Ausgabe 
7.8.1929
 
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Oberhessen.

Kreis Friedberg.

Reichelsheim. 6. Qlug. Der Gesang­vereinLiederkranz" trifft zur Zeit die ersten Vorbereitungen zu feinem im 3uni 1930 stattfindenden Geburtstagsfeste, wobei die Ein­weihung einer neuen Vereinsfahne erfolgen wird. Damit verbunden ist das Dundessest und Wer­tungssingen des Wetterau-Sängerbundes.

Kreis Büdingen.

j. Ober-Mockstadt, 6. Aug. Seit einigen Tagen hat unsere Kirche zur Freude aller Ortsbewohner eine neue H ß r mit Zifferblatt erhalten. Die alte Uhr hatte kein Zifferblatt und stand schon zwei Jahre still. Sie stammte aus dem Schloß zu Büdingen. Die neue Uhr hat Herr O ch s e n h i r t von Reichelsheim zum Preise von 880 Mk. geliefert. Hoffentlich wird auch bald das Schlagwerk an der Uhr angebracht.

j. Ranstadt, 6. Äug. Dieser Tage besuchte ein ehemaliger französischer Kriegs­gefangener mit Frau und Bruder seinen hiesigen Arbeitgeber. Er ist Landwirt und hat seinerzeit die landwirtschaftlichen Arbeiten der Familie zur vollen Zufriedenheit geführt. Er wollte seiner Frau die Familie zeigen, wo er so gut aufgehoben war. Er hat es sehr bedauert, daß er schon am andern Tage wieder abreisen muhte, da ihm durch eine Depesche der Tod seiner Schwester milgeteilt wurde. Aber nächstes Jahr will er wiederkommen, auch seine Kinder mitbringen und so die angebahnte Freundschaft Lieiterführen.

Stockheim. 6. Aug. Die Maschinendresche- reien unseres Kreises haben sich zu einer Kreis- D r e s ch g i l d e vereinigt und ihre erste Mit­gliederversammlung Hierselbst abgehalten. Die neue Organisation ist an die neue Reichs-Dresch­gilde e. V. angegliedert und bezweckt eine In­teressengemeinschaft zum Schutz des Dresch-Gewer­bes und seiner Rebenberufe. In Ermangelung einer eigenen Berufsvertretung des öffentlichen Rechts kann diese Organisation für das Dresch» ?ewerbe nicht nur die Lösung von Standesfragen etreiben, sondern auch den Verkehr mit den Behörden einheitlich gestalten und läßt den Wil­len des Berufsstandes zur Selbsthilfe und Selbst­verwaltung im Rahmen der Gesetzgebung er­kennen. Die Tatsache, daß jede maschinelle Dre­scherei mit erhöhter Unfallgefahr verbunden ist, wird durch die Unfall-Statistik erwiesen. Häufig ist Sachunkenntnis und mangelhafte Berufsaus­bildung von Reulingen die Ursache zu schweren Unfällen. Mit Recht fordert die Kreis-Dresch- gilde beste berufliche Ausbildung für chre Mit­glieder und verlangt den Befähigungsnachweis der Reulinge für die Leitung einer maschinellen Drescherei, sowohl für Lohn-Drescher als auch für Genossenschafts-Drescherei. Die Gesamtorgani­sation hat diese Forderung zu vertreten, und es soll versucht werden, eine diesbezügliche Bestim­mung in das neu entstehende Terufsausbildungs- geseh einzubringen- Die Berufsangehörigen ver­sprechen sich von dieser Maßnahme die beste Ge­währ für Unfall-Verminderung und die Ver­ringerung der sozialen Lasten für die Allgemein­heit, aber auch einen einwandfreien Ausdrusch und die bessere Herstellung von marktfähigem Getreide. Ferner wurde ßie polizeiliche Ein­schränkung des Verkehrs mit Straßen-Lokomo- liven (Selbstfahrer) für den Transport von Dreschmaschinen besprochen, und es kam hierbei zum Ausdruck, daß die Verwendung von elek­trischer Kraft wohl geeignet sei, den Verkehr mit St-rahen-Lokomotiven zu vermindern, wenn der Preis für Kraftstrom zum Dreschen unter 15 Pf. für die Kilowattstunde herabgemindert werden könne. Zur Zeit betrage der Strompreis 20 bis 25 Pf. für die Kilowattstunde, und danach stellen sich Die Unkosten für Antriebskraft auf 2 bis 3 Mk. für die Arbeitsstunde. Der diesjährige Richtpreis für maschinelle Drescharbeit ist auf Grund sorgfältiger Selbstkosten-Berechnung durch M IW MW M MM.

