Ausgabe 
8.6.1929
 
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Samstag, 8. Zuni 1929

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 132 Drittes Blatt

Orr Wiesecker Voranschlag für 1929.

£ Wieseck, 8. 3uni. Wie wir in unserem Bericht vom Donnerstag schon bemerkten, weist der Voranschlag der Gemeinde Wie- seck für 1929 in einzelnen Rubriken wesent­liche Aenderungen gegen 1928 auf. So finden wir in RubrikG e b ä u d e" für 1929 eine Einnahme von 8676 Mk. (1928 nur 7188 Mk.) und Ausgabe 1929 3100 Mk. (1928 dagegen 5983 Mk.). Rubrik Grundstück e eine Einnahme von 15 363 Mk. (1928 9652 Mk.), RubrikW aldungen" nur eine Einnahme von 30 445 Mk. gegenüber 1928 60 285 Mk. Der Mehrerlös in 1928 ist auf starke Windbrüche zurückzuführen. Die Aus­gaben sind etwa 2000 Mk. niedriger als 1928. Die Ausgaben für Schäfereien und Wei­den betragen 1929 2836 Mk. gegenüber 2070 Mark von 1928. Reu erscheint die Rubrik Verkehrswesen" mit einer Einnahme von 6225 Mk. und Ausgabe von 11 475 Mk., sowie RubrikGasversorgung" mit einer Ein- nähme von 4400 Mk. und einer Ausgabe von 5980 Mk. 3n der RubrikA llgemeine Ver­waltung" sind die Einnahmen von 1928 und 1929 fast gleich, die Ausgaben dagegen betragen in 1929 28 159 Mk. gegen nur 21351 Mk. im Jahre 1928. Auch die RubrikOeffentliche Sicherheit" zeigt in 1929 eine Mehrausgabe von 2066 Mk. Die Mehrausgaben in diesen bei­den Rubriken sind auf die beantragte Reurege­lung der Gehälter der Hessischen Gemeindebeam- ten zurückzuführen. RubrikOeffentliche Gesundheitspflege" weist eine Mehraus­gabe von 1132 Mk. auf. 3n RubrikFeuer­löschwesen" sollen die Ausgaben 1929 1108 Mark betragen gegenüber 808 Mk. 1928. Hier wäre vielleicht die Anschaffung einer mechani­schen Leiter zu empfehlen. Bei RubrikSchu­len" betrugen 1928 die Ausgaben 13 215 Mk., 1929 dagegen sollen nur 8374 Mk. ver­ausgabt werden, weil für die Legung der Zentralheizung in der Schule an der Gie­ßener Straße 1928 = 4000 Mk. in Ausgabe er­schienen waren. Die Rubrikevangelische Kirche" erfordert eine Ausgabe von 4081 Mk., gegenüber 3538 Mk. in 1928. Die RubrikGe­meindefriedhöfe" einschl. Bestattungskosten erforderten 1928 eine Mehrausgabe von 1056 Mk. RubrikKanäle" weist für 1929 eine Ausgabe

von 5125 Mk. auf, gegenüber 3900 Mk. in 1928. FürL an dw i r t sch a f t s zwe cke" sind in Ausgabe für 1929 nur 5508 Mk. vorgesehen, gegenüber 8282 Mk. 1928. DieGrenzver­hältnisse" weisen eine Einnahme von 3304 Mk. auf, gegenüber 2850 Mk. 1928. Die Aus­gaben sollen 1929 nur 5783 Mk. betragen, statt 11 055 Mk. 1928. FürOeffentliche An­lagen, Denkmäler" sind 1929 2020Mk. vorgesehen, gegen 1020 Mk. 1928.Flüsse und Bäche" sollen die Einnahme von 3300 Mk. ergeben (1928 2420 Mk.), die Ausgaben da­gegen nur 9980 Mk. betragen, gegenüber 14 000 Mk. 1928. FürW ohnungsfürsorge" sind vorgesehen: Einnahmen 1929 = 7578 Mk. (1928 = 7365 Mk.) Ausgabe 1929 = 15 300 Mk. (1928 6169 Mk.) AnSteuern" hat die Gemeinde zu zahlen 9280 Mk. (1928 = 10 200 Mk.): die Son- öerfteuern sollen 3100Mc. be r gm (1923 2820211!.); die Anteile an Reichssteuern sollen 27 645 2KF. einbringen, gegenüber 22 580 Mk. in 1928. Rubrik Kapitalzinsen" erbrachte 1928 6-100 Mk., 1929 werden es nur 541 Mk. sein, da die Zinsen aus dem Autobetrieb (1923 5200 Mk.) in Rubrik 18 mit 6225 Mk. bereits erschnnen; die Ausgaben betrugen 1928 19 735 Mk., 1929 sollen es nur 3300 Mk. werden. RubrntSchuldentil- gun g" betrug 1928 5790 Mk. und 1929 sind 3121 Mk. vorgesehen. Durch Gemeinde­steuern müssen nach dem Entwurf des Vor­anschlags 60 895 Mk. noch gedeckt werden. Vor­schläge für die Steuersätze sind im Doranschlags­entwurf nicht gemacht.

