Ausgabe 
9.3.1929
 
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Die Beschwerden des Saargebiets.

Gegen die französische Schule und die Werbung zur Fremdenlegion. Genf. 8. März. (WB.) Die parlamentarische Saardelegat.on, bestehend aus Geheimrat Röchling. Rechtsanwalt Leoocher. Schmoll und Sartorius, hat heute offiziell dem Bölkerbundssekretariat zwei Auf­stellungen über die französische Schul nolitik und die Anwerbung für die Fremdenlegion im Saargebiet übergeben und die Aufze.chnungen mit mündlichen Er­läuterungen ergänzt. In der ersten Aufstellung wird an verschiedenen Beispielen dargelegt, daß neuer­dings bie französische Saargrubenverwaltung wieder einen Zwang zum Besuch der französi­schen Schulen ausübt. In der zweiten Aufstel- lun werden die Namen von 57 Saarländern an­gegeben, die in der Fremdenlegion dienen, von denen einer bereits in Marokko gestorben ist. Unter diesen Angeworbenen befinden sich 2 3 Min- derjährige im Aller von 17 bis 20 Jahren. Die Gesamtzahl der saarländischen Fremdenlegionäre werde etwa 150 bis 180 Mann betragen.

Revolutionskämpfe an der amerikanischen Grenze. Washington unterstützt die rechtmäßige

Regierung

N e u y o r k, 8. März. (TU.) Die Kämpfe um die mexikanische Grenzstadt Iuarez interessieren hier außerordentlich, da dauernd die Gefahr besteht, daß eine Grenzverletzung durch die Kämpfenden Amerika zwingen würde, bewaffnet einzugreifen. Freitag mlltag gelang es dann den Aufständischen, ganz Iuarez au besetzen, nachdem bei den Rcgie- rungstruppen Munitionsmangel eingesetzt hatte. Die Amerikaner konnten vom gegenüberliegenden E l - paso aus die Kämpfe genau verfolgen. Die Auf- ständischen hotten sich anscheinend in der Nacht in den Besitz von Iuarez gesetzt, wurden dann wieder hinausgetrieben, um bald darauf zwischen Iuarez und der amerikanischen Grenze ein Zollhaus zu er­obern, von wo aus sie neue Angriffe begannen, die damit endeten, daß die Regierungstruppen sich auf den Damm links der Grenze zurückzogen. Nach dem Waffenstillstand wurde vereinbart, daß die be­siegten Bundestruppen nach Elpaso ge­bracht und dort interniert werden. Außer einem sechsjährigen Knaben wurde ein spielendes zweijähriges amerikanisches Mädchen verwundet. Das Mädchen erlag bald darauf seinen Verletzungen. Der amerikanische General M o f e l e y suchte die Aufständischen im Hauptquartier auf, teilte ihnen mit, daß zwei Kinder verwundet worden seien, da die mexikanischen Geschütze in Richtung des Gebietes der Vereinigten Staaten aufgestellt worden seien und verwarnte die Führer der Aufständischen.

DaS amerikanische S.a.tsdepartement giot be­kannt. daß das Embargo auf die Ausfuhr von Handelsflugzeugen nach Mexiko, das im ver­gangenen Mürz aufgehoben wurde, jetzt wie­der in Kraft gesetzt worden sei. Fortan dürfen also Waffen, Munition und Flugzeuge jeder Art nur auf Grund einer beson­deren Ausfuhrerlaubnis, die für jede einzelne Verschickung beim Staatsdepartement nachgesucht werden muh und nur für An­käufe seitens der mexikanischen Re­gierung erteilt wir), von den Vere'.nigt.Staaten nach Mexcko ausgcführt werden. Die mexikanische Regierung ersuchte den Präsidenten Hoover um den Verkauf überflüssigen Kriegs­materials. Der Kriegsminister wurde ermäch­tigt. diesem Wunsche nach Möglichkeit zu ent­sprechen.

Etatberatung in Hessen.

Der zweite Tag vor leerem Hause.