Vornan von Edgar Wallace.

47. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Dr. Iudd war von seinem Stuhl herunter­geglitten und saß mit gekreuzten Beinen auf dem riesigen Bärenfell vor dem Kamin. Seine Hände waren gefaltet, und mit großen Augen blickte er andächtig auf seinen Bruder. Und hier drängte sich dem jungen Mädchen eine andere merkwürdige Beobachtung auf. Diese Zeilen, die David so wunderbar erschienen, begeisterten in gleicher Weise den anderen, und wenn er ge­legentlich selbstbewußt, wie um den ihm gebühren­den Beifall einzuheimsen, eine Pause machte, war es immer der Doktor, der diesem Wunsche tzuvorkam.

Wunderbar, ganz wunderbar! Ist er nicht ein Genie, Miß Stuart?" fragte Stephan.

Sie blickte schnell zu David hinüber, glaubte ihn verlegen unter diesen Lobsprüchen zu sehen, aber er saß kerzengerade auf seinem Stuhl, ein selbstzufriedenes Lächeln auf seinen breiten Zü­gen und den Ausdruck herablassenden Wohl- wollens in seinen Augen. Und beide hatten die Absicht, zu morden! So manche Leute waren schon in diesem fürchterlichen Hause ermordet worden, dachte Diana in verständnisloser Ver­wunderung. Hatten sie immer hiergesessen während ihre Opfer den letzten verzweifelten Kampf in jenem entsetzlichen Verließ auskämpften, der eine vorlesend, und der andere jenen ab­gedroschenen Phrasen lauschend, jenen uralten Situationen, die beide für das Werk eines Ueber- genies hielten?

Das ist noch nicht einmal meine beste Arbeit," sagte David, als ob er in ihren Gedanken ge­lesen hätte.Cs gefällt Ihnen natürlich?"

Sehr," antwortete das junge Mädchen leise. Ditte, lesen Sie doch weiter."

Sie hoffte, sie könnte sie auf diese Weise die ganze Rocht hindurch beschäftigt halten. Sicher­lich würde die Polizei nach Larry suchen, und vielleicht war einem der Beamten das Haus in Chelsea bekannt. Aber diese Hoffnungen wurden zertrümmert, und ihr Herz schien stillzustchen. als sie sah, wie David das Manuskriptbuch schloß und es mit zärtlicher Sorgfalt auf den Tisch neben ihm legte.

Bruder," begann er,ich glaube--"

Der Doktor nickte.

Und würde es nicht eine delikate Handlung, ein eindrucksvoller Beginn des unendlichen Glückes fein, das vor mir, vor uns allen liegt, wenn diese schöne Hand" er ergriff die wiKrstands- lose Hand Dianas aber wiederum beendete er den Satz nicht.

Ke ReichSdreschgWe tmfef BsrücksichttMNS Ser wirtschaftlichen Verhältnisse in der Landwirtlchast errechnet worden.

]:[ Usenborn, 6. Aug. Dieser Tage wurde in hiesiger Gemeinde die Quellenfassung zu un­serer Wasserleitung vergeben. Die Arbeit erhielt die Firma Leiner von Birstein, die auch im nahe gelegenen Gelnhaar die Wasser­leitung zu großer Zufriedenheit der dortigen Gemeinde gebaut hat.

