Ausgabe 
10.9.1929
 
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Nr. 212 Erster Blatt

179. Jahrgang

Dienstag, 10. September 1929

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Briands wirtschaftliches Paneuropa.

Eine Aussprache der Außenminister in Genf.

Genf, 9. Sept. (WTB.) Auf Einladung des französischen Ministerpräsidenten Briand sand heute mittag im Hotel des Bergues ein Früh­stück statt, an dem die er st en Delegierten der europäischen Staaten teilnahmen. An dieses Frühstück schloß sich eine Erörte­rung der wirtschaftlichen Vereinig­ten Staaten von Europa an. Es sprachen zu diesem Thema der französische Ministerpräsi­dent Briand, der deutsche Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der englische Außenminister Henderson, der Schweizer Delegierte Motta, der belgische Außenminister Hymans und der österreichische Bundeskanzler Streeruwih. Das von Briand gestellte Thema wurde sehr ernst und lebhaft diskutiert. Als Ergebnis der Aussprache wurde Briand gebeten, seine Ideen und das Ergebnis dieser Diskussion in einem Memorandum zufammenzufassen und den beteiligten Außenministern zuzustellen. Die Außenminister werden an Hand dieses Memo­randums mit ihren Regierungen Fühlung neh­men, und man wird an einem noch zu verein­barenden Zeitpunkt die Diskussion über dieses Thema f o r t s e h e n.

Wie die Pariser Havasagentur ergänzend mit­teilt, habe Briand sich formell dahin ausgespro­chen, daß eine derartige Gruppierung keiner­lei Offensivcharakter gegen die nicht da­ran beteiligten Staaten oder gegen Staaten an­derer Erdteile haben dürfte. Die Aachkriegszeit habe die gegenseitige Abhängigkeit der europäischen Staaten besonders auf wirt­schaftlichem und sozialem Gebiet gezeigt. Es er­weise sich immer mehr als dringend notwendig, Produktion und Warenaustausch zu rationalisieren, besonders angesichts der stets schärfer werdenden Weltkonturrenz, die un­widerstehlich werden könne, wenn dem Zustand der Anarchie des europäischen Marktes nicht ein Ende bereitet werde.

Gegen den Gedanken Bricrnds, so heißt es in der Havas-Auslassung weiter, sei keiner­lei grundsätzliche Opposition laut ge­worden- allerdings habe man Vorbehalte gemacht, wie dies angesichts eines so umfassen­den Planes ganz natürlich sei, aber es habe sich weder eine systematische Ablehnung noch eine Kritik a priori ergeben. Stresemann, der als erster seine Ansicht äußerte, habe das unbestreitbare Interesse vom wirtschaftlichen Standpunkt aus anerkannt und sich trotz Her­vorhebens der politischen Schwierig­keiten dem Plan entschieden günstig gezeigt.

Berliner Echo der Gtresemann-Rede.

Kritik der Zcntrnmsprcffe.

Berlin, 10. Sept. Das demokratischeDer- linerTageblatt" nenn: die Rede Dr.Strese- manns in der Völkerb'-ndsr e'sr nmlung ein klar es, positives Programm, ein ent­schlossenes Bekenntnis z.-.m ovr.i^rittsglauben, ohne den kein Fortschritt erzielt werden könne. -Es war eine Rede, die grundsätzlich und sachlich die Völkerbundsarbeit auf den richtigen Weg brachte". DieGermania", das Organ des Berliner Zentrums, erklärt: Die Ausfüh­rungen Dr. Strescmanns liegen in der Ab­rüstungsfrage erheblich hinter den viel stärkeren Formulierungen Macdonalds zurück. Wir hätten eine deutlichere deutsche Kritik an den V e r s ch l e i e r u n g s v e r s u ch e n und Sicherheitsphrasen Driands, die be­kanntlich den Beifall der französischen Rechten gefunden haben, aufrichtig gewünscht. Auch in der Minderheitenfrage hat der deutsche Außenminister sich offensichtlich durch den Wunsch, keine Störung der Atmosphäre zu verursachen, stark zurückhalten lassen. Zum Schluß begrüßt es das Blatt, daß Dr. Strese­mann ausdrücklich betont hat, daß eine Abwehr­aktion wie ein Zollkordon um ganz Europa, der seine Spitze allzudeutlich gegen Amerika bzw. gegen England richte, nicht geplant werden dürfe.

