Ausgabe 
9.2.1929
 
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in Rom lebenden Deutschen aber auch der ge- waliigcu historischen lat des leiten­den Staatsmannes Italiens den Tribut der Hochachtung, der denen zukomml, die ihren Romen durch epochemachende Taten in das Buch der wctkaeschichte eintragen.

DieLlnabhangigkeiiderKirchr.

Pariser Befürchtungen.

Paris, 8. Febr. ($11.) Die französische Presse beschäftigt sich in langen Leitartikeln mit oon zwischen Mussolini und dem Papst getroftenen Llbkommen, das zu den wichtigsten poli­tischen Ereignissen ge- ^net wird, die die Geschichte S'.a toiä zu ve zeichnen ha e. Bor allem wird die O e s ch i ck l. . c 11 M u s s o- l i n i s bei den Verhandlungen hervorgehoben, für den doS Abkommen einen seiner größ­ten Erfolge bedeute. Die Frage, die die bis­herigen italienischen Regierungen nicht ein­mal a n z u s ch n c i d c n gtoagt hatten, habe der Duce in wenigen Monaten gelost, schreibt der ..Petit Parisien". Indem er mit dem Heiligen Stuhl auf gleicher Grundlage ver- handelt habe, habe dec erste italienische Staats- mann der geisti. en und moralischen Macht der Kirche seine Ehrbezeugung erwiesen. Von allem aber werde die italienische Regierung inner­politisch wie außenpolitisch aus der Lösung Vor­teile ziehen. Pertinar meint im »Echo de Pa­ris', daß es in den Beziehungen zwischen Vati­kan und Quirinal weiiiger 2!enderuiigen geben werde, als man auf den ersten Blick annehmen könnte. Die Kluft sei schon seit langem überbrückt. Pertinax fragt, ob der Papst künftighin den Eintritt einer größeren Anzahl Ausländer in das Heilige Kolle­gium ermöglichen werde. Der »Temps' schreibt, die gesamte Aufmerksamkeit richte sich natürlich auf die Lage, die in religiöser Hinsicht der katho­lischen Kirche künftig breitet werd- . Selbstver­ständlich werde Italien jetzt beim Vatikan dieselbe Stellung clnnehmen wie die anderen beim Hei­ligen Stuhl vertretenen Mächte. Aber der Heilige Stuhl werde Wert darauf legen, deutlich seine unbedingte Unabhängigkei t von je d- weder nationalen Macht zu kennzeichnen. Die katholische Kirche sei vor allem eine über die ganze WÄt sich erstreckende Institution, und soweit man den Charakter des Papstes kenne, nehme man an, daß er sich bei dieser Regelung von der Hauptsorge um die effektive Unabhängig­keit des Heiligen Stuhles habe leiten lassen. Andernfalls, wenn die gemachten Zugeständnisse die Garantien für die Unabhängigkeit des Vali° kans schwächen sollten, könnte die katholische Welt dadurch beträchtlich in Unruhe versetzt werden. Es würde eine Gefahr vom Standpunkt des rdU gjösen Einflusses vorliegen. ja, die Kirche würde allmählich ihren internationalen und weltumfas­senden Charakter verlieren, wenn der An­schein erweckt werde, von einem bestimmten natio­nalen Einfluß beherrscht zu werden.

Vatikan und Völkerbund.

Genf, 8.Febr. (TU.) In maßgebenden Völker- bundskreisen wird im Zusammenhang mit der Aus­söhnung zwischen dem Vatikan und Quirinal d i e kommende Stellung des päpstlichen Staates zum Völkerbund erörtert, eine Frage, die zweifellos noch gewisse Schwierigkeiten bereiten wird. Eine Mitgliedschaft des Vati- I kans beim Völkerbund dürfte jedoch zunächst kaum j in Frage kommen, da der Papst trotz aller Wiedererlangung der staatlichen Macht doch seinen Charakter als eine rein religiöse aeist- l j ch e Herrschaft ausübt und somit eine Teilnahme an einem Staatenbund und den damit verbundenen völkerrechtlichen Verpflichtungen nur schwer denkbar erscheint. Man erwartet jedoch, daß das Abkommen zwischen der italienischen Re­gierung und dem Vatikan als ein internationaler Vertrag in der Üblichen Weise von der italienischen Regierung im Sekretariat des Völker­bundes zur Veröffentlichung und Registrierung übergeben wird.

