wenig zweifelhafte Lage bringen. Ich werde diese Politik niemals betreiben. Da die Kammer bereits jetzt entgegengesetzter Ansicht ist, soll sie gar nicht erst die Unterbreitung der Abkommen abwarten, sondern erklären, diese Politik sei schlecht. Sie soll sie ablehnen und mich mit ihr. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten.) Briand wird am Schluß seiner Rede von seinen Ministerkollegen aufs lebhafteste beglückwünscht.
Am Schluß der Aussprache erklärte
Ministerpräsident Tardieu.
Lieber die auswärtige Politik seien sämtliche Regierungsmitglieder vollkommen einig. Er sei aus Pflicht Mitarbeiter Poincares und Briands in den beiden letzten Ministerien gewesen. Wenn man zwei Iahre lang diese Politik voll vertrete, könne man_ sie nicht hinterher „torpedieren". Tardieu erllärte, das Kabinett Briand sei gestürzt worden, weil es Befürchtungen gegeben habe wegen der Truppenbewegungen von der 3. nach der 2. Zone. Die voraufgegangene Regierung habe bereits dementiert, daß diese Truppenbewegungen mit der Räumung zusammeichiingen. Tardieu wiederholte, daß keine Befehle für die Räumung gegeben worden seien. Die Truppenbewegungen hätten Anlaß zu der falschen Auslegung gegeben, als ob die Räumung begonnen hätte. Das Ratifizierungsrecht des Parlaments bleibe nach den Haager Verhandlungen vollkommen unange- t a st e t. Damit die Räumung innerhalb von acht Monaten erfolge, sei die Ratifizierung des Voung-Planes und seine Inkraftsetzung notwendig. Die Inkraftsetzung werde abhängen von den Kommerzialisierungsmöglichkeiten, der Schaffung der Internationalen Dank, der Emission einer ersten Tranche von Bonds usw. Man könne mit der Unterbringung der Wertpapiere allerdings nicht Deutschland belasten. Es könne keine Zweideutigkeit hierüber bestehen, alles sei vollkommen klar. Der radikale Abgeordnete Francois Albert warf ein: „Und der Zeitpunkt vom 3 0. Iuni?" Tardieu erwiderte,
der Zeitpunkt vom 30. Juni sei im Haag gestellt worden, weil man damals noch nicht das traurige Ereignis des Todes Ltresemanns, und auch nicht die französische Kabinettskrise voraussah. 2Nan habe geglaubt, daß die Frist bereits im Iahre 1929 laufen würde. Aber es fei vollkommen klar, daß bei der gegenwärtigen Lage, wo noch keine Ratifizierung erfolgt fei, die Frist noch nicht laufen könne und der Zeitpunkt des
30. Juni vorbehalten bleibe.
(Lebhafter Beifall, vor allem auf der Rechten und in der Mitte. Rufe links: Briand! Briand!) Tardieu erflärt dann, er, der selbst an den Versailler Bertragsverhandlungen teilgenommen habe, müße heute deren Anwendung verteidigen, nachdem er als Abgeordneter bisweilen die für die Regierung Verantwortlichen kritisiert habe. Er habe erkannt, daß man das Land nicht in Zweifel und Entmutigung tauchen dürfe dadurch, dass) man die für die Regierung Verantwortlichen angreife. Frankreich habe in keinem Augenblick seit dem Kriege etwas von der Bismarckschen Politik von nach 1871 wissen wollen. Frankreich habe nicht versucht, eine Diktatur in Europa zu betreiben. Ganz im Gegenteil, Frankreich habe eine Politik des Aus- 'gleiches und der Zusammenarbeit betrieben. Der Ministerpräsident bestritt, daß er während der Krise seine Stellungnahme geändert habe. Er hoffe, seine Majorität auch auf die Radikalen ausdehnen zu können. Tardieu fragt die Linke, ob sie nunmehr die Verantwortung übernehmen wolle, das Kabinett zu stürzen und die Politik Briands zu Boden zu schlagen. Man müsse Zusammenarbeiten, weil es darauf ankomme, daß Frankreich weiterlebe.
Das Vertrauensvotum für Tardieu.
