Ausgabe 
7.10.1929
 
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nister der Reichs-- und Staatsregierung und das Diplomatische Korps. Die Witwe und die nächsten weiblichen Angehörigen des verstorbenen Reichsaühenministers folgten im ge­schlossenen Kraftwagen. Es kamen dann die Vertreter des Reichsrats, die Chefs der Heeres­leitung und der Marine unp weitere Abordnun­gen studentischer Korporationen. Hierauf folgte eine große Anzahl Reichstags- und Landtags- abgeordneter, denen sich zwölf Wagen über und über mit Kränzen bedeckt anschlossen. Die Par­teifreunde des Reichsaühenministers beschlossen das überaus eindrucksvolle Trauergefolge.

Langsam fetzte sich der Zug unter den Trauer­klängen der Kapelle in Bewegung. Vom Reichs­tag bis zum Brandenburger Tor bildeten Grup­pen der Deutschen Volkspartei, teilweise mit schwarz-weih-roten Fahnen Spalier. Vom Bran­denburger Tor bis zum Auswärtigen Amt in der Wilhelmstrahe hatte das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold rechts und links der Straße Aufstel­lung genommen. Die angrenzenden Straßen wa­ren von Menschen dicht umsäumt. Das Publikum harrte geduldig und verhielt sich mustergültig. Lediglich in einer Ecke des Brandenburger Tors am Pariser Platz kam es zu einem jedoch kaum bemerkten Störungsversuch.

Dor dem Auswärtigen Amt.

Etwas nach 12 Uhr bog der Trauerzug von der Straße Unter den Linden in die Wilhelm- straße ein. Girlanden und Fahnen überall. Auf dem Palais des Reichspräsidenten grüßte die Präsidentenstandarte auf halbmast. Die Reichswehrposten präsentierten. Am Wil- Helmsplatz hielt die berittene Abteilung der Schutzpolizei. Der Reichspräsident ver­abschiedete sich mit warmen Worten des Dankes an die Botschafter und deren Staats­oberhäupter vom Diplomatischen Korps. Der Sarg hielt zehn Minuten vor 1 Uhr vor dem Fen st er des Arbeitszimmers im Reichsaußenministerium, in dem Stresemann sechs Jahre lang gewirkt hatte. Das Fenster stand weit auf. Schwarzer Flor umgab es, in der Mitte ein Blumenstrauß. Beamte des Auswärtigen Amtes, u. a. Staats­sekretär von Schubert, Ministerialdirektor Koeppke und Ministerialdirektor Zechlin, umstanden den Sarg in einer stillen Gedenkpause, während derer die Glocken der umliegenden Kirchen läu­teten. Wieder wirbelten dann dumpf die Trom­meln. Die Musik setzte ein und der Zug setzt« sich weiter in Richtung Belle-Alliance-Platz in Bewegung, auf dem sich eine besonders zahlreiche Menschenmenge angesamtnelt hatte.

Auf dem Friedhöfe.

Gegen 1.15 Uhr trafen vor dem Louisen- städtischen Friedhof die ersten Kranzwagen ein. Eine Fülle von Blumen wurde in die Kapelle getragen. Gegen 1.45 Uhr kündeten Trauermusik und Trommelwirbel das Rahen des Zuges an. Gleichzeitig setzte Glockengeläut der Kaiser-Fried­rich-Kirche ein. Als der Wagen mit dem Sarg vor dem Tore des Friedhofes hielt, spielte die Kapelle:Was Gott tut, das ist wohl getan." Unter dumpsem Trommelwirbel wurde der Sarg in die Friedhofskapelle getragen. Rur die An­gehörigen des Verstorbenen, seine engeren Mit­arbeiter und ein kleiner Kreis von persönlichen Freunden waren zugelassen. Sn dec Kapelle, wo der Sarg zwischen weihen Lilien und grünem Schmuck aufgebahrt stand, hielt Oberhofprediger Dr. Kehler aus Dresden, der dem Verstor­benen lange Jahre nahegestanden hatte, eine warm empfundene Rede.

