Müde schleicht der Kelln« mit Limonadengläsern und Kaffeetassen durch die Reihen, das Hämmern der Zimmerleute wird schwächer, das Schimpfen des Admirals wird leiser.
Und jetzt noch das Finale. Und alle sammeln sich noch einmal auf der Bühne, Müdigkeit und Gliederschmerzen sind vergessen, die Musik seht ein, der Marsch beginnt, um die Bühne herum, das Orchester umschreitend, in den Zuschauerraum hinein, die gespenstische Leere mit Leben erfüllend: Finale, Finale! Dann werden die Kostüme abgetan, die kleinen Kleidchen trüber und unansehnlicher noch im matten Licht des frühen Morgens, mit dem Glanz der Kostüme vertauscht. Abschiedsworte fliegen durch den Raum, hier ein leises Lachen, dort das heisere
Dellen eines Hundes. daS Haus leert sich, zweihundert Girls dürfen in Ta is nach Hause fahren.
Es ist die siebente Stunde des Morgens, sie haben einen Tag und einen 2lbend und eine Rächt und wieder einen Morgen geprobt. Sie dürsen müde sein. Sie geben den Chauffeuren einen Schein mit dem Fahrpreis und ihrem Ramen, sie steigen draußen in den Quartieren des Rordens und Ostens die Treppen ihrer Wohnungen hinauf, die Haustore sind schon geöffnet, es ist ja schon lange Tag.
Unb später fährt Auto um Auto vor dem Tor des Revuetheaters an, zweihundert Chauf'eure geben die kleinen Weißen Zelte! ab, kassieren das Geld, Unb zweihundert müde Girls schlafen.
Tumen, Sport und Spiel.
Westdeutscher Rudertag.
Auf der in Trier am Samstag und Sonntag stattgchabten Bundestagung der westdeutschen Regattaverbände, die unter dem Doritz von A. Sasse (Grevenbroich) tagte, hielt Oberbürgermeister S a l z m a n n (Zelttngen) einen Bortrag über das Wanderrudern und Bonkdircktor Leinen aus Trier über die Krise im deutschen Sport.
Als erfolgreich st e Vereine des Jahres wurden mit der Dundesplakette ausgezeichnet: der Kölner Club für Wassersport, der R. C. Mainz-Castel und von der B Klasse der R. D. Gelsenkirchen. Für das Jahr 192Z erhielten Plaketten die Kölner Rudergesellschaft und der Wittener R. C.
Die Regattatermine für 1929 wurden wie folgt festgelegt: 2. Juni: Regatta in Mülheim o. d. Ruhr, 9. Juni: Regatta des Mosel- und Saar Regattaverbandes in Trier, 16. Juni: Regatta in Bad Ems und Hengstey bei Dortmund, 23. Juni: Regatta in Koblenz, 30. Juni: Hügelregatta in Essen. 7. Juli: Regatta in Godesberg. 14. Juli: Regatten in Ruhrort. Mittelr^inregatta in Dingen und Regatta in Gießen. 27. Juli: Regatta in Mainz. 28. Juli: Regatta in Limburg a. d. L. Ferner ist für das Jahr 1929 eine gemeinsame Wanderfahrt „Mosel abwärts bis Düsseldorf" vorgesehen, die in Traben an der Saar ihren Anfang nehmen soll.
Ter we st deutsche Schüler-Ruder- v - v a n d wurde als Dundesmitglied ausgenommen. Bundesvorsitzender wurd" w:eder A. Sa sie: erster Stellvertreter Dankdire'tor Leinen (Trier!, zweiter Stellvertre.er H. Thurn (Mainz). Als Ort der nächsten Dundestagung wurde Mainz bestimmt. Den toten Kameraden widmete der Bundestag vor Einrritt in die Tagesordnung ein stilles Gedenken.
Harrdball im Turnverein 1846 Gießen.
Turnges. Offenbach l — TV. 1846 1 3:2 (3:1).
