Ausgabe 
10.8.1929
 
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wäre die Schaffung einer Vergleichs- und Fest- stellungskommission wünschenswert. Der italie­nische Delegierte legte sich hiergegen in der Aussprache eine gewisse Zurückhaltung aus.

Der am Freitag eingesetzte Juristische Ausschuß wird seine Arbeiten unverzüglich aufnehmen. Deutschland wird in ihm durch Mi­nisterialrat Dr. Gaus vertreten sein, England Lurch Sir Cecil Hurst, und Frankreich durch Fromageot. Aus der amtlichen Verlautba­rung des Politischen Ausschusses geht nkcht ein­deutig vor, auf welcher Grundlage der Juristische Ausschuß seine Arbeiten aufnehmen soll. Er wird jedoch ohne Zweifel nicht nur die gegenwärtige Rechtslage prüfen, sondern auch konkrete Vorschläge ausarbeiten. Das Schwergewicht der Verhandlungen des politischen Ausschusses über die Vergleichs- und Feststellungskommission im Rheinlande ist somit von den Mächten zunächst in den Juristischen Ausschuß gelegt worden, ähn­lich wie dies im Verlaufe der Locarno-Konferenz der Fall war. Die Annahme scheint deshalb naheliegend, daß von den einzelnen Abordnungen dem juristischen Ausschuß Vorschläge zur Prüfung eingereicht werden. Der die Vergleichskommission behandelnde Absatz dtzr Genfer Sechs- Mächte-Entschließung vom 16. Septem­ber 1928 hatte bekanntlich folgenden Wortlaut: Es ist Einigkeit zwischen den sechs Mächten über den Grundsatz der Einsetzung einer Feststellungs­und Verglewhskommission erzielt worden. Die Zusammensetzung, Tätigkeit, das Arbeitsgebiet und die Dauer dieser Kommission find weiteren Verhandlungen zwischen den Regierungen Vorbe­halten."

Der deutsche Standpunkt.

Optimismus der Wilhclmstratze.

Berlin, 9. Aug. (Privatmeldung.) In Ber­liner unterrichteten Kreisen wird die Lage der Konferenz im Haag als ernst, aber keineswegs so beurteilt, als befände sich die Konserenz be­reits in einer Krise. Man kann die Situation v.el- leicht so kennzeichnen, daß in dem bisherigen ersten Abschnitt der Verhandlungen die Parteien ihre Positionen bezogen haben. Das gilt für die finanzpolitische Kommission ebenso wie für die politische, nachdem diese die beiden Unterausschüsse beschlossen hat. Für Samstaa ist eine neue Besprechung zwischen Dr. Stresemann und Briand über die politi­schen Fragen vereinbart. Der Standpunkt, der in der juristischen Kommission von deutscher Seite vertreten wird, ist schon jetzt klar. Der deutsche Vertreter wird schon jetzt darauf Hinweisen, daß der Artikel 213 des Versailler Vertrages, der Locarnovertrag und die Schiedsverträge d i e Einsetzung einer neuen Festsetzungs- kommission unnötig machen. Artikel4 des Locarnovertrages sieht ausdrücklich vor, daß die Teilnehmer des Vertrages sich verpflichten, beim Völkerbund eine Untersuchung zu veranlas­sen, wenn auch nach ihrer Auffassung eine Ver­letzung vorliegt. Rach Artikel 213 des Versailler Vertrages verpflichtet sich Deutschland, jede Un­tersuchung zu dulden, die der Rat des Völker­bundes für notwendig erachtet. Rach deutscher Ansicht würde dementsprechend die Einsetzung einer neuen Kommission nicht nur überflüssig sein, sondern auch den Wert des Lo­carno-Vertrages herabsehen. In Ab­satz 3 des eben zitierten Genfer Kommuniques vom 16. September 1928 ist gesagt worden, daß die Zusammensetzung, das Funktionieren, dec Ge­genstand und die Dauer der Feststellungs- und Ausgleichskommission den Verhandlungen zwischen den Regierungen Vorbehal­ten werden soll. Kommt man darüber nicht zu einer Einigung, so entfällt nach deutscher Auffassung die Einsetzung natürlich überhaupt. Dabei ist zu unterstreichen, daß das Genfer Kom­munique ja auch keineswegs den Cha­rakter eines Vertrages hat. Alle diese Gesichtspunkte dürften in der juristischen Kom­mission geltend gemacht werden.