Taten für Sonntag, 9. Juni.

Sonnenaufgang: 3.45 Llhr, Sonnenuntergang: 20.14 Llhr; Mondaufgang: 5.02 Llhr, Mond­untergang: 22.56 Llhr.

1672: Zar Peter der Große in Moskau geb. (gest. 1725). 1870: Der englische Dichter Charles Dickens (Doz) auf Galshill Place bei Rochester gest. (geb. 1812).

Daten für Montag, 10. Juni.

Sonnenaufgang 3.44 Llhr, Sonnenuntergang: 20.14 Llhr; Mondaufgang: 6.20 Llhr, Mond­untergang: 23.37 Llhr.

1819: Der französische Maler G. Courbet in Ornans geb. 1836: Der Physiker Andre Marie Ampere in Marseille gest. 1914: Grün­dung der Universität Frankfurt a.W.

Oer Gießener Voranschlag für 1929.

V.')

Die Vermögensrechnung des Haus­haltsvoranschlags für 1929 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 3 020 567,19 Mark, gegen 2034 758,68 Mk. im Vorjahre ab. Diese Erhöhung um fast eine Million Mark ist darauf zurückzu- slihren, daß der neue Voranschlag nach der vor­jährigen Unterbrechung jetzt eine weitere Rate □on 500 000 Mark für die Beschaffung von S ch u l r a u m vorsieht, die Kosten für die Er­richtung einer Rinderkuttelei im städtischen Schlachthof in Höhe von 130 000 Mk. angefordert werden, für die Erbauung von Straßen, Wegen und Anlagen ein Betrag von 256 069 Mk. eingesetzt ist und schließlich das Ka­pitelFinanzverwaltung" infolge gesteigerter Aufwendungen für die Finanzierung des Wohnungsbauprogrammes und zur Bestreitung des Kapitalzinsendien st es von 647 000 Mk. im Vorjahre auf 1 027 951 Mk. im Jahre 1929 sich erweitert hat. Dagegen ist für das neue Wirtschaftsjahr eine weitere Rate zur Erbauung des V i e h h o f e s. für den im vorigen Jahre die erste Rate in Höhe von 400 000 Mk. bereitgestellt wurde, im Voranschlag nicht enthalten, weil dieses Projekt leider bis jetzt noch immer nicht in Angriff genommen wer­den konnte. Bedauerlicherweise muhte unter dem Drucke der Finanznot auch das Straßenbau- Programm erheblich gekürzt werden, so daß diesmal nur der oben erwähnte Betrag von etwas über eine Diertelmillion Mark in Er­scheinung tritt. Hierzu wird von der Verwal­tung erläuternd folgendes bemerkt:Von den In 1927 bereitgestellten Mitteln von 1000 000 Mark sind in 1927 und 1928 bis jetzt insgesamt 471 439 Mk. verbraucht worden; der nicht ver­brauchte Teil wird auf 1929 übertragen. Da nach dem vorliegenden Strahenbauprogramm insgesamt noch 784 630 Mk. erforderlich sind, bleiben außer dem zu übertragenden Betrag von 528 651 Mk. noch 256 069 Mk. neu hier vorzu­sehen." Für die Ausführung der Kanali­sation in zum Ausbau vorgesehenen Straßen sind im neuen Voranschlag 124 687 Mk. gegen 200 000 Mk. im Vorjahre eingestellt. Hierzu be­merkt die Verwaltung erläuternd:Von den in 1927 und 1928 bereitgestellten Mitteln von 137 500 Mk. plus 200 000 Mk. sind in den beiden Jahren bis jetzt insgesamt 58 787 Mk. verbraucht worden; der nicht verbrauchte Teil wird nach 1929 übertragen. Da nach dem vorliegenden Pro­gramm insgesamt noch 403 400 Mk. erforderlich sind, bleiben außer dem zu übertragenden Betrag von 278 713 Mk. noch 124 687 Mk. neu hier vor­zusehen." Bei dem TitelBeschaffung vo n Schulraum", für den wie oben erwähnt weitere 500 000 Mk. angefordert werden, fügt die Stadtverwaltung folgenden Erläuterungsver- mcrk hinzu:Bon dem in 1927 bereitgestellten eisten Teilbetrag von 1COO 000 Mark wurden als nicht verbraucht 994 500 Mk. nach 1928 über­tragen. Dis jetzt sind von diesem Betrag rund 237 COO Mk. verbraucht. Außer dem nach 1929 zu übernehmenden Restbetrag werden als zweiter Teilbetrag weitere 500 000 Mk. hier vorgesehen." Bei derFinanzverwaltung" ist vor allem die Steigerung der Ausgaben für das Wohnungsbauprogramm von 392 062,84 Mark im Dorjahre auf 634 700 Mk. im neuen Wirtschaftsjahre bemerkenswert, die aus An- llcihemitteln zu decken sind. Die Gesamtausgaben der Dermögensrechnung in der RubrikAuf- zunehmende Kapitalien" belaufen sich auf 2 920 567,19 Mk., die Gesamteinnahmen auf 1324082,19 M?., so daß durch Kapitalauf­nahme 1 596 485 Mk. (im Dorjahre 1 011116,62 Mark) zu decken sind.