Eine reine Freude bereitete den Zuschauern dieses Spiel. 1846 hatte mit der Verpflichtung Offenbachs glücklich gewählt, und zeigte so ein Spiel, das in jeder Beziehung ein rechtes Werbespiel genannt werden kann. Man lernte in Offenbach ein« Mannschaft kennen, die eine gute Ball- bebandlung. verbunden mit Schnelligkeit und exakten! Zuspiel aufwies. 1846 konnte von seinem Gegner viel lernen. Die Gießener ersetzten die fehlende Technik durch lobenswerten Eifer und vermochten ein durchaus ebenbürtiges Spiel zu liefern. Die erste Halbzeit waren die Offenbacher leicht überlegen. Vorbildliches Stürmerspiel brachte den Gästen drei Erfolge, denen Gießen nur ein Tor entgegensetzen konnte. Rach der Pause sah man ein vollkommen ausgeglichenes Spiel. Die Hintermannschaft der 1846er arbeitete vorzüglich und ließ die Offenbacher zu keinem Erfolg mehr kommen. Auch im Sturm klappte es.jetzt besser. Durch schönen Wurf stellte der Halblinke das Resultat auf 3: 2. Dabei blieb es Richt zuletzt ist der gute Verlauf des Spieles dem Schiedsrichter zu verdanken, der einwandfrei und sicher leitete.
Handball.
To. Großen-Buseck — Io. 1846 Gießen 2:0 (1:0).
Mit diesem Spiel am Neujahrstage hatte der Tv. Großen-Buseck sein viertes Spiel gegen den Tv. 1846 Gießen ausgetragen und gewonnen. In Großen- Buseck stellten sich dem Schiedsrichter zwei ersatzgeschwächte Mannschaften, die ein sehr abwechslungs
reiches Spiel vorführten, das von der Gießener Hintermannschaft mit unnötiger Härte durchgeführt wurde. Auf sehr schlüpfrigem Boden sah man Gießen in den ersten 20 Minuten stark im Vorteil, ohne daß die sicher arbeitende einheimische Hintermannschaft zu schlagen war. In dieser Zeit kam der Busecker Sturm nur in einzelnen Vorstößen vor das gegnerische Tor, wobei stets äußerst kritische Situationen entstanden. Erst gegen Ende der ersten Halb- zeit hatte Buseck mehr vom Spiel und konnte in der 29. Minute durch einen von 20 Meter aus geschossenen, wunderbar placierten Strafstoß von Schneider in Führung gehen. In der zweiten Halbzeit dominierten die Einheimischen völlig, konnten sich jedoch erst in der 24. Minute durch Rückhandwurf des Halblinken endgültig den Sieg sichern.
Tv. Großen-Buseck — Tv. Bad-Rauheim 5:2 (2:0).
Ein schnelles, sehr faires Spiel am vorigen Sonntag, das Schiedsrichter Reichert (Wetzlar) jederzeit in der Hand hatte. Die fünf Tore verteilen sich auf vier Stürmer, ein Beweis für die gleichmäßige Durchbildung des Busecker Sturms, der seine Hauptmasse ist. Mit diesem Spiel rückt der Tv. Großen- Buseck auf den dritten Tabellenplatz vor, den seither der Tv. 1846 Gießen inne hatte. Gelingt es Großen- Buseck, am nächsten Sonntag in Marburg zu gewinnen, dann dürfte ihm die Meisterschaft im Gau Heften sicher sein, da dann nur noch die Rückspiele gegen Nauheim und Marburg in Großen-Buseck ausstehen.
Handball im Lahn Oünsberg Gau.
Garbcnkeich I — Kesselbach I 6:4 (4:4).
Am Sonntag trafen sich diese Mannschaften zum Derbandsspiel in Kesselbach. Nach Anwurf von Kesselbach entwickelte sich ein sehr scharfes Spiel, wozu auch der glatte Boden viel beitrug. Die Mannschaften spielten gleichwertig, und abwechselnd fielen auf beiden Seiten bis zur Halbzeit vier Tore. Nach der Halbzeit ließ Kesselbach nach, und Garbenteich konnte noch zweimal einsenden.
V. f. B.
v. f. V. Liga — Dillenburg Liga 3:1.