Darmstadt, 8. März. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Etatsberatung. Als erster Redner erhäll vor nur schwach besetztem Hause des Landtags das Wort

Abg. Keller- Büdingen (D. Vp.): Angesichts der schweren Wirtschaftslage aller Volksschichten, der katastrophalen Arbeitslosigkeit und der schwie­rigen Absatzverhältnisse warnt er vor einer lieber- > sckätzung der kleinen hessischen Nöte und der zwi- I schen der Regierung und den Regierungsparteien ' und der Opposition bestehenden Meinungsverschie­denheiten und mahnt zur Einigkeit. Seine Partei treibe keine Opposition um derVpposi- t i o n willen. Demnächst werde der Spar- ko m m i s s a r die Rolle der verantwortlichen Oppo- sition übernehmen und zu schwerwiegenden Ent- I schlössen zwingen. Einer zweijährigen Etatisierung' stehe feine Partei nicht ablehnend gegenüber. Der Optimismus des Finanzministers sch'ine ihm etwas zu groß. Er begrüßt die baldige Klärung der Beziehungen zwischen Staat und Kirch c. Die Kirche dürfe aber nicht vergewaltigt werden. Die Regierung werde bei ihren Ansprüchen an das Reich die Unterstützung seiner Partei finden. Den von dem Abg. Kaul vorgeschlagenen Sparmaß. nahmen auf dem S ch u l a e b t e t stehe er zum Teil ablehnend gegenüber. Auf dem Gebiete des Woh­nungswesens sei Hessen das rückschrittlichste Land Deutschlands. Der Redner kritisiert scharf die von den Koalitionsparteien geübte Personal- Politik unter Anführung einzelner Fälle. Seine Partei werde die Regierung in allen berechtigten Fragen unterstützen, aber stets gegen Parteieigen, nutz unter Mißbrauch des Wortes Republik und g"gen Vorgänge, die der Gerechtigkell ins Gesicht schlügen, vorgehen.

Abg. Schreiber (Dem.) begründet die Forderungen der Demokraten zum dezentra­lisierten Einheitsstaat. Er fordert Uebertragung der Iüftiz auf das Reich. Eine Stärkung der Reichs­aufsicht bei der Slufgabenverwaltung sei notwendig. Der Parlamentarismus schaffe in den Ländern häu­fig nur Leerlaufarbeit. Für die Leuschnerschen Dor- schlage in der rhein-mainischen Frage könne er sich nickt erwärmen.

Abg. Golm (Komm.) erinnert daran, daß die Kommunisten als erste den Einheitsstaat verlangt hätten, um ein finanzielles Verbluten zu verhindern. Trotz stundenlanger Reden und spaltenlanger Ar- tikel hätten die einheitsstaollich eingestellten Par­teien gar nicht den inneren Drang zum (Einheit*, staat und zur Aufhebung der Kleinstaaterei: sonst müßte dex Einheitsstaat schon längst verwirklicht fein. Der Redner lehnt den nach seiner Ansicht un­sozialen Etat der Regierung ab. Auch eine für Deutschland günstige Regelung der Reparaiions- lasten werde nur die arbeitende Klasse belasten, deren Herrschaft allein die Aufhebung des Versailler 1 Vertrages durchsetzen könne. In der Wohnungs. frage habe die Regierung vollkommen versagt. Sie habe aber wohl dafür gesorgt, daß ihr Derwal- tungsapparat gut geschmiert sei.

Me Widerstände gegen eine Aeparaiionsbank.

Französische Bedenken.Gegenden endgültigen DerzichtausweitereForderungen

Paris, 8. März. (WD.) Die Havasagentur beschäftigt sich in einer Auslassung mit der zu gründenden Zentralbank, über die die Repa­rationskonferenz heute in zwei Sitzungen be­raten hat. Diese Zentralbank würde nach Ansicht der Sachverständigen eine gewisse Anzahl von Dedingungen erfüllen müssen. Dor allem ver­treten die Sachverständigen die Ansicht, daß dieser neue Organismus ein unabhängiger Vermittler zwischen Deut chlr.,0 unJ ten ehe­maligen alliierten und assoziierten Mächten fein müsse, daß ferner, um den Parteien sämtliche Garantien zu geben, die interessierten Mächte darin in einem grundsätzlich ihrem 3n- teresse entsprechenden Verhältnis vertreten sein mühten und endlich, dah der geplante Organismus derart gebildet werden mühte, dah er gleichzeitig einerseits als Verbin­dungsglied zwischen Den verschiedenen Emissions­banken dienen und anderseits eventuell im Hin­blick auf die Regelung der interalliier­ten Schulden nutzbar gemacht werden könnte. Es scheint also, dah entgegen den in der Presse der verschiedenen Länder zum Ausdruck gebrach­ten Befürchtungen, ein derartiger Organismus nicht den politischen Ginsluh haben könne, den gewisse französische und ausländische Spezialisten anscheinend befürchtet hatten.

