Mittwoch, 8. Mai 1929
179. Jahrgang
Nr. 107 Erstes Blatt
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Mittler zwischen Rom und Paris, aber ob es der englischen Staatskunst gelingt, die Gegensätze zwischen den beiden lateinischen Schwestern zu überbrücken, mag vorerst mehr als fraglich erscheinen. Solange insbesondereSüdslawien nach dem Zusammenbruch der Donau-Monarchie Italiens Gegner an der Adria und aus dem Balkan die französische Trumpfkarte bleibt, erscheint die französisch-italienische Verständigung wenig aussichtsvoll. Beide Mächte, Italien sowohl wie Frankreich, suchen diplomatisch für die Zukunft sich rüstend ihre Position auf dem Balkan und im Osten Europas durch ein Reh von Bündnissen zu verstärken. Frankreich hat seine Qfi[iaryen mit Südslawien, der Tschechoslowakei und Rumänien. Zum italienischen Kreise zählen Albanien, Ungarn und mehr und mehr auch Bulgarien. Zur Angora- Türkei steht Italien in besten Beziehungen, ebenso zu Griechenland.
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weil er ein solches Verbot schon früher an- gestrebt habe. Ich gewann draußen den Eindruck, als ob die Anregung Keudells an die Regierungen der Länder mehr aus parteipolitischen Gründen diktiert worden sei. Heute liegt aber viel Material gegen den Rotfrontkämpferbund vor (Zurufe), das in der Verbotsbegründung folgen wird. Können Sie leugnen, daß von den Rotfrontkämpfern Leute erstochen worden sind? Wenn eine Organisation uns mit dem Revolver und mit dem Bau von Barrikaden entgegentritt, dann wäre es falsch, diesen Widerstand nicht zu brechen. Der Abgeordnete Berndt regt an, die ganze K o m m u n i st i s ch e Partei auf- z u l ö s e n. Wenn die Kommunistische Partei nur eine äußere Vereinigung wäre, wäre es leicht, sie aufzulösen. Aber nach den gesetzlichen Bestimmungen blieben auch nach einer Auslösung die Kommunisten doch noch da und sie würden draußen auch in öffentlichen Versammlungen sprechen dürfen, und ferner würden wir die kommunistische Presse nicht treffen. Der Autorität des Staates aber leisten wir einen sehr schlechten Dienst, wenn man Verbote erläßt, die man nicht ausführen kann.
Die Maßnahmen in Preußen sind im engsten Einvernehmen mit dem Reichsministerium des Innern getroffen. Deshalb habe ich bei den anderen Ländern angeregt, ob nicht auch für sie ein verbot angezeigt wäre. Wenn die Kommunisten mit ihrer Organisation, die in Preußen verboten ist, von Altona nach Hamburg oder von Frankfurt a. 2H. nach Offenbach wandern könnten, dann wäre das verbot nur eine halbe Maßregel.
Bebel und Liebknecht haben es stets abgelehnt, mit Terroristen in einem Atemzuge genannt zu werden. Mit der Sozialdemokratie von 1878 bis 1890 hat der Terror des Rotfrontkämpferbundes nichts zu tun. Einstweilen hat noch der Polizeipräsident von Berlin und nicht Sie (zu den Kommunisten) in Berlin über die Ruhe auf den Straßen zu wachen. Die Herren sagen zur Beschönigung der Barrikaden und ihrer Bewasf- nung: „Das ist nur in der Abwehr gegen den Polizeiterror geschehen". Auf der andere'^ Seite brüsten sie sich mit dem Bau der Barrikaden. Der Minister verliest mehrere Telegramme, in denen man die Vorgänge als Auftakt zu Kämpfen bezeichnet und zugleich die Kampfentschlossenheit der Berliner Arbeiter rühmt. Die Machtmittel des Staates sind vorhanden, bei Ihnen nur eine verhängnisvolle Selbsttäuschung, aber nicht die Machtmittel. Die Maidemonstrationen waren eine Demonstration der Schwäche der Kommunistischen Partei. (Abg. Torgler, Komm.: „Verbote find kein besonderer Ausdruck von Kraft!") Rein^ das sind sie nicht. (Abg. Torgler: Damit kann jeder Esel regieren!) Das kann auch jeder Esel sagen. (Große Heiterkeit.) Ein Verbot der besprochenen Art ift in der Regel nur eine War
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der indischen Grenze, in China überall kreuzten sich die englisch-russischen Interessen. Soweit es sich übersehen läßt, wird das englisch-französische Lager, bei Frankreich schon bedingt durch das französisch-p o l n i s ch e Bündnis, stets im Gegensatz zu Rußland bleiben, während Amerika trotz der vorläufigen Richtanerkennung Rußland verhältnismäßig freundlich gegenübersteht.
