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F rankreichs Verantwortung.

Die Uninteressiertheit der anderen an den Reparationen.

Pari«. 8. San. (WTD.) Der »S?celsior" veröffentlicht örflärungen deS denrokrattschen Reichstagsabgeordnefen Georg Bernhard über die deutsch-fran-üsifchen Beziehungen. Es heißt darin: Di« deutsch-französischen Beziehungen könnten und müßten offenbar besser sein. Die Aufrechterhaltung der Rheinland- bes«tzunq war eint große Enttäuschung für uns, dre Veröffentlichung des Berichtes von Parker Gilbert war eine weitere. Der Generalagent betont, daß Deutschland in der Lage ist, die hohe Zweieinhalbmilliarden-2lnnui- tät des Dawesplanes zu bezahlen, bevor noch diese Summe mehr als einmal bezahlt worden ist, denn die letzte Zahlung betrug nur 1,75 Mil­liarden. Es handelt sich um Voraussagen, die von einem Optimismus durchtränkt sind, den die Zukunft vielleicht nicht be­stätigt. Wenn wir die Absicht hätten, nicht zu bezahlen, dann könnte es uns ja gleich­gültig sein, ob man von uns etwas mehr oder etwas weniger fordert. Gerade weil Deutschland loyal b^ahlen will, verlangt es eine seiner wirklichen Zahlungsfähigkeit an­gepaßte Last, gleichviel ob es sich um Sicher­heit, Abrüstung oder Reparationen handelt, a u f Frankreich fällt immer die Verantwortung für politische, militärische oder finanzielle Durch­führung eines Friedens, an dem sich die anderen Rationen immer mehr zu desinteressieren den Anschein geben. Blickt doch einmal nach England. CS fordert von Deutschland nur das, was es an Amerika bezahlen muß: Frankreich fordert über seine eigenen Zahlungen an Amerika und England noch hinaus Summen, um seine Repa­rationen zu bezahlen. Das deutsche Volk kann sich nicht enthalten, die englische Haltung und die französische Haltung miteinander zu ver­gleichen.

poincare und die Kammer. Der Beschluß der Radikalen. Keine Um­bildung deS Kabinetts.

P aris, 9. San. (WTD. Funkspruch.)QKatin schreibt zur innenpolitischen Lage vor der morgen beginnenden Interpellationsd.batte in der Kam­mer in einem anscheinend inspirierten Artikel u. a,: Die Radikalen haben in ihrer letzten Sitzung die Fahne der Auflehnung ent­rollt. sie haben beschlossen, gegen das Ka­binett zu stimmen. Aber dies ist bereits mehr­fach geschehen. Man fragt sich übrigens in den Wandelgän.^en des Parlaments, ob sie taktisch gut gehandelt haben, ihre Batterien so früh zu de­maskieren. bevor man noch dis Ausführungen des Ministerpräsidenten gehört hat. Zweifels­ohne hoffen die Radikalen Darauf, daß sie bei ihrer Offensive einen Teil der Gruppe L o u - cheur für ihre Sache gewinnen. Zweifelsohne rechnen sie auch daraus, daß Poincars durch die Opposition der Linken veranlaßt werden könnte, sein Kabinett umzubilden. Aber das ist eine chimärische Hoffnung. Man kann sämtliche Gerüchte über eine bevorstehende Umbildung in aller Form dementieren.

Wenn was unmöglich erscheint das Mi­nisterium sich in der Minderheit sehen sollte, so würde es zurücktreten. Wenn es wie dies vorauszusehen ist die Mehrheit erhält, wird eS seine Pflicht tun. Sine große Ausgabe wartet seiner. Frankreich steht vor internationalen Verhandlungen von beträchllichem Umfange, die zu einem guten Ende zu führen, Poincare alles aufbieten wird. Er wird also, falls nicht ein Votum der Kammer in anderem Sinne entscheidet, erst dann, wenn dieses Werk vollbracht ist, feine Ausgabe als beendet ansehen und daran denken können, sich aus eigenem Entschluß zu­rückzuziehen. Zweifelsohne wird Poincare dies morgen in seinen Erklärungen zum Aus­druck bringen. Sm übrigen erwartet man, baß die Debatte nur zwei Sitzungen in Anspruch nimmt und am Freitag abend die mit großer Spannung erwartete Abstimmung stattfindet, die über das Schicksal deS Kabinetts entscheiden wird.