Bei der kritischen Betrachtung der Dermögens­rechnung fallen vor allem die obenerwähnten Aebertragungen großer Summen aus früheren Jahren nach dem neuen Doranschlag auf. Diese Erscheinung ist damit zu erklären, daß seinerzeit die Mittel für die Bauvorhaben in dem erforder­lichen Umfange bereitgestellt waren, die Ar­beiten aus technischen Gründen aber nicht so Veit vorangcbracht werden konnten, daß die verfügbaren Mittel erschöpft worden wären. Die Restbeträge werden nun im neuen Jahre in An­spruch genommen. Außerordentlich schmerzlich ist rs, daß auch in diesem Jahre wieder bei dem Strahenbauprogramm eine f h empfind­liche Kürzung stattgefunden hat. Die verhältnis- mäßig bescheidenen Beträge, die man hier Vor­sicht, lassen kaum auf eine auch nur einigermaßen befriedigende Durchführung der allernotwendig- slen "Verbesserungen hoffen, von Reuschaffun- $en ganz abgesehen. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern auch gefahrdrohend für die Zukunft; denn wenn unsere Straßen infolge des auher- vrdentlich starken Fahrzeugverkehrs erft einmal so stark strapaziert worden sind, daß der Schaden bis in die Packlage hineinreicht, dann werden Dir in späteren Jahren die heutige außerordent­lich engbegrenzte Strahenunterhaltung sehr teuer zu bezahlen haben. Hoffentlich bleibt die starke Beschneidung des Straßenbauprogramms nur auf das Jahr 1929 beschränkt und macht dann wieder einer Erweiterung Platz, damit die vorerwähn­ten Gefahren einer späteren Zeit rechtzeitig hmt- angehalten werden. Mit Genugtuung ist zu be­grüßen, daß für den Wohnungsbau im -neuen Wirtschaftsjahre wieder mehr getan wer­den soll. Die Betätigung der Stadt auf diesem Gebiete ist in der Tat außerordentlich notwendig. Begrüßenswert ist auch der Ausbau, des 6 ch l a ch t h o f e s. Sehr zu bedauern ist jedoch, daß die Verwirklichung des Viehhofprv" jektes bis heute immer noch nicht zur -L,at geworden ist. Lieber die Dringlichkeit dieser Ein­richtung besteht schon seit langem kein Zweifel mehr, und daher sollte doch nun mit allem Rachdruck darauf hingewirkt werden, daß diese Angelegenheit endlich aus dem Stadium des Projektierens in die Durchführung gelangt.

