Vor der Entscheidung in Sachsen.
Am Sonntag wählt Sachsen seinen neuen Landtag. Die Neuwahl ist notwendig geworden, weil das sächsische Wahlgesetz durch die Entscheidung des Staatsgerichtshofes für ungültig erklärt worden ist. Für Sachsen steht die Entscheidung insofern auf des Messers Schneide, als im vergangenen Landtag die kleine Gruppe der Altsozialisten in Stärke von vier Abgeordneten das Zünglein an der Waage zwischen den bürgerlichen und den marxistischen Parteien bildete. Die sächsischen Altsozialisten sind bekanntlich das Ueberbleibsel jener Parteispaltung, die sich in der sächsischen Sozialdemokratie vor einigen Jahren vollzogen hat, weil ein Teil der sächsischen Sozialdemokraten den besonders radikalen Kurs der dortigen Parteimehrheit nicht mitmachte. Im vorigen Sächsischen Landtag war es die Gruppe der 23, die sich von den Radikalen trennte, und nach wie vor die Politik der Großen Koalition betrieb. In dem jetzt aufgelösten Landtag kehrten sie als Altsozialistische Partei in Stärke von vier Mann wieder. Da sie aber die Entscheidung nach rechts oder links geben konnten, wurden sie parlamentarisch sehr mächtig, so daß es dieser kleinen Gruppe gelang, in der Regierung mit dem Ministerpräsidenten und dem Arbcitsminister vertreten zu sein. Im übrigen mußte sich die sächsische Regierung auf sämtliche bürgerlichen Parteien bis zu den Deutschnationalen, stützen, wenngleich auch diese nicht direkt in die Regierung ausgenommen wurden. Die Haltung der Nationalsozialisten blieb wie immer zweifelhaft.
Die offizielle sächsische Sozialdemokratie will bei den jetzigen Wahlen den Versuch machen, die bisherige bürgerlich-altsozialistische Mehrheit zu brechen. Die Folgen eines solchen Wahlergebnisses wären allerdings verheerend. Bei dem Radikalismus dieser immer noch in den Traditionen von Zeigner lebenden Gruppe wäre die Bildung einer Koalitionsregierung ausgeschlossen. Es würde sich also die Wiederholung des Schauspieles ergeben, das im Jahre 1923 zur Einrichtung der sogenannten Arbeiterwehren und schließlich zum Einmarsch der Reichswehr führte. Die sächsischen Kommunisten, die ihre Wahlaussichten in letzter Stunde noch durch die Verlegung des in Hamburg verbotenen Reichstreffens der Roten Frontkämpfer nach Leipzig verbessern wollten, würden natürlich diese willkommene Gelegenheit benutzen, um die sächsische Politik weiter nach links zu ziehen.
Das sächsische Bürgertum ist sich dieser Gefahren durchaus bewußt und hat deshalb den Versuch unternommen, eine Art Dur gfrie- d e n für die Landtagswahlen herzustellen. Von dem Ergebnis dieses Wahlganges am 12. Mai hängt für die Gesamtentwicklung der deutschen Innenpolitik viel ab. Wenn man auch nicht aus der Wahl in einem deutschen Lande unbedingt Schlüsse auf die politische Gesamt st immun g ziehen kann, so ergeben sich doch Anhaltspunkte, die um so wertvoller sind, als in Deutschland bei dem herrschenden Listenwahlsystem die Korrektur der Hauptwahlen durch die Rachwahlen fehlt. Der Kampf, den die staatsbürgerlichen Kreise Sachsens jetzt führen, ist also eine Angelegenheit, an der das gesamte staatsbürgerlich denkende Deutschland ein starkes Interesse zu nehmen hat.
Was wird aus dem landwirtschaftlichen Notprogramm?