Oer Hessische Dolksbund zur Reichsreform.

Gemeinsame Arbeit der aufeinander angewiesenen Teilgebiete.

Kassel, 8.Ian. (WTB.) Der Hessische Dolks- bunb veröffentlicht die folgende Eingabe seines Ar­beitsausschusses an den Landesausschuß in Kassel: Der Hessische Volksbund begrüßt die am 17. Dezem­ber v. I. der Presse übergebene Entschließung, mit der die Erkenntnis ausgesprochen wird, daß es an­gesichts der in den Nachbargebieten seit Jahren eifrig betriebenen Vorarbeiten zur Reichs- r e f o r m für Kurhessen höchste Zeit wird, aus der bisher überwiegend passiven Haltung herauszu­treten Auf Grund seiner jahrelangen eingehenden Beschäftigung mit dem Problem der Reichsreform glaubt der H. V. B. darauf Hinweisen zu dürfen, daß als Glieder eines reformierten Reichsbaues nur großzügige und gleichwertige Einheiten als Träger gleichwertiger Aufgaben in Betracht kommen, Einheiten, die sich aus geographischen, wirtschaftlichen und kultu­rellen Gesichtspunkten sowie unter Berücksichtigung der landschaftlich zusammenhängenden Bevölkerungs­gruppen ergeben. Auch die angestrebte Wirt­schaftlichkeit der Verwaltung hat zur Voraussetzung, daß die zu bildenden Lander eine gewisse Größe nicht unterschreiten. Aus solchen Er­wägungen ist im Norden Niedersachsen, im Osten Übersachsen im Werden. Demgegenüber würde ein starres Festhalten an den überkommenen Verwaltungsbezirken, deren räumliche Fortbildung nach Lage der Verhältnisse stark begrenzt ist, d i e Bildung eines entsprechenden groß­räumigen Landes im hessisch- fränki­schen Gebiet erschweren und möglicherweise ver­hindern. Der H. V. B. hält deshalb eine einseitige Bearbeitung der Frage unter der Parole:Kur­hessen mit seiner alten Hauptstadt Kassel" für ebenso bedenklich, wie es eine gleichartige Einstellung in Darmstadt, Wiesbaden oder ein etwaiger Frank­furterStadt-Imperialismus" fein würde. Da zur Zeit dem Hessischen Landtag in Darmstadt ein An­trag aus Einsetzung eines Ausschusses zur Förderung und Vorbereitung der Neugliederung des Reiches vorliegt, betrachtet es der H. V. B. aus obigen Erwägungen als nächstes und dringendstes

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Fürth, 8. San. (WD.) Heute vormittag be­gann vor dem Erweiterten Schöffengericht Fürth der Prozeß gegen die sieben Personen, die an dem Im Frühjahr 1928 verübten Einbruch in das historisch« Schloß Cadolzburg beteiligt waren. Angeklagt sind der Kunsthänd­ler Friedi-ich Wilhelm L i p P m a n n , ein Sohn des Direktors dec Berliner Museen, Gehcimrats Friedrich Lippmann, der Kunsthändler August Mayer, Arnim Schmidt. Kaufmann G r a - ske, Kaufmann Hermann Zahn, Kaufmann Günther D r e i t f e l d und die verwitwete Zim- mervermteterin Flora Schwarz, sämtlich aus Berlin. Die Beschuldigten sind außer Frau Schwarz alle vorbestraft, ©raffe hat schon mehr a ls zehn Sabre Zuchthaus und Gefängnis verbüßt. Mayer hatte im Jahre 1926 von der Existenz zweier hölzerner, beiderseits bemalter Altarflügel Kenntnis erhalten. Sie wurden einem Schüler Albrecht Dürers, teil­weise sogar Grünewald zugeschrieben. Mayer beschloßt zusammen mit seinen Freunden Lipp­mann und Schmidt sich die Gemälde durch Diebstahl anzueignen und sie in Amerika teuer zu verkaufen. Zur Ausführung des Einbruches in die Burg wurde der als Be­rufseinbrecher bekannte ©raffe ge­dungen. der Zahn und Dreitfeld zu seiner Unterstützung heranzog. Die drei führten dann

am 19. Februar 1928 abends gegeneineVer- gütung von 4000 Mark den Einbruch aus, ohne dabei bemerkt zu werden.