Mit der Washingtoner Konferenz hat das englisch-japanischeBündnis sein Ende gefunden, aber auf beiden Seiten zeigt sich das Bestreben, die einstigen engen Beziehungen wieder zu vertiefen: das Mikadoreich, zur Zeit politisch isoliert, braucht Rückendeckung. In der Mandschurei kreuzen sich die japanischen und die russischen Interessen, und in China wird Japan immer der Gegenpart Washingtons bleiben. Italiens Politik wird beherrscht durch den Gegensatz zu Frankreich, der sich in gleicher Weise im Mittelmeer wie auf dem Balkan auswirkt, England ist der
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den im schweren Kampfe gewesenen Beamten aus und erwartet von: Reichsminister des Innern, daß er auch bei künftigen ähnlichen Ereignissen sich mit derselben Energie für staatliche Ordnung und Autorität einsehen möge. Gegenwärtig sei die Betreuung des Auslanddeutschtums und des Grenzlanddeutschtums an das Auswärtige Amt und an das Reichsministerium des Innern verteilt. Vielleicht sei es richtiger, wenn nur eine Stelle diese Aufgaben in der Hand hätte. Die Oppelner Vorgänge, wo törichte Chauvinisten polnische Künstler beleidigten, hätten den Rationalsozialisten jenseits der Grenze billige und fadenscheinige Dorwände gegeben, ihre häßlichen Gefühle an den Deutschen in Polen auszulassen.
Die Tumuttschäden.
Nachspiel der Maiunruhen.
Berlin, 7. Mai. (Priv.-Tel.) Die Berliner Maiunruhen werden aller Voraussicht nach in der nächsten Zeit nicht nur durch die ongekün- digten Untersuchungen des Polizeipräsidenten über die Art und Weise der Durchführung der
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Severingö Abrechnung mit den Kommunisten.
Der Reichsinnenminister fordert die Länder zum Verbot des Roten Jrontkämpferbundes auf
polizeilichen Maßnahmen ein Rachspiel haben, sondern sie werden auch eine Reihe von Cnt- s ch ä d i g u n g s l l a g en zur Folge haben, da durch den ungerichteten Schaden, der einerseits durch die Schießereien entstanden ist, zum anderen in dem Geschäftsausfall in den obgesperrten Gebieten besteht, eine große Anzahl von Personen den Klagcweg beschreiten wird. In erster Linie wird sich der zuständige Entschädigungsausschuß des Polizeipräsidiums mit diesen Ansprüchen zu beschäftigen haben und, soweit ein unverschuldeter Schaden vorliegt, den Ansprüchen auch nach einem bestimmt festgelegten Schlüssel entsprochen werden. Erst dann werden sich auch die ordentlichen Gerichte mit den Vorfällen zu beschäftigen haben. Soweit ein wirtschaftlicher Schaden vorliegt, wird das Reichswirtschaftsgericht, soweit ein persönlicher Schaden nachzuweisen ist, das Reichsversorgungsgericht in Funktion treten.
