abgetrennte Saar- und Pfalzgebiet und gegen die Saarlüge", nachdem eine politische Arbeitstagung vorausgegangen war.
Die Kundgebung in der Stadthalle stand ganz unter dem Eindruck der Rede, die Professor Dr. Schreiber (Münster) M. d. R., dem Saarproblem widmete. Er wies auf den bevorstehenden zehnten Jahrestag der Unterzeichnung des Versailler Vertrages hin und sagte in diesem Zusammenhang: Unter den offenen, noch immer blutenden Wunden im deutschen Westen ist das Los des Saargebiets wohl mit am s ch m e r z l i ch st e n. Der Redner erinnerte dann daran, daß sich die Saarländer 1919 und stets wiederum mit Recht auf ihre Familienzugehörigkeit zum Deutschtum berufen hätten, ohne beim Völkerbund Recht und Gehör zu finden. Das Saargebiet sei und bleibe ein rein deutschesGebiet nach Siedlung und Geschichte. Die Politik der Schöpfung eines künstlich konstruierten Saarstaates lag von vornherein nicht in der Linie jener Völkerverständigung und jenes Friedensgedankens, auf den Wilson und die Entente sich immer wieder beriefen. Wir empfinden hier die Dissonanz zwischen der politischen Theorie der Selbstbestimmung und der rauhen Praxis harten Diktats als äußerst bitter. Unser Blick wendet sich hoffnungsvoll zur Saar. Wir ergreifen die Bruderhand des Saargebiets und halten sie fest. 1935 soll nach Ablauf der festgesetzten 15jährigen Frist die letzte der im Versailler Vertrag vorgesehenen Möglichkeiten bei der Saarabstimmung Wirklichkeit werden: die Vereinigung mit Deutschland. Wir warten auf diese Vereinigung mit hochgemutem Sinn, mit tiefinnerlichem Verstehen.
Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in der es heißt: Das Volk an der Saar fühlt sich in unlöslicher Schicksalsgemeinschaft verbunden mit dem deutschen Rhein. Ein Entgegenkommen gegenüber Versuchen, den unnntüriidjen Keil zwischen Rhein und Saar bestehen zu -lassen oder weiter zu treiben, würde im Saargebiet als nationaler Verrat empfunden werden. Darum macht ein Ende mit dem Saarexperiment des Versailler Vertrages, das sich in neun Jahren als völlig verfehlt erwiesen hat, durch die ungeschmälerte Rückgabe des Saargebietes an Deutschland.
Der Verfaffungstag in Hessen.
D a r m st a d t, 7. Juni. Staatspräsident Adelung hat dem Landtag den Entwurf eines Gesetzes über den Verfassungstag zugeleitet. In diesem Entwurf wird verlangt: Der Derfassungs- tag am 11. August ist staatlich anerkannter Feiertag und Fe st tag im Sinne der Reichsverfassung. Am Derfassungs- tage sind alle öffentlichen Gebäude in den Reichsfarben zu beflaggen. In allen Schulen sind für Lehrer und Schüler der Bedeutung des Tages entsprechend Feiern zu veranstalten. Fällt der Berfassungstag in die Schulferien, so findet diese Gedenkfeier frühestens acht Tage vor Schluß, oder spätestens 14 Tage nach Wiederbeginn des Unterrichts statt.
In dieser Vorlage kommt die Regierung einem bereits im Jahre 1922 angenommenen Antrag entgegen, der eine reichsgesetzliche Regelung dieser Feier verlangt. Da aber wahrscheinlich bei der Geschäftslage des Reichstages mit einer rechtzeitigen Verabschiedung dieses Gesetzes vor dem 11. August nicht mehr zu rechnen ist, ist das hessische Ministerium hier selbständig vorgcgangen, damit die zehnjährige Wiederkehr der Verfassungsgebung in diesem Jahre durch die Feiertagserklärung dieses Tages ihre besondere Weihe erhalte.
