Ausgabe 
7.9.1929
 
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entscheidet vielmehr die überwiegend aus Neu­tralen bestehende Kommission mit absoluter Mehrheit und nach freiem Ermessen im Nahmen der der Kommission gestellten Aufgabe, einen gütlichen Vergleich herbeizuführen. Das Abkommen vom 30. August 1929 begründet daher in keiner Hinsicht eine Dauerkon­trolle der entmilitarisierten Zone. Es hat vielmehr diese von Frankreich begehrte Kontrolle für immer zu Fall gebracht.

Oie Nheinlandkommission verläßt Koblenz.

Uebersiedlung nach Wiesbaden?

London, 7. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der Sonderkorrespondent desDaily Telegraph" in Koblenz schreibt: Die Vorbereitungen für die A b - reise der Rheinlandkommission sind bereits kn Gange. Obschon die zweite Zone recht­lich bis Mitte Dezember als besetzt angesehen wird, rechnen die Franzosen damit, daß sie die Räu­mung bereits Mitte November durch­geführt haben werden. Die Rheinlandkommis­sion wird wahrscheinlich späte st en^ am 1.No­vember abreisen und zwar wird jast sicher ihr Bestimmungsort Wiesbaden sein. Die Zahl der Mitglieder wird sehr herabgesetzt wer­den, bevor die Verlegung beginnt, und zwar wer­den die französischen Stäbe um 60 Prozent, die britischen und die belgischen Stäbe um etwa 95 Prozent vermindert. Der britische und der belgische Oberkommissar verbleiben allerdings so gut wie allein in der Kommission, solange sie fortbesteht. Das stellt einen Akt der Höflichkeit gegenüber Frankreich dar. Der britische Oberkommissar bleibt vollkommen ohne Ratgeber zurück.

Reichsbahn und Reichsbank unter dem Wung-plan.

Berlin,?. Sept. (.Priv.-Tel.) Was die Frage der neuen Gesetzesbestimmungen für die Reichs­bahn und die Reichsbank betrifft, die sich aus den neuen Reparationsregelungen des Boung-Pians ergeben, und nach denen beide Institute wieder unter die uneinge­schränkte deutsche Souveränität sol­len, so muß selbstverständlich, wie man uns rnit- teilt, abgewartet werden, welche Bestim­mungen im einzelnen über die Wieder­herstellung der deutschen Souveränität von seilen der Organisationskomitees, die jetzt im Haag tagen, und in denen ja auch Deutsch­land mitwirkt, getroffen werden. Erst dann wer­den die diesbezüglichen Gesetzesverordnungen in den zuständigen Reichsministerien ausgearbeilet werden. Es ist anzunehmen, daß auch diese Ver­ordnungen rechtzeitig ferliggestellt werden kön­nen, so daß sie zu gleicher Zeit mit dem V o u n g - P l a n im Reichstag behandelt und verabschiedet werden dürften. Im Zusam­menhang mit diesen neuen Gesetzesverordnungen wird dann auch die Frage der Tariferhö­hung der Reichsbahn, die bis dahin zu- rückgestellt worden ist, erledigt werden können, da dann endgültig über das Schicksal der De- förderungssteuer entschieden worden ist.

Die Reform der Arbeitslosenversicherung. Die Warnung der Neichsanstalt vor weiterer Verschleppung.

Berlin, 7. Sept. (Priv.-Tel.) Die Erklärung des Präsidenten Syrup der Reichsanstalt für Arbeits­losenversicherung, mit der der Versuch gemacht wird, die Reform der Versicherung zu beschleunigen, hat in den politischen Kreisen allgemein großes Auf­sehen erregt. Es wird jetzt sogar von der Möglich­keit einer früheren Einberufung des Reichstages, der nach den ursprüng­lichen Dispositionen etwa Mitte Oktober zusammen­treten soll, gesprochen. Man nennt Ende September, aber nach Lage der Dinge erscheint es sehr zweifel­haft, daß dieser Plan irgendwelche Aussicht auf Er­folg haben sollte. Dagegen dürfte seststehen, daß die Regierung nach dem Mißerfolg der Donnerstag­sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses zunächst einmal nicht, wie von verschiedener Seite gewünscht wird, ihrerseits die Initiative ergreift, sondern das Ergebnis der Reichsratsoerhandlun­gen am kommenden Dienstag abwartet.

