Ausgabe 
7.12.1929
 
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Stunde für ihn noch nicht gekommen fei, die große Rolle zu spielen, für die er sich ausersehen glaube. Petit Journal" sagt, Dr. Schacht setzte sich über Exekutiv- und Legislativgewalt hinweg, und stellte sich seinen Landsleuten als der Retter der deutschen Finanzen vor, als der starke Mann, der Deutschland von seiner Linkspolitik und seinen Gläubigern be­freien werde. Gegen die auch vomFigaro" ver­tretene Auffassung, daß Dr. Schacht im E i n o e r ständnismitderReichsregierung gehan­delt haben könnte, wendet sich die radikaleVo­lons". Sie schreibt:Dr. Schacht leistet eine kost­bare, nxnn auch ein wenig späte Hilfe zugunsten des von der Grttppr Hugenberg eingeleiteten Verfahrens. Wir begreifen nicht, wie gewisse französische Blätter annehmen können, daß der Reichsbankpräsident im geheimen Einverständnis mit der Reichsregierung gehandelt haben könnte, um es dieser zu ermöglichen, eine unversöhnliche Haltung währew) der Haager Konferenz einzunehmen."

Der Reichsfinanzminister zur Tabaksteuer.

Karlsruhe, 6. Dez. (WB.) Auf Grund schriftlicher und mündlicher Vorstellungen der beteiligten Interessenten, sowie des badischen Innenministers beim AcichsernährungSminister und beim Reichsfinanzminister hat der Reichs- finanzminister folgende Erklärung ab­gegeben:Eine Entscheidung darüber, ob bei der Reform der Reichsfinanzen auch die Be­steuerung des Tabaks eine Veränderung zu erfahren haben wird, ist im Reichsfinanz­ministerium noch nicht getroffen worden. Für den Fall aber, daß im Rahmen einer Tabak­steuererhöhung eine Erhöhung der Steuer für Rauchtabake in Erwägung gezogen werden sollte, wird von der Reichsregierung in jedem Falle darauf Bedacht genommen werden, daß einmal die steuerliche Behandlung des ge­wöhnlichen Rauchtabaks und des sog. steuerbegünstigten Feinschnitts nach wie vor gleichmäßig sein wird und daß zweitens die Spanne in der steuerlichen Behand­lung zwischen diesen Tabaksorten und dem sog. echten Feinschnitt die gleiche bleibt wie bisher d. h. 25 Prozent des Kleinverkaufspreises." Es darf der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß sich die Beunruhigung unter den Tabak­pflanzern nunmehr wieder legt und daß der Abkauf von Tabak alsbald wieder ausgenommen werden wird.

Christlich-soziale Einigungs- bestrebungen.

Verbindungen der Jungkonscrvativcn zum Zentrum.

Stuttgart, 6. Dez. (WB.) Heute fand in Stuttgart eine erste Fühlungnahme zwischen Fährern der Christlich-sozialen Reichsvereinigung und dem Christli- chen Boltsdienst statt. Von der Christlich- sozialen Reichsvereinigung nahmen an tei Ver­handlungen die Herren Veidt (Frankfurt a. M.) und H ü l s e r (Berlin), vom Christlichen Volks­dienst die Herren K l i n g , B a u s ch und S i m p - fendoerfer (Stuttgart) teil. Die Aussprache ergab weitgehende älebereinstimmung in der Stellungnahme zu den grundsätzlichen poli­tischen Fragen und in der Beurteilung der den beiden Gruppen durch die neue politische Ent- wiülung gestellten Ausgaben. Es wurde rerein- bart, daß levcllmächligeVertreter led:rG.up- pen am 15. Dezember in Frankfurt a. M. zur Be­ratung über eie eltcare Verschmelzung zu­sammen reten sollen.

