Wulle stattfand,n ahm auch der Ministerpräsident des Mecklenburg-Schweriner Staatsministeriums Eschenburg teil, der in seiner Begrüßungsansprache erklärte, daß das Staatsminrsterium in den grasten Zielen mit der deutsch-völkischen Freiheitsbewegung übereinstimme. 3m gleichen Sinne sprachen sich die anwesenden Vertreter des Landbundes, Vertreter des Stahlhelms, des National- dcutschen Offiziersbundes, des Deutschen Offiziersbundes, der Reichsleitung des Wehr-
Aber das Nashorn ist noch sündhaft einkaufen. — Schlangen handelt man
„Löwen angeboten, Giraffen wohlfeiler, Wisente haussierend" — so könnte ein Marktbericht der großen Firmen lauten, die sich mit der Einfuhr exotischer Tierarten befassen. Es gibt nämlich Kaufleute, die mit Tigern, Löwen und Riesenschlangen handeln, als ob diese gefährliä)en Tiere harmlos wie Hauskatzen oder Kanarienvögel wären. Die kühnen Löwenjäger, die wir im Film bewundern, üben ihren romantischen Beruf im 2(uf= trag der großen Tierhandelsfirmen aus, und die Expeditionen, die nach den entlegensten Gegenden der Erde entsandt werden, reisen „mit fester Order". Sie dürfen nicht etwa wahllos Tiere fangen und adliefern, sondern müssen sich an die Aufträge halten, die ihnen mit auf den Weg gegeben werden.
Der Besucher des Zoologischen Gartens, der die gefangenen Tiere betrachtet, ahnt gewöhnlich nicht, welche Miche, Sachkenntnis und Geldopfer die Anschaffung all der Raubtiere, Vögel und Schlangen gekostet hat. Er neigt vielleicht zu der Ansicht, daß die größten Tiere auch am meisten kosten, daß also ein Elefant weit wertvoller sei als ein Nashorn. Demnach müßten die Löwen unter den Raubtieren besonders hoch in Kurs stehen. Nun hat gerade in den letzten Tagen der König der Tiere in Fachkreisen einen erheblichen Teil seines Wertes ein- gebußt; aus England berichtet man über einen sensationellen Preis st urz in Löwen. Während vor einem Jahr ein afrikanischer Löwe noch etwa fünftausend Mark kostete, kann man jetzt ein gutes Exemplar schon für tausend Mark kaufen. Aeltere Löwinnen wurden sogar in diesen Tagen schon für 600 Mark angeboten. Auch im Tierhandel richtet sich der Preis nach Angebot und Nachfrage. Nun haben sich die Löwen in Afrika in letzter Zeit nicht überraschend vermehrt; der Preissturz für Löwen ist vielmehr darauf zurllckzuführen, daß man in einigen Zoologischen Gärten — so z. B. im Berliner Zoo — über reichlichen Nachwuchs verfügt. Die jungen Tiere, die in der Gefangenschaft geboren wurden, werden sehr sorgfältig aufgezogen und dann entweder verkauft oder gegen andere Tiere eingetauscht. Zwischen sämtlichen Zoologischen Gärten der Welt bestehen freundschaftliche Beziehungen; durch den Tauschverkehr werden Lücken ausgefüllt und Aufträge erledigt, die sonst am Tiermarkt eine gewisse Nachfrage hervorgerufen hätten.