Die Glaubigerfroni gegen England.

Der ?)oung-Plan als unteilbares Ganzes.

Paris, 10. Aug. (2BIB. Funkspruch.) Der Kor­respondent desPetit Parisien" im Haag berichtet, daß am Sitze der belgischen Delegation gestern eine Besprechung stattgesunden habe, an der außer den belgischen Delegierten Iaspar, Hymans und h outart der französische Finanzminister Che- r o n, Minister Loucheur, der italienische Dele­gierte Pirelli und der Vertreter Japans, Bot­schafter A d a t s ch i, teilgenommen hätten. Bei dieser Besprechung sei im Kamen Frankreichs, Ita­liens, Belgiens und Japans beschlössen worden, a n der b i s jetzt eingenommenen Haltung festzuhallen, d. h. den Zoung-Plan als ein unteilbares Ganzes anzusehen und keine Abänderung des Planes zuzulassen.

Die Reform der Arbeitslosenversicherung.

Das Gutachten der Tachverständigen.

Berlin, 9. Aug. (Priv.-Tel.) Heber das Gutachten der vom Reichsarbeitsministerium eingesetzten Sachverständigenkommis­sion, die sich mit den Fragen der Reuregelung der Arbeitslosenversicherung zu beschäftigen hatte, führte Ministerialdirektor Weigert vor Vertretern der Presse u. a. aus: Die Kommission konnte in der Abstellung von Mißständen in einer ganzen Reihe von Fragen einstimmige Feststellungen treffen. Bei der Lösung des finanziellen Pro­blems ging die Kommifsion von einer durch­schnittlichen Arbeitslosen ziffer von 1,1 Millionen im Jahr aus. Bisher rech­nete das Gesetz nur mit durchschnittlich 800 000 Llnterstühten im Jahre. Man wollte jedoch bei der Reuregelung vermeiden, eine zu optimistische Zahl einzusehen und hat deshalb den Durch­schnitt d-^ Jahre 1926 bis 1928, das sind 1,1 ^Jterstühte, eingesetzt. Für diese Hn- ivclluöten stehenach den Berechnungen 2 7 9 im 2ahre zur Ver­eng Eine wehere Aufgabe der Kommission war es nun, Vorschläge zu machen, wie diese r 6 e d e ck t Werden kann. Es wurden einer­seits Sparvors'chläge von insgesamt

Aus aller Welt.

Der Berliner Tve-treklamekongreh.

Zu dem vom 11. bis 15. August in Berlin tagenden Weltreklamekongreß sind bereits eine große Anzahl bedeutender Persönlichkeiten in Berlin eingetroffen. Der Präsident des Inter­nationalen Reklameverbandes, C. C. I o u n g - green, und Herr H. H. Charles, der Vor­sitzende der Generalkonvention in Amerika, haben sich am Mittwoch bereits in Berlin der Presse vorgestellt und auf die Wichtigkeit des Kon­gresses hingewiesen. Für die Bedeutung, die man in Amerika diesem Kongreß beimißt, mag als Beweis dienen, daß bis jetzt bereits 12 0 0 amerikanifcheKongrehteilnehmersich in Berlin eingefunden haben, und daß man sogar mit 1400 amerikanischen Teilnehmern rechnet. Zweifellos stellen diese Zahlen Rekordzahlen dar. Besonders hingewiesen wurde auf die Tatsache, daß dieser Kongreß nicht lediglich eine Zusam­menkunft der Reklamefachleute sein soll, sondern daß die während der Tagung gehaltenen Vor­träge es sind deren über 100 für jeden Geschäftsmann, dem an einer Steigerung seines Absatzes gelegen ist, eine Fülle von wissens­wertem Material auf allen Gebieten, die irgend­wie mit dem Reklamewesen zusammenhängen, bieten wird. So finden beispielsweise Sitzungen folgender Fachgruppen statt: Fachgruppe der Annoncen-Expeditionen, Fachgruppe der kirch­lichen Propaganda, Fachgruppe der Werbebrief- Reklame, die Ethik in der Reklame, Fachgruppe der Reklameverbraucher, Fachgruppe der Ge­brauchsgraphik, Fachgruppe der industriellen Re­klame, Fachgruppe der Zeitschriften, Fachgruppe der Zeitungen, Fachgruppe der Plakatreklame, Fachgruppe der Rundfunkreklame, Fachgruppe der Cinzelhandelsreklame, Fachgruppe der Ver­kaufsdirektoren, Fachgruppe der Filmreklame.