Kommunisten unter sich.
Verlin, 8. Mai. (Priv.-Tel.) Rachdem die Politik der Kommunisten zum l.Mai zum Verbot ihres Parteiblattes, der Roten Fahne, geführt hat und der Rotfront- tämpferbund aufgelöst wurde, ist es innerhalb der kommunistischen Führung und vor allem der kommunistischen Presse zu recht lebhaften und bitteren Auseinandersetzungen gekommen. So wird bekannt, daß in dem kommunistischen Salonblatt, der Welt am Abend, schon vor dem 1. Mai einige Redakteure die Parole einer skrupellosen Hehpolitik nicht mehr mitmachen wollten. Rach den Zusammenstößen und dem Verbot der Roten Fahne haben sich diese Differenzen verschärft, da die Funktionäre der kommunistischen Partei an Stelle der Roten Fahne nunmehr auf die Welt am Abend Einfluß zu nehmen versuchten. Die üblichen Hehmethoden sollten auch auf dieses Blatt übertragen werden, was zur Amtsniederlegung zweier Redakteure dieses Blattes führte. Interessant ist, daß dazu auch der Redakteur R a b o l d gehört, der an der alten „Freiheit" beschäftigt war und die Kommunisten auch im preußischen Landtag einmal vertreten hat. Daraus ergibt sich, daß augenscheinlich auch gewichtigere Persönlichkeiten nicht mit der wilden Hetze der offiziellen Parteiführung einverstanden sind. Auch in der Roten Fahne ist es zu einem Zwischenfall gekommen, denn der bisherige erste Lokalredakteur Fritz Köhler hat der Partei seine Austritts- erklärung mitgeteilt und diese mit der Taktik begründet, die unverantwortlicherweise Leben und Existenz der Arbeiter leichtsinnig aufs Spiel gesetzt habe.
Auch Hamburg und Sachsen erlassen ein Verbot.
Hamburg, 7. Mai. (WB.) In Durchführung des Verbotes des Roten Frontkämpferbundes, der Roten Iungfront und der Roten Marine durch den Hamburger Senat begannen heute früh die polizeilichen Haussuchungen in der gemeinschaftlichen Geschäftsstelle der drei Organisationen und in den Wohnungen der leitenden Persönlichkeiten. Die Polizeiaktion erstreckt sich auch auf die Orte Bergedorf, Geesthacht und Cuxhaven. — Wie von zuverlässiger Stelle verlautet, hat der sächsische Innenminister den Rotfrontkämpferbund mit seinen 'Jkbcnorganifationen für das Gebiet des Freistaates Sachsen verboten. Damit ist natürlich auch das Rotfront-Reichstreffen, das für die Pfingsttage in Leipzig vorgesehen war, hinfällig geworden. — Im anhaltischen Landtag machte auf eine kommunistische Anfrage Staatsminister Dr. Weber Mitteilung von der Aufforderung des Reichsinnenministers, den Roten Frontkämpferbund auch in Anhalt aufzulösen. Das Staatsministerium werde diesem Ersuchen nicht entsprechen, weil in Anhalt alles ruhig verlaufen fei. Der Staatsgerichtshof habe entschieden, daß besondere Gründe für die Auflösung in den betreffenden Ländern selbst vorliegen müßten. Das aber sei in Anhalt nicht der Fall. Die Regierung werde aber mit Aufmerksamkeit die Entwicklung der Dinge verfolgen.
zurückzuweisen.