3n der Gesamtheit betrachtet, weist auch die Dermögensrechnung, wie die Detriebsrechnung, eine außerordentlich scharfe Anspan­nung auf, die mit aller Deutlichkeit erkennen läßt, wie eng begrenzt die gegenwärtigen Schaf­fensmöglichkeiten der Verwaltung unter dem star­ken Drucke der allgemeinen deutschen Finanznot sind.

*) Teil I in Rr. 109 vom 11. Mai, Teil II in Rr. 115 vom 18. Mai, Teil III in Rr. 120 vom 25. Mai, Teil IV in Rr. 126 vom 1. 3unL

Oie Wohnungsnot unter besonderer BerücksichtigungderGießenerVerhältniffe

Von Beigeordnetem Or. Ernst Hamm, Gießen.*)

Bei der Wohnungsnot ist zu unterscheiden zwischen dem Wohnungs mangel und dem Wohnungs elend. Der Wohnungsmangel ist, bezüglich der Kleinwohnungen, schon vor dem Kriege vorhanden gewesen, ist aber im allge­meinen eine Kriegs» und Rachkriegserscheinung; während der vier Kriegsjahre ist nicht gebaut worden, eine Anzahl Wohnungen sind baufällig geworden. Die Rachkriegszeit hat eine rasche Vermehrung der Haushalte gebracht, ohne daß die Bevölkerung besonders gewachsen ist. Die Zahl der H a u S h a l t u n g e n ist aber ausschlag­gebend. Die Reichswohnungszählung vom 16. Mai 1927 hat 70 Prozent der Bevölkerung erfaßt. Sie hat ergeben, daß 902 536 Familien und Haus­haltungen ohne selbständige Wohnungen in Deutschland vorhanden sind. Der Wohnungs­mangel wird bestritten, und es wird behauptet, es käme nur auf eine richtige Verteilung der Be­völkerung an, dann sei der Wohnungsmangel behoben. Demgegenüber ist zu sagen, daß es nicht nur auf die Einwohnerzahl, sondern auf die innere Struktur der Einwohner­schaft ankommt. Man darf auch nicht vergessen, daß Deutschland vor dem Krieg etwa 600 000 unverheiratete Soldaten gehabt hat, die erst nach Ableistung ihrer Dienstzeit geheiratet haben, die aber heute den Wohnungsmarkt beeinflussen. Das Wohnungselend ist schon lange vor dem Kriege vorhanden gewesen, es hängt zusammen mit der Zusammenballung der Bevölkerung in den Städten durch die Industrialisierung. Die Städte sind weder technisch, noch or­ganisatorisch darauf vorbereitet gewesen. Ver­fehlter Städtebau, ungeeignete Bauordnungen, Bodenspekulation, Mängel des Hypotheken- rechts, die über eine außerordentliche Boden- Preissteigerung zu den Mietskasernen führ­ten, haben in Deutschland eine Wohnungsdichte hervorgerufen, die kein anderes Land kennt. Als Folgen der Wohnungsnot entstanden Familien­zerwürfnisse, Rervenleiden, Ausbreitung von Ge­schlechtskrankheiten und Tuberkulose, Rückgang von Geburten und der Fruchtbarkeitsziffer.

Lieber unsere Gießener Verhältnisse ist festzustellen, daß die Zahl der Wohnungen in Gießen im Dezember 1928 8311 betrug. Haus­haltungen bestanden zu dieser Zeit 9062, so daß 751 Haushaltungen ohne eigene Wohnung vor­handen sind. Die Zahl der Haushaltungen ist einwandfrei durch die Reichswohnungszählung vom 16. Mai 1927 festgestellt. Die Zahl der Haushaltungen ist in Hessen im Durchschnitt gegenüber der Vorkriegszeit um 14,5 Prozent gewachsen (während die Bevölkerung nur um 5,1 Prozent zugenommen hat), in Gießen aber um 27,2 Prozent. Die Zahl der Haushaltungen hat also in einem ganz anderen Maße zugenom­men als die Bevölkerung. Zu beachten ist auch, daß die Kopfzahl der einzelnen Haushaltung im Durchschnitt geringer geworden ist als vor dem Kriege. Gießen hat aber auch einen Be­völkerungszuwachs in den letzten Jahren er­halten. Rach der genauen Statistik des städtischen Steuerbureaus, welche sich nach der Volkszählung vom 16.3uni 1925 aufbaut, sind in Gießen am 16.3uni 1925 33 525, aber am 1. Januar 1929 35 727 Einwohner (ohne Militär) vorhanden ge­wesen. Abgesehen von einem Geburtenüber­schuß muß in Gießen auch mit einem sog. Wanderungsgewinn gerechnet werden (Lleberschuh des Zuzugs gegenüber dem Wegzug). Seit dem Kriegsende sind in Gießen 1230 neue

