Ausgabe 
8.3.1929
 
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Die neue Reparationsorganisation

^s-hnlich schreibt die »Dors enzeitung" (Sol): Wan kann nicht behaupten, dah die Zu­sammensetzung deS Dreierkomitees in unS die Hoffnung auf wirkliche Behandlung der Lage der nationalen Minderheiten nähren Sonnte. DieDeutsche Tageszeitung" (Reichs- landbundj sagt: Der erste Eindruck war tiefe Enttäuschung, ter zweite Empörung über die bewiesene Gleichgültigkeit des hohen Dates der Gesellschaft der Nationen gegenüber diesem Hauptproblem des Völkerbundes und des Frie­dens zwischen den Völkern.

Jubel in Warschau.

Die interalliierte Einheitsfront gegen die Minderheiten.

Warschau. 7. März. (Telun.) Der Genfer Berichterstatter des .Expreß Proanny" berich- tet. die Attacke Dr. Etresemanns sei vorder geschlossenen Front Frankreichs. Englands. Polens und Rumäniens vollwmmen zusammengebrochen. 3n die Waffe seiner Beredsamkeit eingehüllt, habe er die unsinnige Forderung gestellt, dah in Zukunft auch die be.angloseste Minderheitenirage vor die Weltöffentlichkeit gezerrt weroe. Die halbamt­licheEpoca' schreibt, die Rede Stresemanns habe einen demagogisch-propagandistischen Cha­rakter getragen um) sei auf den inneren Effekt be­rechnet gewesen. Es habe sich jedoch gezeigt, daß die geschlossene Front Frankreichs und Eng­lands für den Frieden und die Aufrechterhaltung der Ordnung in Europa eine Mauer sei, an der alle staatsfeindlichen Bemühun­gen der Minderheiten zerschellen mühten. Die Rede Driands habe eine er­folgreiche älnterstützung des pol-ni- schen Standpunktes dargestellt. Um er der Lieberschrift£er Sieg der polnischen These" schreibt das Pilsudski-BlattGros Prawdy", der deutsche Deichsautzenminisier sei in seiner Rede sichtlich auf den Paragraphen 19 lo gesteuert, um die Frage der Grenzrevision zu berühren. 3n den Ausführungen Chamber.ains verdiene der Satz besondere Beachtung, dah die Minderheiten mit reinen Händen zum Völkerbund kommen müßten, was zweifellos eine Anspielung auf Lllitz sei. .Kurzer Warszawski" erklärt, StrefemannZ Auftreten habe sich wesentlich von dem in Lugano unterschieden. Der deutsche Außenminister habe seinen Gang nach Ca­nossa angetreten. Er sei bestrebt gewesen, den Lugano-Faustfchlag vergessen zu machen, niemand anzugreifen und sich möglichst gut aus der Af­färe zu ziehen. Die Rede Chamberlains sei ein politisches Begräbnis für Strese- mann gewesen.

Ein neuer Geheimverirag?

Eine polnisch-rumänische Verschwörung gegen Rußland und Litauen.

fio rono, 8. März, (prim- Tel.) Die offiziöse Lownoer ZeitungCietuoos Aidas" wartet mit Enthüllungen über einen Geheim­vertrag aus. wie das Blatt mitteilt, soll es sich hierbei um einen Gcheimpakt handeln, der am 1. Oktober 1928 zwischen polen und Rumänien a l s Ergänzung des bereits 1926 abge­schlossenen Vertrages zustande kam. Der Geheimvertrag richte sich gegen Rußland und Li­tauen. Bei einer Ge'ahr sollen die vereinig­ten polnifch-rumänifchenSlreitkräfte sofort eine breite und schnelle Offen­sive gegen Rußland ergreifen. 3n dem Vertrage werde weiter darauf hingewiesen, dah in einem Kriege zwischen Polen und Rußland L i - tauen nicht neutral bleiben könne. Falls Litauen den Kampf aufnehme, habe palen Ru­mäniens Zustimmung, Litauen entweder ganz ober teilweise zu okkupieren. Weiler enthalte der Vertrag technische und strate­gische Einzelheiten. Dieser Geheimpakt, so teilt die Zeitung mit, fei während pi 1 sudskis Anwe­senheit in Rumänien unterzeichnet worden. Das Blatt will den Vertrag, über den es aus zuverlässiger Quelle orientiert sein will, noch im ganzen veröffentlichen.

