Ausgabe 
9.9.1929
 
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Regimes den Völkerbund in seiner Ge­samtheit angehe.

Der Friede unter den Völkern werde umso besser gesichert sein, je mehr das unverzichtbare Men- schenrecht auf Muttersprache, Kultur und Reli­gion unbeschadet der staatlichen Grenzen geachtet und geschuht wird.

Die Zeit werde hoffentlich nicht mehr fern sein, in der der Völkerbund sich für die Behandlung der Minoritätenfragen ein besonderes Or­gan schaffen wird, wie es für die Wirtschafts­und Mandatsfrage geschehen ist. Sn diesem Sinne habe auf der letzten Bundesversammlung der Vertreter der Niederlande den Gedanken einer besonderen Minderheitskommis­sion angeregt, und der Vertreter der Schweiz habe diese Anregung mit Sympathie begrüßt. Der Völkerbund müsse sich dauernd mit der Frage befassen, wie seine Aufgabe, über den Schuh der Minderheiten zu wachen, gelöst wird. Deshalb sei es auch selbstverständlich, daß alljährlich die 6. Kommission die Fortschritte auf diesem Ge­biete verfolge. Der Minister wolle davon ab­sehen, in diesem Jahre die Behandlung der Frage in der 6. Kommission vorzunehmen, um. sich das Problem für die späteren Sahre vorzubehalten. Denn die Frage der Behandlung des Minder­heitsproblems hänge nicht von dem Tempo der Verhandlungen ab, sondern von der Dauer und Intensität, mit der das Problem ver­folgt wird.

Lin Staat, der den versuch mache, mit seinen Machtmitteln die Kultur der Minderheiten zu unterdrücken, würde sich dem verdacht aussehen, daß er sich zu schwach fühlt, die ihm angehören­den Völker zu regieren.

Dr. Stresemann sprach dann über die Frage der Neugestaltung der wirt­schaftlichen Verhältnisse in Eu­ropa. Er teile nicht, sagte er, die grundsätzliche Skepsis derPränumerandopessimisten". Warum solle der Gedanke das zusammenfassen, was die europäischen Staaten einigen kann, von vorn­herein unmöglich fein? Freilich lehnte der Reichsaußenminister jede politische Tendenz gegen einen anderen Erdteil aufs entschiedenste ab. Dr. Stresemann schilderte dann die Grenz- verhältnisse Europas mit allen ihren Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem und verkehrstechnischem Gebiet, die in wenigen Jahrzehnten, so hoffe er, als ein mittelalterlicher Zustand angesehen würden. Er fragte:

IDo bleibl die europäische Münze? Wo die europäische Briefmarke?

Unb wenn es möglich ist, jetzt mit einer Er­sparnis von zwanzig Lagen von Deutschland nach dem Fernen Osten zu gelangen, so mutet es doch merkwürdig an, daß es nicht möglich zu sein scheint, auch die wirtschaftlichen Grenzverhältnisse zu erleichtern, wie es einem modernen Europa entspricht. Ich möchte an dieser Stelle nicht über den politischen Inhalt des Versailler Ver­trages sprechen, schloß Dr. Stresemann, und ich glaube auch, daß meine Stellungnahme dazu bekannt ist. Aber durch den Versailler Vertrag sind eine ganze Anzahl neuer Staaten geschaffen worden: man hat jedoch nicht daran gedacht, diese Staaten den modernen Verhält­nissen entsprechend in das wirtschaftliche System Europas einzufügen. Ein großer deutscher Dich­ter hat einmal gesagt, daß jede große Idee zu­erst wie eine Tollheit anmute. Ich lehne es ab.

die wirtschaftliche Vereinigung und Verein­fachung der europäischen Staaken

als eine Utopie anzusehen, ich halte es viel­mehr für eine unbedingte Pflicht, in diese r Richtung zu arbeiten. Freilich wird sich diese Arbeit nicht mit Elan und Hurra lösen lassen, sie gehört vielmehr zu jener Tätigkeit, von der der Dichter sagt, daß siezum Bau der Ewigkeiten zwar Sandkorn nur an Sandkorn reiht, doch von der großen Schuld der Zeiten Minuten, Tage, Jahre streicht."