Der Handel mit exotischen Tieren wird in Deutschland nur von wenigen Firmen betrieben. In Hamburg und Alfeld haben die zwei größten deutschen Tierhandelshäuser ihren Sitz. Aus der ganzen Welt strömen diesen Firmen Aufträge zu, die nicht immer schnell erledigt werden können. Am umfangreichsten haben in den letzten Jahren die Zoologischen Gärten der Vereinigten Staaten eingekauft, und auch Rußland ist ein guter Kunde gewesen. Die Blütezeit des Großtierhandels scheint aber endgültig vorüber zu sein. Die Preise für exotische Tiere gehen unaufhaltsam zurück, und es wird nicht mehr lange dauern, bis die Einfuhr bestimmter Tierarten wegen der hohen Beförderungsspesen überhaupt nicht mehr lohnend sein wird. Mit Wehmut denken die Importeure an die Jahre 1919 und 1920 zurück, als sie die Nachfrage nach Löwen, Tigern und Elefanten kaum befriedigen konnten. Der Krieg hatte in den Tierbestand der Zoologischen Gärten empfindliche Lücken gerissen, ohne das zunächst daran gedacht werden konnte, ausreichenden Ersatz zu beschaffen. Erschreckend hohe Preise wurden nach dem Ende des Krieges gefordert und bewilligt. Erst als wieder
Wolfes. der Deutschen Adelsgenossenschaft und anderer Verbände aus. Den ersten Vortrag hielt Reinhold Wulle über das Thema „Ser völkische Freiheitskampf als politische Notwendigkeit". Angenommen wurden drei Resolutionen. die sich mit den in den Vortagen zum Ausdruck gebrachten Zielen befaßten und hervor- heben, dast gegen die Annahme des Preußenkonkordats Klage beim Staatsgerichtshof erhoben werden wird.
teuer. — Wie die Zoologischen Gärten meterweise. — Preissturz in Giraffen, größere Expeditionen ausgeschickt werden konnten, traten langsam einigermaßen geregelte Verhältnisse ein.
Selbst bei den gesunkenen Preisen ist es ein kostspieliges Vergnügen, einen Zoologischen Garten einzurichten. Man muß — wie von der Leitung des Berliner Zoologischen Gartens versichert wird — mindestens eine halbe Million Mark zur Verfügung haben, um einen Tierpark zusammenzustellen, der das Publikum anlockt. Eines der teuersten Tiere ist der Wisent, von dem es nur noch wenige Exemplare gibt. Man muß mindes! L0 000 Mark ausgeben, wenn man dieses seltene -vier besitzen will. Nicht viel billiger sind Giraffen, obwohl sie heute nicht mehr so hoch bezahlt werden wie vor einigen Jahren. Kurz nach Kriegsende kostete ein Giraffenpaar 80 000 Mark; vor Jahresfrist konnte man es schon für 45 000 Mark kaufen, und heute braucht man für die langhalsigen Geschöpfe nur noch 30 000 Mark auszugeben. Ob sich eine solche Ausgabe für den Käufer lohnt, ist eine andere Frage. Zwar liebt das Publikum diese merkwürdigen Tiere; da Giraffen die Gefangenschaft jedoch schlecht vertragen, kann es dem glücklich-unglücklichen Besitzer widerfahren, daß seine teuer erkauften Tiere in kurzer Zeit eingehen. Am tiefsten muß man in die Tasche greifen, um ein Nashorn zu kaufen. Erft vor kurzer Zeit wurde von Amerika der Rekordpreis von 5 2 0 0 0 Mark für ein besonders schönes Exemplar bezahlt. Wenn man sich mit einem kleineren Nashorn begnügen will, muß man immerhin 25 000 bis 30 000 Mark ausgeben. Billiger ist ein afrikanischer Elefant, den man bereits für 15 000 bis 20 000 Mark erhält. Indische Elefanten stehen sogar noch niedriger im Preis. Etwa 10 000 Mark kostet ein schöner sibirischer Tiger, während indische Königstiger weit preiswerter sind; für etwa 4000 Mark gibt es schon prächtig aussehende Exemplare dieser Gattung. Ein gut geleiteter Zoo muß aber auch ein Nilpferd haben, denn das Publikum will dieses Unförmige Tier gebührend bewundern und belachen.