Die Ligamannschaft setzt« am Sonntag ihren Siegeszug fort und entschied auch das erste Treffen der Aach runde zu ihren Gunsten. Das Resullat erscheint in Anbetracht der ungleichen Spielstärke der beiden Gegner recht knapp, erklärt sich aber einerseits aus der, wenn auch primitiven, so doch erfolgreichen Abwehrmethode der Dillenburger und anderseits aus der mangeln» den Durchschlagskraft des gesamten B. f. D.- Sturms. Immerhin muß zugegeben werden, daß es nicht reicht war, durch die oft acht und mehr Mann zählende Verteidigung 'der Gäste hin« durchzukommen. Auch die Versuche, durch Weitschüsse zum Erfolg zu kommen, mußten fehlschlagen, da der Ball jedesmal vom Körper eines der vielen Verteidiger abprallte. Daß das Schluß- ergebnis dem Spielverlauf nicht im entferntesten entsprach und V. f. B. seinem Gegner während des ganzen Spieles weit überlegen war, beweist das Eckenverhältnis von 16:0. Der Spielverlauf war folgender: Gleich von Anfang an entwickelt sich ein äußerst flottes Spiel. Die Dillen- burger finden sich überraschend schnell mit dem für sie ungewohnt großen Platz ab und zeigen sich der B f. B.-Clf vorerst ebenbürtig. Rach kurzer Zeit jedoch schon wird diese dank ihres weitaus besseren Zuspiels langsam überlegen. Die Gäste versuchen den Mangel an Können durch Eifer zu ersetzen und das Spiel offenzuhalten. vermögen jedoch nicht zu verhindern, daß V. f. D. sich allmählich in ihrer Hälfte festseht und nach etwa 25 Minuten Spieldauer zum Führungstor ein
Lach« Vatarro r
Vornan txon J. Schneider-Foer-st!.
Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
39 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Die Augen dec Kommerzienrätin h ngen mit einem mütterlich zärtlichen Blicke an ihm. Wie schade, daß sie keine Tochter besaß, die ihr diesen Mann als Schwiegersohn ins Haus bringen konnte. Er war der Inbegriff alles dessen, was man unter einem Edelmanne verstand.
Sie liebte ihn von der ersten Minute des Sehens an. Lächelnd blieb ihr Auge auf dem Sohne haften, der keinen Blick von ihm wandte. Mit keinem Worte wurde die letzte De gangen- hcit gestreift. Man sprach nur von der Gegenwart und von der Zukunst, sowie von Hettingens Reisen der früheren Jahre und seinen damaligen Zusammentreffen mit Diebow, als er im Sudan sein Lebensretter wurde.
»Sie hatten sich für einen völlig Fremden geopfert, wenn das Vieh Sie verschlungen hätte," sagte der Kommerzienrat mit einem ernsten Blick in Hettingens dunkle Augen.
..Wenn jemand sich in Rot befindet, ist er für mich niemals ein Fremder", war die Erwiderung. „Jedes andere Leben ist mir so heilig als das meine selbst."
Jankes griff nach feinem Weinglas und hob es Joachim entgegen. „Auf Ihr ganz spezielles Wohl, Baron!"
Hettingens Blick wurde groß und abwesend, als er das seine an den Kelch des Chefs klingen ließ.
Er würde schaffen wie ein Tier, um die Gastfreundschaft hier wettzumachen, sonst erdrückte sie ihn.
Kurt Diebow sah auf der Brüstung der großen Steinterrasse, die nach dem Parke ging, und lieh die Deine, die in einer gelben, -art ge
streiften Flanellhose steckten, über dem Kies des Weges baumeln.
Der Diener brachte ihm auf einem Tablett eine Schale eisgekühlten Mokkas, den er gierig hinunterstürzte. „Ist Baron Hettingen schon nach Hause gekommen?"
„Rein, gnädiger Herr, es ist erst fünf Uhr. Der Herr Baron kommt nie vor halb sieben."
„Er arbeitet wie eine Uhr, nicht wahr, Mama?" wandte er sich an die Kommerzienrätin, die hinter ihm in einem Lehnstuhl ruhte.