Aus dem Finanzausschuß
Darmstadt, 7. Juni. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags behandelte die Regierungsvorlage über die Erhaltung und Sicherung von Baudenkmälern. In der ersten Vorlage werden für verschiedene Denkmäler 35 COO Mk. verlangt. Die Vorlage wurde mit 7:6 Stimmen angenommen. Die geplante Herstellung von Badeeinrichtungen für die Beamten der Bergwerksdirektion in Wölfersheim gaben Anlaß zu einer ausgedehnten Debatte. Da sich die Parteien nicht einig werden konnten und weitere Unterlagen wünschten, wurde der Punkt bis zur nächsten Woche zurückgestellt. — Auch die Regierungsvorlage, 100000 Mk. für die Rationalisierung des Handwerks in Form von Darlehen durch die Handwerkskammer bereitzustellen, wurde von verschiedenen Seiten stark angegriffen. Minister Korell und Abg. Haury (Dt. Vp.) setzten sich für die Vorlage ein, während sich die Vertreter des Bauernbundes und der Sozialdemokraten nicht für die Vorlage erwärmen wollten. Die Vorlage wurde zurückgestellt, um den Fraktionen nochmals Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Ein Zentrumsantrag, betreffend Ablösung der Gold - Diskontbankhypotheken wird für erledigt erklärt. Die Regierung teilt dazu mit, daß es in den Verhandlungen der Landes- und Reichsregierung nicht gelungen sei, die Rückzahlungstermine weiter hinauszuschieben. Die Hessische Landesbank- und Girozentrale hätte jedoch Mittel bereitgestellt, um die Hypotheken abzulösen. Allerdings müßten die betreffenden Landwirte die erhöhten Zinssätze bezahlen; der Landesregierung stünden auch keine Mittel zur Verfügung, den Vorzugszinssatz der Golddiskontbank-Hypotheken zu ermöglichen.
Oie Aoiariaisgebühren in Hessen.
D a r m st a d t, 9. Juni. (WTB.) In einem volks- parteilichen Antrag auf Herabsetzung der Notariats- gebühren heißt es u.a.: Bei der Beurkundung von Anmeldungen zum Handelsregister wurde seither von Notaren und Gerichten nicht das Gesamt- vermögen der die Anmeldung bewirkenden Firmen zugrundegelegt, da man sonst zu unmöglichen Ergebnissen gekommen wäre. Seitdem jedoch das Oberlandesgericht Darmstadt in seinem Beschluß vom 12. April 1929 — der, soweit bekannt, in Widerspruch mit einer früheren Entscheidung steht — festgelegt hat, daß die Gebührende- rechnung nach dem Gesamtwert des Gegenstandes zu geschehen hat, sind die Notare gezwungen, von der seitherigen Uebung abzusehen. Di« Folge ist eine völlig ungerechtfer- tigte Belastung der Wirtschaft. Es soll vorgekommen sein, daß eine Firma für die Anmel- duna eines Prokuristen 4000 Mark, eine andere für die Anmelduno von vier Prokuristen 45 000 Mark Kosten zahlen sollte, während im letzteren Falle eine Anmeldung in Preußen für weniger als 100 Mark beurkundet worden wäre. Hessen kann daher die jetzigen Sätze nichtaufrechterhalten, wenn es sich nicht der Gefahr aussetzen will, daß die In- buftrie abwandert oder ihren Sitz jenseits der Grenze, verlegt.
Oer Geveringkurs und die Parteien
Fnnerpolitifche Debatte im Reichstag.
Berlin, 7.Juni. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums.
Abg. Freiherr v. Sardorff (D. vp.)
geht zunächst auf die Bestrebungen auf Aenderung des bestehenden Wahlrechtes ein. Ein dringendes Bedürfnis zu einer solchen Wahlreform könne nicht anerkannt werden trotz mancher Mängel des Proportionalwahlrechtes. Die Vielheit der Parteien wird auf keinem gesetzlichen Wege zu beseitigen sein. Wirklich befriedigens funktioniert das parlamentarische System nur in England, weil dort die Opposition immer damit rechnen muß, morgen die Verantwortung für die Regierung zu übernehmen. Die Regierungsbildung vollzieht sich jetzt bei uns gar nicht nach der Verfassung! Nicht das Staatsinteresse ist dabei maßgebend, sondern das Parteiinteresse. Der Reichskanzler beruft nicht die Minister, sondern die Parteien bestimmen sie. Wir brauchen eine gewisse Trennung zwischen Negierung und Parteien. In der Frage der Reichsreform ist eine Lösung nur zu erreichen, wenn der Reichspräsident zugleich preußischer Staatspräsident wird. Preußen hat nur noch die Aufgabe, im Reiche aufzugehen. Bei den Maiunruhen sind leider auch unschuldige Opfer gefallen, die wir bedauern. Die Führer haben sich wie immer in Sicherheit gebracht. Ich habe keine Führer mit zerschlagenen Köpfen gesehen, das wurde den Geführten überlassen.