Sn sozialdemokratischen Kreisen beschäftigt man sich im Zusammenhang mit der Krise in der Deutschnationalen Volkspartei mit den zu erwartenden Reubildungen. Vor allem wird auf die Beziehungen der abgespli tter- ten Treviranus-Gruppe aufmerksam ge­macht, die von christlich-sozialen-jungkonservativen Sdeen stark bestimmt sei, und auch direkte Verbindungen zu bestimmten Krei­sen der Zentrumspartei besitze. So macht die sozialdemokratische Rheinische Zeitung jetzt darauf aufmerksam, daß der zum Vorsitzenden dec Zentrumssraktion gewählte Abg. Brüning zusammen mit Treviranus Herausgeber der stark junakonservativ gefärbten ZeitschriftD e u 1- s ch e Rundschau" sei. Hier sieht man in sozial­demokratischen Kreisen die Möglichkeit, daß sich ein christlich-sozialer-konservativer Block herausbildet, der sich gegen die mar­xistische Sozialdemokratie wenden werde. Dabei verzeichnet man auch die guten persönlichen Be­ziehungen, die Herrn Brüning mit dem Par­teiführer K a a s verbinden, der augenscheinlich solchen Lkdeen nicht ganz abgeneigt sei.

Der Kirchenverlrag im Geseh- gebungsausslhuß angenommen.

Darmstadt, 6. Dez. Der Gesetzgebungsaus- fchuß des Hessischen Landtags beriet die Verein­barung zwischen dem Staat und der Evangelischen Landeskirche. Der sozialdemokratische Sprecher er­klärte, daß seine Fraktion die Frage noch nicht völlig durchberaten habe, weshalb sie um Vertagung der Beratung bitte. Die übrigen Ausschußmitglieder lehnten dieses Ersuchen ab, und die Vertreter der Sozialdemokratie erklärten darauf, daß sie unter den Umständen sichjederStellungnahme ent­halten müßte. Die Vorlage wurde sodann mit den Stimmen der übrigen Ausschußmitglieder einstimmig in der Fassung der Regierungsvorlage ange­nommen.

Einstimmig angenommen wurde dann nach eingehender Beratung das Gesetz zur Aende- rung der Gebührenordnung für die hessischen Rotare und die entsprechende Aenderung des hessischen Gerichtskostenplanes.

Mißtrauensvotum gegen das polnische Kabinett.

Was wird Pilsudski machen?

Warschau, 7. Dez. (Täl.) Sn der General- ausfprache im polnischen Sejm richtete der netto- naldemokrat.sche Abgeordnete Prof S t r o n s k i sehr heftige Angriffe gegen die R.g'.erung. Er kritisierte u. a. das deutsch-polnische Liquida­tionsabkommen und hob hervor, bah der Boungplan keineswegs einen so weitg:h?nden Vertrag fordere. Es sei übrigens unzulässig, daß mit einer auswärtigen Macht ein m der Hauptsache polnische Staatsbürger betreffender Vertrag abgeschlossen werd«. DaS erinnere an

Wissell fordert Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung.

Die Vorlage vom Reichskabinett verabschiedet.

Berlin. 6. Dez. (Priv.-Tel.) Das Reichs- k a b i n e 11 hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der Vorlage des Reichsarbeitsministers zur Beitragserhöhung in der Arbeits­losenversicherung beschäftigt und diese zur Erledigung an den Reichstag weitergeleitet, da der Reichsarbeitsminister sich gezwungen sieht, die Vorlage sofort in Kraft zu setzen,- um die Leistungen der Reichsanstalt zu ermöglichen. Sn der Vorlage ist dabei eine Erhöhung von 3/t Prozent vorgesehen. Außerdem ist die Vorlage für die Wintersaison befri­st e t. Man nimmt nun an, daß in den Ver­handlungen eine nur V»prozentige Er­höhung herauskommt, da sonst d i e D e u t s ch e Volkspartei und die Bayerische Volkspartei nicht mitmachen würden, und erwartet, daß dann vielleicht eine andere Bestimmung in der Frage der B e f r i st u n g ausgehandelt werden w.rd. Der Reichsarbeits­minister hat seiner Vorlage noch eine eingehende Begründung beigegeben, in der er ? ' ach st auf die durch die Reform der Arbeits-vsenversiche- rung erzielten Ersparnisse ekngeht, die Wissell auf 9 7 Millionen Mark schätzt. Diese Summe seht sich zusammen aus 16 Mil­lionen, die sich als Ertrag aus der Herauf­setzung der Anwartszeit ergeben, 21 Millionen aus der Begrenzung der Unterstützung auf die Sähe in der Krisenfürsorge, 2 Millionen aus den Reubest'.mmungen über die Wartezeit, 8 Mil­lionen durch die Anrechnung der Wartegelder und Renten, 30 Millionen aus der Herabsetzung der Beiträge für die Krankenversicherung, und 20 Millionen aus der Beseitigung der Mißstände. Der Minister verweist darauf, daß, wie er ja auch schon seinerzeit erklärt hat, diese Einsparun­gen nicht genügen, um den Geldbedarf der Reichsanstalt zu decken, wozu mindestens noch 2 0 0 Millionen Mark notwendig sind, die sich aus der Beitragserhöhung ergeben. Es ist damit zu rechnen, daß der Reichstag Ende der nächsten Woche die Vorlage beraten wird.