Oie deutschen Sachverständigen in Paris einqetroffen.

Paris, 8.Febr. (WIB.) Die deutschen Dele- gierten für die Reparationsverhandlungen, Reichs- bonkpräfident Dr. Schacht, Dr. Bögler, Dr. Melchior und Geheimrat kost! sind heule nach­mittag in Paris elngetroffen. Sie wurden vom Boc- fihenden der striegslaftenkommission, Ministerialrat pr. R u p p e l, empfangen. Ramons des deutschen Zotschafler» o. H o e s ch begrüßte sie Gesandtschafts- tat Dr. Rieder. Mit dem gleichen Zuge sind auch Die übrigen Mitglieder der deutschen Delegation -ingetrossen, sowie der japanische Delegierte Aoki, der sich einige Tage in Berlin aufgehalten hatte.

Abschluß der Elsaßdebasts.

Vcrtrauenskundgebung für Poineare

Paris, 8. Febr. (T. 11.) Die Aussprache über die elsässische Frage in der Kammer hat am Freitagabend ihren Abschluß gefunden. M i t 4 65 gegen 10 Stimmen bei Stimm­enthaltung der Sozialisten nahm das Haus den regierungsfreundlichen Antrag des Abg. Thomson von der radikalen Linken an, der folgenden Wortlaut hat:3m Vertrauen auf die treue Anhänglichkeit der elsässischen und loth­ringischen Bevölkerung zum einigen und unteil­bare Frankreich gehr die Kammer unter Ab­lehnung jedes Zusatzes zur Tagesordnung über." Zuvor war der sozralistrsche Antrag, der die Schaffung eines elfaß-lolhringi- l 6) e n Parlamentes sowie jede Ausnahme­gesetzgebung zuri.ckwcist, die Rotwendigleit einer B e r W a l t u n g s r e s o r m, einer Steuerreform sowie daä Z w c i s p r a ch c n s y st e m unter- streicht und schließlich die Einführung der Laiengcsetzgebmrg fordert, mit 3 3 0 gegen 2 5 6 Stimmen abgelehnt worden. Ein weiterer Antrag des aulonowiftischen Abg. W a l t h e v. in dem die Regierung ausgefordert toirb, jede Vergeltungs- und Mochtpolitik auf» zugcvc.i, die begangenen Fehler und llngerechtig- fciteix gut zu machen, den polnischen Verurteil­ten A in n t k i c zu gewähren und eine allge­meine Verwal lungsrefrrm d.'rchzuführen. war buro; die Annahme des An '.ages der radikalen Linken erledigt.

Der K a m ns e r a u S s ch u ß für Gesetz- g e b u n '! r» a n g e l ö g e n h eii e n hat imnmcbr im C'nvcrst in- ..ij mit 6:r Regierung einen Ge­setze urs fest gelegt, der in her Hauptsache d i e

autonomistischen oder regionaltstt- scheu Bewegungen treffen soll. Das Gesetz besagt, daß jede propagandisiische Handlung, die geeignet ist. den öffentlichen Frieden zu gefährden und die bezweckt, einen Teil desGebietes, über das sich die Souveränität Frankreichs erstreckt, dieser Souveräni­tät zu entziehen, mit Gefängnis von einem bis zu fünf Jahren bestraft wird.

Aeue Straßenlämpfe in Bombay.

