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Die Gemeindewahlen in Bayern.
es dem freien Willen der einzelnen Dundesmit- alieder anheimgestellt bleibt, weiterhin der D. R.D. P. anzugehören. Die sofort in Kraft gesetzten Satzungsänderungen werden der nächsten ordentlichen Delegiertentagung zur nachträglichen Genehmigung vorgelegt.
Lambach über seinen Austritt.
„Richt Hugenberg. sondern Hindenburg."
Hamburg, 7.Dez. (WB.) In der „Deutschen Handelswacht, der Zeitschrift des Deutjchnationalen Handlungsgehilfenoerbandes, erklärt der Reichstagsabgeordnete Lambach über die Gründe seines Austritts aus der Deutfchnationalen Bolkspartei: Der Kasseler Parteitag hat gezeigt, daß die Deutschnationale Volkspartei heute ein Instrument in der Hand H u g e n b e r g s ist. Die Zahl der Wahlkreise und Ortsgruppen, die die alte christlichnationale und soziale Tradition hochhalten, geht ständig zurück. Fluchtartig verlassen seit Jahresfrist die sozialgesonnenen und staatspolitisch eingestellten Elemente die Partei dieses Führers. Unsere Kollegen und meine politischen Freunde im Lande stehen vor der Aufgabe, in den Parteigruppen, in denen sie wirken, den Kampf um das Recht und die freie Meinungsäußerung und um die Möglichkeit einer wahrhaft volksoerbundenen, auf der Hindenburg-Linie s i ch bewegenden Politik zu kämpfen. Ich habe das Vertrauen, daß sie überall, wo sie im deutschnatio- nalen Parteileben stehen, in diesem Sinne vorstoßen und von den Parteiinstanzen, denen sie angehören, eine klare Entscheidung fordern werden. Es wird sich zeigen, daß sie in diesem Kampf nicht einsam bleiben, sondern weite Kreise zu sich herüberziehen. Für diesen Kampf gilt die Parole: Nicht Hugenberg, sondern Hindenburg.
Keine Verstöße bei der Durchführung des Volksbegehrens. Eine Darstellung des Reichsinncnministers.
Berlin, 7. Dez. (WB. Amtlich.) In der Presse der Parteien und Verbände, die hinter dem Volksbegehren „Freiheitsgesetz" standen, ist eine große Anzahl von Fällen zur Sprache gebracht worden, in denen angeblich Behörden oder Amtspersonen gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstoßen haben, die den ordnungsmäßigen Verlauf des Eintragungsverfahrens ficherstellen sollen. Das Reichsministerium des Innern hat in allen diesen Fällen amtliche Ermittlungen veranlaßt. Die Antworten liegen noch nicht vollzählig, aber doch größtenteils vor. Danach hat sich erwiesen, daß die erhobenen Beschwerden in fast allen Fällen u n • begründet sind. Wo Unregelmäßigkeiten hervorgetreten sind, haben übergeordnete ©teilen überall rechtzeitig eingegriffen entsprechend dem ausdrücklichen Ersuchen, das das Reichsministerium des Innern in seinem Rundschreiben an die Landesregierungen vom 11. Oktober ausgesprochen hatte.
Oie Landtagswahlen in Thüringen.
Weimar, 8. Dez. (WB.) Die Wahlen zum Landtag von Thüringen find, soweit bisher Bachrichten vorliegen, im ganzen Lande vollkommen ruhig verlaufen. 3n Altenburg, wo es in den letzten Tagen verschiedentlich zwischen Natio- nalsozialisten und Kommunisten zu schweren Zusammenstößen gekommen wgr, herrschte vollkommene Ruhe. In Hildburghausen war Polizeibereitschaft eingesetzt worden, doch kam es auch hier zu keinerlei Störungen. In Jena stieß ein etwa 40 Mann zählender Trupp Rationalsozialisten am Vormittag des Wahltages mit einem kleineren Trupp Iungsozialisten zusammen, die damit beschäftigt waren, Plakate der S. P. D., die in der Rächt abgerissen worden waren, wieder zu erneuern. Es kam .dabei zu heftigen Auseinandersetzungen, bei denen ein Iungsozialist von einem Rationalsozialisten einen Stich in den Rücken erhielt.