Die Affäre Frank.

Ter Anteil des belgischen Geheimdienstes.

Brüssel. 7. März. (WTD.) Ministerpräsi­dent 3 a s p a r gab in der Kammer eine Er­klärung über den toe teren Verlauf der Ange­legenheit der UtrechterVeröffentlichun- ?i e n ab. Der Ceneralstaatsanwalt habe die Ein- ettung einer Untersuchung angeordnet, die zur Verhaftung Franks führte, und im Laufe der Vernehmung Franks sei erwiesen worden, dah Frank von einem ausländischen Spionagedienst, mit dem er in Verbindung stand, die Weisung erhalten habe, sich ein ge­wisses Dokument zu beschaffen. Frank habe sich mit Agenten des belgischen Geheim­dienstes in Verbindung gesetzt und daS angebliche Dokument fabriziert, das dann durch den Redakteur derSchelde", Ward Herremans, der holländischen Zei­tung übermittelt worden sei. Den Agenten sei das Dokument bekannt gewesen, dagegen nicht dem Chef des Geheimdienstes. Auf ge­richtlichem Wege ist festgestellt worden, daß es sich um eine grobe Fälschung handelt. Sie macht endlich allen Schauermärchen ein Ende, die immer wieder kolportiert worden sind. Eben­so ist festgestellt worden, daß die Fälschungen von Frank allein hergestellt worden sind. Alles hat sich ohneWisiendesChefs des belgischen General st abs abgespielt, und man kann fest stellen, daß die Regierung mit allem, was mit der Fälschung zusammen­hängt, nicht in der geringsten Bezie­hung stand.

Kein einziger belgischer Minister hat vor Ver­öffentlichung der falschen Rachrichten irgendetwas von ihrer Existenz gewußt. Schließlich hat das 3uftizverfahren klargestellt, daß Agenten des belgischen Geheimdienstes um die Existenz der falschen Dokumente gewußt haben und zuließen, dah sie in Umlauf gebracht wur­den. Dies ist ein schwerer Verstoß. Die Unter­suchung, die im Einvernehmen mit dem Chef des Generalstabs vorgenommen worden ist, hat be­reits zu dem Beschluh geführt, den Chef des DachrichtendiensteS seiner Funktionen zu entheben. Gegen andere Agenten, die Ber- stöße begangen haben, werden Strafmahnahmen verhängt werden.

Essen, 8. Mär;. (ptio.-Icl.) DieDeutsche Bergwerk,zeltung" veröffentlicht bemer- kcnswerte Einzelheiten über den Im Reparalions- sachverständigenausfchuh vorgeschlagenen Zentral­organismus für die künftige Durchführung der Re­parationen. Danach soll der Vorschlag gemacht wor­den sein, als ober st e Leitung dieser Zentral- instanz, die etwa den Charakter eines internatio­nalen Clearing hauses tragen soll, einen Aus­schuß aus neun Mitgliedern zu bilden. In diesem Ausschuß sollen die Gläubiger- Nationen vier Sitze und Deutschland zwei Sitze erhalten. Zwei weitere Sitze sot­ten von Mitgliedern der Internationalen Handelskammer eingenommen werden, wäh­rend die Vereinigtenstaaten das neunte Mitglied stellen, dem für einen gewissen Zeitraum das Präsidium überfragen werden soll. Dieser teilende Ausschuß würde eine Art Repara- tiousaufslchtsrat darstellen. Von deutscher Seile soll noch angeregt worden fein, dah von Deutschland, Frankreich, England, Italien und Bel-

Ser Abgeordnete Merlot erhob hier in einem Zwischenruf die Forderung, dah der gesamte mili­tärische Geheimdienst verschwinden müsse, woran der Olbgcotöncte Meysmans seinerseits die Forderung knüpfte, dah das gleiche auch von feiten Deutschlands geschehe, denn Belgien sei, wie er behauptete, voll von deutschen Spionen. Ministerpräsident 3aspar, der darauf in feinen Ausführungen fortsuhr, erklärte u. a.: Belgien muß feine Verteidigung sicher st eilen: aber diejenigen, die in seinen Diensten stehen, müssen sich davor hüten, sich in Machenschaften einzulassen, die die At­mosphäre Europas vergiften können. Cs ist klargestellt, daß das Dokument eine Fäl­schung ist, dah Belgien niemals Angriffspläne gegen Holland gehegt hat, und daß Bel­gien Klärung zu schaffen weiß, wo einmal ein Der st oh begangen worden ist. Wir verfolgen eine Politik des friedlichen Ausgleichs und der Freundschaft gegenüber Holland, und was unsere Politik kennzeichnet, ist die Loyalität.