: Aus dem Riddatal, 6. August. Die Dreschmaschinen sind bereits auf den freien Plätzen in Ortsnähe aufgestellt, um den sog. ,.A rmeleutedrusch" vorzunehrnen. Die Leute, die sich nebenberuflich mit Landwirt­schaft beschäftigen, und im allgemeinen nur über wenig Land verfügen, bringen ihr Getreide viel­fach direkt vom Felde, an diese Stellern um es sofort dreschen zu lassen. Stroh und Körner nehmen sie gleich mit nach Hause. Der Drusch­preis richtet sich nach der aufgewandten Zeit. Man hilft sich gegenseitig und verringert da­durch die Kosten. Das Ernteergebnis, so­weit es sich auf Roggen und Gerste _ bezieht, (Weizen und Hafer sind noch im Rückstand), steht der vorjährigen Ernte, die als gut zu bezeichnen war, kaum nach. Selbst der hoch­gelegene Teil des Vogelsbergs, der in dieser Woche mit dem Getreideschnitt begonnen hat, weist Fruchtfelder auf, die in der Ebene ge­wachsen sein könnten.

Kreis Schotten.

* Schotten, 7. Aug. Der altbekannte Scho t- tener Sommermarkt findet in hergebrach­ter Form am Montag, 12. August, Pferde-, Bullen-, Rindvieh- und Krämermarkt: Dienstag, 13. August. Rindvieh-, Schweine-, Ziegen- und Krämermarkt: Mittwoch, 14. August, Krämer- markt, Volksfest statt. Am Sonntag, 11. Aug., abends 19 Ahr, Aufzug der Marktwache, an­schließend Feier am Rathaus, Rathausbeleuch­tung. Rach den Anfragen und Bestellungen zu urteilen, wird der Markt sehr besucht werden und seine alte Anziehungskraft ausüben. Man beachte die heutige Anzeige.

? Schotten, 6. Aug. Die hiesige Bezirks- s p a r k a s s e, die in ihren .Beschlüssen schon immer ein anerkennenswertes soziales Verständnis bekundet, schüttet auch in diesem Jahre wieder Prämien für die Dienstboten ihres Sparbezirks aus. Aus dem Reingewinn werden diejenigen bedacht, die fünf Jahre ohne Unterbrechung bei derselben Herrschaft in Diensten gestanden und sich durch Fleiß und Treue ausgezeichnet. Die allgemeine Verkehrs st ei- gerung in Verbindung mit dem alljährlich auszu­tragenden RennenRund um Schotten" bedingen einen Ausbau der h i e f i g.e n Freiwilligen Sanitätskolonne. Für den Unfallmeldedienst wurden jetzt drei Stationen geschaffen. Außerdem hat der Vogelsberger Automobil- und Motorradklub sich in den Dienst der Kolonne gestellt. Er wird künftig an den Alarmübunaen teilnehmen, wie auch im Ernstfälle die rasche Ueberführung Verletzter in das Krankenhaus übernehmen.

± Groß-Eichen, 5. AuA. Eine alte Sitte, fine vor Jahren hier eingeführt worden war, wurde in diesem Jahre wieder neu aufgenommen, nämlich die Feier des Erntebeginns. So fanden gestern auf den Friedhöfen zu Groß- und Klein-Eichen gut besuchte Erntebeginnfeiern statt. In Groß-Eichen half der Schülerchor unter Lei­tung von Lehrer Kopf die Feier verschonen. Mit der Ernte wurde in der vergangenen Woche all gemein begonnen. Gestern fand hier Schei­benschießen des Kriegervereins statt. Leider war die Beteiligung nicht so groß, wie man er­wartet hatte. Hoffentlich stellen sich nächsten Sonn­tag, wo auch die Preise verteilt werden sollen, mehr Interessenten ein.

