Ausgabe 
7.6.1929
 
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von Lehrer Görtz (Gießen) geleitet wurde und von 50 katholischen Lehrkräften der Kreise Fried­berg und Gießen besucht war. Universitätspro- fessor Dr. theof. et phil. Steinbüchel (Gießen) hielt ein tiefschürfendes Referat überDas Ideal der sittlichen Persönlichkeit". Anschließend sprach Kreisschulrat Kremer (Bensheim a. d. D.) über Verein für das Deutschtum im Auslande und katholische Lehrerschaft". Er forderte die tat­kräftige Mitarbeit der katholischen Lehrer im V. D. A. Als Gast weilte Pfarrer Sonntag von der deutschen Gemeinde Augustendorf in der Bukowina in der Versammlung. Auf der Rück­reise von der Kieler D. D. A.-Tagung hat er hier kurzen Aufenthalt genommen und erzählte nun dem interessierten Hörerkreise sehr anschau­lich und fesselnd vom Deutschtum in Rumänien.

Deutschnationaler Vortrags­abend. Man berichtet uns: Der von der Deutschnationalen Volkspartei. Ortsgruppe Gie­ßen, veranstaltete Vortragsabend am vergange­nen Montag imPostkeller" erfreute sich eines recht guten Besuchs. Rach Eröffnungsworten des Vorsitzenden, Studienrats Dr. Lenz, ergriff der preußische Landtagsabgeordnete Steuer aus Kassel das Wort zu dem ThemaUnter Kampf um Staat und Wirtschaft". Der Red­ner warf, ausgehend von dem Versailler Raub­diktat. einen Rückblick auf die letzten 10 Jahre, wobei er an einer Anzahl Beispiele nachwies, daß unsere bisherigen Tributleistungen die For­derungen der 14 Punkte Wilsons um ein mehr­faches übertreffen. Das Versailler Diktat, das uns unserer gesamten Kolonien, breiter deut­scher Gebietsteile im Osten, Westen und Ror- den, sowie unserer Handelsflotte beraubte und uns außerdem starke Abgaben von Sachwerten auferlegte, nannte noch keine genauen -Zahlungs­ziffern, sondern sah Abschlagszahlungen bis in unabsehbare Zeit vor. Erst spätere Vereinba­rungen zwischen London und Paris nannten ein­mal die ungeheure Zahl von 132 Milliarden deutscher Kriegsschuld. Im Iahre 1923 erzwang dann die Ruhrbesehung den Dawespakt von 1924. Wenn auch das Dawesabkommen uns durchaus keine Wohltaten biete, so stelle dieses Abkommen doch eine gewisse Abschwächung des Versailler Diktats dar. die u. a. in der Revision der deut­schen Leistungsfähigkeit durch alliierte Sachver­ständige, sowie im Transferschuh zu erblicken sei. Die seitherigen Tribute konnten wir zum größten Teil nur durch unser Pumpen bei dem Ausland bezahlen, so daß unsere gesamte Auslandsschuld heute schon 13,5 Milliarden beträgt. Das Hereinnehmen ausländischen Geldes wäre aber nicht nötig ge­wesen. wenn es uns in den letzten Iahren ge­lungen wäre, unsere Handelsbilanz aktiv zu ge­stalten. Auch die vier Monate langen Verhand­lungen in Paris brachten uns keinerlei Erleichte­rung. Als eine der betrüblichsten Tatsachen sei die Richtunterstühung unseres Delegierten V ö g - I e r in seinem Widerstande gegen die unerhörten feindlichen Forderungen zu buchen. Als empörend sei hier gerade eine gewisse Hetze gegen Herrn Vögler zu bezeichnen. Zeit wäre es endlich, daß die deutschen Volksmassen sich zu einem festen Rationalen Block zusammenschlössen und dem Feinde ihre Rechte zu verstehen geben. Rur auf diesem Wege würde es Deutschland, gleich der einst fast zusammengebrochenen Türkei und Un­garns, gelingen, aus dem jetzigen Elend und der furchtbaren Versklavung langsam wieder em­porzukommen. Starker Beifall lohnte die überaus interessanten Ausführungen des wortgewandten Redners. Rach einer lebhaften Aussprache fand die Versammlung erst gegen Mitternacht ihr Ende.