Nach dem vorläufigen amtlichen Gesamtergebnis ergibt sich folgendes Bild: Sozialdemokraten 257 352 Stimmen (17 bis 18 Mandate), Chriftlichnationale Bauern- und Landvolkpartei 131 688 (9), KPD. 85 120 (6), Wirt- fchaftspartei 76 217 (5 bis 6), Deutschnationale Volkspartei 31618 (2 bis 3), Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei 90 236 (6), . Demokraten 23 528 (1 bis 2), Volksrechtpartei 9622 (0), Kommunistische Opposition 12156 (0), Zentrumspartei 9632 (0), Hausbesitzer 423 (0), Deutsche Volkspartei 70 413 (5 Mandate). Abgegeben wurden insgesamt 798 005 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 80 v. H.
Die Mandatsoerteilung im alten thüringischen Landtag war folgende: Sozialdemokraten 18, Landvolkpartei 9, Kommunisten 8, Wirtschaftspartei 6, Deutsche Volkspartei 6, Deutschnationale 4, Demokraten 2, Nationalsozialisten 2, Volksrechtpartei 1.
Oie Reform der Klaffenlotterie.
D e r l i n, 9. Dez. (Priv.-Tel.) Beratungen der Länderfinanzminister über die Reformvorschläge der Preußisch-Süddeutschen Klassenlot^erie haben zu dem Ergebnis geführt, daß eine Aenderung des staatlichen Lottcriesystems vorläufig nicht vorgenommen werden soll. Ebenfalls ist nicht daran zu denken, daß eine Erhöhung des Lospreises eintritt. In Zukunft sollen vielmehr erst alle eingereichten Vorschläge von den beteiligten Stellen noch einmal eingehend überprüft werden, und vorläufig, d. h. zumindest bis zum Spätsommer 19 30, der bisherige Plan beibehalten werden. Besonderes Interesse soll während der Beratung der Finanzminister für das sogenannte Mollingsche Projekt bestanden haben, jedoch soll auch für dies eine eingehende Prüfung auf feine Zweckmäßigkeit hin vorgenommen werden, da es verschiedene bedenkliche Seiten enthält. Dieses Projekt sieht bekanntlich vor, für den Staat hohe Geldbeträge als zinslose Darlehen hereinzubekommen.
Das Trockendock der Bulkanwerst gesunken.
Die beiden Rotterdamschen Schleppdampfer .Humbert" und „Welte Zeey", die das von der Rotterdamsche Droogdok QUaat- schappij erworbene 11 000 Tonnen große Trockendock Rr. 2 der Hamburger Dulkanwerst von Hamburg nach Rotterdam bringen soll-
München, 9. Dez. (WTB. Funkspruch.) Sie Wahlbeteiligung bei den Gemeindewahlen in Bayern ist mit 79 bis 80 Prozent anzunehmen, und dürste wohl den Durchschnitt der Wahl oon1924 erreicht, wenn nicht überschritten haben. Aus den bisher gemeldeten Ergebnissen läßt sich ein ziemlich sicherer Schluß auf den Wahlausfall ziehen. Der hervorstechendste Zug ist das außerordentlich starke Anwachsen der Nationalsozialisten. In dem von dem Londesdienst des Süddeutschen Korre- spondenzbureaus erfaßten Städten und Gemeinden haben die Nationalsozialisten insgesamt 62 Mandate neu gewonnen, und ihren Besitzstand teils verdoppelt, teils verdreifacht. Als zweites Charakteristikum zeigt die Wahl eine stellenweise sehr beträchtliche Dezimierung der bürgerlichen Mittelgruppen, die in'den verschiedensten Kombinationen in den Wahlkampf gingen. Im ganzen ist der Mandatsverlust in den diesen Zahlen zugrunde liegenden Kommunen auf rund 50 Mandate anzunehmen. Vielfach sind an den Einheitslisten auch die Deutschnationalen beteiligt gewesen. Wo die Deutschnationale Dolkspartei allein in den Wahlkampf gegangen ist, läßt sich ebenfalls ein starker Rückgang der Mandatszahlen feststellen. Ebenso haben die Demokraten und die Deutsche Dolkspartei, die nirgends eigene Listen ausgestellt hatten, teil an dem Rückgang der Einheitslisten. Im Gegensatz hierzu steht ein beträchtliches Anwachsen der Reichspartei des deutschen Mittel- standes. Die Bayrische Volkspartei und der Bayrische Mittelstandsbund haben ihren Besitzstand im wesentlichen gewahrt. Die Sozialdemokraten hatten mehrfach nicht unbeträchtliche Gewinne, aber an anderen Punkten auch Verluste zu verzeichnen, die sich ziemlich die Waage halten. Das gleiche gilt von den Kommunisten. Die Stadträte in München, Augsburg und Regensburg verfügen über eine zweifelhafte bürgerliche Mehrheit. In den genannten drei Städten dürfte die Bayrische Dolkspartei wieder die Ersten Bürgermeister stellen. In Nürnberg stehen 19 bürgerlichen Sitzen 21 Sozialdemokraten und 2 Kommunisten gegenüber. Hier werden die 8 Mandate der Nationalfozialisten das Zünglein an der Waage sein.