Kreis Alsfeld.

x» Appenrod, 6. Aug. Ein A u t o u n f a l l er­eignete sich in nächster Nähe unseres Dorfes. Der Wagen eines Geschäftsmannes aus N. erlitt in vol­ler Fahrt am Hinterrad einen Defekt. Der Wagen

tffffnfe gSgSn efn?n Bäum, überschlua sich und wurde fast vollständig zertrümmert. Beide Autoinsassen ka­men wie ein Wunder mit dem Schrecken davon.

vEhringshausen.6. Aug. Bei dem am ver­gangenen Sonntag vom hiesigen Kriegerverein ver­anstalteten Preisschießcn errang Herr D i ck von hier den ersten Preis.

* Maulbach , 6. Aug. Bei der gestern hier ab­gehaltenen Beigeordnetenwahl wurde an Stelle des verstorbenen Landwirts August Grein der Landwirt Karl Becker mit 94 Stimmen g e > wählt. Der Nationalsozialist Heinrich Kirchner erhielt 32 Stimmen.

' s» N i e d e r - G e m ü n d e n , 6. Aug. Bei herr­lichem Wetter und starker Beteiligung fand am letzten Sonntag das Sommerfest des hiesigen Schützen- und Sportvereins statt. Die Herren Erb (Dernsfeld) und Dem (Rieder- Ohmen) hatten das Preisrichteramt übernommen. Der GesangvereinEintracht" verschönte das Fest mit feinen Liedervortragen. Zu den Wettkämpfen lag eine stattliche Anzahl Rennungen vor, so daß schon vormittags mit dem Langstreckenlauf begonnen werden mußte. Auf dem Sportplatz fanden Kugelstoßen, Weitsprung, Hundertmeter-- lauf, 4xl00-Meter°Staffellauf statt. Im Hand-- ballspicl mußte Burg-Gemünden der taktisch und technisch besser spielenden Mannschaft des Turn­vereins Großen-Buseck unterliegen. Schon in der ersten Spielhälfte sicherte sich Großen-Duseck einen Vorsprung von 3:1. Burg-Gemünden bemühte sich redlich, das Ergebnis zu verbessern, doch die vorzüglich spielende Hintermannschaft von ©roßen» Buseck war nur schwer zu schlagen. Das End­ergebnis lautet 6:2 Tore für Großen-Duseck. Am Mittag marschierten die Ortsvereine unter Vorantritt der Musikkapelle und Jugend gemein­sam zum Festplatz. Rach einer Ansprache folgten einige schön vorgetragene Chore des Gesang­vereins unter trefflicher Leitung des Herrn Deh­ner von Rülfenrod. Dann führten Turner aus den verschiedenen Vereinen unter Leitung des Herrn Seibert (Homberg) exakte und flotte Freiübungen aus. Allgemeinen Beifall fanden auch die schönen Stabübungen der Damenriege Burg-Gemünden unter Leitung des Herrn Fischer. Ferner die turnerischen Hebungen an Reck, Pferd und Barren. Die Vorführungen stell­ten durchweg gute Leistungen dar und zeugten von fleißigem zielbewußten Arbeiten. Die Be­teiligung am Preisschiehen war gering, so daß sich der Vorstand entschloß, noch ein zweites Schießen abzuhalten. Alles in allem kann der Verein mit berechtigtem Stolz auf die harmonisch verlaufene Veranstaltung zurückblicken. Die Er­gebnisse lauten: Langstreckenlauf, 4400 Meter (Oberstufe): 1. Karl Schaaf (T. V. Berns­feld) 15:42V»; 2. Ernst Otto (T. V. Rieder- Ohmen) 16: IO1/»; 3. Heinrich Grün (T. V. Berns­feld) 17:27 V». Kugelstoßen (Turner): 1. Wilhelm Hahn (T. V. Großen-Buseck): 2. Karl Grün (T. D. Rieder-Ohmen); 3. Albert Kratz (Sch. u. Sp. D. Rieder-Gemünden); 4. Wilhelm Schnei­der (T. V. Großen-Buseck). Weitsprung (Turner): 1. Karl Mensdorf (T.V.Homberg): 2. Wilhelm Lehr (Bernsdorf); 2. August Kratz (Sch. u. SP. V. Rieder-Gemünden): 3. Albert Kratz (Sch. u. Sp. V. Rieder-Gemünden) und Heinrich Christ (T. V. Burg-Gemünden). 10 0- M e t e r I a u f (Turner): 1. Wilhelm Hahn (T. V. Großen-Buseck); 2. Karl Grün (T. D. Rieder- Ohmen) ; 3. August Glatthaar (T. V. Dernsfeld) und Karl Strauch (T. V. Homberg). 4X100- Meterstaffel (Turner): 1. T. V. Großen- Duseck; 2. T. V. Rieder-Ohmen; 3. T. V. Durg- Gemünden. Lang st reckenlauf, 1700 Meter (Unterstufe): 1. Konrad Erb (T. V. Rieder- Ohmen) 5:45V»; 2. Willi Dehnert (T. V. Derns­feld) 5:47V». Kugelstoßen (Jugend): 1. K. Erb (T. V. Rieder-Ohmen): 2. Reinhardt Damm (T. V. Rieder-Ohmen); 3. Willi Becker (T. V. Homberg); 4. Otto Erb (T. V. Rieder-Ohmen). 100-Meterlauf (Jugend): 1. Reinhardt Damm (T. V. Rieder-Ohmen); 2. Hch. Gerhardt (T. V. Rieder-Ohmen), Walter Wagner (T. V. Großen-Buseck) und Willi Decker (T. V. Hom-