England bereitet die Annexion Ostafrikas vor.

Ein Londoner Kabinettsbeschlutz.

Berlin, 8. März. (Priv.-Tel.) 3n den letz­ten Wochen ist wiederhol davon gesprochen wor­den, daß die englische Regierung die A n n e x i o n O st a f r i k a s vorbereite und dah vielleicht schon in absehbarer Zeit Beschlüsse von weittragender Bedeutung zu erwarten seien. Richtig ist, daß Grohbritanmen durch eine Spezialkommis­sion die Verhältnisse im ehemaligen Deutsch- Ostafrika hat untersuchen lassen, und daß von dieser Kommission Vorschläge ausgearbeitet worden sind, in denen in unverhüllter Form für eine Eingliederung unseres Kolonialbesitzes in das Britische Kolonialreich eingetreten wird. Obwohl die gesamte deutsche Oeffentlichfeit ge­gen derartige Annexionsbestrebungen energisch Front gemacht hat, haben sich die Engländer nicht aus der Ruhe bringen lassen: es wird jetzt behauptet, daß die Londoner Regierung der Einverleibung des ostafrikanischen Mandats­gebietes in den englischen Besitz z u g e st i m m t habe. Sehr wahrscheinlich wird man in London diesen Kabinettsbeschluh als eine Erfindung hin- stellen. Ein entsprechendes Dementi wird zeäoch wirkungslos bleiben, weil die Engländer ihre Karten schon zu sehr aufgedeckt haben und weil es I ä n g ft ein offenes Geheimnis ist, daß sie früher oder später das ihnen vom Völ­kerbund anvertraute Mandat doch in ihre Tasche stecken werden.

In hiesigen politischen Kreisen verfolgt man die weitere Entwicklung dieser Angelegenheit, die ohne Frage einen schweren 23 e r ft o 6 gegen d i e Dölkerbundssatzung, nach der der Manda­tar ein ihm anvertrautes Gebiet lediglich als Vor­mund zu verwalten hat, so daß eine Aneignung in jeder Hinsicht ausgeschlossen ist, darstellen würde, mit größter Aufmerksamkeit. Es steht zu erwarten, daß, sollten diese Gerüchte eine Bestätigung erfah­ren, die Mandatskommission, an der Deutschland bekanntlich auch beteiligt ist, in Genf sofort zu dieser Frage Stellung nehmen würde. Es scheint auf jeden Fall, daß man in London 7>ie Ein­verleibung Deutsch-Ostafrikas schon so gut w i e eine beschlossene Sache behandelt, zumal man doch bereits den Gedanken der Ernennung eines Generalgouverneurs für das ganze Gebiet erwögt. Es wird gut fein, schon jetzt mit größter Schärfe gegen derartige englische Machen- schäften, die durchaus in den Rahmen der englischen Kolonialpolitik paffen, oorzugehen.

LalleSWägt Die mexikanische Revolution nieder.

Vera Cruz wieder in Händen der Megierungstruppen.

London, 7. März. (TU.) Nach Meldungen aus Elpaso in Texas wird aus den Aufstandsgebieten berichtet, daß sich der Ausstandsbewegung 6000 Baqui-Indianer angeschlossen hätten. Auch aus Nordmexiko werden Erfolge der Slufftän» dischen gemeldet. Es heißt, daß Teile der Regie­rungstruppen in die Berge geflüchtet wären. M a - zaplan, die wichtigste Hafenstadt des Staates Sonora an der pazifischen Küste sei von den Auf­ständischen besetzt worden. Ihr Führer, General M a n s o, habe entlang der westpazifischen Küste mit seinen Truppen den Vormarsch begonnen. Mel­dungen aus Neuyork berichten demgegenüber von Erfolgen der Regierungstruppen. Die Stadt Vera Cruz befindet sich wieder in den Händen der mexikanischen Regierungstrup­pen. General 21 g u i r r e , der Führer der Aufstän­dischen, hat mit zweitausend Mann die Flucht ergreifen müssen, nachdem sich annähernd } der Aufständischen von ihm losgesagt hallen und zu den fRegierungstruppen übergegan- g e n waren. Wie weiter berichtet wird, ist auch Saltillo wieder in der Hand der Regierung. General E s c o b a r, der die Stadt mit etwa 2000 Mann besetzt hielt, befindet sich auf der Flucht. Die Aufständischen versuchten, die Verfolger durch Auf- reißen der Schienenstränge oufzuhalten. Mit der Niederlage Escobars gilt Die Entscheidung für den

