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Nr. 288 Zweites Blatt
paeelli.
Don Werner Falcke.
Der apostolische Runtius beim Deutschen Reich, Dr. Eugenio Pacelli, Erzbischof von Sardes, wird nach offizieller Mitteilung aus dem Vatikan im bevorstehenden Weih, nachtslonsistorium zum Kardinal ernannt werden. Mit chm verliert das Berliner Diplomatische Korps seinen Doyen und eines seiner fähigsten Mitglieder.
Siebzig Kardinale bilden bas Kardinalskolle- jinm, in das Eugenio Pacelli in den nächten Tagen ausgenommen werden wird. Der Kar- lunalshut war ihm schon seit geraumer Zeit zu- !):dacht, und die Verleihung wurde nur verschoben, weil man in Rom den Runtius auö Berlin i erst abberufen wollte, wenn das Konkordat ab- i geschlossen und unterzeichnet ist. Vor einem Jahr : nannte man Monsignore P i z z a r d 0 als Rach- 'olger Pacellis in Berlin, da schon damals fest- tland, dah Pacelli Deutschland bald verlassen ! und in Rom Kardinal werden würde. Inzwischen । ist es wieder fraglich geworden, welchem apostolischen Diplomaten das verantwortungsvolle Amt i des Runtius in Berlin übertragen werden wird: dagegen ist es nunmehr absolut sicher, daß Pa- I celli, den man den besten Diplomaten der Kurie genannt hat und dem Deutschland in mancher Hinsicht für seine Wirksamkeit zu Dank Der- dllichtet ist, den Berliner Posten in den nächsten Tagen verläßt. Man spricht davon, daß er dazu ausersehen sei, in naher Zukunft das Amt des greifen Kardinal st aatssekretärs Ga» loarri zu übernehmen, des Kirchenfürsten, der mit großer Geschicklichkeit zwei Päpsten gedient hat. Gasparri, der jetzt 77 Jahre alt ist, be- lleidet das Amt des Kardinalstaatssekretärs seit dem Jahre 1914; er hat es verstanden, die Stellung des Papsttums in der Welt zu festigen, und er wäre bei dem Tode Benedikts XV. sehr wahrscheinlich Papst geworden, wenn das nicht dem alten Brauch widersprochen hätte, niemals den Kardinalstaatssekretär auf den Stuhl Petri I zu erheben. Sollte Pacell' in der Tat der Rach- solger Gasparris werden, so würde also auch er damit aus dem Reiche derjenigen Kirchen- liirften ausscheiden, die als zukünftige Päpste in Betracht kommen.
Eugenio Pacelli wurde am 2. März 1876 in Rom geboren, ist jetzt also 53 Jahre alt. Es Hand von vornherein fest, daß er in die Dienste I dcs Vatikans treten würde; sein Vater ist nämlich Dekan der Weltlichen Konsistorial-Advokatur . in Rom, und seine Familie stand und steht auch sonst in nahen Beziehungen zu den vatikanischen Behörden. Ein Onkel des Runtius gründete die „Banca di Roma“ und war auch der erste Leiter dcs Bankhauses, das vom Vatikan finanziert ! worden ist und päpstliche Gelder verwaltet. Eu- | flenio Pacelli begann seine Laufbahn im p ä P st - lichenEtaatssekretariat, wo man früh- I zeitig auf die ungewöhnlichen Fähigkeiten des jungen Priesters aufmerksam wurde. Ein Zufall ! fügte es, daß er lange Jahre der Adlatus des jetzt regierenden Papstes gewesen ist, als dieser noch den Rang eines Llnterstaatssekretärs im Balikan bekleidete. Später w erde Pacelli zum Unterst aatssekretär der außcrordent- 1 lichen kirchlichen Angelegenheiten ernannt. In je- ; ncr Zeit studierte er mit besonderem Eifer die ! Angelegenheiten der katholischen Kirche in Deutschland und erlernte auch die deutsche Lorache, die er vollkommen beherrscht. Im August I 1916 erwog man im Vatikan, Eugenio Pacelli zum Runtius in München zu ernennen; doch zögerte man zunächst, dem damals erst Dierzig- pL)rigen diesen äußerst wichtigen Posten anzu- ticrlrauen, der freilich später — nach der Errichtung einer päpstlichen Runtiatur bei der Reichs- icgicrung in Berlin — an Bedeutung verloren Hal. 2m April 1917 erfolgte dann doch die Ernennung zum päpstlichen Runtius für Bayern als Rachfolger des verstorbenen Runtius Avers a.