Starker Eindruck der Rede.

Genf, 9. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die heu­tige Vollversammlung zeigte von vornherein das Bild eines großen Tages. Die Tribünen waren bis auf den letzten Platz beseht. Ebenso waren alle Delegationen vollzählig erschienen. Bevor Dr. Stresemann anfing zu sprechen, wurde er von vielen Delegations­führern auf das herzlichste begrüßt. Seine Rede wurde häufig durch lebhaften und an­haltenden Beifall unterbrochen, der sich besonders in dem Teil, in dem Dr. Stresemann über die wirtschaftlichen Vereinigten Staaten von Europa sprach, verstärkte. Die Rede Dr. Strese- manns wurde durch Lautsprecher vor dem Refor­mationssaal auf die Straße übertragen, wo sich eine große Menschenmenge angesammelt hatte. Die Menge brach besonders während der französischen Llebersehung der Rede häufig in starken und herzlichen Beifall aus.

Die Rede Dr. Stresemanns wurde von den Delegierten mit größter Sympathie aus­genommen. Von allen Seiten wurde der Außen­minister aufs herzlichste beglückwünscht.

Personalveränderungen in der Reichswehr.

Berlin, 7. Sept. (WTB.) Das Reichswehr­ministerium gibt die folgenden Personalver­änderungen in den höheren Kom­mandostellen bekannt: Mit dem 1. Oktober dieses Jahres werden ernannt: Generalleut­nant Freiherr Seutter von Löhen, Stab des Gruppenkommandos I, bisher beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Komman­deurs der 5. Division und Befehlshabers im Wehrkreis 5, zum Kommandeur der 5. Di­vis i on und Befehlshaber im Wehr­kreis 5 (zu dem auch Gießen gehört. D. Red.): Generalleutnant Schniewindt, Kommandeur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 3. zum Kommandeur der 2. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 2: Generalmajor v. Stülpnagel, Chef des Heeres-Personal- amts, zum Kommandeur der 3. Division und Be­fehlshaber im Wehrkreis 3: Generalmajor von Blomberg, Chef des Truppenamts, zum Kom­mandeur der 1. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 1; Generalmajor Frhr. v. Hammer- stein-Equord. Stab des Gruppenkomman­dos 1, zum Chef des Truppenamts

Mit dem 30. September d. 2. sch ei den aus: Generalleutnant Frhr. v. Esebeck, Komman-

Zwei schwere Schiffskaiasirophen.

Ein finnischer und ein dänischer Dampfer gesunken.150 Tote.

Helfingfors, 7. Sepl. (WB.) Ueber eine furchtbare Schiffskataftrophe wird aus dem Seengebief von Tamm rsfors berichtet: Der finnische DampferKu r u mit nahezu 20C Passa­gieren an Bord, darunter viele Jrauen und Kinder, ist während eines Sturmes gekentert und innerhalb einer Minute untergegangen. Es ist damit zu rechnen, daß etwa 13 0 Menschen den Tod in den Wellen gefunden haben.

Weitere Einzelheiten

Berlin, 8. Sept. (TU. Funkspruch.) Nach einer Meldung Berliner Blätter aus Tammerfors zu dem großen Schiffsunglück waren bis Sonntagnach­mittag etwa lOOTodesopfer geborgen. Noch immer werden Leichen an Land getrieben, zum großen Teil aus den Dörfern, deren Schul­kinder in Tammersfors zur Schule gingen und den Sonntag zu Hause bei ihren Angehörigen verbrin­gen wollten. Da fid)* viele Passagiere, besonders Frauen und Kinder, in den Kajüten befan­den und nicht mehr rechtzeitig auf Deck kommen konnten, ist die Gesamtzahl der Opfer noch immer nicht mit Bestimmtheit festzustellen. Auf jeden Fall befanden sich über 150 Passagiere an Bord, 2 3 Personen sind gerettet worden, so daß man mit etwa 130 Toten rechnen muß. Der Kapi­tän des verunglückten Dampfers, der sich unter den Geretteten befindet, berichtete über den Hergang des Unglücks unter anderem, kurz nach 3.30 Uhr nach­mittags feien mehrere bis zu zehn Meter hohe Wellen über das Schiff hinweggeschlagen. Die Passagiere seien ängstlich geworden und ein Teil von ihnen legte Rettungegürtel und Schwimmwesten an. Plötzlich habe der Dampfer eine Schlagseite er­halten, die vielleicht dadurch verstärkt worden sei, daß fast alle Passagiere nach der Leeseite (der dem Winde abgekehrten Seite) des Schiffes gelaufen waren. Der Dampfer legte sich ganz auf die Seite und auf Deck und in den Kajüten fei eine wilde Panik entstanden. Auf den schmalen Treppenauf­gängen spielten sich, wie die Ueberlebenden berich­ten, herzzerreißende Szenen ab. Im Verlaufe von wenigen Sekunden sank das Schiff. Ehe der DampferTarjanne", der sich in der Nähe be­fand, am Unglücksplatz eintraf, waren die meisten bereits ertrunken.

