Ausgabe 
10.6.1929
 
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2U. Die Frequenz der Landes-Llni- verfität Gießen. 3m Sommerscmester 1929 beträgt die Zahl der immatrikulierten Studieren­den 1744, die der Hospitantinnen 5 und die der Gasthörer und -Hörerinnen 105, insgesamt 1854. Die Zahl der immatrikulierten Studierenden ver­teilt sich auf die einzelnen Fächer wie folgt:

Theologie 124, 3ura 341, Medizin 284, Veterinär- Medizin 133, Mathematik 135, Naturwissenschaf­ten 127, Chemie 59, Pharmazie 7,- Forstwissen­schaft 66, Landwirtschaft 56, Philosophie 55, Ge­schichte 2, Klassische Philologie 47, Neuere Philo­logie 202, Staatswissenschaften 106. Die Zahl der Immatrikulierten betrug im S. S. 1928 1629, im W. S. 1928 29 1562.

** Ernennung an der LandeSuni- v e r s'i t ä t. Der Direktor des Hessischen Staats­archivs Dr. Julius Reinhard Dieterich in Darmstadt wurde zum ordentlichen Honorar­professor an der Landesuniversität Gießen er­nannt.

** Dienstjubiläum. Nm heutigen Tage kann der Kalkulator Heinrich Schneider auf eine 25jährige Tätigkeit im Hause H. Schaff- staedt G. m. b. H., zurückblicken. Dem Jubilar wurden bei einer kleinen Feier seitens der Direk­tion und seiner Mitarbeiter Ehrungen und Ge­schenke zuteil.

Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt

Schweres Autounglück.

y Dermutshain (Vogelsberg), 10. Juni. Gestern abend fuhr daS Auto des Dachdecker­meisters Meuer aus Ortenberg in voller Geschwindigkeit am OrtSausgang von Vermuts- hain nach Lichenrod zu an einer gefährlichen Kurve gegen einen Baum. Die fünf In­sassen wurden herausgeschleudert. Einer namenS Hofmann aus Schwickartshausen wurde in schwerverletztem Zustande ins Krankenhaus nach Lauterbach übergeführt, wo er inzwischen ge­storben ist. Der Chauffeur kam mit Hautab­schürfungen davon, während der Insasse Götz mit tiefen Schnittwunden ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Das Auto ist vollkommen zertrümmert. Die Kurbel- Welle steckt etwa 15 Zentimeter tief im Stamme des angefahvenen Baumes.

Nervenkranke

u.Nervös-Erschöpfte. Sb ezlalkoranstaliEoIhelm

Im Tannns bei Frankf.a.M. Prospekte durch

San.-Rat Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt HM

Aus der provinzialhauptstadi.

Gießen, den 10. Juni 1929.

Das offene Zensier.

Licht und Luft. Wie sehr wir all die Winter­monate über nach ihnen verlangten, wir merken es erst jetzt recht, da wir beides in Fülle haben. Die Fenster öffnen sich weit, und auch das genügt uns noch nicht, jede freie Minute nützen wir, um uns ins Freie zu begeben, uns zu tummeln in Wald und Flur, und schließlich finden wir uns im Fluß­bad, den Körper, nicht eingeengt von schwerer Klei­dung, der Wirkung von Licht und Lust überant­wortend.

Durch offene Fenster schaut der blaue Himmel in unsere Stuben. Am Morgen dringt der Helle Ruf von Dogelstimmen unbehindert zu uns, und am Abend strömt dec Amsel Stimme herein. Breite Sonnenstreifen finden durch die Fensteröffnung zu uns hin, werden aufgefangen und zurückgeworfen, daß das ganze Zimmer aufleuchtet und Glanz be­kommt. Rotgolden spielt das Abendlicht herein, und selbst noch am Abend gewährt das offene Fen­ster all dem, was draußen ist, Eintritt. Da kommt ein Lied von Mädchenlippen zu uns hingeflogen, läßt uns aufhorchen und ihm nachsinnen, wenn es mit dem leichten Schritt, der sich entfernt, verklingt. Bon fern herüber klingt bezauberndes Klaoierspiel, und in den Klängen ist etwas, das uns die Stunde mit besonderem Inhalt füllt. In der Nähe das Schä­kern junger Leute, die an der Haustür beim Ab­schied kein Ende finden.