Sie nickte oerfDunen. „Er ist das Gewissen in Person! Ich bebaute nur eines, keine Tochter zu Haben."
„Die seine Frau werden fönntcl“ ergänzte er lachend. „Es stimmt doch, Mütterchen?" Er gab seinen Deinen einen Schwung und sprang auf die gemusterte Matte, welche die Terrasse deckte. Sich auf den Schemel zu ihren Füßen niederlassend, sah er zu ihr auf. „Er muß furchtbar viel Leid getragen haben, die letzten Wochen. Selbst wenn er lacht, geht momentan ein Zucken über sein Gesicht, daß man dabei weinen könnte. Aber er spricht nie darüber, und fragen möchte ich ihn nicht."
„Rein, mein Junge. Erst muß man ihn vergessen lassen, ehe man an die Wunden rührt, die ihm das Leben geschlagen hat."
„Er soll wochenlang als Tagelöhner an der Südbahn gearbeitet haben, hat mir Vaters Bruder erzählt."
„Ja! — Uni) sein bester Freund soll ihm in der bittersten Stunde der Rot die Türe gewiesen haben!"
„Mutter!" Er hielt jäh inne, denn Hetttngen kam eben raschen Schrittes den Weg heraus nach der Terrasse zu. Als er Diebow gewahrte, der ihm zwei Stufen entgegensprang, sagte er etwas verlegen: „Ich tonnte Ihren Vater im Werke draußen nicht finden und Mächte Sie bitten, mich statt seiner heute eine Stunde früher vom Dienst zu dispensieren. Ich hole die Zeit morgen mittag nach."
sendet. Die lleberlegenheit Gießens hält weiterhin an, ergibt jedoch keine wetteren Erfolge, da Dillenburg bereits seine Verteidigung zahlenmäßig verstärkt hat. Verteidigung und Läufer- reihe der Platzmannschaft versuchen durch weites Aufrücken den Sturm zu unterstützen. Der Gegner kann sich nur hin unö wieder aus der Umklammerung sreimachen, um dann aber in schnellen Durchbrüchen das V. f. B.-Tor in Gefahr zu bringen. Auf diese Weise gelingt es ihm auch kurz vor der Pause, sein Gegentor zu erzielen, nicht ohne Schuld der viel zu weit auf gerückten Verteidigung und des fast auf der Mittellinie stehenden Tormannes Gießens. Halbzeitresultat 1:1. Rach dem Wechsel dasselbe Dttd; die Heber- legenheit Gießens wird noch drückender und Dillenburg immer mehr zurückgedrängt. Oft fast mit der ganzen Mannschaft verteidigend, gelingt es den Gästen, dem Ansturm Gießens längere Zeit standzuhalten. Die letzte Hälfte der zwttten Halbzeit ist es nur noch ein Spiel auf ein Tor. Rur zwei Erfolge vermag V. f. B. noch zu erzielen, ein dritter wird von dem Schiedsrichter nicht an» erkannt. Das Schlußresultat von 3:1 entspricht in keiner Weise dem Stärkeverhältnis beider Mannschaften, hätte aber bei etwas klügerer Tattik der Läuferreihe, insbesondere des Mittelläufers, der die zusammengeballte gegnerische Verteidigung auseinanderziehen muhte, und etwas mehr Schußsicherheit und Durchschlagskraft der Angriffsreihe trotz geschickter Abwehr des Gegners, höher gestaltet werden können. Jedenfalls hat die V. s. B.-Els in diesem Spiel bewiesen, daß sie Gegnern von der Spielstärke Dillenburgs technisch wett überlegen ist und ihre führende Stellung in der Lahnkreisliga nicht zu Unrecht einnimmt. Mit 9 Spielen und 18 Punkten steht sie ungeschlagen an der Spitze der Tabelle.