Auch das »Journal des Dsbats" bespricht den Plan der Scha,fung einer Zentralbank. Das Blatt schreibt und beweist damit, dah ein Wider» stand gegen die geplante Zentralorganifation in französischen Kreisen sich bereits geltend macht: Welche Haltung würden die Re­gierungen einnehmen gegenüber einem Versuch, ihnen die Reparationen völlig aus der Hand zu nehmen? Man darf voraus­sehen, dah eine derartige Lösung sie wenigstens veranlassen wird, um so größere Garantien zu fordern, da alsdann jeder weiteren Forderung die Tür verschlossen wäre. Hat man nicht schon von der Aufhebung der Reparationskommission gesprochen? Derart durchgreifende Maßnahmen ins Auge fassen, heißt vergessen, dah das Problem der deutschen Reparationen nur einen der Gegen­stände der Betätigung der Reparationskommission ausmacht, die auch mit der Liquidierung aller durch den Krieg in Mitteleuropa aufgeworfenen Fragen betraut ist. Nichtsdestoweniger muh schon die Voraussetzung einer so schwerwiegenden Ab­änderung des Versailler Vertrages ernstlich die Aufmerksamkeit der alliierten Re­gierungen in Anspruch nehmen. Was die Auf­nahme des neuen Planes seitens der alliierten Regierungen betrifft, so ist es klar, dah sie in

weitem Matze bestimmt wird durch die Zah - l e n, die der Ausschuß an einem der nächsten Tage sich entschließen muh, an die Stelle Der unbekannten H^he der Amruitäten zu sehen. Es ist daher klug, abzuwarten, bevor man ein Urteil fällt.

Oer Transferschuh.

Politischer oder wirtschaftlicher Charakter der Konferenz.

pari», 8. März, (havas.) Die heutige voll- sihung des Sachverständigenausschusses dauerte von 11 bis 13 Uhr. Ls fand eine Generaldiskusjion übet den plan der Schaffung einer Zentralbank statt. Der Lachoerständigenausschuh hat weiter die Frage geprüft, wie der Mechanismus der geplanten Zentralbank beschaffen sein könnte. Der Ausschuß hat insbesondere die Schlußfolgerungen de» unter dem Vorsitz von Sir Josiah Stomp stehenden Transfer Unterausschusses studiert, am die Modalitäten der S ch u tz k l a n s e l zu definieren und festzustellen, wie der geschützte Teil der deut­schen Annuität nach und nach in den unge­schützten Teit übergehen könne. Das würde natürlich den Zweck haben, nach und nach eine Kommerzialisierung vorzunehmen und die Schutz­klausel für den geschützten Teil der Schuld ganz oder teilweise zu beseitigen.

3n den letzten Tagen sind In der ausländischen Presse, so u. a. in der englischen, Aeußernagen ver­öffentlicht worden, denen zufolge nur ein Pro­visorium erreicht werden soll, hierzu wird deut­scherseits erklärt: Die englische Ansicht sei, daß auch diese Konferenz st arten politischen Lin» schlag trage, und daß es noch 3ahre dauern könne, bis eine rein wirtschaftliche Konferenz zustande- komme. Die Auffassung der City, dah e» sich nur um die Vorbereitung eines Provisoriums handele, er­kläre sich aus dieser Tatsache. 3m Gegensatz hierzu wird betont, daß das Bestreben der Delegierten weiterhin daraus ausgehe, eine endgültige Regelung zu treffen. Es sind außerdem auch Zif­fern in der Presse genannt worden, u. a. der Be­trag von acht Milliarden Dollars. Es handele sich hierbei, so wird erklärt, um eine 10 bis 14 Tage alte aus der amerikanischen Presse übernommenen Mel- düng, die um so mehr al» unwahrscheinlich bezeichnet werden könne, als keine offizielle Diskussion über die Ziffern stattgefunden habe.