Ablehnende Stellungnahme der Arbeitgeberverbände.

Berlin, 6.De;. (DB) Die Spihenverbände der 21rbeifgeberorganifa(ionen veröffentlichen, veranlaßt durch die Nachricht, daß der Reichsarbeitsminister eine Vorlage vorbereite, wonach zur Beseiti- gungdesDefizitsinder Reichsanstalt für Ar­beitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eine

Heraufsetzung der Beiträge der Arbeit­geber und Arbeitnehmer um } Prozent beabsich­tigt sei, eine gemeinschaftliche Kundgebung. 3n die­ser erklären sie u. a., daß sie einen derartigen Plan zur Erreichung des Gleichgewichts von Einnahmen und Ausgaben in der Reichsanstalt weder mit den tatsächlichen Verhältnissen der An st alt noch mit unserer Gesamtwirt­schaftslage für vereinbar hallen. Die Lr- klärung stellt fest, daß die am 3. Oktober d. 3. vom Reichstag beschlossene Novelle nicht annähernd ausreichend sei, um das laufende Defizit der Reichsanslalt und darüber hinaus den Mehrbedarf für die Dintermonate 1930 zu decken. Weiter bezif­fert die Erklärung für die kritischen Monate 3anuar bis Mär; die Mehreinnahmen aus der jetzt vorgeschlagenen Beitragserhöhung auf h ö ch st e n s 50 Millionen Mark. Demgegenüber bleibt immer noch ein ungedeckter Mehrbe­darf von rund 250 Millionen Mark. Außerdem liegt noch aus früherer Zeit eine Schuldenlast der Reichsanslalt von 3 5 0 Mil­lionen Mark dem Reich gegenüber vor. Somit fei der geplante Leistungsversuch nicht geeignet, die der Reichsanstalt drohenden ernsten Gefahren abzu­wehren. Die Erklärung erinnert daran, daß die Ar­beitgeberverbände immer wieder gedrängt hätten, rechtzeitig, d. h. vor3ahresfrist eine Sanierung der Reichsanstalt im 3ntereffe der Erhaltung ihrer notwendigen Leistungen für die erwerbslose Bevölke­rung durchzuführen Mit um so größerem Recht und Nachdruck müssen sie sich bei dieser Sachlage schon jetzt dagegen verwahren, daß losgelöst von der unaufschiebbaren Frage der allge­meinen Finanz- und Steuerreform und im Gegensatz zu der von allen Seilen an­erkannten Notwendigkeit der E n l l a st u n g u n - ferer Produktion, auf einem Einzelgebiet erhöhte Lei st ungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern verlangt werden sol­len, die im wirtschaftlichen Ergebnis einer Steuererhöhung ; u La st en der Ar­beitgeber und Arbeitnehmer gleich­kämen. dabei aber nicht einmal den Er­folg haben könnten, die Finanzen der Reichsanslalt au°ch nur einigermaßen ins Gleichge­wicht zu bringen.

Ser pwzcß des Grasen Giolberg-Wernigerode.

Unter der Anklage der fahrlässigen Tötung seines Vaters.-O:e ersten Zeugen­vernehmungen. Lokaltermin in Zannowih.