Um 4.30 Uhr früh stimmte die Kammer über die von dem Abgeordneten Thomson (Radikale Linke) eingebrachte Tagesordnung ab, die der Regierung unter Ablehnung jedes weiteren Zusatzes dasVertrauen ausspricht. Die Abstimmung ergab 332 für und 253 gegen die Tagesordnung. Die Tagesordnung lautet: Die Kammer nimmt von tert Erklärungen der Regierung Kenntnis. Sie bringt ihr das Vertrauen entgegen, daß sie die Achtung der grundlegenden Gesetze der Republik gewährleisten, den industriellen und landwirtschaftlichen Wohlstand des Landes steigern, und den Frieden im In- lande und die Annäherung der Völker fördern werde, lehnt jeden weiteren Zusatz ab, und geht zur Tagesordnung über.
Der sozialistische Abgeordnete Uhry schlägt zu dieser Tagesordnung einen Zusatz vor, der die Laien Politik ausdrücklich sestlegen soll. Ministerpräsident Tardieu lehnt dies ab und stellt gegen den Zusatz die Vertrauensfrage. Die Kammer lehnt den Zusatz mit 327 gegen 256 Stimmen ab.
Oie Schweiz
Sitz derZnternationalen Bank
Belgien erhebt Einspruch.
Baden-Baden, 8.Rov. (WB.) Das Organ i s a t ion Sko m i t e e für die Dank für den internationalen Zahlungsausgleich, das seit dem 3. Oktober tagt, hat die Frage des Domizils der Dank wiederholt erörtert. In der heutigen Sitzung wurde einstimmig beschlosssen, die Schweiz als den Sitz der neuen Dank zu bestimmen. Die Wahl der Schweiz erfolgte einstimmig, jedoch in Abwesenheit der belgischen Delegierten Francquis und van Zee- l a n d. Die belgische Delegation teilt hierzu mit, daß sie im Verlauf der wiederholten Despre- chungen über die Frage des Sitzes der D. I. Z. die gegen Brüssel als Danksitz vorgebrachten Argumente als solche politischer Ratur be- zeichnet habe. Sie habe mehrfacy Einspruch dagegen erhoben. Schließlich hat sich die belgische Delegation an ihre Regierung gewandt, die erklärte, daß sie hinter der belgischen Delegation stehe und diese beauftragte, auf ihrem Standpunkt zu verharren und zu fordern, daß die Frage an die Regierungen verwie- s e n werde. Da bis heute abend alle wichtigen Entscheidungen bezüglich der Organisation "der D I. Z. getroffen worden seien, haben die genannten belgischen Delegierten geglaubt, den weiteren Verhandlungen nicht mehr beiwohnen zu brauchen, zumal sie gegen die noch nicht erörterten Fragen keine Einwendungen zu erheben ge
habt hätten. Sie seien deshalb heute abend nach Brüssel zurückgekehrt. Belgien wird durch die Delegationsmitglieder Fröre und Marx weiterhin die Verbindung mit dem Organisationsausschuß für dessen abschließende Arbeiten aufrechterhalten.
Oie Ehescheidungsreform vertagt.
Ter Konfliktssioff für die Regicrungs- koalition aus dem Wege geräumt.
Berlin, 7. Nov. (Wolff. Amtlich.) lieber die heutige Besprechung der Reichsregierung mit b e h Parteiführern im Reichstag ist folgender amtlicher Bericht ausgegeden worden: Unter dem Vorsitz des Herrn Reichskanzlers fand heute nachmittag unter Beteiligung der Reichsminister der Justiz und des Innern von Guörard und Seoering eine Besprechung mit den Fraktionsführern der Regienmgs- parte.en und den beiden Vorsitzenden des Rechtsund des Strafrechtsausschusses Abg. 5t' a h l und Landsberg über den weiteren Arbeitsplan dieser beiden Ausschüsse des Reichstags statt. Es herrschte Uebereinftimmung darüber, daß neben der weiterhin mit aller Kraft zu fördernden Strafrechtsreform die Vorlagen über die rechtliche Stellung der unehelichen Kinder und über das Standes herrenge- s e tz vordringlich behandelt werden müssen. Hinzu kommt noch demnächst das Republikschutzgesetz. Dagegen werden die Regierungsparteien sich hinsichtlich der Ehescheidungs- re form dafür einsetzen, daß sie vor der parlamentarischen Erledigung des Poungplanes, der Finanzreform und des Haushaltplanes im Rechtsaus- schuß nicht zur Beratung ge st eilt werden soll. Der Beratung der Ehescheidungsreform in dem kürzlich eingesetzten Unterausschuß, der seinem Charakter nach zu offizieller Beschlußfassung nicht berufen ist, soll dagegen Fortgang gegeben werden können.