Mag auch für absehbare Zeit die kriegerische Auseinandersetzung zwischen den beiden großen Rivalen zur See als unwahrscheinlich gelten die Spannung zwischen Enalandundden Vereinigten Staaten hat in den letzten Monaten und Jahren nicht nachgelassen. Beide Mächte rüsten sich, vorerst diplomatisch. Ist auch dos in erster Linie gegen Amerika gerichtete englisch-französische Flottenabkommen aufgegeben, die englisch-sranzösische Entente ist heute fester denn je; ihre Wiederbelebung bedeutet engste Zusammenarbeit mit Frankreich und seinen Verbündeten, in Europa nicht nur, nem, auch in den großen Fragen der Weltpounk. Dieses Zusammengehen seht gemeinsame Gegner voraus: Deutschland, das durch Versailles als aktiver Faktor der Weltpolitik ausgeschicden ist und vor allem darauf zu achten hat, daß die Gegensätze der anderen nicht auf seinem Rücken ausgetragen werden, die Vereinigten Staaten, Rußland Gegen Deutschland wirkt sich die englisch-französische Einheitsfront aus, in der Reparations- und in der ! Sicherheitsfrage, in Fragen der Rheinlandrau- mung, in der England ebenso den Rückzug vor Frankreich angetreten wie in der Frage der Ab- irtüftunq namentlich bei der Anrechnung der französischen Reserven. In Genf sieht sich Deutschland der englisch-französischen Einheitsfront gegenüber. Und in diese Einheitsfront, verstärkt durch die östlichen Vasallen Frankreichs, soll — ob es gc-
Die Dominions sind selbständiger geworden, sie wollen nicht mehr blindlings der von London inaugurierten Politik folgen, wollen Mitbestim- mungs- und Entscheidungsrecht, und man hat c8 ihnen auf der letzten Reichstonferenz nicht mehr zu weigern vermocht. Die britische Dor- niachtstellung zur See, die vor 1914 England durch Deutschland bedroht sah, ist seit der Washingtoner Konferenz, auf der man Amerika die Gleichberechtigung zur See zugcstehen muhte, endgültig dahin. QEbcr die englisch-amerikanische Flottenrivalität, die nichts anderes ist als ein Kampf um die Freiheit des Meeres, sie besteht bxitcr fort. Borah, der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses des amerikanischen Senats kennzeichnet ihren Sinn treffend, wenn er sagt: oenn wir mit England zu keiner Einigung über die Rechte der Reutralen im Seekrieg gelangen, hxnn wir also zum Schuh unseres Handels allein auf hie Stärke der Flotte angewiesen sind, dann werden wir unbedingt eine Flotte bauen, die der englischen überlegen und dadurch in der Lage ist, jede Einmischung in unfern Handelsverkehr
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Berlin, 7. Mai. (VDZ.) Der Haushaltsaus- schuß des Reichstages begann heute mit der Etatsberatung des Reichsministeriums des Innern. Als Berichterstatter führte Abg. D. Dr. Schreiber (Zentr.) aus: Der Haushalt weift gegenüber dem Vorjahre eine Gesamtersparnis von 2,4 Millionen auf. Dazu tritt durch die letzte Streichungsaktion eine weitere Ersparnis von 4 369 OOO Reichsmark, so daß insgesamt beim Reichsministerium des Innern 6 769 000 Reichsmark eingespart sind. Infolge der Drosselung der deutschen Einwanderung in den Vereinigten Staaten müßte die deutsche Einwanderung nach europäischen Ländern und nach Ueberfee endlich einmal planmäßig und zweckdienlich im Sinne einer kulturellen Erhaltung des Volkstums angehalten werden. Was den l.Mai betrifft, so rücken wir ab von allem Scharf- machertum, wir bedauern auch, daß eine Reihe Volksgenossen, darunter auch Frauen, erschossen sind. Andererseits treten wir nachdrücklich für die Aufrechterhaltung der Staat sautorität und der Ordnung ein.
Abg. Berndt (Dntl.) betont, daß der kommunistische Aufstand von der Polizei in altbewährter preußischer Pflichttreue niedergeschlagen wurde. Er fragt aber, ob die Opfer durch Vorsichtsmaßregeln sicht nicht hätten vermeiden lassen. Das Verbot der Notfrontkämpfer komme zu spät. Eine rücksichtslose Bestrafung ohne Rücksicht auf Abgeord- nefenimmunität müsse die Verbrecher treffen.
