Ausgabe 
9.11.1929
 
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wenig zweifelhafte Lage bringen. Ich werde diese Politik niemals betreiben. Da die Kammer be­reits jetzt entgegengesetzter Ansicht ist, soll sie gar nicht erst die Unterbreitung der Abkommen abwarten, sondern erklären, diese Politik sei schlecht. Sie soll sie ablehnen und mich mit ihr. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten.) Briand wird am Schluß seiner Rede von seinen Minister­kollegen aufs lebhafteste beglückwünscht.

Am Schluß der Aussprache erklärte

Ministerpräsident Tardieu.

Lieber die auswärtige Politik seien sämt­liche Regierungsmitglieder voll­kommen einig. Er sei aus Pflicht Mitarbeiter Poincares und Briands in den beiden letzten Ministerien gewesen. Wenn man zwei Iahre lang diese Politik voll vertrete, könne man_ sie nicht hinterhertorpedieren". Tardieu erllärte, das Kabinett Briand sei gestürzt worden, weil es Befürchtungen gegeben habe wegen der Trup­penbewegungen von der 3. nach der 2. Zone. Die voraufgegangene Regierung habe bereits dementiert, daß diese Truppenbewegungen mit der Räumung zusammeichiingen. Tardieu wiederholte, daß keine Befehle für die Räumung gegeben worden seien. Die Truppenbewegungen hätten Anlaß zu der fal­schen Auslegung gegeben, als ob die Räumung begonnen hätte. Das Ratifizierungsrecht des Parlaments bleibe nach den Haager Verhandlungen vollkommen unange- t a st e t. Damit die Räumung innerhalb von acht Monaten erfolge, sei die Ratifizierung des Voung-Planes und seine Inkraftsetzung notwendig. Die Inkraftsetzung werde abhängen von den Kommerzialisierungsmöglichkeiten, der Schaffung der Internationalen Dank, der Emis­sion einer ersten Tranche von Bonds usw. Man könne mit der Unterbringung der Wert­papiere allerdings nicht Deutschland belasten. Es könne keine Zweideutigkeit hier­über bestehen, alles sei vollkommen klar. Der radikale Abgeordnete Francois Albert warf ein: Und der Zeitpunkt vom 3 0. Iuni?" Tardieu erwiderte,

der Zeitpunkt vom 30. Juni sei im Haag gestellt worden, weil man damals noch nicht das trau­rige Ereignis des Todes Ltresemanns, und auch nicht die französische Kabinettskrise voraussah. 2Nan habe geglaubt, daß die Frist bereits im Iahre 1929 laufen würde. Aber es fei vollkom­men klar, daß bei der gegenwärtigen Lage, wo noch keine Ratifizierung erfolgt fei, die Frist noch nicht laufen könne und der Zeitpunkt des

30. Juni vorbehalten bleibe.

(Lebhafter Beifall, vor allem auf der Rechten und in der Mitte. Rufe links: Briand! Briand!) Tardieu erflärt dann, er, der selbst an den Versailler Bertragsverhandlungen teilgenommen habe, müße heute deren An­wendung verteidigen, nachdem er als Abgeord­neter bisweilen die für die Regierung Verant­wortlichen kritisiert habe. Er habe erkannt, daß man das Land nicht in Zweifel und Entmutigung tauchen dürfe dadurch, dass) man die für die Regierung Verantwortlichen angreife. Frankreich habe in keinem Augenblick seit dem Kriege etwas von der Bismarckschen Politik von nach 1871 wissen wollen. Frankreich habe nicht versucht, eine Diktatur in Europa zu betreiben. Ganz im Gegenteil, Frankreich habe eine Politik des Aus- 'gleiches und der Zusammenarbeit betrieben. Der Ministerpräsident bestritt, daß er während der Krise seine Stellungnahme geändert habe. Er hoffe, seine Majorität auch auf die Radi­kalen ausdehnen zu können. Tardieu fragt die Linke, ob sie nunmehr die Verantwortung übernehmen wolle, das Kabinett zu stürzen und die Politik Briands zu Boden zu schlagen. Man müsse Zusammenarbeiten, weil es darauf ankomme, daß Frankreich weiterlebe.

Das Vertrauensvotum für Tardieu.