glen die Leiter oder die Slellvertreter der Notenbanken dieser Länder in den Aentralaus- schuh delegiert werden.

Des weiteren berichtet dieBergwerks-Zeitung" über einen Vorschlag amerikanischer Finanzsachver­ständiger, der in den Vordergrund der pariser Re­parationsoerhandlungen gerückt sei. Dieser Vor­schlag gehe von der Voraussetzung aus, daß Deutsch­land acht Milliarden Dollar aufbringen könne, hiervon würden zunächst zwei Milliar­den Dollar zu kommerzialisieren sein, wo­bei auch an die Möglichkeit von Umtauschope­rationen in Staatsschuldbons der alliierten Länder gedacht fei. weitere sechs Milliarden Dol­lar sollen nach diesem Vorschlag durch eine neu zu schaffende Reparationstreuhandstelle zurückbe- holteu werden. Ihre Kommerzialisierung soll zu günstigen späteren Zeitpunkten durchgeführt werden. Die erste Tranche der auszugedenden Bonds soll mit 6 Prozent verzinst werden, während für die weiteren Tranchen eine Ermäßigung der Zinssätze vorgesehen sei.

Nordosten als gefallen. Zur Zeit werden 17 000 Mann Regierungstruppen zusammengezogen, um gegen Sonora oorzugehen. Man will den Auf­ständischen die Zufuhren adschneiden, um sie dann infolge Munitionsmangel zur Kapitulation zu zwingen.

An der mexikanischen Grenze in der Rähe von Laredo und Elpaso sind größere amerika­nische Grenzschutzabteilungen zusam- mengczogen worden. Rach einer Meldung aus Elpaso würden die dortigen amerikanischen Trup­pen die Grenze überschreiten und 3ua- rez in Mexiko besetzen, falls bei den Kämpfen Amerikaner an der Grenze bedroht würden. Calles bezeichnet in einer Zuschrift an die Reuyork Times" die Aufstandsbewegung als eine Bewegung ehrgeiziger korrupter Mi­litär führ er, die die Militärdiktatur errichten wollten. 3n weiteren Regierungserklärungen wird betanntgegeben, daß sich der Feind in völ­liger Auflösung befinde und überall von panischem Schrecken erfaßt fei. Außer anderen wichtigen Städten befänden sich auch Orizaba, Cordova und 3alapa wieder in den Händen der Bundestruppen. Weiter wird die Wiederaufnahme des Eisenbahnverkehrs mit Laredo in Texas angekündigt. Aach einer Mitteilung des Führers der Aufständischen in Sonora, des Generals B o r q u e s, haben die Revolutionäre den Staat S i n a i d o, südlich von Sonora an der Küste des Stillen Ozeans, in Besitz genommen. Die katholischen Kir­chen in Sonora zelebrieren heute -um erstenmal seit 1926 Hochämter. Trotz vereinzelter Erfolge der Aufständischen herrscht in Aeuyork der Ein­druck, dah die Regierungsstreitkräfte allmählich die Oberhand gewinnen.

Die neue Bewegung in China.

Undurchsichtige Lage

Schanghai, 7. März. (Agentur 3ndo Paci­fic.) Es sind Gerüchte im Umlauf über ein unmittelbar bevor stehendes Ausbrechen von Feindseligkeiten zwischen A a n k i n g und der Provinz K w a n g f i. Man meldet bedeutende Truppenbewegungen am Bangtse. Die Kämpfe sollen in Anking, der Hauptstadt von Anhwei, bereits begonnen yaaen. Die chinesischen Zeitungen verö, sentlichen feine Rachrichlen über den Bürgerkrieg in Schantung, da die 'Behörden eine rigorose Ueberwachung des Aachrichten- wesens ausüben. Die Requirierung von Schiffen der chinesischen Schiffahrtsgesellschaften erregte große Beunruhigung. Die ofiiziellen Kreise zeigen sich sehr zurückhaltend, doch nimmt man an, daß die Schiffe nach Pukau gesandt werden sollen, um Truppen zu landen, d.e für Äuanfiang be­stimmt find. Die Marineflieger sind startbereit.