Aus seiner Tasche zog er ein Schlüsselbund, I die Schlüssel, die Flimmer Fred so sorgfältig ' nachgemacht hatte, und ging nach der Tür, durch die das junge Mädchen hereingekommen war. Er lächelte leise, als er den Schlüssel in die Oeffnung steckte und die Tür aufzog..

Wollen Sie bitte mitkommen, liebes Kind?" Sie zauderte einen Augenblick, nahm aber dann all ihren Mut zusammen und folgte ihm die Stufen nach dem Keller hinunter.

Am Ende der Treppe war eine andere Tur. Er öffnete diese, schaltete das Licht ein, und sie sah 'einen Raum, in dem verschiedene Maschinen standen. Er ging zu einem Schalterhebel.

Sie sollen die Ehre haben, unseren Freund wir tragen ihm nichts nach Mr. Holt zu erlösen."

Erlösen?" fragte sie heiser.Meinen Sie das wirklich?"

Unschlüssig ftanb sie vor dem Schaltbvett, ihre Hand lag auf dem schwarzen Hebel.

Warum offnen Sie denn nicht die Tür und lassen ihn heraus?" fragte sie argwöhnisch.

Der Hebel öffnet die Tür und erlöst ihn. Glauben Sie doch nicht, meine Teure, daß ich Sie in einer solchen Stunde täuschen werde."

Cs war der Doktor, der diese Worte in sanf­testem Ton äußerte, und sie zauderte nicht länger. Sie konnte weder ihre Beweggründe noch ihre Aufrichtigkeit ergründen, 7wch konnte sie sich die Tatsache klarmachen, daß bei diesen Männern Lüge und Betrug wie tägliches Brot waren. Sie zog den Hebel zurück, der sich leichter wie sie erwartet hatte, bewegen ließ. Dann blickte sie nach der Tür.

Wir wollen ihm entgegengeßen, fernte der Doktor und legte seinen Arm um ihre Schulter.

Sie schauderte, machte aber keinen Versuch, sich feinem Arm zu entziehen, und so führte er sie die Treppe hinauf uni) zurück in den Salon, nachdem er die Tür hinter sich abgeschlossen hatte.

