Samstag, 9. März 1929
179. Jahrgang
Nr. 58 Erster Blatt
daß nach dem augenblicklichen Stand der Verhand-
Nach anderthalbftündiger Unterredung
mann.
haben.
Nach Beendigung ihre» zweiten Besuches, der nur zwanzig Minuten dauerte, besteht der Eindruck,
der heutigen Dormiilagssihung des Dölkerbundsrats standen der Bericht des Finanzkomitees de» Völkerbundes, ferner Vorschläge der schweizerischen Regierung für Errichtung und Betrieb einer Radiostation, die unter gewissen Bedingungen in Krisenzeiten dem Völkerbund zur Verfügung gestellt werden soll, und schließlich die vorliegenden Minderheitenbe- f ch werden aus Oberjchlesien. Rach etwa einstündiger öffentlicher Sitzung wurde bekannt, dah sämtliche oberschlcsische Fragen von der Zage»- orduung abgefeht werden und erst in der nächsten Sitzung, die Samstag früh ftattsindet, zur
ll l i h , mit dem auch der gestern abend ersolgie Besuch des in Genf weilenden polnischen Gesandten in Berlin, Knoll, in Zusammenhang gebracht wird, und über die Behandlung der Beschwerde des Deutschen Volksbundes gegen seine Verhaftung noch n i ch t einigen konnte. Auch die Verhandlungen über die Restpunkte der großen Schulbcschwerde des Deutschen Volksbundes vom 3uni vorigen Jahres in bezug auf die von der polnischen Regierung vertragswidrig eingesetzten Anmeldekommissionen für die deutschen Minderheitenschulen und das persönliche Erscheinen der Erziehungsberechtigten zur Anmeldung ihrer Kinder und zur Nachprüfung ihrer Sprachenerklärung konnten noch nicht abge- f ch l o s s e n werden.
Die Verhandlungen über die deutsch-polnischen Streitfragen waren den ganzen Abend noch in vollem Gange. Generalsekretär Sir Lrik Drum- m o n d und Anlergeneralsekrekar S u g i m u r a,
weltbeherrschendes Finanzinstitut von . .
schen Ausmaßen entstehen würde. Auf den ersten Dlick mag dieses grandiose Projekt besonders für uns Deutsche manch Bestechendes haben. Gerade das, was wir immer und immer wieder verlangt
an eine Beteiligung der großen Privatbanken, so daß, wenn man noch die gewaltige Summe in 'Betracht zieht, die es hier umzulegen gilt, ein phantasti-
der Leiter der politischen Abteilung des Völker- bundssckretariats, weilen seit 22 Ahr am Sih der
haben sie sich kur; nach 23.30 Ahr von Dr. Strese- mann verabschiedet, um sich anschließend sofort ;um polnischen Außenminister Zaleski zu begeben, mit dem die Verhandlungen forigeseht wurden. Sir Erik Drummond und Sugimura suchten kur; nach Mitternacht Reichsminister Dr. Streftmann ;um zweiten Male auf, um ihm von dem Gang ihrer Besprechungen mit dem polnischen Außenminister Zaleski in Kenntnis zu sehen.
Die Minderheitenbebatte im Genfer Bölkerbundsrat hat mit einem Kompronnß geendet, das uns Deutsche kaum zu befriedigen vermag. Reichsauhenminister Dr. S t r e s e - mann hatte in einer groß angelegten, offenbar auf die besondere Genfer Atmosphäre zugeschnit- ienen Rede das Minberbeitenproblem in fernem Verhältnis zum Völkerbund eines historischen Rückblicks gewürdigt und Anregungen von weit- sagender Bedeutung für die künftige Behandlung der Minderheitenbeschwerden durch dre Organe des Böllerbunds gegeben. Die Bede Strese- manns klang akademischer, als man sie toopl allgemein, auch bei uns in Deutschland, nach dem scharfen Zusammenstoß zwischen dem deutschen Ratsmitglied und seinem polnischen Kollegen auf der letzten Ratstagung erwartet hatte. Rach Berichten aus Genf lag hierin vielleicht der Grund ihrer Wirksamkeit. Man fand keinen Anlaß zu heftigen, unsachlichen Erwiderungen und war genötigt, sich an die Materie selbst zu batten. So darf man es wohl als ersten Meinen Erfolg buchen, dah der Rat sich überhaupt bemüht, statt die Frage noch in der gleichen Sitzung tot zu reden, wie eS die Polen und ,hr windercheitenfreundlicher Anhang am liebsten ge-
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Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. tz.Thyriot; für den übrigen Zell Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.