Zwei Hypothesen stehen einander gegenüber: ein Kampf zwischen der Provinz K w a n g f i und General Tschangkaischek oder ein Kampf zwischen der Provinz Kwangsi und Tschangkaischek einerseits gegen Fen - gyhsiang andererseits. Die Rivalitäten zwi­schen den einzelnen Gruppen Haden ihren Höhe­punkt erreicht. Die Führer des Kuomintang be­mühen sich, einen Ausgleich zu schaffen. Präsi­dent Tschangkaischek soll der Zentralregie­rung gewogen sein und die Ansicht ver­treten, dah sie respektiert werden müsse, wäh­rend seine Gegner der Zentralregierung die Be­rechtigung, in die provinziellen Angelegenheiten einzugreifen, absprechen. Gewisse Kreise neigen zu der Annahme, dah die regierungsfeindlichen Elemente sich bemühen, den Zusammentritt des Kongresses des Kuomintang zu verhindern. Aachdem Tschangsuntschang eine allgemeine Offensive begonnen hat, raten die englischen und amerikanischen Konsuln den Mis­sionaren und Ausländem, Tschifu zu verlassen.

OerKampfumdenReichsetai.

Der Finanzminister verhandelt mit den Parteien.

Berlin, 8. März. (Priv.-Tel.) Nachdem der Reichshaushallsplan im Reichsrat erledigt worden ist, ist sofort von selten des Rcichsfinanzmimsters eine Aktion in Gang gefetzt worden, mit dem Ziele, die verschiedenen Parteimeinungen über den Etat möglichst noch vor den Plenarderatungen so aneinander anzugleichen, daß größere Auseinander, setzungen im Reichstag vermieden werden kön­nen. Dabei vertritt Dr. H ilfer ding nach wie vor den Standpunkt, daß selbstverständlich geeignete Vorschläge der Parteien, die von den seinen ab­weichen, berücksichtigt werden müssen. Seine Be­sprechungen mit den verschiedenen Abgeordneten hallen jedoch bisher nur vorläufigen Charakter. Man wartet in parlamentarischen Kreisen noch im. nur mit Spannung darauf, wie das oolksparteiliche Er f pa r nispr o gra m m, das dem Reichs- finanzminister noch nicht oorgelegt worden ist, im einzelnen aussieht. Trotzdem ist die Stimmung über die weitere Entwickelung des Etats in den hiesigen politischen Kreisen jetzt etwas günstiger als bisher; man glaubt, daß es gelingen wird, die verschiede­nen Parteisorderungen auf einen Nenner zu bringen.

Sie "Rationalliberale Korrespondenz" schreibt zu den Verhandlungen: Reich.finanzminister Hil- ferding hat die Fühlungnahme mit den Steuer- sachverständigen der Parteien auf genommen.

um mit ihnen die Verabschiedung des Etats zu besprechen. Sr folgt damit nicht nur einem Wunsch, sondern auch einem Rat der Deut­schen Dolkspartei, die nach wie vor der Lleberzeugung ist, dah der Etat verabschiedet werden kann und muh, ohne dah neue Steuern bewilligt und eingesührt werden. Da aber der Finanzminister sel­ber der gegebene Sparkommisfar fein und bleiben muh, ist nichts natürlicher, als dah er auch die Führung in der Spar­politik übernimmt und zunächst seine Spar­va r s ch l ä g e den Parteien unterbreitet Die Parteien können aus Gründen der Loyalität wie der Zweckmäßigkeit ihrerseits Sparvorschläge nur beispielsweise machen. Danach wird auch die Deutsche Dolkspartei in den Besprechungen mit dem Reichssinanzminister handeln.

Ein finsterer Anonymus.