Die der Dolkspartei nahestehendeDeutsche A l l g e m e i n e Ze i t u n g" erblickt in der Rede mehrfach politische Feststellungen, die der all­gemeinen Ansicht in Deutschland ohne Llnter- schied der Partei entsprächen. Die Rede sei klug insofern, als sie das Haager Ergebnis mit be­deutend gröberer Reserve würdige. Zunächst er­kennt das Blatt an, daß der deutsche Außen­minister die Rotwendigkeit der Rückgabe des Saargebiets betont und hinzugefügt hat, daß das der einmütige Wunsch der Bevölkerung sei. Weiterhin verzeichnet dieD. A. Z." die Ausführungen Dr. Stresemanns über dasMin- derheiten pröble in mit Genugtuung, des­sen Behandlung Deutschland natürlich nicht im Hinblick auf bestimmte Einzelfragen betreibt. Größere Skepsis lösen hingegen bei dem Blatt Dr. Stresemanns Ausführungen über das wirt­schaftliche Pa neuropa aus. Ein europäi­scher Staatenbund, so betont das Blatt, der seine Signatur durch die Oberherrschaft einer einzelnen Macht erhielte, kann für Deutschland nicht in Frage kommen. Erst muß die Gleichbe­rechtigung zwischen den europäi­sch en Staaten wiederhergestellt und eine friedliche Revision der einstigen Dik­

tate durchgeführt fein, ehe, eben in voller Gleich­berechtigung die Frage eines europäischen Bun­des erörtert werden kann.

In der agrarischenDeutschen Tages­zeitung" heißt es: Mit vielen Teilen der Aus­führungen des deutschen Außenministers, die durch gute Formulierungen, Entschiedenheit und Offen­heit nach der angenehmen Seite hin enttäusch­ten, kann sich auch der Kritiker der Stresemann- schen Gesamtpolitik einverstanden erklären. Auch dieses Blatt drückt seine Freude darüber aus, daß Dr. Stresemann das Ergebnis der Haager Konferenz nüchterner beurteilte, als es in Deutschland in Regierungskreisen Mode ge­worden sei. Die Entschiedenheit, mit der er auch die Befreiung des Saargebiets von fremder Be­satzung forderte, war gerade dem Völkerbund gegenüber, der bekanntlich hier Treuhänder ist, angebracht und nützlich. Bezeichnenderweise aber blieb an dieser Stelle jeder Beifall aus. Es war richtig, daß der deutsche Außenminister keinen Zweifel daran ließ, daß er die von Briand wieder vom Völkerbund verlangte Sanktions­politik nicht billige, vielmehr im Einverständnis mit den Engländern d i e allgemeine Ab­rüstung für das wichtig st e Sicher- heitsetement halte. Auch die Ausführung Dr. Stresemanns über den Ausbau des Ar­tikels 19, besonders seine Bemerkung, es gelte die Ursachen des Krieges zu beseitigen,nicht aber den Krieg gegen den Krieg zu organi­sieren, wird von dem Blatt eine durchaus rich­tige Erkenntnis genannt, der leider die bis­herige Praxis der deutschen Politik i n feiner Weise entsprochen habe. Bezüg­lich Paneuropas erklärt das Blatt, daß nach

seiner Ansicht es unbedingt notwendig gewesen wäre, zunächst einmal das Politische in den Vordergrund zu schieben und völlig klarzustellen, daß jede europäische Zusammenarbeit die un­bedingte Gleichberechtigung der europäischen Völker auf allen Gebieten zur Voraussetzung habe.

DieWchlenzumVölkerbundsrat.

Polen, Liidslawien und Peru.

Genf, 9. Sept. (SU.) Die Vollversammlung hat am Montag die Wahlen für die alljährlich ausscheidenden Ratsmitglieder (Polen, Chile und Rumänien) vorgenommen. In der ge­heimen namentlichen Abstimmung wurden 53 Stimmen abgegeben. Gewählt wurde Polen mit 50 Stimmen, Südslawien mit 42 Stim­men und Peru mit 36 Stimmen. Ferner er­hielten: Rorwegen 22 Stimmen, Uruguay 5 Stimmen, Dänemark, Litauen und Schweden je eine Stimme. Die Wiederwahl Polens, das bereits 1926 in den Rat gewählt worden war, erfolgt auf Grund des Polen er­teilten Charakters der Wiederwählbarkeit. Der Rat, der aus 14 Mitgliedern besteht, seht sich jetzt folgendermaßen zusammen:

Fünf ständige Ratsmitglieder: Deutschland, England, Frankreich, Italien, Japan.