Oer Notetat des Reichskabinetts.

Zünfhundertmillionenkredit für die leere Reichskasse.

Berlin, 9. März. (Prio.-Tel.) Der Gesetzent­wurf zur vorläufigen Regelung des Haushaltes (der sogenannte Rotetat), den dos Reichskabinett jetzt den gesetzgebenden Körperschaslen überwiesen hat, sieht eine Ermächtigung der Reichsregierung f ü r hie Dauer von drei Monaten vor. die Ein­nahmen und Ausgaben nach Maßgabe des bleiartigen Etat» für 1928 zu regeln. Dabei ist die Einschränkung getroffen, dah in der Zeit vom 1. April bis 30. 3uni die Gesamtausgaben den Betrag eines Viertel» der Etolsansätze für das Oe- samljahr 1928 29 nicht überschreiten dürfen, dah aber auch in den einzelnen Posten die Elatsansühe im Entwurf für den haushalt des 3ahres 1929 nicht überschritten werden sollen.

Angesichts der sehr schwierigen Lassen­lage des Reiches ist in dem Gesetzentwurf vorge­sehen. dah zur Stärkung der Betriebs­mittel der ReichLhauplkasse zunächst 5 0 0 Mil­lionen auf dem Kreditwege aufgebracht werden dürfen. 3m Hinblick auf den neuen hanpt- etat hat das Reichvkabinett beschlossen, diesen Etat in der ursprünglichen Fassung, wie ihn da» Kabinett seinerzeit einschliehlich der Steuergesetze verabschiedet hatte, dem Reichs­tag neben der vom Rcichrrat beschlossenen verän­derten Fassung als Doppelvorlage zukom- men zu lassen.

Abstriche am Etat.

Die KiirzungSwiiusche der BolksParLci.

Berlin, 8. März. (Priv.-Tel.) 3n Verfolg der durch Indiskretion in der Presse wenigstens in größeren ilmriffen bekannt gewordenen Kür - zungsaktion der Deutschen Volks­partei am ReichchauSaltsplan für das kom­mende Rechnungsjahr wird uns aus volkspar­teilichen Kreisen noch mitgeteilt, dah die Partei

sich zwar Im einzelnen ein Programm der mög­licherweise vorzunehmenden Abstriche am Etat gemacht hat, das sich sogar noch nach ihrer An­sicht erweitern ließe, daß sie aber zunächst einmal sowohl an die Parteien des Reichstages wie vor allem auch an den Deichsfinanzminister mit der grundsätzlichen Frage herantreten will, ob man sich bereit findet, die Balancierung des Desizitetats nicht durch neue Steuern, sondern durch Kürzungen herbeizufüh­ren. Weiter wird die Partei an den Leichs­finanzminister die prinzipielle Fraae richten, ob er bereit ist, seinen Etatsvoranschlag entspre­chend der volk-parteilichen Wünsche v ö l l i g u m- zuarbeiten. Die im einzelnen vorgesehenen Streichungen sollen erst dann gewissermaßen als Anregung in die Diskussion geworfen werden.

Dem Vernehmen nach sollen sich die volkspartei­lichen Kürzungen am Etat auch auf die produk­tive Erwerbslofenfürsorge erstrecken, die nach der Ansicht der Volkspartei gerade in Anbe­tracht des Notjahres und des damit verknüpften Sparsamkeitszwanges dringend einer Umorgan i° f a t i o n bedürfe, da sie finanzpolitisch überhaupt nicht mehr tragbar wäre. Irgendwelche sozialen Posten find aber von dem Streickungsprogramm, wie man uns aus oolksparteilichen Kreisen ausdrück, lich erklärt, nicht erfaßt worden. Inwieweit der Etat des Reichswehrmini st eriums in Mit­leidenschaft gezogen worden ist, läßt sich noch nicht überblicken. Die Initiative zur KurzungsalUon wird dem Hansa-Bund überlassen, der morgen voraussicht'ich mit feiner Denlschrift her- auskommt, woraufhin auch von parlamentarischer Seite weitere Schritte erfolgen werden. Wenn nun auch in verschiedenen parlamentarischen Kreisen erklärt, daß es eine Kleinigkeit wäre, Vorschläge für Kürzungen am Etat zu machen, so läßt sich immer noch nicht erkennen, ob damit die Steuererhöhungen, die geplant sind, ganz oder wenigstens zu einem ansehnlichen Teil aus der Welt geschafft werden können.