Dann bewegte sich der Trauerzug zu der Grab­stätte. Ein breiter Weg führt vom Eingang des Friedhofs leicht bergan zu einem alten Glocken­turm, in dessen Rähe die letzte Ruhe- ft ä t t e des verstorbenen Außenministers liegt. Der Friedhof wird von schönen alten Bäumen beschattet. Rur wenige Meter von dem Grabe der Eltern Stresemanns, das von einem schlich­ten Gedenkstein geschmückt ist, hat man die Gruft gegraben, die nun die sterblichen Ueberreste des Reichsaühenministers aufnimmt. Unter den Klängen vonDeutschland, Deutschland über alles", wie das Dr. Stresemann verfügt hatte, wird der Sarg in das Grab gesenkt.

Der Prediger spricht ein kurzes Gebet. Ein Vertreter der Burschenschaft Reogermania, der Dr. Stresemann angehört, ruft ihm Gedenkworte nach, die Fahnen senken sich, der Vorsitzende Meister der Loge Friedrich der Gröhe grüßt den Toten zum letzten Abschied.

Minister Scholz operiert.

Aussicht auf baldige Genesung.

Berlin, 5. Oft. (WTB.) Der Pressedienst der Deutschen Volkspartei teilt mit: Ein überaus schmerzliches und tragisches Geschick hat es gefügt, daß in diesen Tagen, wo der große Führer der Partei auf der Bahre liegt, sein enger politi­scher Mitarbeiter und Freund, Reichsminister a. D. Dr. Scholz, der erste Vorsitzende der v o l ks p a r t e i l i ch e n R e i ch s t a g s f r a k- tion, operiert werden muß. Um so begreif­licher und verständlicher ist es, daß die heiße Hoffnung der Partei die baldige und völlige Genesung des Erkrankten ist. Diese Hoffnung wird erfreulicherweise durch das (Kommunique der operierenden Aerzte in stärkstem Maße unter­stützt. Das ärztliche (Kommunique lautet: Samstag vormittag ist an Reichsminister a. D. Dr. Scholz eine Darmoperation aus­geführt worden, die gut gelungen ist. Bei der kräftigen Konstitution des Patienten ist mit einer vollen und baldigen Wiederher­stellung zu rechnen, (gez.) Reuperth, v. d. V e l d e n.

Ein Reichsdankhaus in Schneidemühl.

Schneidemühl, 6. Olt. (WB.) Heute nach­mittag fand im vollbesetzten großen Festsaal des vom Reich erbauten und der Grenz- provinz gewidmeten Reichsdank­hauses ein Festakt statt, in dem das Haus in feierlicher Weise seiner Bestimmung übergeben wurde. Oberpräsident v. Bülow erinnerte an die Zeit vor zehn Jahren, als die deutsche Be­völkerung der Ostmark den polnischen Auf­stau d hier zum Stehen gebracht hat und durch ihr zähes Festhalten an Deutschland die Gebiete der heutigen Provinz Grenzmark Posen-West- preuhen dem Deutschen Reich erhalten hat. In dem stolz ragenden Gebäude des Reichs-

Benesch gegen den Anschluß.

Der tschechische Außenminister antwortet auf Fragen deutscher Journalisten.

Prag, 5. Okt. (Privatmeldung.) Minister des Aeußeren Bene sch empfing die in der Tschecho­slowakei als Gäste der Reichsgewerkschaft der sude­tendeutschen Presse weilenden Vertreter des Reichs­verbandes der Deutschen Presse. In einer Ansprache an die Journalisten gedachte er ehrend des verstorbenen Reichsaußenministers Dr. Strese­mann.

Sodann antwortete Dr. Benesch auf verschiedene an ihn gestellte Fragen, lieber seine Stellung zur Minderheitenfrage erklärte Benesch, diese Frage sei mehr delikat als kompliziert. Er sei für eine gerechte Behandlung der Minder- heiten, wie er es schon vor dem Kriege gewesen sei. Er persönlich sei beispielsweise in der Minder­heitenfrage in einer sehr angenehmen Situation, wenn er in Genf neben dem Grafen Apponyi stehe. Die Frage der Minderheiten werde zu sehr gene- ralisiert und zu wenig spezialisiert. Er selbst würde ohne weiteres für die Einrichtung einer Ständigen Kommission sein, wenn diese ihre Aufsicht über die Minderheiten auf alle Staaten ausdehnen würde. Minderheiten aber ent­hielten heute sämtliche europäische Staaten. Den Minderheiten könne international nur ein Mi­nimum, niemals ein Maximum an Rechten ga­rantiert werden. Das Plus müssen die Minder­heiten selbst durch aktive Mitarbeit im Staate er­zielen. Er sei der Ansicht, daß die Minderheiten­frage überhaupt überschätzt werde. Mit der wachsenden Konsolidierung der Staaten werde sie ihre Schärfe verlieren.