Um 4.30 Uhr früh stimmte die Kammer über die von dem Abgeordneten Thomson (Radi­kale Linke) eingebrachte Tagesordnung ab, die der Regierung unter Ablehnung jedes wei­teren Zusatzes dasVertrauen ausspricht. Die Abstimmung ergab 332 für und 253 gegen die Tagesordnung. Die Tagesordnung lautet: Die Kammer nimmt von tert Erklärungen der Regierung Kenntnis. Sie bringt ihr das Ver­trauen entgegen, daß sie die Achtung der grund­legenden Gesetze der Republik gewährleisten, den industriellen und landwirtschaftlichen Wohlstand des Landes steigern, und den Frieden im In- lande und die Annäherung der Völker fördern werde, lehnt jeden weiteren Zusatz ab, und geht zur Tagesordnung über.

Der sozialistische Abgeordnete Uhry schlägt zu dieser Tagesordnung einen Zusatz vor, der die Laien Politik ausdrücklich sestlegen soll. Ministerpräsident Tardieu lehnt dies ab und stellt gegen den Zusatz die Vertrauens­frage. Die Kammer lehnt den Zusatz mit 327 gegen 256 Stimmen ab.

Oie Schweiz

Sitz derZnternationalen Bank

Belgien erhebt Einspruch.

Baden-Baden, 8.Rov. (WB.) Das Or­gan i s a t ion Sko m i t e e für die Dank für den internationalen Zahlungsaus­gleich, das seit dem 3. Oktober tagt, hat die Frage des Domizils der Dank wiederholt er­örtert. In der heutigen Sitzung wurde ein­stimmig beschlosssen, die Schweiz als den Sitz der neuen Dank zu bestimmen. Die Wahl der Schweiz erfolgte einstimmig, jedoch in Abwesenheit der belgischen De­legierten Francquis und van Zee- l a n d. Die belgische Delegation teilt hierzu mit, daß sie im Verlauf der wiederholten Despre- chungen über die Frage des Sitzes der D. I. Z. die gegen Brüssel als Danksitz vorgebrach­ten Argumente als solche politischer Ratur be- zeichnet habe. Sie habe mehrfacy Einspruch dagegen erhoben. Schließlich hat sich die bel­gische Delegation an ihre Regierung gewandt, die erklärte, daß sie hinter der belgischen Dele­gation stehe und diese beauftragte, auf ihrem Standpunkt zu verharren und zu fordern, daß die Frage an die Regierungen verwie- s e n werde. Da bis heute abend alle wichtigen Entscheidungen bezüglich der Organisation "der D I. Z. getroffen worden seien, haben die ge­nannten belgischen Delegierten geglaubt, den wei­teren Verhandlungen nicht mehr beiwohnen zu brauchen, zumal sie gegen die noch nicht erörter­ten Fragen keine Einwendungen zu erheben ge­

habt hätten. Sie seien deshalb heute abend nach Brüssel zurückgekehrt. Belgien wird durch die Delegationsmitglieder Fröre und Marx weiterhin die Verbindung mit dem Organisations­ausschuß für dessen abschließende Arbeiten auf­rechterhalten.

Oie Ehescheidungsreform vertagt.

Ter Konfliktssioff für die Regicrungs- koalition aus dem Wege geräumt.

Berlin, 7. Nov. (Wolff. Amtlich.) lieber die heutige Besprechung der Reichsregie­rung mit b e h Parteiführern im Reichstag ist folgender amtlicher Bericht ausgegeden worden: Unter dem Vorsitz des Herrn Reichs­kanzlers fand heute nachmittag unter Beteili­gung der Reichsminister der Justiz und des Innern von Guörard und Seoering eine Bespre­chung mit den Fraktionsführern der Regienmgs- parte.en und den beiden Vorsitzenden des Rechts­und des Strafrechtsausschusses Abg. 5t' a h l und Landsberg über den weiteren Arbeits­plan dieser beiden Ausschüsse des Reichstags statt. Es herrschte Uebereinftimmung darüber, daß neben der weiterhin mit aller Kraft zu fördernden Strafrechtsreform die Vorlagen über die rechtliche Stellung der unehelichen Kinder und über das Standes herrenge- s e tz vordringlich behandelt werden müssen. Hinzu kommt noch demnächst das Republik­schutzgesetz. Dagegen werden die Regierungs­parteien sich hinsichtlich der Ehescheidungs- re form dafür einsetzen, daß sie vor der parla­mentarischen Erledigung des Poungplanes, der Fi­nanzreform und des Haushaltplanes im Rechtsaus- schuß nicht zur Beratung ge st eilt werden soll. Der Beratung der Ehescheidungsreform in dem kürzlich eingesetzten Unterausschuß, der seinem Charakter nach zu offizieller Beschlußfassung nicht berufen ist, soll dagegen Fortgang gegeben werden können.