Hauptversammlung des Deutschen Reklameverbandes.

In Berlin fand die diesjährige Hauptver­sammlung des Deutschen Reklameverbandes, unter starker Beteiligung aus allen Teilen des Reiches statt. In den Festfälen des ehemaligen Herrenhauses vereinigten sich am Abend zahl­reiche Teilnehmer des Internationalen Reklamekong refses zu einem Festbankett, das die Ortsgruppe Berlin des Deutschen Re­klameverbandes veranstaltete. Unter den Ehren­gästen befand sich Reichsminister Dietrich, der eine Ansprache hielt, in der er u. a. darlegte, daß die Landwirtschaft vielleicht a l s letzter Berufszweig jetzt den Wert der Reklame zu erkennen beginne. Die Landwirt- chaft, die jetzt um die gleichberechtigte Wieder- einschaltung in die heutige Volkswirtschaft kämpfe, bedürfe wie jeder Wirtschaftszweig der Reklame, um ihren guten Produkten den notwendigen Absatz zu verschaffen. Der Minister schloß mit dem Wunsch, daß die Werbearbeit wie d?r gesamten deutschen Volkswirtschaft so auch peziell der deutschen Landwirtschaft den Erfolg mngen möge, der schließlich dem ganzen Leut­chen . Volke zum Segen gereiche.

Die ersten Teilnehmer am Luropa-Rundflug in Bufare'L

Von den Teilnehmern am Europarundflug traf auf dem Flugplatz Bukarest als Erster um 16.21 Uhr der Franzose Delmotte auf E 7 ein. Cs folgten um 16.23 Uhr der Deutsche Roeder auf D 5, Miß Spooner auf H 6, Broad auf H 5, dann 16.25 Uhr Fritsch auf T 1, 16.35 Uhr Dotalla auf K 6, 16.37 Uhr Car - berrh auf B 3, 16.38 Uhr Offermann auf A 2, 16.39 Uhr Hagen rn eher auf C 4, 16.44

Uhr Mazo11i auf N 5; ferner trafen um 18.48 Uhr 01 cf) ring auf B 5. um 19.12 Uhr Com­bo r ö i auf K 3 ein. Außer Wettbewerb traf Lady Daley um 15.25 Uhr ein. Sie flog sogleich weiter. Das Fiat-Flugzeug K 5 blieb in Turn- Severin, La es bei der Landung beschädigt wor­den ist. Von Bukarest flog als Erster wieder weiter Roeder auf D 5 um 17.02 Uhr, Del­motte auf E 7 um 17.05 Uhr, und Offer­mann auf A 2 >um 17.07 Uhr.

von einem Eisbären angegriffen.

Die italienische Expedition Albertinis, die vor einiger Zeit an Bord des Walfischfängers Heimen Sucai" nach den Rordpolaraebieten auf- gebrochen war, um nach den Ueberbleib- seln des LuftschiffesItalia" zu su­chen, ist von einem schweren Unglück betroffen worden. Mehrere Mitglieder der Besatzung des Walfischfängers, sowie der italienische Führer der Expedition Guidoz wurden am Mittwoch­abend von einem hungrigen Eisbären angegriffen. Der Leiter der Expedition, Al- bertini, eilte den Bedrängten mit einem Gewehr bewaffnet zu Hilfe. Unglücklicherweise stürzte Albertini infolge Brechens der Eisschicht i n ein Wasserloch. Bei dem Sturz entlud sich dasGewehr und durch den Schuß wurde sein Begleiter Guidoz so schwer verletzt, daß er kurze Zeit darauf an Bord des Schiffes starb. Da dieHeimen Sucai" kein Land er­reichen konnte, wurde die Leiche Guidoz' unter Erweisung der seemännischen Ehren ins Meer ' gesenkt.