Hirschberg, 6. Dez. (WTB.) Vor dem Erweiterten Schöffengericht begann der Prozeß gegen den Grafen Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode, der der fahrlässigen Tötung seines Vaters, des Grafen Eberhard zu Stolberg-Wernigerode, angeklagt ist. Wie erinnerlich, wurde Graf Eberhard, der Majorans)err eines 8.00 Morgen großen Gutes, am 18. März d. S. gegen Mitter­nacht in dem zum Schloß Sannowih gehörigen Rentamtsgebäu>,e auf dem Sofa seines Arbeitszimmers mit einem Schuß im Hinterkopf tot aufgefunden. Graf Christian Friedrich hatte damals zunächst den Anschein erwecken wollen, als hanvele es sich um einen Mord durch zwei Einbrecher. Se weiter die Untersuchung fortschritt, desto unglaubwürdiger erschienen die Behauptungen des Grafen. Die langwierigen Verhöre über­zeugten ihn schließlich von der Unhaltbarkeit seiner Angaben, und er legte dann das Ge­ständnis ab, seinen Vater aus Fahr­lässigkeit getötet zu haben. Beim Reini­gen des Sagdgewehres, das er ungeladen glaubte, habe sich ein Schuh gelöst, der seinem Vater in den Hinterkopf gedrungen sei. Die Staats­anwaltschaft kam nach anfänglichem Zweifeln zu der Ueberzeugung, daß Mord nicht vor- tiegen könne, z imal sich das Verhältnis zwischen Vater und Sohn als durchaus ungetrübt her­ausstellte. Ein völlig klares Bild über die Vorgänge jener Nacht hat sich b i s h e u t e noch nicht ergeben. Die Verteidigung des An­geklagten haben die Rechtsanwälte Luetge- b r u n e. Göttingen, und Dr. Rusche, Hirsch­berg, übernommen. Die Anklage vertritt Ober­staatsanwalt Dr. Engel. Zu der Verhandlung sind annähernd 30 Zeugen geladen. Auch Sach­verständige sollen gehört werden.

Es wurden zunächst die Gutsangestellten gehört, die Bekundungen über die Vorgänge unmittel­bar nach der Lat machten. Die Gärtnerswitwe Stief hörte gegen 11 Uhr abends von ihrer Wohnung aus die Hilferufe des Gra­fen, der über den Hof gelaufen kam und ganz bleich, verstört und wie betäubt aussah. Er sprach von Einbrechern und behauptete, gewürgt worden zu sein. Mit aller Bestimmtheit bekun­dete diese Zeugin, sie habe von irgendwelchen auffälligen Beziehungen zwi.chen der Mutter des Grafen und dem Grafen Karl, dem Bruder des Getöteten, nicht das geringste bemerkt. Die Tochter dieser Zeugin bezeichnet das Verhält­nis zwischen Vater und Sohn als gut. Beide hätten aneinander gehangen. Sie traut dem

jungen Grafen nicht zu, daß er den Vater ab­sichtlich erschossen haben könnte. Schmiedemei­ster Scholz hatte nach der Tat als einer der ersten das Zimmer des Grafen Eberhard betre­ten. Er fand den Grafen mit entsetzlich verstüm­meltem Kopf auf. Beleuchtet waren nur Zimmer und Flur. Die Tür zum Park war nach Anficht des Zeugen eingeklinkt. Der Vorsitzende stellt zu dieser letzten Angabe des Zeugen, die im Widerspruch mit dessen früheren Bekundungen steht, fest, daß sie sich mit der Aussage des Angeklagten decken würde, wonach er unmittelbar nach der Tat die Tür zum Park nicht wieder geöffnet haben will.

Der Gutsverwaltungsdirektor Gombert hat so­fort die Anweisung gegeben, nichts anzurühren und die Polizei zu rufen. Der Angeklagte hat den Zeu­gen sofort mit ein er Fülle von Aeußerun- gen überschüttet: Ich bin besoffen! Man hat mich besoffen gemacht! Ich habe irgendetwas ange- stellt, ich weiß nicht, was! Was ist denn losgewesen? Sollen wir denn alle mit Gewalt zugrunde gehen oder zugrunde gerichtet werden? Ich fragte ihn: Wissen Sie denn, daß der Graf tot ist? Darauf rief er: Das ist nicht möglich, Herr Direktor, Sie lügen! Antonie, sag' du doch, daß er lügt! Ich sagte ihm sofort, er müsse der Täter sein. Der Zeuge schildert, wie er den jungen Grafen, der früher ein freies Leben gewöhnt war, allmählich an die Bureau­luft gewöhnt habe. Er habe gute Fortschritte ge­macht. Der Angeklagte wußte ganz gpnau, daß noch Jahre dazu gehörten, die Verhältnisse zu sanieren. Die Auflösung des Fideikommisses, die einen großen wirtschaftlichen Nachteil für ihn bedeuten würde, steht bevor. Vorsitzender: Also für einen Mord finden Sie absolut kein Motiv? Zeuge: Das ein­zige könnte die Rücksicht auf die Steuer sein, aber wenn solche Motive bestanden hätten, hätte man den Mord nach dem Unfall im Jahre 1928 ausführen können. Der alte Graf hatte eine schwere Gehirn­erschütterung. Es genügte, ihm ein Kissen unter dem Kopf sortzuziehen. Auch bei der Jagd hätte man ihn leichter beseitigen können.