Abg. Maslowski (Komm.) folgert aus dem „hirnverbrannten Verbot" der Umzüge den Klassencharakter der sozialdemokratischen Maßnahmen gegen die Proletarier. Die Barrikaden seien nur errichtet worden, um die Panzerautos nicht in die Arbeiterviertel zu lassen. Die Kommunisten hätten am 1. Mai nur friedlich und unbewaffnet demonstrieren wollen. Die Mordkugeln stammten nur aus dem Arsenal der Polizei. Sie hätten wie Dum-Dum- Geschosse gewirkt. Die Blutschuld würden die Sozialdemokraten und der Innenminister nicht von sich abwaschen können. (Zurufe.)
Reichsinnenminister Severing:
In Flugblättern ift dazu aufgefordert, auf dem Aleranderplah und dem Potsdamer Platz für ein „Rotes" Deutschland und die Weltdiktatur des Proletariats zu demonstrieren. Ich bin erfreut darüber, daß die Waffen der preußischen Polizei so geschärft sind, daß sie sich auch als eine wirksame Waffe gegen den Bürgerkrieg erwiesen haben. (Anruhe und Zurufe bei den Kommunisten.) Wenn dann von dem „Arbeitermord der Trabanten Zörgiebels" gesprochen worden ist, so stehe ich nicht an, zu erklären, daß wir die Tätigkeit der Berliner Polizei hoch anerkennen. Darin ist natürlich nicht eine blinde Entschuldigung für etwaige Mißgriffe eingeschlossen. Aber ich gebe zu bedenken, die Kommunistische Partei hat schon lange vor dem 1. M a i Exerzitien der jüngeren Kommunisten angeordnet, schon acht Tage vorher mußten sic sich gegen die Polizei einsehen, und fast an jedem Abend haben verwundete Polizisten ihren Bericht einsenden müssen. And wenn der eine oder andere Beamte durch die ständige Alarmbereitschaft nervös geworden ist, so läßt sich das nicht ganz vermeiden. Die Schuld für etwaige Entgleisungen trifft die intellektuellen Arheber der Vorgänge, trifft die Kommunistische Partei. Es ist Aufgabe des Staates, die Kommunisten zu isolieren, und das wäre nicht gelungen, wenn man nicht in der bekannten Weise vor- gegangen wäre. Die Bevölkerung soll erkennen, daß die Polizei und die Staatsorgane zunächst jedes friedliche Mittel erschöpfen wollen, daß der Staat kein Blutbad anrichten will und daß, wenn es trotzdem geschieht, die Schuld auf das Konto des kommunistischen Vorgehens zu schreiben ist. Es ist von meiner Methode gesprochen worden. Meine Methode war es, den Anfug der Wehr- verbände zu verhindern. Ich habe meine Tätigkeit mit der Auflösung von sogenannten Arbeiterschuhwehren begonnen, und dann die Escherich- Organisationen aufgelöst. Ich gehe von der Aeber- zeugung aus, daß nur diejenigen Waffen tragen dürsten, die dazu von Amts wegen berufen seien, und daß jede Art Selbstschutz nur die Ansicherheit in Deutschland vermehre.
Nun wurde gesagt, daß Minister von Keudell durch das Rotfrontverbot glänzend gerechtfertigt sei.
lingt oder nicht, ist eine andere Frage — Italien eingespannt werden.