In den finnischen Kirchen wurden am Sonntag Trauergottesdienste abgehalten. Die Lei­tungen erschienen mit breitem Trauerrand. In Tam­mersfors läuteten die ganze Nacht hindurch die

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Kirchenglocken. Alle Theater und Restaurants find geschlossen. Ganz Finnland .steht im Zeichen der Trauer.

Oer Untergang des dänischen DampfersDan".

Königsberg, 8. Sept. (TU. Funkspruch.) Der 3500 Tonnen große dänische DampferD a n, der mit einer Kohlenladung am Freitagabend Dä­nemark verließ und nach helfingfors unterwegs war, ist am Samstag bei schwerem Sturm in der Danziger Bucht in Seenot geraten. Die SOS-Rufe des Dampfers enthielten keine Standorl- angabe und verstummten sehr bald vollständig. Eines der zur Zeit in Pillau liegenden Torpedo­boote begab sich sofort auf die Suche. Auch ein in Travemünde angefordertes Wasserflugzeug suchte trotz des andauernden Sturmes die ganze Danziger Bucht ab, konnte aber bis Samstagabend keine Spur von dem Schiff finden. Schließlich gelang es dem LinienschiffHessen" in der Nacht zum Sonntag, ein Boot des dänischen Schiffes mit einem Mann der Besatzung zu bergen. Der gerettete Matrose war aber bis Sonntagmittag noch nicht vernehmungsfähig, so daß man auch jetzt noch keine Einzelheiten über die Katastrophe und über die Unsallslelle hat. Der Dampfer muß als verloren gellen. Die Besatzung betrug 21 Mann. Das LinienschiffHessen" und das Tor­pedobootSeeadler" setzten auch am Sonntag die Suche nach dem Schiff fort.

Nach Aussage ^es Geretteten ist der Damp­fer mit der übrigen Besatzung ge­sunken. Das Schiff soll am 7. September kurz nach Mitternacht etwa 40 Seemeilen nordwest­lich von Drüsterort untergegangen fein. Der Aeberlebende hat den Untergang beobachtet. In dem gefundenen Doot hatten sich zunächst fünf Mann befunden, von denen vier Mann heraus- gespült worden sind. Der Uebcrlebenöe will ein zweites Doot mit zwei oder drei Mann, darunter der Steuermann, in Lee unter Segel beobachtet haben. Die Besatzung desDan" be­stand aus 21 Mann und der Frau des Steuer­manns. Der Name des geretteten Matrosen ist Martin M e l m aus Dragör. Es wird auch die Vermutung ausgesprochen, daß der Dampfer bei Gostland auf eine Mi ne aufgelaufen ist.

Dr. Eckener über seine plane.

Einrichtung eines Zeppelin-Verkehrsdienstes zw schen Europa und Amerika.

Neuyork, 7. Sept. (WB.) Dr. Eckener, der im Lause des Nachmittags mit dem Hapag- dampferNeuyork" die Heimreise antritt, empfing im Hotel die Vertreter der Presse, denen er auf ihre Fragen nach feinen künftigen Plänen ein­gehend Auskunft gab. Dr. Eckener betonte, er habe in Amerika nur allgemeine Besprechungen mit Vertretern aller großen Bankgruppcn gehabt. Da das Luftschiff ein internationales Verkehrs­mittel fei, müsse die Entwicklung aus inter­nationaler Basis erfolgen. Endgültige Ver­handlungen seien erst möglich nach weiteren Bespre­chungen mit der deutschen Interessentengruppe, der die Hapag und Großbanken, wie die Darmstädter und National-Bank und die Discontogesellschast an­gehörten. Diese Besprechungen, an denen auch Ver­treter amerikanischer Interessenten teilnehmen, wür­den sofort nach der Ankunft in Hamburg beginnen.