Der neue Münchener Stadtrat wird sich wie folgt zusammensetzen: Sozialdemokraten 17
Hirschberg, 7. Dez. (WTB.) Am zweiten Verhandlungstage des Iannowitzer Tot.chlags- prozesses bekundete als Zeuge der in Ianno- wih ansässige Sanitätsrat Dr. Planitz, daß Graf Christian Friedrich der Täter sein mühte. Auf der Schule haben die Stolbergs alle nichts geschafft. Christian Friedrich war schwächlich und von kindlicher Denkungsart. Dei allen Stolbergs war der Erwerbssinn schlecht entwickelt. Einen Mord traue er dem Angeklagten nicht zu. Dr. Planitz hält es auch für unmöglich, daß die Mutter ihren Sohn zum Morde angestiftet haben konnte. Dem jungen Grafen selbst habe wiederum die Energie dazu gefehlt. Kreisarzt Dr. L ange hat im Gefängnis von einer geistigen Erkrankung des Grasen nichts feststellen können.
Auch die Zeugin Zobel, Stubenmädchen bei Stolbergs, traut dem Angeklagten nicht zu, daß er seinen Vater erschießt. Die Zeugin hat zwei Tage nach dem Tode des Grasen im Auftrage der Gräfin einen Stotz Briefe verbrannt, und zwar schon zu ungewöhnlich früher Morge nstunde. Vorsitzender: Die Gräfin soll Ihnen gesagt haben: „Gertrud, sagen Sie nichts davon, wenn die Herren zur Durchsuchung kommen." Zeugin: 2a.
Förster Gruner, der die Ausgabe hatte, die Gewehre sauber zu halten, erklärt, die Büchse, mit der der Todesschuh abgegeben wurde, sei um Weihnachten herum noch von einem Gast benutzt worden. Dann behielt er sie etwa acht Tage bei sich, säuberte sie und lieh sie in den Gewehrschrank wenige Tage vor dem Llnglücks- sall zurückstellen. Die Büchse sei, als er sie weg- bringen lief), bestimmt nicht gestochen gewesen, vielleicht hätten das aber seine Kinder getan, die sie in den Schrank brachten. Der junge Gras sei ein tüchtiger, vorsichtiger und gewandter Jäger gewesen, wozu ihn der Vater besonders an- gehalten habe. Sein Verhalten beim Repetieren sei unvorsichtig und leichtsinnig gewesen. DaS Verhältnis zum Vater sei viel zu gut getoeicii, als dah man ihm einen Mord zutrauen konnte.
Der Förster W a b n i tz erklärte auf die Frage des Vorsitzenden, Sie wissen, dah der Gras Sie indirekt beschuldigt hat: „Ich bedauere das, aber schreibe das seiner Erregung zu. Mit Mutwillen kann er das nicht getan haben. Ich traue seinem anständigen Charakter eine solche Beschuldigung
ten, wurden auf der Rordsee von einem schweren Südwest sturm überfallen. Als sich der Schleppzug nördlich der Insel Ser- schelling befand, wurde er von der Gewalt des Orkans auseinandergerisser.. Hierbei brach das Dock mitten durch und vers ank imWasser. Von den auf dem Dock befindlichen Personen sind zwei Männer ertrunken, deren Leichen geborgen werden konnten. Die beiden Schleppdampfer, die vermutlich nur geringfügig geschädigt wurden, befinden sich auf der Weiterreise nach Rotterdam.
Aus aller Wett.
Der Fall Lampel.