Bei der allgemein politischen Lage ist, wie das Dureau des V.D.Z. ergänzend mitzuteilen weiß, damit zu rechnen, daß der youngplan sich noch solange verzögert, daß der Etat für 1930 frühestens im April wird beraten werden können. Bis dahin wird man sich wohl mit R o t - etats behelfen müssen. Die außerdem zu erledigenden Gesetzentwürfe dürften die Zeit bis zum A u g u st vollständig ausfüllen. Der Beschluß der Parteiführerkonferenz bedeutet ein Kompromiß: denn auf der einen Seite hatte das Ze n t r u m sich damit einverstanden erklärt, daß die Ehescheidungsreform überhaupt weiterberaten wird, andererseits haben die übrigen Regierungsparteien einer Vertagung auf lange Ze i t zugestimmt.
Oiepelze desOirekiorsBrolat Zu den Beschuldigungen gegen den Direktor der Berliner Bcrkehrsgcfellfchaft.
Berlin, 8. Rov. (WB.) Die Berliner Kriminalpolizei hat bei Durchsicht der Bücher der Pelzfirma Gohlicke, von denen die Brüder Sklarek Geschenke für ihre Freunde bezogen, fcstgestellt, daß auch der jetzige Direktor der Berliner Verkehrsgesellschaft, Stadtverordneter Drolat, der in bor vorigen Woche von der kommunistischen Presse scharf angegriffen wurde und Klage gegen die ..Rote Fahne" in Aussicht gestellt hat, auf der Liste der Firma Gohlicke erscheint. Drolat erllärte, die Drüder ©klare! hätten seiner F r au um Weihnachten 1928 d i e Pelzfirma Gohlicke empfohlen. Daraufhin hätte Frau Drolat bei der Firma einenPelzim Werte von 2000 Mark bestellt. Als die Firma Herrn Direktor Drolat keine Rechnung sandte, stellte sich heraus, daß einer der Drüder Sklarek den Pelz der Frau Drolat bereits bezahlt batte. Drolat habe, so erklärte er, den Sklareks daraufhin schwere Vorwürfe gemacht und zu wiederholten Malen versucht, den Detrag zurückzuerstatten. Im März 1929 habe er einem der Brüder Sklarek die 20 0 0 Mark in die Tasche gesteckt und erklärt, daß er nun jeden Verkehr mit den Brüdern ©klare' abbreche. Eine Quittung über die 20v0 Mari habe er leider von
Oer Schriftsteller Lampel verhaftet.
Linier Verdacht der Beteiligung an einem Fememord.