Die ganze Situation erfährt noch eine Erschwe­rung durch den Ablauf der Sonderrege­lung für Saisonarbeiter am 30. Septem­ber. In politischen Kreisen nahm man allgemein an, daß eine provisorische Verlängerung über die­sen Termin hinaus ohne Zustimmung Der Volks­vertretung für einen kurzen Zeitraum möglich fein wird. Die zuständigen beteiligten Stellen sind aber der Ansicht, daß eine solche Verlängerung nur mit der Zustimmung des Reichstags- Plenums möglich ist. Wenn also bis zu diesem Termin die Reform nicht angenommen ist, so müßte sich die Neichsanstalt nach dem 30. Septem­ber auf den alten Zustand umstellen, um dann, hoffentlich nach kurzer Zeit, die reformierten Sätze einzuführen. Was das für eine derartig umfassende Organisation bedeutet, kann man sich gut vorstellen. Die augenblickliche Situation ist wahrlich verwirrt genug.

Aus aller Welt.

Raubüberfall im V-Zug.

Der Reisende Hermann Könitzer, der Gene­ralvertreter einer Leipziger Firma, wurde im V-Zug Köln Aachen zwischen Buir und Düren überfallen. Ein junger Mann bedrohte ihn kurz vor der Station Buir im Ab­teil zweiter Klasse mit dem Revolver und suchte von ihm Geld zu erhalten. Da der Reisende hef­tigen Widerstand leistete, wurde die Absicht des Verbrechers vereitelt. Er sprang aus dem frnhrenden Zuge und entwich in den nahen Wald. Die Verfolgung des Täters wurde vom Reichsbahnüberwachungsdienst mit fünf Po­lizeihunden sofort ausgenommen, und von der Gendarmerie und Ortspolizei unterstützt. Die ganze Rächt hindurch wurde der angrenzende Wald durchsucht, bisher aber ohne Ergebnis.

Derhaftung

des Mörders des Berliner Rechnungsrats Vendl.

Der Mörder des am 11. August bei einer Bergpartie im Arlberggebiet ermor­deten Berliner Rechnungsrats Karl Vendt hatte am Tatort einen Stock zurückgelassen mit einem Grisf von einem Damenschirm. Einige Zeitungen brachten ein Bild dieses Stockes. Bald meldeten sich bei der Polizei mehrere Leute, die Angaben, diesen Stock im Besitze eines ge­wissen Alfred Proeller gesehen zu haben. Die weiteren Nachforschungen ergaben, daß

Proeller am 24. Juni von dem bayerischen Amtsgericht in Traunstein wegen Paßvergehens und Bettelei zu einer Geldstrafe verurteilt wor­den war. Bei dieser Gelegenheit waren ihm Fingerabdrücke abgenommen worden. Diese wurden an alle Polizeistationen weiterge­geben. Run tras bei der Landespolizeistelle in Innsbruck die Rachricht ein, daß ein Mann na­mens Proeller, dessen Fingerabdrücke mit den in Traunstein abgenommenen übereinstimmen, i n Laibach angehalten wurde. Er ist ein 20jähriger Schneidergehilfe und Deserteur aus Saaz (Tschechoslowakei). Seit einigen Monaten trieb er sich in Deutschland und Oesterreich stellenlos umher und war nach der Mordtat nach Iugoslawien geflüchtet. In Lai­bach verlangte er von dem tschechoslowakischen Konsul die Ausstellung eines Auslandspasses. Er erschien dem Konsul verdächtig, so daß die­

ser seine Festnahme veranlaßte. Dabei stellte sich heraus, daß Proeller der steckbrieflich ver­folgte Mörder ist. Er stellt die Tat Wohl in Ab­rede, doch gilt er als überführt. Seine Auslieferung wird beantragt.

Eine Lokomobile in die Luft geflogen.