In der Strafsache gegen Lampel und Genossen hat das gerichtsärztliche Institut der Universität Breslau jetzt das Gutachten erstattet. Gefunden mürben in dem übersandten Grabeninhalt u. a. eine Trillerpfeife, ein kleines Taschenmesser, zwei Siegelringe und zwei Manschettenknöpfe. Außerdem wurde eine ftarf oxydierte Kugel aus einer Pistole, anscheinend Kaliber 7,69 mm vorgefunden. Nach dem Gutachten läßt sich nicht mehr feststellen, ob die schwere Verletzung, die die Schädeldecke des Getöteten aufaeift, während des Lebens oder er st nach dem Tode entstanden ist. Nach dem Gutachten hätte die Verletzung zum mindesten Bewußtlosigkeit bewirkt, so daß der Verstorbene nicht hätte aufspringen können, wenn die Verletzung nicht tödlich gewesen wäre. Das Gutachten hält es für möglich, daß die Verletzung erst nach dem Tode beigebracht worden ist. Der oorgefun-
(16), Deutschnationale 3 (6). Kommunisten 3 (2), Bayer. Volkspartei 12 (14), Nationalsozialisten 8 (4), Grund- und Hausbesitzer 2 (1), Freier bürgerlicher Mittelstand 3 (4). Die aus Demokraten, Deutsche Dolkspartei, und Reichspartei des deutschen Mittelstandes gebildete Freie bürgerliche Mittelstandspartei, die bei der Wahl 1924 getrennt vorgegangen waren, hat demnach trotz des Zusammenschlusses einen Sitz verloren. Außerdem sind im Münchener Stadtrat neu der Gewerkschaftsring mit einem Sih und eine Bayer. Mittelstandspartei ebenfalls mit einem Sih vertreten.
Fürth: Sozialdemokraten 19 (21), Kommunisten 2 (0), Bayer. Volkspartei 2, Rationalsozialisten 4 (1), Liste Selbständigkeit 8 (früher bürgert Ar bei tsgemeinsch af t, Daher. Volkspartei, Demokraten, Hausbesitzer und Lehrer 6 Sitze), Sozialrentner 1, Fortschrittliche Arbeitsgemeinschaft 3, Volksgemeinschaft (Deutschnationale) 1.
Würzburg: Sozialdemokraten 10 (9), DVP. und Deulschnattonale 2 (4), Demokraten 4 (5), Bayer. Dolkspartei 16 (17), Wirtschaftspartei 3 (3), Rat.-Soz. 4 (1), Christl.-soz. Reichspartei 1 (1). Wahlbeteiligung 66 Prozent.
Aschaffenburg: Sozialdemokraten 8 (8), Deutschnationale 1 (2), Demokraten 3 (4), Daher. Dolkspartei mit verbundenen Listen 14 (15), Rat.- Scz. 2 (0).
Ludwigshafen: Sozialdemokraten 14 Sitze, Zentrum 8. Wirtschaftspartei 3, Deutsche Volks- Partei 4, Demokraten 2, Kommunisten 3, Linke Kommunisten 1, Rationalsozialisten 3 und Christlicher Volksdienst 1 Sih.
Pirmasens: Sozialdemokraten 5, Nationalsozialisten 10, Bayerische Volkspartei und Zentrum 4, Kommunisten 5, Bürgerliche Mitte 3, Deutsche Dolkspartei 3, Deutschnationale kein Mandat.
. Neustadt a. d. Hardt: Sozialdemokraten 6, Bayerische Dolkspartei und Zentrum 5, Gewerbebund 2, Wirtschaftspartei 3, Mieterverein 1, Kommunisten 2, Demokraten 1, Protestantischer Dürgerblcck 3, Deutsche Volkspartei 2, Nationalsozialisten 4 Sitze.
Speyer: Sozialdemokraten 9, das Zentrum und die Bayerische Dolkspartei zusammen 9, Deutsche Dolkspartei 5, Kommunisten 2, Demokraten 1, Wirtschaftspartei 2, Nationalsozialisten 2 Sitze.
wider besseres Wissen nicht zu."
Oberlandcsgerichtsrat Dr. Renner kennt als Beamter der Fideikommihaufsichtsbehörde die Verhältnisse auf Iannvwitz. Er bekundet, dah der Angeklagte über die ernste Lage des Fideikommisses unterrichtet gewesen sei. Er habe vor dem Geständnis wegen der Nachfolge den Angeklagten im Llntersuchungs- gefängnis besucht. Im Qkrlauf dieser Besprechung habe der Angeklagte auch gesagt, er wolle eine Erklärung abgeben. Der Llnter- suchungsrichter habe jedoch die Zuziehung eines Protokollführers abgelehnt, weil er die Unter» suchung bereits an die Berliner Kommissare abgegeben hatte. Ich hatte den Eindruck, dah der Angeklagte damals ein Geständnis abgelegt hätte.