Zwei nichtständige, aber wieder- wählbare Ratsmitglieder: Polen und Spanien.

Sieben nichtständige Ratsmitglieder: Per­sien. Finnland. Kanada, Südslawien und die drei lateinamerikanischen Staaten Peru, Kuba und Venezuela.

Sic Tariserböhoss der Reichsbahn abgelehnt.

Ein lobenswerter Entschluß, aber eine schlechte Begründung. - Reichsbahn- gericht oder Verkehrssteuerkompromiß.

Berlin, 9. Sept. (WB.) Der Reich 5 ver - -fr 1frrTtfrt GtltVäcf'ltw -Dfra'ifdfr.?

Reichsbahngesellschaft auf Erhöhung der Eisenbahntarife mit Rücksicht auf die in­zwischen ein^.tretene und noch anhaltende günstige Verkehrs- und Einnahmeentwicklung abgelehnt.

Mit dieser Ablehnung der Erhöhung der Fracht­tarife um 2i v. 5). durch die Reichsregierung ist das letzte Wort im Kampf um die Gestaltung der Reichs­bahntarife noch nicht gefallen. Zunächst wird sich der Verwaltungsrat der Reichsbahn, der nach den alten Dispositionen in 14 Tagen Zu­sammentritt, aber auf Grund der veränderten Lage vielleicht schon früher einberufen wird, mit der Entscheidung der Reichsregierung befassen. Von ihm wird es auch abhängen, welche Aktionen unternom­men werden. Aus gut unterrichteten, der Reichsbahn nahestehenden Kreisen gewinnt man aber schon jetzt den Eindruck, daß die Begründung der ab­lehnenden Antwort als ungenügend betrachtet wird. Von feiten der Reichsbahn verweist man dar­auf, daß die zur Begründung herbeigezogene Tat­sache einer günstigeren Verkehrsentwicklung in den letzten Monaten gegenüber dem Voranschlag noch keineswegs erlaubt, hierin die Möglichkeit zu sehen, das durch die Lohnerhöhung entstandene Defizit von annähernd 60 Millionen zu decken. Für die Zeit vom Januar bis Juli hat die letzte Verkehrs­steigerung nur z u einem Ausgleich der vorangegangenen schlechten Winter­monate gedient, und es ist heute, so wird erklärt, noch keineswegs möglich, zu übersehen, ob die wei­teren fünf Monate wirklich einen Ueberschuß in der notwendigen Höhe bringen. Die Reichsbahn verweist nach wie vor auf ihre alte These, daß das Defizit der Lohnerhöhungen nur durch wirk­liche Mehreinnahmen aus neuen Ein­nahmequellen gedeckt werden dürfte. Dem Verwaltungsrat stehen zwei Wege offen, wenn er sich mit der Regierungsentscheidung nicht zufrieden geben will: Die Reichsbahn kann an das Reichs-

b ah nae richt toie, in; vergangenen Jahr arwe- ' it-refi7efifcia tnr -Ve/siiÄp glmach'tz im Zusammenhang mit dem ^oungplan zu einem Kompromiß über die Verkehrs st euer mit der Reichsregierung zu kommen.