Pacelli sollte bald Gelegenheit erhalten, seine hivlomaiischen Fähigkeiten in Deutschland zu er» vc.isen. Papst Benedikt XV. erachtete es als seine Aufgabe, inmitten einer kriegerischen Welt die friedliche Mission der katholischen Kirche zu bc-
Zweiter Tag im Kammeispiel-Zyklus.
„Tas Lpicl vom chmettcrlinttsiraum".
Der zweite Tag des vorn Stadtthcater gemeinsam jnit dem Goethe-Bund veranstalteten Kammerspiel- 'Ziftlus brachte eine chinesifche Morgenfeier hi Theater. Gegeben wurde „Das Spiel vom kchmctterlinastrau m". e n Stuck nach dein । Chinefifd^n von Richard Wilhelm. Der Auf- 'sihrung ging voraus ein von Wen $ ü a n Ting (Univer|ität Frankfurt) in Vertretung von Prof.
' .Wilhelm gehaltener, recht aufschlußreicher Vortrag, vclcher die Hörer in die Entwicklungsgeschichte, die terschiedenen Formen, den Spiclstil und die Bühne les sehr alten chinesischen Theaters, sowie in . tag Wesen des aus dein 17. Jahrhundert stammen- ten „Spieles vom Schmctterlingstraum“ einführte.
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Tas Stück stellt sich im Kern seiner Handlung kl; eine verhältnismäßig frühe, fernöstliche Fassung les weltlckerar.scheu Motivs der Matrone von Ephe- |13 heraus.
Dieser Kern ist hcrauezuschälen aus der charakteri- f Sfiten nationalchincsischen Einkleidung, aus Dorsel, Musik und Tanz, aus metaphysischem Dialog Iber Leben und Tod, aus Symbolik und Lyrik, us primitivem Mummenschanz, einer Traumszene- c und einer gewissermaßen rituellen Verbrämung cr Ereignisse, die sich aus dem Eingreifen der über- |r irischen Mächte in die menschlichen Geschicke ergibt.
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Sine oft an die uns vertrauten Gedichte der li tat pc und Tu fu erinnernde, lyrische Zartheit
Sprachstils und die übernationale, sehr klare mb eindeutige Menschlichkeit der Kernfabel bestim- hen für den modernen Zuschauer und Zuhörer die ör.sten Eindrücke des Spiels; hier verwischt sich so- >uhl der zeitliche Abstand von der Entstehungszeit e? Stückes wie auch die für uns fremdartige Ein- iciduna. Die bittere und fast grausame Handlung ' er Fabel wirkt im Spiel der Chinesen nicht minder .Irrt als etwa in der deutschen Fassung Lessinys, ck-vlche vor einiger Zeit hier aufgeführt worden ist.
Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
tonen, und er beauftragte deshalb Pacelli, den Versuch einer Friedensvermittlung zu unternehmen, der leider mißlang. Es wäre für Deutschland damals sehr vorteilhaft gewesen, diesem Vermittlungsversuch stärker entgegenzukom- men und zu einer Zeit Frieden zu schließen, in der es noch möglich war, erträgliche Bedingungen zu erhalten. Als nach dem Ende des Krieges die Rot in Deutschland immer größer wurde, versuchte Monsignore Pacelli oft, Milderungen auf jene diskrete Weise den Weg zu ebnen, die bei der Diplomatie der katholischen Kirche üblich ist. Wenn er es auch vermieden hat, sich oder sein Amt jemals in das grelle Licht der Oeffentlichkeit zu stellen, so weiß man doch, dah gerade Pacelli die Rot des deutschen Volkes sehr zu Herzen gegangen ist, und dah manche Intervention, die eine Besserung herbeiführen sollte, von ihm eingeitet wurde.