Bombay. 8. Febr. (WB.) 3m Laufe des Abends ist es zu neuen schweren Kämp­fen zwischen OllD^jmmcbanem und Hindus ge­kommen. da sich das Gerücht verbreitete, der zwi­schen den Parte tat vereinbarte Waffenstillstand sei gebrochen worden. Sofort brachen an einem Dutzend verschiedener Stellen zugleich neue S:ra­tz enkämpfe aus, bei denen von ben Vvlksmasfen isolierte Gruppen der Gegenpartei überfallen und in mitleidsloser Weise mitz handelt wurden. Heber die Zahl der Toten, d e sehr groß sein soll, liegen noch keine näheren Angaben vor. Die Hospitäler füll len sich rasch mit Verwun­deten. die zum größten Teil Slichverletzungen auftoeifen. Die Truppen, die einen Patrou'cklcn- diens! mit Panzerautomolilen elnzer.cbtel haben, haben erneut an mehreren Stellen mit der Schußwaffe cing reifen müsseir Um 2 Uhr mor ,ens betru i die Zahl der Toten im Ptzhownie» Gebiet, wo die Truppen das Feuer eröffnen mutzten, schätzungsweise 3), d e Zahl der Verletz­ten 100. Den Truppen gelang es. in den meisten Bezirken Herr der Lage zu werden. Es Ist jedoch unmöglich, die Gesamtzahl der Veickuste zu nennen, da sich die Unruhen rasch über ein großes Gebiet ausdehnlen.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtages.

Darmstadt, 9. Febr. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages beriet die weiteren Kap.fei 57 bis 61 desSchulwesens. Mit 6:5 Stimmen bei einer Enthaltung wurde ein Zentrumsantrog angenom­men, die zur Zeit bestehenden einklasiigen Schulen nach Mögüchlcit zu erhalten. Ebenso wurde der Bauernbundantrag angenommen, Leh­re r st e ll e n mit geringer K l a s s e n st ä r k e, die eingeben sollen, den Landgemeinden zu über­tragen. Mit 8:4 Stimmen bei einer Enthaltung obgelehnt wird der Antrag Reiber (Dem.), 30 Volksschullehrer st ell en neu einzu­richten. Bei zwei Enthaltungen angenommen wird der sozialdemokratische Antrag, an reinen Mädchenschulen mehr a l s bisher Lehre­rinnen zu verwenden. Ein Antrag H e - raeus (Dn.), die an Mädchenschulen frei werden­den Stellen mit Lehrerinnen zu besetzen, bis der Lehrkörper mit 50 Prozent Lehrerinnen besetzt ist, wird abgelehnt. Einstimmig ange­nommen wird der sozialdemokratische Antrag, die Vergütungen für nebenamtlichen und Katecheten­unterricht den preußischen und Reichssätzen anw- gleichen. Ohne wesentliche Debatte werden dann die Kapitel 57 bis 61 angenommen.

Deutscher Reichstag.

Das ArbeilSzeitschutzgejctz.

Berlin, 8. Febr. (VDZ.) Bei der Fortsetzung der ersten Beratung des Arbeitsschutzge- setzes erklärt Abg. Fa h renb r a ch (3.): Der Widerstand mancher Staaten gegen die Ratifi­zierung des Washingloner Abkommens dürfe Deutschland nicht hindern, schon vor der Rati­fizierung von sich aus eine gesetzliche Regelung vorzunehmen, di« diesem Abkommen entspricht. Bei den jetzt in Paris beginnenden Reparalivns- verhandlungen sollten die Sachverständigen be­achten. datz jede Ersch werung der deutscher Aus­fuhr auch eine fortschrittliche Entwickelung der deutschen und der internationalen Sozialpolitik gefährdet. Dec Redner verlangt vor allem einen ausreichenden Schutz für die jugendlichen und weiblichen Arbeiter. Den weiblichen Arbeitern müsse der arbeitsfreie Samstagirnchmittag ge­währt werden, damit sie nicht den Sonntag zum Wasch- und.Puhtag zu ma Aen brauchten.