Zur Anschlußfrage erklärte Benesch, er sei immer gegen den Anschluß Oesterreichs an Deutschland gewesen und werde es immer sein, und zwar nicht aus Sentimentalität, son­dern aus Gründen der praktischen Rotwendigkeit vom tschechoslowakischen Standpunkt aus. Benesch sagte wörtlich: Ich spreche nicht gern vom An­schluß, weil man in meinen Aeußerungen etwas sehen könnte, was gegen Deutschland oder gegen Oesterreich gerichtet ist. Dies ist aber keineswegs der Fall; die Frage ist nicht aktuell. Ilm nur ein Beispiel zu erwähnen: Die tschechoslowa­kische Ein- und Ausfuhr bewegt sich heute zu

etwa 20 Prozent über, nach und von Oesterreich und zu etwa 40 Prozent durch, nach und von Deutschland. Bei einem Konflikt mit einem der beiden Staaten haben wir den Ausweg über den anderen, nach vollzogenem Anschluß aber wäre die Lage für die Tschechoslowakei, die so zu 60 Prozent ihres Wirtschaftslebens von einem Rachbarstaat abhängig wäre, katastrophal. Ich verstehe, daß man in Deutschland die Frage des Anschlusses vom Gefühlsstandpunkt beurteilt, aber als tschechoslowakischer Außenminister kann ich nicht anders als gegen den Anschluß fein. Urteil im Prager Tuka-Prozeß.

Fünfzehn Jahre schweren Kerkers für den slowakischen Autonornistenführer.

Das Urteil im Tuka-Prozeß liegt jetzt vor: Der Abgeordnete der Slowakischen Volkspartei, Dr. Tuka ist zu 15 Jahren schweren Kerker verurteilt worden. Vorgeworfen wurde ihm, daß er die Absicht gehabt habe, die Slowakei aus dem tschechischen Staatsverband l o s z u l ö s e n. Er hätte zu diesemZweck eine slo­wakische cheimwehr gegründet, Spionage ge­trieben und mit den Ungarn zusammen- gearbeitet. Der Prozeß hat die völlige chalt-- l o s i g k e i t dieser Vorwürfe erbracht. Weder hatte Tuka die Absicht, chochverrat zu begehen, noch hat er zuungunsten des tschechoslowakischen Staates Spionage getrieben. Seine Verurteilung ist aber in der Hauptsache a u f Grund militärischer Geheimgutachten erfolgt. Die Bedeutung die- fes Prozesses liegt darin, daß auch die Tschechen von einer Autonomie der im tschechoslowakischen Staat zusammengefaßten Völker nichts wissen wollen, obwohl den Slowaken nach dem Zu­sammenbruch der Habsburger Monarchie weit­gehende Selbstverwaltung z u g e s i ch e r t worden war. Tuka wollte lediglich mit legalen Mitteln die slowakische Autonomie erkämpfen. Aus diesem Grunde zog er sich den Haß der Tsche- chen zu, die jetzt dafür gesorgt haben, daß einer der mutigsten Führer des slowakischen Volksteiles für 15 Jahre von der Bildfläche verschwindet.

Dankhauses verkörpere sich der Dank des Deut­schen Reiches. Das Reichsdankhaus sei fortan der kulturelle Mittelpunkt für die Provinz Grenzmark Posen-West- p re uh en. Die Grenzmark danke dem Reich für das Geschenk und verbinde damit die Ditte, es nicht dabei bewenden zu lassen, sondern der Grenzmark auch weiterhin seine Hilfe angedeihen zu lassen. Während sich die Festversammlung von den Plätzen erhob, widmete der Oberpräsident sodann dem verstorbenen Reichsauhenminister Dr. Stresemann einen warm empfundenen Rach­ruf.

Eine Wiener Kundgebung gegen das Friedensdikiai.