I lungen, die Angelegenheit Ullh eine l Lösung finden kann, in der der deutsche Standpunkt ;um Ausdruck kommt, ! ohne dah ein Scheitern der Verhandlungen eintrilt. Es steht zu erwarten, dah Zaleski eine Erklärung abgeben wird, wonach et für dle Oeffentlichkelt das verfahren gegen Ulitz im Rahmen der polnischen Gesetzgebung und für die Beschleunigung dieses verfahren» ; Sorge tragen will. Reichsminister Dr. Strefemann 1 würde in diesem Falle den deutschen Standpunkt
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Was wir denken.
Gigantisch zwar, aber nicht neu ist der Plan, der sich nun endlich nach langem ungeduldigem Rätselraten aus dem geheimnisvollen Halbdunkel der Pariser Reparationskonferenz abzuheben beginnt. Die Sachverständigen wollen, toerm man den vorliegenden Berichten Glauben schenken darf, das vom Daweskomilee eingesetzte, zweifellos komplizierte System der Treuhänder zur Kontrolle der deutschen Reparationszahlungen durch ein großes Clearinghouse ersehen, eine Art Weltbank, die alle, mit der Reparationsfrage zusammenhängenden Geschäfte rein bankmäßig, also auf privatwirtschaftlicher Grundlage abwickeln würde. Reben den Zentralnotenbanken der interessierten Länder denkt man auch
Oer Kall Lllih vor dem Völkerbundsrat.
Kein Erfolg der Beschwerde -es Oeutschen Bolksbundes in Ostoberschlesien? Wird Deutschland -en Ratsbericht ablehnen?
Behandlung kommen sollen. Die Vertagung ist notwendig geworden, weil man sich über den Fall
sehen hätten, über das Verhältnis von Minderheiten und Völkerbund ein klares Bild zu go» Winnen. Leider ist man sich dabei dem alten Grundsatz des Völkerbundes, asies Unbequeme und Unangenehme in kleinen Konventikeln zu erörtern, um dann mit einem fertigen Ergebnis die Oeffenllichkeit zu überraschen, auch hier treu geblieben. Aus den Vertretern Japans — als dem gegenwärtigen Berichterstatter des Rats — Englands und Spaniens ist ein Komitee gebildet worden, das alle Aenderungsvorschläge, Anregungen und Denkschriften, mögen |te nun schon vorliegen, oder dem Rat von interessierter Seite erst zugehen, sammeln und zu einem Bericht verarbeiten soll, der dann dem v o r der nächsten regulären Ratstagung als Komitee, also unter Beschickung durch Sachverständige, zusammentretenden Rat vorzulegen ist.