Pacellis Einfluh wuchs, als er im Jahre 1920 zum päpstlichen Runtius für Deutschland ernannt wurde und dadurch über den bayerischen Wirkungskreis auch offiziell hinaus- greifen konnte. Zunächst blieb er allerdings in München wohnen, und erst im Jahre 1924 wurde die Runtiatur in Berlin eingerichtet. Pacelli siedelte dann in das Palais über, das der Vatikan für diesen Zweck in Berlin gekauft hatte; aber schon vorher weilte er oft in der Reichs
hauptstadt. Da der päpstliche Runtius nach internationalem Brauch stets der Doyen des Diplomatischen Korps ist, trat Pacelli nun bei der Reichsregierung als Wortführer der in Berlin akkreditierten fremden Diplomaten auf und überbrachte z. B. bei dem offiziellen Reu» jahrscmpfang dem Reichspräsidenten die Glückwünschen des Diplomatischen Korps. Er hat sich dieser Ausgabe und auch aller anderen Pflichten, die ihm als Doyen erwuchsen, stets mit großem Takt erledigt, wenn auch nicht verheimlicht werden darf, daß in der ersten Zeit feiner Wir- famfeit als Runtius einige Schwierigkeiten auf- getaucht sind. Pacelli muhte als Gesandter des Papstes offiziell mit dem ersten deutschen Reichspräsidenten verkehren, und Friedrich Ebert war nicht nur Sozialdemokrat, sondern auch Dissident, konnte also kaum als Freund der katholischen Kirche bezeichnet werden. Trotzdem konnte bald ein gutes Einvernehmen hergestellt werden. Auch das Vertrauen des Reichspräsidenten v. Hindenburg hat sich Monsignore Pacelli erworben, und bei allen offiziellen Veranstaltungen, die die Mitglieder der Regierung oder die ausländischen Diplomaten zusammenführten, sah man stets den Runtius, dessen schars geschnittenes Gesicht allen Besuchern diplomatischer Empfänge unvergeßlich ist.
LandwirWastlichesGenofsenschafisVesen
Zweiter Kursus beim Landwirtschaftlichen Institut der Landesuniversität Gießen.
Erster Tag (Lchlutz).
Am Nachmittag des ersten Tages sanden Führungen und Demonstrationen im Agrikulturchemischen Institut (Prof. Dr. K l e b e r g c r), im Landwirtschaftlichen Institut (Prof. Dr. S e s s 0 u s), in der Hauptstelle für Pflanzenschutz (Dr. Appel) statt, ferner in der Medizinischen Veterinärklinik (Pros. Dr. N ö r r), Chirurgischen Veterinärklinik (Geheimrat Pfeiffer), geburtshilflichen Deterinärklinik (Prof. Dr. K ü ft), im Veterinärpathologischen Institut (Geheimrat O l t), im Veterinäranatomischen Institut (Geheimrat Martin) und im Tierseuchen- Jnstitut (Prof. Dr. Z w i cf).
Zweiter Tag.
Zu Beginn des zweiten Tages der Kurse im Universitätsgebäude referierte
Diplomlandwirt Haack (Giehen)
über das Thema: „Der derzeitige Stand derViehverwertungsgenossenschaften unter besonderer Berücksichtigung des Frankfurter Schlachtviehmarktes." Im allgemeinen wird nur bis zu 25 0. H. bei Schweinen auf den Zentralmärkten verkauft; diese 25 v. H. bestimmen den Preis für die übrigen 75 v. H. Die gesamte Landwirtschaft hat daher ein außerordentlich lebhaftes Interesse an einem guten und ordnungsmäßigen Verkauf auf den Zentralmärkten, an deren Regulierung und Preisnotierung. Sie muß bemüht fein, wachsenden Einfluß auf den Zentralmärkten zu bekommen durch restlosen Zusammenschluß in „Viehverwertungsgenossenschaften" mit strenger Lieferpflicht, die in ihren Zentralorganisationen Konzentration des Angebots und gleichmäßige, dem Konsum angepaßte Beschickung der Märite vornehmen. Viehverwertungsgenossenschaften bestehen am zweckmäßigsten als ausgesprochen reine Vichverwertungsgenosscnschaften, wenn auch schon durch vorhandene Genossenschaften, z. B. Konsumgenossenschaften, ein Diehabsatzgeschäft betrieben werden kann.
