ausgezeichnet haben, was vor ollem in den Mittel- ktasjen ganz unmöglich ist, weil dort Pubertätserscheinungen auch recht wertvollen Kindern vielfach die Arbeit erschweren, wobei noch ganz außer Betracht bleiben soll, daß derjenige, der aus bedrückten Verhältnissen stammt, überhaupt mühsamer arbeitet, als der mehr vom Schicksal begünstigte. So bleibt als Ergebnis dieser Seite der Betrachtung eine geradezu empörende Vergewaltigung bildungswilliger Familien durch die öffentlichen Instanzen, gegen die dem einzelnen keine Abwehrwafse gegeben ist, er müßte denn die Schulausbildung seiner Söhne und Töchter jählings obbrechen.
Wie aber fahren nun diese öffentlichen Instanzen bei der Schulgelderhöhung? An der mir zur Leitung anvertrauten Schule habe ich errechnet, daß die Neuregelung einen Mehr eingang an Schulgeld von 25,5 Prozent ergeben wird. Eine genaue Übertragung auf die Gesamtheit der höheren Schulen ist nicht ohne weiteres möglich. Wo mehr Nichthessen sind (so _ in der Oberrealschule Gießen), muß eine noch höhere Prozentzahl herauskommen, wo fast keine sind, eine geringere. Bei Nichtvollanstalten liegt sie vermutlich unter 20 Prozent, doch beträgt deren Gesamtschülerzahl höchstens ein Achtel der Schüler in höheren Schulen Hessens überhaupt. Selbst wenn hie und da noch eine Freistelle vergeben werden sollte, wird der Finanzminister im nächsten Staatsooranschlag ein „Mehr" an Schulgeld «insetzen können, das näher an 25 als an 20 Prozent liegt, es sei denn, daß eine Verzweiflungsflucht aus einem Teil der Anstalten eintritt. Der letzte Staatsvoranschlag hatte eingesetzt: bei Kapitel 61 (Gymnasien, Nealaym- nahen, Oberrealschulen und Realschulen) 2 009 234 Mark, bei Kapitel 61a (Aufbauschulen) 34 000 Mark (sehr viele Freistellen!), bei Kapitel 62 (Höhere Bürger und Mädchenschulen) 816 025 Mark, zusammen rund 2 860 000 Mark. 25 Prozent davon wären 715 000 Mark, 20 Prozent wenigstens 572 000, zwischen beiden Zahlen, sagen wir bei ungefähr 650 000 Mark, muß der Ertrag der Erhöhung für das kommende Rechnungsjahr liegen. Um ihn erhöhen sich die Einnahmen der Schulkassen, um ihn sinken demnach die Zuschüsse des Staates und der Städte. Der Zweck der Maßregel wird hiermit ersichtlich: sie soll das Millionenleck stovfen helfen, das den Kurs unseres Staatsschiffes gefährdet. (Andere Verwaltungsmaß- nahmen dienen gleichem Zweck, so z. B. eine Erhöhung der Vermessungsgebühren.) Auf diese Weise erzielt man ohne Befragung der Volksvertretung Einnahmen, wie sie sonst nur eine beträchtliche Steuererhöhung liefern könnte, die der Landtag bewilligen müßte Der Weg ist, wie jeder zugeben muß, bequemer; die Frage ist lediglich, ob er auch gerechter und demokratischer (beides sollte dasselbe sein!) ist. Jedenfalls bürdet er wenigen und wenig kräftigen Schultern Lasten auf, die weit über das hinausgehen, was Leute mit höherem Einkommen als gesamte Steuerleistung aufbringen. Man tut immer noch, als ob man die höhere Schule für die „Reicheleutsschul" hielte, die sie nie war und heute weniger als je ift. Man macht seelenruhig den Artikel 146 der jungst so begeistert gefeierten R-ichsverfassung zu schänden; man geht mit stillem Lächeln über die Tatsache hinweg, daß Dienst an des Volkes Zukunft leistet, wer Kinder erzieht und sie s o erzieht, bc.*'} sie möglichst viel später leisten können. Man wird ältester und bester hessischer Ueberlieferung untreu, obgleich man bei jeder Gelegenheit betont, daß man ein A"tasten unserer kulturell-'N Belange unter keinen Umständen dulden werde Man tut in praxi, was man theoretisch verabscheut.