** Allgem. Deutscher Frauenverein. Ortsgruppe Gießen. Man berichtet uns: In der Iunisitzung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins sprach die Berufsberaterin des Gießener Arbeitsamtes, Fräulein Kolb, über Die hauswirtschaftliche Lehre. Haushaltungs­

lehrlinge, Hausfrauen als Meisterinnen". Dieses Thema ist von so allgemeiner Bedeutung, daß es lebhaft zu begrüßen ist. wenn man sich in Gießen damit befaßt, nachdem viele andere Städte bereits zu seiner praktischen Verwirklichung über­gegangen sind. Es handelt sich darum, schul­entlassene Mädchen im Haushalt durch die Haus­frau in zweijährigem Lehrgang so allseitig zu unterrichten, daß die Lehrlinge sich einer Prü­fung auf den verschiedenen Gebieten der Haus­wirtschaft Hausarbeit, Kochen, einfaches Backen und Einmachen, Servieren, Bügeln, Aus- bessern, etwas Wirtschaftsführung unterziehen können. Die Lehrlinge haben selbstverständlich während ihrer Lehrzeit die Fortbildungsschule au besuchen. Die Prüfung wird vorgenommen durch eine Kommission, die sich auS Vertreterin­nen der Hausfrauenvereine und Vertreterinnen der Hausangestelltenverbände, sowie einer Hausarbeitslehrerin zusammenseht. Rach bestan­dener Prüfung können die jungen Mädchen ent­weder eine Stelle in einem Haushalt annehmen, wodurch ein gelernter Stamm von Hausange­stellten entsteht, oder sie können sich weiter aus­bilden zu staatlich geprüften Haushaltpflegerin­nen für Heime und Sanatorien. Hierdurch ist auch in diesem Berufszweig die Möglichkeit eines Aufstiegs gegeben. Manches junge Mädchen wird sich auch gerne einer solchen Lehrlingszeit unter­ziehen, um eine gründliche Ausbildung zu ihrem späteren Beruf als Hausfrau zu erlangen, denn die früher übliche Schulung im mütterlichen Haus­halt ist aus psychologischen Gründen selten das Richtige. Der Wunsch, eine hauswirtschaftliche Lehre durchzumachen, ist in Gießen schon mehrfach bei der Derufsberatungsstelle geäußert worden. Leider konnte ihm aus Mangel an Lehrstellen nicht entsprochen werden. Bestehen in Gießen auch noch nicht, wie in vielen anderen Städten, sog. Meisterinnenkurse mit Abschlußprüfung, so kann sich doch jede gut geschulte Hausfrau, die einem, geordneten Hauswesen vorsteht, als Lehr­stelle anmelden, sofern sie keinen anderen Beruf ausübt. Hat sie zweimal Lehrlinge erfolgreich ausgebildet, dann erhält sie den Meistertitel. Gewiß sind für die Hausfrau vielerlei Mühen und Opfer mit der Heranbildung eines Lehrlings verbunden, doch wird auch in manchem Haushalt die billige Arbeitskraft willkommen fein. Durch diese Lehrtätigkeit aber bietet sich auch Frauen, die bei der Eheschließung dem früheren Beruf entsagen mußten, Gelegenheit zur Ausübung eines neuen Berufes, den sie neben ihrer Arbeit als Hausfrau und Mutter ausüben können. Ihre eigene Tätigkeit wird sie dann mehr befriedigen, weil sie sich sagen können, daß sie einen wichtigen Dienst am Ganzen leisten. Hiermit würde auch ein anderes Problem seiner Lösung näher ge­bracht: das der Unterbewertung der hauswirt­schaftlichen und hausfraulichen Arbeit von feiten vieler Männer. Die Hauswirtschaft ist der Frauenberuf, der am wichtigsten für unsere Volks­wirtschaft ist und kann gar nicht ernst genug genommen werden. Rach einer lebhaften Aus­sprache gab Fräulein K o l b der Hoffnung Aus­druck, daß in Gießen durch Bildung eines Haus­frauenvereins die Basis für eine Derufsver- tretung der Hausfrauen entstehen möge. R. M.

