Ausgabe 
9.12.1929
 
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wirtschaftlichen Dingen etwas versteht und der wirtschaftspolitische Minister nicht. Diese Auffassung teilte ich nie und auf Gründ bestimmter wirtschaftlicher Ereignisse der letzten Zeit erst recht nicht. Schließlich bemerke ich noch, daß die religiös-ethischen Gesichtspunkte l>eute mehr denn je auch im Wirtschaftsleben beachtet werden müssen. Ich freue mich deshalb über jeden Geschäftsmann, der es fertig bringt, seine religiösen Ideale auch durch Schließung seines Geschäfts an ihm besonders heiligem Feier- tage zu betätigen, und ich hofse, daß das religiös und sozial empfindende Publikum solchen Ge­schäftsleuten weitgehendes Verständnis entgegen­bringt. Im übrigen erkläre ich, daß ich eine Pressepolemik über diese Fragen für zwecklos halte und deshalb auf weitere Aeußerungen nicht mehr antworten werde. Die Aussprache im Hessischen Landtage, im sozialpolitischen Aus­schüsse des Reichstages und im ReichZrat haben mir die Gewißheit gegeben, daß die überwiegende Mehrheit der Volksvertreter aller Richtungen meiner Auffassung in dieser Frage sind und daß durch ein Rotgesetz schon für dieses Jahr eine vorläufige und durch das Arbeitsschuhgeseh eine endgültige Regelung im nächsten Jahr kommen wird. Ich bin überzeugt, daß nach wenigen Jahren die Geschäftswelt den früheren Schluß am Weihnachts-Heiligabend ebensowenig wird entbehren wollen, wie sie den 7-Uhr-Ladenschluß an Werktagen und die Sonntagsruhe jetzt noch missen möchte.

K o r e l l, Minister für Arbeit und Wirtschaft.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

. Klein-Linden, 7. Dez. Einen neu­zeitlichen Schieb stund erbaut gegen­wärtig der hiesige SchühenklubRoland". Die Anlage liegt an der Waldhege auf einem fiskalischen Grundstück nahe dem Tergwerkswalde und ist zur Aufstellung von zehn Zielscheiben eingerichtet. Auch werden noch mehrere Vlen- den aufgebaut sowie ein fünf Meter hoher Kugelfang errichtet. Der Schützenbund Lahn-Dill- Hüttenberg, dein der Verein angehort, beabsich­tigt sein nächstjähriges Dundesschießen auf die­sem neuen Platze abzuhalten. Der Schühenklub Roland" ist der älteste hiesige Schützenverein; er zählt rund 60 Mitglieder.

v. Londorf, 7. Dez. Am Donnerstagabend hielt Landwirtschaftsrat Dr. Bocher, Grün­berg, im Lokale von Höchst einen Vortrag über richtige Behandlung des Stallmistes, Jauche usw. Er legte dar, daß durch richtige Behand­lung und sachgemäße Anlagen von Misthvfen und Iauchcgruben große Vorteile erzielt wer­den, man könnte für jedes Stück Vieh den Wert auf etwa 50 Mark rechnen. Die Versammlung dankte dem Vortragenden für seine lehrreichen, leichtverständlichen Ausführungen durch starken Beifall. In der anregenden Diskussion wurde noch manche Aufklärung und Belehrung gegeben.

gck. Großen-Duseck, 7. Dez. In der Volkshochschule hielt Dr. M a l e ch den letzten seiner drei Vorträge über Ernährungs­kunde. Der Redner verbreitete sich diesmal über die Verdauung, die Anpassung der Speifen an unseren Körper. Als das wichtigste wurde her- ausgesteklt: Cs muh eine Aenderung in der Zu­sammenstellung und der Zubereitung unsrer Rüh­rung erfolgen, Unsre Ernährung soll weit- gehendst die Frischkost, rohe und frisch geerntete, nur leicht gedämpfte Speisen, berücksichtigen.Sin­ter allen Umständen muh das Hinunterschlingen heiher Speisen und ebenso müssen heiße Ge­tränke gemieden werden. Diese schädigen die Magenzellen, und Erkrankungen, wie Geschwüre, ja sogar Krebs, können als Folgeerscheinung auftreten. Beim Essen soll man darauf bedacht sein, nicht durch zuviel Flüssigkeit die Magen- und Darmsäfte zu sehr zu verdünnen. Gröhe Bedeutung kommt dem richtigen Kauen und dem-

Stirnen, Sport und Spiel.