Das war kein Heldenstück, Octavio? Auf diese Weise also faniert man Hessens Staatsfinanzen! Der schlichte Staa/sbürger hat sich eigentlich den Weg anders gedacht; er hoffte, daß ein Anbau von Staatsaufgaben und eine Vereinfachung der Staats- verwa^una im weitsten Sinne für den Staatshaushalt Gesundung, für jeden einzelnen aber die lebensnotwendige Entlastung bringen werde. Am grünen Tisch denkt man anders und fängt die Kur
Dämonen der Zeit.
Vornan von Arthur Brauservetter.
25 Fortsetzung. Nachdruck verboten
„Ich habe Sie mit Absicht dieser geschäftlichen Auseinandersetzung beiwohnen lassen," sagte er, indem er neben mir Platz nahm, „Sie haben dadurch einen Einblick in meine Tätigkeit erhalten, wie sie sich Tag für Tag abspielt. Der Morgen gehört der Landwirtschaft. Der Kämmerer ist ein tüchtiger Mann. Aber er vermag nur nach meinen Anordnungen zu handeln, was ich als einen Vorzug betrachtet habe, dann bearbeite ich bis zum Mittagessen hier mit meinen Beamten die geschäftlichen Eingänge. Des Aachmiitags reite ich noch einmal in die Wirtschaft oder in meine Forsten und erledige dann wieder hier die notwendigsten Dinge, bei denen Sie stets zugegen zu sein hätten. Sehr oft aber bin ich auf Reisen und brauche daher einen zuverlässigen Vertreter, zu dem ich Sie erwählt hab:."
Er sprach ohne jede Pause. Rasch, als müßte er auch für seine Worte die Sekunden zählen, zugleich aber in kühler Ruhe, als gäbe es nichts, das ihn in Erregung zu bringen vermöchte.
Och erwiderte, daß ich mich auf eine ganz andere Tätigkeit bei ihm eingestellt hätte und hauptsächlich deshalb zu ihm gekommen wäre, weil ich den früher betriebenen und mir lieb- gewordenen Beruf als Landwirt wieder, auf - nehmen woNte.
„Dem steht nicht das geringste entgegen," meinte er, brach einen Augenblick ab, nahm einen kleinen Papierblock aus der Westentasche und schrieb sich einiges auf, das ihm wohl gerade eingefallen war. Sein Kops schien immer mit mehreren Dingen zugleich beschäftigt zu fein.
„Sie haben die frühen Morgenstunden und einen großen Teil des Rachmittags für Ohre landwirtschaftliche Betätigung zur Verfügung. Kämmerer wird Ohre Begleitung und Hilfe willkommen sein. Och werde ihn demgemäß bescheiden."
„Och habe aber wenig Reigung, der Begleiter und Helfer Ohres Kämmerers zu sein. Och glaubte, eine selbständige Tätigkeit hier zu finden."
Der entschiedene Ton. mit dem ich ihm entgegnete, schien ihm nicht zu gefallen. Widerspruch schien er ebensowenig gewohnt zu sein, denn er sah mich mit seinen Karen, nüchternen Augen fast verdutzt an.
„ilnb auch dazu wird sich Rat finden. Aber Sie vergessen, daß sich, wie alle andere Arbeit, auch die landwirtschaftliche flarl verschoben hat, daß es heutzutage so sehr viel wichtiger ist. ein
am entgegengesetzten Ende an. Man weiß, daß der Patient geduldig ist und ein zähes Leben hat. Aber — man verzeihe mir den harten Ausdruck! — eine Schinderei bleibt's doch!