** DerHubertus, Verein weidge­rechter Säger, Sitz Gießen" hielt am Mittwoch imHess. Hof" seine Iuniversammlung ab. Rachdem der Vertrag mit dem Schühenverein Gießen zum Abschluß gekommen ist, werden in den nächsten Wochen die eigenen Iagdstände des Hubertus entstehen. Eine vorläufige Schießord- nung für die Kugelstände wurde von der Ver­sammlung genehmigt. Die Schrotstände dürften erst ab August benutzungsfähig sein. Den Bericht über Verlauf und Rechnungsabschluß der Ver­bandsjugendprüfung vom 27. April erstattete Rechtsanwalt Albrecht, das züchterisch wert­volle Ergebnis betonte Herr Aug. Pascoe. Studienrat Hölzel teilte mit, daß seit der Ein­führung der Zwangshaftpflichtversicherung für

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elbauf um Lllmor.

Vornan von Senta Neckel.

Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.

16 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

XV.

DieCvening Review" fetzte zum Endspurt an.

In der Redaktion wurde fieberhaft gearbeitet. Roch zwei Tage, da mußte Ellinor gefunden fein.

Extrablätter flatterten durch die Straßen, noch einmal wurden die Menschen toll gemacht mit dem Gedanken, 100 000 Dollar zu bekommen. Reue Plakate wurden gedruckt und an die Litfaß­säulen geklebt, überall konnte man sehen, wie Ellinor aussah, welche Kleider sie trug und wie sie ihr Haar frisierte.

Ellinor war in Reuyork, die Reuhorker wußten es, man mußte sie finden! Aber Reuyork war groß, Reuyork war eine Welt für sich!

Selbst ein Geschäftshaus ist eine Welt für sich. Riemand im Hause George Welltons ahnte, daß die kleine Betty Glhnn, die der Chef vor zwei Tagen als Privatsekretärin engagiert hatte, diese Ellinor Stanley sei. Wer hätte das auch denken können. Diese Betty Glynn war ein hüb­sches Mädchen, sie war sogar außergewöhnlich hübsch, aber es gab Tausende von hübschen Mädels in Reuyork, deswegen brauchte man sich nicht aufzuregen.

Und diese Betty Glhnn tat auch nicht das Geringste was sie von den anderen Mädels ihres Standes unterschied.

Sie kam pünktlich zum Dienst, jeden Morgen fuhr sie mit der Untergrundbahn, die um neun Uhr zehn an der Viktoria-Station war und jeden Abend fuhr sie um sechs Uhr fünfzehn mit der Untergrundbahn nach Hause.

Der Chef schien sie gern zu haben, denn er betrachtete sie immer mit einem unverhohlenen Interesse, ja beinah konnte man sagen, mit zärt­lichem Blick, aber diese Betty Glhnn schien nicht im Geringsten darauf zu reagieren.

Entweder war sie eine ganz Raffinierte, oder sie hatte einen Bräutigam, dem sie wirklich treu war, was ja auch Vorkommen kann. Run, auf jeden Fall war nicht der geringste Grund vor­handen, sich mit dieser Detth Glhnn eingehend zu beschäftigen.

Aber am Morgen des siebenten Mai erschien Betty Glhnn nicht zum Dienst.

Reun Uhr fünfzehn war längst vorüber und der Platz an der Schreibmaschine war immer noch leer.

George Wellton hatte schon dreimal gefragt: Ist Miß Glynn noch nicht da? Aber immer wieder bekam er die Antwort:

.Rein, wir haben sie noch nicht gesehen!"

George packte eine Unruhe.

Er hatte in den Tagen des Zusammenarbeitens gemerkt, daß Ellinor ihren Sekretärinnenposten emft nahm, nicht nur aus der Laune heraus, die sie ihrer Verkleidung schuldig war, nein, ein­fach deshalb, weil sie übernommene Pflichten bis zum letzten ausfüllte.