Beim Dreschen mit einer Dampflokomobile er­eignete sich aus dem Gut Tiefensee (Kreis Ober­barnim) ein schweres Explosionsunglück. Da die Maschine unter zu hohem Druck stand, goß der Maschinist in seiner Angst Wasser in die Feuerbuchse, woraus eine gewaltige Explosion erfolgte, die die ganze Dorder- und Hinterwand der Lokomobile herausritz und die Maschine etwa 20 Meter weit gegen einen Baum schleuderte. Don den umstehen­den Personen wurden drei äußer st schwer und drei leichter verletzt.

und dem Sachverständigen der Chemotechnischen Reichsanstalt stattfand, wurden zusammenfassenü die Beschaffenheit der verschiedenen Bomben und ihre Herstellung besprochen. Während es zwei­felsfrei feststeht, daß alle bisher bei den Atten­taten verwandten Bomben aus genau den gleichen Materialen bestehen, hat die genaue Prüfung ergeben, datz mit der Zu­sammensetzung der einzelnen Teile offenbar zwei Werkstätten beschäftigt sind. In der einen wurden die Bomben von Oldenburg und dem Berliner Reichstagsatten- t a t zusammengestellt, in der anderen die Sprengkörper, die bei den früheren Attentaten in Lüneburg, in Schleswig und inHol- st e i n verwandt worden sind. Die Bombe, die in der letzten Rächt in Lüneburg xur Explosion gebracht worden ist, gleicht, wie Die erste Ain* tersuchung ergeben hat, vollständig der in Ber­lin verwandten. Alm den Fabri kanten der

Die Verhaftung der litauischen Emigranten

Jas neue Vombeuaitentat in Lüneburg

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nach Litauen nach Verbüßung der Strafe, wo er wahrscheinlich die schwerste Bestrafung zu erwarten hätte, nicht in Frage. Immerhin bedeutet die Ver­haftung von Pletfchkaitis-für Woldemaras in seinen I Genfer Verhandlungen eine ganz besondere Stär- | kung seiner Position.

pletfchkaitis als Erzieher.

Eigentlich eine merkwürdige Geschichte: da haben deutsche Landjäger an der litauisch-deut­schen Grenze den früheren litauischen Abgeord­neten P l e t s ch k a i t i s mit fünf Gesinnungs­genossen aufgegrissen und bei ihm neben starker Bewaffnung Bomben und Handgrana- t e n gefunden. Ganz zweifellos, daß diese Gruppe entweder nach Litauen selbst vorstohen oder auf deutschem Gebiet ein Attentat ge­gen Woldemaras auf dessen Reise nach Genf vorbereiten wollte. Wie es zu der Ver­haftung gekommen ist, was die Gefangenen selbst aussagen, weiß man noch nicht. Die Alnter- suchung wird offenbar streng geheim geführt. Immerhin, cs ist gut, datz der Fang geglückt ist. Wir brauchen uns ja nur vorzustellen, was ge­schehen wäre, wenn das Attentat zur Ausfüh­rung kam, die ganze Wut der Litauer hätte sich gegen uns gerichtet. Wir wären wieder einmal die Prügelknaben für andere gewesen.

Pletfchkaitis, der schon vor zwei Jahren in Tauroggen einen Handstreich gegen die Dik­tatur Woldemaras versuchte, lebt seitdem in Polen, er hat in Wilna eine Sammelstelle der unzufriedenen Litauer eingerichtet und ist, un­terstützt von polnischem Gelds, der Führer der unzufriedenen Litauer. Die Polen haben aber verhindert, datz er die naheliegende polnisch-litauische Grenze überschritt, um ihr Alibi nachweisen zu können. Sie haben ihn lieber den Almweg über Deutschland wählen lassen, damit nachher der Skandal ge­gen uns losging. Dabei haben selbstverständlich die Polen ganz genau gewuht, was gespielt wurde. Derartige Alnternehmungen kosten im­merhin einiges Geld, und es wäre auch nicht uninteressant zu erfahren, wo die Waffen her- stammen, was sich zum mindesten doch bei den Bomben mühte nachweisen lassen.