Der Angeklagte Lippmann gab an. zu dem Diebstahl durch seine schlechte finan­zielle Lage gezwungen worden zu sein, der geistige Urheber sei der Angeklagte Schmidt gewesen. Er selbst sei durch Mayer zur Beteili­gung überredet worden. Er habe die Bilder vor dem Diebstahl nie gesehen. Wenn dies der Fall gewesen wäre, so hätte er seine Einwilligung zu dem Diebstahl nie gegeben, da die Bilder keineswegs wertvoll waren. Die Bilder können seiner Ansicht nad) feinem bestimmten Meister zugeschrieben werden. Auf feinen Fall stammten sie von Grünewald. Wenn sie von die­sem gestammt hätten, wären sie wohl 400 000 Mk. wert gewesen. Der Angeklagte Mayer bestritt bet seiner Vernehmung, von der Ausführung des Diebstahls Kenntnis gehabt zu haben. Gr habe nur einen gewissen Geldbetrag in Aussicht gestellt, wenn Schmidt die Bilder beschaffen würde. Der beschuldigte Schmidt erklärte. Lippmann habe ihm den Auftrag gegeben, Einbrecher für den Diebstahl zu verpflichten. Bezüglich feiner persönlichen Verhältnisse erflärte Schmidt, daß er während des Krieges Offizier war, aber später wegen Verschwendungssucht entmündigt wurde.

Ein interessanter Gpionagepwzeß.

Oer dänische Hauptmann Lembourn vor dem Reichsgericht.

Lei pz i g, 8. San. (WTD.) Dor dem 4. Straf­senat des Reichsgerichtes begann heute unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Lorenz der Spionageprozeß gegen den dänischen Hauptmann Harry Lembourn und die Kontoristin Helene Stege m-a n n au« Berlin. Hauptmann Lembourn war im Verlauf seiner militärischen Ausbildung u. a. vom 1. Rovember 1921 bis 1. Rovember 1923 zur französi­schen Armee abkommandiert und in dieser Zeit verschiedenen Regimentern in Straß­burg und Metz sowie der Kriegsakademie zu­geteilt. Entgegen anders lautenden Zeitungs­nachrichten war er jedoch nicht während des Weltkrieges bei der französischen Ar­mee. Sm April 1924 wurde Lembourn zum 3. dänischen Snfanterieregiment nach Tondern versetzt, wo er. nachdem er einen abermali­gen vier monatigen Kursus in Ver­sailles absolviert hatte, als Hauptmann und Kompagniechef die 1. Kompagnie des 2. Bataillons führte. Lembourn ist Vorstandsmitglied des däni­schen Offiziersvereins. Weiter war er Snftruf- tionschef der jütischen Grenzwehr und Sekre - tärundKassiererder AilianceFran- Salfe In Tondern, die sich nach seiner An­gabe jedoch hauptsächlich mit französischer Lite­ratur und Sprache befaßt hat. Fe st genom­men wurde Lembourn am 24. Surri 1928 bei einem Ausflug des Offizierskorps nach Wester­land auf Sylt. Seit dieser Zeit befindet er sich in äln tersuchungshaft. Rach dem Cröffnungs- beschluß sind beide Angeklagten verdächtig, ver­sucht zu haben, Nachrichten, deren Geheim­haltung im Sntereffe der Landesverteidigung erforderlich war. an eine ausländische

Regierung gelangen zu lassen und da­durch die Staatssicherheit gefährdet zu haben. Rach der Verlesung des Eröffnungsbeschlusses wurde auf Antrag des Oberreichsanwaltes die Oeffentlichkeit für Die ganze Dauer der Verhand­lung ausgeschlossen.