Bei der allgemein politischen Lage ist, wie das Dureau des V.D.Z. ergänzend mitzuteilen weiß, damit zu rechnen, daß der youngplan sich noch solange verzögert, daß der Etat für 1930 frühestens im April wird beraten werden können. Bis dahin wird man sich wohl mit R o t - etats behelfen müssen. Die außerdem zu erledigen­den Gesetzentwürfe dürften die Zeit bis zum A u g u st vollständig ausfüllen. Der Beschluß der Parteiführerkonferenz bedeutet ein Kompromiß: denn auf der einen Seite hatte das Ze n t r u m sich damit einverstanden erklärt, daß die Ehescheidungs­reform überhaupt weiterberaten wird, ande­rerseits haben die übrigen Regierungsparteien einer Vertagung auf lange Ze i t zuge­stimmt.

Oiepelze desOirekiorsBrolat Zu den Beschuldigungen gegen den Direktor der Berliner Bcrkehrsgcfellfchaft.

Berlin, 8. Rov. (WB.) Die Berliner Kri­minalpolizei hat bei Durchsicht der Bücher der Pelzfirma Gohlicke, von denen die Brüder Sklarek Geschenke für ihre Freunde bezogen, fcstgestellt, daß auch der jetzige Direktor der Berliner Verkehrsgesell­schaft, Stadtverordneter Drolat, der in bor vorigen Woche von der kommunistischen Presse scharf angegriffen wurde und Klage gegen die ..Rote Fahne" in Aussicht gestellt hat, auf der Liste der Firma Gohlicke erscheint. Dro­lat erllärte, die Drüder ©klare! hätten seiner F r au um Weihnachten 1928 d i e Pelzfirma Gohlicke empfohlen. Daraufhin hätte Frau Drolat bei der Firma einenPelzim Werte von 2000 Mark bestellt. Als die Firma Herrn Direktor Drolat keine Rechnung sandte, stellte sich heraus, daß einer der Drüder Sklarek den Pelz der Frau Drolat bereits bezahlt batte. Drolat habe, so erklärte er, den Sklareks daraufhin schwere Vorwürfe gemacht und zu wiederholten Malen versucht, den Detrag zurückzuerstatten. Im März 1929 habe er einem der Brüder Sklarek die 20 0 0 Mark in die Tasche gesteckt und erklärt, daß er nun jeden Verkehr mit den Brüdern ©klare' abbreche. Eine Quit­tung über die 20v0 Mari habe er leider von

Oer Schriftsteller Lampel verhaftet.

Linier Verdacht der Beteiligung an einem Fememord.

Berlin, 8. Rov. (WTD.) Der Schriftsteller und Dramatiker Martin Peter Lampe l, dessen DramenRevolte im Erziehungshaus", Giftgas über Berlin" undPennäler" wegen ihrer radikalen Einstellung wiederholt Veran­lassung zu Kundgebungen gegeben hatten, wurde heute früh von der Berliner Politischen Polizei wegen Mordverdachtes verhaftet. Lampel, der ursprünglich rechtsradikalen Organi­sationen angehörte, jetzt aber durch seine links­radikalen Anschauungen huldigenden Werke be­kanntgeworden ist, steht im Beröacht, der Beteili­gung an einem etwa acht Iahre zurückliegenden Fememord. Es handelt sich dabei um einen Mordfall, der erst kürzlich unter eigenartigen Umständen an das Licht der Oesfentlichkeit ge­kommen ist. Im Verlauf des Ehescheidungs- Prozesses des Rittergutsbesitzers Freiherr v. Richthofen auf Gut Kohlhöhe bei ©triegau erfolgte eine Anzeige von einer dem Guts­besitzer bisher nahestehenden Seite, wonach sich im Iahre 1921 a u f dem Besitz Richthofens ein sogenannter Fememord er­eignet habe. Auf dem Gut Kohlhöhe war eine Abteilung ehemaliger Daltikumer, die größtenteils dem FreikorpsOberland" ange» hörten, unter gebracht und zwar unter Führung eines gewissen Müller, der sichLeutnant Drand^ nannte. Bei dieser Abteilung befand sich ein Daltikumer Fritz Köhler, der unter dem Ramenvon Lancken" auf trat. Köhler geriet eines Tages bei feinen Kameraden in Verdacht, daß er die Anwesenheit der Selbst- schuhformationen verraten habe und nach den bisherigen Feststellungen soll er daraufhin, bei einer unter Führung Müllers mit drei weiteren Daltikumern unternommenen Autofahrt er - schossen und in der Gegend von Reustadt In Schlesien im Walde verscharrt worden sein. Das Geständnis eines derBeteiligten hat bereits zu der Verhaftung des Kommando-