Abg. Sollmann (S03.)
begrüßt die Senkung der Ausgaben für die Technische Rothilfe. Diese Einrichtung müsse obgebaut werden. Wichtiger wäre eine Rcichsnothilfe gegen die immer zahlreicher werdenden Aussperrungen der Unternehmer. Sobald die Finanzlage sich gebessert habe, mühten die Mittel für kulturelle Aufgaben erhöht werden. Das Bildungswesen in Deutschland trage leider immer noch Klassencharakter, da nur 1,2 Prozent der Studenten Arbeiterkinder seien. Wir wollen keineswegs die politische Ge- wissensfreihei t der Beamten antasten, aber die Republik kann nicht Beamte in ihrem Dienst lassen, die sich in einer Organisation betätigen, die nur vom Kampf gegen diese Repu- blir lebt. Wir müssen warnen vor den Bestrebungen, direkt oder indirekt uns mit der Zensur zu beglücken. Mit dem Schund- und Schmutzgesetz haben wir keine guten Erfahrungen gemacht. Wenn George Groß Christus mit Gasmaske und Stahlhelm zeichnete, so empfinde ich als Dissident das nicht als eine Karikatur auf das Christentum, sondern auf die Pastoren, die den Krieg gepredigt und verherrlicht hoben, auf Stahlhelm-Pastoren und Stahlhelm-Pfaffen, die selber eine Karikatur auf das Christentum darstellen. Die innerdeutschen Gesandtschaften einzelner Länder müssen endlich verschwinden. Wir erwarten, daß der Reichsinnenminister eine republikanische Offensive eröffnet bei der Zehnjahresfcier der Verfassung.
Abg. Berndt (Dntl.)
wendet sich gegen die Derfassungsfeier, die eine rein republikanische Demonstratio n s f e i e r sei. Dr. Wirth habe bereits das Versagen des Parlamentarismus schonungslos festgestellt. Wir fordern Stärkung der Macht st ellung des Reichspräsidenten. Die Arbeiten des Länderausschusses gehen an dem Kernpunkt des Giebels, dem Absolutismus des Parteiregiments, vorbei. Für die Wach- rufung des nationalen Gewissens haben die heute herrschenden Kreise kein Verständnis. Sie sind von ihrer Republikonisierungswut so besessen, daß sie gegen alle Tlnwürdigkeiten, Denunziationen und vaterlandsverräterischen Treibereien bewußt blind sind. Am 28. Juni wollen die Pazifisten eine Aktion für die Anerkennung der deutschen Kriegsschuld ins Werk sehen. (Hört! hört! rechts.) Soll auch diese Schmach dem deutschen Volke nicht erspart bleiben? Die Deamtenpolitik des Ministers nennt der Redner verfassungswidrig. Der Stahlhelm erstrebe nur eine Verfassungsänderung, wie die meisten anderen Parteien. Wenn das Streben nach einer anderen Staatsform strafwürdig sei, dürfte auch kein Beamter Mitglied der Sozialdemokratischen Partei sein. Die Verlängerung des Republikschutz- gesehcs werden wir mit allen Mitteln bekämpfen.
Abg. Dr. Schreiber (Ienlr.)
errlärt, noch immer gebe es in Deutschland viele Leute, die das Spiel mit dem Bürgerkrieg kurzsichtig und freventlich betreiben. Daneben gebe es in Deutschland auch einen stillen Bürgerkrieg, eine planmäßige Erschütterung der Staatsautorität. Die Haßbotschaft des Stahlhelms sei eines der traurigsten Dokumente der deutschen Rachkriegszeit. Es ist Pflicht jeder selbstbewußten Regierung, einer schleichenden Brunnenvergiftung entgegenzutreten. Allen Diktaturgelüsten muß mit aller Schärfe entgegengetreten werden. Statt einer Diktatur brauchen wir die geistige Mobilisierung aller Volksgenossen zur Pflichterfüllung. Die Richtverabschiedung des Reichsschulgesehes bezeichne im Grunde genommen eine Schwäche, ein Defizit, das dem Reiche selbst anhafte. Dringend bedürfe es einer Reform des Derechtigungswesens. Der Rundfunk dürfe keiner politischen Partei dienen.