Wien, 6. Okt. (WB.) Zum 10. Male veranstal­teten heute vormittag unter Teilnahme von etwa 20 000 Personen hie völkischen Vereine Wiens auf dem Heldenplatz eine Kundgebung gegen den Gewaltfrieden von Saint Germain und für den Anschluß Oesterreichs an Deutschland. Eine im Sinne der Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge und für das Selbstbestimmungsrecht gehaltene Entschließung wurde einstimmig angenommen. Sie soll allen in Wien akkreditierten Gesandtschaften übermittelt wer­den. Als Hauptredner gedachte Dr. Riehl zunächst der im Weltkriege Gefallenen und dann des Heim­gangs Dr. Stresemann, wobei er die bis zur letzten Stunde aufopferungsvolle Pflichterfüllung des Reichsaußenministers würdigte. Dr. Riehl erhob hierauf flammenden Protest gegen den Gewaltfrie­den von Saint Germain und richtete bann scharfe Angriffe gegen den tschechoslowakischen Minister des Aeußeren, Benesch, wegen der Rolle, die dieser auf der Friedenskonferenz gespielt habe.

Neue Sttarek-Enihüllungen.

Das Anfchaffungsamt. Die Spittel­kolonnaden.

Berlin, 7. Oft. (Wolff.) Im Zusammen­hang mit dem Sklarek-Skandal werden jetzt in der Oesfentlichkeit Behauptungen aufgestellt, die sich im wesentlichen gegen den jetzigen Pro­kuristen des Anschaffungsamtes Jakob L i e - ber t richten. Diese Beschuldigungen sind außer­ordentlich schwerer Art und sind bereits vor einem Jahr zur Kenntnis der Staatsanwalt­schaft gelangt, die damals das Verfahren ein­stellte. Der Prokurist habe im Laufe der Jahre von den Brüdern Sklarek insgesamt 1 6 6 000 Mark, die er zu hohen Zinsen ver­lieh, erhalten. Angeblich habe auch Direktor Kieburg Zuwendungen erhalten. Kieburg will dagegen unter Eid erklären, daß er niemals irgendwelche Zuwendungen von den Brüdern Sklarek erhalten habe. Weiter wird Kieburg beschuldigt, Bestände des Anschaffungs­amtes den Sklareks zu geschickt zu haben. Die Bestände seien von den Sklareks m i t neuen Etiketten versehen, dem An­schaffungsamt zurückgeschickt worden, das die Lieferung auf das Konto der Brüder Sklarek schrieb. Dieser Vorgang Hube sich wiederholt. Weiter wird bekannt, daß die Brüder Sklarek im Begriff waren, einen Ver­trag mit der Stadt abzuschliehen, der ihnen Ankauf oder Pachtung der Spittel- kolvnnaden gestatten sollte, wo sie ihre neuen Geschäftshäuser errichten wollten, jene Geschäftshäuser, auf die ihnen der Magistrat einen neuen günstigen Ver­trag gewährte. Man erinnert sich, daß alle Proteste gegen den Abbruch der Spittelkolon­naden ungehört verhallten. Jetzt weih man, daß die Spittelkolonnaden fallen sollten, weil der Magistrat den Brüdern Sklarek das Grundstück sichern wollte.

Oer Handel zum Sklarek-Skandal.

Berlin, 7. Okt. (TU.) Der Reichsverband des Deutschen Groß, und Uebersee- Handels hat zum Fall Sklarek folgende Ent­schließung gefaßt:

Vorgänge, wie sie jetzt bei der Stadtverwaltung von Groß-Berlin in dem Fall Sklarek bekannt ge­

worden sind, müssen in einer Bevölkerung, die unter unerhört schweren Bedingun­gen mit großer Mühe Betriebe aufrecht erhält oder den Lebensunterhalt im schweren Kampf sich 3u verschaffen sucht, Entrüstung und Ent­setzen auslösen. Wenn dieselbe Stadt Mono- polverträge abschließt, die der Monopolfirma im normalen Ablauf des Vertrages ganz ab­gesehen von der Betrugsfrage Jahresge- winne im Ausmaße von vielen Mil­lionen ermöglichen, so ist dies völlig un­vereinbar damit, daß ohne Unterlaß jede Senkung der Gewerbesteuer zugunsten der nicht mit einem Monopol begnadeten Firmen als unmöglich bezeichnet wird. Solche Monopoloerträge find grundsätzlich unzulässig und aufs schärfste zu bekämpfen, weil darin e i n schweres Unrecht gegen d i e st euer- zahlenden Bürger des Gemeinwesens liegt."

Tagung des Evangelischen Bundes.