) Rach einem Vortrag, den Herr Dr. Hamm, der Dezernent für die städtische Bauverwaltung und das Wohnungswesen, in der Mai-Versamm­lung der Ortsgruppe Gießen des Allgemeinen Deutschen Frauenvercins gehalten hat. D. Red.

Wohnungen gebaut, aber 3095 Ehen ge­schlossen worden. Wenn auch nach der Sta­tistik des Standesamts anzunehmen ist, daß etwa ein Viertel der Reuvermählten ihren Wohnsitz auswärts aufschlägt, so ist damit zu rechnen, daß ebensoviele Reuvermählte, die ihre Ehen auswärts geschlossen haben, nach Gießen ziehen werden. Man kann ohne zu übertreiben sagen, daß durchschnittlich in den letzten zehn Jahren doppelt bis dreimal soviel Ehen geschlossen, als Wohnungen geschaffen worden sind. Rach einer genau geführten Statistik des Wohnungsamts haben 307 Haushaltungen auf eigene Wohnungen verzichtet. Die Zahl der dann noch verbleibenden Wohnungfuchenden ohne eigene Wohnung beträgt nach dem Stand vom Dezember 1928 584. Dazu kommen rund 50 baufällige Wohnungen und 150 unhygienische Wohnungen, so daß die Summe dieser Wohnungen mit 7 8 4 als die Zahl der mangelndenWohnungen anzusprechen ist. Die Behauptung, daß viele Wohnungen von ein­zelnen Damen bewohnt würden, ist dahin richtig zu stellen, daß 43 alleinstehende Damen in Gie­ßen Wohnungen innehaben. 38 davon haben untervermietet; ein Beweis, daß es ihnen wirt­schaftlich nicht zum besten geht. Wollte man diese Damen aus ihren Wohnungen (23 haben Dierzimmerwohnungen, 16 haben Fünfzimmer­wohnungen und 5 haben Sechszimmerwohnungen) ausweifen und ihnen Kleinwohnungen geben, wo sie nicht vermieten können, so werden sie dem Wohlfahrtsamt zur Last fallen und müssen zu­dem noch einen Teil von ihrer Einrichtung ver­schleudern. Kleinwohnungen sind aber nicht vor­handen, dort ist der allergrößte Mangel. Also würde durch eine derartige Llmsiedlung wenig gewonnen werden.

3n der oben angegebenen Zahl von 8311 Woh­nungen sind enthalten: 50 baufällige, 154 voll­kommen unhygienische und 50 an sich brauchbare Wohnungen, in denen aber die Menschen in einer furchtbaren Enge zum Teil noch bei ansteckenden Krankheiten zusammengesteckt sind. Die Zahl dieser 254 Wohnungen sind in dem obengenannten dringendsten Wohnungsbedarf enthalten. Dabei sind aber die 115 Rotwohnungen in der Kaiser- allee und bei der Margaretenhütte nicht mit­gerechnet. Dieses Wohnungselend wird noch ge­steigert durch die Exmission. Zur Zeit sind acht Familien gegen Stellung einer Ersahwohnung und 43 Familien ohne Stellung einer Ersatz- Wohnung zur Räumung berurteilt. 72 Familien mit Personen, die mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind, sind in vollständig unzureichen­den Wohnungen untergebracht. Schwer Lungen­kranke müssen mit anderen das Bett teilen. Zum Beweis dafür, daß dieses furchtbare Wohnungs- elend in Gießen nicht etwa in den Köpfen der städtischen Beamten besteht, sondern tatsächlich vorhanden ist, sei gesagt, daß eine Liste über diese 254 furchtbaren Fälle mit ausführlichen Einzelheiten im Stadthaus vorhanden ist.