Gepäckmarsch der Gießener Studentenschaft.

Am gestrigen Sonnlagvormittag fand der dies­jährige Gepäckmarsch der Giehener Studentenschaft, der dritte seit Schaffung dieser sportlichen Betätigung der Giehener Kom­militonen, statt. Während die Märsche in den beiden vorhergehenden Jahren über 15 Kilo­meter gingen und die Strecke am Flugplatz vor­bei in Richtung Wieseck/Marburgcr Straße führte, war der gestrige Marsch nur auf zwölf Ki­lometer beschränkt, und die Strecke führte dies- mal von der Ludwigstrahe durch die Kaiserallce die Landstrahe nach Grünberg entlang bis zur achten Schneise, auf dieser quer durch den Stadt­wald zur Licher Strahe, von hier aus zurück durch die Kaiserallee, Ludwigstrahe nach der Uni­versität.

Die Zahl der beteiligten Mannschaften war gestern geringer, als in den beiden früheren Jahren. Cs stellten sich insgesamt drei Mann­schaften (Rheinfranken I., Rheinfranken ll., Korps Teutonia), sowie eine Anzahl Einzelkämp^er. Um 11 Uhr erfolgte der Start von der Universität aus. Die Mannschaften legten die Strecke in außerordentlich schneller Weise zurück, so daß sie erheblich vor der veröffentlichten Zeit am Ziel­punkt (Universität) wieder eintrafen. Die Mann­schaften Rheinfranken II und Korps Teut o n i a machten auf der Strecke weitaus den besten Gesamteindruck und erreichten auch die vortrefflichsten Marschleistungen.

Bei dcr Siegerverkündigung im Gro­ben Hörsaal konnte Prof. Dr. Lehmann im Ramen des Akademischen Ausschusses für Letbes- übungen folgendes Ergebnis des Wett­kampfes über die zwölf Kilometer lange Strecke bekanntgeben: 1. Sieger: Mannschaft Rhein- frankenll, 1 Stunde 7 Minuten 30 Sekunden; 2.: Corps Teutonia 1 Stunde 8 Min. 50 Sek. RheinfrankenII erhielt den Preis der Gie­hener Dozentenschaft, den die Rhein­franken bereits in den beiden vorhergehenden Jahren errungen hatten und der nun nach bem gestrigen Siege endgültig in den Besitz der Rhein­franken übergeht. Dem Corps Teutonia wurde als Mannschaft mit der besten Haltung auf dem ganzen Marsche von Prof. Dr. Lehmann ein besonderes Lob gezollt. Fachschaft mit derprozentualgröhtenDeteiligung (3,2 v. H. der Wetttämp'er) waren die Theo­logen, die den Preis des Hessischen Ministeri­ums für Kultus- und Bildungswesen erhielten. Von den Einzelkämpfern wurde stuck, theol. Kleemann erster Sieger mit 1:06,25 Uhr. Zweiter Sieger wurde stuck, jur. Reih mit 1:10,45 Uhr. Die beste Zeit überhaupt auf dem Marsche erzielte stud, theol. Kleemann.

Kußball in Süddeutschland.

Im Bezirk Main-Hessen lieferten sich gestern in der G r u p p e M a i n Rotweiß und Ein­tracht Frankfurt ein erbittertes 1:1, wobei der Ge­winn eines Punktes gegen den als einzige Mann- schäft in Süddeutschland ungeschlagenen Mainmeister den Rotweißen noch zum 2. oder 3. Platz dienlich sein kann. F. Sp. B. Frankfurt und Union Nieder­rad spielten 4:3, so daß beide Mannschaften mit ihren 14 Punkten Anwärter auf Tabellenplätze blei­

ben. Aus dem Wettbewerb endgültig ausgeschieden sind die Offenbacher Kickers, die aus Hanau vom 1. F. C. 93 mit 1:3 geschlagen heimkehrten. Sp. Vgg. 02 Griesheim verlor auf eigenem Platze 2:4 gegen Germania Bieber. Die GruppeHef- f e n sah sehr knappe Ergebnisse. Der neue Meister, Wormatia Worms, kehrte aus Bingen nur mit einem 1:0 gegen Hassia zurück. S. V. Wiesbaden verlor in Langen gegen den 1. F. C. 03 mit 0:1, bleibt aber auf dem 3. Platz. Der S. V. 98 Darm­stadt feierte neuerdings einen Sieg, diesmal mit 2 0 über Alemannia Worms, und wurde hierdurch mit Hassia Bingen punktgleich auf dem letzten Platz.