Abg. Schneider- Ber in (Dem.) b^eichnet die Vorlage als einen bedeutsamen Fortschritt auf dem Gebiete des Arbeiterschu'.eZ. Die Wirt­schaft fei gegenwärtig in bedrängter Lage, aber die Lage dec Ariie taehmer sei noch we iger rosig. Hier müsse der Versuch eines Ausgleichs gemacht werden, der für alle Teile tragbar sei. Bei dem Versuch, eine einheitliche Ar - beitsaufficht zu erreichen, bleibe der Ge­setzentwurf auf halbem Wege stehen. Hier müs e im Ausschuß an Verbesserungen gearbeitet wer­den im Sinne einer Vereinh.itlichung für das ganze Reich. 3n der A r b e i t s z e i t f r a g e seien sehr viele Ausnahmen vom Achtstundentag gemacht worden. Von einemschematischen Acht­stundentag" könne nach diesem Gesetz ganz gcwitz nicht gesprochen werdeir. Der besonderen Eigen­art der vielen für die deutsche Wirtschaft s hr wichtigen Kleinbetriebe müsse auch in der Sozial­politik Rechnung getragen toceben. 3n der Frage der Sonntagsruhe sei die im Entwurf vor­gesehene Vermehrung der Ausnahmen in kleinen Gemeinden nicht zu billigen. Zu begrüßen sei es, daß nach diesem Eeetz endlich die AuSnahme- bestimmungen von Ladenschluß und Sonntags­ruhe Wegfällen, die bisher den Verkaufs- stätten auf dem Reichsbahngelände eingeräumt waren.

Abg. Beier (Wirtsch.-P.) erklärt, es sei ein Trugschluß, datz bei Verkürzung der Arbeitszeit die Zahl der Arbeitslosen sich vermindern würde. Das könnte erst eintreten, wenn die übrigen Inbustrielänber die Arbeit zeit verkürzen. In England, Franlreich und Italien bestehe wenig Reigung zur Datil ierung des Wa­shingtoner Abkommens. Beunruhigend habe die Ankündigung so vieler neuer fozialvoliti.chcr Ge­setze gewirkt. Jetzt müsse eirdlich Schlutz gemacht werden mit dem Hineinpressen der Wirtschaft in immer neue Zwang.jacken. Die Folgen der ü b er spannten Sozialpolitik zeigten sich jetzt schon in der trostlosen Finanz­lage des Reiches. Leider sei in der Vor­lage mit keinem Wort die Rede von der Schwarzarbeit. Auch die Gewerkschaften sollten doch gegen diese Schwarzarbeit vorgchcn, bei dec nicht nut die steuerlichen Verpflichtungen unetfü lt bleiben, sondern .auch die Arbeits- losenv:r,ich-rung ohne Rot belastet wird.

Abg. I ä ck e r (Soz.) bedauert, daß auch aus dlo- 1cm Gesetz die Landwirtschaft ausgenommen ist. Die Landarbeiter würden immer als Arbeiter 1 zweiter Klasse behandelt.

Abg. langen (Dem.) äußert, Die Beschränkung der Arbeitszeit sei kaum erträglich für die Hand­werksbetriebe. die unmittelbar mit der Landwirt­schaft arbeiten. Die Gärtnereien mußten eben- jo wie die Landwirtschaft aus dem Gesetz heraus- genommen werden. Damit schließt die Bcsprcchuna. Die Vorlage wird dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Es folgt die Weitcrberatung der

Anträge zur Erwerbölosenfürsorge, zu denen der Haushattsausschuß folgenden Beschluß gefaßt hat:

Die Re chsregierung zu ersuchen:

g) die Krisenfürsorge auf alle Berufe aus- zudchnen:

b) dis Krisenfürsorgc nach Paragraph 101 des Arbeitsvermittlungs- und ArvettsiofenverficherungZ- gejehes allgemein auch auf alle 23crupgruppen zu erstrecken, wenn die Arbeitslosen die Wartezeit von 26 Wochen nicht erfüllt haben, aber 13wich krankenversicherungspflichtige Beschäftigung nach­weisen können;

c) die Reichsregierung zu ersuchen, die Unter- ftützungsdauer in der Krisenunterstützung für Ang.stellte und Arbeiter bis zum 4 Mai d.J. auszu dehnen und dabei ausgesteuerte Ange­stellte und Arbeiter in dis Krisenfürsorge wieder einzubeziehen.

