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8.7.1929
 
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Nr. 157 Erster Blatt

179. Jahrgang

Montag. 8. Juli 1929

Erscheint täglich.außer Sonntags und Feiertags.

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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriotx für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Hilfe für die Landwirtschaft.

Don Dr.-Zng. Gothein, ehem. Michsschah- minister.

Nachdem der Enquete-Ausschuß seinen Bericht über die landwirtschaftlichen Verhältnisse veröffent­licht hotte, war für den ihn ernsthaft Studierenden kein Zweifel mehr über die furchtbare Notlage der deutschen Landwirtschaft. ImDeutschen Volkswirt" l)abe ich seine Ergebnisse damals unter der Ueber- schriftKatastrophe der deutschen Landwirtschaft" ausgewertet. Die seitherige Entwicklung hat mein damals stark bestrittenes Urteil leider bestätigt. Aus der Tatsache, daß die landwirtschaftlichen Klein- unb Mittelbetriebe eine weniger gefahrdrohende Verschuldung auswiesen, als die Großbetriebe, glaubten damals weite Kreise schließen zu können, daß in jenen kein Notstand besteht und man allein durch Aufteilung der Großbetriebe gesunde Verhält­nisse zu schaffen vermöge. Inzwischen hat man er­kannt, daß es auch diesen überwiegend sehr schlecht geht; daß der Bauer sich meist nur dadurch zu hal­len vermag, daß er seine und seiner Familienmit­glieder Arbeit weit niedriger als die eines gelohn- .i«n Landarbeiters bewertet. Daß darüber aber auch gerade aus diesen Kreisen die Landflucht rapid wächst.

Ursache der Notlage der Landwirtschaft ist, daß die Preisschere zu ihren Ungunsten klafft, d. h. daß der Großhandelsindex für landwirtschaft­liche Erzeugnisse im Mai d. I. bis auf 122,3 gesunken war, der für die von ihm benötigten Produktionsmittel aber 138,2 und für in­dustrielle Fertigwaren - Konsumgüter 172,3 stand. In Wirklichkeit stellt sich das Verhältnis noch weit ungünstiger, da bei den gestiegenen Frachten und Zwischenhandelsspesen die Erzeugerpreise be­trächtlich unter den Großhandelspreisen des gro­ßen Marktes liegen, während aus den gleichen Gründen die Preise für die vom Landwirt bezoge­nen Konsumgüter noch weit mehr gestiegen sind, als deren Großhandelsindex erkennen läßt.

Ueberall in der Welt klafft die Preisschere zu Ungunsten der Landwirtschaft. In den Vereinigten Staaten, in Kanada, in Argentinien, in Rußland, Polen, den Balkanstaaten usw. wird darüber aufs lebhafteste geklagt und man ist namentlich in den ersteren ebenfalls bemüht, ihr von Staats wegen a<i helfen. Aber in Deutschland liegt es doppelt schlimm, weil hier ihre Produktionskosten noch weit mehr gestiegen sind, als an­derswo. Gegenüber der Nord- und Südamerikas hat sie eine vielfach so hohe Steuerlast und und eine mehrfach so hohe Zinslast zu tragen. Die eine wie die andere sind auf das 3- bis 4fache der Vorkriegszeit gestiegen, der Erlös für ihre Pro­dukte aber kaum um i des früheren. Wer auf fremde Hilfskräfte angewiesen ist, hat für diese a n Barlöhnen und Soziallasten das 3fache der Vorkriegszeit zu entrichten.

Die Landwirtschaft lebenskräfttg zu erhalten, ist ein Lebensinteresse Deutschlands; macht doch die in ihr tätige Bevölkerung noch immer rund i der Ge- samtbeoölkerung aus und repräsentieren die von ihr erzeugten Produkte einen Wert von 13 Milliarden Mark. Womit sollten wir sie bezahlen, müßten wir sie aus dem Ausland einführen?

Aber wie helfen? Das Natürlichste wäre ihre Produktionskosten und Lasten sen- k e n. Das hat sie weitgehend mit Rationalisierung- Maschinisierung, verbesserter Bodenbearbeitung, künstlicher Düngung, Saatgut- und Tierzucht ver­sucht. Aber damit ist ihre Verschuldung, sind ihre fixen Kosten gewachsen und was sie durch Ver­minderung der Arbeiterzahl gespart hat, ist mehr wie aufgezehrt durch gestiegene Löhne und Sozial­losten.