Im Bezirk Bayern schied in der Gruppe N o r d b a y e r n der F. V. 04 Würzburg durch seine Niederlage von 0:2 Toren gegen den 1. F. E. Nürn- berg als Bewerber um den 3. Platz aus. Beim 1. F. C. Bayreuth holte sich die Sp. Vgg. Fürth mit 6:1 einen glatten Sieg. Sp. Vgg. Fürth, der 1. F. C. Nürnberg und der A. S. V. Nürnberg haben nunmehr endgültig die Plätze belegt. Sp. Vgg. Hof steigt ab. Die Gruppe Sudbayern hatte ihre größte Ueberraschung in der ersten Nieder- läge, die sich der neue Gruppenmeister, der F. E. Bayern München, mit 2:3 Toren bei Jahn Regens­burg holte. Schwaben Augsburg und Wacker Mün­chen milderten die beiden noch drohende Abstiegs- gesahr durch eine Punktteilung mit 0:0. Die drei ersten Plätze wurden endgültig von Bayern München als Meister, S. V. 1860 München und Jahn Regensburg besetzt. Die restlichen fünf Vereine kommen noch für den Abstieg in Frage.

Fußbatl in Heften-Hannover.

Der Tabellenführer verliert wieder einen Punkt.

Auch am gestrigen Sonntag gab es bei den Fußballkämpfen oer Sonderklasse im Bezirk Hessen-Hannover wieder eine große Ueber­raschung. Hermannia Kassel, die erst am Vorsonntag in Fulda hoch mit 6:0 Treffern ge­schlagen worden war, konnte in einem l:l-Spiel dem Tabellenführer S. C. 0 3 Kassel, der sicht­lich von feiner Form eingebüßt hat, einen wich­tigen Punkt abnehmen. Das Spiel litt sehr unter dem starken Wind und wurde außerdem auch noch recht hart durchgeführt. Der lachende Dritte ist die Borussia Fulda, die jetzt nur noch einen Punkt hinter Kassel 03 zurückliegt. Für den zweiten Platz kommen noch Kurhessen Kas­sel und Spielverein Kassel in Frage. Spiel­verein Kassel fertigte Kurhessen Marburg ganz überlegen 5:0 ab. Hessen 09 und Göttingen 05 trennten sich mit einem 1:1 nach vollkommen ausgeglichenem Spiel.

Gchwimniclubkanipf in München.

München 99 schlägt Bayern 07 Nürnberg 3:1.

Am Sonntag wurde in München im Rahmen der alljährlichen stattfindenden Weihnachtsschwimmkämpfe ein Klubkampf zwischen den beiden führenden bayri­schen Schwimmvereinen, SD. 99 München und Bayern 07 Nürnberg, ausgetragen. Im Gesamt­ergebnis siegten die Münchener eindrucksvoll mit 3:1 Punkten. Die Einzelergebnisse waren: 10 mal 100= Meter-Freistilstaffel: 1. München 99 11:44,5 Min. (Bahnrekord); 3 mal 100-Meter-Bruststaffel: 1. Bayern 07 Nürnberg 3:47 Min; 10 mal 50-Meter- Freistilstaffel: 1. München 99 4:58 Min. (Bahn­rekord). Wasserballjpiele: München 99 Bayern 07 3:1 (0:1), München 99-Reseroe Bayern 07-Re- serve 5:3 (3:1).

gemäß der richtigen Einspeichelung der Speisen zu.' Ebenso wurde erörtert, ob es ratsam und möglich sei, nach dem Abendessen zu ruhen. Sodann erläuterte der Vortragende an Hand von Beispielen, wie man seine Mahlzeiten zweckdien­lich ausstatten könne, und stellte den Hörern Ab­züge mit Kostzusammenstellungen in Aussicht.