dj Auf die Reich ^anstatt dahin einzuwirken, daß die Anwendung des Gesetzes betreffend Sondersürsorge für berufsübliche Arbeitslose nicht auf solche Arbeiter erfolgt, die nur vocäbergchend mit Arbeiten in be­sondere mit Rolstandsarbcitcn bckchäitigt sind, die sonst unter das Geich betreffend berufSüL.'iche ArbeitS.osigke'.t fallen.

In der Au.'spräche beantragt Abg. Frau Leu sch (Zentr.), datz den Gemeinden die Mehrkosten erseht werden mögen, die ihnen aus der weiteren Ausdehnung der Krisen- fürfcigc entstehen. Das Zentrum habe im so ial- politischen Au Schutz dem sozialbemo.ratischen An­trag nur unter der Vorau setzung zugestimmt, datz bi? sozialdcmokcot.schcn Minister Hilferding unb. Wissell mit diesem Antrag einverstanden seien, unb ihn für durchführbar halten. Rach den heutigen Aufklärungen im Hau.Halts­au, schuß sei diese Voraussetzung weg gefal­len. Ein Vorwurf sei dem Zentrum aus seiner Haltung nicht zu machen, weder früher als Re­gierungspartei, noch jetzt als Partei, die sach­liche Arbeit leisten, will. (Heiterkeit.)

RelchsarbeitSminister Wissell:

Grundsätz.ich ist die Regierung bereit, dem Ai schutzanirag entsprechend die Kck ensürsorge auf a.le Beru,e aus^ubehnen. Di« Ausdehnung der Kci e.i.ürsorge bringt den Gemeinden kerne Mehrde.astung, sondern eine Entlastung, weil da­durch die Wohlsahrlsanterstuhwrgcn der Ge­mein'en sich vermindern.

211 g. Schultz-Bromberg (Dn.): Wenn Im HausyallSausschuß der Brrtreier des Finanz- Ministers dazu riet, den sozialdemokratischen 2ln- trag anzunehmen, aber g.eichzeitig erklärte, datz er ftnanzieck nicht burchführbar sei, so stehe das in schneidendem Gegensatz zu Ehrlichkeit und Klarheit, unb bedeute, Sand in bie Olugen der Erwecbslolen streuen.

Arbeits Minister Wissell wiederholt bie,«n Ausführungen gegenüber die Erklärung, datz die R g .ecung bas Ersuchen des Reichstags nur im Rahmen der Gesetze durchführen könne. Die Regierung habe sich im Ausschuß für keinen der gesteckten Anträge eingefttzt.

Aba. A u f h 2 u s e r (Soz.) dreist den Vorwurf zurück daß die Sozia.demokraten einen Deschlutz durchgeletzt hätten, von dessen Undurchführbar- feit sie überzeugt waren. Sie hätten vielmehr auf die Reg.erungSerklärung hin den Antrag auf Derlängecung der Bezugsbauer auf 52 Wochen zurückgezogen. Die im Antrag gefor- der.« Ausbehnung der Krisenfürsorge aus alle Berus« beziehe sich selbstverständlich nicht auf diejenigen, die schon der <3onberfü.rforgs für Saisor.arbci.er unterstshen, oder auf solch« Be­rufe, bie jetzt gut beschästigt find.

Abg. Er sing (Z.) erklärt, In Ausfchuß habe der Vertreter des Flnanzministers erklärt, die Durchführung des sozialdemokratischen Antrags würde 6.9 Millionen kosten, er werbe ihn bis zur Höhe von 2L Millionen durchlüzrcn. Eine so che Politik bcr Hnwahrhasligkeit unb Unaujruptig- fcit werbe das Zentrum nicht mitmachen.

