Regimes den Völkerbund in seiner Gesamtheit angehe.
Der Friede unter den Völkern werde umso besser gesichert sein, je mehr das unverzichtbare Men- schenrecht auf Muttersprache, Kultur und Religion unbeschadet der staatlichen Grenzen geachtet und geschuht wird.
Die Zeit werde hoffentlich nicht mehr fern sein, in der der Völkerbund sich für die Behandlung der Minoritätenfragen ein besonderes Organ schaffen wird, wie es für die Wirtschaftsund Mandatsfrage geschehen ist. Sn diesem Sinne habe auf der letzten Bundesversammlung der Vertreter der Niederlande den Gedanken einer besonderen Minderheitskommission angeregt, und der Vertreter der Schweiz habe diese Anregung mit Sympathie begrüßt. Der Völkerbund müsse sich dauernd mit der Frage befassen, wie seine Aufgabe, über den Schuh der Minderheiten zu wachen, gelöst wird. Deshalb sei es auch selbstverständlich, daß alljährlich die 6. Kommission die Fortschritte auf diesem Gebiete verfolge. Der Minister wolle davon absehen, in diesem Jahre die Behandlung der Frage in der 6. Kommission vorzunehmen, um. sich das Problem für die späteren Sahre vorzubehalten. Denn die Frage der Behandlung des Minderheitsproblems hänge nicht von dem Tempo der Verhandlungen ab, sondern von der Dauer und Intensität, mit der das Problem verfolgt wird.
Lin Staat, der den versuch mache, mit seinen Machtmitteln die Kultur der Minderheiten zu unterdrücken, würde sich dem verdacht aussehen, daß er sich zu schwach fühlt, die ihm angehörenden Völker zu regieren.
Dr. Stresemann sprach dann über die Frage der Neugestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa. Er teile nicht, sagte er, die grundsätzliche Skepsis der „Pränumerandopessimisten". Warum solle der Gedanke das zusammenfassen, was die europäischen Staaten einigen kann, von vornherein unmöglich fein? Freilich lehnte der Reichsaußenminister jede politische Tendenz gegen einen anderen Erdteil aufs entschiedenste ab. Dr. Stresemann schilderte dann die Grenz- verhältnisse Europas mit allen ihren Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem und verkehrstechnischem Gebiet, die in wenigen Jahrzehnten, so hoffe er, als ein mittelalterlicher Zustand angesehen würden. Er fragte:
IDo bleibl die europäische Münze? Wo die europäische Briefmarke?
Unb wenn es möglich ist, jetzt mit einer Ersparnis von zwanzig Lagen von Deutschland nach dem Fernen Osten zu gelangen, so mutet es doch merkwürdig an, daß es nicht möglich zu sein scheint, auch die wirtschaftlichen Grenzverhältnisse zu erleichtern, wie es einem modernen Europa entspricht. Ich möchte an dieser Stelle nicht über den politischen Inhalt des Versailler Vertrages sprechen, schloß Dr. Stresemann, und ich glaube auch, daß meine Stellungnahme dazu bekannt ist. Aber durch den Versailler Vertrag sind eine ganze Anzahl neuer Staaten geschaffen worden: man hat jedoch nicht daran gedacht, diese Staaten den modernen Verhältnissen entsprechend in das wirtschaftliche System Europas einzufügen. Ein großer deutscher Dichter hat einmal gesagt, daß jede große Idee zuerst wie eine Tollheit anmute. Ich lehne es ab.
die wirtschaftliche Vereinigung und Vereinfachung der europäischen Staaken
als eine Utopie anzusehen, ich halte es vielmehr für eine unbedingte Pflicht, in diese r Richtung zu arbeiten. Freilich wird sich diese Arbeit nicht mit Elan und Hurra lösen lassen, sie gehört vielmehr zu jener Tätigkeit, von der der Dichter sagt, daß sie „zum Bau der Ewigkeiten zwar Sandkorn nur an Sandkorn reiht, doch von der großen Schuld der Zeiten Minuten, Tage, Jahre streicht."
Starker Eindruck der Rede.