Herr Woldemaras aber hat wieder ein­mal erkannt, daß er auf einem Pulver- f a tz sitzt. Er hat wohl kaum die Rerven seines Kollegen Mussolini, der Attentate für unver­meidliche Betriebsunfälle hält. Aber gerade des­halb ist er vielleicht klug genug, die Lehre dar­aus zu ziehen, daß er mit seinem System auf die Lauer sich selbst in die Luft sprengt. Pletsch- kaitis ist von Hause aus Scz'aldemokrat, und es gehört schon viel dazu, bis man aus dieser Einstellung heraus zum Dombenschmeitzer wird. Seine Partei hat ihn natürlich schleunigst ab- gehalftert, z:mal als er durch das polnische Geld etwas anrüchig wurde. Aber er ist und bleibt doch der gefährlichste Gegner von

Deutschland verlangen, obgleich zwi- Litauen und Deutschland eine Konvention ____ die Auslieferung politischer Verbrecher nicht besteht. Hier wird jedoch daraus hingewiesen, daß es sich bei Pletfchkaitis um einen kriminellen, aber nicht um einen politischen Verbrecher handelt. Nach Erkundigungen an Berliner zuständiger Stelle ist jedoch mit einem litauischen Auslieferungsantrag nicht zu rechnen. Pletschkaitis würde nach Ver­büßung seiner Strafe, die er wegen verbotenen Waffenbesitzes, unzulässiger Grenzüberschreitung und vielleicht auch wegen Vorbereitungen zu einem (Sprengftoffattentat zu gewärtigen bat, über eine Grenze abgeschoben werden, die sich ihm öffnet, und man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß Polen in dieser Richtung besonders großzügig sein wird. Da er Emigrant ist, kommt eine Abschiebung

Woldemaras, gerade weil er ein Fanatiker ist. Er wird, was ihm diesmal mißglückt ist, sicher wiederholen, dann möglicherweise mit besserem Erfolg, wenn nicht vorher Woldemaras seinen Kurs ändert, der ja auch durch die Brutalisie­rung der deutschen Minderheiten klippenreich genug ist.

VerlangtLitauen Auslieferung der Emigranten?

Memel, 6. Sept. (WB.) Die Meldung über die Verhaftung Pletschkaitis und seiner 5 Komplicen in Eydtkuhnen hat in Kowno großes Auf­sehen erregt. Die Nachricht kam so unerwartet, daß man selbst im Außenministerium sehr über­rascht war. Der Verhaftung wird insofern große Bedeutung beigemessen, als man bei den 6 Per­sonen zahlreiche Gewehre und Sprengstoffe ge­funden hat. Auch in hiesigen maßgebenden politi­schen Kreisen wird die Ansicht vertreten, daß Pletschkaitis gegen Woldemaras bei seiner Rückkehr aus Genf ein Attentat ausfüh­ren wollte, lieber die Derhaftung Pletfchkaitis

wurde Woldemaras in Genf von Kowno aus in­formiert. Im Außenministerium werden über diese Angelegenheit Anweisungen von Woldemaras er­wartet. Welche Schritte die litauische Regierung in dieser Angelegenheit bei der deutschen Regie­unternehmen wird, ist noch nicht bekannt, aber verlautet, wird die litauische Regie- die Auslieferung Pletschkaitis

Lüneburg, 6. Sept. (WB.) Der Bombenan­schlag auf das hiesige Regierungsgebäude ist i n g e - n a u der gleichen Weise inszeniert wor­den wie seinerzeit der Anschlag auf das Haus des Rechtsanwalts Strauß. Durch die Explosion sind, wie jetzt festgeskellt wurde, zahlreiche Wasser- l e i t u n g s r o h r e im Regierungsgebäude beschä­digt worden, so daß mehrere Räume über­schwemmt wurden. Auch der Regierungspräsi­dent und der Polizeidezernent von Lüneburg hatten sich bald nach dem Anschlag am Tatort eingefunden. Bis zur Stunde haben sich Anhaltspunkte, die zur Ermittlung der Täter sühren könnten, nicht ergeben.