Eine Reihe von Lichtbildern führte die wunder­bare Zweckmäßigkeit unsre». Verdauungsorgane vor Augen. Die wiederum etwas zahlreicher er­schienenen Hörer spendeten reichen Beifall. Rach Schluß des Vortrags sahen sich die Anwesenden noch eine größere Zahl durch den Lichtbildwerfer gezeigter, bedeutender Kirchen an.

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Kreis Schotten.

-4- Schotten. 7. Dez. Die RelchSzen* träte für Heimatdienst veranstaltet nach einjähriger Pause am 13. Dezember wieder eine staatsbürgerliche D i l d un g s t a g u n g in der hiesigen Turnhalle. Dabei werden Dr. Thiel, Assistent am China-Institut Frankfurt am Main, überDie weltpolitische Kräftever­teilung und Paneuropa" und Prof. Dr. Berg­str ä ß e r, Frankfurt a. M., überWahl-, Par­laments-, Derwaltungs-, Derfassungs- und Reichsreform" sprechen. An die Vorträge schließt sich eine Aussprache an.

O Laubach, 5. Dez. In der gestrigen Haupt. Versammlung des Eisvereins imSolm* ser Hof" wurde zunächst an Stelle des Studiendirek- tors Dr. Hainer (nach Alsfeld versetzt) als 1. Vor- sitzender Bürgermeister H ö g y , an Stelle des Kam­merdirektors Birnbaum (nach Birstein verzo- gen) als 2. Vorsitzender Studienrat Schweißg ut gewählt. Studienrat Detter wurdtz- als Schrift­führer, Vorschußkasserechner B o u r r e e als Rech, ner, Studienrat Dr. Dorf als 1., Lehrer Bechtold als 2. Eiswart wiedergewählt. In den Voranschlag für den kommenden Winter wur­den als Einnahme und Ausgaben je 231 Mark ein­gestellt. Sodann erfolgte der Rechnungsvor­trag für das abgelaufene Jahr. Die Rechnung wurde geprüft und für richtig befunden. Das vor­handene Guthaben beläuft sich auf 189 Mark. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 91 Personen. Für Januar wurde ein Eisfest am Abe nd in Aussicht genommen. Als Beitrag werden für die Familie 1,50 Mark, für Einzelmitglieder 75 Pf. er- hoben. Die Gemeinde und die Realschule leisten einen Jahresbeitrag von je 20 Mark. Die alten Akten des Vereins sollen auf dem Stadtarchiv aufbewahrt werden.

§ Ulrichstein, 7. Dez. In einer unter sehr starker Beteiligung hier abgehaltenen Versamm­lung fand die Gründung einerGenossen- schäft statt mit dem Ziel, die hiesige Mol­kerei aufzukaufen und das Unternehmen, daS schon lange hier am Ort besteht, vor dem Zu­sammenbruch, wie auch vor dem Verkauf in fremde Hände zu bewahren. Eine große Anzahl Ulrichsteiner Ortsbürger erklärten sogleich am Gründungsabend ihren Beitritt, zahlreiche Aus­wärtige tat dies in den folgenden Tagen, so daß die Gründung erfolgen konnte. Die neue Molkereigenosfenschaft Ulrichstein eingetragene Genossenschaft m. b. H." wurde sofort in das Genossenschaftsregister des hiesigen Amts­gerichts eingetragen. In den Vorstand wurden gewühlt: Bäckermeister Wilh.Rühl als Direk­tor, Landwirt Wilh. Ioh. Fr. S t e i n als sein Stellvertreter, ferner Karl Horst als Rechner, Bürgermeister Appel und Bäckermeister Wil­helm Geiß. Die Molkerei wurde dem seitherigen Besitzer zu einem angemessenen Preis abgekauft, der Betrieb hat daher keine Unterbrechung erfahren und wird nun auf genossenschaftlicher Grundlage fortgeführt. Der gesamten Landwirtschaft treibenden Bevölkerung in unserem Bezirk ist damit ein großer Dienst erwiesen.