Koblenz, 5. Okt. (WTB.) Der Evange­lische Bund, der in diesen Tagen in Koblenz seine 33. Generalversammlung abhält, hat fol­gende Entschließung angenommen: Nachdem gegen den wohlbegründeten Willen des Evangelischen Bundes bei der Ordnung der Rechtsverhältnisse zwischen der preußischen Staatsregierung und der römischen Kurie eine konkordatsmäßige Form gewählt worden ist, stellt der Evangelische Bund fest, daß hierbei der Evangelischen Kirche das ihr gebührende Recht nicht zuteil gewordenist. Er gibt der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die Verhandlungen zwischen der preußischen Staatsregierung und Der Evangelischen Kirche möglichst bald und unter Wahrung der völligen Parität und Beachtung der W e s e n s v e r s ch i e d e n- heit der beiden Kirchen ihren Abschluß finden, und fordert das evangelische Volk auf, dieser wichtigsten Phase seine schärfste Aufmerk­samkeit zuzuwenden. Der Evangelische Bund tritt nach wir'vor mit allem Rachdruck dafür ein, daß die Evangelische Kirche eine lebendige Kraftim deutschen Volksleben wird. Er lehnt die Bildung einer evangelisch-kon­fessionellen Partei ab, erstrebt aber Die politische Mobilisierung des evangelischen Volks­teiles zur Bildung eines protestantischen Oeffent- lichkeitswillens.

Aus aller Well.

Der Räuber von Charlottenburg verhaftet.

Der Täter, der am Freitagabend Den Dreisten Raubüberfall a u f einen Schläch­ter l a D e n Charlottenburgs ausführte unD bei seiner Flucht in einem gestohlenen Kraftwagen zwei Frauen überfuhr, ist in der ver­gangenen Rächt in dem 16jährigen Walter Schall, der vor kurzem aus einer r - sorgean st altentwichen war, ermittelt und fest genommen worden. Schall ist geständig, behauptet, aber, von einem gewissen Maxe an« gestiftet worden zu sein, Den er auf einem Arbeitsnachweis kennengelernt habe. Dieser Maxe habe Den Lieberfall schon vorher ausgear­beitet. Zusammen hätten sie in der Schillerstrahe ein Auto gestohlen. Unterwegs habe ihn Maxe instruiert. Er selbst wollte draußen mit dem Wagen warten. Schall führte dann den Lleber- fall aus. Rach der Flucht, so erzählt der Ver­haftete, habe er sich im Hof eines Hauses ver­krochen nuD das erbeutete Geld gezählt. Es waren 120 Mk. Wenn mehr fehlen sollte, müsse er es auf Der Flucht verloren haben. Am nächsten Lage traf er sich mit Maxe in einem vorher verabredeten Lokal und übergab ihm das Geld. Tatsächlich scheint Schall von Dem gan­zen Raub nicht einen Pfennig erhalten zu haben. Rach Dem angeblichen Maxe wirb noch gesucht.

Schwerer Sturm an der irischen und englischen Küste.

Die Küsten von Irland und England wurden während des Wochenendes von einem schweren Sturm heimgesucht. In der nordirischen Graf­schaft Throne wurden drei wichtige Drücken von den reißenden Fluten zum Ein-l

stürz gebracht. Der Rorddamm der irischen Eisenbahn stand unter Wasser: der Verkehr dürft« unmöglich fein. In Doumemouth an der eng­lischen Südküste wurden 60 Dadehütten zerstört.

Lebenslängliches Zuchthaus für eine Giftmischerin.

Die 64jährige Wahrsagerin Verena Leh­ner aus Suhr (Kanton Aargau) wurde wegen Ermordung zweier Pensionäre mit Gift und Unterschlagung der Hin­terlassenschaft eines der beiden Pensionäre zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Die Angeklagte beteuerte,.sie sei unschuldig.

Einbruch in die französische Botschaft.