Er verstand nicht, warum Ellinor nicht da war. Der leere Platz an der Maschine irritierte ihn. Eine unheimliche Atmosphäre umlagerte diesen Platz, und plötzlich hatte George Wellton das ganz bestimmte Gefühl, daß E.lmor etwas passiert sei. Er kannte dieses Gefühl und er wußte, daß er sich nicht täuschte. Er erinnerte sich, ganz genau dasselbe Gefühl schon einmal gehabt zu Haben, damals ging es um seinen Freund. Das war in Bolivien gewesen, bei irgendeinem der vielen Aufstände. Er war zufällig in diese Gegend gekommen, auf einer seiner vielen Reisen, die er mit seinem Freund Herbert Pullver zusammen gemacht hatte. Sie waren in einem kleinen Hotel abgestiegen, mitten im Gebiet der Aufständischen. Und eines Abends, als er von einem Spazier­gang zurückkam, da hatte das kleine Hotel einen unerklärlich fremden Eindruck auf ihn gemacht und ganz plötzlich hatte er das Gefühl gehabt: irgend etwas Schreckliches ist geschehen! Und dann erfuhr er, daß man seinen Freund hinterrücks erschossen hatte.

Und dasselbe unheimliche Gefühl, packte ihn jetzt wieder, wenn er den leeren Stuhl vor der Schreibmaschine sah.

Hundertmal redete er sich ein, daß alles Un­sinn sei, daß Ellinor sich aus irgendeinem nichts­sagenden Grund verspätet habe, daß sie jeden Moment eintreten müsse, so wie sie es die letzten Sage getan hatte.

Aber Ellinor kam nicht.

Auf den Korridoren standen die Angestellten zusammen und tuschelten.

Irgend etwas war geschehen. Ein Botenjunge hatte die Rachricht mitgebracht, und nun ver­breitete sie sich blitzschnell, wie ein unheimliches Gift im ganzen Haus.

Als George Wellton unvermutet die Tür seines Zimmers öffnete, fuhren die Köpfe auseinander, doch man wartete, daß Wellton fragen würde, und jeder wollte die Sache selbst erzählen.

Was ist geschehen?"

George würgte an den drei Worten.

Ein Unglück, Mr. Wellton! Der Untergrund­bahntunnel brennt. Drei Züge sollen drin stecken. Wie eine Maus in der Falle sitzen die Passa­giere. Man weih nicht, ob welche tot sind ..

Rein," schrie Wellton heiser, daß die An­gestellten erschreckt zurückwichen,nein, nein!

. Aber in allen Augen ringsum sah er, daß man die Wahrheit gesprochen hatte.

Ellinor!

Darum war sie nicht gekommen!

Jäger in Hessen die Rachfrage nach der Sammel- Versicherung des Vereins außerordentlich gestie­gen sei. Er gab zu der FrageJagdpaß und Haftpflichtversicherung" noch einige Erläuterun­gen. Herr Pascoe wies sodann auf die Preuße Sonderschonbestimmungen hin, die an sich be­grüßenswert seien und auch in der Art der Re­gelung manches Rachahmenswerte enthielten. Je­doch wurden die Art des Zustandekommens, die späte Veröffentlichung und die damit verbunde­nen persönlichen Störungen, denen zahlreiche Pächter preußischer Jagden unerwartet gegen­über gestellt wurden, gerügt und der Vorstand beauftragt, dies auch den Spihenorganisationen ?gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Schließlich onnte der 1. Vorsitzende Regierungsrat Frei­herr Schenck zu Schweinsberg den Dank des Vereins für die Ueberreichung einerAl­tersbestimmungssammlung an Hand von Reh­gebissen" aussprechen. Der Verein besitzt darin eine in ihrer Art bei kaum einem Jagdverein, vorhandene Sammlung, die den Mitgliedern jetzt, wo der Bockabschuß begonnen hat, wertvolle Dienste leisten wird. Dabei wurde darauf ver­wiesen, daß ein Sammeln der Unterkiefer un­bedingt notwendig ist, wenn sich Mitglieder an der Hubertus-Ausstellung ober an anderen deut­schen Ausstellungen beteiligen wollen.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

-f- Stockhausen bei Mücke, 6.Juni. Auf der Strecke HungenMücke ereignete sich heute ein schwerer Unglücksfall. Der um 15.49 Uhr von Hungen in Stockhausen eintreffende Zug überfuhr den von Klein-Eichen stam­menden Landwirt H o r st und tötete i h n auf der Stelle. Der Unglücksfall ereignete sich hinter der Basischen Wirtschaft. Die Wirtin hat den Verunglückten kurz vor Eintreffen des Zuges an einer Hecke in der Rähe desSchienen- geleises stehen sehen. Wie Horst auf das Dahn- geteife an dieser Stelle, wo kein Uebergang ist, gekommen ist, wurde von niemand beobachtet.