Eichelsdvrf, 2.Dez. Der Schrecken der Auto-, Motorrad-, Radfahrer und Fußgänger ist eben der Straßenteil Eichelsdorf- Ober-Schmitten im Zuge der V-Straße RiddaSchotten. Der Fahrweg i't ein kleines Wattenmeer zur Zeit der Ebbe. e;re Wasserpfühe reiht sich an die cmdere. Der starte Autoverkehr vergrößert sie zusehends. Wenn ein Kraftwagen herannaht, verschwinden >.c Fußgänger fluchtartig im Rebengelände, um Schuh vor den Wassersprihern zu suchen, hie bis über die Kopse Hinwegfliegen. Dernünstige Wagenlenker mäßigen das Tempo beim Vorbc- fahren, weil sie Mitleid mit den Fußgängern haben. Arrdern aber macht es ein Vergnügen, die Pfützen mit Vollgas zu nehmen und rüö- sichtslos an Mensch und Tier vorbeizurasen. Der Zustand dieses Strahenteils ist einer v-Strahe unwürdig, und läge sie auch nur

Das Erbe desHermvonAnstetten.

Vornan von Z. Schneider-Foerstl.

Urheber-Rechtsschutz durch

Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

21. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Gewiß!" Drunhilde empfand ein peinliches Gefühl, als die Unbekannte sie jetzt von oben bis unten musterte.Ich habe Sie mir so ähnlich vorgestellt eigentlich noch schöner," sagte sie mit einem ironischen Lächeln.Man hat doch viele Mühe, sich immer so auf der Höhe zu halten, nicht wahr?"

Sirrd Sie gekommen, mich zu beleidigen?" In Brunhildes Körper jagte eine Dlutwelle die andere. Ein kurzes Auslachen der Fremden ließ sie die Frage tun:Waren Sie nicht vorige Woche auf Anstetten?"

Gewiß, Baronin!"

Rachts, so zwischen zwölf und ein Uhr?"

»Ganz richtig!"

Sie haben unten Im Park mit meinem Mann promeniert?"

Baronin haben ein glänzendes Gedächtnis."

Unverschämt!" fuhr Brunhilde auf.Wenn ich gewußt hätte, um wen es sich handelt, würden Sie niemals in meine Räume gekommen sein. Ich will mit den Maitressen meines Gatten nichts zu tun haben."

Der Zrauenkörper, dem die dunkle Samtrobe etwas Majestätisches gab, streckte sich:Mit der Maitresse Ihres Gatten?" Der schmal gewordene Mund zuckte in Erregung.Baronin, Sie haben Geschick für Diplomatie! Aber es nützt nichts. Richt mich trifft Ihre Beleidigung! Sie fällt auf Ihre eigene Person zurück. Ich bin keine Dirne! Aber Sie sind es: Als die Geliebte meines Mannes!"

Brunhilde blickte sich hastig um. Zweifellos hatte sie es mit einer Irrsinnigen zu tun. Ihr Blick tastete hilfesuchend auf den weihen Knopf der Klingel, welche in das Muster der Tapete eingefügt war.

Die Fremde sah es und deckte das Signalzeichen mit ihrem Rücken.Versuchen Sie nicht, mir irgendwie entwischen zu wollen," warnte sie eisig. Ich werde fragen und aus Ihren Antworten werde ich dann meine Schlüsse ziehen und mein Verhalten darnach einrichten. Seit wann besteht Ihre Bekanntschaft mit dem Grasen Oertzen?"

Brunhilde fühlte einen Schlag über ihren Kör­per hinpeitschen. Das war das letzte, was sie erwartet hatte. Sie brauchte Sekunden, sich zu fassen, um ihre Selbstbeherrschung wieder zu fin­den.Ich wüßte nicht. was Sie berechtigt, sich

in meint Privatangelegenheiten zu mischen," be- schied sie kühl und konnte nicht verbergen, wie die Erregung ihren Körper vibrieren machte, denn die Fremde hatte sich jetzt einen Stuhl an ihren Tisch gerückt und sich darauf niedergelassen.

Sie müssen schon erlauben, daß ich mich setze," kam es spottend.Unsere Unterhaltung dürfte länger dauern, als Ihnen lieb ist. Wollen Sie nicht Platz nehmen, Baronin?"

Brunhilde nahm mit aller Gewalt ihre Rerven zusammen:Sprechen Sie," stieß sie heraus.

Sie müssen schon gestatten, daß ich weiter frage: Hat Oertzen Ihnen eine bindende Zusage wegen einer Ehe gegeben?"