Die Erregung über den Sprengstofsanschlag ist hier besonders groß, da man kaum vermuten durste, daß ein neuer Anschlag gerade in Lüneburg ausgesührt werden würde. An der Explosionsstelle wurden unter zahlreichen Trümmern und Gesteinsbrocken einige Rädchen gefunden, die zweifellos aus der zur Tat benutzen Höllenmaschine stammen. Es muß als ein Glück bezeichnet werden, daß der Kel­ler, in dem die Bombe explodierte, m i t Koks an gefüllt war, der als Luftfilter wirkte und einen großen Teil der Sprengwirkung aufnahm. Die Vorderwand des Rcgierungsgebändes ist stark beschädigt. Das ganze Mauerwerk weist Risse und Sprünge auf. Die pfeilerartige Seilenwand zum Torweg hat ebenfalls von unken bis oben einen durchgehenden feinen Riß. Das Kellergewölbe ist vollkommen zerstört. Der Schaden war erst ] im einzelnen zu übersehen, nachdem der Akten- , Haufen sorlgeräumt war. Ein großer Teil dieser , Akten ist vollkommen zerrissen und so durcheinander geworfen, daß mehrere Beamte viele Monate zu tun haben werden, um auch nur einiger- , maßen wieder Ordnung zu schassen. Es handelt sich in der Hauptsache um Eintragungen in das Wasserbuch und um teilweise sehr wertvolle alle Akten und Zeichnungen, die über die wasser- rechtlichen Verhältnisse des Bezirks urkundliche Be­deutung haben.

Regierungspräsident Dr. Herbst erklärte in einer Unlerebung mit Vertretern der Presse, daß der Anschlag nur in einer Reihe mit den übrigen beurteilt werden könne. Die Explosion sei so heftig gewesen, daß man den Stoß durch das ganze Haus verspürte. Es scheint nicht aus­geschlossen, daß der Anschlag diesmal gegen den der S. P. D. angehörendenRegierungs- prasidenten selbst gerichtet war. Die Täter haben offenbar gewußt, daß Dr. Herbst gewöhnlich sich lange in feinem Arbeitszimmer aufzuhalten

pflegt. Er hatte sich am Donnerstag ausnahms­weise um 23 Uhr zur Ruhe begeben und wurde dann durch den scharfen Knall, dem ein durch­dringender gasähnlicher Geruch folgte, aufgeschreckt, ihn 8 Uhr abends soll der Hund an den am meisten von der Explosion beschädigten Fenstern angeschlagen haben. Rach den Angaben des Lüneburger Polizeidirektors Richter hat, obwohl die Polizeidirektton dem Tatort gegenüberliegt, keine der Polizeistreifen etwas Auf­fälliges bemerkt. Das Regierungsgebäude fei durch die Straßenbeleuchtung felbst hell be­leuchtet gewesen. Um Mittemacht will man einen verdächtigen beobachtet haben. Auch von einem Auto, das mit abgeblenbefen Lichtern ge­fahren fei, ist die Rede. Feste Anhaltspunkte hak man indessen noch nicht gefunden. Die in Lüneburg verwendete Höllenmaschine scheint aus der gleichen Werkstatt wie die bisher aufgefundenen zu flammen, fo daß die Vermutung geäußert wird, es müsse ein einheitlicher Fabrika­tion sbe trieb für Bomben bestehen.

GinveMssi erMiorradfahm

Berlin, 6. Sept. (WB.) Der Anschlag auf das Regierungsgebäude in Lüneburg ist allem Anschein nach von den gleichen Personen began­gen worden, denen die früheren Atlmtate zur , Last zu legen sind. Die bisherigen Feststellungen i lenkten den verdacht auf einen Motorrad- ! fahrer, der sich in der Atlentalsnacht (vom 5. zum 6. September) um clroa 3.15 Uhr bei Artlenburg hat über die Elbe setzen lassen, um nach feinen Angaben die Fahrt nach Soltau und Berlin forl- zufehen. Der Fahrer benutzte ein Motorrad mit Soziussitz, Marke Zündapp, mit dem Erkennungszeichen IS. Von der fünf­stelligen Zahl feiner Hummer sollen die ersten Ziffern 1 7 fein. Die Wahrnehmungen find deshalb beachtenswert, weil auch bei dem ersten Lüne­burger Sprengaltentat am 1. August 1929 ein Mo­torradfahrer in verdacht geraten war. Mitteilungen nehmen die Kriminalkommi'sare Dr. Braschwitz und Mühlfriedel, Polizeipräsidium Berlin, Zimmer 293, entgegen.

Zwei Bombenwerkstätten.

Verwendung des genau gleichen Materials.