sührers Müller geführt und es scheint, als ob dessen Aussagen schwer belastend für Lampel seien, der auch zu dieser Abteilung gehört haben soll. Lampel wird morgen vor­mittag nach L i e g n i h übergefuhrt und in das dortige Gerichtsgefängnis eingeliefert werden. Durch vorzeitige Pressemeldungen sind zwei wei­tere Personen, die an dem Fememord beteiligt waren, geto amt worden und halten sich ver­borgen.

Die Verhaftung lenkt die Aufmerksamkeit er­neut auf das wechselvolle politische Sch i df al, das dieser Schriftsteller gehabt hat. Seine Vergangenheit ist ungemein phantastisch. Rachdem er im Rovember 1918 aus dem Felde zurückgekehrt war, hospitierte er zuerst bei den Kommuni st en, schloß sich aber dann zwei Iahre später dem oberschlesischen Frei­korps Oberland an. Darauf nahm er Dienst beim Arbeitskommando, um dann 1923 als Zeitfreiwilliger gegen das soziali­stisch-kommunistisch regierte Thüringen zu mar­schieren. Er gehörte eine Zeitlang auch der thüringischen Schutzpolizei als Leutnant an, in der er eine sehr zweifelhafte Rolle im Zu­sammenhang mit der Affäre des Polizeimajors Müller-Drandenburg gespielt hat. Lampel be­schuldigte seinen Poli^eimajor des Betrugs und Landesverrates und des geheimen Einverständ­nisses mit den Kommunisten. Schließlich wurde dann Lampel als Psychopath erkannt und seine Anwürfe als nicht glaubhaft hingestellt. In der Freikorpsbewegung hat Lampel eine ziemliche Rolle gespielt. Kurz vor dem Kapp-Putsch mar­schierte er mit einigen hundert Freischärlern nach Berlin, seine Truppen wurden jedoch am Anhalter Bahnhof entwaffnet. Die Folge seines Fiaskos in der Rechtsopposition war sein er­neuter Anschluß an ultralinke Kreise.

den Sklareks nicht erhalten: diese mühten jedoch den Empfang bestätigen. Rach Verhaftung der Brüder Sklarek habe er, Drolat, der Pelz­firma mitgeteilt, daß die 2000 Mark an die Sllareks abgeführt worden seien. Ein Pelzmantel für seine, Drolats, Tochter sei unglücklicher­weise von der Firma Gohlicke gerade einige Tage nach der Verhaftung der Drü­der ©klare! geliefert worden, aber diesen Pelz habe ec für eigene Rechnung be­stellt. Vorteile seien ihm von den Brüdern ©kla­re! nicht gewährt worden.

Vorläufig kein Rücktriitsentschluß des Oberbürgermeisters.