Dem dänischen Hauptmann wird nach den Fest­stellungen der Voruntersuchung folgendes zur Last gelegt: er habe sich im April oder Mai vergangenen Sahres nach Berlin begeben, und habe dort die Mitangeklagte Stenotypistin Stegemann als Spionageagentin angeworben. Die (Stegemann bekam zunächst eine Schreib­maschine und erhielt aus Kopenhagen eine Löh­nung in wöchentlichen Raten von 35 Mk. Sie hatte den Auftrag, die Verhältnisse in den deutschen vaterländischen Ver­bänden aus^ukundschaften und Angaben über militärische Dinge aller Art zu machen. Man sandte ihr von Kopenhagen aus Fragebogen zu, die sie auch regelmäßig ausstellte. Sie selbst versuchte dann einen Unteragenten anzustellen, der aber feinen ersten Auftrag s o ungeschickt ausführte, daß man ihn im Reichswehrministe- vium alsbald f e st n a h m. Durch diese Fest­nahme kam der Fall Lembourn ins Rollen. Die gegen diesen Unteragenten eingeleitete Vorunter­suchung wurde niedergeschlagen, weil ihm die Ab­sicht, die deutschen Snteressen zu schädigen, nicht nachzuweisen war. Hauptmann Lembourn er­klärte. er habe im Auftrage eineS Freun­des gehandelt. Die Frage, ob' die durch Lem­bourn und die Stegemann beschafften Rachrichten für Dänemark oder für eine andere aus­wärtige Macht bestimmt waren, soll erst im Lause der Verhandlung noch geflärt werden.

Gebot, daß die benachbarten und aufein­ander angewiesenen Teilgebiete nicht länger im gegenseitigen Mißtrauen verharren, son­dern daß die beiden hessischen Ausschüsse in Kassel und Darmftabt unter Heranziehung nassau­ischer und Frankfurter Vertreter zu ge­meinsamen Verhandlungen schreiten. Weder Kurhessen noch Hessen-Darmstadt noch Nassau sind jedes für sich entscheidende Faktoren für die kommende Neugliederung, sie können zu einem sol­chen Faktor nur durch Zusammenschluß werden, der gemeinsame Vorarbeiten bedingt. Wenn so der Blick über überkommene Grenzen hinaus ge­richtet wird und die übergeordneten Zusammen- hänge erkannt werden, hindert das nicht innerhalb des Gesamtgebietes für die natürlichen Landschafts­teile und deren Mittelpunkte, von denen auch Kas­sel einer fein wird und bleiben soll, eine angemes­sene Selbstverwaltung zu fordern und zu sichern.

Annäherung der Bauernparteien.

Die Querverbindungen im bürgerlichen Lager.

Berlin, 9. Jan. (Eigene Meldung.) Ein sehr bezeichnender Vorgang wird in Berliner politischen Kreisen viel besprochen. Die parlamentarische Ge­schäftsstelle der Christlich - nationalen Bauern- und Landvolk-Partei teilt mit, daß kürzlich Verhandlungen mit der Deutschen 'Bauernpartei ftattgefunben haben, die be­kanntlich mehr in der bürgerlichen Mitte steht und durch die Verschmelzung des Bayerischen Bauern- bundes mit den demokratischen Bauerngruppen im übrigen Deutschland hervorgegangen ist. Diese Ver­handlungen hatten die Bildung einqr politi- I d) e n Einheitsfront zum Ziele. Sie fanden statt auf Einladung der Schleswig-Holsteinischen Bauern- und Landvolk-Partei in Hamburg. Die Ver­handlungen hatten das Ergebnis, daß eine wei - tere Annäherung der Bauernparteien den beiderseitigen Auffassungen entspricht und von bei­den Seiten unter dem Gesichtspunkt eine ausge­prägt bäuerlich-nationale Linie weitergefördert wer­den soll.

Diese Entwicklung ist insofern von grundlegender Bedeutung, als sich darin die berufsständische Los­lösung von den alten Parteien besonders stark aus- prägt Die Christlich-nationale Bauernpartei ist be- fanntlid) durch eine Absplitterung der Deutschnatio­nalen Volkspartci entstanden, während die Deutsche Bauernpartei politisch am ehesten noch den Demo­kraten zuzurechnen war. Wenn das System der Queroerbinbunge n", von dem im Reichs- tage soviel die Rede ist, sich weiter ausdehnt, bann ist naturgemäß eine völlige Umgruppierung im bürgerlichen Lager die Folge. Wie wir übrigens hören, sind ähnliche Bestrebungen in den Ange­stellten Organisationen im Gange, die man etwa unter das Schlagwort einer Einheitsfront von Lambach bis Lemmer" zusammenfassen kann. Wie weit diese Entwicklung ba^u dienen wird, dem politischen Leben einen neuen Antrieb zu geben, ist freilich eine andere Frage, denn die auf reiner Jnteresscngrundlage beruhenden Gruppen sind nur selten ganz vor der Gefahr gefeit, i n e t n e

noch stärkere Abhängigkeit von den wirtschaftlichenKräftenzu geraten, als es schon ohnehin in unserem Parlamentssystem bei den Parteien sonst der Fall ist.

