstoffs war eine Sprengkapsel Nummer 8 verwendet worden, für die ein behelfsmäßiger Glühzünder hergerichtet worden war. Der Zünd­satz war bei den in Lüneburg aufgefundenen Sprengkörpern Streichhölzern abgenommen. Die Stromquelle bestand wiederum aus drei Taschenlampenbatterien; die zum selbst­tätigen Schließen des Stromkreises bestimmte Uhr unterscheidet sich in keiner Weise von der beim Anschlag in Lüneburg vorgefundenen Uhr.

Bei dem Sprengstoffanschlag auf das Reichs­tagsgebäude in Berlin ist offensichtlich ein nicht brisanter schwarzpulverartiger Sprengstoff verwendet worden. Jedoch hat sich auch hier die gleiche Zündvorrich­tung mit dem gleichen Uhrwerk wie bei den anderen Anschlägen vorgefunden. Bei dem letzten Attentat auf das Regierungsgebäude in L ü ne- burg ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein brisanter Spreng st off verwendet wor­den, der durch eine Sprengkapsel zur Explosion gebracht wurde. Auch in diesem Falle wurde zweifellos ein Uhrwerk zur selbsttätigen Aus­lösung der Explosion verwendet. Die vorgefun­denen Rückstände des Sprengstoffes lassen keine näheren Schlußfolgerungen auf die Zusammen­setzung des Sprengstoffes zu.

Grober Unfug/'

Die Selbstbezichtigung Helts aufgelegter Schwindel.

Frankfurt a. M., 9. Sept. (Wolff.) Bei der hiesigen Staatsanwaltschaft erschien Montag früh die Frau des vor einigen Tagen auf Grund einer Selbstbezichtigung fest­genommenen Joseph H e t t, der bekanntlich an* * gab, den Bombenanschlag auf das Reichstagsgeb äu d e in Berlin mit ausge- sührt zu haben. Aus den Bekundungen der Frau und anderer Leute hat sich ergeben, daß Hett zur Zeit des Bombenanschlags nicht in Berlin, sondern in Frankfurt gewesen ist, so daß die von der Staatsanwaltschaft von vorn­herein mit Skepsis aufgenommene Selbstbezichti- gung sich als haltlos herausgestellt hat. Gegen Hett wird lautVoss. Ztg." die Po­lizei ein Verfahren wegen grobenUn- f u g s einleiten.

Schwere Vrandkatastrophe in einem Rotterdamer Dock.

Sieben Todesopfer. Sieben Bern- le.

Rotterdam, 9. Sept. (ID23.) Der in ®li j.ro beheimatete Tankdampservisneire", dcr bei der Rotlerdamsche Droogdok Rlaatschappy zur Vor­nahme von Reinigungsarbeiten festgemacht halte, ist heute mittag plötzlich in Brand geraten. Ivährend der Reinigungsarbeiten hatten sich die in der Nähe des Schiffes auf dem wasser treiben' n Cella cfjen aus unaufgeklärten Gründen ent­zündet, und die Flammen griffen so rafch c f das Schiff selbst über, daß sowohl b i e Tj r - sahung wie das mit der Reinigung bet. e Werftpersonal den Weg zur Flucht vc zt fand und sich durch Schwimmen zu teilen versuchen muhten. Leider ist das nicht allen gelungen. Rach den bisherigen Feflstellur n werden acht bis zehn Personen vermiht. Drei f rt verkohlte Leichen wurden bereits geborgen. S\ n Personen hab n ihr Leben verloren. Fünf Arbc.ier der Rotlerdamsche Droogdok Waatschappy sowie ter Erste Offizier und der Erste Steuermann dervis- neira" werden noch vermiht. vier Arbeiter der genannten Rotterdamer Werft sind so schwer ver­letzt worden, dah bei ihnen Lebensgefahr be­steht. Auch die Frau des Kapitäns ist bei einem

Ende, welchem Zwecke das Wohltun auf der Welt besteht...

Renate hofft, daß er dasfast genügend" findet.

Der Herr, der auf Besuch kam, sieht sich (alle Hoffnungslosigkeit im Blick) nach Beistand um. Er findet ihn; Renates Mutter nickt ihm freundlich zu.

Renates Mutter spielt nicht Tennis; Renates Mutter legt auf Vierzylinder-Viertakt wenig Wert; ' Renate? Mutter liest nicht Kriminalromane; Rena­tes Mutter pflegt auch nicht mit Hartwig Drücke um das Grammophon zu tanzen. Renates Mutter ist gescheit und liebenswürdig, sie plaudert über Bücher, spricht von Reisen um die Welt; sie nimmt sich des Verlassenen an; ja, sie verspricht sogar, den Aufsatz, der vom Wohltun und von Zinsen han­delt, gelegentlich zu lesen und zu loben ...

Es ist ein Jammer", denkt der Herr, der zu Besuch kam,es ist ein Jammer, daß nicht sie Re­nate ist ... Renate fünfzehnjährig, schlank und straff...!" ___________

Hochschulnackrichten.

Der Honorarprofessor an bet Technischen Hoch­schule inMünchen , Divl.-2ng. Georg Lotte r, ist zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in Breslau ernannt worden; ihm wurde vom 1. Oktober 1929 ab der Lehrstuhl für Maschinenbau, insbesondere Eisenbahnmaschinen* wesen, übertragen.

Als Nachfolger des emerit. Professors Dr. Max Hönig auf den Lehrstuhl für organische Chemie an der deutschen Technischen Hochschule in D r ü n n ist der Oberassistent am Chemischen Institut der Universität Marburg, Privat­dozent Dr. Ludwig Anschütz berufen worden. Die Ernennung des Professors Dr. med. Robert Röhle von der Universität Basel zum ordentlichen Professor der Pathologie an der Universität Berlin als Nachfolger von Pros. O. Lubarsch ist erfolgt. Der aus Augsburg gebürtige Pathologe übernimmt das Berliner Lehramt am 1. Oktober d. I. Der Gelehrte wirkte früher in Kiel, München und Jena. Auf den erledigten Lehrstuhl für deskriptive und topo­graphische Anatomie an der ungarischen Uni­versität inSzenged ist der Privatdozent und Adjunkt am 1. Anatomischen Institut der Uni­versität Budapest Dr. Franz K i ß unter Ernennung zum ori-mtlichen Professor berufen! worden.