Samstag abend wurde in der französischen Botschaft am Pariser Platz ein schwerer Einbruch entdeckt, bei dem Den Tätern für über 80 000 Mark Schmucksachen in die Hände gefal­len sind. Das Botschaftsgebäude wird zur Zeit renoviert und der Botschafter hat mit einem Teil des Personals das Haus verladen. Im Schlaf­zimmer des Botschafters ist ein Schreib­tisch von Den Verbrechern geöffnet worden. Es wurden gestohlen: eine aus 60 Perlen bestehende Kette mit weißem Drillantschloh im Werte von 40 000 Mark. Weiter fehlen ein großer^ weißer Diamant, Der in einem Ringe gefaßt ist, drei weitere Ringe und mehrere K r a t> a 11 e n* naDeln. In Dem unter Dem Schlafzimmer lie­genden Raume im Erdgeschoß ist der Dieb eben­falls gewesen. Dort hat er eine Kiste mit Gold fachen von Altertumswert geöffnet, aber von Den Sachen nichts mitgenommen. Wie sich Der Dieb in das Gebäude eingeschlichen hat, weih man noch nicht. Auch Der Tag und die Zeit des Diebstahls stehen noch nicht einwandfrei fest.

Der Tod des falschen Marquis.

Paris Midi" sprach Die Vermutung aus, Daß Die Affäre des Pseudomarquis De Champaubert von diesem selbst mit Hilfe einiger Kom­plizen DenRittern Der Themis" in­szeniert worden ist, um den Memoiren, die er schreiben wollte, mehr Publizität zu ver- fchaffen. Infolge mangelnder Kenntnis Der che­misch-physikalischen Vorgänge habe man nur e i n Luftzufuhrrohr in den Sarg eingeführt, so daß der Tod durch Ersticken eintreten muhte. Das Ergebnis Der polizeilichen Rachforschungen hat zur Verhaftung einer vorbestraften Per­sönlichkeit namens Doul o bn e geführt, Der Der Hauptbeteiligte Bei Der DeerDi- gung gewesen sein soll. Doulobne hat bei seiner Vernehmung g e ft a n D e n. Den Pseudo- marquis De Champaubert mit Dessen Ein­willig ung lebenDig begraben zu haben. Die ganze Angelegenheit hat sich Damit als ein großangeleg ter Reklame- schwinDel mit tragischem Ausgang herausgestellt.

Vrandkakastrophe in einer ungarischen Gemeinde.

In Der Gemeinde Szentpeterfa im Ko- mitat Cisenburg (dicht an Der burgenlänDischen Grenze) geriet eine Scheune in Brand. Bei Dem herrschenden Winde griff das Feuer sehr rasch um sich. Bis Mitternacht wurden 8 0 Wohnhäuser und Rebengebäude ein­geäschert. Zwei Kinder und eine ältere Frau fanden in den Flammen Den Tod. Zur Bekämpfung Des BranDes ist aus öteinamanger eine Kompagnie Militär und Die Feuerwehr Der StaDt ausgerückt. An Den Lösch­arbeiten, Die Durch Den Wassermangel sehr er­schwert toerDen, nehmen auch Die Feuerwehren aus zwanzig ©emeinDen teil, ilm Mitternacht war es noch« nicht gelungen, Des Feuers Herr zu werden.

Die Wetterlage.

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* Schnee graupeln. t-NeBel K Gewitter,(g) Windstille.O-«sehe leichte« Osi ^5 massige« Südsüdwest q stürmische« «ordwesl Ole Bleue fliegen mit dem winde Die Beiden Stationen stenenoen Zah­len gehen die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mH gleichet^ eu» Meeresniveau umoerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Der Südseiteneinfluß der gestern über den Bri­tischen Inseln gelegenen Störung nimmt durch die mehr nordöstliche Verlagerung ab. Mit dem anstei­genden Luftdruck hat bereits eine Durchbrechung der Wolkendecke eingesetzt und vielfach aufheiterndes Wetter zur Folge gehabt. Wenn auch durch di« maritime Luftzufuhr noch Bewölkung auftritt, so ist zunächst mit Niederschlägen kaum zu rechnen. Die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht werden sich zunächst verschärfen, da vielfach nächt­liches Aufklaren eintritt.

Wettervoraussage für Dienstag: Zeitweise etwas bewölkt, sonst vielfach aufheiternd, zwischen Tag und Nacht stärkere Temperaturgegen­sätze, vorwiegend trocken.

Wettervoraussage für Mittwoch: Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 6. Oktober: mittags 17,4 Grad Celsius, abends 13,2 Grad: am 7. Oktober: morgens 10 Grad. Maximum 17,6 Grad, Minimum 0,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Oktober: abends 14,4 Grad: am 7. Oktober: morgens 11,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer % Stunde.