Die seltsame Automordtat.

Die Mordtat aus der GablonzReichenberger Straße bei Kunnersdors, deren Opfer der Kraft­wagensührer Klemm wurde, ist noch immer nicht aufgeklärt worden; sie wird im Gegenteil immer rätselhafter. Bei einer zweiten Sezierung der Leiche Klemms wurde festgestellt, daß Klemm nicht zwei, wie es sich ursprünglich ergeben hatte, sondern mindestens vier Schüsse erhalten hat. Ferner wurde festgestellt, daß es sich bei dem tödlich verunglückten M i - zera, der die Schüsse auf Klemm abgegeben hatte, um einen Berufsverbrecher han­delt, dessen Personalien von der Polizei nicht be- kanntgegeben werden. Er soll sich auch Weber genannt haben. Hartig soll einer Zeugin gegen­über im Gablonzer Krankenhaus geäußert haben, das Unglück wäre nicht geschehen, wenn der hinter Klemm sitzende Mizera nicht geschossen hätte. Es ist das aber ein Widerspruch zu seiner bei der ersten Vernehmung gemachten Aussage, bei der er angegeben hatte, von einer Schießerei über Haupt nichts gehört und gesehen zu haben.

vermißte Alpinisten.

Drei ungarische Wanderer, die am Mittwochmorgen vom Jungfraujoch aus die Jungfrau bestiegen, find beim Abstieg ab- gestürzt. Eine Rettungsmannschaft ist unter­wegs, jedoch besteht keine Hoffnung, die Wan­derer noch lebend aufzufinden. Vor vier Tagen brachen zwei Techniker aus der Westschweiz zur Besteigung des Wetterhorns auf. Trotz Warnung der Bergführer, die sie auf die ungünstige Witterung aufmerksam machten, schien die Touristen ihre Besteigung fort. Am Freitag fand man nun ihre Bergpickel am sog. Großen Kamin", ohne aber von den Leuten selbst die geringste Spur zu finden. Eine Ret­tungskolonne ist aufgebrochen.

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16 3 Millionen Mark gemacht und ander­seits wurde eine Beitragserhöhung von i _> Prozent vorgeschlagen, um den Rest zu decken. Die Ersparnisvorschläge sehen u. a. vor, die Höhe der Unterstützung nicht mehr nach Lohnklassen zu staffeln, sondern nach der Dauer der Beschäftigung. Dadurch hofft man 80 Millionen Mark zu sparen. 11 Millio­nen Mark hofft man durch Aenderung der Saisonarbeiter fürsorge und 25 Millio­nen Mark durch eine Reuregelung der Wartezeit einzusparen. Der restliche Betrag der einzusparenden Summe soll aus der Aende­rung der Krankenversicherung und Anrechnung der Renten gedeckt werden.

Keine Tariferhöhung der Reichsbahn.

Erst nach Entscheidung über den Uouug-Plan neue Beratungen.

Berlin, 9. Aug. (Priv.-Tel.) In der Oef- fentlichkeit wird wieder einmal die Rachricht verbreitet, daß der Verwaltungsrat der Reichs­eisenbahn bei seiner nächsten Tagung, Ende des Monats, erneut beschließen wolle, die Erhöhung der Eisenbahntarife durchzusehen. Diese Rach­richten entbehren jedoch, wie wir von der Reichs­bahn erfahren, und wie es sich auch logisch aus der Situation ergibt, jeder Grundlage. Be­kanntlich hatte seinerzeit die Reichsregierung eine Zustimmung zu dem von der Reichsbahn­direktion eingereichten Tariferhöhungsantrag a fr- gel c Ij n t mit der Begründung, daß erst ein­mal das Schicksal des Boung-Planes afrgetoartet werden müsse, ehe zu dieser Frage über­haupt Stellung genommen werden könne, und daß im gegenwärtigen Zeitpunkt eine Erhöhung der Tarife für die Wirtschaft nicht tragbar er­scheine. Diese Frage wird gewiß wieder auf­tauchen, wenn der Entscheid über den CSoung« Plan gefallen ist und wenn man weiß, in welchem Umfange er dann im einzelnen Aen - öerungen für d i e Reichsbahn bringt, und was in der Zukunft mit der Beförderungs­steuer geschehen wird. Da diese Fragen aber erst im Spätherbst nach der Ratifizierung des Boung-Planes aufgegriffen werden könnten, ist für das laufende Jahr überhaupt nicht mit einer Erhöhung der Eisenbahntarife zu rechnen.