Genf, 9. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die heutige Vollversammlung zeigte von vornherein das Bild eines großen Tages. Die Tribünen waren bis auf den letzten Platz beseht. Ebenso waren alle Delegationen vollzählig erschienen. Bevor Dr. Stresemann anfing zu sprechen, wurde er von vielen Delegationsführern auf das herzlichste begrüßt. Seine Rede wurde häufig durch lebhaften und anhaltenden Beifall unterbrochen, der sich besonders in dem Teil, in dem Dr. Stresemann über die wirtschaftlichen Vereinigten Staaten von Europa sprach, verstärkte. Die Rede Dr. Strese- manns wurde durch Lautsprecher vor dem Reformationssaal auf die Straße übertragen, wo sich eine große Menschenmenge angesammelt hatte. Die Menge brach besonders während der französischen Llebersehung der Rede häufig in starken und herzlichen Beifall aus.
Die Rede Dr. Stresemanns wurde von den Delegierten mit größter Sympathie ausgenommen. Von allen Seiten wurde der Außenminister aufs herzlichste beglückwünscht.
Personalveränderungen in der Reichswehr.
Berlin, 7. Sept. (WTB.) Das Reichswehrministerium gibt die folgenden Personalveränderungen in den höheren Kommandostellen bekannt: Mit dem 1. Oktober dieses Jahres werden ernannt: Generalleutnant Freiherr Seutter von Löhen, Stab des Gruppenkommandos I, bisher beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandeurs der 5. Division und Befehlshabers im Wehrkreis 5, zum Kommandeur der 5. Divis i on und Befehlshaber im Wehrkreis 5 (zu dem auch Gießen gehört. — D. Red.): Generalleutnant Schniewindt, Kommandeur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 3. zum Kommandeur der 2. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 2: Generalmajor v. Stülpnagel, Chef des Heeres-Personal- amts, zum Kommandeur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 3: Generalmajor von Blomberg, Chef des Truppenamts, zum Kommandeur der 1. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 1; Generalmajor Frhr. v. Hammer- stein-Equord. Stab des Gruppenkommandos 1, zum Chef des Truppenamts
Mit dem 30. September d. 2. sch ei den aus: Generalleutnant Frhr. v. Esebeck, Komman-
Zwei schwere Schiffskaiasirophen.
Ein finnischer und ein dänischer Dampfer gesunken.—150 Tote.
Helfingfors, 7. Sepl. (WB.) Ueber eine furchtbare Schiffskataftrophe wird aus dem Seengebief von Tamm rsfors berichtet: Der finnische Dampfer „Ku r u“ mit nahezu 20C Passagieren an Bord, darunter viele Jrauen und Kinder, ist während eines Sturmes gekentert und innerhalb einer Minute untergegangen. Es ist damit zu rechnen, daß etwa 13 0 Menschen den Tod in den Wellen gefunden haben.
Weitere Einzelheiten
Berlin, 8. Sept. (TU. Funkspruch.) Nach einer Meldung Berliner Blätter aus Tammerfors zu dem großen Schiffsunglück waren bis Sonntagnachmittag etwa lOOTodesopfer geborgen. Noch immer werden Leichen an Land getrieben, zum großen Teil aus den Dörfern, deren Schulkinder in Tammersfors zur Schule gingen und den Sonntag zu Hause bei ihren Angehörigen verbringen wollten. Da fid)* viele Passagiere, besonders Frauen und Kinder, in den Kajüten befanden und nicht mehr rechtzeitig auf Deck kommen konnten, ist die Gesamtzahl der Opfer noch immer nicht mit Bestimmtheit festzustellen. Auf jeden Fall befanden sich über 150 Passagiere an Bord, 2 3 Personen sind gerettet worden, so daß man mit etwa 130 Toten rechnen muß. Der Kapitän des verunglückten Dampfers, der sich unter den Geretteten befindet, berichtete über den Hergang des Unglücks unter anderem, kurz nach 3.30 Uhr nachmittags feien mehrere bis zu zehn Meter hohe Wellen über das Schiff hinweggeschlagen. Die Passagiere seien ängstlich geworden und ein Teil von ihnen legte Rettungegürtel und Schwimmwesten an. Plötzlich habe der Dampfer eine Schlagseite erhalten, die vielleicht dadurch verstärkt worden sei, daß fast alle Passagiere nach der Leeseite (der dem Winde abgekehrten Seite) des Schiffes gelaufen waren. Der Dampfer legte sich ganz auf die Seite und auf Deck und in den Kajüten fei eine wilde Panik entstanden. Auf den schmalen Treppenaufgängen spielten sich, wie die Ueberlebenden berichten, herzzerreißende Szenen ab. Im Verlaufe von wenigen Sekunden sank das Schiff. Ehe der Dampfer „Tarjanne", der sich in der Nähe befand, am Unglücksplatz eintraf, waren die meisten bereits ertrunken.