Berlin, 8. Mai. (Priv.-Tel.) Seit sechs Wochen liegt den Regierungsstellen das bekannte Rotprogramm der Landwirtschaftlichen Spihenorgani-sationen vor, jene gemeinschaftliche Aktion der gesamten Landwirtschaft, die dadurch zustande gekommen ist, daß sich der Reichslandbund und die Bauernvereine unter Zurückstellung aller sonstigen Mei- nungsverschiedercheiten zu einem gemeinsamen Entschluß aufgerafft haben, weil die Rotlage der Landwirtschaft eine solche Handlung gebieterisch forderte. Die Reichsregierung hat damals eine schleunige Prüfung dieses Rotprogramms in Aussicht gestellt. Seither aber ist es völlig still geworden. Es soll nicht geleugnet werden, daß der derzeitige Reichsernährungsminister Dietrich im Rahmen des Haushalts sein Möglichstes für die Linderung der Rotlage der Landwirtschaft tut. aber auf die aktuellen Forderungen der landwirtschaftlichen Spihenver- bände ist bisher eine Antwort nicht erfolgt. Anter diesen Umständen hat die „Deutsche Tageszeitung", das Berliner agrarische Organ, die Angelegenheit nochmals aufgegriffen und in Ausführungen, hinter denen man wohl mit Recht die Führer der landwirtschaftlichen Spitzender- bände vermuten darf, die Regierungsstellen aufgefordert, endlich sich zu diesem Rotprogramm zu äußern, zumal die Zeit drängt, und die .Führer der landwirtschaftlichen Verbände alle Mühe haben, bei dem zunehmenden Radikalismus der Bauern Anbeionnenheiten zu verhindern. Leider haben die politischen Parteien mit wenigen Ausnahmen bisher eine klare Stellungnahme zu diesem Programm gleichfalls vermissen lassen.
DieMittelftädtezurzinanzlags Der Ncichsstädtcbund fordert beschleunigt den neuen Finanzausgleich.
. Berlin. 7. Mai. (WTB.) Der Vorstand des Reichsstädtebundes, der Spitzenorganisation der Klein- und Mittelstädte, tagte in Berlin, um zu den aktuellen kommunalpolitischen Fragen Stellung zu nehmen. Zur Finanzlage avurde folgende Entschließung angenommen: „Die im Reichsstädtebund zusammengeschlossenen mittleren und kleinen Städte sind seit Jahren bemüht, ihre Ausgaben auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken. Die Minderung der gemeindlichen Einnahmen durch Reich und Länder für 1929 — trotz Steigerung der gemeindlichen Zwangsausgaben — macht aber vielen, insbesondere kleineren Städten, die Erfüllung ihrer Pflichtaufgaben teilweise unmöglich oder führt mit Rotwendigkeit eine Zunahme der gemeindlichen D e -- fizitetats herbei. Da eine Beseitigung dieses unhaltbaren Zustandes im dringenden öffentlichen Interesse liegt, erneuert der Reichsstädtcbund seine wiederholten aber von der Regierung und den Parlamenten bisher nicht berücksichtigten Forderungen: ausreichende Rücksichtnahme auf die mißliche Finanzlage der mittleren und kleinen Gemeinden bei der Steuergesetzgebung und beschleunigte Verwirklichung eines neuen, gerechten Finanzausgleiches und eines sofortigen Ausgleiches der Polizei- und gesamten Schullasten."
Neue Schwierigkeiten in Paris.
Keine Einigung über dieBerteilung derReparationszahlungen.
Paris, 8. Mai. (WTD. Funkspruch.) Owen D. Poung hat den Delegationen der reparationsberechtigten Länder einen neuen Verteilungsschlüssel vorgeschlagen, um Frankreichs Wunsch, aus den vorgesehenen Zahlungen so viel zu erlangen, baß es für seine Reparationsausgaben eine Vergütung von etwa 50 Milliarden Papiersranks erhält, erfüllen zu können. Rach dem „Petit Parisien" würde für Großbritannien so gut wie gar nichts an eigentlichen Reparationsbeträgen übrigbleiben. Sir Josiah Stamp protestiere und bemühe sich, Verbesserungen an den Zahlen durchzusetzen. Rach dem „Matin" war die Enttäuschung bei der englischen Delegation so groß, daß Owen D. Voung in den Wandelgängen des Hotels „Georg V?‘ habe ankündigen lassen, daß er vorläufig die offizielle Aebermittelung der in Aussicht gestellten Derteilungsvorschläge ausschiebe. Wenn, so erklärt das Blatt, der französische Delegierte Moreau eine klare Fassung der deutschen Vorbehalte haben wolle, so geschehe das nicht, um die Lage zu verwirren, sondern im Gegenteil, um sie zu klären und um dadurch die schlimmsten Mißverständnisse zu vermeiden. „Echo de Paris" schreibt: Sir Josiah Stamp, der sich dafür einsetzte, Dr. Schacht entgegenkommender zu stimmen und die deutschen Vorbehalte zu mildem, drohe damit, den Bericht nicht zu unterzeichnen, sondern die Entscheidung seiner Regierung zu überlassen. Ohne Zweifel fei es absurd, daß das englische Schatzamt so ausgeplündert werde, aber weshalb habe es am 19. April Dr. Schacht nicht auf den Dawesplan zurückverweisen wollen? Weshalb habe es sich ihm gegenüber so gefällig gezeigt? Weshalb habe es sich nicht Moreau an- geschlossen, um dem Schuldner eine Lektion zu erteilen? Weshalb sollten andere unter der Schwäche des englischen Schatzamtes leiden? Das Blatt erklärt übrigens, daß der Bericht des Sachverständigenkomitees selbst gestern in der Druckerei zur Drucklegung abgeliefert worden sei. Er enthalte nur noch eine Lücke, nämlich f ü r d i e Ziffern, die Deutschland zu zahlen bereit sei. Man werde bald darüber Bescheid wissen, ob dies eine vorläufige oder eine endgültige Lücke sein werde.