Direktor Schmidt (Berlin)
sprach dann über: b*S>ie werdende Absah- organifation der deutschen Land- w i r t s ch a f t“. Ein wichtiger Grund b?r Krisis der deutschen Landw.rftchaft liegt in der Heber« schwemmung dcs deutsche 1 Marktes mit au. ländischen Produkten, besonders mit ausländischen Qualft tiwarcn. Versuchte das Au land früher, uns durch Unterbietung im Preise niederzu- fonlurricren, so versucht es jetzt, uns durch Heber» bietung in der Qualität, der Aufmachung und Großhandels.ähiglcit der angebotenen Produkte von dem Markt zu verdrängen. Hm den z. T. an
das Ausland verlorenen Binnenmarkt wiederzugewinnen. muß auch die deutsche Landwirtschaft bestrebt fein, im Rahmen des Möglichen Qualitätsware zu erzeugen. Eine geistige, aber auch technische Reuorientierung unserer Landwirtschaft in Richtung auf den Markt wird hierzu nötig werden; aber auch die Handelspolitik soll dem Landwirt zu Hilfe kommen. Hm Einfluß auf Markt und Preis zu gewinnen, müssen wir die Zahl der Anbieter weitgehend zu verringern, das genossenschaftliche Angebot zu vergrößern und die Konkurrenz, die sich Landwirte und Genossenschaften vielfach machen, immer mehr einzu- schränken versuchen. Die organisatorische Form des Zusammenschlusses ist die Genoffenschaft. Hier gilt es nicht, grundsätzlich Reues zu schaffen,, sondern Bestehendes auszubauen und es einer veränderten Marktlage anzupassen.
Professor Dr. Mombert (Gießen)
Begann feine Ausführungen über den „Kapitalbedarf und die Kapitalbildung in Deutschland" mit Darlegungen über die Verschuldung der Landwirtschaft und mit solchen über die große Bedeutung, die eine billige Kapitalversorgung für sie hat. Er zeigte fobann, warum der Kapitalbedarf der deutschen Wirtschaft heute größer ist als vor dem Kriege, und wies auf die verschiedenen Formen und Arten hin, in denen sich heute die Kapitalneubildung vollzieht. Er hob hervor, daß die Kapitalneubildung nach den neuesten Berechnungen in den letzten Jahren sehr ansehnlvch gewesen sei, wenn sie auch noch nicht groß genug gewesen Ware, um den Kapitalbedarf der deutschen Wirtschaft voll zu decken. Der Redner betonte, daß es notig sei, dem Kapitalmarkt gegenüber sich die größte Enthaltsamkeit aufzuerlegen und daß dies namentlich für die ö.fentlicyen Körperschaften gelte, die bisher diese Rücksicht auf die knappen Mittel am Kapitalmarkt hätten vermissen lassen. Angesichts der Kapitalknappheit müsse man das verfügbare Kapital den Zweigen der Wirtschaft zuführen, bei denen es wirtschaftlich den größten Ruhen stifte. Zum Schlüsse feiner Darlegungen ging der Verfasser vor allem auf zwei für dis deutsche Kapitalversorgung wichtige Fragen ein, einmal auf die Ka, iialauswanderung, die bei uns stattfände und die es mit allen Mitteln zu bekämpfen gelte, und dann auf die Frage, ule Kapitalneubildung bei uns auf allen Wegen, besonders auf solchen steuerlicher Ratur, zu unterstützen.
Direktor Liebmann (Frankfurt a. 2IL) Vorsitzender des Verbandes Südwestseutscher Konsumvereine, sprach als letzter Redner dieses
Die Fabel ist eben zu allen Zeiten und in jedem Kostüm aktuell; sie könnte ebensogut als modernes Gesellschastsstück mit Smoking und Abendkleid ge- sp eit werden. Die entwaffnende und niederschmet- ternfce Desillustonicrung dcs ewig Weiblichen wird zu keiner Zeit und vor keinem Publikum ihre Wirkung oerfchlen.