Die Prozeßbeteiligten begaben sich, dem Beschluß des Gerichts entsprechend, am späten Abend zum Ortstermin nach Jannowitz. In dem größ­ten Raume des Rentmeisterhauses, dem damaligen Arbeitsraum des Grafen Eberhard, wurde die ganze Unglücksszene noch einmal rekonstruiert. Dabei kamen die Sachverständigen zu br Ergeb­nis, daß die Darstellung des Angeklagten doch richtig sein könnte, daß also tatsächlich beim Repe­tieren mit einer klemmenden Patrone der Unglücksschuß aus Versehen losgegan- gen sein könnte. *

die Zeiten des schlimmsten Riederganges Po­lens. Außenminister Zaleski crw.derte, daß der Vertrag noch nicht veröffentlicht sei und daher auch keiner Kritik unterliegen könne. Er werde sich mit der deutschen Reichsregierung in Verbindung sehen und ho,fe, den Wortlaut des Abkommens in den nächsten Tagen veröffent­lichen zu können. Der Mißirauensantrag des Zentrolow gegen das Kabln.tt Sw tUfti wurde mit 246 gegen 120 Stimmen angenommen, Derfassung5gemaß ist das Keb n tt Sw tal,ki ver­pflichtet. zurückzutreten. Tie Entscheidung über die weitere Entwicklung der Dinge liegt beim Staatspräsidenten bzw. beim Marschall Pilsudski. Rach der Abstimmung entfalt?tcn die Kommunisten eine rote Fahne. Der Regie­

rungsblock verhinderte den Sejmmarschall am We tersprcchen, worauf Das^yn ki d e Sitzung schloß. Das Regierung.lager stimmte im schon halb verdunkelten Saal die Legionärshymne an und brachte ein dreimaliges Hoch auf Marschall Pilsudski aus. Die nächste Sitzung muß schriftlich angekündigt werden.

Oer Friede in derMandschurei

London, 6. Dez.Times" meldet nus Muk- den: Rach einer Rachtsihung faßte der politische Rat einen Beschluß, der den Konflikt mit der Sowjetregierung in der Frage der Chinesischen Ostbahn beendigen dürfte. Litwinows Tele­gramm an Tschanghsüliang wird eine Antwort erhalten, die die Ergebnisse der Besprechungen

von Rikolsk gutheiht. Ferner wird darin &et Sowjetregicrung die Ernennung Tsaiyunschens zum chinesischen Delegierten bei den Verhand­lungen mitgeteilt, bei denen die Einzelheiten der Wiederherstellung des Status quo und der Freilassung der Gefangenen berührt werden sollen. Die Wiederverwendung des vormaligen Leiters und des vormaligen stellvertretenden Leiters der Ostbahn in anderen Stellen war ursprünglich als unannehmbar betrachtet wor­den, aber nach reiflicher Erwägung beschloß der politische Rat, im Sntcreffe des Friedens nadj- zugeben. Der chinesische Vorsitzende des Ost­bahndirektoriums ist z.LÜagetreten, was die Lage vereinfacht, da sein Rücktritt eine der verein­barten Bedingungen war. Die Zentralregierung in R a n k i n g soll das Protokoll über die Ver­einbarung gebilligt haben.

Aus aller Wett.

Mackensens 80. Geburtstag.