Abg. Dr. Bredl (W.P.)
erklärt, die Rotwendigkeit einer Aenderung der Weimarer Verfassung werde in weiten Kreisen betont. Die Reformprogramme von Hugenberg und vom Stahlhelm laufen darauf hinaus, daß die Minister nicht mehr vom Vertrauen des Parlamentes abhängig sein sollen und daß in die Hand des Reichspräsidenten die größte Machtfülle gelegt werden soll. Was würde Herr Huggenberg wohl sagen, wenn diese ungeheure Machtfülle in der Hand eines Reichspräsidenten Severing läge? Die Berufung auf das Beispiel der Vereinigten Staaten ist verfehlt. Dort sind beide maßgebenden Parteien m ihren großen politischen Gesichtspunkten kaum unterschieden, und Sozialisten gibt es dort überhaupt nicht. Das ganze ilnglud unseres Systems liegt darin, daß nur immer bewil- 1101 und nicht gefragt wird, wo es her- ko m m t Wir brauchen endlich eine feste Regierung. Wir stellen uns auf den Boden der gegebenen Verfassung. Es ist noch vieles zu verbessern, aber eL tommt weniger an auf eine
Aenderung der geschriebenen Bestimmungen als der parlamentarischen Praxis.
Abg. 6ül; (Dem.)
erklärt das Einverständnis seiner Partei mit der vom Minister eingehaltenen gesamtpolitischen Linie. Er erwarte, daß der Minister auch seine Aufgabe in einer starken Festigung des republikanischen Staates sehe. Von diesem Gesichtspunkt aus sei ein entschiedenes Vorgehen gegen rechts und links zu begrüßen, wenn gegen die Staatsordnung angekämpft werde. In der Frage des Einheitsstaates müsse endlich auch vom Reiche aus eine starke Initiative entwickelt werden. Zur Vorbereitung der Reichsreform gehöre auch die Reform des Wahlrechtes. Liste und Großwahlkreis führten zur Entpersönlichung der Wahl.
Reichsinnenminister Severing:
Der Aufforderung, Hüter der Reichsverfossung zu sein, komme ich gern nach. Gerade darum muß ich aber festhalten an dem in Artikel 109 festgelegten Grundrecht: „Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich." Ebenso müssen natürlich alle Länder vor dem Gesetz gleich sein. Wenn in Bayern Titel und Orden verliehen werden, obwohl das in der Reichsverfossung verboten ist, so hatten die Länder Preußen und Sachsen durchaus recht mit der Anregung, der Reichsinnenminister möge eine für alle Länder geltende Regelung dieser Frage herbeiführen. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß wir nicht private Organisationen als Schützer der Staatssicherheit gebrauchen können. Wenn aber Parlamente und Gerichte den Stahlhelm und andere rechtsgerichtete Organisationen duldeten und schützten, dann konnte man die Bildung ähnlicher Organisationen von links nicht verhindern. Wir arbeiten an der beschleunigten Vorlegung des Beamtenvertretungsge- sehes und der Reichsdienststrafordnung. Das Allgemeine Beamtenrecht soll im nächste,i Frühjahr folgen. Das Gesetz für das Reichsverwaltungsgericht soll noch in diesem Monat dem Reichstag zugehen, das Reichsbühnengeseh im nächsten Herbst. Das Gesetz zur Abänderung des Wahlrechtes wird den Reichstag beschäftigen, wenn in diesem Frühherbst die dringendsten Aufgaben der Gesetzgebung erledigt sind. Da die Verfassung nicht geändert werden soll, wird es sich im wesentlichen um eine andere Wahlkreiseinteilung und um eine Aenderung der Spihenliste handeln. Die Einmänner-Wahlkreise haben auch nicht die Wahl solcher Parlamentarier verhindert, wie sie Ludwig Thoma in seinem „Josef Filser" geschildert hat. Es wird vor allem darauf ankommen, die Vertretung kleiner Splitterparteien einzuschränken. Die Jeremiaden von der „Krise des Parlamentarismus" gehen daran vorbei, daß es sich eigentlich um eine Krise des deutschen Volkes handelt. Die Regierungskrisen sind doch immer im letzten Grunde durch die Repa- r a t i 0 ns lasten verschuldet worden, für deren Druek die einzelnen Parteien nicht mehr die Verantwortung tragen zu können glaubten. Wenn wir erst von diesen Lasten befreit sind, dann wird die Stabilisierung und Stetigkeit der Regierung schnelle Fortschritte machen, dann wird man nicht mehr von einer Krise des Parlamentarismus reden. Wenn die Regierung nicht mehr vom Vertrauen des Parlaments abhängig wäre, so wäre sie deshalb keineswegs stabiler. Reichswehr und Schutzpolizei sind deswegen so starke Stutzen der Staatsautorität, weil sie sich auf die Mehrheit des Volkes stützen können. Was die Reichsreform betrifft, so halte ich es für verfrüht, Volksentscheide oder Reichstagsbeschlüsse herbeizuführen gegenüber leistungsfähigen Ländern, die ihre Selbständigkeit aufrechterhalten können.