Abg. v. d. S ch m i 11 (Komm.) kritisiert auf Grund der marxistischen Lehren die Orientierung der deut­schen Wettpolitik. In heiliger Dreieinigkeit belasteten Staat, Unternehmer und Gewerkschaften das Prole­tariat zur Stärkung des Kapitalismus. Den Einheits­staat lehnt er ab. Den Sozialdemokraten macht er zum Vorwurf, daß sie dem Zentrum in den kultur­politischen Fragen die Führung überlassen hätten. Da nur noch ungefähr zehn Abgeord­nete im Haufe anwesend sind, vertagt Vize­präsident Blank die Sitzung auf Dienstag: Weiter­beratung des Etats.

Ein feiner Herr.

Bonn, 8. Marx. Die Verhandlung gegen den wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit übler Nachrede und Beleidigung angeklagten und verurteilten ehemaligen Syndikus eines Kölner Werks, Dr. Heinrich Schmuck, über die bereits berichtet wurde, brachte neues Material über die Beziehungen Dr. Schmucks zu den Franzosen lind Separatisten. So erklärte ein Beamter des hiesigen Arbeitsamtes, man habe während der Besatzungs- zeit beim Erscheinen des Angeklagten auf dem Be­satzungsamt gerufen:Vorsicht! Spitzel!". Der Angeklagte habe erklärt, er werde den Rufer schon herausbekommen, denn er gehe bei den Besatzungsbehörden ein und aus. Ein Dolmetscher, der in französischen Diensten gestanden hab«, hat einen Zeugen vor Dr. Schmuck ge­

warnt, da dieserein Lump und Verräter" sei. J£in anderer Zeuge, der Leiter des Werftamtes, be­kundete, ein französischer Angestellter habe einmal au ihm gesagt, er solle doch die Stadtverwal­tung vor dem Angeklagten warnen, der aus beiden Seiten intrigiere. Selbst der ehemalige französische Stadtkommandant habe sich abfällig über Dr. Schmuck geäußert. Ein als Zeuge vernommener Kriminalbeamter erklärte, ein Dolmetscher habe ihm einmal gesagt, der Angeklagte habe den Franzosen die Wohnungen rcchtsst^ender Persönlichkeiten angegeben, damit di« Woh- nungen beschlagnahmt würden.

Aus aller Welt.

Der ehemalige Reichskanzler Luther tritt in die Direktion der Gemeinfchaftsgruppe deutscher Hypo­thekenbanken.

In den Aufsichtsratssihungen der Deutschen Hypothekenbank Meiningen und der Preußischen B v d e n k r e d i t - A k t i en- bank wurde Reichskanzler a.D. Dr. Hans Luther zum Mitglied des Vorstandes der beiden Danken bestellt. Er tritt damit in die Gemeinschaitsdirekftvn der Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken ein. Dr. Luther hat die Wahl angenommen. Wie dazu aus Kreisen des Bundes zur Erneuerung des Rei­ches verlautet, bleibt Dr. Luther Vorsitzen­der des Bundes und wird nach wie vor an der

Durchführung der Reichsreform, in der er das grundlegende Staats Problem der deutschen Gegen­wart sieht, mitarbeiten.

Rclchsarbeilsmlnister wissell Ehrendoktor von Siel.

Eine Abordnung der Kieler Universität über­brachte dem Deichsarbeiksminister WisseN a n seinem 60. Geburtstag die Ernennung zum Eh.e.rdoktor der Rechts» und Siaatswissen- schaftlichen Fakultät der älniversität Kiel. Wissell hat seinen Ausgang als Sozialpolitiker von Kiel und Friedrichsort genommen, wo er lange Zeit als Maschinenbauer arbeitet«.

Ueberschwemmung In Andernach.

Die Stadt Andernach am Rhein wurde plötz­lich vom Hochwasser überrascht. DaS Wasser er­goß «sich in reihenden Sturzbächen durch die Stadt und Überschwemmte die Straßen vollständig. Besonders betroffen wurden die Pro- vinzial-Heil- und Pflege-Anstalt und die Ver­einigten Möbelwerke, die einen Meter un­ter Wasser standen. Sämtliche Keller sind überflutet. Der Schaden ist noch nicht zu über­sehen.