In den finnischen Kirchen wurden am Sonntag Trauergottesdienste abgehalten. Die Leitungen erschienen mit breitem Trauerrand. In Tammersfors läuteten die ganze Nacht hindurch die
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Kirchenglocken. Alle Theater und Restaurants find geschlossen. Ganz Finnland .steht im Zeichen der Trauer.
Oer Untergang des dänischen Dampfers „Dan".
Königsberg, 8. Sept. (TU. Funkspruch.) Der 3500 Tonnen große dänische Dampfer „D a n“, der mit einer Kohlenladung am Freitagabend Dänemark verließ und nach helfingfors unterwegs war, ist am Samstag bei schwerem Sturm in der Danziger Bucht in Seenot geraten. Die SOS-Rufe des Dampfers enthielten keine Standorl- angabe und verstummten sehr bald vollständig. Eines der zur Zeit in Pillau liegenden Torpedoboote begab sich sofort auf die Suche. Auch ein in Travemünde angefordertes Wasserflugzeug suchte trotz des andauernden Sturmes die ganze Danziger Bucht ab, konnte aber bis Samstagabend keine Spur von dem Schiff finden. Schließlich gelang es dem Linienschiff „Hessen" in der Nacht zum Sonntag, ein Boot des dänischen Schiffes mit einem Mann der Besatzung zu bergen. Der gerettete Matrose war aber bis Sonntagmittag noch nicht vernehmungsfähig, so daß man auch jetzt noch keine Einzelheiten über die Katastrophe und über die Unsallslelle hat. Der Dampfer muß als verloren gellen. Die Besatzung betrug 21 Mann. Das Linienschiff „Hessen" und das Torpedoboot „Seeadler" setzten auch am Sonntag die Suche nach dem Schiff fort.
Nach Aussage ^es Geretteten ist der Dampfer mit der übrigen Besatzung gesunken. Das Schiff soll am 7. September kurz nach Mitternacht etwa 40 Seemeilen nordwestlich von Drüsterort untergegangen fein. Der Aeberlebende hat den Untergang beobachtet. In dem gefundenen Doot hatten sich zunächst fünf Mann befunden, von denen vier Mann heraus- gespült worden sind. Der Uebcrlebenöe will ein zweites Doot mit zwei oder drei Mann, darunter der Steuermann, in Lee unter Segel beobachtet haben. Die Besatzung des „Dan" bestand aus 21 Mann und der Frau des Steuermanns. Der Name des geretteten Matrosen ist Martin M e l m aus Dragör. Es wird auch die Vermutung ausgesprochen, daß der Dampfer bei Gostland auf eine Mi ne aufgelaufen ist.
Dr. Eckener über seine plane.
Einrichtung eines Zeppelin-Verkehrsdienstes zw schen Europa und Amerika.
Neuyork, 7. Sept. (WB.) Dr. Eckener, der im Lause des Nachmittags mit dem Hapag- dampfer „Neuyork" die Heimreise antritt, empfing im Hotel die Vertreter der Presse, denen er auf ihre Fragen nach feinen künftigen Plänen eingehend Auskunft gab. Dr. Eckener betonte, er habe in Amerika nur allgemeine Besprechungen mit Vertretern aller großen Bankgruppcn gehabt. Da das Luftschiff ein internationales Verkehrsmittel fei, müsse die Entwicklung aus internationaler Basis erfolgen. Endgültige Verhandlungen seien erst möglich nach weiteren Besprechungen mit der deutschen Interessentengruppe, der die Hapag und Großbanken, wie die Darmstädter und National-Bank und die Discontogesellschast angehörten. Diese Besprechungen, an denen auch Vertreter amerikanischer Interessenten teilnehmen, würden sofort nach der Ankunft in Hamburg beginnen.