Rach einer langen Reihe persönlicher Bemer­kungen wirb bcr Antrag deS Haushaltsausschus- scS angenommen. Dagegen stimmen die Christlich-stkat o^ale Bauernpartei unb die W r> schaflSparlei bei Stinnnen.haltung der Deutsch- nationalen.

Aus aller Welt.

Der Blutzoll der deutschen psarrerschasl.

Am Montag, 18. Februar, wird in der Stadtkirche z u W i t len b e r g, Luthers Pre­digtkirche, eine vom Verband deutscher evangeli­scher Psarrvcrcine gestistete Gedenktafel für die im Weltkrieg gefallenen Pfar­rer. Hillsprebiger und Dozenten der Theologie enthüllt werden. Di« Ramcn der Gefallenen werden auf Pergament gefchriebcn in einem Kasten unterhalb der Gedenktafel aufbewahrt. Die Urkunde enthält 228 Rainen. Die Predigt bei der Weiheseicr hält Feldprobst D. Schlegel.

Die Beisetzung der Königinmutter von Spanien.

In der Madrider Schlotzkapclle fand in An­wesenheit aller Mitglieder der königlichen Fa­milie und der Mitglieder der Regierung ein seicrliches Requiem für die verstorbene Köni­ginmutter Maria Christina statt. Der Sarg wurde fobann von spanischen Granden und Wür­denträgern zur Placa de Armas und von dort mit dem königlichen Leichenwagen zum Rord- v a h n h o f gebracht. Eine Truppenabteilung er­wies der Verstorbenen die letzten Ehren. Aus oem Wege zum Bahnhof bildete die Bevölkerung Spalier. Vom Rordbahnhvf, wo sich die Mit­glieder der Regierung, da) Diplomatische Korps und die Spitzen der Behörden eingefunden hatten, wurde der Sarg in einem Sonderzuge nach EI Escorial übergefähct, um dort im Mausoleum der spanischen Könige beigesetzt zu werden.

3n Polen die strengste Kälte seit 50 Jahren.

In Polen konnte schon seit 50 Jahren kein so strenger Frost wie gegenwärtig beobachlet wer­den. Es herrscht ein Tempevaturmillel zwischen 25 und - 32 Grad Celsius. Am kältesten war cs im Wi l nae r Land, wo die Temperatur stellenweise einen Tiefstand von 44 Grad Celsius erreichte. Furchtbare Fröste werden auch aus Ostgalizien gemeldet. Die Störungen im Zug- und Telephonverkehr halten an. In Krakau und Lemoerg macht sich neuerdinzS auch Kohlenknapvheit bemerkbar, ein Zu­stand. der angesichts der MöaUchkett eines Gru-

denarvetterltretrs in OSersch^esien zu «miten He* sorgnissen Anlaß gibt. Auch in groben Teilen Lettlands, besonders in Rord'ivland, herrscht sibirische Kälte. Das Thermometer fiel teilweise auf minus 40 Grad Celsius.

Vie Lisverhältnifse auf dcm Bodenfee.

Die Meldung eines Berliner B.atteS. daß der Bodensee vollkommen zugefroren sei. entspricht nicht völlig den Tatsachen. Zuge- froren ist ledig ich. wie auch in früheren Jahren, dec sogenannte Gnadensee zwisch.-n RadolsS- zell und Konstanz, der größtenteils sehr seicht ist. Auch der Untersee zwischen der sogenannten Rcichcnau und dem Schweizer Ufer trägt eine ziemlich starke Eisdecke, so datz man z u Fuß von der Reichenau nach der Schweiz übergehen kann. Bon einem Zufricren deS eigent­lichen Bodensees, dem sogenannten Obsrsee. und dem Uebcrlinger See ist gar keineRede. Dort wickelt sich der Schisssverlehr nah wie vor normal ab. Ledigckch die Durchjührung der Lan- dungsmanövcr ist für die Dampfer -schwieriger als sonst, weil der Bodensee, wie immer im Win­ter. einen wesentlich niedrig.'ren Wasicrstand ha: unb sich baher am User leichte Eisbilbung zeigt.

Großer lBa'retmange( in Wien.