Berlin, 7. Nov. (Wolff.) Zu der Nachricht, daß Oberbürgermeister Böß aus den Vorkommnissen in der gestrigen Stadtverordnetenversammlung d i e Konsequenz ziehen und seinen sofor­tigen Rücktritt erklären würde, erklärt das 8-Uhr-Abendblatt", dies fei nicht der Fall. Oberbürgermeister Böß habe keine derartige Er­klärung abgegeben. Oberbürgermeister Böß wolle seine weiteren Entschlüsse von dem Ausgang des Disziplinarverfahrens abhängig machen. Ob die Stadtverordnetenversammlung am Donners­tag den MißtrauensantragderKommu» n i st e n endgültig verabschieden kann, ist noch un­gewiß. Die Mehrheit ist vorhanden, und die Stellungnahme der Fraktionen in einem Punkte völlig klar: Sie verlangen, daß Oberbürgermeister Böß von seinem Posten scheidet. Es be­steht aber immer noch die Möglichkeit, daß die Stadt­verordnetenversammlung wieder vor der Abstim- mung a u f f l i e g t.

Eine weitere Beamtenbank stellt die Zahlungen ein.

Don der Leitung der Reichsbundbank A.-G. wird mitgeteilt: Infolge all ge­rne inet Beunruhigung in der Beamten­schaft wegen der bekannten Ereignisse der letzten Zeit hat ein ftarfer Ansturm auf die Reichsbundbank A.-G. stattgefunden. In wenigen Tagen wurden ebenso hohe Geldbeträge abgehoben wie sonst in einem ganzen Monat. Die Reichsbundbank ist in Schwierigkeiten geraten und wird den Antrag auf Eröff­nung des gerichtlichen Vergleichs­verfahrens stellen, um eine gleichmäßige Be­rücksichtigung aller Gläubiger zu erzielen. Cs können daher einstweilen Auszahlungen nicht stattfinden. Die Depots an Wert­papieren sind vollständig vorhanden. Im Zu­sammenhang mit der Zahlungseinstellung der Reichsbundbank erflärt derGesamtvorstand des Reichsbundes der höheren Be­amten: Zwar ist der Reichsbund der höheren Beamten als Organisation für die eingetretenen Verluste der Dank, die eine selbständige Aktien­gesellschaft ist, nicht haftbar, aber er wird, soweit Mitglieder des Reichsbundes der höheren Be­amten und deren Angehörigen als Kunden der Reichsbundbank geschädigt sind, versuchen, den Geschädigten nach Möglichkeit zu Helsen.

Wie daSBerliner Tageblatt" mitteilt, wurde bereits in der Generalversammlung der inzwi­schen liquidierten Kreditbank für Industrie und Landwirtschaft Mitte September festge­stellt, daß dieReichsbundbank" eine hohe Forderung an die Kreditbank für Industrie und La n dwirtschaft hatte. Tatsächlich hat die Reichsbundbank feit längerer Zeit eine Forderung an die Kreditbank für In­dustrie und Landwirtschaft von nicht weni­ger als rund 2,5 Millionen Mark ge­habt, eine Summe, die inzwischen durch Zinsen sehr erheblich angewachsen ist. Iedenfalls steht fest, daß die Schwierigkeiten ausschließlich auf diese Geschäftsverbindung zurückzu- führen sind, die bereits ungefähr seit der Zeit der Gründung der Kreditbank für Industrie und Landwirtschaft bestand und die man erst im Iahre 1926 zu losen suchte, als dieses Institut in eine sehr kritische Lage geriet. Trotz der Lö­sung der Beziehungen blieb die außerordentlich hohe Forderung an die Bank bestehen, die aller­dings seinerzeit durch Sicherungen gedeckt gewesen sein soll. 3m Zusammenhang mit der allgemeinen kritischen Situation ist nach und nach d i e Deckung auf ein RichtS zusammen- geschmolzen Die Verbindlichkeiten der Reuchsbundbank betragen freute bei einem

Aktienkapital von nur 620 000 Mark rund fünf Millionen Mark. Cs stehen allerdings den Passiven auch Sicherheiten gegenüber, die aber sicherlich in gar keinem Verhältnis zu den Schul­den stehen. So wird als Aktivposten eine Summe von rund 700 000 bis 800 000 Mark angegeben, die in Darlehen an Beamte besteht

Oie Beisetzung des Prinzen Max von Baden.