Brunhilde empfand einen Ekel ohnegleichen. Rein," sagte sie hart und tonlos.

Das könnte er auch nicht," meinte die Fremde gleichmütig.Wenigstens nicht, solange er noch mit mir verheiratet ist."

Mit Ihnen?" Brunhilde verspürte das Verblassen ihrer Haut.

Ja, mit mir," kam es ruhig.Wir sind schon vor drei Jahren in England getraut worden. Ich habe bislang bei meinen Eltern in London gelebt, da ich mich mit Oertzen nicht so recht ver­stehen konnte. Seine Briefe waren glühend ich wollte mich persönlich überzeugen, wie weit seine Gefühle gingen und erhielt so Kenntnis von seinem Verkehr mit Ihnen. Sie wußten wohl nicht, daß Sie es mit einem verheirateten Mann zu tun hatten?"

Rein!"

Wollen Sie sich nicht setzen, Baronin?"

Das Gesicht Drunhildens war bis in die Lippen weiß und verzerrt.

Es gab natürlich sehr aufregende Szenen zwischen mir und Oertzen," sprach die Fremde weiter.Er hat mir in der letzten Zeit sogar das Geld vorenthalten, das er mir vierteljährlich zu schicken versprach. Schließlich bin ich der Sache überdrüssig geworden und habe mich an Ihren Gatten gewandt, Baronin. Er hat mir das Zu­sammentreffen ermöglicht und zwanzigtausend Schilling versprochen, wenn ich über die Ange­legenheit schweige um nun ja, es ist keinem Manne angenehm, wenn seine Ehre in den Schmutz gezogen wird."

Zwanzigtausend Schilling!" Brunhilde deckte die Hand über die Augen.

Dünkt Sie das soviel? Er hat mich auch davon verständigt, daß von einer Scheidung zwischen Ihnen vor der Volljährigkeit Ihres Sohnes nicht die Rede sein kann. Und ich begreife das sehr gut. Es war wieder der leichte Spott, der jetzt über das Gesicht Gertraud Holmfelds irrte. Lassen Sie mir noch einmal die gleiche Summe überschreiben, Frau Baronin und Oertzen soll kampflos in Ihren Besitz übergehen."

Drunhilde muhte sich die Rägel ins Fleisch bohren, um Haltung zu bewahren.Gehen Sie

ich könnte mich sonst an Ihnen vergreifen," schrie sie heraus.

Weshalb?" kam es erstaunt.Wenn ich eifer­süchtig wäre, würde doch die Reihe an mir sein. Ihnen die Augen auszukrahen und seien Sie überzeugt, ich würde es gründlich machen. Aber so ist mir das Ganze gar nicht so viel wert. Jedenfalls mochte ich Sie bitten, mir ein Angebot zu machen. Wenn Ihr Gatte mir schon zwanzigtausend Schilling bietet so dürfte die Summe für Sie doch zum mindesten die gleiche sein."

Keinen Schilling!" Drunhilde erhob den Stuhl, als wollte sie ihr Gegenüber damit zertrümmern.

Sie ziehen es also demnach vor, Daronin, in die Mäuler der Gesellschaft zu kommen und sich unmöglich gemacht zu sehen."

Das traf. Aber zu ihrer Ehre sei eS gesagt, Drunhilde dachte dabei weniger an sich selbst, als an ihren Gatten. Das mußte S^anä Peter um jeden Preis erspart bleiben! Das durfte er nicht auch noch zu ertragen haben!

Sie sah dessen ernstes, hagergewordenes Gesicht vor sich, und gedachte des Augenblicks, da er, aller Fassung bar, sich gegen die Wand gelehnt hatte. Uni) sie hatte ihn noch beschimpft für ba£, was er an ihr getan, und ihn beschuldigt, das Erbe Dernds an den Ruin zu bringen.

Lassen Sie mich jetzt allein!" Es war ihr fast unmöglich, die Worte zu formen.Sie brau­chen keine Angst zu haben, daß ich Ihnen ent­wischen will. Für den Moment geht es über meine Kraft, mit Ihnen weiter zu unterhandeln. Kommen Sie morgen vormittag zwischen neun und zehn, dann werde ich Ihnen Bescheid sagen."

Ich danke Ihnen, Baronin. Auf Wiedersehen!"