Verstimmung in England.
London, 8. Mai. (MTB. Funkspruch.) Die Pariser Meldungen über die Einzelheiten des Planes Owen D. Poungs haben hier allgemeine Ueberraschung hervorgerufen und werden heftig kritisiert. Reuter meldet aus Paris über den „Pariser Theatercoup", der die ganze Lage in den letzten 24 Stunden völlig verändert habe, u. a.: Nachdem Owen D. Poung seine Denkschrift mit den Befragen, die jedes Land erhalten sollte, in Umlauf gesetzt hatte, entdeckten die britischen Delegierten zu ihrem Erstaunen, daß ihr Anteil eine unannehmbare Verminderung erfahren hatte. Sir Josiah Stamp begab sich sofort zu Owen D. Houng und fragte ihn, ob die Herabsetzung des britischen Anteiles absichtlich vorgenommen sei. Zoung bejahte dies. Sir Josiah Stamp teilte daraufhin Poung mit, daß eine solche Verminderung von den Engländern nicht angenommen werden würde. Der Reuterbericht erwähnt ferner, daß anscheinend keine Rede von unannehmbaren deutschen Vorbehalten sei. Aber die Hauptschwierigkeil liege jetzt darin, daß der Bericht, wenn er die Frage der Verteilung nicht erwähne, für die Engländer, aber wahrscheinlich nicht für die Franzosen und die Belgier annehmbar sei. Wenn er aber die Verteilung erwähne, dann werde vermutlich das umgekehrte der Fall sein. Indessen, schließt die Reutermeldung in hoffnungsvollem Tone: Es ist denkbar, daß der neue Verteilungsvorschlag dem Bericht in einem Anhänge beigegeben werden wird. In diesem Falle könnte der Bericht selber einstimmig unterzeichnet werden und der Anhang würde, mit den britischen Vorbehalten versehen, bann zwischen den alliierten Regierungen zu erörtern sein. In dieser Beziehung scheint kein Grund zum Pessimismus zu bestehen. Man darf erwarten, daß die alliierten Staatsmänner zu einer freundschaftlichen Vereinbarung gelangen werden.
Das Attentat aus Woldemaras.
Man Hai Verdacht aus Wilna-polen.
6 o w n o , 7. Mai. (TA.) Gesandtschaftsrat S a y u r, der in Vertretung des zur Zeit in Berlin weilenden deutschen Gesandten M o r a h die Geschäfte der deutschen Gesandtschaft in fiorono führt, hat sich noch in der Nacht zum Ministerprä- sidenten Woldemaras begeben, der sich im Städtischen Krankenhaus bei seinem schwer verwundeten Neffen befand und ihm die Teilnahme der deutschen Regierung ausgesprochen. Woldemaras hat, wie verlautet, die Vermutung ausgesprochen, daß bei dem Attentat Litauer wie auch W i Inacr Terroristen die Hand im Spiele hätten. Da mit der Möglichkeit gerechnet wird, daß die Attentäter über die deutsche Grenze zu entkommen suchen, ist noch in der Nacht die deutsche Grenzpolizei verständigt worden, die alle Vorkehrungen zur scharfen U e b erwach u n g der Grenze getroffen hat.