Also soll der Erlös für ihre Erzeug­nisse gehoben werden. Freilich den anderen Beoölkerungskreisen ihre Ernährung verteuern hat schwere Bedenken. Indessen läßt sich viel erreichen durch Standardisierung der Ware und durch Herabdrückung der Preisspanne zwi­schen Erzeuger- und Konsumenten- preisen auf dem Wege rationeller Derkaufsorganisation. Muß doch heut der städtische Konsument für Milch, Fleisch, Eier, Gemüse, Obst, Geflügel usw. meist das Doppelte unb Dreifache oft sogar noch mehr von dem bezahlen, was der Produzent erhält. Auf diesen bei­ben Gebieten können wir vom Ausland: Dänemark, Holland, Belgien, aber auch von den Vereinigten Staaten unendlich viel lernen und die Sachver- ständigenkommission der letzteren hat uns bei ihrer Prüfung unserer Verhältnisse überaus wertvolle Ratschläge gegeben. Hier läßt sich dem Produzen­ten wesentlich helfen, ohne daß dem Konsumenten höher« Preise abgenommen werden. Die Durchfüh­rung dieses Programms erfordert freilich eine län­gere Reihe von Jahren, ehe sie sich praktisch aus- ivirken kann.

Die Notlage der Landwirtschaft ist aber so groß, daß ihr bald geholfen werden muß. Und da das Reich ihr keine Zuschüsse geben kann, so will man inzwischen durch Erhöhuna der Zölle die Preise ihrer Produkte heben, so daß der Land­wirt auf seine Rechnung kommt. Das ist kein idea­ler Weg; er führt zur Konsumverteuerung. Und wenn auch die Zollerhöhung selbst die Ware nur um ein Geringes verteuert, so multipliziert sich doch die Verteuerung, bis die Ware an den Kon­sumenten kommt. Das könnte zu neuen Lohnfor­derungen führen und damit unser gesamtes, ohnehin ungesundes Preisniveau noch weiter steigern. Im­merhin die landwirtschaftlichen Produzentenpreise sind im Verhältnis zu denen der Industrieerzeug­nisse zur Zeit so niedrig, daß sich eine Zollerhohung rechtfertigen läßt. _ .

Aber manche unserer Agrarzölle sind durch Handelsverträge mit Schweden, Frankreich

Macdonald besteht auf London als Konferenzort.

Die Pariser Regierung legt uns durch ihre Presse dauernd nahe, die bevorstehende poli­tische Konferenz nicht mit Problemen aller Art zu überlasten; sie versucht damit den An­schein zu erwecken, als hätte sie nichts anderes als einen Erfolg der Arbeit der Außenminister im Auge. Tatsächlich wollen die Franzosen aber alle Angelegenheiten, die ihnen einiger­maßen unangenehm sind, von der General­liquidierung des Weltkrieges a u s f ch l i e ß e n; sie möchten vor allem die Räumung des Saargebietes überhaupt umgehen, womit sie aber kein Glück haben werden, da nach deutscher Auffassung auch die Saarfrage aus der Welt geschafft werden muß, weil sie zu den Resten des Krieges gehört. Llmgekehrt ver­suchen aber die Franzosen, auf die Tagesordnung der Reparationskonferenz ihre Forderung nach der Einsetzung der sogenannten F e st st e l - lungs - und Versöhnungskommission zu setzen,.obwohl es auf der Hand liegt, daß diese Kommission in der Zukunft nur der Aus­gangspunkt neuer Konflikte sein wird. Frankreich übersieht aber gänzlich, daß diese Kommission eine vollkommen überflüssige Ein­richtung ist. Glaubt es Grund zu Beanstan­dungen zu haben, dann kann es den Völker­bundsrat anrufen, in dessen Macht es liegt, eine Llntersuchung darüber einzuleiten, ob wir gegen die Abrüstungsvorschriften des Versailler Vertrages verstoßen haben. Aber Frankreich braucht gar nicht den Weg nach Genf zu suchen; im Anschluß an den Locarnovertrag ist eine Fünferkommission gebildet worden, deren Aufgabe es ist, entstehende Streitigkeiten zu schlichten. Diese beiden Sicherheitsfaktoren genügen den Franzosen jedoch nicht. Das hat seinen besonderen Grund. Weder im Völkerbunds­rat, noch in dieser Fünferkommission besitzt Frankreich sichere Mehrheiten. Hält es aus irgendwelchen Gründen eine Untersuchung des deutschen Rüstungsstandes oder eine Kon­trolle des Rheinlandes für notwendig, dann kann es sich schon heute sagen, daß die übrigen Staa­ten sich nur dann den französischen Wünschen fügen werden, wenn wirklich eine Bedrohung des Friedens durch Deutschland vorliegt. Eben weil die bestehenden Sicherheitsfaktoren keine ge­fügigen Werkzeuge für die Franzo­sen sind, wollen sie jetzt auf eine rein fran­zösische Kontrollkommission im Rhein­land starten.