Von der Abfassung dieses Berichts hängt natürlich für die Weiterbehandlung des Minderheitenproblems vor dem Völkerbundsrat außerordentlich viel ab. Es wird uns deshalb schwer, den Optimismus zu teilen, der aus der offiziösen Auslassung der deutschen Delegation in Genf spricht. Schon der allzu enggezogene Kreis dieses Dreierkomitees, das mit der Berichterstattung beauftragt wurde, scheint uns bedensiich, noch bedenklicher seine Zusammensetzung. Q u i n o n e s de Leon, der spanische Botschafter in Paris und Spaniens ständiger Ratsdelegierter, hat sich in den vielen Zähren als allzu zuverlässiger Parteigänger der französischen Politik bewährt. Er wird zu nichts seine Hand bieten, was seinem Freunde Briand und dessen östlichen Trabanten unsympathisch sein konnte; und das in der Minderheitenfrage um so weniger, als er der Vertreter einer Ration ist, die in den Katalanen selbst eine höchst unbequeme Minderheit besitzt. Chamberlain, der britische Delegierte, galt bislang als Anhänger der famosen Assimilationstheorie des von Kenntnis europäischer Verhältnisse unbeschwerten Brasilianers Mello Franco, den man von Rats wegen zum Hüter europäischer Minderheitenrechte gemacht hatte und der als solcher die seltsame Ansicht vertrat, der Minderheitenschutz habe nur solange Berechtigung, bis die Minderheiten von dem Staatsvolk aufgesogen seien. Sir Austen hat seine frühere Haltung nun zwar für ein Mißverständnis erklärt, aber doch mit besonderer Betonung die Rotwendigkeit der Loyalität der Minderheiten gegenüber dem Staat, zu dem sie geschlagen wurden, unterstrichen. Das sind ja, soweit die deutschen Minderheiten jedenfalls in Frage kommen, selbstverständliche Dinge, die nie
Dieser im ersten Augenblick sehr einleuchtende Gedanke löst nun doch bei näherer Ueberlegung manche Zweifel unb Besorgnisse aus. Wie wird , , — . - - - - -
sich einmal Amerika und das amerikanische deutschen Delegation bei Reichsminister Dr. S 1 r e f e - Großkapital dazu stellen? Da mit John Pier- " ........
pont Morgan einer seiner hervorragendsten Ver- } tretet im Sachverständigenausschuß selbst sitzt, wird also wohl von dieser Seite lein Einwand zu erwarten sein. Um so größer scheint uns die Gefahr, dah sich das amerikanische Großkapital bei der Gründung der Reparationsbank durch hohe Beteiligungsquoten und Inanspruchnahme umfangreicher S. immrechte einen überragenden Einfluß auf dies neue Finanzinstitut größten Ausmaßes sichern wird. Wer aber diese Reparationsbank beherrschen wird, wird auch den Geldmarkt der Welt beherrschen, und dies an sich rein wirtschaftlich aufgezogene Institut würde damit über Rächt wieder zu einem — und zwar dem wirksamsten Instrument der Politik, von der man das Reparationsproblem ja gerade lösen wollte. Wenn man es auch zweifellos versuchen wird, so wird es doch in der gegenwärtigen Situation äußerst schwer halten, gegen diese drohende Weltdiltatur des amerikanischen Finanzkapitals ausreichende Sicherungen einzubauen. Zulänglicher Sicherungen bedarf Deutschland im besonderen auch für eine gerechte Durchführung des Clearing in dem Sinne, daß sich die Organisation des Zahlungsausgleichs vor allem auch für Deutschland, als dem wirtschaftlich schwachen, erst im Wiederaufbau begriffenen Schulbnerlanb günstig auswirkt. Heute schon zu einem abschließenden Urteil zu kommen, ist angesichts der mageren Mitteilungen aus offizieller Quelle unmöglich, unmöglich auch namentlich deshalb, weil die Pariser Sachverständigen sich anscheinend bis- her darauf beschränkt haben, die Umgestaltung des technischen Apparates zu erörtern, den es nun mit schwerwiegenden Zahlen auszufüllen gilt. Erst wenn hierüber Authentisches vorliegt, wird man sagen können, ob die Hoffnungen, die Deutschland auf die Pariser Reparatwns» konferenz gesetzt hat, Aussicht auf Erfüllung
wird.
Polens Feldzug gegen das Oeuifchtum.
Schwere Borwürfe im Warschauer Senat.