Rachdem die Stettiner Garnison dem Genera.feldmarfchall von Mackensen am Donners­tagabend aus Anlaß seines 80. Geburtstages in Faickenwalde, dem Wohnsitz von Mackensen, einen großen Zapfenstreich dargebracht hatte, dem ein Fackelzug des Stahlhelms folgte, fand am Freitag die eigentliche Feier statt. Der Wehrkrei i kommandeur Generalleutnant Schnie- w i n d t brachte in Begleitung seines Stabschefs. Oberst Kaupisch, die G.ückw.insche des Wehrkrei­ses sowie des Chefs der Heeresleitung dar. Die Lehrerschaft und die Schüler des Torgauer Gym­nasiums sandten ihrem einstigen Schüler und Mitschüier eine Gluckwun'chadresse. Eine Abord­nung des früheren Oberkommandos Mackensens überreichte eine kostbare Reiterstatue, die später am Tannenbergdenkmal Aufstellung finden soll. Die Glückwünsche des Stahlhelms überbrachten die beiden Bundesführer Seldte und Düsterberg. Sie überreichten eine Stahlhelmstatue. General von Dommes überbrachte ein Handschreiben des früheren Kaisers mit einem Geschenk. Auch die Offiziersverbände. die durch General v. Cramon vertreten waren, ehrten den früheren Heerführer durch Glückwünsche und Geschenke. Groß war auch die Zahl der privaten Gratulanten; da­neben sind ungemein zahlreiche briefliche Glück­wünsche eingegangen, darunter ein in herzlichster Form gehaltenes Schreiben des Reichspräsi­denten von Hindenburg.

Sein Opfer bei lebenbigem Leibe verbrannt.

Der Abteilungsleiter im Leipziger Kriminal­amt, Regierungsrat v. Kriegern, der in Straß­burg das erste Verhör mit dem dort ver­hafteten Dersicherur.gtschwind.er und Mörder Tetzner durchgefü^rt hat, ist nach ßeip i1 ?u- . geehrt und ha. über das Ergebnis Berich er» (tatet. Sanaa) ist der Beweggrund zu der ~at Tetzners in großer Ro11age seiner Fa­milie zu suchen. lieber die Ausführung der Tat sag e Tetzner, er fei am Abend des 27. Ro- vember auf der Chaussee RegensburgMünchen von einem Wanderer angesprochen worden, der ihn gebeten ha.e, ihn nach Mün­chen mitfahren zu lassen. Tetzner habe ihm die Erlaubnis gegeben, zunächst ohne an d e Tat zu denken. Er sei dann aber zu der Cr enn.- n: geio*" nun der t i*> t i ~ ' nd

> icht wieder ehrendeAugenblick ge- formen u..^ yajc uen _- a g e .. . m

Stehen gebracht und vorgege.en, es sei ein Schaden am Motor eingetreten. Er habe den Wanderburschen veranlaßt, ruhig im Wagen sitzen zu bleiben. Dann habe er aus einer Reserve-Benzinkanne Benzin in und auf den Wagen, insbesondere auf die Tritt­bretter geschüttet, um dem Snsas e i nach ersolg'er Inbrandsetzung jede Möglich leit zur Flucht zu nehmen. Er habe dann das Benzin in Brand gesteckt. Eine Explo­sion sei erfolgt, und er habe gesehen, wie die Flammen von der Kleidung seines Begleiters Besitz ergriffen hätten. Dann sei er davon- gerannt. Darauf habe er sich nach Frank­reich bcgeben, wohin ihm seine Frau nach Er­halt der Versicherungsprämie von 150 000 Mark habe folgen sollen.

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Wettervoraussage.

Durch ben bauernben Vorüberzug von Störungen im Norden nimmt bie Wetterlage keine Beständigceit an. Heute morgen liegt wieder ein Tiefdruckgebiet mit Barometerständen von unter 720 mm über den britischen Inseln. An dessen Rückseite fließen uns etwas kühlere ozeanische Luftmassen zu, die un­freundliches Wetter bringen. Bei wechselnder Bewöl­kung, wobei auch zeitweise Aufheiterung elntritt, treten vereinzelt immer noch leichte Niederschläge auf.

Wettervoraussage für Sonntag: Vielfach wolkig, auch zeitweise aufheiternd, kühler, noch vereinzelle Regenschauer.

Runi