Er habe bei den amerikonifchen Bantgruppen zum ersten Male ein wirkliches und ernsthaftes Interesse gesunden. Ein greifbares Ergebnis der Besprechungen in Amerika sei die völlige Verständigung mit dem Leiter der Goodyear Zeppelin Company, Litchfield, über eine enge Zusammenarbeit der amerikanischen Gesellschaft mit der Zeppelin - Luftschiffbau - Gesellschaft für die Einrichtung eines Zeppelindienstes Europa—Amerika und Europa—Südamerika.
Zunächst sei nur eine Linie Europa—Amerika geplant. Der amerikanische Endpunkt werde wahrscheinlich irgendwo südlich der Linie Baltimore — Washington liegen, da dort die meteorologischen Verhältnisse für Abslug und Landung am günstigsten seien. Der europäische Endpunkt werde sich gleichfalls aus Rücksicht aus die Wetterverhältnisse etwa in der Mitte Frankreichs mit guten Verbindungen nach Deutschland befinden. Bei Frankreich sei in dieser Angelegenheit nur leicht vorgefühlt worden. Die Sache fei zuerst nach der Notlandung in Cuers-Pierreseu besprochen worden. Dies sei ein gutes Resultat der damaligen Notlandung gewesen. Dr. Eckener betonte, er habe sämtliche Verhandlungen bis nach dem Weltfluge verschoben, um die letzten Zweifler von der Durchführbarkeit feiner Projekte zu überzeugen. Weiter erHärtc Dr. Eckener lächelnd, ehe die Transatlantik-Luftschifsdienst- Gefellschaft gegründet werde, fei natürlich noch umfangreiche Detailarbeit zu leisten, besonders wenn die Anwälte eingriffen.
Die Flotte für den Amerika-Europadienst mühte mindestens vier Schiffe umfassen. Die Einrichtung eines solchen Dienstes einschließlich einer Doppelhalle an beiden Endpunkten erfordere ein Kapital von etwa 15 Millionen Dollar. Alle vier bis fünf Tage müsse sowohl von Europa wie von Amerika aus die Abfahrt eines Schiffes erfolgen.
Natürlich werde man bemüht fein, für die Luft- fchifflinien Verträge mit der Postbeförderung zu erhalten. Beim Bau neuer Luftschiffe würden die bisherigen Erfahrungen ausgewertet werden. Der Schiffskörper würhe ärodynarnisch verbessert werden und kürzer und dicker fein. Die Paffagierkabinen werde man zur Erhöhung der Bequemlichkeit innen einbauen. Die Schiffe, die mit acht Motoren versehen würden, müßten eine Geschwindigkeit von etwa 110 Kilometer erreichen, so daß der Flug von Osten nach Westen etwa 45, der von Westen nach Osten etwa 65 bis 70 Stunden in Anspruch nehme. Die Tragfähigkeit werde man so bemessen, daß außer 24 Passagieren im Winter noch etwa 15 Tonnen Fracht mit Einschluß der Post, im Sommer 10 bis 12 Tonnen mitgeführt werden könne. Der Fahrpreis pro Passagier sei etwa mit 1000 Dollar anzufetzen.
Die Aufnahme des Betriebes werde kaum vor dem Jahre 1933/34 möglich fein, da das erste deutsche Luftschiff erst Ende 1931 vollendet werden könne.