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
gck. Großen-Duseck. 6.Sept. Gestern fanden auf dem hiesigen Sportplatz die Reichsjugendwettkämpfe der Volksschulen von Alten-Buseck, Burkhardsfelden, Großen-Buseck und Trohe statt. Die Oberstufe maß sich in 100» Meter-Lauf, Schlagballweitwurf, Weitsprung, deutschem Dreisprung und Kugelstoßen. Die Vorstufe hatte nur drei Hebungen, Weitsprung, Schlagballweitwurf und 75-Meter-Lauf zu bestehen. Für die Mädchen waren die Liebungen der Vorstufe mit milderen Bedingungen vorgeschrieben. Die Anforderungen waren gegenüber denen des Vorjahres teils heruntergedrückt, sodaß man eine freudigere Teilnahme der Kinder beobachten konnte. On der Oberstufe wurden folgende Preise erzielt: 1. E. Drück (Trohe), 124 Punkte; 2. E. Volk (Großen-Duseck), 120; 3. Hch. Oung (Trohe), 94; 4. Wilh. Rohrbach (Großen-Duseck), 92; 5. W. Schmidt (Burkhardsfelden) und Karl Einhäuser (Alten-Buseck), 86; 6. K. Reinschmidt (Großen-Duseck), 81; 7. Hch. Siegfried (Großen-Duseck), 79; 8. K. Hofmann (Burkhardsfelden) und Gustav Erb (Großen- Duseck), 77; 9. Rob. Henkel (Burkhardsfelden), 68 Punkte. Unter den Mädchen erzielten Marg. Pfeiffer (Großen-Buseck) mit 67 Punkten den ersten, und Frieda Kinzenbach (Großen-Duseck), mit 65 Punkten den zweiten Preis. On der V o r - stufe (Jahrgänge 1917/18) erhielt den ersten Preis K. Donarius (Großen-Buseck) mit 64 P.; 2. Hch. Döll (Trohe), K. Rebeling (Burkhardsfelden) und W. Rahn (Trohe), 57; 3. W. Menz (Burkhardsfelden), 56; 4. F. MüUer (Großen- Duseck), 55; 5. L. Vogel (Alten-Duseck), 54; 6. K. Schepp (Durkhardsfelden), 53; 7. Hch. Rein- schmidt (Großen-Duseck), 52; 8. W. Dambmann (Großen-Duseck) und E. Däusing (Durkhardsfelden), 51; 9. L. Licher (Trohe) und Fr. Döring (Durkhardsfelden), 50; 10. O. Dort (Großen- Duseck), 49; 11. W. Harbach (Großen-Duseck), 47; 12. Emil Vogel (Trohe) und Karl Volk (Großen-Duseck), 45 Punkte. On der 4 mal 100 - Meter - Stafette erhielt Trohe mit 64 Sekunden den ersten Platz. Es folgten Alten- Buseck mit 64,6, Großen-Buseck mit 65 und Durkhardsfelden mit 65,4 Sekunden. Die Leitung der Wettkämpfe lag in den Händen des Rektors O n d e r t h a l (Großen-Duseck).
* Grünberg, 9. Sept. Am Samstag erfolgte der Abtrieb des Oungviehes auf der nahegelegenen Oun gweide Warthof. Onsgesamt wurden 125 Rinder der Vogelsberger und Simmentaler Rasse, sowie 25 Fohlen wieder ihren Desihern übergeben. Die Tiere zeigten trotz des geringeren Futterwachstums infolge der Trockenheit ein gutes Aussehen und recht beachtliche Zunahmen; so wurden solche bei Sim- mentalern bis zu 140 Kilogramm festgestellt. Es dürfte nach nunmehr dreijährigem Weidebetrieb der Beweis erbracht sein, daß sich das Warthofgelände vorzüglich als Weide eignet unb bie Landwirtfchaftskammer mit ber Anlage einen recht guten Griff getan hat.
][" Garbenteich, 7. Sept. Unsere Gemeinbe zählt zu ben wenigen Orten des Kreises, bie noch ohne Wasserleitung sind. Dieser Mißstand wurde in diesem trockenen Sommer besonders hart empfunden, da einige Brunnen versagten. Rach dem Kriege hat sich Garbenteich an den Dorfenden erheblich vergrößert. Die Bewohner dieser Reubauten haben das Wasser besonders weit zu holen. Es wird deshalb allgemein begrüßt, daß der Gemeinderat nun endgültig beschlossen hat, den Dau einer Wasserleitung unverzüglich in die
Wege zu leiten. Da ber Brunnen auf dem Dorfvlatz sehr gutes und auch weitaus genügend Wasser für die Leitung liefern würde, was von maßgebender ©teile geprüft worden ist, so wäre die Frage der Wasserbefchassung gelöst. Man hofft, die Anlage in zwei bis drei Oahren in Betrieb zu nehmen.