Berlin, 8. Rov. (WTD.) Der Schriftsteller und Dramatiker Martin Peter Lampe l, dessen Dramen „Revolte im Erziehungshaus", „Giftgas über Berlin" und „Pennäler" wegen ihrer radikalen Einstellung wiederholt Veranlassung zu Kundgebungen gegeben hatten, wurde heute früh von der Berliner Politischen Polizei wegen Mordverdachtes verhaftet. Lampel, der ursprünglich rechtsradikalen Organisationen angehörte, jetzt aber durch seine linksradikalen Anschauungen huldigenden Werke bekanntgeworden ist, steht im Beröacht, der Beteiligung an einem etwa acht Iahre zurückliegenden Fememord. Es handelt sich dabei um einen Mordfall, der erst kürzlich unter eigenartigen Umständen an das Licht der Oesfentlichkeit gekommen ist. Im Verlauf des Ehescheidungs- Prozesses des Rittergutsbesitzers Freiherr v. Richthofen auf Gut Kohlhöhe bei ©triegau erfolgte eine Anzeige von einer dem Gutsbesitzer bisher nahestehenden Seite, wonach sich im Iahre 1921 a u f dem Besitz Richthofens ein sogenannter Fememord ereignet habe. Auf dem Gut Kohlhöhe war eine Abteilung ehemaliger Daltikumer, die größtenteils dem Freikorps „Oberland" ange» hörten, unter gebracht und zwar unter Führung eines gewissen Müller, der sich „Leutnant Drand^ nannte. Bei dieser Abteilung befand sich ein Daltikumer Fritz Köhler, der unter dem Ramen „von Lancken" auf trat. Köhler geriet eines Tages bei feinen Kameraden in Verdacht, daß er die Anwesenheit der Selbst- schuhformationen verraten habe und nach den bisherigen Feststellungen soll er daraufhin, bei einer unter Führung Müllers mit drei weiteren Daltikumern unternommenen Autofahrt er - schossen und in der Gegend von Reustadt In Schlesien im Walde verscharrt worden sein. Das Geständnis eines der ‘Beteiligten hat bereits zu der Verhaftung des Kommando-
sührers Müller geführt und es scheint, als ob dessen Aussagen schwer belastend für Lampel seien, der auch zu dieser Abteilung gehört haben soll. Lampel wird morgen vormittag nach L i e g n i h übergefuhrt und in das dortige Gerichtsgefängnis eingeliefert werden. Durch vorzeitige Pressemeldungen sind zwei weitere Personen, die an dem Fememord beteiligt waren, geto amt worden und halten sich verborgen.
Die Verhaftung lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf das wechselvolle politische Sch i df al, das dieser Schriftsteller gehabt hat. Seine Vergangenheit ist ungemein phantastisch. Rachdem er im Rovember 1918 aus dem Felde zurückgekehrt war, hospitierte er zuerst bei den Kommuni st en, schloß sich aber dann zwei Iahre später dem oberschlesischen Freikorps Oberland an. Darauf nahm er Dienst beim Arbeitskommando, um dann 1923 als Zeitfreiwilliger gegen das sozialistisch-kommunistisch regierte Thüringen zu marschieren. Er gehörte eine Zeitlang auch der thüringischen Schutzpolizei als Leutnant an, in der er eine sehr zweifelhafte Rolle im Zusammenhang mit der Affäre des Polizeimajors Müller-Drandenburg gespielt hat. Lampel beschuldigte seinen Poli^eimajor des Betrugs und Landesverrates und des geheimen Einverständnisses mit den Kommunisten. Schließlich wurde dann Lampel als Psychopath erkannt und seine Anwürfe als nicht glaubhaft hingestellt. In der Freikorpsbewegung hat Lampel eine ziemliche Rolle gespielt. Kurz vor dem Kapp-Putsch marschierte er mit einigen hundert Freischärlern nach Berlin, seine Truppen wurden jedoch am Anhalter Bahnhof entwaffnet. Die Folge seines Fiaskos in der Rechtsopposition war sein erneuter Anschluß an ultralinke Kreise.
den Sklareks nicht erhalten: diese mühten jedoch den Empfang bestätigen. Rach Verhaftung der Brüder Sklarek habe er, Drolat, der Pelzfirma mitgeteilt, daß die 2000 Mark an die Sllareks abgeführt worden seien. Ein Pelzmantel für seine, Drolats, Tochter sei unglücklicherweise von der Firma Gohlicke gerade einige Tage nach der Verhaftung der Drüder ©klare! geliefert worden, aber diesen Pelz habe ec für eigene Rechnung bestellt. Vorteile seien ihm von den Brüdern ©klare! nicht gewährt worden.
Vorläufig kein Rücktriitsentschluß des Oberbürgermeisters.