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Wie Eingewttfte nicht anders erwartet hatten, so ist es auch diesmal wieder gekommen: Die 1900er verloren ihr Verbandsspiel in Frohnhausen an der Dill mit 3 :5 Toren. Verdient wohl im Hinblick auf den Leichtsinn der Verteidiger, die sämtliche fünf Tore verschuldeten, unverdient jedoch dem Spielverlauf nach. Die Gießener warteten mit den besseren technischen Leistungen auf und hatten die weitaus jafjl* reicheren sicheren Torchancen. Solange die Blau- weißen nickt komplett auf den Plan treten, muß man es bezweifeln, ob sie im Verlaufe der wetteren Meisterschaftsspiele noch zu Erfolgen kommen werden. Das Ausbleiben von Mitgliedern dieser Mannschaft ergab in erster Linie die Punktverluste. 1900 trat also wieder mit Ersatz an, dazu ein kranker Spieler, der trotz Bettlägerigkeit s.i:e Mannschaft nicht im Sttch ließ und auch ein sehr gutes Spiel lieferte. Heber die Leistung der bereinigten verliert man bald die Meinung. In zahlreichen Gesellschaftsspielen über beste, erstklassige Gegner (Germania Bieber, Hagen 72. Sport Kassel u. a.) Sieger bleibend, verlieren sie nunmehr mit einer Ausnahme alle auswärtigen Verbands spiele, und zwar gegen Mannschaften, die alljährlich das Tabellenende bilden. Es fehlt anscheinend der allerdings sehr jungen Mannschaft die physische Kraft, dem Gauf- und Schlagspiel der körperlich sehr gut entwickelten ländlichen Kampfmannschasten den entsprechenden Widerstand entgegenzusetzen, zumal die Plätze dieser Vereine mit ihren kleinen Ausmaßen und miserabler Dodenbeschaffenheit ein genaues Paßspiel nicht zulassen.
So waren die Verhältnisse auch wieder in Frohnhausen. Ein kleiner, unberechenbarer Platz (der Ball war fast mehr aus, als im Spiel), die Platzmannschaft der Qtanier körperlich stärker und vom ungestümen Draufgängertum beseelt. Der Platzverein gewann die Platzwahl und spielte bergab mit Rückenwind drei Torerfolge heraus. Beide Hüter hielten viele Bälle mit großem Geschick. Dem Gastgeber war das Glück sehr hold. Mit 1 :3 für Frohnhausen ging man in die Pause. Zehn Minuten nach Wieder- anstoß hatte 1900 auf 3:3 aufgeholt und hatte große Siegeschancen, da die Frohnhausen stark absielen. Das Pech 19004 scheint aber traditionell zu sein. Bei einer weiten Vorlage auf den linken Flügel Frohnhausens verschuldeten die Gießener leichtsinnig einen Eckball, bei dessen Wiederholung sie ein Eigentor machten. Roch einmal war den Gießenern Hofsirung auf Ausgleich gegeben, als ein Gastgeber im Strafraum mit der Hand abwehrte. Der Schiedsrichter gab aber nur Strafstoß von der Ib-Meter-Linie, der die Mauer des Plahvereins nicht durchdringen konnte. Die 1900er waren etwas resigniert, was schließlich zwei Minuten vor Schluß, bereits in
„Aber, lieber Baron," sagte die KommeAien- ratin gütig, „da ist doch wirklich keine Frage nötig. Sie sind doch wohl?"
„Gewiß, gnädige Frau." Er hatte sich zu ihrem Lehnstuhl herabgeneigt und feine Lippen auf ihre Finger gedrückt. „Ich erwarte nur Besuch aus Wien und möchte noch gerne zum Schnellzug zurechtkommen."
„Dann hat es aber Eile," mahnte sie. „Sie nehmen den Wagen. — — Kurt, du bist so gut und läßt sofort ankurbeln" auf den Knopf, der jn eine der Steinsäulen eingelaffen war, drückend, befahl sie dem erscheinenden Diener: „Sie sind Herrn Baron Hettingen beim Um* kleiden behilflich! Der Schnellzug dürfte in zehn Minuten eintreffen.“
Diebow sprang Joachim in die Halle nach und hing sich an feinen Arm. „Dars man fragen, wen Sie erwarten?"
Ein flüchtiges Rot stteg in dessen Wangen. „Die Kammersängerin Isabella Jeskal"
„Die Jeska? Herrgott Mensch, kann man die auch zu Gesicht bekommen?"
„Wenn Sie wünschen!"