Berlin, 6. Sept. (Priv.-Tel.) In einer Kon­ferenz, die am Donnerstagnuchmittaa zwischen den Kommissaren der Berliner Politischen Polizei

Al h r zu ermitteln, die in der Bombe eingebaut ist, wird das Fachorgan des Alhrmacherverban- des einen Ausruf erlassen. Wie das ^Acht-Alhr- Abendblatt" meldet, hat bereits ein Berliner Alhrmacher die Mitteilung gemacht, daß zu ihm vor einigen Wochen zwei gut gekleidete, jüngere Männer kamen und mehrere Weckeruhren kaufen wollten, die jedoch ganz genau gleich und aufeinander abgestimmt sein sollten.

DerFranksirrterSeMezichtiger geisteskrank?

Berlin, 7. Sept. (Priv.-Tel.) Nach demDerl. Tageblatt" machen sich gegen den Kaufmann Josef H e 11, dek sich der Frankfurter Staatsanwaltschaft gestellt und angegeben hatte, das Bombenattentat auf das Reichstagsgebäude ausgeführt zu haben, im Verlaufe der Vernehmung wie ja schon von vorn­herein anzunehmen war, i mmer stärkere Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit und an seinem Geisteszustand bemerkbar. Hett war bereits einmal in einer Irren­an st a l t. Das preußische Ministerium des Innern hat das Frankfurter Gericht telegraphisch ersucht, Hett sofort na ch Berlin zu verbringen. Hett be­hauptete bei feiner Vernehmung, daß er sich zu dem Attentat verleiten ließ, weil ihm eine große Summe von mehreren hunderttausend Mark versprochen worden sei. Mit den Atten­taten in Norddeutschland habe er nichts zu tun.

Berliner Börse.

Berlin, 7. Sept. (WTB. Funkspruch.) Rach- dem die Tendenz an der gestrigen Frankfurter Abendbörse gut behauptet war, blieb auch im heutigen Vormittagsverkehr das Kursniveau ziemlich unverändert. An der lustlosen Stimmung der letzten Tage änderte sich vorläufig nichts, doch rechnet man mit etwas Teckungsbedürsnis der Spekulation zum Wochenschlutz, zumal auch in Reuhork geftern bei leichteren Geldsähen die Kurse Erholungen erfahren konnten. Am De­visenmarkt nannte man London gegen Paris 123,87, London gegen Mailand 92,71, London gegen Spanien 32,9075, London gegen Amster­dam 12,0975 London gegen Schweiz 25,1750, London gegen Kabel 4,8474, London gegen Berlin 20,3640, Kabel gegen Berlin 4,2010, Tokio gegen Kabel 46,90 und 47,00. Kurse: Vereinigte Stahl 118 (Geld), Siemens 388,5 bis 389, Farben 121,5 bis 122, Vereinigte Glanzstoff 338.

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Der Kaltlufteinbruch an der Rückseite der Bal­tikumstörung verursachte in ganz Deutschland einen Tempcraturrückgang. In unserem Bezirk la­gen die Temperaturen heute morgen ,3 bis 5 Grad tiefer als vor 24 Stunden. Auch verursachte er verbreitete Niederschläge, die jedoch in M ttel- und Süddeutfchland bedeutungslos waren. Der hohe Druck über den britischen Inseln hat sich bereits nach dem Festlande ausgebreitet. Unter seinen Ein­fluß setzt wieder aufheiterndes Wetter ein und die Neigung zu Niederschlägen geht dem Ende zu. Die Temperaturen ändern ihre Werte zunächst wenig, zeigen aber alsbald wieder steigende Tendenz.

Wettervoraussage f ü r (5 o n n t a g: Wol- kig mit Aufheiterung, Temperaturen wenig ver­ändert, jedoch tagsüber wieder etwas wärmer, trocken.

Witterungsaussichten für Montag: Fortdauer des trockenen und aufheiternden Wetters.

Lufttemperaturen am 6. September: mittags 24,6 Grad Celsius, abends 17,2 Grad: am 7. September: morgens 11,8 Grad. Maximum 26,9 Grad, Minimum 9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. September: abends 21,6 Grad: am 7. September: morgens 16,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 2% Stunden.