Hösch bei Verthelot.

Paris, 7. Juli. (WB.)Petit Parisien" be­richtet, daß der deutsche Botschafter v. Hösch gestern eine Unterredung mit dem Generalsekretär des französischen Außenministeriums, Phi­lippe Berthelot, hatte, die der Frage der Vorbereitung der Regierungskonfe­renz galt.

KonserenzbeginnAnsangAugust?

Paris, 6.3uli. (MTV.) Außenminister Bri­an d hat heute nachmittag den englischen Botschafter Lord Tyrrell empfangen, der ihm eine Verbal­note mit der Auffassung der englischen Regierung über den Zeitpunkt, den Tagungsort unb das ver­fahren der R e g i e r u n g s k o n f e r e n z zur In­gangsetzung des Poung-Plans überreichte. 3m Anschluß an diesen Schritt des englischen Botschaf­ters veröffentlicht havas folgende Mitteilung:

Sowohl nach den Mitteilungen der anderen inter­essierten Mächte, als auch nach dem heutigen Schritt Thyrells scheint es, daß man im Begriffe ist, sich für die Einberufung der Konferenz auf die ersten August tage zu einigen. Was an­derseits den Tagungsort betrifft, so hält die englische Role, wie verlautet, an dem Stand­punkt derenglischen Regierung fest. Sie schlägt demgemäß nochmals London vor. Die Ver­fahrensfrage soll bisher nur in unbestimmter Form ins Auge gefaßt worden sein. Es wird jedoch be­

kannt, daß die englische Regierung sich den französischen Vorschlägen über eine Prü­fung der der Konferenz zu unterbreitenden Probleme in mehreren Etappen nicht angeschlos- f e n hat.

SieVeglettmusikderpariserprefse

Paris, 7. Juli. (WTB.) Die Morgenpresse bestätigt, daß die englische Regierung ihren Standpunkt hinsichtlich der Regierungs­konferenz, die in London in den ersten Tagen des Monats August stattfinden soll, auf­rechterhält. Die Blätter stellen hierüber Be­trachtungen an und verknüpfen diese teilweise mit den Ausführungen von Staatssekretär Hen­derson im englischen Unterhaus.

Petit Parisi en" will berichten können, daß wegen des Zeitpunktes der Konferenz ein allgemeines Einvernehmen erzielt fei. Sie werde am 5. oder 6. August eröffnet werden.

Oeuvre" schreibt, es sei klar, daß die eng­lische Regierung mit der deutschen Regie­rung

in einer einzigen Session die Räumung des Rheinlandes

und die mit dem Inkrafttreten des TZoungplanes zusammenhängenden Probleme zu erledigen wünsche.

Ere Rouvelle" erklärt: Rach den Aus­führungen Hendersons über die Rheinlandräu­mung sind keine Unklarheiten mehr möglich. Die Opposition im englischen Unterhaus hat gegen diese Ausführungen nicht Stellung genom­men. Die These von der R ä u m u n g ist also eine national-englische These. Frankreich muh jetzt Farbe bekennen. England hat kein Interesse mehr daran, eine Besatzung in Deutsch­land zu unterhalten. England muh seine Fi­nanzen, seinen Handel und seine Industrie gegen den amerikanischen Vorstoß in Deutschland ver­teidigen und deshalb eine Versöhnungs­politik gegenüber Deutschland betreiben. Frankreich muß hieraus die Lehre ziehen.

Es darf England nicht den Ruhen einer Hal­tung überlassen, die von Frankreich eingenom­men werden muß. Frankreich muß jetzt die 3ni- tiative für Locarno ergreifen.

Berlin, 6.3uti. (wv.) Die im Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft vereinigten land­wirtschaftlichen Spihenverbände haben zu den Vorschlägen der Pariser Sachverstän- digenkonferen; folgende Stellung eingenom­men:

3n dem Bericht der Pariser Sachoerständigen­konferenz vom 7.3uni 1929 sind den beteiligten Re­gierungen Vorschläge für eine vo l l st ä n d i g e unb endgültige Regelung des Reparations­problems unterbreitet worden. Ohne zu der grundsätzlichen Frage der Reparationssorderungen überhaupt Stellung zu nehmen, hält der Reichsaus­schuh der deutschen Landwirtschaft an dem Grundsatz fest, daß Reparationszahlungen nur im Rahmen der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft möglich sind.