Die Behebung der Wohnungsnot ist nur durch Bauen von Wohnungen zu erhoffen. Diese Lö­sung ist aber durchaus nicht einfach, weil es zur Zeit sehr schwer ist, die Mittel zu beschaffen. Von 3ahre 1933 ab kann mit einem Rückgang der Eheschließungen infolge der Kriegsausfälle ge­rechnet werden. Man befürchtet nun, daß von da ab sogar Wohnungen leerstehen werden. 3ch teile diese Befürchtung nicht, denn dann kann man endlich einmal an die Sanierung der Alt­stadt in hygienischer, aber auch in verkehrs­technischer Beziehung Herangehen. Eine ganze Anzahl von Derkehrsverbesserungen scheitern heute daran, daß man die im Wege stehenden Häuser nicht abreihen kann, weil die darin woh­nenden Familien anderweitig nicht unterzubrin­gen sind.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

)( Grohen-Linden, 7. 3uni. Der älteste Einwohner Großen-Lindens, Schuhmacher 3oh. Luh VIl. wurde heute 8 6 Jahre alt Da er Altveteran von 1866 ist, ließ ihm der Reichspräsident v. Hindenburg die besten Glückwünsche zu seinem Geburtstage aussprechen und chm seine Photographie mit eigenhändiger Llnterschrift überreichen.

* Wieseck, 7. 3uni. Das Männer q uar- tettHarmonie", Mitglied des Deutschen. Hessischen und Lahntal-Sängerbundes, feiert am Samstag, 8. 3uni und Sonntag, 9. 3uni, sein 10. Stiftungsfest. Am Samstagabend findet ein Festkommers statt, verbunden mit Banner- Weihe, während der Sonntag der Jubiläumsfeier gilt. Siehe Anzeige in der Freitag-Ausgabe des Gießener Anzeigers.

M Wie seck, 7. Juni. Die Wirtschaft und Metz­gerei G. Göbel, als frühere Bierausche Apfel- weinwirtschaft bekannt, ging mit Inventar durch Kauf in den Besitz des Metzgermeisters Paul Drescher in Lollar über.

+ Staufenberg, 7. Juni. Am kommenden Sonntag begeht der hiesige Gesangverein die Fe ie r seines 5 0jährigen Be st e h e n s. Aus diesem Anlaß hat der Lumdatalsängerbund sein dies- jähriges Wertungsfingen dem festgebenden Verein zugeteilt. Sämtliche Vereine des Sänger­bundes werden an dem Singen teilnehmen.

5 Harbach, 7. Juni. Am nächsten Sonntag feiert der GesangvereinGermania" hier sein 35jähriges Stiftungsfest. Am Vormittag findet am Gefallenendenkmal em Ge- chächtnisgottesdienst statt, wobei neben dem Ge­sangverein noch eine Musikkapelle mitwirken wird. Zu dem Fest haben mehr als zwanzig Vereine Der Llmgegend chr Erscheinen zugesagt.

tz Saasen, 7. Juni. Am vorigen Sonntag machte der evangel. kirchliche Frauen­verein hier feinen -diesjährigen Ausflug. Lln- gefähr 50 Mitglieder besuchten unter Führung k>cs Leiters, Lehrer Herber, Eisenach und die Wartburg. Begünstigt vom Wetter verlief der Ausflug so, daß er bei allen Beteiligten in bester Erinnerung steht.

+ Grünberg, 7. 3uni. 3n einer außer­ordentlichen Gemeinderatssitzung am heutigen Freitagabend unter dem Vorsitz des Beigeordneten Keller und in Anwesenheit von neun Gemeinderäten wurde die Gemeinde­rechnung für 1927/2 8 durch den Rechner R. Gehringer verlesen. Sie schließt in der 'Detriebsrechnung mit 246 649,55 Mk. Einnahme 'and 198 683,23 Mk. Ausgabe ab, in der Ver- inögensrechnung mit 97 081,87 Mk. Einnahme und 97 050,54 Mk. Ausgabe. Gleichzeitig wurde der Dom Rechner aufgestellte Voranschlag für 119 2 9/3 0 beraten und nach kurzer Besprechung ohne Aenderung einstimmig gutgeheiben. Dieser schließt in Einnahme und Ausgabe mit je 219 010 Mark ab. Der Llmlagebedarf beläuft sich auf 63 200 Mk. Eine Erhöhung der Gemeindesteuer» sähe ist nach Mitteilung des Beigeordneten nicht notig. Lieber Einzelheiten werden wir noch be­richten.