• Hungen, 6. Sept. Vorigen Sonntag besuchten der Kirchengesangverein und ber Pos aunenchor aus Ober-Mockstadt ihren früheren Pfarrer und Leiter, Pfarrer Dock, dahier. Unter Leitung von Lehrer F i ch wirkten sie vormittags im Gottesdienst mit, während am Rachmittag beim Tempelchen im Rod noch ein Konzert im Freien veranstaltet wurde, bei dem ebenfalls bie gute Schulung der Chöre beobachtet werden konnte. Ein malerisches Dild war es, wie die zahlreichen Zuhörer sich ringsum gelagert hatten, jedes schattige Plätzchen unter Baum und Strauch ausnützend. Den Gästen scheint es sehr gut in unserem Städtchen gefallen zu haben, wo ihnen auch von feiten Der -Einwohner freundliche Bewirtung zuteil wurde.
A Hungen, 7. Sept. Rachdem durch Beschluß des Stadtvorftandes gegenwärtig die Gießener Straße und Kaiser st ratze in einen tadellosen Zustand gebracht werden, hat er in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, auch noch die Bahnhofstraße in gleicher Weise herstellen zu lassen. Dieser Beschluß ist mit Freude zu begrüßen und zeugt von einem fortschrittlichen Geiste. Rach Beendigung der Arbeit dürften die Straßen eine Zierde der Stadt und die schreckliche Staubplage beseitigt sein.
s. Aus dem Horlofftal, 8. Sept. On unseren Ortschaften hat allgemein bie Ernte des Frühobstes begonnen. Die Früchte finb durch die anhaltende Trockenheit durchweg klein geblieben, dagegen in der Qualität gut Besonders versprechen die Z w e t s ch e n sehr süß zu werden. Wer sie selbst pflückt und liefert, erhält 6 Mark für den Zentner. Wo frühe Sorten gepflanzt werden, sind die Dörfer bereits vom Dust ber ersten Zwetschenkuchen erfüllt. Auch frühe Aepsel finden Käufer, dagegen ist es um den Absatz der Birnen, soweit es fich nicht um große Tafelsorten handelt, schlecht bestellt. Bei Versteigerungen kommt es vor, daß man für eine Mark mehrere Bäume haben kann, auf manche Sorten wird überhaupt nicht geboten. Obstzüchtern, wie Gemeinden wird mit der Zeit nichts anderes übrig bleiben, als Birnbäume durch anderes Obst zu ersehen, so bedauerlich auch das Verschwinden gerade mancher Birnbäume aus dem Landschaftsbild wäre. Ganz auffallend ist die Häufigkeit wurmstichi- gerFrüchte, bie infolge Rotreife vorzeitig abfallen. Da auch infolge der Trockenheit viel Obst unreif abfällt, dürften sich die anfänglich guten Aussichten der Spätobsternte wesentlich verschlechtern. Die Weintrauben an den Hausspalieren weisen, soweit sie ber Winter nicht vernichtet hat, starken Behang auf. Die „Frühe Burgunder" ist an Südwänden bereits reif unb sehr süß geworben. Einen außergewöhnlich guten Ertrag versprechen in diesem Oahre die Rußbäume. Ohre Zahl ist jedoch durch den Krieg stark gelichtet worden.
Kreis Schotten.
I Ober-Lais, 7. Sept. Die Folgen ber außerordentlich lange anhaltenden Dürre machen sich täglich mehr bemerkbar. Auf ben Ranbhöhen unseres Talkessels beginnen bie Buchen sich herbstlich zu färben. Einzelne infolge ber Feldbereinigungsarbeiten in diesen Tagen gefällte Buchen erwiesen sich als völlig saftlos wie im strengsten Winter. Ob st bäume auf steinigem Boden sind fast völlig verdorrt. Den ganzen Umfang' ber Dürreschäben am Baumbestände in Wald und Feld wird man erst im nächsten Frühjahre übersehen können. Das Obst, insbesondere bie Dirnen, finb ohne jeden Saft. Die nun beendete Grummeternte war im Ertrag sehr gering.
Ein großer Teil der Wiesen ist völlig Braun gebrannt Die Futterknappheit wird von Tag zu Tag größer, zumal auch die ziemlich reichlich ausgestellte Stoppelsaat infolge der Dürre die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt hat. Der Ausdrusch des Getreides ergibt hier im allgemeinen befriedigende Erträge; nur beim Hafer macht sich bie Einwirkung ber Dürre in einer Ertragsminderung bemerkbar.
Kreis Büdingen.