Ausländische Kriegsschiffe in Deutschland.

Berlin, 9. Aug. (Privatmeldung.) Die näch­sten Wochen werden verschiedene Besuche fremd­ländischer Kriegsschiffe in deutschen Häsen brin­gen. Aus Italien treffen zwei Panzerkreuzer, Pisa" undFerruccio", unter Führung des Vizeadmirals Rota ein, aus Spanien vier mo­derne Hochseezerstörer, aus Rußland zwei Kreuzer und zwei Zerstörer, und aus Argen­

tinien das SchulschiffPresidente Sarmiento". Die deutsche Regierung wird diese Schiffe in der üblichen Weise empfangen und eine Reihe von Festlichkeiten zu ihren Ehren veranstalten. Für den Besuch der spanischen und der italieni­schen Schiffe sind befonbereXDeranftaltungen ge­plant, da die spanische und. die italienische Ma­rine zum erstenmal Schiffe in die deutschen Gewässer entsenden und damit zum erstenmal der deutschen Regierung Gelegenheit bieten, die in Italien und Spanien deutschen Kriegsschiffen gebotene Gastfreundschaft zu erwidern. Beide Länder haben den deutschen Kriegsschiffen glän­zende und ehrenvolle Empfänge bereitet. Die italienische Schulschiffdivision hat vor einigen Monaten eine Hebungsreise in die nordeuropäischen Gewässer angetreten, auf der Gibraltar, Antwerpen und Danzig bereits an­gelaufen wurden. Von Danzig führt die Route nach Kiel. Der Aufenthalt in Kiel ist für die Zeit Dom 13. bis 17. August angeseht. Von Kiel geht der Reifeweg über London, Le Havre, Vigo zurück nach Italien.

Der mandschurische Konflikt.

Estinas Rechtfertigung.

Etwas spät rüden die Chinesen mit dem Ma­terial heraus, das sie bei der Haussuchung in der Wohnung der russischen Beamten gefunden haben. Es bedeutet allerdings eine starke Recht­fertigung des chinesischen Vorgehens. Hier zeigt sich wieder einmal, daß die Russen auch heute noch mit den alten Methoden arbeiten, daß sie vor nichts zurückschrecken und unter dem Schein der Freundschaft doch immer nur ihre revolutio­nären Ziele verfolgen. Selbstverständlich haben sie ihre Stellung bei der mandschurischen Bahn ausnuhen wollen, um Propagandamate­rial nach China zu schmuggeln, aber nicht nur das, sie haben einen eigenen Fonds von 300 000 Goldrufreln gebildet, mit dessen Hilfe Mordpläne gegen nationalistische chinesische Führer durchgeführt werden sollen. Wenn also die Chinesen sich auch in der diplomatischen Form vergriffen haben, in der Sache hatten sie allen Grund, sich ihrer Haut zu wehren. Die Russen werden einen schweren Stand haben, wenn sie dieses schwerwiegende Material wegdementieren wollen.

Der chinesische Außenminister erklärte in einem Interview auf die Frage nach dem Stande der Ver­handlungen mit Sowjetrußland, daß niemals ein Fortschritt in den Verhandlungen zu ver­zeichnen gewesen sei, weil die Sowjetunion auf der Forderung bestehe, russische Beamte in die leitenden Stellen der O st chinesischen Eisenbahnoerwaltung wieder einzusetzen. Nanking könne keinesfalls auf diese Forderung eingehen, da es russischen Beamten nicht vertrauen könne. Die chinesische Negierung sei entschlossen, fest zu bleiben und sehe dies als den einzig möglichen Weg an.

Gras Zeppelin" wieder in Friedrichshafen.