Kreis Friedberg.

2$. Dad-Rauheim, 6. 3uni. Als dritte und letzte Veranstaltung der diesjährigen Rke i st e r s e st s p ie le wurde heute abend im gt ohen Konzerthause BeethovenFidelio" gegeben. Die Hauptpartien (Leonore und Flore- stttn) sangen Henny Trundt und G. Pi stör, zvxi gefeierte Bayreuther Sänger, während Ernst O st e r t a m p von der Leipziger Oper die Partie dd-s Kerkermeisters übernommen hatte und der Kölner T r e s k o w für die Partie des Pizarro verpflichtet war. Zu der vorzüglichen Rollen- besehung kam eine ausgezeichnete musikalische Ausdeutung durch das Orchester des Genexal- iwasikdirektors Heinz Dongarh. So war die Aufführung von einem sehr starken Erfolg be­gleitet. Die diesjährigen Meisterfestspiele be­deuten eine k ü n st l e r i s ch e Tat, die den Ruf unseres Bades als Musikstadt weit hinaus tragen wird in alle Welt.

Kreis Büdingen.

# Echzell, 7. 3. ni. Der Schweinemarkt ho tte nur einen Auftrieb von 161 Stück Ferkel zu. verzeichnen. Zahlreiche Kaufliebhaber hatten such eingefunden, so daß der Markt bei sehr hohen Preisen bald geräumt war. 6 Wochen alte 5er* fei kosteten 38 bis 42 Mk., 7 Wochen alte 40 bis 45 Mk., 78 Wochen alte 45 bis 50 Mk., ältere Tiere kamen bis 62 Mk. das Stück.

Kreis Schotten.

rI Laubach, 7. 3unt 3n der jüngsten S itzung des Gemeinderats wurde der endgültige Ausschlag der Gemein de um la - gen für das Rechnungsj ahr 1 928 er­ledigt. Rach eingehender Erörterung wurde der vorgesehene steuerliche Sah genehmigt. Weiter wurden Anschaffungen für die Straßenbe­leuchtung beschlossen. Der Kirchenge­meinde Laubach wurde zur Deckung ihrer Bedürfnisse der Betrag von 800 Mark über» wiesen. Sodann wurden noch verschiedene Verbesserungen von Straßen be- sch lassen. An der sog.Hohlen Gasse", von der Hciinstraße bis zur Bahnhofstraße, soll (vom Kemsumhause Mönnig an, eine Stützmauer er­rietet werden, wozu die Anlieger einen gewissen Be itrag leisten sollen. Der freie Platz zwischen dem Schloßgarten und dem Spritzenhaus soll gärtnerisch angelegt und eingefriedigt werden. Der Kirchplah soll einen Fußsteig und Pflaste­rung erhalten. Vor den neuen Häufernauf der Westseite des Ramsbergs, an der unteren Kurve bar Andre-Allee, foll ein chauffierter Weg an­gelegt werden. Architekt Silß wurde mit der Aufstellung eines Kostcnvoranschlags beauftragt, nach dem die Arbeit öffentlich vergeben werden sollt. Die Vorbereitungen für den sog.Aus- s ch u h", das Laubacher Rationalfest, das, vom 9. bis 11. 3uni nach alter Sitte ge­feiert wird, sind lebhaft im Gang. Am Dienstag findet ein großer Prämiierungsmarkt für Rindvieh (Fleckvieh und Vogelsberger) und für Ziegen statt.

Preußen.

Kreis Biedenkopf.

cs> Riederweidbach, 8. 3unt Heute nacht wurde bei dem Kaufmann Becker einge- brochen. Den Dieben sind die Ladenkasse, Kurz­waren, Zigaretten usw. in die Hände gefallen. Es fehlt noch jede Spur von den Einbrechern. Verdächtig find vier junge Durchreisende.