wir wollen d'-e Reichseinheit nicht mit Reichsverdrossenheit erkaufen. Die Reichsreform kann aber nicht mehr von der politischen Tagesordnung verschwinden. Auf die Dauer können wir uns nicht mehr den Luxus erlauben, so viele Behörden des Reiches und der Länder nebeneinander zu haben.
Das Reichsministerium wird in diesem Jahre noch Wert darauf legen, in einem Gesetzentwurf zu zeigen, welcher Weg zum Einheitsstaat führt und wie der Einheitsstaat aussehen soll. In Artikel 137 der Reichsverfassung heißt es, daß die Beamten Diener der Gesamtheit und nicht einer Partei sind. Von den Beamten muß verlangt werden, daß sie mit freudigem Herzen den Staat bejahen, nicht nur im Dienst, sondern auch außerhalb des Dienstes. Der Abschluß der Unterredung der Stahlhelm führer mit dem Reichspräsidenten ist keineswegs ein Freibrief für den Stahlhelm und für die ihm angehörenden Beamten. Wenn Sie entgegen den dem Reichspräsidenten gemachten Versprechungen, Beschimpfungen gegen den deutschen Staat und die Staatsform richten, wie wir sie in den letzten Monaten erlebt haben, so werden die republikani- chen Behörden zu vrüfen haben, ob die Bestimmungen des Gesetzes über die Beamtenpflicht gegenüber der Republik beachtet sind. Zum zehnjährigen Verfassungstag ist von mir eine republika- Nische Offensive verlangt worden. Dazu brauchte man nur eine Sammlung dessen aufzuzeigen, was die Republik in den zehn Jahren auf dem Gebiete der ozialen Fürsorge, des Wohnungsbaus und der Ge- undheitspflege geleistet hat. Die Tätigkeit der Republik in den letzten zehn Jahren auf diesen Gebieten stellt alles das in den Schatten, was in mehreren Dezennien von der Monarchie geleistet worden ist. (Beifall links, Lachen rechts.) In der Republik ind die nationalen Kräfte geweckt wor- >en. (Abg. Graf Westarp: „Sie find ja international!) Ja international, ich rechne alle diejenigen Menschen, die sich nur auf die Betätigung des nationalen Sinnes beschränken, zu den seelisch Minderbemittelten. (Beifall links.) Ich nehme für mich in Anspruch, ein so guter Deutscher zu sein, wie irgendeiner auf der rechten Seite. Ich leg« auch Gewicht daraus, im Anfang des 20. Jahrhunderts zu denen zu gehören, die auf ihr Weltbürgertum stolz find. (Beifall links.) Denken Sie an die internationalen Beziehungen, die ja auch von den deutschnationalen Abgeordneten Hoetzsch und v. Lindeiner-Wildau gepflegt werden. Wi» können uns nicht international abschließen. Es kommt darauf an, daß wir innerhalb der internationalen Gemeinschaft unsere nationale Würde nicht verlieren.
Ich habe mir besondere Pflege der Rok- gememschasl für die deutsche Wissenschaft ange
legen sein lassen. Deutschland kann nur weiter- 1 kommen, wenn es seine Wirtschaft befähigt, durch Qualitätsarbeit den Wettbewerb auf dem Weltmarkt mitzumachen, und dazu muh die Wirtschaft durch die Forschungen der Wissenschaft ' befruchtet werden. Die dafür ausgewendeten Summen sind die bestekapitalsanlage.