V e r l i n, 10. Sept. (Priv.-Tel.) Die Untersuchung der Bombenatteniate und insbesondere die Aufdeckung des Bombenanschlages auf den Reichstag hat nach dem bisherigen Stand nur wenige Fortschritte gemacht. Ein großer Teil der bis heute verfolgten Spuren ist von der politischen ^olizei nunmehr endgültig auf- gegeben worden, da die zahllosen Nachforschungen so gut wie aussichtslos erscheinen. 3n den heutigen Nachmittagsstunden ist zvar eine neue und für die Polizeibehörden wicylige Spur aufgedeckt worden, die sich jedoch ebenfalls bald wieder als illusorisch erwiesen hat. Die Gerüchte von einer groß angelegten Prl ze'.ak.ion im Norden Berlins die tatsächlich im Hinblick auf die lehtgenanri e ©pur vorbereitet war, treffen demnach nicht z i. Vis- her steht nur soviel fest, daß auf Grund ves endgültigen Sachverständigengutachtens der chemisch-technischen Reichsanstalt, das heute der Pol'zri übergeben worden ist, zwischen dem Attentat auf das Reichstagsgebäude und den in Norddeutschland verübten Attentaten ein Zu-
Die 10 000 Mark, die für eine solche Anschaffung geopfert werden, bilden gewöhnlich eine gute Kapitalsanlage, da sich das Nilpferd in der Gefangenschaft willig fortpflanzt. Pinguine, die nicht fehlen dürfen, stehen ziemlich hoch im Preis, denn ein Paar kostet immerhin noch etwa 2000 Mark.
In Berlin gibt es eine Firma, die zwar weder mit Löwen, oder Tigern noch mit Elefanten handelt, die aber dennoch in den zoologischen Fachkreisen der ganzen Welt bekannt ist. Seit fünfundzwanzig Jahren hat sich der Inhaber dieses Hauses auf den Handel mit Alligatoren, Riesenschlangen und anderen Reptilien spezialisiert. Betritt man die im fünften Stock gelegenen Geschäftsräume, so schlägt dem Besucher sofort ein beklemmender Geruch entgegen. Ein unheimliches Kratzen und Scharren läßt den Gast zusammenschrecken, schließlich entdeckt er, daß das Geräusch von einer Anzahl Schildkröten verursacht wird, die in großen Blechkisten umherkrabbeln. In diesem Geschäft kann man jede gewünschte Schlangenart kaufen. Eine 560 Zentimeter lange Anacondaschlange kostet etwa 800 Mark, 2 Meter Brillenschlange sind schon für 120 Mark zu haben. Ebensoviel muß man für eine 2 Meter lange Kobra ausgeben. Aermere. Bevölkerungsschichten werden sich mit einer Kreuzotter für fünf Mark begnügen, wenn sie Sehnsucht nach einem solchen Hausgefährten haben. Für 74 Mark kann man eine 215 Zentimeter lange Boa constrictor erhalten, während die „reizenden kleinen Jungtiere" dieser Schlange nur 25 Mark kosten. Am teuersten sind Alligatoren. Für ein 250 Zentimeter langes Tier werden 950 Mark aeforbert; Alligatorenbabys, die aus der Hand fressen, erhält man schon für 25 Mark. Alligatoren werden nicht nur von Zoologischen Gärten verlangt. Kleinere Schausteller, die mit ihren Attraktionen durch das Reich ziehen, sind die besten Abnehmer für diese Tiere; sie kaufen gewöhnlich ein großes Exemplar und einige Alligatorenbabys. Es kommt nicht feiten vor, daß sie diese Zusammenstellung ahnungslosen Dorfbewohnern als „ein 2 0 0 0 Jahre altes Krokodil mit feinen Jungen" vorstellen. Die Ausgabe brauchen diese Unternehmer nicht zu scheuen, denn ein Alligator bringt immer Kassenerfolge. Auch unter den Reptilien gibt es „Gelegenheitskäufe"; so kann man Alligatoren mit etwas schiefem Nachen zu herabgesetzten Preisen erstehen. Alle großen Zoologischen Gärten der Welt stehen in der Kundenliste dieses Unternehmens, das bei der Einrichtung des Berliner Aquariums, und des Zoologischen Gartens von Elberfeld hervorragend beteiligt gewesen ist. Wenn ein besonders seltenes Reptil oder eine besondere Schildkrötenart eingeliefert werden, weiß diese Firma stets, welcher Kunde sich für den Neuerwerb interessiert. G bt es doch Leute, die Schildkröten sammeln! Diese Sammler scheuen keinerlei Geldopfer, um in den Besitz seltener Exemplare zu gelangen, und es macht ihnen nicht viel aus, wenn sie für eine 8 Zentimeter lange Schildkröte 150 Mk. bezahlen müssen.