Schwerer Schneesturm In flonftanflnopet

Durch einen heftigen Gchneesturm wurden zwei Häuser, ein Wagenschuppen und zahlreiche Mauern zum Einstürzen gebracht. 3n einem Hause brach Feuer au8 und zwei Personen kamen in den Flammen um.

Dynamilexplofion in Amerika.

3n der Rähe des Städtchens Scribner am Elkhorn-Fluh (Rebraska) explodierten während eines Brandes auf der Farm eines Kreisbeam- ten «i n D u tz e n d K i st e n D Y n a m i t, di« in einer Scheune lagerten und zur Sprengung der EiSmassen benutzt werden sollten, das sich an den Brücken gestaut hatte. Vi«r Per­sonen wurden getötet und mehr als dreißig verletzt, davon einundzwanzig schwer.

Schwere» Lxploflonsunglück In Rumänien.

Bei einer Petroleumbohrung in der Nähe der Ortschaft Moreni wurden durch eine Dampfkessel- explosion neun Arbeiter und ein engli­scher Ingenieur getötet sowie acht Arbeiter schwer verletzt.

Kindesentführung Im Flugzeug.

Die Staatsanwaltschaft des Landgerichts I ht Berlin ist mit der Verfolgung einer Kindesentführung beschäftigt, die um so größere- Aufsehen erregt, als die Entführung unter den abenteuerlichsten Umständen vor sich gegangen ist. Die Hauptinhaberin des VerlageS Ehsler & Eo., die mit dem Berliner Bankier Tobolski verheiratet ist, Frau Helga Shs- ler-Tobolski, hat ihr Kind aus ihrer ersten Ehe mit dem Großgärtnereibesitzer Dr. Hellmut Späth In einem Flugzeuge entführt. Sie hält sich zur Zeit mit dem Kinde im Auslande verborgen.

Oie Wetterlage.

Freitag, d.B. Harz 1929^ 7* apds.

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Wettervoraussage.

Fast in ganz Deutschland lagen die Temperatu­ren heute morgen über Rull Grad. 3n de» Maingegend erreichten sie schon 5 Grad und in unserem Bezirk durchweg 3 Grad. Dur Königs­berg und Friedrichshafen meldeten noch leichten Frost. Da eine wesentliche Aenderung der Druck­verteilung nicht stattgefunden hat, so ist für unser Gebiet mit Fortdauer der herrschenden Wetterlage zu rechnen.

Wettervoraussage für Sonntag: Wol.ig mit Aufheiterung, trocken, Temperaturen nachts um null Grad, tagsüber mild.

Wettervoraussage für Montag: Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 8. März: mittags + 6,6 Grad Celsius, abends -f-0,8 Grad: am S. Marz: mor­gens + 3,3 Grad. Maximum + 7,4 Grad, Minimum 1,2 Grad. Erdtemperaturen am 8. Marz: abends0,5 Grad: am 9. März: morgens0,6 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 6X Stunden.

wlnlerfporknachrlchlen der Hess. Wetterdienststelle.

Vogelsberg (Hobcrods.opf): Hei er, Tem­peratur minus 1 Grad, 35 Zentimeter Schnee, etwas verharscht, Ski und Rodel gut. Herchen- hainer Höhe: Heiter, Temperatur plus 3 Grad, 20 Zentimeter Pappschnee, Ski und Rodel ziem­lich gut.

Sauerland (Winterberg): Heiter, Tem-- peratur pluS 2 Grad, 35 Zentimeter Schnee, etwas verweht, Ski mäßig, Rodel gut

Schwarzwald (Feldberg): H« ter, Tempe­ratur PluS 2 Grad, 88 Zentimeter Schnee, ge­körnt, Ski und Rodel sehr gut.

2llpen (Garmisch-Partenlirchen): Heiter, Temperatur minus 2 Grad, 25 Zentimeter Schnee, etwas verharscht, Ski und Rodel gut (Berchtes­gaden): Wolkig, Temperatur plus 4 Grad, 45 Zentimeter Schnee, stark verweht, Ski und Rodal sehr gut.