Unb dann, bevor sie seine Absichten erraten oder sich wehren konnte, wurde der Griff um ihre Schulter zu einer stählernen Umschlingung, die sie machtlos an den großen Mann preßte.

Mein Weib, Bruder!" sagte David.

Zweifellos dein Weib, Bruder," entgegnete der Doktor,denn das Schönste und Beste der 'Welt gehört dir, mein Lieber."

Diana war vor Schreck erstarrt und unfähig, eine Bewegung zu machen. Warum kam Larry nicht? Ebenso plötzlich wie er sie ergriffen hatte, ließ der Doktor sie los und nahm ihre kalte Hand in die seine.

Seh dich nicht an das Feuer, Weib," sagte er. Ich will den dritten Akt meines großen Werkes zu Ende lesen, und inzwischen wird Mr. Holt auf­gehört haben zu leben.

41.

Den schmerzenden Kopf in die Hände gestützt, saß Larry auf der eisernen Bettstelle in der Zelle. Er hatte die verschiedensten Entwicklungen in dem 2ll>enteuer dieser Rächt vorausgesehen, aber niemals hatte er sich äusmalen können, daß er wie eine Ratte in der Falle sitzen und daß das Rätsel'der Loge A in dieser verblüffenden Weise gelöst werden würde. Das war also die Er­klärung für Gordvn Stuarts Tod. Also auch Stuart hatte die Einladung Iudds, in seine Loge zu tommen, angenommen und dort den unheimlichen Dearborn getroffen. Er war be­täubt worden, und dann hatte ihn John Dear­born in seinen starken Armen durch den Rot- ausgang in den Wagen getragen und in das Haus des Todes gebracht.

Wenn er auch selbst nicht ein solches Ende des Abends vorausgesehen hatte, so hatte er doch wenigstens einige Verkehrungsmahregeln ge­troffen. Instinktiv hatte er gefühlt, daß von all den Plätzen auf Gottes weiter Erde, wo sein Wild sich verbergen und wo das WortFinis" für den Fall Stuart geschrieben werden würde, dieses grauenerregende Haus sein würde, das die Brüder Iudd für sich und ihre grausigen Pläne erbaut hatten, und der Zweck seines heim­lichen Besuches am Morgen war ein doppelter gewesen. Mit eigenen Augen hatte er den Beweis der unmenschlichen Verworfenheit dieses Mannes sehen, aber auch in gleicher Zeit die Gefahr, die ihm und dem jungen Mädchen drohte, kennen­lernen wollen.

Bei dem Gedanken an Diana, die behaglich Mi Haus faß, lächelte er und wunderte sich, was sie wohl fühlen und denken würde, wenn sie wüßte, in welcher Lage er sich befände. Jede Waffe, die er bei sich hatte, war ihm genommen worden, aber das beunruhigte Larry nicht be­sonders. Er stand von dem Bett auf und ging durch das Zimmer, aber das Gewicht der Kette an seinem Knöchel war so groß, daß er ge­zwungen war, einen Teil derselben lose in Der Hand zu tragen. Einen kurzen Blick warf er auf die schwarzen Löcher in der Wand dicht über dem Fußboden.. .von dort würde die Gefahr kommen. Wohl durchdacht war die Ausführung dieses Hinrichtungsraumes. Kein Schrei umHilse, kein Ruf, kein Geräusch würde durch diese massi­ven Mauern hindurchdringen. Das Licht in der Decke war durch eine dicke, schwere Glaskugel geschützt und erinnerte an die Schiffsbeleuchtung.