Bei dem Attentat ist auch die Tochter des Universitätsprofessors I o d a k y s durch einen Beinschuß leicht verletzt worden. Wie Augenzeugen berichten, handelt es sich um drei Attentäter, die sich in einem wenig beleuchteten Teil des Parkes hinter Bäumen versteckt hatten, von dort aus gaben sie die Schüsse ab. Zwei aufgefundene Handgranaten sind zwar geworfen worden, sind aber nicht explodiert. In der Stadt Kowno waren heute Gerüchte verbreitet, daß auch Woldemaras durch einen Schuß verletzt sei. Das ist wohl daraus zurückzuführen, daß Woldemaras die ganze Nacht über bei seinem verwundeten Neffen im Städtischen Krankenhaus weilte. Wie zuverlässig verlautet, ist Woldemaras völlig unverletzt geblieben. Er hat sich Henle vormittag bereits in das Außenministerium begeben. Die litauische Polizei hat bisher 16 Personen f e ff genommen, jedoch weigert sich die Polizeibehörde, irgendwelche Angaben über den verlaus des Attentates und den Erfolg der bisherigen Ermittlungen zu machen.
Wie verlaufet, find die Schüsse auf Woldemaras nicht von einer, sondern von zwei oder drei Personen abgegeben worden. Die Täler sind im Gedränge des Theaferplahes entkommen. Man nimmt an, daß es sich um Anhänger des Führers der litauischenEmigranten im wifna-
Gebiet Plefschkaitis gehandelt hat, zumal der schwerverwundete Hauptmann verbickas, bevor er das Bewußtsein verlor, ausgerufen haben soll: „Sie haben polnisch gesprochen." — Der Neffe von Woldemaras hat drei Bauchschüffe und einen Brustschutz erhallen. Er ist noch in der Rocht operiert worden und wird wahrscheinlich gerettet werden können. Frau Woldemaras Hof zwei Schüsse durch den Mantel erhalten, ist aber unverletzt geblieben. Es wurden Haussuchungen abgehalten und heute früh wurden die aus den Vororten nach der Stadt kommenden Personen auf ihre Paffe kontrolliert. Nach einer Lesart sind die Täter nach dem Anschlag in einem hinter dem Theater wartenden Automobil davongefahren. Woldemaras und seine Gattin gingen ihren Begleitern etwas voraus und so wurden nur ihre Begleiter verletzt, da die Schüsse von rückwärts fielen. In Kowno herrscht Ruhe. Der litauische Innenminister hat fiir die Ergreifung der Personen, die an dem Attentat auf den Ministerpräsidenten beteiligt waren, eine Belohnung in höhe von 50 000 Lit (rund 20 000 Goldmark) ausgesetzt.
Wie verlaufet, verfolgt die Polizei jetzt eine bestimmte Spur. Es wird vermutet, daß z w e i Automobile, die zur Zeit des Attentats mit laufendem Motor in einer wenig belebten, in der Nähe des Tatortes gelegenen Straße standen, den Täfern zu ihrer Flucht verhvlfen haben. Irgendwelche besonderen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit sind, wie aus amtlicher Quelle verlautet, einstweilen nicht geplant. Allgemein wurde erwartet, daß nach dem Attentat der bestehende Kriegszustand noch verschärft werde. Die litauische Presse nimmt eingehend zu dem Affenfaf Stellung. „Liefuvos Aidas" betont, daß es zweifelsfrei festsiehe, daß die Anstifter des Attentats nur unter den Pletschkaifis-Anhängern zu suchen seien. Die Opposition im eigenen Lande, ob von Rechts oder von Links, käme unter keinen Umständen in Frage. Die „Litauische Rundschau" knüpft an das Attentat die Bemerkung, daß sich hinter dem verabscheuungswürdigen Attentat ein dunkler Schatten erhebe, ans dem die Täfer sich lösten und in dessen Schuh sie wieder verschwänden.
Das Harnackhaus der Kaiser-Wilhelm-GeseNschaft.
Ein Berliner Heim für ausländische Gelehrte und Forscher.