Warschau, 8. März. (TU.) In der Senats- aussprache über den Haushalt des Innenministeriums führte Senator H a s b a ch , einer der bewährtesten Führer deS Deutschtums in Polen u. a. aus, daß sich der Einfluß des Innenministeriums sowohl in der Schulpolitik der polnischen Regierung, wie überhaupt auf dem Gesamtgebiet Der Minderheitenbehandlung entscheidend geltend mache. Jedes Mittel und jeder Vorwand zur Entwurzelung deS Deutschtums sei den Behörden recht. So biete daS Innenministerium die nötigen Handhaben für die Liquidationdes deutschen Grundbesitzes, indem es bodenständigen Menschen ganz unbegründet die polnischen Staatsbürgerrechte abspreche. In gleicher Weise werde die sogenannte Agrarreform zu national- politischen Kampfzwecken gegen das Deutschtum ausgenuht. In bezug auf Pommerellen habe man in diesem Jahre 5520 Hektar deutschen Landbesitzes auf die Enteignungsliste gesetzt, während der polnische Besitz nur mit 500 Hektar heran» gezogen werde. Deutsche Musterwirtschaften würden schonungslos aufgeteilt, um in Pommerellen polnische Siedlungspolitik betreiben zu können. Dabei vergüte der Staat dem deut- jchen Tesitzer nur ein Viertel bis ein Drittel des tatsächlichen Bodenwertes und mache beim Weiter- verkauf sehr gute Geschäfte. Selbst in
zur Debatte standen. Ob grade Chamberlain also seiner ganzen Einstellung nach für eine unvoreingenommene Prüfung des Minderheitenproblems daS geeignete Ratsmitglied ist, mag füglich bezweifelt werden. Auch die Zeitspanne bis zur nächsten Ratstagung scheint unS im Hinblick auf das riesenhaft angeschwollene und sich durch die zu erwartenden Denkschriften der interessierten Parteien noch ständig vermehrende Material sehr kurz bemessen zu sein, um eine wirklich sachgemäße und unparteiische Tlntersu- chung durchzuführen, die doch allein den Minderheiten nützen könnte. So können wir einige Besorgnis über den Ausgang dieses Experiments nicht unterdrücken. Wir möchten nur wünschen, daß recht viele Mitglieder des Rats wie der Vollversammlung zeitig zu der Einsicht kommen, an dem Minderettenproblem einen Prüfstein für die Existenzberechtigung des Völkerbunds vor sich zu haben. Aus dieser zunehmenden Erkenntnis heraus, zu der Stresemanns Vorstoß zweifellos wesentlich beigetragen hat, mag schließlich doch noch etwas Befriedigendes für die vierzig Millionen Europäer emporwachsen, die heute meist erst durch die Pariser Friebens- diktate gezwungen sind, in Staaten fremder Rationalität um ihre unveräußerlichen Menschenrechte, um Sprache, Kultur, Sitte und Glauben einen erbitterten Kampf zu führen.
Dor dem Kriege hatte Deutschland durch die Ueberlegenheit seiner Wissenschaft — auf medizinischem, chemischem und technischem Gebiete vor allem — eine sichere Weltstellung in kulturpolitischer Beziehung. Diese Stellung hat es zwar trotz aller Boykottmaßnahmen der Kriegsund ersten Nachkriegszeit nicht ganz cingebüßt, aber es befindet sich als kulturpolitische Vormacht mindestens in einem scharfen Wettbewerb mit verschiedenen anderen Mächten, vor allem Frankreich, neuerdings auch Italien, die beide von jeher viel größere Mittel für ihre Kulturpropaganda im Auslande aufgewandt haben unb heute wieder aufwenden. Man kann Kulturpropaganda als eine Art nationalen Luxus betrachten und auf dem Standpunkt stehen, daß unsere materiellen Verhält- Nisse uns es zur Zeit nicht gestatten, dafür Mil- lionen-Summen aufzuwenden; man vergißt aber bei dieser Betrachtungsweise, daß unsere kulturelle Auslandarbeit sich stets als eine Pioniertätigkeit, in erster Linie für die Wirtschaft, nebenbei aber auch für die Politik erwiesen hat. Dem Arzt und dem Chemiker, die in Ueberfee durch die Qualität ihrer Leistungen sich Ruf und Ansehen erworben haben, folgt die chemisch-pharmazeutische Industrie mit
Gegenden unb Ortschaften, wo das Deutschtum 90 v. H. der Bevölkerung darstelle, würden die Angehörigen der deutschen „Minderheit" syste- ma.i'chvom kommunalenDerwaltungS- dienst und Staatsdienst ausgeschlos- s e n. Aehnliche Hcbergriffe nach rein national- politischen Gesichtspunkten seien auf allen Gebieten des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens an der Tagesordnung.