Er wollte erst die Länge der Kette tonnen» lernen, denn, wie er glaubte, hatte er noch reich­lich Zeit. Dearborn würde wohl jetzt im Hause sein. Er hörte das Schnappen der Falltür über sich und blickte nach oben, konnte aber nichts sehen. Dann wartete er noch eine weitere halbe Stunde, bis er den großen Steinblock, an dem

berg}; 3. Karl MenSdorf (D. V. Homberg) tm6 Karl Hahn (Großen-Duseck): 4. Hch. Grün (T. V. Dernsfeld) und K Erb (Rieder-Ohmen). Weitsprung (Jugend): 1. Walter Wagner (T. V. Großen-Duseck): 2. Willi Decker (T. V. Homberg)' 3. Otto Erb (T. V. Rieder-Ohmen): 4. Hch. Gerhardt (T. V. Großen-Duseck). 4x100- Me ter staffel (Jugend): 1. T. V. Rieder- Ohmen ohne Konkurrenz.

Starkenburg.

WSR. Darmstadt, 6. Aug. Wie aus Mcllrc in Osttirol gemeldet wird, ist in den dortigen (Bergen der Ingenieur Alfred Schmidt aus Darmstadt a b g e st ü r z t. Er erlitt lebens­gefährliche Verletzungen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

00 Atzbach, 6. Aug. Am Sonntag feierte der Kreisverband Wetzlar evangelischer Jungfrauen- und Jun g m ä d che n o e r - c i n e^fein Iahresfest, verbunden mit der Feier des >40 jährigenBe stehens des Verbandes. An dem Fest nahmen 20 Vereine aus d^m ganzen Kreise mit fast tausend Mitgliedern und eine große Anzahl Festgäste teil. Besonders stark war der Hüttenberg vertreten, der sich mit sechs Ver­einen beteiligte. In dem gutbesuchten Festgottes­dienst am Vormittag predigte Pfarrer Güti­ges, Wetzlar, über Lukas 19, 41. Hm 1 Hhr fand die Generalprobe der vereinigten Iung- frauenchöre statt. Kurz nach 2 Hhr bewegte sich durch die Straßen unseres Ortes ein langer Fest­zug, bestehend aus einigen Posaunenchören (Rod­heim, Waldgirmes, Dorlar, Atzbach) und den 20 Vereinen mit ihren Bannern und Wimpeln. Auf dem Festplah begrüßte zunächst der Kreis­verbandsvorsitzende, Pfarrer H e i d e r. Dorlar, die Vereine und Festgemeinde. Frl. B e i n e ck , Atzbach sprach einen stimmungsvollen Festprolog. Pfarrer Gütiges, Wetzlar, hielt dann die erste Festansprache zu dem Tagesthema:Das Suchen des Iungmüdchens nach der köstlichen Perle" über Matth. 13, 4546. Die zweite Festansprache hatte Pfarrer V ö m e l, Rodheim a. d. B., übernom­men. Er wies hin auf das Kreuz miß den Ge­kreuzigten, der, als er über diese Erde ging, gesprochen hat:Kommet her zu mir, die ihr mühselig und belaßen seid..." Sehr gute Auf­nahme fand dann das FestspielMiriam", das von dem Iungfrauenverein Hochelheim aufgesührt wurde. Das Stück (nach 2. Kön. 5) machte einen tiefen Eindruck. Mit einem kurzen Schlußwort des Kreisverbandsvorsitzenden, der den Vereinen und allen Mitwirkenden herzlichen Dank aus­sprach, sowie Gebet und Segen erreichte das in allen Tellen harmonisch verlaufene Fest sein Ende. Zur Verschönerung der Feier trugen die zwischen den Ansprachen eingefügten Gesangs­vorträge der vereinigten Iungfrauenchöre unter der Leitung von Frau Pfarrer H e i d e r , Dor­lar, wesentlich bei.