I Fauerbach bei Ridda, 7. Sept. On- solge der anhaltenden Dürre leidet auch unser Dors gegenwärtig unter Wassermangel. Zu gewissen Tagesstunden wird das Wasser abgestellt. Die Quellen unserer Wasserleitung liegen in ber Gemarkung Ober-Lais unb speisen auch bie bortige Leitung. Auf bem Wege zum hiesigen Hochbehälter hat bie Leitung eine Anhöhe zu übertoinben, woburch bei nieberem Wasserst anbe unb geringer Schüttung ber Quellen bie Füllung unseres Hochbehälters sehr erschwert wirb.
Starkenburg.
WSN. D a r m st a d t, 7. Sept. Infolge der außerordentlichen Trockenheit und der Knappheit an Grünfutter haben die Milchlieferoereinigungen der Provinz Starkenburg und die Milchhändler beschlossen, um der Gefahr einer weiteren Milchknappheit vorzubeugen, den Verbraucherpreis der Milch u m 2 Pfennig pro Liter zu erhöhen.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
# Atzbach, 6. Sept. Aus der jünasten Sitzung der Gemeindevertretung ist folgendes zu berichten: Zu dem Bau einer Landjäger- Dienstwohnung in der Nachbargemeinde D u • tenhofen bewilligt die Gemeinde einen einmaligen Zuschuß. Für die hier bestehende Kleinkinderschule die nur .notdürftig untergebracht ist, plant man den Bau eines neuen Heims. Die Gemeindevertretung bringt diesem Plane volles Interesse entgegen, kann jedoch an den Bau nur denken, wenn die Gemeinde hinreichend unterstützt wird. Don Staat und Kreis sind denn auch Beihilfen in Aussicht gestellt, und deshalb hat die Vertretung zunächst der Anfertigung eines Projekts über den geplanten Neubau zugestimmt.
Amtsgericht Gießen.
• Gießen, 3. Sept. Ein Vergehen, bad schon eine Reihe von Oahren zurückliegt, fanb erst heute seine Sühne. Cs handelte sich um Krebit- betrügereien, wie sie bamals in Menge vorkamen. Die Opfer waren — unb finb es auch jetzt wieder — vertrauensselige auswärtige Firmeninhaber, bie sich burch Desteller von Waren, angeblich Kaufleute, bie aber diesen Rainen nicht verbienten unb kaum eine Labeneinrichtung ihr eigen nennen konnten, in gröbster Weise täuschen ließen. Diese gaben sich in ihrer Korrespondenz burch Vordrucke auf Briefbogen, Umschlägen u. dgl. als Großkaufleute mit Bankkonten unb einem umfangreichen Geschäftsbetrieb aus unb verfügten auch über eine getoanbte kaufmännische Ausbrucksweise. Falsche Referenzen von Gesinnungsgenossen über die Besteller vollendeten dann die Täuschungen. All dies gilt auch von dem heutigen Angeklagten, der sich offenbar auf schiefer Ebene befand, die er aber jetzt verlassen zu haben scheint. Mit Rücksicht auf sein offenes Geständnis und die Verführung, der er erlag, erhielt er eine Gefängnisstrafe von drei Wochen, bie als durch bie Untersuchungshaft verbüßt erklärt wurden.
Die Verhandlung über einen ausgangs des Winters auf bem Seltersberg vorgekommenen Zusammenstoß zwischen einem Auto unb einem P f e r be s uhr w e rk vom Lande muhte
guter Geschäftsmann, als ein tüchtiger Landwirt zu sein."
Och bemerkte, bah ich beibes gewesen wäre.
Er lächelte, ein halb gleichgültiges, halb geringschätziges Lächeln.
„Sie sinb auch manches anbere gewesen —"
Unb als ich mein Erstaunen nicht zu verbergen vermochte, denn ich hatte in meinem kurzen Bericht an ihn nur bieser beiben Berufe Erwähnung getan: „Sie waren Solbat. Dann Land- toirt. Sie übernahmen bas große Geschäft Ohres Vaters. Mit wenig Glück. Sie traten in eine Holzfirma in Danzig ein. Sie führten bann ein Dohömeleben, waren Geiger in Lokalen unb Theatern, legten sich aufs Spekulieren unb zogen sich schließlich, bes stäbtischen Lebens müde, auf das Besitztum eines Freundes auf ber Danziger Höhe zurück, wo Sie sich aufs neue in Ohre frühere landwirtschaftliche Tätigkeit einzuarbeiten suchten "
Er machte sich wiederum einige Rotizen unb überließ mich mir selber.