Zumal nicht in dieser zwiefach zug.spitzten Formulierung: wie die in wc.hen Gewändern trauernde Witwe den noch feuchten Grabhügel des verstorbenen G.mahls emsig trocken fächftt, um dc'lo eher nach einem neuen Mann Ausschau halten zu können.
Und wie die trauernde Witwe den in verwandelter Gestalt heirnkchrenden Gatten mit einer u^mißoer- fta; ' :d)cn Bei itwilligkeit in ihr einkänt, wo nock) hell die Totenkerzen brennen. Da wird das m.t dem Tode zur schaurigen Groteske, ob wohl die hier gegebene Fassung auf eine theatralisch sicher sehr eindringliche Schlußpointe verzichtet, wie man sie z. B. bei Mokiere einmal findet.
Die Aufführung wurde vorn Dramaturgen Dr Ritter (unter 'Assistenz von Herrn Wen Yüan Tina) mit Vhantasie und Einfühlungsgabe bühnenwirksam gestaltet, vermittelte eine interessante Vorstellung von den Ausr-rucksformen des chinesischen Theaters und gab den beteiligten Schauspielern Gelegenheit, ihre Anpassungsfähigkeit an einen, ihnen doch wohl recht fernliegenden Bühnenstil zu erweisen.
Eine allerliebste Gcstaft war die chinesische , Matrone" Tiän der Trude Heß; die verspielte Wankelmütigkeit ihres Wesens war hier gemildert durch eine liebenswürdige und entwaffnende Drolerie, durch eine puppenhaft lächelnde, kindlich kokette Naivität; in scharfem Gegensatz dazu die ganz unzweideutige Haltung, die raffinierte Bewußtheit der Kuanyin am frischen Grabhügel; sie wurde von Lieselotte Fuhrmann charakteristisch umrissen. Zwischen beiden Frauengestalten der menschlich farbloser wirkende, melancholisch oergrübelte Tschuangtse, der von Hais angenehm gesprochen wurde.
In kleineren Rollen wirkten Zingel (der Akte), W e f e n e r (der Prinz) und das volkstümlich- komische Dienerpaar L i n f m a n n und Jahn.
Das Publikum zeigte sich angeregt und deifalls- freuüigi Dr. Th.
Neues von Gerhart Hauptmann.
Nrausführung
von „spn? am wiener Nurgtheatcr.
Wien, im Dezember.
Tie letzten Jahre zeigten Gerhart Hauptmanns Schassen von feiner einstigen jbbe weit entfernt. Im Roman v.rmochte er nach dem .Der Ketzer von Soana" nichts Großes rn-hr berr>or.?,ubti;;gen. PhanlaflU suchte vergebens über innere Armut hinwegzutäuschen. Aua) Lie Kraft des Dramatikers schien eriah ..t. seine „Dorothea Angermann" bebrütete alles andere als einen Aussti.g. Dies zu betonen und den strengsten Maßstab an des Dicht.rs Werke zu legen, wird gerade Haue t.nann geg.nüör zur P.l.chf. Die besten feiner Schöpfungen und ihre Bedeutung für das deutsche Schrifüu.n fordern dies. Hnd gerade wer die dichterische Pers nlichkeit Hauptmanns voll zu würdigen v.rsk ht, wird diesen Maßstab am unerbittlichsten handhaben müssen.
Es sei gleich hier gesagt: Hauptmanns jüngste dramatische Schöpfung, die im Wiener Burgtheater zur Hraussührung gelangte, vermag solchem Maßstabe richt standzuhallen. Unter dem Titel ,0 p ul“ waren zwci voneinand.r recht v.rschie.e.re Stücke zusammengefaßt, das Schauspiel „Die schwarze Maske" und das Satyrsp'.el „Hexenritt".