Diebow hiell sich vor Lachen am Treppengeländer fest. „Verehrter Darrnr, ich meine, diese verwöhnte Frau wird nichts danach fragen, ob ein gewisser Kurt Diebow sie kennenzulernen wünscht oder nicht! Aber werm möglich, stellen Sie mich vor! Ja?"
„Gerne!"
„Ich nehm' Sie beim Wort, Davon!"
„Das können Sie ruhig, lieber Diebow!"
Es hatte nur noch zwei Minuten bis zur Ankunft des Schnellzuges, als das Auto, das Joachim zum Dahn brachte, vor dem Stationsgebäude hielt. Kaum war er herausgesprungm und nach dem Bahnsteig gelaufen, als die Maschine in die Halle lief und die Wagenreihe fttllestand.
Ein süßes, zart gerötetes Fvauengesicht beugte sich aus einem Abteil erster Klasse und spähte nach all den hastenden Menschen, die hin und | her rannten.
der Verlängerung, zu einer Karambolage am Gießener Strafraum führte. Brambach sieh den Elfmeter passieren, obwohl er gut haltbar gewesen wäre. Mit dem Wiederanstoß war das sportlich sonst anständig ausgetragene Spiel zu Ende.
1900s dritte Mannschaft gewann kampflos, da Ettlingshausens 2. ausblieb.
G. D. Heuchelheim I —
$. (5 Ettingshausen 10:1.
Zum fälligen Verbandsspiel wellte am Sonntag die erste Mannschaft des Sportvereins Heuchelheim in Ettingshausen. Wit 10:1 Toren mußte der Gegner die Uebcrlcgen* heit der Heuchelheimer anerkennen. Das Vorspiel gewannen die Heuchelheimer auf eigenem Platze 5.0. Schiedsrichter Grünewald, V.f.B. Gießen, leitete gut.
$♦ Gp. D. Steinbach.
Am Sonntag trug die 1. Els des Spielvereinigung Leihgestern das mit großer Spannung erwartete Verbandsrückspiel gegen den Fußballsportverein Steinbach aus. Kam die Gästeelf in der sicheren Hoffnung, Sieg und Punkte mit nach Hause zu nehmen, so mußte sie sich in ihrer Erwartung getäuscht sehen. Steinbach gab dem Gegner einen durchaus gleichwertigen Gegner ab, zeigte sich aber den Gästen im Feldspiel überlegen, was viel zu dem 3:2-Sieg der Steinbacher Elf beitrug. Für den nicht erschienenen Derbandsschiebsric ter einigten sich beide Mannschaften auf oeit Schirianwärter Buß, Steinberg, der versuchte, dem Spiel ein gerechter Leiter zu sein.
Amtsgericht Gießen.
Im vorigen Jahre stieß in der Marburger Straße zwischen der Friedhofsallee und dem Wiesecker Weg ein Motorradfahrer mit einem Radfahrer zusammen, so daß dieser zu Falle kam und Verletzungen davontrug. , Durch Weiterrutschen des Motorrads wurden auch noch zwei ganz in der Rähe der Unfall« stelle mit Aufbruchsarbeiten beschäftigte Arbeiter, angefahren und mehr oder minder verletzt. Die Schuld an dem Unfall trug, wie ein Augenschein ergab, der Motorradfahrer. Dieser sah während 1 seiner Fahrt von Lollar nach Gießen, wie ein l Radfahrer in einiger Entfernung von ihm auS einem Hause kam und etwa in der Mitte der Straße aufftieg, um in die Stadt zu fahren. Dieser Tatsache legte der Angeklagte nicht die^ jenige Bedeutung bei, die ihr ein vorsichtiger Motorradfahrer hatte beilegen müssen, zumal neben dem Straß mbahngeleise Aufbruchsarbeiten vorgenommen wurden und die Fahrstraße beengt war, so daß die Sicherheit des Fahrens dadurch, sowie auch noch durch andere Umstände — Abschüssigkeit und Rässe der kurz vorher besprengten Straße — beeinträchtigt wurde. Der Angeklagte bemerkte den Radfahrer, der inzwischen die rechte Seite des Fahrdammes erreicht hatte, nur in einer Entfernung von wenigen Metern vor sich; er wollte noch rechts an chm vorüberfahren, streifte aber das Rad, so daß der Fahrer fiel, und der eingangs er» toäbnte Unfall eintrat. Gr konnte diesen nicht mehr verhindern, denn er vermochte infolge seiner unverminderten Geschwindigkeit weder b uts auszuweichen noch langsam zu fahren oder zu halten. Es gehörte aber zu seinen Pflichten, seine Fahrt so einzurichten, daß er gegebenenfalls hierzu imstande war. Der Angeklagte erhielt wegen fahrlässiger Körperverletzung eine nicht unbeträchtliche Geldstrafe.