„Sie tounbem sich," fuhr er bann fort, „daß ich gerabe Sie unter einer großen Zahl sehr beachtenswerter Bewerber ausgewählt habe. Och will Ohnen bie Erklärung geben: Och habe ber Beamten mit ber knöchernen Seele genug. Sie sinb bie Werke meines Willens unb müssen es fein. Aber ich brauche eilten Menschen, ber bas Leben kennt, ber einen weiten Blick, unb, was mir abgeht, eine künstlerische Phantasie hat, brauche ihn sowohl für meinen ländlichen wie für meinen geschäftlichen Betrieb. Sie werden hier genug Gelegenheit haben, Ohre Kräfte zu üben. Och lasse meinen Beamten, so wie ich es irgend kann, freie Hand. Geschäfte von Bedeutung erledige ich natürlich allein... doch es ist Zeit, sich zum Mittagessen fertig zu machen. Auf Wiedersehen!"
Wir aßen zu vieren in bem vom Mittagsonnenschein burdjfluteten Eßzimmer. Och bin ber einzige von ben Beamten, ber zur Tafel zugezogen wird.
Herr Hollwede zeigte bas sichtbare Bestreben, alles, was nur irgenbtoie an Geschäft ober Wirtschaft anflingen könnte, von ber Unterhaltung auszuschließen. Er erzählte von feinen Reisen, verbreitete sich über Danzig unb über sein Schicksal als Freistaat, das er nicht rosig ansieht. Man hatte aber immer das Gefühl, als wäre sein Kopf auch hierbei mit anderen Dingen beschäftigt. Seine Gattin ist eine noch gut aussehende Frau, vielleicht Anfang der Vierziger, die sich jugendlich lleidet, wenig ißt, viel spricht und noch mehr lacht.
Rur bie junge Dame bes Hauses ist still unb in sich gekehrt, unb wenn sie einmal etwas sagt ober zu einem Scherze bes Vaters lächelt, so merkt man beibem das Erzwungene an.
Lautlos reicht bet Diener die ländlich einfachen,
aber vorzüglich zubereiteten Gerichte, schenkt den Mosel in die dunkelgrünen Gläser.
„Es ist ein herrlicher Frühlingstag," meinte Herr Hollwede, als seine Gattin die Tafel aufhob, „ich mutz zu einer Aufsichtsratssihung nach Königsberg und habe das Auto zu drei Uhr bestellt. Du hast wohl in Rauschen zu tun unb nimmst ben Oagbwagen mit den Falben. Und da für heute nachmittag hier nichts vorliegt unb Herr Körber sich erst allmählich einarbeiten soll, so bietest du ihm gewiß gern einen Platz im Wagen an. Vielleicht begleitet dich auch Barbara."
Zvppot bleibt für mich das schönste aller Ostseebäder. Auch Rauschen, einen so großen Eindruck es auf mich machte, hat bie erste Liebe nicht verdrängt.
Zwei volle Monate bin ich hier. Die Felder stehen im Schmuck ihrer reichen Schätze, bie Wiesen in üppiger Reife, bet Roggen harrt golbschwer ber Sense, die bereits für ihn geschärft wird.
Es ist ein guter Sommer geworben. Dlahblau unb fast wolkenlos ist ber Himmel Tag für Tag über ber sruchtstrotzenben Erde gespannt, eine gesunbe sommerliche Hitze sengt herab, flirrt um die vollen Aehren und webt dampfende Dunste über die Unendlichkeit des wogenden Getreides, das prall und schwer in ber bewegungslosen Luft steht.
Wie ein König geht der Kämmerer durch seine Reihen, und wenn er so, bie Mühe meist in der Hand, in seiner straffen Haltung bahinschreitet, wenn sein gewaltiger braunroter Schädel wie Kupfer in ber Sonne glänzt unb ein frohstolzes Schmunzeln über die aufgeworfenen Lippen, das ganze, kaum gefurchte Antlitz gleitet, dann ist auch an ihm, wie an seinen Feldern alles prall und stark unb schwer. Unb ich mag ihn gern in seiner knorrigen, bem Boden entwachsenen Männlichkeit, ber, was er mit Fleiß gesät, jetzt mit Fleiß wieder erntet, der feinen anderen Gedanken, kein anderes Onteresse mehr kennt, als was hier draußen ber Hanb des Schnitters entgegenharrt, zur rechten Zeit in seine Scheunen zu führen, unb ich begleite ihn auf seinen Gängen unb bin ihm helfenb zur Seite, wo ich es irgend kann, und freue mich, bah er es gern sieht unb auf meinen Rat unb Deistanb Wert legt.