Zum Etat des Justizministeriums erklärte der oberschlesische Senator Panter: Wie ich schon einmal nachzuweisen versucht habe, dient bei und die Justiz nicht der Gerechtigkeit, sondern dem krassesten Rationalismus. Ich erachte' es aber für notwendig, auf die Ausführungen des Iustizministers Car im HaushaltsauLschuß zum Falle Tllitz zu antworten Tllitz ist, wie ich damals ausgeführt habe, nicht etwa deshalb verhaftet worden, weil er sich gegen irgendein Gesetz vergangen hat, sondern well er der Leiter des Deutschen DolkSbun- deS ist und der Deutsche Volksbund als eine Organisation der deutschen Minderheit den Verwaltungsbehörden bei ihren ©ntnationalifie- rungsmaßnahmen unbequem ist. Durch die Verhaftung des Abgeordneten Alitz glaubt man, die Tätigkeit dieser Organisation lahmge- l e g t oder wenigstens die deutsche Minderheit eingeschüchtert zu haben. In dem Verfahren gegen unS stützt man sich auf ein gefälschtes Dokument. Selbst der Marschall des schlesischen SejmS und der weitaus größere Teil des früheren schlesischen Parlaments haben diese Auffassung vertreten. Warum fürchtet man sich, dieses Dokument von einem objektiven Fachmann auf seine Echtheit prüfen zu lassen. In dem Prozeß gegen ein zweites Mitglied des Deutschen VolksbundeS hat man sich ebenfalls auf ein Dokument gestützt, dessen Fälschung leicht nachzuweisen ist. Aber nicht nur das; es wurde sogar eintoegenllr- kundenf äl schung von polnischen Gerichten zur Verantwortung gezogener Mensch a l S Hauptbelastungszeuge zugelassen und unter Eid vernommen. Auf diese von mir vorgebrachten Tatsachen ist der Justiz- Minister überhaupt nicht eingegangen, so daß man beinahe Den Schluß ziehen könnte, daß Derartige unmoralische Mittel bewußt angern e n D et werden. Bei und in Oberschlesien herrscht Die äleberjeugung unD nicht nur bet Den Deutschen, daß in Diesem Falle nicht Die Justizbehörden das ilrteU fällen, sondern Die politische Abteilung Des Innenministeriums in Warschau und daß Die Urteile sestgelegt wurden lange bevor daS Verfahren eingeleitet war.
haben. Die Herausnahme des gesamten Reparationsproblems aus der politischen Atmosphäre unb seine Abwickelung nach rein wirtschaftlich- finanzpolitischen Gesichtspunkten, scheint ja dieser Plan einer Weltreparationsbank zu gewährleisten. Die fast ausschließlich politisch orientierte Reparationskommission, die sich allzuoft als ein williges Werkzeug in der Hand unserer macht- und beutelüsternen Gegner erwiesen hat, würde verschwinden und an ihrer Stelle hätte es Deutschland ausschließlich mit dieser von Richtsals- sinanzleuten geleiteten Bank zu tun. Ihre Aufgabe würde es bann in Zukunft allein sein, Teile der deutschen Reparationsschuld auf den Markt zu bringen, Deutschlands Zahlungen in Empfang zu nehmen unb an bie Gläubiger- länber zu verteilen, bamit also die besonders schwierige Aufgabe der Transferierung zu bewerkstelligen, aber auch Kontrolle unb Verteilung der Sachlieferungen in bie Hand zu nehmen. Also ein Riesenprogramm, dessen Abwickelung künftig von einer einzigen Stelle aus vonstatten gehen würde.