Er habe bei den amerikonifchen Bantgruppen zum ersten Male ein wirkliches und ernsthaftes Interesse gesunden. Ein greifbares Ergebnis der Besprechungen in Amerika sei die völlige Verständigung mit dem Leiter der Goodyear Zeppelin Company, Litchfield, über eine enge Zusammenarbeit der amerikanischen Gesell­schaft mit der Zeppelin - Luftschiffbau - Gesell­schaft für die Einrichtung eines Zeppelindienstes EuropaAmerika und EuropaSüdamerika.

Zunächst sei nur eine Linie EuropaAmerika geplant. Der amerikanische Endpunkt werde wahrscheinlich irgendwo südlich der Linie Baltimore Washington liegen, da dort die meteorologischen Verhältnisse für Abslug und Landung am günstigsten seien. Der europäische Endpunkt werde sich gleich­falls aus Rücksicht aus die Wetterverhältnisse etwa in der Mitte Frankreichs mit gu­ten Verbindungen nach Deutschland befinden. Bei Frankreich sei in dieser Angelegenheit nur leicht vorgefühlt worden. Die Sache fei zuerst nach der Notlandung in Cuers-Pierreseu be­sprochen worden. Dies sei ein gutes Resultat der damaligen Notlandung gewesen. Dr. Ecke­ner betonte, er habe sämtliche Verhandlungen bis nach dem Weltfluge verschoben, um die letzten Zweifler von der Durchführbarkeit feiner Pro­jekte zu überzeugen. Weiter erHärtc Dr. Eckener lächelnd, ehe die Transatlantik-Luftschifsdienst- Gefellschaft gegründet werde, fei natürlich noch umfangreiche Detailarbeit zu leisten, be­sonders wenn die Anwälte eingriffen.

Die Flotte für den Amerika-Europadienst mühte mindestens vier Schiffe umfassen. Die Einrich­tung eines solchen Dienstes einschließlich einer Doppelhalle an beiden Endpunkten erfordere ein Kapital von etwa 15 Millionen Dollar. Alle vier bis fünf Tage müsse sowohl von Europa wie von Amerika aus die Abfahrt eines Schiffes erfolgen.

Natürlich werde man bemüht fein, für die Luft- fchifflinien Verträge mit der Postbeförderung zu erhalten. Beim Bau neuer Luftschiffe würden die bisherigen Erfahrungen ausgewertet werden. Der Schiffskörper würhe ärodynarnisch verbessert werden und kürzer und dicker fein. Die Paffagierkabinen werde man zur Er­höhung der Bequemlichkeit innen einbauen. Die Schiffe, die mit acht Motoren versehen wür­den, müßten eine Geschwindigkeit von etwa 110 Kilometer erreichen, so daß der Flug von Osten nach Westen etwa 45, der von Westen nach Osten etwa 65 bis 70 Stunden in Anspruch nehme. Die Tragfähigkeit werde man so bemessen, daß außer 24 Passagieren im Winter noch etwa 15 Tonnen Fracht mit Einschluß der Post, im Sommer 10 bis 12 Tonnen mitgeführt werden könne. Der Fahrpreis pro Passagier sei etwa mit 1000 Dollar anzufetzen.

Die Aufnahme des Betriebes werde kaum vor dem Jahre 1933/34 möglich fein, da das erste deutsche Luftschiff erst Ende 1931 vollendet werden könne.