Der Reichsverkehrsminister hat g u t daran getan, die Tariferhöhung abzulehnen. Wäre es zu einer Hinaufsehung der Frachtsätze gekommen, dann hätten sich Erschütterungen unseres Wirt­schaftslebens nicht vermeiden lassen. Dennoch läßt sich eine scharfe Kritik nicht umgehen, und zwar deswegen, weil der Verkehrsminister in- einem nur drei Zeilen langen Brief an die Reichsbahn­gesellschaft als Begründung seiner Ableh- nung angibt, daß inzwischen eine günstige Verkehrs- und Einnahmeentwick- lung eingetreten sei, die noch anhalte. Wir wissen nicht, wie weit das richtig ist, weil Herr Stegerwald darauf verzichtet hat, diese Fest­stellung entsprechend zu belegen. Aber eins steht doch fest: der Eisenbahnverkehr ist ein getreues Spiegelbildunsererwirtschaftlichen Lage. Hebt er sicy und fließen die Reichs­bahneinnahmen stärker, dann muß es auch un­serer Wirtschaft wieder besser gehen. Das große Heer der Erwerbslosen, das bereits wie­der anfängt, sich langsam der Millionengrenze zu nähern, liefert keinerlei Beweise für diese Vermutung. Das Ausland aber, und hier wieder Frankreich in erster Linie, werden den kurzen Brief des Reichsverkehrsministers benutzen, um unter Zuhilfenahme ihres Pro­pagandaapparates jedem, der es hören will, auseinanderzuschen, wie gut es Deutschland geht, und daß eine der Hauptreparati­onsquellen nach der Feststellung des Ver­kehrsministers wieder stärker zu fließen be­ginne. Es liegt auf der Hand, daß die Fran­zosen bei den bevorstehenden Saarverhandlungen sich auf Stegerwalds Feststellungen stützen und von uns eine recht hohe Bezahlung aller even­tuellen Zugeständnisse an der Saar fordern werden.

Die Krisis der deutschen Landwirtschaft hat sich verschärft.

Oie Spitzenorganisationen fordern vom Reichsernährungsminister sofortige Rotmaßnahmen.

Berlin, 10. Sept. (Prio.-Tel.) Die Führer der landwirtschaftlichen Spitzenorganisationen, Her­mes, Brandes, Schiele und Fehr, haben sich mit einem Schreiben vom 8. September e r - ncut an den Reichsernährungsminister gewandt und auf die Verschärfung der Krise in der deutschen Landwirtschaft hingewie­sen. Sie richten an die Regierung die Forderung, eine Reihe von S o f o r t m a h n a h m e n durchzuführen, die geeignet seien, die dringend- st e n Mißstände auf den landwirtschaftlichen Pro­duttenmärkten zu beheben und die ohne Mitwirkung des Reichstagsplenums durchführbar seien.

Ls muß leider festgestellt werden, so heißt es in dem Schreiben weiter, daß eine Einwirkung des

Gesetzes über die Vermahlung von 3 n - landwei; en vom 4. 3uli 1929 auf dem Weizen- marki bisher nicht zu verspüren ist. Wir halten es daher für dringend geboten, daß Sie, Herr Mi­nister, von den im Gesetz vom 4. 3uli 1929 festge­legten Ermächtigungen sofort restlos Ge­brauch machen. Die Entwicklung der deutschen Wei­zenpreise und die schwache Nachfrage nach inländi­schem Weizen im Monat August zwingt in der Tat zu der Annahme, daß die im Gesetz vorgeschriebene Quote von 40 v. h. inländischen Weizens bisher tatsächlich nicht vermahlt ist. Wir halten es ferner für notwendig, daß in Ausführung der Bestimmungen der Paragraphen 1 und 3 des Ge­setzes eine Erhöhung der Vermahlungs­

quote vorgeschrieben wird. Die Anwendung des in Paragraph 2 des Gesetzes zugelassenen B c i - Mischungszwanges von inländischem Weizenmehl zu Mehl aus Auslandweizen hal­ten wir aus dem gleichen Grunde für erforderlich.

wir find der Ansicht, daß die dringend notwen­dige Entlastung des Roggenmarktes nur durch Herausnahme größerer Mengen Roggen aus dem Markt erreicht werden kann, wir schätzen diese Menge auf mindestens 500 000 Ton­nen, die im Wege der Magazinierung, des Exportes und der versütterung zu verwenden wären.

Aus dem engen betriebswirtschaftlichen Zusam- menhang zwischen Schweinemarkt, Roggen- und Fuitergetreidemärkten ergibt sich die Notwendigkeit, die Einfuhr ausländischen Futterge­treides zu drosseln. Da bei Mais handelsverlrag- liche Bindungen vorliegen, ist die notwendige Hilfe auf dem Gebiete der F u t t e r g e r st e um so drin­gender. Wir beantragen schnellste Aufhebung des Zwischenzolles für Futtergerste.

Die erforderliche Entlastung des Rind­viehmarktes ist nur durch Fernhallung der übermäßig großen Vieh- und Fleischeinfuhren zu erreichen.