2n einem anderen Falle sah ein Polizei- Wachtmeister von der Rordanlage aus einen jun- । gen Menschen auf einem Fahrrad aus dem engen Teil der Damm st raße kommen. Das Befahren der letzteren ist aber für Fahrzeuge aller Art verboten. Der Radfahrer erhielt einen ©trafbefeljl, gegen den er Einspruch einlegte, der aber verworfen wurde. Er war offensichtlich der Ansicht, der Polizeibeamte könne wegen der weiten Entfernung seine Anzeige nicht aufrechterhatten; er irrte aber, auch war der Polizei- । Wachtmeister recht Wohl in der Sage, von seinem > Standort aus die einschlägigen Wahrnehmungen ' zu machen. Richtig mag fein, daß der Rad- ( fahrer erst i n dem engen Tell der Dammstraße aufgestiegen ist. Dies kann ihn aber vor Strafe nicht schützen. Ein vorgeschlagener Augenschein wurde nicht für erforderlich gehalten.
„Isa!"
Hettingen riß die Kupeetüre auf und hob die, schlanke Gestatt der Schwester über das Tritt- । brett. Sie ließ die flefne Ledertasche fallen, schloß die Hände um sein Gesicht und küßte ihn auf Mund und Wangen. „Bub!"
Mit einem unendlich warmen Blick senkte er seine Augen in die ihren. „Kleine, süße Frau ^Ba^ne? wahr? Das hab ich jetzt davon!" Sie lachte mit glockenhellem Tone auf. „Wann man verheiratet ist, muß man alle möglichn Lisin aufwendn, daß man allein fortkommt. , Meinst, das ist grab eine Kleinigkeit awesn, bis ' ich mein Christoph dazu gebracht hab, daß er zu seinem Schwager, dem Erzherzog Günther, auf die Jagd nach Karelsyi gfahrn ist? Gäv net hat er anbeißn wolln! Pattou wollt er mit nach Bellinzona kommen! Aber wann ich dich' hab. kann ich doch ihn net auch noch brauchnl"
„Ich genieße also einen gewissen Vorrang in deinem Harzen?" neckte er und konnte sich's nicht versagen, sie rasch noch einmal zu küssen.
„Alleweil! Das weißt eh, Joachim! Geh. laß doch das Kofferl stehn! Ich habe die Zofe dabei! Die sorgt schon, daß nix liegn bleibt. Wtr zwei haben mit uns selber genug zum tun." Sie winkte einem jungen, zierlichen Ding, das an einer Abteiltüre zweiter Klasse stand und auf eine Weisung zu warten schien. „Hast eine Auto- taxn bsorgt, Sopherl? Ja? Da kannst dann gleich ins Hotel fahm! Der Herr Baron und tch gehn z' Fuß! In einer Stund möcht ich ein Bad nehmen. Das anbere weißt eh alles. Es,'n tun wir auf dem Zimmer. Zwei Gedeck, unb den Wein schön katt stelln lassn."
Das Mädchen verneigte sich unb ging, um nach dem großen Gepäck Umschau zu hatten.
„Joachim, gib mir deinen Arm! bat Isabella. „„Unb jetzt fuhrst mich an ein Plätzerl, wo- gar keine Menschen gibt, als dich unb mich allein. Ich hab keine Lust, daß ich mich überall angaffn lass', wo ich hinkomm."
(Fortsetzung folgt)