1932 könne ein weiteres deutsches Luftschiff fertig­gestellt fein. Da die Good Year Zeppelin Com­pany zur Zeit zwei Luftschiffe für die ameri­kanische Marine im Auftrag habe, könne in Akron vor 1931 wohl kaum ein Luftschiff für den Transatlantikslug gebaut werden. Die Luft­schiffe, deren Gasfasfungsvermögen 145 000 Ku­bikmeter betragen werde, würden in Zukunft mit Helium gefüllt, so daß sie ein völlig sicheres Verkehrsmittel darstellten. Der Südamerika- dienst werde über Pernambuco gehen. Für diese Linie stehe in Sevilla ein Flughafen zur Verfügung. Gegenüber demGraf Zeppelin", dessen Dimensionen durch die Verhältnisse der kleinen Friedrichshafener Halle bedingt gewesen feien, werde der neue Zeppelintyp eine größere Steuerfähigkeit aufweifen, die ein ruhigeres Fah­ren auch bei böigem Wetter ermöglichen werde. Angesichts dieser Derbesferungsmöglichkeiten könne man denGraf Zeppelin" nicht als Ideal- luftfchiff bezeichnen. Günstige Lage des Luft­hafens und Mechanisierung des Landungspro- zesses vorausgesetzt, werde man in Zukunft eine Bodenmannfchast von nur 60 bis 80 Personen benötigen. Es sei unwahrscheinlich, daß derGraf Zeppelin" je wieder nach Lakehur st fliege.

DerGraf Zeppelin" tabe seine Schuldigkeit getan. Er werde nicht in den Transatlanlikdienst gestellt, sondern ünftig nur der Ausbildung neuer Mannschaften und ähnlichen Zwecken dienen.

Schließlich stellte Dr. Eckener noch fest, daß der Good Year Zeppelin Company ausgezeichnetes deutsches und amerikanisches Personal zur Ver­fügung stehe.

deur der 1. Division und Befehlshaber im Wehr­kreis 1; Generalleutnant v. Arnsberg, Kom­mandeur der 2. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 2; Generalleutnant Rei nicke. Kom­mandeur der 5. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 5; Generalleutnant v. Greisf, Inspekteur der Waffenschulen; Generalleutnant H e ß, Kommandeur der Artillerieschule: General­major G ö l d n e r, Artillerieführer I; General­major Ritter von Pflüget, Infanterie­führer II: Generalmajor Krantz, Infanterie­führer IV: Generalmajor ©rinne, Artillerie­führer VI; Generalmajor v. Wenz zu Nieder­lahn st ein: Generalmajor v. München, Ge­neralmajor v.P laten, Kommandeur des In­fanterieregiments 16.

Oie Untersuchung der Sprengstoff-Attentate. Berlin, 9.Sept. (Priv.-Tel.) Wie berichtet wurde, hatte sich der 20 Jahre alte Arbeitslose Werner Müller in der Nacht 5um Sams­tag bei der Polizei gemeldet und sich selbst der Teilnahme an dem Spreng st offattentat am Reichstag bezichtigt, später aber fein Ge­ständnis wieder zurückgenommen. DerMontag" meldet nunmehr, daß Werner Müller am Sonn­tagmorgen vom Polizeipräsidium wieder ent­lassen worden sei, da sich herausgestellt habe, daß seine ersten Angaben unwahr waren und er als Täter überhaupt nicht in Frage kommt.

Das genannte Blatt berichtet weiter, die Polizei sei der Ansicht, daß die Attentäter ihren Wohnsitz überhaupt nicht in Berlin haben. Man nehme an, daß es sich um höchstens zwei b i s drei Personen handele, die die Ter­rorakte auf eigene Faust durchführen. Das Haupt­augenmerk der Polizei fei augenblicklich darauf gerichtet, die Herkunft der großen Sprengstoff- m eng en festzustellen, die den Attentätern zur Verfügung standen. Die Polizei glaube, daß die Sprengstoffe aus Diebstählen und Einbrüchen herrührten. Die die Ermittelungen leitenden Kriminalkommissare hätten sich daher eine Liste der in letzter Zeit in Deutschland ver­übten Sprengstoffdiebstähle zusammenstellen las­sen und versuchten jetzt festzustellen, in wessen Hände das Material gelangt ist. Diese Liste, die die Zeit vom 31. März bis 29. Juli umfaßt, wird vomMontag" veröffentlicht. Die Polizei er­wartet für Montagfrüh das endgültige Gut­achten der Sachverständigen der Physikalisch- chemischen Reichsanstalt, das auch die Dermu- tungen über die bei den einzelnen Attentaten zur Verwendung gelangten Sprengmittel ent­halten soll.