Salem, 8. Rov. (TU.) Eine außerordentlich große Menschenmenge hatte sich am Fre tag in Salem eingefunden, um an den Deisetzungs- feierlichteiten für den verstorbenen Reick^kanz- ler, Prinzen Max von Baden, teilzu- nehmen. Bis 14 Uhr war der Detsaal des Schlosses vom Publikum dicht besetzt, das noch von dem verstorbenen Prinzen Abschied nehmen wollte. Außer den amtlichen Vertretern sah man noch u. a. die Herzogin und die.. Prinzessin Olga von Cumberland und viele ©tandesherren. Die Großherzogin von Luxemburg hatte einen Vertreter entsandt. Kurz nach 14.30 Ahr betrat Prinzessin Mc» von Baden am Arme ihres Sohnes Berthold und in Begleitung ihrer Tocktw und ihres Schwiegersohnes den Detsaal. Prälat D. ©chmitthenner aus Karl: ruhe hielt die Trauerrede und erwähnte u. a. die große Liebe des Verstorbenen zum Voll. Er hob hervor, daß Prinz Max in jenem kritischen Augenblick des Weltkrieges in opfermutiger Dere:twillig- keit das Amt des Reichskanzlers übernommen habe.

Es folgte nach einigen Liedern ein kurzes Ge­bet, worauf der ©arg, der mit der badischen Fahne bedeckt war, auf den mit sechs Pferden bespannten Leichenwagen getragen wurde. Den Zug eröffneten Schüler und Schülerinnen der Schloßschule, die die vielen Kränze trugen. Da­nach folgte die katholische Geistlich­keit aus der Amgegend sowie Prälat D. ©chmitthenner in Begleitung des gesamten evangelischen Oberkirchenrats. Run kam ter ©arg, hinter diesem Prinzessin Max von Baden mit ihrem Sohne Berthold und den übrigen Verwandten, darunter dem Prinzen Adalbert als Vertreter des ehe­maligen Kaisers, schließlich ReichsemährungS- minister Dietrich als Vertreter ter Reichs- regietung, ReichstagspräNtent Löbe, Staats­präsident Dr. Schmitt, Innenminister Dr. R e m m e l e, Kultusminister Dr. Leers sowie Vertreter der Anivcrs'f.ten Heidelberg und Freiburg s owie der Technischen Hochschule Karlsruhe. Auch Oberbürgermeister Dr. Sinter (Karlsruhe) sowie Landtagspräsident Dr. Baumgartner mit einer großen An­zahl von Abgeordneten nahmen am Trauerzuge teil. AuS ter Umgebung waren die Bürger­meister ter einzelnen Gemeinden und eine un­übersehbare Srauergemeinte vertreten. Auf dem Friedas wurde der Sarg in das offene Grab gesenkt. Prälat D. ©chmitthenner sprach das Gebet, die Gemeinde sang Trauerlieder und damit war die Trauerfeier beendet. Unter den Kränzen befand sich, an hervorragender Stelle liegend, der Kranz teS Reichspräsidenten von Hindenburg und ter Kranz der Re ichS- regierung.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das ausgedehnte Regengebiet, das der Aus­läufer der südlichen Störung mit sich führte, hat unseren Bezirk bereits in ten gestrigen Abend­stunden und während der verfloßenen Rächt über­quert. An der Südseite des Fallgebietes werden kühlere ozeanische Luftmassen wieder Tempera­turrückgang verursachen. Dadurch kommt es zum Durchbrechen der Wolkendecke, so daß wieder, wenn auch mehr vorübergehend, Aufheiterung eintritt. Da von Südwestcn her der Luftdruck ansteigt, so dürfte unter seinem Einfluß, beson­ders nachts, mehr Aufklaren eintreten und somit eip Sinken der Temperaturen bis in Gefrier­punktsnähe zu erwarten fein.

Wettervoraussage für Sonntag. Wechselnde Bewölkung mit vorübergehender Auf­heiterung: wieder kühler, bei nächtlichem Auf­klaren Rachtfrostgefahr, keine oder nur verein­zelt geringe Schauer.

Witterungsaussichten fürMontag. Stellenweise nebelig, tagsüber teils heiter, leifs wollig, Rachtfrostgefahr.

Lufttemperaturen am 8. November: mittags 6,8 Grad Celsius, abends 7 Grad: am 9. November: mor­gens 8,1 Grad. Maximum 8,2 Grad, Minimum 3,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. No­vember: abends 6,2 Grad: am 9. November: morgens 6,2 Grad Celsius. Niederschlag 3,4 mm, Son- nenjcheindauer Y» Stunde.