Die im Reichsausschuß der deutschen Landwirt­schaft vereinigten Spihenverbände halten sich für verpflichtet, ihrer lleberzeugung Ausdruck zu geben, daß die im Poung-Plan der deutschen Wirt- schäft zugemuteten Leistungen, für deren Bemessung nicht die wirtschaftliche Prüfung der Lei­stungsfähigkeit Deutschlands, sondern politische Gesichtspunkte ausschlaggebend gewesen sind, und zu denen noch die ständig steigende Verzinsung der von Deutschland aufgenommenen Anleihen hinzukommt, über die Leistungsfähigkeit der deut-

Echo de Paris" schreibt: Belgien ver­wahrt sich dagegen, England seinerseits das Wort gegeben zu haben, für London als Tagungsort zu stimmen. Die englische Regierung jedoch ver­tritt den Standpunkt, daß Belgien sich formell verpflichtet habe. Da es sich darum handelt, einem Bericht zuzustimmen, der für jeden un­gefähr die gleichen Angelegenheiten bietet, ist es bedauerlich, feststellen zu müssen, daß London der Sache Frankreichs sehr große Verlegenheiten zu bereiten sich vorbehält.

Journal des D e b a t s" hebt hervor, day die französische Regierung ihre Ansicht, daß die Atmosphäre eines neutralen Staates für die Verhandlungen viel günstiger sein würde, vorläufig noch nicht aufgegebcn habe.

Temps" faßt den französischen Standpunkt über die Derhandlungsmethoden dahin zusammen: Es scheint schwierig, wenn nicht unmöglich zu sein, die Lösung sämtlicher vorliegenden Fra­gen in einer einzigenTagung vorzunehmen, wie Deutschland es möchte und was England zu­zulassen geneigt scheint. Rach den Rachrichten und Kommentaren der englischen Blätter zu ur­teilen,

denkt England an eine große Gesamlkonferenz wie die vom August 1924,

während die heutige Lage von der damaligen sehr verschieden ist. Die Logik scheint ganz im Gegenteil zu gebieten, invorsichtigenEtap- p e n derart vorzugehen, daß die verschiedenen Phasen der Verhandlungen in normaler Weise verkettet werden und allen äleberraschungen die Tür verschlossen wird. Es ist selbstverständlich, daß man zunächst die Billigung des Voung-Planes durch alle interessierten Mächte erreichen muß, während bisher nur Frank­reich und Deutschland letzteres sogar mit Bor­behalten ihren Standpunkt bekanntgegeben haben.

Amerika hält sich zurück.

R enh vrk, 6. Juli. (WB.) Aus W afhin g- tvner Kongreßkreisen erfährtHe- rald Tribüne", daß Hoover nicht beab­sichtige, irgendwelche inoffiziellen V e r t r e t e r zu einer der künftigen Reparationskonfe1:enzenl der europäischen Regierungen zu entsenden. In Kongreßkreisen wird diese Zurückhaltung deshalb

fchen Wirtsc. a f l weit hinausgehen.

Die Landwirtschaft ist unter der Herrschaft des Dawesplanes in eine immer drückender werdende unproduktiveReuverschuldung hinabgeglitten, deren höhe sich mit dem Betrage der an die ausländischen Gläubiger Deutschlands abgeführten Zahlungen ungefähr deckt. Sie ist in­folgedessen schon über d i e Grenze ihrer Leistungsfähigkeit hinaus belastet und unter den gegenwärtigen Produktionsbedingun­gen nicht imstande, weiterhin unmittelbare und mittelbare Reparationslasten, insbesondere nicht durch weitere Eingriffe in die Wirtschaft, zu tragen.

Der Reichsausschuh der deutschen Landwirtschaft erwartet daher von der Reichsregierung, daß sie diesen Tatsachen bei ihrer Entscheidung über den Bericht der Pariser Sachverständigenkonferen; und insbesondere auch bei den diplomatischen Verhand­lungen Rechnung tragen und keine Verpflich­tungen und Regelungen annehmen wird, die nicht der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und den besonderen Verhält­nissen der deutschen Landwirtschaft entsprechen.

Diese Stellungnahme der deutschen Landwirtschaft wurde heute dem Präsidenten des Deutschen Land­wirtschaftsrates D. Dr. h. c. Brandes zur Kennt­nis gebracht.