1932 könne ein weiteres deutsches Luftschiff fertiggestellt fein. Da die Good Year Zeppelin Company zur Zeit zwei Luftschiffe für die amerikanische Marine im Auftrag habe, könne in Akron vor 1931 wohl kaum ein Luftschiff für den Transatlantikslug gebaut werden. Die Luftschiffe, deren Gasfasfungsvermögen 145 000 Kubikmeter betragen werde, würden in Zukunft mit Helium gefüllt, so daß sie ein völlig sicheres Verkehrsmittel darstellten. Der Südamerika- dienst werde über Pernambuco gehen. Für diese Linie stehe in Sevilla ein Flughafen zur Verfügung. Gegenüber dem „Graf Zeppelin", dessen Dimensionen durch die Verhältnisse der kleinen Friedrichshafener Halle bedingt gewesen feien, werde der neue Zeppelintyp eine größere Steuerfähigkeit aufweifen, die ein ruhigeres Fahren auch bei böigem Wetter ermöglichen werde. Angesichts dieser Derbesferungsmöglichkeiten könne man den „Graf Zeppelin" nicht als Ideal- luftfchiff bezeichnen. Günstige Lage des Lufthafens und Mechanisierung des Landungspro- zesses vorausgesetzt, werde man in Zukunft eine Bodenmannfchast von nur 60 bis 80 Personen benötigen. Es sei unwahrscheinlich, daß der „Graf Zeppelin" je wieder nach Lakehur st fliege.
Der „Graf Zeppelin" tabe seine Schuldigkeit getan. Er werde nicht in den Transatlanlikdienst gestellt, sondern ünftig nur der Ausbildung neuer Mannschaften und ähnlichen Zwecken dienen.
Schließlich stellte Dr. Eckener noch fest, daß der Good Year Zeppelin Company ausgezeichnetes deutsches und amerikanisches Personal zur Verfügung stehe.
deur der 1. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 1; Generalleutnant v. Arnsberg, Kommandeur der 2. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 2; Generalleutnant Rei nicke. Kommandeur der 5. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 5; Generalleutnant v. Greisf, Inspekteur der Waffenschulen; Generalleutnant H e ß, Kommandeur der Artillerieschule: Generalmajor G ö l d n e r, Artillerieführer I; Generalmajor Ritter von Pflüget, Infanterieführer II: Generalmajor Krantz, Infanterieführer IV: Generalmajor ©rinne, Artillerieführer VI; Generalmajor v. Wenz zu Niederlahn st ein: Generalmajor v. München, Generalmajor v.P laten, Kommandeur des Infanterieregiments 16.
Oie Untersuchung der Sprengstoff-Attentate. Berlin, 9.Sept. (Priv.-Tel.) Wie berichtet wurde, hatte sich der 20 Jahre alte Arbeitslose Werner Müller in der Nacht 5um Samstag bei der Polizei gemeldet und sich selbst der Teilnahme an dem Spreng st offattentat am Reichstag bezichtigt, später aber fein Geständnis wieder zurückgenommen. Der „Montag" meldet nunmehr, daß Werner Müller am Sonntagmorgen vom Polizeipräsidium wieder entlassen worden sei, da sich herausgestellt habe, daß seine ersten Angaben unwahr waren und er als Täter überhaupt nicht in Frage kommt.
Das genannte Blatt berichtet weiter, die Polizei sei der Ansicht, daß die Attentäter ihren Wohnsitz überhaupt nicht in Berlin haben. Man nehme an, daß es sich um höchstens zwei b i s drei Personen handele, die die Terrorakte auf eigene Faust durchführen. Das Hauptaugenmerk der Polizei fei augenblicklich darauf gerichtet, die Herkunft der großen Sprengstoff- m eng en festzustellen, die den Attentätern zur Verfügung standen. Die Polizei glaube, daß die Sprengstoffe aus Diebstählen und Einbrüchen herrührten. Die die Ermittelungen leitenden Kriminalkommissare hätten sich daher eine Liste der in letzter Zeit in Deutschland verübten Sprengstoffdiebstähle zusammenstellen lassen und versuchten jetzt festzustellen, in wessen Hände das Material gelangt ist. Diese Liste, die die Zeit vom 31. März bis 29. Juli umfaßt, wird vom „Montag" veröffentlicht. Die Polizei erwartet für Montagfrüh das endgültige Gutachten der Sachverständigen der Physikalisch- chemischen Reichsanstalt, das auch die Dermu- tungen über die bei den einzelnen Attentaten zur Verwendung gelangten Sprengmittel enthalten soll.