sammenhang bestehen muß. wenn auch der Anschlag auf das Reichstagsgebäude mit einem viel schwächeren Sprengstoff ausgeführt worden ist als die Anschläge vorher. Die Haupttätigkeit der Crmittlungsbehörden erstreckt sich im Augenblick auf die Aufdeckung der erheblichen Spreng st offdieb stähle, die seit M"rz in verschiedenen Bergwerken. Steinb.üchen und Fabriken ausgeführt worien sind. Man neigt sehr stark zu der Annahme, daß zwischen diesen Diebstählen und den ©prengstofsatientaten der letzten Monate ein Zusammenhang besteht.
Das Gutachten der chemisch- technischen Reichsansialt.
Berlin, 9. Sept. (WTD.) Das Gutachten der chemisch-technischen Reichsanstalt über die letzten ©prengstoffanschläge besagt, dast bei dem Anschlag auf das Haus des Regierungsvizepräsidenten in Schleswig die gleichen Materialien verwendet worden sind wie bei dem
Löwen werden erschwinglich!
Aus der Suche »ach den SprengstoWeniäsern.
Serien mit Renate.
Von Harry Schreck.
Renates Leben hat als Hintergrund die kleine Stadt am Rand der Ostsee, wo die Bewohner ?erne Bauernfeind, Begaffe, Wasserstradt und Fo- uhl heißen.
Natürlich ist die kleine Stadt gar keine kleine Stadt. Denn die Begaffe und die Waasserstradts, die Bauemseinds und die Fokuhls würden das nie glauben; und in der Tat, sie haben doch ein Rund- fahrtauto, in dem sechs Fremde durch die alten Straßen fahren können; und dann, im Winter haben sie am Stadttheater schon die Dreigroschenoper aufgeführt. Was kann man mehr von einer Stadt verlangen, zumal Renate selbstverständlich auch in diesen Grohstadtmauem weilt?
Renate — fünfzehnjährig, schlank und nervenlos und straff — hat jetzt den ehrenvollen Auftrag, den Herrn, der auf Besuch kam, hübsch zu unterhalten.
*
Der Herr, der eben ankommt, ist zunächst ver- legem-
Er hat Renate sieben Jahre nicht gesehen und merkt verdutzt, daß er wohl anders reden muß, als er vor lieben Jahren mit Renate redete. Er schaltet ungestüm im Hebelwerk des Gehirns und sucht nach einem Ausspruch, der nun angemessen märe. Zu seinem lebhaften Bedauern kommt er bloß darauf, zu sagen: „Ja, wirklich — nein, wie du groß geworden bist! Und wie die Zeit vergeht!"
Renate lächelt höflich und mit zarter Nachsicht.
Der Herr, der auf Besuch tarn, spürt, daß sein Beginn nicht gerade glücklich war; er stiefelt schweigend mit Renate durch die Stadt und hofft sich daran zu gewöhnen, daß sie heute fünfzehnjährig ist, daß sie ein Baskenmützchen auf dem kurzen Schwarzhaar trägt, daß sie hochbeinig, schlank und nervenlos und straff an seiner Seite geht und überhaupt nicht mehr die frühere Renate ist...
Der Herr, der auf Besuch tarn, schaltet immer noch.
Renate schwenkt mit ihm vorerst zum Tennisplatz.
Der Herr, der auf Besuch tarn, sieht dort Hartwig Drücke wieder. Indes ... dies ist nicht richtig; er sieht ihn gar nicht wieder; denn Hartwig Drücke ist nicht mehr der Hartwig Drücke; der
Hartwig Drücke, der dort knapp und hart den hellen Ball ins gegnerische Feld hinüberhaut, ist ein Athlet, ein Heros in dem braunen Glanz von sechzehn Jahren. Er grüßt mit freundlich lärmendem Gebrüll.