Der Angeklagte erleidet plötzlich, einen offenbar schweren Zusammenbruch. Er ringt nach Luft und fällt bann halb ohnmächtig auf bie Anklagebank zurück. Seine Schwester, der Arzt Dr. Planitz unb mehrere anbere bemühen sich währenb einer Pause um seine Wieberherstellung. Nachdem ber Angeklagte sich von seinem Ohnmachtsanfall erholt hat, wirb bie Verhanblung nach einer halbstündigen Pause fortgesetzt.
Rechtsanwalt Reier stellt fest, daß die Gesamt- schuld der Allodmasse rund 215 000 Mark betrage, bie Ueberschulbung also um 153 000 Mark übersteige. Auf bie Frage bes Vorsitzenden, ob sich ber Angeklagte sagen konnte, baß bie Wirtschaftslage besser werbe, wenn er den Vater erschieße, antwortet ber Zeuge Reier: Wenn Graf Eberharb ro e i t e r gearbeitet hätte, wäre nach anberthalb bis zwei Jahren ein rettungsloser Zusam. m e n b r u ch erfolgt. Führte Christian Friebrich die Wirtschaft weiter, so wäre der Zusammenbruch schon n a d) einem halben Jahre gekommen, so daß überhaupt nicht einmal eine Sanierung mehr möglich war. Der Zeuge Oberlandesgerichtsrat Ren- ner betont nochmals, er halte es für ganz aus- geschlossen, daß der junge Graf einen Mord begangen habe, zumal er keinerlei, namentlich keine wirtschaftlichenMotive finde. Zwar habe der Angeklagte einmal von Selbstmord gesprochen: aber er habe sicherlich nicht im Ernst daran gedacht. Die Verhandlung wird mit Rücksicht auf den Schwächezuftand des Angeklagten auf Montag vertagt.
bene Oberkieferteil paßt nicht genau in den Schübel unb weist in der Nähe ber Trennungsstelle noch anbere Verletzungen auf, bie bie Annahme rechtfertigen, baß wahrscheinlich auch an bieser Stelle eine st umpfeGewalteinge wirkt hat. Das Gutachten läßt es bahingestellt, ob sie bei Lebzeiten ober nach bem Tobe beigebracht finb. Der schon früher erwähnte Leutnant Dr. Kanbt erkennt jetzt auf dem ihm übersandten Gruppenbild den Köhler als den Angehörigen seiner Kompagnie wieder. Den Köhler will er wenig gesehen haben, da Köhler nach den ersten Zwistigkeiten nicht mehr zum Dien st erschienen fei. Inzwischen haben sich bei dem Untersuchungsrichter weitere Personen gemeldet, bie den verstorbenen Köhler gekannt Haven wollen.
Grohfeuer in Bad Pyrmont.
In dem Hotel Waldecker Hof entstand in der Nacht zum Sonntag aus bisher noch nicht geklärter Llrsache ein Feuer, das mit großer Geschwindigkeit um sich griff. Gegen 1 Llhr nachts stand bas ganze Haus in Flammen. Die Hotelgäste muhten, da der Ausgang vollkommen verqualmt war, über die Balkons in Sicherheit gebracht werden und konnten nur das nackte Leben retten. Durch den starken Sturm angefacht, wütete das Feuer etwa sechs Stunden. Das Hotel und ein daneben befindliches Wohnhaus ,‘inb vollkommen nieder- gebrannt. Ein weiteres Wohnhaus ist schwer beschädigt. Personen sind glücklicherweise nicht zu- schaden gekommen. Hm 7 Llhr früh war die Gewalt * des Brandes mit Hilfe der Feuerwehren der. Umgegend Im wesentlichen gebrochen, ihn
9er Nwzeß des Grasen Siolbers- Wernigerode.
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'LLettervOltiussage.
Die Zyklonentätigkeit nimmt unvermindert ihren Fortgang. Immer neue Störungen verursachen durch ihre Südseiten unbeständiges und regnerisches Weiter. Nachdem der heute über dem Nordmeer liegende Wirbel kühlere Luft nach Deutschland brachte, so daß ein allgemeiner Temperaturrückgang wahrzunehmcn ist, bringt durch ben neuen Wirbel westlich von Jr- lanb roieber wärmere Luft vor. Mit bem wechselhaften Witterungscharakter werben auch bie Temperaturen Schwankungen unterworfen sein. Stärkere Bewölkung unb zeitweise Niederschläge treten zunächst auf, später jeboch dürfte die Wolkendecke wieder durchbrochen werden.
Wettervoraussage für Dienstag: Unbeständiges Wetter mit schwankenden Temperaturen und zeitweisen Niederschlägen.