Die Zofe fand die Herrin auf dem Teppich zusammengebrochen und alarmierte das ganze Haus. Ein Arzt kam ein zweiter folgte auf dem Fuße der Direktor des Palace-Hotels schloß vorsichtig die Türe, um nichts über den Vorfall durchsickern zu lassen. Schließlich war eine Ohnmacht doch kein Ereignis, an dem man starb. Für den Betrieb war es immerhin besser, wenn nichts davon in die Oeffentlichkeit kam.

General Lötzen hatte mit Bernd eine Segel- partie gemacht und kam bester Laune den sonnen­beschienenen Weg zum Hotel herauf. Der Chef des Hauses bat ihn für einen Moment in fein Privatzimmer und setzte ihn schonend von der Unpäßlichkeit der Baronin in Kenntnis.

Lotzen erschrak zwar für den Moment, aber bann lächelte er nachsichtig.Vielleicht ein Kleib, bas die Schneiderin nicht prompt geliefert hatte oder etwas Aehnliches," sagte er schon wieder beruhigt.

Es wäre zu hoffen, Exzellenz!"

Ohne Berndt zu informieren, ging der General nach den Zimmern, die seine Tochter bewohnte. Er lieh dem Enkel bestellen, er solle feinen

Rachmittagstee in der Halle trinken, da er Wich­tiges mit der Mama zu sprechen habe.

Was sollte der Junge sich die paar schönen Tage durch die Laune einer Frau verderben lassen. Aber er revidierte sein Urteil sofort, als ier einige Minuten später bei feiner pochier eintrat und sie im Halodämmer auf einer Chaise­longue liegen fand.

Also wirllich etwas Ernstes," bemitleidete er sie.Eine Magenverstimmung? Das Resselrode- Eis, das du zum Rachtisch genommen hast, war etwas reichlich." Er strich mit den feingeäderten, schmalen Händen das weiße Haupthaar zurück. Rach Brunhildes Gelenk greifend, zählte er deren Pulsschläge.Eine Aufregung gehabt, wie? Die Zofe hat mir gesagt, es wäre Besuch da- gewesen. (Sott, wie kann man sich nur von Krethi und Plethi so aus dem Gleichgewicht bringen lassen!"

Drunhilde sah nicht auf und drückte das Ge­sicht tief in die seidenen Kissen, die auf dem Sofa lagen.Möchtest du in meinem Rcuuen ein Telegramm an Hans Peter schicken?"

Gerne! Aber ich glaube, es ist wirllich nicht notig, Kind, ihn in Schrecken zu setzen, nur weil du dich für eine Stunde etwas unpäßlich fühlst. Zudem, fo wie ihr zueinander steht, ist es mir rätselhaft, bah dich jetzt plötzlich nach ihm ver­langt."

Ich habe ihm Unrecht getan, Papa."

Wie?"

Ich habe dir von seinem Rendezvous im Park» erzählt." Drunhilde wartete, bis der General nickte.Die Sache verhält sich wesentlich anders. Die Dame, welche heute bei mir war, hat mich aufgeklärt, daß die zwanzigtauf:nd Schilling, die er ihr bot, das Schweigegeld für meine Be­ziehungen zu Oertzen seien."

Weih diese Dame davon?" Lötzen ärgerlich an seinem Schnurrbart.

Sie ist Oertzens rechtmäßige Frau!"

Donnerwetter!"

Ich habe das nicht gewußt, Papa."

Ich will es glauben. Solche Geschtch^ sind mir ungemein zuwider, Drunhilde, weil sie schmutzig und ehrlos sind und aufrichtig gesagt, dein Mann hat sich da wirllich als Kavalier benommen. Ein anderer hätte dich 6in' ausgeworfen." _ ,

Wenn er nur ein Wort gesagt haben würde!

Das ist es eben, das ich ihm so hoch anrechne. Wenn die Sache wirllich nicht mehr ins Lot bracht werden kann, von Liebe zwischen euch war ja ohnedies nicht mehr die Rede, wie?

Statt einer Antwort hob Drunhilde beu* Arme nach ihm, zog ihn zu sich herab unb barg in stoßweisem Schluchzen das Gesicht an fetne< Schulter. Ihr Weinen war so erschütternd, bay der General feine Augen feucht werden fühlte,

(SortfeBung folgt.)