Wir richten an Sie, Herr Minister, im 3nteresse der an der Futtererzeugung besonders interessierten bäuerlichen Landwirtschaft die dringende Bitte, mit allem Nachdruck sich für die Kündigung des deutsch - finnischen Handelsvertrages innerhalb der Reichsregierung einzusehen. Das Ziel muß unter allen Umständen darin bestehen, minde­stens noch im Laufe dieses 3ahres die erhöhten Butter - und Rahmzölte in Wirksamkeit zu sehen.

Angesichts der äußerst bedrohlichen Verschärfung der Lage der Landwirtschaft halten wir die schleu­nige Einberufung des handelspoliti­schen Ausschusses des Reichstages, unab­hängig vom Zusammentritt des Plenums, zur so­fortigen Durchführung der aus zollpolitischem Gebiet liegenden vorstehend ausgezählten Sofort- mahnahmen für unerläßlich.

WK^ 'bitten s d) h el l w i irtl nde Maßnah­men auf ff euer - und kreditpolitischem Gebiet zur. Behebung des Verkaufsdruckes und zur Erleichterung der Lrntefinanzierung in die Wege zu leiten. Endlich muß die Landwirtschaft nunmehr schleunigst von der Last der Tilgung der Rentenmarkscheine befreit werden.

Oie Verwaltung der Reichspost.

Vom Kreisverein des Deutschen Po st. oerbandes teilt man uns mit:Die Du r ch - Prüfung der Deutschen Reichspost durch den Reichssparkommissar ist nahezu be­endet. Vor kurzem hat der Reichssparkornmissar ein Gutachten über den Postbetriebsdienst vorgelegt, das eine wertvolle Anerkennung der Äerwattungsarbeit der Deutschen Reichspost darstellt. In diesem Gut­achten heißt es: ,Die Durchprüfung des Postbetriebs­dienstes hat ergeben, daß es sich dabei um einen Dienstzweig handelt, der seinen Aufgaben gerecht wird und den Anforderungen einer wirtschaftlichen Betriebsführung durchaus entspricht.' In dem wei­teren Sondergutachten über das Kassen- und Rechnungswesen der Deutschen Reichspost, das einen schwierigen und vielfältigen Dienstzweig darstellt, faßt der Reichssparkornmissar sein Urteil dahin zusammen: ,Jn seiner Gesamtheit bietet das Kassen- und Rechnungswesen der Deutschen Reichs­post ein in sich wohlgeordnetes und geschlossenes Bild, das in vieler Hinsicht für die von der Reichs­regierung erlassene Reichskassenordnung richtung­gebend gewesen ist'."

parlamentarisches! aus Hessen.

Die Fraktion der Deutschen Volkspartei beantragt, die Regierung zu ersuchen, durch das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft baldmöglichst die Miet- berechtigungskarten einzuführen. Das bisherige Wohnungszuweisungsoerfahren hat sich als durchaus unzweckmäßig und unwirt­schaftlich erwiesen und war kaum in der Lage, den Wohnungsuchenden zu helfen. Eine Reihe von Großstädten hat daher die sog. Miatberechtigungs- karten eingeführt und es dann den Wohnungsuchen­den überlassen, ihren Bedarf selbst zu decken. Diese Lösung war nicht nur den Wohnungsuchenden dien­lich, sondern hat auch wesentlich zur E n 11 a st u n g der Kommunen beigetragen. Der Bericht der Verwaltung von Köln hebt z. B. ausdrücklich hervor, daß seit der Zeit der Einführung solcher Mietberechti­gungskarten alle Verärgerungen der Parteien auf­gehört haben. Köln kann berichten, daß es die Räume des Wohnungsamtes für den Verkehr mit Woh­nungsuchenden nur an einem Tag in der Woche für einige Stunden zu öffnen braucht. Zufolge dieser Einschränkungen der Tätigkeit des Wohnungsamtes find jährlichallein 15 0000MarkanVcr- roaltungsf offen gespart worden.

Reichstagung der deutsch-völkischen Freiheitsbewegung.

.. ft ,° 9. Sept. (WTB.) Hier wurde dis diesjährige Reichstagung der deutsch­völkischen Freiheitsbewegung abge­halten. An der Haupttagung, die in Anwesenheit Don etwa 700 Ortsgruppen- und (SanDertrctem unter Vorsitz des Reichskührers Reinhold