Berlin, 7. Nov. (Wolff.) Zu der Nachricht, daß Oberbürgermeister Böß aus den Vorkommnissen in der gestrigen Stadtverordnetenversammlung d i e Konsequenz ziehen und seinen sofortigen Rücktritt erklären würde, erklärt das „8-Uhr-Abendblatt", dies fei nicht der Fall. Oberbürgermeister Böß habe keine derartige Erklärung abgegeben. Oberbürgermeister Böß wolle seine weiteren Entschlüsse von dem Ausgang des Disziplinarverfahrens abhängig machen. Ob die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag den MißtrauensantragderKommu» n i st e n endgültig verabschieden kann, ist noch ungewiß. Die Mehrheit ist vorhanden, und die Stellungnahme der Fraktionen in einem Punkte völlig klar: Sie verlangen, daß Oberbürgermeister Böß von seinem Posten scheidet. Es besteht aber immer noch die Möglichkeit, daß die Stadtverordnetenversammlung wieder vor der Abstim- mung a u f f l i e g t.
Eine weitere Beamtenbank stellt die Zahlungen ein.
Don der Leitung der Reichsbundbank A.-G. wird mitgeteilt: Infolge all gerne inet Beunruhigung in der Beamtenschaft wegen der bekannten Ereignisse der letzten Zeit hat ein ftarfer Ansturm auf die Reichsbundbank A.-G. stattgefunden. In wenigen Tagen wurden ebenso hohe Geldbeträge abgehoben wie sonst in einem ganzen Monat. Die Reichsbundbank ist in Schwierigkeiten geraten und wird den Antrag auf Eröffnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens stellen, um eine gleichmäßige Berücksichtigung aller Gläubiger zu erzielen. Cs können daher einstweilen Auszahlungen nicht stattfinden. Die Depots an Wertpapieren sind vollständig vorhanden. — Im Zusammenhang mit der Zahlungseinstellung der Reichsbundbank erflärt derGesamtvorstand des Reichsbundes der höheren Beamten: Zwar ist der Reichsbund der höheren Beamten als Organisation für die eingetretenen Verluste der Dank, die eine selbständige Aktiengesellschaft ist, nicht haftbar, aber er wird, soweit Mitglieder des Reichsbundes der höheren Beamten und deren Angehörigen als Kunden der Reichsbundbank geschädigt sind, versuchen, den Geschädigten nach Möglichkeit zu Helsen.
Wie daS „Berliner Tageblatt" mitteilt, wurde bereits in der Generalversammlung der inzwischen liquidierten Kreditbank für Industrie und Landwirtschaft Mitte September festgestellt, daß die „Reichsbundbank" eine hohe Forderung an die Kreditbank für Industrie und La n dwirtschaft hatte. Tatsächlich hat die Reichsbundbank feit längerer Zeit eine Forderung an die Kreditbank für Industrie und Landwirtschaft von nicht weniger als rund 2,5 Millionen Mark gehabt, eine Summe, die inzwischen durch Zinsen sehr erheblich angewachsen ist. Iedenfalls steht fest, daß die Schwierigkeiten ausschließlich auf diese Geschäftsverbindung zurückzu- führen sind, die bereits ungefähr seit der Zeit der Gründung der Kreditbank für Industrie und Landwirtschaft bestand und die man erst im Iahre 1926 zu losen suchte, als dieses Institut in eine sehr kritische Lage geriet. Trotz der Lösung der Beziehungen blieb die außerordentlich hohe Forderung an die Bank bestehen, die allerdings seinerzeit durch Sicherungen gedeckt gewesen sein soll. 3m Zusammenhang mit der allgemeinen kritischen Situation ist nach und nach d i e Deckung auf ein RichtS zusammen- geschmolzen Die Verbindlichkeiten der Reuchsbundbank betragen freute bei einem
Aktienkapital von nur 620 000 Mark rund fünf Millionen Mark. Cs stehen allerdings den Passiven auch Sicherheiten gegenüber, die aber sicherlich in gar keinem Verhältnis zu den Schulden stehen. So wird als Aktivposten eine Summe von rund 700 000 bis 800 000 Mark angegeben, die in Darlehen an Beamte besteht
Oie Beisetzung des Prinzen Max von Baden.