Die Kroaten und die Diktatur König Alexanders.

Erklärungen Malscheks. - Abwartende Haltung.

Agram. 9. San. (£.11.) Der Vorsitzende der kroatischen Bauernpartei Dr. M a 11 qj e f gall neue Erklärungen zum Regimewechsel ab. Sämt­liche Agramer Leitungen, die diese Erklärungen brachten, sind beschlagnahmt worden. Mat­schet betonte, daß die Nachrichten falsch wären, wonach er den drei Kroaten, die an der heu­tigen Belgrader Regierung teilnehmen, also dem Sozialminifter Drinkowitfch, dem Landwirt­schaftsminister F r a n g e s und dem Finanzmini­ster S w a r l j u g a den Eintritt in die Regierung angeraten hätte. Richtig sei nur, daß er. als einer der drei Herren ihn Darüber befragte, ge­sagt habe, er würde den Eintritt in eine Regie­rung nicht nur gutheißen, sondern sogar emp­fehlen. falls diese Regierung ganz unpo­litisch fei und zur Relonstruttion des Staates im Sinne der kroatischen Forderun­gen beitragen wurde. Die heutige Regierung sei jedod) nicht völlig unpolitisch, da von den vier Parteien Der früheren Regierung Drei in Der Regierung vertreten feien und an­scheinend aud) Die vierte Partei ebenfalls mit einem Vertreter b..ld teilnegmen werde. Da Die in Der Regierung vertretenen Parteien sich schon früher gegen Die kroatischen Forderungen er­klärt hätten, so fei es klar, daß Die Zusammen­setzung Der heutigen Regierung leine Gewähr für eine Rekonstruktion des Staates bilde, außer, wenn sich die Meinungen inzwischen geändert hätten. Die nächste Zukunft werde das ja erwei­sen. Die froatifdje Dauerncoalition bleibe im Verein mit ihren serbischen und slovenischen Freunden nach wie vor bei ihren alten Forderungen.

Aus aller Welt.

Der Vulkanausbruch in Chile.

Die sogenannte chilenische Schweiz, ein vulkan­reiches Seengebiet 350 Meilen südlich von San­tiago, befindet sich in einem Zustand wach­sender Panik infolge Der zunehmenden Tä­tigkeit des Vulkans E a l b u c o . der schon im Sahre 1893 große Verheerungen angerichtet hat. Obwohl bisher ein weiterer Vulkan, der O s o - r u s, noch nicht in Tätigkeit getreten ist, wur­den Sicherheitsmaßnahmen getroffen. U. a. wur­den alle Boote des am Fuße des Vulkans lie­genden Sees requiriert, um das Vieh aus der meist von deutschen Siedlern be­wohnten Gegend zu retten. Das Weide­land wird bereits von der Lava und der glühen­den Asche zerstört. Da das heiße Wasser aus dem Dullan den See erreicht hat, sterben

die Fische. Hunderte von Bewohnern find in die Berge geflohen, um Der Lava unD den in Die Ebene herabfinkenden Gasen zu entrinnen. Die Angaben über Die Zahl Der Toten finD noch ganz, unsicher. Da durch das Erdbeben die Verbindungen unterbrochen sind.

Schwere» Explosionsunglück in einem Eisenwerk.