j resümieren unb nötigenfalls die Gründe dafür an- । geben, warum Deutschland sich bei der Abstimmung über den Bericht der Stimme enthalten
Schwierige Vorverhandlungen. |
Genf, 8. Mär;. (IDID.) Auf der Tagesordnung
ihren Waren; dem Konstrukteur unb Wegebauer, dem Bergmann und Geologen folgen die Maschinenfabriken, die Waggon- und Lokomotiofabriken mit um so sicherer Aussicht auf Erfolg; und selbst der deutsche Lehrer ist ein Bahnbrecher für Das deutsche Buch, das rtur da tm Auslande gekauft werden kann, wo die Bevölkerung die deutsche Sprache versteht und für deutsches Geistesleben zuvor interessiert worden ist. Kulturpropaganda ist also kein Luxus, und wenn ihr Nutzen auch vorwiegend auf politischem Gebiet liegt — denn Verständigung kommt von Verstehen, und Verstehen ist nur mög- sich, wo die Grundlage dazu von Kulturpionieren gelegt worden ist — so kann man doch ganz gut die gesamte kulturelle Mrbeit des Deutschtums im Auslande als „W e r b u n g s k o st e n der Firma Deutschland" als eines wirtschaftlichen Konzerns verbuchen.
Es ist deshalb außerordentlich bedauerlich, daß bei der Etatisierung der hierfür notwendigen Mittel gewöhnlich von dem Gesichtspunkt ausgegangen wird, daß es sich um eine Luxus-, nicht um eine werbende Anlage handle. Auch jetzt wieder hat man an dem ohnehin beschränkten Etat für kulturelle Aufwendungen im Auslande Streichungen versucht, und Preußen hat im Reichsrat unter Berufung auf die Unzulänglichkeit seiner eigenen Schuloerhältnisse In Teilen Ostpreußens und Der Eifel eine Verminderung der Aufwendungen für die Auslandschulen um 500 000 Mark beantragt. Dabei haben diese Schulen im Gegensatz etwa zu Denjenigen der sehr rührigen Alliance Franyaise, die man vor allem in der Levante, im Balkan und in Dftafien findet, für Deutschland eine doppelte Aufgabe zu erfüllen: nicht nur diejenige der Werbung für die deutsche Sprache und Kultur bei fremden Völkern, sondern vor allem auch die Erhaltung des Deutschtums bei den deutschen Minderheiten unb in Den zahlreichen Einsprengseln Deutscher <5ieDelungen, die fast über die ganze Welt verbreitet sind. Die deutsche Hochschule in China hat dieses Jahr etwa zehnmal soviel Anmeldungen von Chinesen gehabt, als sie aufnehmen konnte, in Madrid mußte Die Oberrealschule, die 500 Schüler umfaßt, Bewerber ablehnen, in fientngrab mußte die einzig übrig gebliebene deutsche Schule, Die freilich 5000 nur zum Teil deutsche Schüler enthält, reduziert werden. Deutsche Musik unb beutscher Sport, beut- sches Theater und beutscher Film sind wichtige Mit- tel der Kulturpropaganda, die nichts ober wenig kosten; aber deswegen darf doch auf die übrigen nicht unb nirgends verzichtet werden; denn es gilt, nicht nur zu erhalten, sondern Neues auf friedlichem Wege zu erobern! -
Neheim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vruöund Verlag: Vrühl'sche Univerfitütr-Vuch- und Steindruckerei R. Lanze in Sieben. Schriftteitung und Seschastrstelle: Schulftrabe 7.
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