Salem, 8. Rov. (TU.) Eine außerordentlich große Menschenmenge hatte sich am Fre tag in Salem eingefunden, um an den Deisetzungs- feierlichteiten für den verstorbenen Reick^kanz- ler, Prinzen Max von Baden, teilzu- nehmen. Bis 14 Uhr war der Detsaal des Schlosses vom Publikum dicht besetzt, das noch von dem verstorbenen Prinzen Abschied nehmen wollte. Außer den amtlichen Vertretern sah man noch u. a. die Herzogin und die.. Prinzessin Olga von Cumberland und viele ©tandesherren. Die Großherzogin von Luxemburg hatte einen Vertreter entsandt. Kurz nach 14.30 Ahr betrat Prinzessin Mc» von Baden am Arme ihres Sohnes Berthold und in Begleitung ihrer Tocktw und ihres Schwiegersohnes den Detsaal. Prälat D. ©chmitthenner aus Karl: ruhe hielt die Trauerrede und erwähnte u. a. die große Liebe des Verstorbenen zum Voll. Er hob hervor, daß Prinz Max in jenem kritischen Augenblick des Weltkrieges in opfermutiger Dere:twillig- keit das Amt des Reichskanzlers übernommen habe.
Es folgte nach einigen Liedern ein kurzes Gebet, worauf der ©arg, der mit der badischen Fahne bedeckt war, auf den mit sechs Pferden bespannten Leichenwagen getragen wurde. Den Zug eröffneten Schüler und Schülerinnen der Schloßschule, die die vielen Kränze trugen. Danach folgte die katholische Geistlichkeit aus der Amgegend sowie Prälat D. ©chmitthenner in Begleitung des gesamten evangelischen Oberkirchenrats. Run kam ter ©arg, hinter diesem Prinzessin Max von Baden mit ihrem Sohne Berthold und den übrigen Verwandten, darunter dem Prinzen Adalbert als Vertreter des ehemaligen Kaisers, schließlich ReichsemährungS- minister Dietrich als Vertreter ter Reichs- regietung, ReichstagspräNtent Löbe, Staatspräsident Dr. Schmitt, Innenminister Dr. R e m m e l e, Kultusminister Dr. Leers sowie Vertreter der Anivcrs'f.ten Heidelberg und Freiburg s owie der Technischen Hochschule Karlsruhe. Auch Oberbürgermeister Dr. Sinter (Karlsruhe) sowie Landtagspräsident Dr. Baumgartner mit einer großen Anzahl von Abgeordneten nahmen am Trauerzuge teil. AuS ter Umgebung waren die Bürgermeister ter einzelnen Gemeinden und eine unübersehbare Srauergemeinte vertreten. Auf dem Friedas wurde der Sarg in das offene Grab gesenkt. Prälat D. ©chmitthenner sprach das Gebet, die Gemeinde sang Trauerlieder und damit war die Trauerfeier beendet. Unter den Kränzen befand sich, an hervorragender Stelle liegend, der Kranz teS Reichspräsidenten von Hindenburg und ter Kranz der Re ichS- regierung.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Das ausgedehnte Regengebiet, das der Ausläufer der südlichen Störung mit sich führte, hat unseren Bezirk bereits in ten gestrigen Abendstunden und während der verfloßenen Rächt überquert. An der Südseite des Fallgebietes werden kühlere ozeanische Luftmassen wieder Temperaturrückgang verursachen. Dadurch kommt es zum Durchbrechen der Wolkendecke, so daß wieder, wenn auch mehr vorübergehend, Aufheiterung eintritt. Da von Südwestcn her der Luftdruck ansteigt, so dürfte unter seinem Einfluß, besonders nachts, mehr Aufklaren eintreten und somit eip Sinken der Temperaturen bis in Gefrierpunktsnähe zu erwarten fein.
Wettervoraussage für Sonntag. Wechselnde Bewölkung mit vorübergehender Aufheiterung: wieder kühler, bei nächtlichem Aufklaren Rachtfrostgefahr, keine oder nur vereinzelt geringe Schauer.
Witterungsaussichten fürMontag. Stellenweise nebelig, tagsüber teils heiter, leifs wollig, Rachtfrostgefahr.
Lufttemperaturen am 8. November: mittags 6,8 Grad Celsius, abends 7 Grad: am 9. November: morgens 8,1 Grad. Maximum 8,2 Grad, Minimum 3,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. November: abends 6,2 Grad: am 9. November: morgens 6,2 Grad Celsius. — Niederschlag 3,4 mm, — Son- nenjcheindauer Y» Stunde.