Freilich soviel Zeit,als ich wohl möchte, habe ich für ihn nicht. Deitn da drinnen in dem ernsten Geschäftszimmer hinter ben hohen Bogenfenstern unb ben dichtstäbigen Rolläden, bie ben aufdringlichen Sonnenstrahlen wehren sollen, wirb nicht weniger eifrig gearbeitet als brauhen. Herr Hollwebe bespricht mit mir bie Eingänge, gibt dem Sekretär seine Aufträge, bUtiert dem Schreibfräulein, nutzt die Konjunktur.
Er hat mit außerordentlichem Geschick kalkuliert: bie zwölf Waggons Mais, bie er bamals, halb gegen bar, halb auf Krebit kaufte, sind um einen so hohen Preis abgegeben, bah mich fast ein Schwinbel ankommt, wenn ich bie langreihi- gen Zahlen in meine Bücher schreibe. Ein Besitzer in ber Rähe, der es ihm nachmachen wollte, aber zu einer Zeit kaufte, als ein starkes Sinken ein- setzte, ist heute ein bankrotter Mann, ben Herr Hollwede, weil er ihn braucht, noch über Wasser hält.
Auch mit seinem künstlichen Dünger, seinem Kali, Phosphorsäure und Stickstoff, ben er, wie er gern hervorhebt, nicht zum Debarf, sonbern auf Spekulation beschafft hat, könnte er heute bereits einen Hausen Gelb verbient haben. Aber er gibt es ebensowenig ab wie feine Getreibe- Dorräte, weil er der Meinung ist, bah ber Höhepunkt ber Konjunktur noch nicht erreicht ist. Für seine Maiserträge hat er ein Dutzenb ausgesuchter zweijähriger Fohlen unb ein neues Auw gekauft, obwohl er seiner nicht bebarf. Och muh oft an seinen Ausspruch denken, daß es heutzutage wichtiger ist, ein guter Kaufmann zu sein, als ein tüchtiger Landwirt. Oedenfalls könnte ein Kaufmann niemals eine bessere Schule als bei diesem Grohgrundbesiher durchmachen.
Och aber will Landmann sein unb nicht Kaufmann. Fast jeden Morgen wache ich mit dem Entschlüsse auf, ihm zu kündigen. Dann wieder vermag ich mich bem Einbruck nicht zu entziehen, ber von seiner Person ausgeht. Seine weltmännisch verbinbliche Art, bie sonnige Fröhlichkeit. die sein ganzes Wesen durchstrahlt' unb die vielleicht mehr ein Erzeugnis seines Willens, als etwas ihm Ratürliches ist, die Sicherheit seines Wortes und Urteils, mit bem er stets unb welcher Gelegenheit es sei, .ben Ragel auf ben Kopf trifft, alles das gibt ihm etwas Siegendes und Starkes, wie ich es am Manne immer gern gehabt habe. Es arbeitet und verkehrt sich mit ihm ausgezeichnet, weil sein Sinn, von jeder Kleinigkeit entfernt, immer auf das Ganze und Grohe gerichtet ist.
Aber das ist das mir Unbegreifliche: auch dieser Mann, in dem soviel Kernhaftes und Deutsches wohnt, ist besessen vom Dämon ber Zeit. All sein Denken unb Trachten: Gelb. Der einzige Mahstab, den er an alles legt: Geld. Die letzte Frage, nach der er alles entscheidet, wiederum: Geld!
Och habe ben Dämon in anberer Gestalt bereits fennengelcmt: bamals in Danzig bei meinem alten Obersten. Aber so verheerend er dort auftrat, heute erscheint er mir klein gegen ben niebri* geren unb stärkeren zugleich, ber Gelb heißt Schließlich sinb wir alle wohl mehr ober minbet von ben Dämonen bieser Zeit besessen. Aber bet Beelzebub unter ihnen ist ber Mammon.
(Fortsetzung folgt.)
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ls dieser 8 -trahenst'^ <anw wül >-- 'ntcrung v Ange! 'Haltender und gab-! sbrrackige -
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