Aus aller Wett.

Lchwere Gewitter im Wilnaer Gebiet.

Aus Wilna wird gemeldet, daß im Wilna- Trockaer Kreise während eines Unwetters drei Personen durch den Blitz getötet wurden, während sechs schwere Verletzun­gen davontrugen. Acht Häuser wurden durch Blitzschlag e i n g e ä s ch e r t. An der polnisch­litauischen Grenze ist während eines Gewitters ein litauisches Flugzeug abge stürzt: es wurde vollständig zertrümmert. Einer der Pi­loten wurde schwerverletzt. An einer an­deren Stelle der polnisch-litauischen Grenze ist ein Flugzeug durch den Blitz stark beschädigt: worden. In der Nähe von Radom wurden zwei Großmühlen durch Blitzschlag eingeäschert. Der Schaden beträgt nahezu eine Million Zloty.

Verheerendes Großfeuer In Unferfranfen.

Stockheim, (N h ö n), 9. September. (WTB. Funkspruch.) Am Samstagabend gegen 10 Uhr wurde die Gemeinde Stockheim von einer ge­waltigen Feuersbrunst heimgesucht, der 22 Scheunen und 10 Wohnhäuser mit den dazugehörigen Nebengebäuden zum Opfer sie­len. Das Vieh konnte größtenteils gerettet werden. Die Entstehungsursache ist unbekannt.

Notlandung des kleinluftschissesR. k. 27.

Leipzig, 7. Sept. (WB.) Das K le in- luftschifsR. K. 27, das heute früh zu einem Probeflug nach Magdeburg gestartet war, mußte infolge des Ausfallens eines der beiden Motoren in Leipzig notlanöen. Da nicht ge­nügend Hackemannschaften am Platze waren, zog der Führer Raab die Reißleine. Das Luftschiff hat außer einem Provellerbruch feine Beschädi­gung erlitten.

146 Todesopfer des Taifuns auf den Philippinen.

Neuyork, 7. Sept. (WB.) Nach einer Mel­dung derAssociated Preß" aus Manila wird die Zahl der Todesopfer des Taifuns auf den Philippinen jehl auf 14 6 geschäht. 3n der Nie­derlassung in 3nfar.la an der Westküste der Pro­vinz Tayabas auf der Insel Luzon wurden allein 50 Personen gelötet, und hier sind nur acht Häu­ser unversehrt geblieben. Die Bevölkerung leidet an Nahrungs- und Wassermangel. Drei Flugzeuge mit Aerzten, Krankenschwestern und Le­bensmitteln sind zur Hilfeleistung abgeflogen.

Oie Wetterlage.

O woixenios. O neuer. <> naib Bedecxt.® woixig. q oedeext eReget * Schnee & graupeln, s MeDel K Cewiiter.(§)uineMille.'O sehr «icnter Osi massiger Südsüdwest % stürmischer «ordnest Oie Pfeile (liegen mit dem wmde. Die oeiden Stationen dienenden Zah­len geoen die Temperatur an. Die Linien verDinden Orte mit gleichem m Meeresniveau umgertchneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Die in den letzten Tagen die Temperaturen stark beeinflussenden Kaltluftmasfen werden im­mer weiter südlich verdrängt und dort erwärmt. Dom Ozean her folgen wieder wärmere Luft­massen nach, die bereits unter Temperaturan­stieg allgemein Barometerfall veranlaßten. Da sie nur langsam vordrängen und sich allmählich mit der jetzt in S-.ddeutschland lagernden Kalt­luft vermischen, so wird außer zeitweiser Wol­kenbildung das Wetter vielfach heiter bleiben, zumal von Westen her wieder Luftdruckanstieg cinfeht. Nachts erfolgt jedoch infolge der Aus­strahlung starke Abkühlung und Nebelbildung, während tagsüber Erwärmung eintritt.

Wettervoraussage für Dienstag: Morgens stellenweise neblig und kalt, tagsüber teils heiter, teils wollig mit Erwärmung, trocken.

Wettervoraussage für Mittwoch: Noch keine wesentliche Aenderung der Wetter­lage.