Renate salutiert mit ihrem Tennisschlägergriff.
Aus der Athletenkehle Hartwig Drückes dröhnt es donnernd: „Was meinst du dazu ... sechs zu zwei!" Renate lächelt achtungsvoll zurück und fragt Den Herrn, der auf Besuch kam, harmlos aus, was er von Haldflugbällen halte, und ob er ihrer Ansicht sei, daß Hartwig geradezu fürs Doppelspiel geboren scheine, sofern er nicht so nah ans Netz vorginge und dort nur an den Angriff dächte...?
Der Herr, der auf Besuch 'am, spielt nicht Tennis.
Man geht zu britt spazieren durch das Städtchen.
Ein schlankes Auto, b'au lackiert und nickelglänzend, parkt still ar. einem Straßenrand; der Herr, der auf Besuch kam, wirft nur einen schnellen Blick nach dem Gefährt ... indes, Renate kreist be
zaubert und erregt um Nickel, Lack und Glas herum. „Ich möchte wissen," wendet sie sich an den Herrn, der auf Besuch tarn, „ob der hydraulisch doppelseitig bremst und Vier-Zylinder-Viertakt-Motor bat?"
Der Herr, der mf Besuch kam, lächelt überrumpelt.
Der sechzehnjährige Athlet (de- braune Heros Hartwig) ist rücksichtsvoll genua um keine Pause zuzulassen: „Natürlich, Vierzylinder-Viertakt! Das heißt, hydraulisch bremst er schlecht." Renate lächelt achtungsvoll zurück; sie ist zu höflich, um sich zu verwundern, daß ihr der Herr, der auf Besuch kam, hier keine Antwort geben konnte; und Hartwig Drücke lärmt die dumme Pause ruhig zu.
Der Herr, der auf Besuch kam, wird ein wenig rot ...
*
Der Herr, der auf Besuch kam, ändert das Gespräch.
Er fragt mit einem leisen und befangenen Zaudern, ob wohl Renate gerne lese. Renate lächelt knapp und äußerst höflich, daß sie dies gelegentlich schon tue. Erleichtert fährt der Herr, der auf Besuch kam, im Gespräch fort; er fragt mit einem Eifer, der ihm selber nicht geheuer ist, was denn Renate — gelegentlich natürlich — lese. Renate teilt ergeben seufzend mit- „Kriminalromane".
Der Herr, der auf Besuch kam, lieft sie nicht.
Indes er wunschi in diesem Augenblick, er hätte doch einmal welche gelesen — genau so, wie er wünscht, er kennte sich in Halbflugbällen und einem
Automotor aus. Er äußerte aber leider wider seinen bessern Glauben, daß er ganz andere Dinge schätze, denn Menschen von Geschmack ... und überhaupt, nicht wahr, natürlich ... und Menschen von Kultur — (er murmelt eine ganze Zeit so fort).
Renate läßt ihn zart, doch melancholisch stehen.
*
Am nächsten Morgen aber kommt Renate wieder her.
Sie lächelt fünfzehnjährig, also höflich ernst, und sieht den Herrn, der auf Besuch kam, liebenswürdig an, um schließlich die Erkundigung an ihn zu richten, ob er denn in der Tat damit den Lebensunterhalt verdiene, indem er schreibe, um gedruckt zu werden. Der Herr, der auf Besuch kam, nickt geschmeichelt und denkt hierbei, daß doch der Augenschein oft trüge. Wie reizend, daß Renate...
Renate zückt — ermutigt — schnell ein Heftchen ...
„Wir haben nämlich," meint sie plötzlich leicht bekümmert, „wir haben nämlich Ferienaufsatz; und da ... da hab ich gedacht —", „Ach so!" bemerkte der Herr, der auf Besuch kam, „den sollen wir wohl jetzt gemeinsam machen?" Renatens Auge zieht sich überrascht zusammen: „Ich glaube aber, daß er besser wird, wenn einer das allein anfängt. Und dann ... wir haben drüben grab’ das Grammophon."