. Der Wiener Mag straf hat zur Verhinderung drohender Wasscrnot eine Kundmachung erlassen, wonach die Benutzung von Badeeinrich- t u n g c n jeder Art in den Wohnhäusern ver­boten ist. In den Gast- und Kasseehäusern und ähnlichen Lokalen darf Wasser an Gäste nur a u f besonderes Verlangen verabreicht werden. Das Füllen der S ch w i m m b a j l n s in Öffentlichen Badeanstalten ist an eine besondere De- w.lligung des Mag strats gebunden. Falls diese Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg hat, wird in den nächsten Tagen die A b s p e r r u n a bei Hausleitungen angeorbnei werden müssen.

Durch Abgase im Aulo vergiftet.

In einem Walde, einige Stunden von Bern entfernt, wurden in einem geschlossenen Auto zwei Personen in bewutzflosem Zu­stande aufflzfunben. Während man zuerst an Selbstmordversuch durch Vergiftung glaubte, ev» gab die Untersuchung einwandfrei, daß Okhd« gaSvergiftuna vorlag. Die Untersuchung ergab die Möglichkeit des Eindringens der 21b* gOiC in den Wagen durch ein schadhaftes Vergaser rohr. Eine Person ist bereits ge­storben. Der Wagenlenker konnte knapp vor dem Tode gerettet werden.

ver Tod bei der Goldenen Hochzelt.

Bor einigen Tagen feierten in Langscheid bei BacharaH der Landwirt Vozel und seine Frau die Goldene Hochzeit. Als die Feuerwchr- kapelle dem Ehepaar ein Ständchen brachte, er­litt die Frau vor Aufregung einen Schlaganfall und verschied. Bogel nahm sich den Tob seiner Lebensgefährtin so zu Herzen, daß er am Tage ihrer Beerdigung ebenfalls starb.

Die Wetierlaae.

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Freitag, d 8 FeD.1929.7* aDdS.

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Wettervoraussage.

Wettervoraussage für Sonntag» Stellenweise nebelig, meist oufheiternd, weiterhin strenger Frost, trocken.

Witterugsaucfichten f ü r Montag: Wenig Aenberung bcr Wckferlage.

Lufttemperaturen am 8. Februar: mittag»4,1 Grad Celsius, abenbs 12 Grad Celsius: am 9. Fe­bruar: morgens17,6 Grab Celsius. Marimum 3.4 Grab Celsius, Minimum 17,9 Grab Celsiu». Erdtcmperafuren in 10 Zentimeter liefe aw 8. Februar: abenbs3^8 Grab Celsius, am g. ge- bruar: morgens 4,8 Grab Celsius.

W alerfpo.tnachrlchlen der hesf. Wetterdienststelle.

Vogelsberg iHoherovskopi-: Weller: heb ter, Schneehöhe 30 bis 35 Zentimster, gekörnt Ski und Rodel sehr gut. Herchenhainer Höh«' Welter: heiter, minus 8 Grad Celsius, 50 Zenti­meier Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel seh» gut.

Odenwald (Tromm): Wetter: heiler, minuS 8 Grad Celsius, 45 Zentimeter Pulverschnee. Ski und Rodel gut. Reunkirchen: Wetter: heiter, minus 7 Grad Celsius, 45 Zentimeter Schnea Pulverschnee, Ski und Rodel gut.

Taunus (Kleiner Fcldberg): Wetter: heiteL 6 Grad Celsius, 44 Zentimeter Schnee, etwas verharscht. Ski und Rodel gut.

Sauerland (Winterberg): Heiter, 4 Grad Celsius. 40 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel gut.

Schwarzwald (Feldberg): Heiter. 8 Grab Celsius, 88 Zentimeter Schnee, etwas verharscht. Ski und Rodel gut. Ruhestein: Hei^r, 8 Grab Celsius, 83 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.

Alpen (Garmisch-Partenkirchen): Heiter, 12 Grad Celsius. 40 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut Berchtesgaden: 13 Grad Telfius, 45 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel aut