Sn der „schwarzen Masie' ist alles, was der Handlung Triebkraft und dramatischen Atem gibt, in die Exposition verlegt, wir werden nur in das Schluhstadium eintet düster grauenvollen Geschichte verseht. Eine unheimliche Atmosphäre liegt über dem ganzen. Wir befinden uns in der Zett nach dem Westfälischen Frieden, in einer Zett, da Schrecken, Elend und Rot noch immer herrschen. Im Hause des reichen Bürgermeisters Silvanus Schuller z.l Bolkenhain versammelt sich eine Gesellschaft zum Gelage. Reben ihm und seiner Gattin Benigna, der .hohen Frau", finden wir Vertreter aller Rationen und Religionen, den Fürstab' Dedo, den protestantischen Pastor Wendt, den Juden Löwe! Perl, den Grafen Hüttenwächter mit seiner Gemahlin, den atheistischen Organisten Hadant. Ein
Montag, 9. Dezember (929
Tages über: „Die Bedeutung der Konsumvereine für den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse". D:r Redner sagte u. a.: Es muh leidet festgestellt werden, daß die Produktion unserer landwirtschaftlichen Erzeugnisse hinter dem Bedarf zurückbleibt und das Ausland uns an Güte der Ware tciltoeife überflügelt hat. Bei näheret Heöerprüfung der Verhältnisse ergibt sich, dah wir organifatorif<h in weitem Ausmaß hinket dem AuSkande zurückstehen. Die Landw. Zentralgenossenschaften find feit längerer Zeit mit Erfolg bemüht, den erforderlichen Unterbau für eine geregelte Produktion und Verteilung anzubahnen mit Hilfe der organisierten Verbrauchet. Die Rachsrage nach Qualitätsware ist außerordentlich groß; ihr muß aus alle Fälle Rechnung getragen werden. Die großen Verbtauchetorganisatwnen sind gerne bereits mit den landw. Erzeugetorganisationen Hand in Hand zu gehen. Sie dienen damit dem Genieinwohl.
Am Rachmittag des zweiten Tages besichtigte eine Gruppe Kursteilnehmer das Gießener Lagerhaus der Raisfeisen-Hauptgenofsenschaft, eine andere Gruppe unternahm eine Fahrt nach Butzbach zur dortigen Vereinsbank und nach Qstheim. um sich die vorbildlichen Einrichtungen der Molkerei-Genossenschaft Ostheim-Rieder-Weisel angu- fehen.
5-Llhr-Ladenschluß am Weihnachts-Heiligabend.
Der Hessische amtliche Pressedienst verbreitet folgende Auslassung des Ministers Kor eil:
Der Landverband des Hessischen Einzelhandels nimmt in einer Einsendung an die Tagespresse zu meinem Appell für den 5-Uhr-Ladenschluß am Weihnachts-Heiligabend in ablehnendem Sinne Stellung. Das ist sein Recht. Ich muß aber bitten, mir dabei nicht Behauptungen zu unterschieben, die ich gar nicht auf gestellt habe. Ich habe nicht gesagt, daß die von mir genannten Städte bereits um 5 Uhr am Weihnachts-Heiligabend schließen, sondern daß sie einen früheren Schluß durchgefühtt haben. Rach einer mir zugegangenen Aufstellung schließen vier Städte um 5 Uhr, zwei um 5.30 Uhr und 19 um 6 Uhr, dazu das ganze Land Anhalt. Der Kürze halber habe ich nur die größeren Städte aufgeführt und gesagt, daß sie früher schließen. Hlnzugefügt sei, dah in den letzten Tagen auch in Mannheim eine Einigung auf den früheren Schluß um 5.30 Uhr zustande gekommen ist. Ich habe ferner nicht gesagt, dah die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels für den 5-Uhr-Laden- schluh ist, sondern dah auch sie i>er Ansicht zu sein scheine, dah die wenigen Menschen, die noch zwischen 5 und 7 Uhr am Heiligabend rasch ihre Einkäufe besorgen wollen, nicht zu den besten Kunden gehören, sondern zu denen, die unüberlegt erstandene Waren nach Weihnachten wieder Umtauschen wollen. Die Hauptgemeinschaft