Die Landwirtschaft zum Aoung-plan.

unb Finnland gebunden; sie müssen erst gekün­digt werden, ehe die ersteren erhöht werden kön­nen.. Da ist die Sorge nicht abzuweisen, ob die neuen Verträge nicht unserem Jndustrieexport schlechtere Bedingungen bringen. An dem lumpi­gen Schweinekontingent stocken seit 4 Jahren die Handelsoertragsverhandlungen mit Polen. Und wenn wir den uns umgebenden Agrarstaaten ihr Butter, Käse, Eier, Geflügel, Schlachtvieh, Gemüse und Obst nicht mehr abkaufen, durften sie der Ein­fuhr unserer Industrieartikel Schwierigkeiten ma­chen. Allein das kleine Dänemark hat uns 1928 für 430,6 Mill. Mk., die Niederlande für 1177 Mill. Mk. Waren abgenommen. Wir tun deshalb gut, de Zölle auf diese Produkte nur als vorüber­gehende Erziehungszölle ähnlich wie die staffelweis sich ermäßigenden Automobilzölle zu be­handeln. , , . ,,

Eine Erhöhung der Brotgetreidezolle hat solche handelspolitischen Bedenken nicht im gleichen Maße. Weizen werden wir aus Nord- und Süd­amerika und Australien je nach dem Ausfall un­serer Ernte weiter einführen, ob nun der Zoll 5 oder 7,50 für 100 Kilogramm beträgt. Nun ha­ben wir im Handelsvertrag mit Schweden den Rogenzoll mit 6 Mk., den Weizenzoll mit 6,50 ge­bunden, könnten daher unseren jetzigen Zoll von 5 bzw. 5.50 nur auf 6 und 6,50 Mk. erhöhen;

ebenso ist im Vertrag mit Frankreich der Mehlzoll mit 11,50 Mk. gebunden. Beide Verträge müssen also gekündigt werden. Da Schweden kein Brotgetreide und Frankreich kein Mehl zu uns ausführt, wird das nicht auf große Schwierigkei« ten stoßen.

Höhere Getreidezölle körnen freilich fast nur den landwirtschaftlichen Groß- und großbäuerlichen Be­trieben zugute. Sie hatten früher zudem den Nach­teil, die Grundrente, also den Preis des Grund und Bodens zu erhöhen. Der durch Kauf, Erbgang mit Geschwisterauszahlung ober zu Pacht eingesetzte neue Wirtschafter hatte keinen Vorteil, sondern nur vermehrte Lasten davon. Heut ist die Grundrente jedoch meist verschwunden. Die Zahl der großen und großbäuerlichen Güter, deren Verkehrswert den Feuerkassenwert von Baulichkei­ten und Inventar übersteigt, ist minimal.

Den Getreideproduzenten durch Ausgleichsgebüh­ren einen stabilen Preis zu garantieren, hat be­trächtliche Bedenken; sie schafften ihnen nach reichen Ernten übermäßige Gewinne, nach schlechten aber unzureichende. Alle bisherigen Erfahrungen mit gleitenden Zöllen seinerzeit in England, zuletzt in der Tschechoslowakei wie in Oesterreich lassen solche Experimente nicht vorteilhaft erschei­nen. Ueberall hat man sie als Produzenten, Mül­lerei und Handel schädigend wieder qufgege«

den. Selbst wenn man sie unter Ausnutzung dek schlechten Erfahrungen noch so sehr verfeinert, dürfte es kaum möglich sein, sie vorteilhaft zu goi stalten.

Auch der Zwang für die Mühlen 40 Prozent inländischen Weizen äu vermahlen ist ein unsicheres Experiment und deshalb zunächst nur auf Jahres« frist bemessen. Er droht den im Binnenland de« legenen Weizenmühlen das Mahlgut zu verknappen unb sie zu nötigen, überseeischen Weizen von weit her zu beziehen unb den ausländischen Weizen ver­mahlenden Mühlen der See- und Binnenhäfen den Mehlexport zu erschweren. Nach feucht eingebrachter Jnlandsernte, die, um die Backfähigkeit des Mehls zu erhöhen, eine starke Zumischung trockenen fieber« 1 haltigen Auslandweizens erfordert, kann sich die Durchführung des Vermahlungszwanges unter Um« ständen als ganz unmöglich erweisen, will man den Konsumenten nicht mit schlechtem Mehl in die traurigen Kriegszeiten versetzen. Nicht jedes Mittel, an dessen Wirksamkeit der es verordnende Arzt und der es nehmende Patient glaubt, hilft oder ist un< «. Auch die Zollarznei soll nur ba^u dienern dienten über die Krisis hinwegzuhelfen, bis die ihm dauernde Hilfe bringende Kur ihre Witt kung tut