Lufttemperaturen am 8. Dezember: mittags 7 Grad Celsius, abends 7,7 Grad Celsius: am 9. Dezember: morgens 4,1 Grad Celsius. Maximum 8 Grad, Minimum 3,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Dezember: abends 4,2 Grad: am 9. Dezember: morgens 4,6 Grad. — Niederschlag 3,8 nun. — Sonnenscheindauer 1K Stunde.
10 ilhr morgens war das Feuer endlich gelöscht. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.
Großer holelbrand in Middelburg.
In Middelburg auf ber holländischen Jnsek Walcheren brach in bem Hotel Versseput ein Brand aus, der bald eine große Ausdehnung annahm und in seinem Verlaufe nicht nur das Hotel selbst, sondern insgesamt 12 Häuser, bar- unter vier ber ältesten Patrizierhäuser vernichtete. Außer den Feuerwehren von Middelburg, Dlissingen und der Umgegend war auch aus Haag und Rotter- bam Hilfe herbeigeeilt. Doch war ber Wasser, bruckzugering.um einen berartigen Branb zu bewältigen. Der gewaltige Funkenregen, ber sich über die ganze Stabt verbreitete, hat auch in einem ber entfernteren Häuser einen kleineren Brand verursacht. Die zerstörten Giebel der Häuser stürzten auf die schmalen Straßen. Gegen Mitternacht war das Feuer bezwungen. Am Sonntag ist in einem ber abgebrannten Häuser ein neuer Brand ausgebrochen, wodurch die daneben befindliche..katholische Schule bedroht wurde. Einige Feuerwehrleute wurden bei den Löschungsarbeiten verletzt und mußten ins Krankenhaus geschafft werben.
Verbrennungstod eines Brandstifters.
In Bodman am lieberlinger See war in der Nacht zum Samstag das Anwesen eines Landwirts durch Brand st iftung ein Raub der Flammen geworden. Als Brandstifter kam ein früher bei dem Landwirt beschäftigt gewesener Knecht in Frage, ber die Tat ausRache, weil er nicht wieder eingestellt worden war, begangen hatte. Als er am Sonntag- morgen in die noch unversehrt aebliebene Scheune des Landwirts eindrang und Feuer legte, konnte der Brandstifter nicht mehr rechtzeitig das Freie gewinnen. Er verbrannte in der mit reichen Futtervorräten gefüllten Scheune.
Aufklärung eines Raubmordes nach 15 Jahren.
Im Januar 1914 waren die Gebrüder Schmidt und der Händler Adolf L e h i n g aus Oldenburg vorn Oldenburger Schwurge.icht wegen eines Raubübersalls auf den Kassenboten der Delmenhorster Wollkämmerei, bei dem der Bote getötet wurde, zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden. Im Jahre 1926 begnadigt und entlassen, betrieben sie, die stets ihre Unschuld behauptet hatten, das Wiederaufnahmeverfahren. Es ist ihnen nun mit Llnterstühung ihrer Verleid'ger gelungen, die wirklichen Täter ausfindig zu machen. Am Samstag wurden in Bremen zwei Personen verhaftet, die bereits beide ein volles Geständnis abgelegt haben. Die Verhaftung von zwei weiteren Tätern steht unmittelbar bevor.
Drei Mäbchen durch Einsturz einer Mauer getötet
In der Ortschaft Haubourdin bei LiUe ist durch das Llnwetter und den Sturm eine vier Meter hohe Mauer nach der Straßenseite einge stürzt. Drei vorübergehende junge Mädchen wurden dabei getötet.
Die Aufgaben des „Graf Zeppelin".
Auf einem parlamentarischen Abend In Hamburg sprach Dr. Leisner-Kiep von der Hapag über oerkehrswirtschaftlichs Fragen ber Luftfahrt unter besonderer Berücksichtigung der Fahrten des „Graf Zeppelin". Die bisher erzielten Passage-, Fracht- unb Posteinnahmen der Hapag haben ben Beweis erbracht, daß sich bas Luftschiff im Gegen- s a tz zum Flugzeug wirtschaftlich selbst erhalte. Ein regulärer überseeischer Verkehr werde freilich erst bei einer Sicherung größercr Geschwindigkeiten und ber unerläßlichen Regelmäßigkeit möglich sein. Es sei zu hoffen, bah ein eventueller Polflug keinesfalls bie vorliegenden Verkehrsaufgaben, wie beispielsweise ben Flug nach Südamerika, verzögern oder beeinträchtigen werde.
Oie Wetterlage.