Ich bin durch die Schnitte des Finanzministeriums und des Reichsrats hindurchgegangen mit den 8 Millionen, die ich für die Rotgemeinschaft verlangt habe. Ich hoffe, daß wir in den nächsten Jahren nachholen können, was in diesem Jahre versäumt werden muh. Ich meine, daß wir die Rotgemeinschaft der Wissenschaft als Basis einer Reichskulturpolitik ansehen müssen. Der Minister wendet sich dann zu der kommunistischen Interpellation über die M a i u n r u h e n. Die Kommunisten^ seien groß in der Erfindung neuer Schlagwörter. Das neueste sei „Eozialfafzismus". Das Demonftrationsverbot sei nicht mit unwahren Behauptungen begründet worden, sondern mit den gerichtlich festgestellten Bluttaten der Kommunisten und den Ankündigungen der K. P. D., die sich gegen die Staatsautorität wenden. (Während dieser Ausführungen werden von den Kommunisten dauernd lärmende Zwischenrufe gemacht. Präsident Löbe erteilt Ordnungsrufe und droht mit der Ausweisung.) Die Kommunisten glaubten jetzt wohl nicht mehr daran, daß sie am 1. August die bolschewistische Revolution durchführen könnten. (Zuruf von den Kommunisten: „Das haben wir gar nicht geglaubt." Lautes Gelächter der Sozialdemokraten.) Die für die Ordnung und Sicherheit verantwortlichen Behörden würden diesen Putschabsichten zu begegnen wissen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten, Pfui-Rufe bei den Kommunisten.)
Aus aller Wett.
Amerika-Flug schwedischer Flieger.
In Stockholm startete Sonntagfrüh 6 Uhr daS Wasserflugzeug „S v e r i g e" von dem Stockholmer Flughafen Lindarängen, zu dem Transozeanfluge Stockholm—Reuhork. An Bord des Flugzeuges befanden sich der Pilot Kapitän Ahrenberg, der Beobachter Leutnant Floden und der Bordfunker Ljundlund. Aus der ersten Etappe bis Bergen flogen auch der Finanzier des Fluges, der Stockholmer Bankier Serven und ein Radioreferent mit. Bor dem Start erklärte Kapitän Ahrenberg, man rechne damit, am Dienstag um 11 Tlhr amerikanischer Zeit in Reuyork zu sein. Das Flugzeug führte eine volle Ladung von Frachtgütern und Post mit sich. Der Zweck des Fluges ist, die Möglichkeit eines regelmäßigen Luftverkehrs Europa—Amerika zu beweisen.
Die Junkers-Maschine „Sverige" landete mittags glatt in Bergen und startete gegen 15 Uhr zum Flug nach Island. Da das Flugzeug verhältnismäßig schwer beladen war und Windstille eintrat, dauerte es einige Zeit, ehe der Start unter den Jubelrufen der viele tausend Zuschauer gelang. Seit 10 Ufjr gestern abend hat man von dem schwedischen Atlantikflugzeug „Sverige", das an der Südküste Islands netto n b e n mußte, nichts mehr gehört. Die Küstenverhältnisse an der Landungsstelle sind derart ungünstig, daß Grund zurBeunruhigung vorliegt. Man weiß noch nicht, ob es dem Führer der „Sverige", Ahrenberg, gelungen ist, in der Mündung des Skaptaroflusses zu landen oder ob er außerhalb der Küste niedergehen mußte. In diesem Falle wäre das Flugzeug durch den starken westlichen Wind gefährdet. Die Expedi- tinsschiffe „Odin" und „Thor" werden im Laufe des vormittags die Landungsstelle erreichen. Sollte das Flugzeug wieder aufsteigen können, so wird es frühestens Montagabend in Reykjavik eintreffen können.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Hoher Druck von Westen her breitet sich nach dem Kontinent aus und erstreckt sich bereits über Deutschland. Infolgedessen gewinnen die im Ror- den vorüberziehenden Fallgebiete zunächst keinen Einfluß auf die Wetterlage. Im Bereich hohen Druckes ist mit vielfach heiterem und trockenem Wetter zu rechnen. Dabei macht sich der Einfluß der Sonneneinstrahlung stärker geltend, so daß die Temperaturen weiter ansteigen.
Wettervoraussage für Dienstag:
Meist heiteres Wetter, warm und trocken.
Wettervoraussage für Mittwoch:
Wenig Aenderung der Wetterlage.
Lufttemperaturen am 9. Juni: mittags 22,3 Grad Celsius, abends 12,6 Grad; am 10. Juni: morgens 13,5 Grad. — Maximum 22,7 Grad, Minimum 9,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Juni: abends 22,8 Grad; am 10. Juni: morgens 15,2 Grad Celsius, r-r Sonnenscheindauer P StundeH