Im Eisenwerk Tafel bei Nürnberg ereignete sich eine Explosion, bei der ein Arbeiter durch Stich­flammen "vollständig verbrannte. Drei Arbeiter wurden durch Brandwunden verletzt, während zwei weitere leichte Brandwunden und Gasvergiftungen erlitten. Zu dem Unglück erfahren wir weiter: In einer der großen Hallen des Eisenwerkes ruhte wegen eines Betriebsfehlers die Arbeit. Der 27 Jahre alte Arbeiter Schlepf schöpfte gerade aus einem einen Meter tiefen Schacht das in diesen eingedrungene Wasser aus, als einem durch den Schacht führenden Wasserstoffgasrohr Gas ent­strömte, wodurch Schlepf bewußtlos wurde. Als man ihn bereits bis zum Rande des Schachtes emporgezogen hatte, erfolgte eine heftige Explosion. Die Arbeiter prallten im ersten Schreck zurück und ließen den Bewußtlosen wie­der in die Grube fallen, in der Schlepf den Tod erlitt, lieber die Ursache der Explo­sion ist man bis jetzt noch im unklaren. Der Sach­schaden selbst ist gering.

Kesselrohrexplosion in Bologna.

Sn einer Zuckerwarenfabrik tu Bologna ex­plodierte ein Kesselrohr. 20 Arbeiter und Ar- beiterirmen erlitten Verbrühungen oder wurden durch fortgeschleuderte Rohrstücke ver­letzt. Vier Qlrbeiter und acht Arbeiterinnen wur­den in ein Krankenhaus gebracht; vier von ihnen sind sehr schwer verletzt.

vom Vater ausgesetzt?

Auf der Landstraße von Passau nach Linz wurden zwei Knaben im OTIter von 10 und 13 Sahren halb erfroren aus gefunden. Nachdem sich die Kinder etwas erholt hatten, erzählten sie, daß sie Richard und Ernst Ober­müller heißen und von Schindlau bei Rohrbach kommen, wo ihre Eltern einen großen Bauernhof besaßen. Die Mutter sei vor kurzem gestorben, und der Vater hatte das Anwesen verkauft und beide Knaben auf Die Straße gesetzt und ihnen erklärt:Sch kann euch jetzt nicht mehr brauchen, ihr müßt in Zukunft euer Brot selbst verdienen." Ausgerüstet mit etwas Brot und einigen Zehr­pfennigen machten sich die beiden auf die Wan­derschaft. 14 Tage lang fristeten die Knaben durch Betteln ihr Leben und waren voll­kommen entkräftet, als sie aufgegrif en wurden. Man wird abwarten müssen, was sich von die'er Erzählung der Knaben als wahr herausstellt.

Mit 100 Kilometer gegen einen Baum.

Bei Wiemersdorf (Holstein) prallte heute mor­gen der mit 100 Kilometer Geschwindigkeit fah­rende Maybach-Wagen eines Hamburger Leder­großhändlers beim Ueberholen in einer Kurve gegen einen Baum. Der den Wagen steuernde Be­sitzer wurde sofort getötet. Der Chauffeur wurde schwer verletzt.

Eine staatliche Pulverfabrik in Belgien in die Lust geflogen.

Eine ungeheure Explosion ereignete sich in der staatlichen Pulverfabrik von Wetteren bei Gent. Das große, freiliegende Gebäude flog in die Luft. Der Sachschaden ist bedeutend. Personen sind dabei nicht zu Schaden gekommen.

Oie Wetterlage.

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Dienstag. d.8Jan.1929,7h aDds.

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Wettervoraussage.

Von Nordwesten haben neuerdings vordringende Wormluftmassen unter Barometerfall zu Tempera­turanstieg und an der Westküste von- Irland und Schottland zu Niederschlägen geführt. Weiter hat sich der Schwerpunkt des unsere Wetterlage beherrschen­den Hochdruckgebietes mehr südöstlich nach Ruß­land hin verlagert, so daß dort das barometrische Maximum nur 793 Millimeter Luftdruck aufweift. Infolgedessen werden entsprechend dem Laufe der Isobaren auch die Winde mehr nach Südosten drehen. Dabei erfährt die winterliche Hochdruck­wetterlage in unserem Gebiet noch keine Aenderung.

Wettervoraussage für Donnerstag: Fortdauer des teils nebeligen, teils helleren und trockenen Froftwetters.

Witterungsausfichten für Freitag: Vielfach wolkig und Abschwächung des Frostes wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 8. Januar: mittags0,2 Grad Celsius, abends 6,8 Grad Celsius: am 9. Januar: morgens8,7 Grad Celsius. Maximum 0,2 Grad Celsius, Minimum 10,2 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 8. Januar: abends 0,7 Grad Celsius: am 9. Jan.: r orgens1,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauet? 5 Stunden.