Berlin, 10. Aug. (wTv. Zunkspruch.) Das LuftschiffGras Zeppelin" befand sich 5 Minuten nach Mitternacht über den Scilly-Jnseln im englischen Kanal, um 1.15 Ahr etwa 70 Kilometer südlich von Plymouth, von 6.30 bis 6.40 Uhr überflog es Paris bei leicht bewölktem Him­mel und nahm alsdann Kurs nach Offen. Das Luftschiff war in einer höhe von etwa 300 Me­ter sichtbar. Man hörte deutlich das Surren der Motoren. Nachdem Paris überflogen war, wurde das Luftschiff um 8.40 Uhr bei Befanden ge­sichtet, überflog kurz nach 11 Uhr die Stadt Basel und wandte sich dann dem deutschen Heimatboden in Richtung Friedrichshafen zu, wo es um 12.38 Uhr eintraf. Zur Zeit kreuzt es über der Stadt.

Kommuniflenrevolie in Berlin

Zusammenstöße mit der Polizei.

Berlin, 9. Aug. (WB.) Hm 8.30 Hhr heul abend zog im Berliner Osten ein Zug von etwa tausend Kommunisten unter Absingen kom­munistischer Lieder durch die Straßen. Als die Polizei versuchte, .den Zug auszulösen, setzten die Demonstranten der Polizei tätlichen Wi­ße r st a n d entgegen, so daß vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden mußte. Rach Auslösung des Kommunistenzuges wurden in der Koppen, straße drei Polizeibeamte von der Menge angefallen. Aus der Menge wurde auf die Beamten geschossen. Ein Beamter er­hielt einen Schuß in den linken Ober­arm, ein anderer in den Rücken. Beide Beamte wurden nur leicht verletzt. Ein dritter Beamter wurde von der Menge geschlagen, zu Bo­den geworfen und getreten. Er mußte in seiner Bedrängnis zwei Schüsse abgeben und tötete einen Angreifer; ein weiterer wurde verletzt. Die Personalien des Toten und des verletzten Demonstranten konnten noch nicht festgestellt werden. Die verwundeten Polizisten und Demonstranten wurden in das Staatskran­kenhaus gebracht.

Der Straßburger Bürgermeister.

Ausschluß des Bürgermeisters Hueber aus der kommunistischen Partei.

Paris, 8. Aug. (TH.) Wie demTemps" aus Straßburg gemeldet wird, hat die kom­munistische Partei von Straßburg den Bürger­meister Hueber und seinen Gehilfen Haas wegen Vergehens gegen d i e Partei- d i f z i p l i n aus der Partei ausgeschlossen. Dieser Beschluß ist anscheinend ohne die Zu­stimmung der kommuni st ischen Zen- träte in Paris gefaßt worden. Die Be­gründung des Ausschusses besagt, daß Hueber und Haas trotz mehrfacher Mahnungen eine kommunistische Zeitung gegründet hätten, in der sie die schärfsten Angriffe gegen d i e Partei richteten. Außerdem hätten fie sich mit den Klerikalen ver­bündet. Hueber fei dadurch zum An­hänger einer reaktionären Mehr­heit geworden. Er schreibe patriotische Briese an Poincare, beleuchte die Straßburger Kathe­drale am 14. Juli und füge sich den Vor­schriften der Reaktion. Hueber und Haas hätten den Versuch gemacht, die tommunistische Partei zu zerschlagen'

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Wettervoraussage.

An der Grenze zwischen Warm- und Kaltluft erstreckt sich heute morgen noch eine Regenfront von München in nordöstlicher Richtung bis Kö­nigsberg. In unserem Gebiet ist jedoch schon Aufheiterung eingetreten. Da das Barometer allgemein steigende Tendenz zeigt, ist mit einem weiteren Vordringen des Azorenhochs zu rech­nen. Daher wird vorläufig das ziemlich heitere und warme Wetter anhalten. Bet erneutem Ein­bruch von ozeanischer Kaltluft ist späterhin Ge­witterneigung nicht ausgeschlossen.

Voraussage für Sonntag: Hetter, auch zeitweise leicht wolkig, warm und meist trocken, späterhin Gewitterneigung.

Lufttemperaturen am 9. August: mittags 20,1 Grad Celsius, abends 17,5 Grad; am 10. Aug.: morgens 15,5 Grad. Maximum 20,8 Grad, Mini­mum 12,8 Grad. Crdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 9. August, abends 20,4 Grad; am 10. August: morgens 17,2 Grad Celsius. Son­nenscheindauer 2Vi Stunden.