Der Herr, der auf Besuch kam, nimmt die Arbeit an.
*
Der Herr, der auf Besuch kam, schreibt und brütet.
Er kann es manchmal kaum noch verhindern, daß seine Achtsamkeit vom Thema abschweift, das ein Studienrat ersann. Statt geistreich jenem Sprichwort nachzugehen, bas steif darauf beharrt, daß Wohltun Zinsen trägt — statt dessen sieht er gern zum Grammophon hinüber, in dessen Nähe Hartwig und Renate tanzen. „Wie reizend", denkt er, „doch Renate tanzt — schlank, neroenlos und straff ...!"
Renate zwitschert etwas Mahnendes zum Tisch hinüber.
Der Herr, der auf Besuch kam, schreibt und brütet, warum das Wohltun Zinsen trägt. Er schreibt es nicht ganz ohne leisen Unmut..doch immerhin, er schreibt es in dem philosophisch durchgeformten Stil und mit der Eleganz, auf die er in der Tat «sehr stolz ist. Der Studienrat muß endlich doch einmal erfahren, weshalb, zu welchem
ersten Anschlag in Lüneburg. Insbesondere waren die Margarinckisten und die Blechbüchsen in beiden Fällen genau die gleichen. Die Spreng- stoffladung war 3,9 Kilogramm schwer. Der Sprengstoff ist ein Bergwerksspreng- stoss vom Typ des Ammonit II, der aus Trini- trotoluol, Nitronaphtalin, Ammonsalpeter und Holzmehl zusammengesetzt ist. Zur Zündung des Sprengstoffs war eine Sprengkapsel Nummer 8 verwendet worden, für die ein behelfsmäßiger Glühzünder hergerichtet worden war. Der Zündsatz war bei den in Lüneburg aufgefundenen Sprengkörpern Streichhölzern abgenommen. Die Stromquelle bestand wiederum aus drei Taschenlampenbatterien; die zum selbsttätigen Schließen des Stromkreises bestimmte Uhr unterscheidet sich in keiner Weise von der beim Anschlag in Lüneburg vorgefundenen Uhr.
Bei dem Sprengstoffanschlag auf das Reichstagsgebäude in Berlin ist offensichtlich ein nicht brisanter schwarzpulverartiger Sprengstoff verwendet worden. Jedoch hat sich auch hier die gleiche Zündvorrichtung mit dem gleichen Uhrwerk wie bei den anderen Anschlägen vorgefunden. Bei dem letzten Attentat auf das Regierungsgebäude in L ü ne- burg ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein brisanter Spreng st off verwendet worden, der durch eine Sprengkapsel zur Explosion gebracht wurde. Auch in diesem Falle wurde zweifellos ein Uhrwerk zur selbsttätigen Auslösung der Explosion verwendet. Die vorgefundenen Rückstände des Sprengstoffes lassen keine näheren Schlußfolgerungen auf die Zusammensetzung des Sprengstoffes zu.
„Grober Unfug/'
Die Selbstbezichtigung Helts aufgelegter Schwindel.
Frankfurt a. M., 9. Sept. (Wolff.) Bei der hiesigen Staatsanwaltschaft erschien Montag früh die Frau des vor einigen Tagen auf Grund einer Selbstbezichtigung festgenommenen Joseph H e t t, der bekanntlich an* * gab, den Bombenanschlag auf das Reichstagsgeb äu d e in Berlin mit ausge- sührt zu haben. Aus den Bekundungen der Frau und anderer Leute hat sich ergeben, daß Hett zur Zeit des Bombenanschlags nicht in Berlin, sondern in Frankfurt gewesen ist, so daß die von der Staatsanwaltschaft von vornherein mit Skepsis aufgenommene Selbstbezichti- gung sich als haltlos herausgestellt hat. Gegen Hett wird laut „Voss. Ztg." die Polizei ein Verfahren wegen grobenUn- f u g s einleiten.