Auf der anderen Seite die augenfällige Annäherung der Vereinigten Staaten an Rußland und umgekehrt, der Versuch Amerikas, sich maßgebenden Einfluß auf dem russischen Markt zu sichern, trotz der Richtanerkennung der Sowjetunion. And diese Annäherung der Vereinigten Staaten an Rußland ist um so bedeutungsvoller, als die Spannung zwischen Großbritannien und Rußland anhält und bei dem zwangsläufigen Antagonismus zwischen den beiden Mächten auch sortbestehen muß. Englands und Rußlands Interessen sind und bleiben widerstreitend; die Gegensätze zwischen ihnen waren nur zeitweilig überbrückt durch den gemeinsamen Haß gegen Deutschland; sie sind nach dem Weltkriege wieder verstärkt in Erscheinung getreten. Der russische Bolschewismus ist ebenso imperialistisch wie einst der Zarismus. In Persien, in Afghanistan, an
Weltpolitische Spannungen.
Die durch den Weltkrieg bedingte Amgestal- fung der Weltlage hat ebensowenig zu einer Ausgleichung der Gegensätze zwischen den großen Mächten geführt, wie die Pariser Friedens- dittate Europa und der Welt den ersehnten Frieden und eine ruhige Entwicklung gebracht haben. Im Gegenteil zu den alten Reivungsslächen, wie sie vor dem Kriege bestanden haben, sind neue getreten. Die Gegensätze an allen Ecken und Enden der Welt haben sich verstärkt und ver- schärst. Die Figuren aus dem weltpolitischen Schachbrett haben vielsach gewechselt; aber die neuen Konstellationen, die sich ergeben haben, I weisen ebenso wie einst gefahrdrohende Span- iiungsmomente aus. Das Wort vom „Weltfrieden" hat einen schönen Klang, aber kaum ist die Welt weiter von diesem Zustande entfernt ge- ; wesen als heute zehn Jahre nach dem großen Völkermorden, trotz Völkerbund und Kelloggpakt.
Durch den Weltkrieg hat Europa seine bisherige Vormachtstellung verloren. Das Zentrum der Weltsinanz ist heule nicht mehr die Londoner City, sondern die CReul) örter Wallstreet; dos Washingtoner Kapitol hat die Downing Street verdrängt; die Vereinigten Staaten spie- t len auf dem Weltmarkt die ausschlaggebende Rolle. Die Völker Asiens und Afrikas । sind erwacht, sind selbst Faktoren im weltpoliti-
Ichen Spiel geworden, mit denen die europäischen Mächte zu rechnen haben, sind jedenfalls nicht j mehr lediglich Objekt europäischer Herrschgewalt.
Die gelbe und die schwarze Rasse erkennen heute ; die Aeberlegenheit der weihen Rasse nicht mehr an, nachdem sie ihre Selbstzerfleischung erlebt und zum Teil an ihr tätigen Anteil genommen . haben. Das von Wilson geprägte Wort vom Selbstbestimmungsrecht der Völker ist nicht beschränkt geblieben auf die Rationen Europas, sondern griff über auf die Völker Asiens und Asrikas, fand seinen Widerhall nicht nur an den Ufern der Donau und der Save, nein auch an den ; Gestaden des Riis und des Rigers, des Ganges und des Iangsekiang. Das Echo vom Selbst- ; bestimmungsrecht der Völker klingt zurück aus
China und aus Indien, aus Aegypten und Arabien.
Englands Saldo ans dem Weltkriege ist im wesentlichen passiv geblieben; wohl hat es Me wertvollsten deutschen Kolonien eingestrichen unb Mesopotamien gewonnen, aber die Aeber- macht der Vereinigten Staaten, die amerikanische Wirtschaftsüberlegenheit und die Flottenrivali- l»t lasten schwer auf dem englischen Prestige, und das Gefüge des britischen Empire hat sich bedenklich gelockert; die Stellung der Dominions <um Mutterland hat eine für London unerwünschte Aenderung erfahren im Sinne einer Auflockerung der inneren Festigkeit des britischen Imperiums. Die „Schatten des babylonischen Turmes" über dem britischen Weltreiche, von denen schon vor dem Kriege Kjellen sprach, sind in der Rachkriegszeit immer dunkeler geworden.
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Dr. Friedr. Wilh. Lange.
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