Berlin, 7. Mai. (WTB.) Das von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in der Jhnestratze in Dahlem errichtete Harnack-Haus, das fremden Gästen und Gelehrten aus aller Herren Länder. die zu S t u d i e^i z w e ck e n in Deutschland weilen, Mnterhmft gewähren und gleichzeitig wissenschaftlichen Sitzungen großen Stiles dienen soll, wurde heute vormittag feierlich eingeweiht. An dem Festakt nahm eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten teil. Die Reichs- und Staatsbehörden waren durch ihre leitenden Persönlichkeiten vertreten, ferner die amerikanische, die italienische und die Botschaft der Sowjetunion, die Gesandtschaften Oesterreichs. Bulgariens. Dänemarks, Estlands, Lettlands und Mexikos und der Vertreter der Freien Stadt Danzig. Weiter war eine stattliche Anzahl von namhaften Gelehrteu des In- und Auslandes anwesend. Rach Begrüßungsworten des ersten Vorsitzenden der Gesellschaft, Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, der die Der- oienste Harnacks gewürdigt und dem greifen
Gelehrten die Schlüssel des Hauses überreicht hatte, führte
Reichsaußenminister Dr. Strefemann
u. a. aus:
3ch habe herzlich und freudig zugestimmt, als ich vor zwei Jahren die Ehre hatte, über die Errichtung des nach Ihnen benannten Hauses zu sprechen. Ist es nicht ein Zeichen und Symbol einer Selbstbesinnung des deutschen Volkes, daß niemals für die deutsche Kulturpolitik im Auslande und für alle die Bestrebungen, denen sie sich hier hingeben, mehr Interesse gewesen ist, als in den Zeiten der letzten Jahre? Wir sind in einem Rotjahr, und in diesem hat jeder Opfer zu bringen. Aber ich glaube mich nicht zu täuschen, daß gerade eine solche Zeit notwendig ist, um Energien zu schaffen, eher werden aus einer solchen Zeit Energien entstehen als aus matter Safuriertheit. Wenn auch Sie vor diesen Schwierigkeiten stehen, fürchten Sie sich nicht vor ihnen, schließlich ist es der Ausdruck des ganzen Levens, in der Lage zu sein, sich trotz aller Hemmnisse durchzusehen.
Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, Dr. Shurman, führte u. a. aus: Der von Ruhm erhellte Name Harnacks sei seit Jahrzehnten in der ganzen Welt bekannt und bewundert und erfreue sich besonders in Amerika eines guten Klanges. Er überbringe die Glückwünsche seines
Volkes und des Auslandes, soweit er es vertreten könne. Dem greifen Gelehrten möge noch lange vergönnt fein, für den Fortschritt der Menschheit und der Wissenschaft zu wirken. Die Kaiser-Wilhelm-Ge- sellschaft habe ihn nicht besser ehren können, als daß sie dem Hause den Namen ihres berühmten Präsidenten gebe. Das Haus möge ein Mittel zur internationalen Verständigung und des Wohlwollens unter den Völkern werden. Er sprach der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft seinen Dank für die großmütige Gastfreundschaft aus, die sie in dem Harnackhause den ausländischen Gelehrten gewähre. — Namens der Universität und der übrigen deutschen Hochschulen überbrachte der Rektor der Universität, Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. H i s, beste Grüße und Glückwünsche. Nachdem noch Geheimrat Haber dem Hause freundliche Worte gewidmet hatte, sprach der Präsident der Gesellschaft, Exz. Wirkl. Geheimrat Prof. D. Dr. v. Harnack, allen seinen tiefgefühlten Dank aus. Er teilte mit, daß Reichsminister Köhler und die Staatssekretäre P o p i tz und Z w e i g e r t zu Ehrenmitgliedern der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ernannt worden seien.
Oer Abbau
im innerdeutschen Luftverkehr.
Berlin, 8. Mai. (Priv.-Tel.) Bei der Deutschen Lufthansa haben Besprechungen mit den Vertretern der regionalen Gesellschaften stattgefunden. Es ergab sich die Rotwendigkeit, die meisten der bisherigen innerdeutschen Strecken für 1929 auch ohne Re ichs- beteiligung noch aufrecht zu erhalten, weil bereits vor der Etatskürzung enhpre- chende Verpflichtungen mit Städten und Kommunalverbänden eingegangen waren. Die Lufthansa hofft, trotz stark heruntergesetzter Subventionsfähe, für das laufende Jahr durchhalten zu können. ES wurde aber festgelegt, daß bereits in den nächsten Wochen Beratungen stattfinden, die für 1 930 den Ab - bauoerDerbindungslinien zwischen deutschen Mittelstädten vorbereiten.