Bonn, L März. DaS hiesige Schöffengericht verhandelte während dreier Tage gegen den ehemaligen Syndikus Dr. Heinrich Schmuck.^der in dem dringenden Verdacht steht, eine Reihe namenloser Schreiben an den Regie­rungspräsidenten und die Staatsanwaltschaft ge­richtet au haben, in denen er gegen eine Anzahl Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unge­heure Anfchuldigungen ergebt 3mVer­laufe der Zeugenvernehmung wurde dem An­geklagten vorgehalten, mit der Besatzung und den Separatisten in Verbindung gestanden zu haben, und ein Bonner Kaplan erklärte unter Eid, Dr. Schmuck habe ihm ge­legentlich gesagt, daß auf feine Veran­lassung hin ein Bonner Beamter von den Franzosen ausgewiesen worden sei. Als der Zeuge auf eine Frage des Verteidigers des Angeklagten erklärte, er habe dabei den Eindruck gehabt, der Angellagte stehe mit der Besatzung in vaterlandsfeindlicher Verbindung, legte der Verteidiger. Rechts­anwalt Dr. Augustin, Köln, feinen Auftrag nieder und verlieh den Sitzungssaal. Auch im weiteren Verlaufe wurden gegen den Angellag- ten von Zeugen schwere Beschuldigungen wegen seines Verhaltens zu den Franzosen und Separa- tiften erhoben. Er habe gesagt, mit der Mißwirt­schaft in Berlin müsse endlich Schluß gemacht und die rheinische Republik errichtet werden, damit das Rheinland von der Besatzung frei Werde. Der Angeklagte wurde wegen fortgesetzter schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit übler Rachrede und Beleidigung zu sechs Monaten Gefängnis und wegen Belei­digung eines Kölner Polizeibeamten zu 40 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der hohe Druck hat sich weiter südöstlich verlagert. In seinem Kern, der sich bis über Süddeutschland erstreckt, kam es während der vergangenen Nacht zu Strahlungsfrösten (Karlsruhe minus 2 Grad, Mün­chen minus 5 Grad). Die skandinavische Tiefdruck- störung hat weiter südwärts an Ausdehnung ge­wonnen und im nördlichen Deutschland wieder Er­wärmung gebracht. Weitere Druckstörungen im Südwesten und im Nordweften bringen den Hoch­drucke influß zum raschen Abbau, so daß erneut Be­wölkung und später auch Niederschläge zu erwarten sind. Die Fröste dürften ihr Ende erreicht haben und eine allmähliche, langsam fortschreitende Erwär­mung einfetzen.

Wettervoraussage für Samstag: Wolkiges Weller, Temperaturen nachts um Null Grad, stete Neigung zu Niederschlägen.

Wettervoraussage für Sonntag: Leicht bewöllt, Temperaturen auch nachts etwas über Null, vereinzelte Niederschläge.

Lufttemperaturen am 7. März: mittags + 4,5 Celsius, abends + 2,3 Grad Eelfius; am 8. März: morgens 4- 0,1 Grad Cel,ius. Maximum + 4,6 Grad Celsius, Minimum2,1 Grad Celsius. Erdtemperaturen am 7. März: abends0,5 Grad Celsius, am 8. März: morgens 0,7 Grad Celsius. Sonnenscheindauer eine Viertelstunde.

winterfportaachrlchten der hesi. Wetterdienststelle.

Vogelsberg (Hoherodskopf): Nebel, Tempe­ratur minus 2 Grad, 35 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkell für Ski und Rodel sehr gut. Herchenhainer Höhe: Nebel, Temperaturen minus 1 Grad, 30 Zentimeter Pappschnee, Ski und Ro del gut.

Schwarzwald (Feldberg): Heiter, Tempe­ratur minus 2 Grad, 88 Zentimeter Schnee, Pulverschnee. Ski und Rodel sehr gut. Ruhe- stein: Heiter, Temperatur minus 3 Grad, 55 Zen­timeter Schnee, fein Neuschnee, etwas verharscht, Ski und Rodel gut

2ll pe n (Garmisch Partenkirchen): Heite^Tem­peratur minus 1 Grad, 70 Zentimeter Schnee, fein Deuschnee. Pappschnee, Sk und 2toM sehr gut. Berchtesgaden: Heiter, Temperatur minu- I Grad, 75 Zentimeter Schnee, fein Reuschne«. etwas verharscht, und Rodel gut