»5 = Aus dem Kleebachtal, 6. August. Der Schnitt des Roggens ist in unserem Tale so­weit beendet und erbrachte im Durchschnitt mittlere Erträge. Gegenwärtig wird die Sommerger st e und der Weizen abgeerntet. Abgesehen von ge­ringen Ausnahmen hat die Sommerfrucht einen sehr günstigen Stand. Infolge zu starker Stickstoffdüngung hat sich der Hafer häufig gelagert, so daß hier die Verwendung von Erntemaschinen nicht möglich sein wird. Obwohl die letzten Wochen ausgiebige Regen­fälle brachten, ist der F u t t e r m a n g e l noch nicht behoben, da der zweite Uotklee nur schlecht nachwächst. Der gesteigerte Anbau von Luzerne ober Ewig­klee hat sich auch in diesem Jahre als sehr vorteil­haft erwiesen, da diese Kleeart auch von starker Trockenheit nur gering beeinflußt wird. Das Grum - metgras steht in feuchten Wiesen recht gut, wäh­rend trockene Wiesenflächen nur einen spärlichen Graswuchs zeigen. Das Aussehen derHackfruchte ist befriedigend, insbesondere erwartet man bei den Kartoffeln eine gute Ernte. In den Gärten werden eben Gurken und Bohnen geerntet

die Kette befestigt war, beiseite schob. Bevor seine Augen den wasserdichten Sack, den er dort bei feinem früheren Besuche verborgen hatte, erblicken konnten, verlöschte plötzlich das Licht.

Merkwürdig genug hatte er an eine solche Möglichkeit nicht gedacht, und er hielt plötzlich den Atem an. Der Deutel war an seinem Platz, seine Finger suhlten ihn, er zog ihn hervor und suchte nach den Schlüsseln. 'Wäre Licht ge­wesen, so hätte er keinerlei Schwierigkeiten ge­habt, den richtigen Schlüssel herauszufinden. Der die Futzschelle öffnete: so aber versuchte er drei Schlüssel, und keiner von ihnen paßte in die schmale Oeffnung des Dronzeringes an seinem Fuß.

Ein leises, gurgelndes Geräusch, glucksend wie Wasser, das aus einer Flasche läuft... ein kalter Luftstrom traf seine Füße. Er versuchte einen anderen Schlüssel, aber auch dieser ließ ihn im Stich. Schlimmer noch... er blieb in dem Schlüsselloch sitzen unb wollte sich nicht wieder herausziehen lassen.

Er hörte das Rauschen des Wassers, das durch die kleinen Löcher in der Wand ein­strömte ... das regelmäßige Stampfen einer Pumpe. Gr zog und zerrte an dem Schlüssel, dicke Schweißtropfen liefen an seinen Wangen herunter, und endlich, ein Seufzer der Erleich­terung, kam der Schlüssel heraus. Das Wasser bedeckte schon seine Füße und stieg mit unheim­licher Geschwindigkeit.

Rur nodj ein einziger Schlüssel: die übrigen waren für den Zweck zu groß. Er nahm ihn Kr­aus, aber_ der (Bart blieb in der Schnur des Beutels hängen, in dem sie untergebracht waren. Der rettende Schlüssel fiel in das Wasser. Er tastete und suchte... er war verschwunden. Wie­der und wieder griffen feine Finger durch das wirbelnde Wasser und suchten hastig auf dem raußen Zementfußboden. Endlich, mit einem Freudenschrei, ßatte er ihn gefunden, hob mühsam seinen Fuß hoch, schob den Schlüssel in die schmale Oeffnung. Er drehte sich. Die Fußschelle öffnete sich er war frei.

Roch zwei andere Türen lagen zwischen ihm und der Rettung, und er wußte, daß mit dem ständig steigenden Druck des Wassers eine Ar­beit vor ihm tag, die seine Kräfte bis zum äußersten in Anspruch nehmen würde.

Das Wasser ging ihm schon bis zu den Hüften. Mühevoll watete er durch den kleinen Gang die beiden Stufen hinauf und hielt krampfhaft den wasserdichten Sack mit den Zähnen fest. Der Schlüssel drehte sich leicht genug, aber die Tür hatte feinen Handgriff, und mit jeder Sekunde vergrößerte sich der Druck des Wassers gegen die Tür. Er biß die Zähne zusammen, holte tief Atem und zog mit aller Kraft langsam ... gleich­mäßig ... (Fortsetzung folgt.)