Schwere Vrandkatastrophe in einem Rotterdamer Dock.
Sieben Todesopfer. — Sieben Bern- le.
Rotterdam, 9. Sept. (ID23.) Der in ®li j.ro beheimatete Tankdampser „visneire", dcr bei der Rotlerdamsche Droogdok Rlaatschappy zur Vornahme von Reinigungsarbeiten festgemacht halte, ist heute mittag plötzlich in Brand geraten. Ivährend der Reinigungsarbeiten hatten sich die in der Nähe des Schiffes auf dem wasser treiben' n Cella cfjen aus unaufgeklärten Gründen entzündet, und die Flammen griffen so rafch c f das Schiff selbst über, daß sowohl b i e Tj r - sahung wie das mit der Reinigung bet. e Werftpersonal den Weg zur Flucht vc zt fand und sich durch Schwimmen zu teilen versuchen muhten. Leider ist das nicht allen gelungen. Rach den bisherigen Feflstellur n werden acht bis zehn Personen vermiht. Drei f rt verkohlte Leichen wurden bereits geborgen. S\ n Personen hab n ihr Leben verloren. Fünf Arbc.ier der Rotlerdamsche Droogdok Waatschappy sowie ter Erste Offizier und der Erste Steuermann der „vis- neira" werden noch vermiht. vier Arbeiter der genannten Rotterdamer Werft sind so schwer verletzt worden, dah bei ihnen Lebensgefahr besteht. Auch die Frau des Kapitäns ist bei einem
Ende, welchem Zwecke das Wohltun auf der Welt besteht...
Renate hofft, daß er das „fast genügend" findet.
Der Herr, der auf Besuch kam, sieht sich (alle Hoffnungslosigkeit im Blick) nach Beistand um. Er findet ihn; Renates Mutter nickt ihm freundlich zu.
Renates Mutter spielt nicht Tennis; Renates Mutter legt auf Vierzylinder-Viertakt wenig Wert; ' Renate? Mutter liest nicht Kriminalromane; Renates Mutter pflegt auch nicht mit Hartwig Drücke um das Grammophon zu tanzen. Renates Mutter ist gescheit und liebenswürdig, sie plaudert über Bücher, spricht von Reisen um die Welt; sie nimmt sich des Verlassenen an; ja, sie verspricht sogar, den Aufsatz, der vom Wohltun und von Zinsen handelt, gelegentlich zu lesen und zu loben ...
„Es ist ein Jammer", denkt der Herr, der zu Besuch kam, „es ist ein Jammer, daß nicht sie Renate ist ... Renate fünfzehnjährig, schlank und straff...!" ___________
Hochschulnackrichten.
Der Honorarprofessor an bet Technischen Hochschule inMünchen , Divl.-2ng. Georg Lotte r, ist zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in Breslau ernannt worden; ihm wurde vom 1. Oktober 1929 ab der Lehrstuhl für Maschinenbau, insbesondere Eisenbahnmaschinen* wesen, übertragen.
Als Nachfolger des emerit. Professors Dr. Max Hönig auf den Lehrstuhl für organische Chemie an der deutschen Technischen Hochschule in D r ü n n ist der Oberassistent am Chemischen Institut der Universität Marburg, Privatdozent Dr. Ludwig Anschütz berufen worden. — Die Ernennung des Professors Dr. med. Robert Röhle von der Universität Basel zum ordentlichen Professor der Pathologie an der Universität Berlin als Nachfolger von Pros. O. Lubarsch ist erfolgt. Der aus Augsburg gebürtige Pathologe übernimmt das Berliner Lehramt am 1. Oktober d. I. Der Gelehrte wirkte früher in Kiel, München und Jena. — Auf den erledigten Lehrstuhl für deskriptive und topographische Anatomie an der ungarischen Universität inSzenged ist der Privatdozent und Adjunkt am 1. Anatomischen Institut der Universität Budapest Dr. Franz K i ß unter Ernennung zum ori-mtlichen Professor berufen! worden.