empfehle deshalb den Spihenverbänden, die Weihnachtsgratifikationen rechtzeitig auszu-- zahlen, damit die Einkäufe ohne Hast getätigt werden könnten. Wer Deutsch richtig lesen kann, wird das auch sv verstehen. Ich habe weiter aud) keineswegs die wirtschaftlichen Gesichtspunkte bei meinem Anträge im Reichsrat und bei meinem öffentlichen Appell auher acht gelassen. Ich kenne die wirtschaftliche Lage des Einzelhandels. Man: muh nicht Mitglied einer Branche oder ihr ®e- schäftsführer gewesen fein, um wirtschaftliche Interessen beurteilen zu können. Der Tadel, den mir der hessische Einzelhandel ausspricht, wird mein Interesse für den Einzelhandel so wenig berühren wie das Lob, das ich früher erhalten habe. Ich habe die Pflicht, die wirtschaftlichen Interessen zu beadjten und beachte sie weiter. Ich habe niemanden, weder die Angestellten, noch die Hausfrauenverbände, die sich beide an mich gewandt haben, gehört. Ich habe es abge- lehnt, in öffentlicher Versammlung über den 5-Hhr-Ladenschluh zu sprechen. Die Ansicht dec Einzelhändler war mir bekannt. Eine Besprechung wäre nur Verlust von Zeit auf beiden Setten gewesen. Ich werde gerne wirtschaftliche Verbände hören, wenn ich es für notwendig und nützlich halte. Man kann aber nicht ein Recht konstruieren, gehört zu werden. Ein solches hätte zur Voraussehung, dah nur die Wirtschaft von
dunller Februarabend, eine unheilschwangere Atmosphäre, die jeder spürt, obwohl man sich durch lose Deden und erzwungene Heiterkeit darüber hinwegläuschen möchte. Der schwa z: Tod soll wieder im Lande fein, es wird gemeldet, daß eine schwarze Maske sich ins Haus eingc- schlichen habe. Unheimliche Geräusche lassen sich hören, sä;auerlich pfeift der Wind, Tolenvögel schreien, gespenstisch flackert das Feuer im Kamin, eine vermummte Gestalt erscheint. Rach und nach enthüllt sich in andeutenden Gesprächen und wechfelnden Auftritten, daß auf Benigna der Schatten einer dunklen Schuld haftet. Rur ihre Verkrau.e, Rosa, ihr Diener und der alte Sude Wilsen um ihre dunkie Vergangenheit; ihr Mann verehrt in ihr das JdeaLilo einer Frau. Cs erscheint, durch Ahnungen angekündigt, der frühere LiebhaÖer Benignas. Ein dunkler Abdruck seiner Hand auf dem Tdchiuch macht es ihr schließlich z tt grausigen Gewißheit, daß er in ter Rähe wecke. Wild aufschreiend stürzt sie davon. Hnd kurz darauf ersähet man von ihrem Tod. Ob sie durch Selostmord oder durch die Hand dcs alten Celiebien endete, ob sie an der Pest starb, bleibt of,en.
Tas Bucgtheater setzte alles daran, dir Anforderungen, die das Stück an die Regie stellt, zu erfüllen und ließ in dieser Hinsicht auaj nichts zu wünschen übrig.
Beim „Hex en ritt" allerdings tut einem die angewendete Mühe saft leid. Es ist nicht recht einzusehen, warum diese, ge inbe gesagt, unbedeutende Farce — es werden uns die Traumvisionen zweier Entenjäger, die an der Brandstätte eines alten Schlosses nächtigen, vorgesührt — überhaupt zur Aufführung g - langte.
_ Gerhart Hauptmann, der der Ausführung persönlich beiwohnte, wurde schon vor Beginn der Vorstellung, als er seine Loge betrat, durch lebhafte Akckamationen gefeiert. Schon nach bei „schwarzen Maske" jeboch Hang ber Beifall ein wenig gedämpft. Am Ende des zweiten Stückes lleh sich sogar ein zeitweiliges Zischen vernehmen, das^ aber schließlich doch durch den Beifall übertönt wurde. Ein Beifall, ber fr i- lich weniger seinem Stücke galt als ber Shr- surcht vor feinem alten großen Damen.
A.Sch.