K Aus der nördlichen Wetterau, 6. Juni. Die dieser Tage von L i ch gebrachte Meldung über das jetzt erst erfolgende uner­wartete Eingehen von Ob st bäumen wird durch Rachrichten aus anderen Orten bestätigt. Die Frostschäden, die sich erst jetzt bemerkbar machen, wirken sich ganz besonders an Bäumen in kalten zugigen Tälern aus: weniger treten sie in Höhenlagen in Erscheinung. Bäume, die im Frühjahr noch reichlich geblüht haben und mit Laub bedeckt waren, fangen plötzlich an zu ver­trocknen. Ein Winter, der unseren Obstbäumen so schadete, war seit 50 Jahren nicht zu ver­zeichnen. Damals zeigte sich dasselbe Bild. Erst nach reichlicher Blüte im Frühjahr gingen die beschädigten Bäume, besonders Zwetschen, an den Folgen des harten Winters ein.

s. Utphe, 6. Iuni. Dieser Sage feierte eine unserer ältesten Einwohnerinnen, die Landwirts­witwe Marie Schneider, ihren 81. Ge­burtstag. Die Greisin ist noch derart rüstig, daß man sie noch oft sich im ©arten betätigen sieht.

Kreis Friedberg.

WSR. Dad-Rauheim, 6. Juni. Der amerikanische Botschafter in Berlin, I. G. S h u r m a n n, weilt zur Zeit zum Besuch seiner hier die Kur gebrauchenden Gattin in un­serer Badestadt.

2$. Bad-Rauheim, 6.Juni. Im vorigen Monat konnte die hiesige Kinderheilanstalt Elisabethhaus auf ein 50jähriges Be­stehen zurückblicken. Ihre Gründung war ein Werk des Oberhessischen Vereins für Innere Mission in Gießen, insbesondere des nachmaligen Geh. Kirchenrats Gg. Schlosser. Die Entwick­lung der Anstalt hat mit der des Bades gleichen Schritt gehalten. 1908 wurde ein neues Heim

Er hatte das Gefühl, als würde sein Gehirn hart und zäh. Er reckte sich, als wolle er durch die Mauern des Hauses hindurchsehen, aber sein Kopf machte nur eine hilflose Drehung auf den Schultern. Sein Gesicht wurde fahl, sein Blick zerrann, seine Augen flackerten.

Doch plötzlich warf er die Rächststehenden zur Seite, stürzte aus der Tür, ohne Hut und Mantel.

Man hörte, wie fein Wagen ansprang und in wenigen Sekunden verschwunden war.

Riemand von den vielen hundert Passagieren, die man später befragte, konnte etwas Genaues angeben, wie die Katastrophe im Subwaytunnel eigentlich passiert fei.

Wie jeden Morgen hatten sich die langen grauen Züge der Untergrundbahn regelmäßig von den Bahnhöfen gelöst, und waren in den dunklen Schächten der Tunnelmündungen ver­schwunden.

Der Zug Rümmer 487 hatte soeben die Sta­tion Picadyllistreet verlassen und sauste in einer Geschwindigkeit von fünfzig Stundenkilometern unter den Häusern Reuyorks dahin.

Die Abteile waren eng gefüllt. Frauen, die ins Geschäft fuhren, viele Männer, die ihren Weg von der Vorstadt Hoboken ins Zentrum der Stadt nahmen.

Man hörte, wie in Mm Parallelstollen die Züge sausten.

Das regelmäßige Schaukeln des Zuges wurde jäh unterbrochen. Mitten im Tunnel hielt der Zug. Plötzlich verlöschte alles Licht. Roch blieben die Mitfahrenden ruhig, es konnte eine kleine Störung sein, irgendeine Sicherung war durch­gebrannt, die ausgebessert werden mußte. In wenigen Minuten würde das Licht wieder auf­flammen.

Irgendein Witzbold rief:

Achtung vor Taschendieben!"