Aus aller Wett.
Lchwere Gewitter im Wilnaer Gebiet.
Aus Wilna wird gemeldet, daß im Wilna- Trockaer Kreise während eines Unwetters drei Personen durch den Blitz getötet wurden, während sechs schwere Verletzungen davontrugen. Acht Häuser wurden durch Blitzschlag e i n g e ä s ch e r t. — An der polnischlitauischen Grenze ist während eines Gewitters ein litauisches Flugzeug abge stürzt: es wurde vollständig zertrümmert. Einer der Piloten wurde schwerverletzt. An einer anderen Stelle der polnisch-litauischen Grenze ist ein Flugzeug durch den Blitz stark beschädigt: worden. In der Nähe von Radom wurden zwei Großmühlen durch Blitzschlag eingeäschert. Der Schaden beträgt nahezu eine Million Zloty.
Verheerendes Großfeuer In Unferfranfen.
Stockheim, (N h ö n), 9. September. (WTB. Funkspruch.) Am Samstagabend gegen 10 Uhr wurde die Gemeinde Stockheim von einer gewaltigen Feuersbrunst heimgesucht, der 22 Scheunen und 10 Wohnhäuser mit den dazugehörigen Nebengebäuden zum Opfer sielen. Das Vieh konnte größtenteils gerettet werden. Die Entstehungsursache ist unbekannt.
Notlandung des kleinluftschisses „R. k. 27“.
Leipzig, 7. Sept. (WB.) Das K le in- luftschifs „R. K. 27“, das heute früh zu einem Probeflug nach Magdeburg gestartet war, mußte infolge des Ausfallens eines der beiden Motoren in Leipzig notlanöen. Da nicht genügend Hackemannschaften am Platze waren, zog der Führer Raab die Reißleine. Das Luftschiff hat außer einem Provellerbruch feine Beschädigung erlitten.
146 Todesopfer des Taifuns auf den Philippinen.
Neuyork, 7. Sept. (WB.) Nach einer Meldung der „Associated Preß" aus Manila wird die Zahl der Todesopfer des Taifuns auf den Philippinen jehl auf 14 6 geschäht. 3n der Niederlassung in 3nfar.la an der Westküste der Provinz Tayabas auf der Insel Luzon wurden allein 50 Personen gelötet, und hier sind nur acht Häuser unversehrt geblieben. Die Bevölkerung leidet an Nahrungs- und Wassermangel. Drei Flugzeuge mit Aerzten, Krankenschwestern und Lebensmitteln sind zur Hilfeleistung abgeflogen.
Oie Wetterlage.
O woixenios. O neuer. <> naib Bedecxt.® woixig. q oedeext eReget * Schnee & graupeln, s MeDel K Cewiiter.(§)uineMille.'O sehr «icnter Osi massiger Südsüdwest % stürmischer «ordnest Oie Pfeile (liegen mit dem wmde. Die oeiden Stationen dienenden Zahlen geoen die Temperatur an. Die Linien verDinden Orte mit gleichem •m Meeresniveau umgertchneten Luftdruck
Wettervoraussage.
Die in den letzten Tagen die Temperaturen stark beeinflussenden Kaltluftmasfen werden immer weiter südlich verdrängt und dort erwärmt. Dom Ozean her folgen wieder wärmere Luftmassen nach, die bereits unter Temperaturanstieg allgemein Barometerfall veranlaßten. Da sie nur langsam vordrängen und sich allmählich mit der jetzt in S-.ddeutschland lagernden Kaltluft vermischen, so wird außer zeitweiser Wolkenbildung das Wetter vielfach heiter bleiben, zumal von Westen her wieder Luftdruckanstieg cinfeht. Nachts erfolgt jedoch infolge der Ausstrahlung starke Abkühlung und Nebelbildung, während tagsüber Erwärmung eintritt.
Wettervoraussage für Dienstag: Morgens stellenweise neblig und kalt, tagsüber teils heiter, teils wollig mit Erwärmung, trocken.
Wettervoraussage für Mittwoch: Noch keine wesentliche Aenderung der Wetterlage.