Und kommt der Morgen wieder, so werden all die tausend Stimmen laut, die uns mitten hinein­tragen in den raschen Tag mit seinen Pflichten und Freuden, mit seinen Sorgen, und kleinen Liebens­würdigkeiten. Es ist, als ob mit den geöffneten Fen­stern auch alle trennenden Wände geschwunden wären, als ob sich keine Schranke aufrichtete zwi­schen der Welt draußen und unserer kleinen Welt des Heims.

Wir schließen uns zuweilen von der Welt draußen ab, well wir Stille und Sammlung brauchen. Wir legen aber auch die Schranken nieder, die uns von der Welt draußen trennen, weil wir ihre Wir­kung, ihre Unrast, ihren raschen Fluß brauchen, weil er belebend aus uns wirkt und uns mit fortreißt in das allgemeine Getriebe, das nur wenige ganz ent­behren können und wollen.

Beides brauchen wir, die offenen und die ge­schlossenen Fenster. Und es ist zuweilen nötig, daß wir die kleinen Fensterläden, durch die alles Licht

Das Raab-Kahenstein-Luflschiff zerstört.

Das am Samstag früh in Hannover einge­troffene Luftschiff von Raab-Katzenstein, das an einem Ankermast auf dem Flugplatz befestigt war, wurde am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr bei einem starken Sturm von einer Böe erfaßt und vollständig zerstört. Kabine und Motor sind heil geblieben.

Bei der Rettung der Mutter ertrunken.

Bor dem Seglerheim in Cladow bei Pots­dam ereignete sich ein tragischer Unglücksfall. Dort war ein Segelboot vor Anker gegangen. Als die Insassen wieder an Bord gehen wollten, kenterte das kleine Beiboot des Segel­bootes, in dem sich die Gattin des Geheimrats Friedrich Wägler mit ihrem Sohn, einem jungen Studenten, befand, in einem plötzlich auf­tretenden starken Wellengang, den ein vorüber- sahrender Dampfer verursachte. Frau Wägler stürzte ins Wasser, und ihr Sohn sprang ihr sofort nach. Der Unglücksfall war vom Ufer aus beobachtet worden. Einem im Seglcrheim wohnenden Wochenendgast gelang es die alte Dame zu retten; ihr Sohn war inzwischen einem Herzschlag erlegen.

.Seine deutsche Automobilausstellung In diesem Jahre.

In Berlin fand die 28. Mitgliederversamm­lung des Reichs vErbandes der Auto­mobil-Industrie statt, die Geheimrat Dr. A l l m e r s einstimmig zum Präsidenten des Ver­bandes wählte. In dem Bericht des General­sekretärs Dr. ing. Scholz wurde auf die krisen­hafte Zuspitzung in der Lage der deutschen Auto­mobil-Industrie unter dem Einfluß einer über­mäßig raschen und weitgehenden Zollsenkung hin- oewiesen. Die Generalversammlung nahm den Bericht über die Eindrücke entgegen, die eine Kommission zum Studium der Kraftstoff-Steuer unb der Straßengesehgebung in Amerika gesam­melt hat. Es wurde zum Ausdruck gebracht, daß sich die in Amerika gemachten Erfahrungen nicht ohne weiteres auf deutsche Verkehrsverhältnisse übertragen lassen. Die Versammlung beschloß, eine Automobil- und Motorradausstellung in liefern Jahre nicht abzuhalten.

Zwei Brüder ertrunken.

Die beiden 18 und 21 Jahre alten Söhne eines Cisenbahnangestellten badeten zwischen Jülich und Inden in der Ruhr. Einer von beiden verlor plötz­lich den Boden unter den Füßen und versank. Sein zu Hilfe eilender Bruder konnte ihn nicht bergen und ertrank ebenfalls.

In unsere Seele bringt, unsere Augen, verschließen vor den Dingen draußen; aber es ist ebenso not­wendig, daß wir sie weit öffnen, damit die Dinge draußen zu uns sprechen mit all der Farbigkeit und all dem Duft, den sie haben. Beides zur rechten Zeit getan, jedes dann, wenn sich das Bedürfnis nach ihm einftellt, das gibt den richtigen Zusammen­hang. S.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag. Licht- spielhaus Bahnhofstraße:Anschluß um Mitternacht" undSeine Heimat".

Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die morgige PremiereDie Frau des Andern" von Walter Hackett, mit der die diesjährige Som­merspielzeit eröffnet wird, ist von Intendant Dr. P r a s ch in S^ene gesetzt. Dr. Prasch hat wie­derum (ähnlich wie beiDer Prozeß Mary Dugan") die jüngeren Mitglieder des Ensembles herausgestellt. Die weiblichen Hauptrollen spie­len Trude Heß und Ilse Jahn. Gegenspieler ist Eduard W e s e n e r. Es wirken ferner mit die Herren: Arzdorf? Hais, Hub, Link­mann. Zingel. Das Bühnenbild ist von Karl Löffler entworfen und in den Werkstätten des Stadttheaters hergestellt. Nach der außerordent­lich erfolgreichen Aufführung am Berliner Les­sing-Theater ist Gießen eine der ersten Provinz­bühnen, die diesen Detektivschlager erworben hat. Außer der morgigen Gießener Aufführung haben Bremen, Wien, Frankfurt (Neues Theater)Die Frau des Andern" auf ihren Sommerspielplänen

8 'Steine Sturmfahrt mitGraf Zeppeli n. lieber dieses Thema spricht auf Einladung des Goethebundes am nächsten Frei­tagabend in der Neuen Aula der Redakteur Max Gei senh eh ne r-Frankfurt a. M., der diese weltbewegende Fahrt des Luftschiffes so­wohl auf der Hinfahrt bis Spanien, wie auch auf der ganzen Rückfahrt mitgemacht hat. Der Vortrag dürfte sicherlich auch hier größtem Interesse begegnen. (Näheres in der heutigen Anzeige.)

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Gießen, den io. 3uni 1929.

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Oie glückliche Geburt einer Tochter zeigen hocherfreut an

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Grün- bcrg für das Rj. 1929 liegt vom Diens­tag, dem 11. Juni 1929, bis einschließlich Montag, den 17. Juni 1929, auf der Bür­germeisterei zur Einsichtnahme offen. In­nerhalb dieser Frist können Einwendungen schriftlich oder mündlich zu Protokoll vor- gebracht werden. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker herangezogen werden. 5133V

Grünberg, den 8. Juni 1929.

Hessische Bürgermeisterei Grünberg.

Willi Sondhekm und Frau Charloiie geb. Mendel

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Goethe-Bund

Frejtag, den 14. Juni 1929, abends 8 Uhr, in der Neuen Aula Vortrag des Sonderberichterstatters der Frankfurter Zeitung

Max Geisenheyner

Meine Sturmfahrt mitGraf Zeppelin

Eintrittskarten f. Mitglieder d. Goethe-Bundes geg. Vorzeigen dar gelben Mitgliedskarte zu Mk. 1.-, für Nichtmitglieder zu Mk.1.75 i. d. Musikalienhandl. Challier u. an d. Abendkasse.

Allgemeine Ortskrankenkasse Dieken-Stadl and Allgemeine Ortskrankenkasse des Landkreises Dieken

Landkrankenkasse für den Kreis Dieken

Unsere Mitglieder und deren Angehörige, soweit letztere nicht Mitglieder einer anderen Kasse sind, können Eintritts­karten zur Ausstellung 4929A

Der Mensclt io gesundei end Itranttei Tagen zum verbilligten Preise von 20 Reichspfennigen pro Karte an unseren Meldeschaltern haben.

In den Landorten können die Eintrittskarten bei den Orts­stellen in Empfang genommen werden. Die Vorstände.

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Theater-Cafe Einst Ludwig

gegenüber dem Stadttheater

Morgen Dienstag, den 11. Juni:

Sonderkonzert

der verstärkten Hauskapelle erlesenes Programm

Schattiger Garten Erfrischungen aller Art

Täglich Nachmittags- und Abend-Konzerte

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Lichtspielhaus

5I26C

Heute bis einschließlich Mittwoch, den 12. Juni

wieder ein erstklassiges Dortrogronun

Das tragische Schicksal einer Aus- wandererfamilie, die im fremden Lande eine neue Heimat sucht

Die neuesten Tagesberichte aus aller Welt

Erster Schlager:

Ansdüil*Miiternaiiit

Ein reizendes Lustspiel in 7 Akten nach der bekannten Komödie:

Bube ii

Marcella Albani in der Hauptrolle

Ferner:

Seine Heimat

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