Oer Lohnkonflikt bei der Reichsbahn.
Berlin, 7. Mai. (WTB.) Die am Tarifverträge beteiligten Eisenbahnerorganisationen, nämlich der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands, die Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner und der Allgemeine Eisenbahnerverband, sind in Berlin zusammengetreten, um die Frage zu erörtern, welche weiteren taktischen Maßnahmen die Gewerkschaften zur Durchsetzung ihrer von der Reichsbahn aus finanziellen Gründen abgelehnten Lohnforderungen ergreifen werden. Im Vordergrund standen die Fragen, ob sofort der Streik ausgerufen oder der Anregung der Regierung, den Schlichter anzurufen. Rechnung getragen werden solle. Die drei Gewerkschaften beschlossen, wegen der großen Bedeutung und Tragweite eines solchen Beschlusses vor der endgültigen Entscheidung noch einmal eine Aussprache mit den anderen interessierten Gewerkschaften der Reichs-, Post-, Staats- und Wasserbauarbeiter herbeizuführen.
Auflösung -es mecklenburgischen Landtags.
Schwerin, 7. Mai. (WB.) In der heutigen Vollsitzung des mecklenburgischen Landtages stimmten bei der Abstimmung über den deutsch- nationalen Auflösungsantrag sämtliche Abgeordnete für die Auflösung des mecklenburgischen Landtages. Der Redner der Sozialdemokraten betonte, daß er das in Aussicht stehende Urteil des Staatsgerichtshofes in Leipzig für ein Fehlurteil halte. Da es sich aber um ein Urteil des Staatsgerichtshofes handele, stimme seine Fraktion angesichts der politischen Situation ebenfalls für die Auflösung. Der Redner ging dann noch auf die Berliner Kommunistentumulte ein, wobei es zu lärmenden Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten kam.
Aus aller Welt.
Der Kreuzer „Emden" in Soerabaya.
Zu Ehren der 250köpfigen Mannschaft des deutschen Kreuzers „Emden" fand am Montag im Klubhaus des deutschen Vereins ein großer Festabend statt, auf dem der Gouverneur von Ostjava, der Bürgermeister von Soerabaya und der Marinekommandant anwesend waren. Während des Festabends, der in angenehmer Stimmung verlief, ergriff u. a. auch der deutsche Konsul das Wort. Der Kommandant des Kreuzers „Emden" überbrachte dem Marinekommandanten besondere Grütze des Reichspräsidenten von Hindenburg.
kardinal Ehrle
Bibliothekar und Archivar der römischen Kirche.
Der Papst ernannte den Kardinal Franz Ehrte als Nachfolger des vor einiger Zeit verstorbenen .Kardinals 6 a 9 q u c t zum Bibliothekar und Archivar der römischen Kirche.
Rätselhafte
Todesfälle in einem Pariser Hospital.
In der Kinderabteilung eines Krankenhauses sind nach dem Genuß von kondensierter Milch vier Kinder unter schweren Vergiftungserscheinungen gestorben, zwei weitere befinden sich in Lebensgefahr. Angesichts der Erregung, die sich der Bevölkerung wegen dieses Vorfalles bemächtigt hat, ist eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet.
Eine sechskäpsige Familie vom Schnellzug gelötet
Aks das Auto einer sechsköpfigen Familie in Stur g i s (Michigan) den Bahnübergang passierte, wurde das Fahrzeug von einem Schnellzuge erfaßt. Die ganze Familie wurde getötet.
Neun Mädchen bei einer kahnpartte ertrunken.
In dem Städtchen Chaltsch im russischen Gouvernementsbezirk Gomel sank bei einer Kahnpartie ein mit neun jungen Mädchen besetztes Boot. Ein zweites Boot, das zur Hilfeleistung herbeieilte und die Mädchen aufnahm, kenterte. Alle neun Mädchen ertranken.
Bootsunglück in Kalkutta.
Ein Boot, in dem 23 heimkehrende Jutespin- nereiarbeitev sich befanden, kenterte auf dem Hooghly. 14 Arbeiter ertranken, die neun anderen konnten in erschöpftem Zustande das Ufer erreichen.
Gerichtliche Sühne für den vierfachen Polizistenmord.
Der am 13. Januar 1929 in der Ortschaft Grootegast bei Groningen an vier Polizeibeamten