Ein junger Mann schmatzte laut mit den Lippen und rief dann mit verstellter Stimme:

Ra, na, nicht so zärtlich!"

Man lachte. Man dachte nicht an Gefahr.

Die Schaffner eilten mit Taschenlaternen durch die Waggons.

Eine kleine Störung!" trösteten sie.Es wird gleich wieder hell, bitte behalten Sie Ruhe!"

Aber es wurde nicht wieder hell.

Und auf einmal erscholl eine helle Frauen­stimme, die sich kreischend vor Angst überschlug.

Der Tunnel brennt!

Im Augenblick war alles von den Sitzen ge­sprungen. Die Schaffner waren machtlos.

Die Menschen preßten sich zusammen, Scheiben splitterten. Irgendwo schrie schrill und hoch eine Stimme.

Alles geschah in einer einzigen Sekunde.

Man sah kein Feuer, man wußte gar nicht, wo eS brannte, aber durch die zerbrochenen Zenster-

gebaut und zeitgemäß ausgestattet. Die Zahl der Kinder, die zu Solbadekuren Aufnahme fan­den, stieg von 24 in 1897 auf 1660 in den letzten Jahren. Insgesamt hat das Clisabeth- haus in den 50 Jahren seines Bestehens 3 4 0 0 0 kranken Kindern die Wohltat einer Bade­kur vermittelt. Vorsitzender der Anstalt ist zur Zeit Pfarrer Knodt. Dem erweiterten (Landes-) Vorstand gehören u. a. an: Oberstudienrat Dr« Weimer (Gießen) als Vorsitzender des Ober­hessischen Vereins für Innere Mission, der 6u* perintendent der Provinz Oberhessen, Ober­kirchenrat Wagner (Gießen), Wilhelm Graf zu Solms-Laubach in Kloster Arnsburg, Kaufmann Horst (Gießen). Am nächsten Sonn­tag findet in Erinnerung an das 50jährige Be­stehen des Clisabethhauses eine schlichte 3ubit läumsfeier statt, verbunden mit eurem Dank­gottesdienst in der Dankeskirche.

Kreis Schotten.

Laubach, 6. Juni. Wir meldeten kürz­lich, daß die seit März 1914 schwebende ®rb« schaftsangelegenheit der Otto-Stif­tung in Höhe von 11 700 Mk. an die Stadt Laubach, deren Kapital durch den italieni­schen Staat beschlagnahmt worden war, nunmehr ihrer endgültigen Regelung entgegengehe. Die (Stifterin, Johanna Otto, die in Florenz gestorben ist, war die Tochter des am 29. Ro- vember 1802 geborenen Leonhard Christian Friedrich Otto. Er war verheiratet mit L. Kuhn- hardt aus Gießen, wurde Advokat in dieser Stadt und später gräfl. solms-laubachifcher Kam­merrat in Laubach: er baute hier dieVilla Klipstein" aus. Später verzog er auf ein Gut bei Laibach (in Krain, Jugoslawien), auf dessen evangelisch-deutschem Friedhof er nebst seiner Gattin begraben liegt. Die Otto-Stiftung wird von einer Kommission verwaltet, die aus dem Bürgermeister, drei Eemeinderatsmitgliedern, dem Ersten Pfarrer, dem Oberamtsrichter und einem Arzt bestehen soll. Der Landwirt Georg K r e i ck e r feierte kürzlich seinen 8 0. Geburts­tag. Der noch rüstige und arbeitsfähige Alt« Veteran erhielt eine besondere Ehrung durch ein Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten mit dessen Unterschrift und Bild. Insgesamt leben zur Zeit noch vier Altveteranen in uiw ferem Städtchen.

Starkenburg.

WSR. Darmstadt, 6. Juni. Im laufenden Sommersemester stellt sich die Zahl der Stu­dierenden an der Technischen Hoch­schule auf 2590 Studierende und 22 Hörer, die sich auf die einzelnen Abteilungen wie folgt ver­teilen: Architektur 250, Bauingenieure 308, Ma­schinenbau 703, Papier-Jngenieurwesen 82, Elek­trotechnik 510, Chemie einschließlich Elektrochemie, Gerbereichemie und Pharmacie 450, Mathematik und Naturwissenschaften 197, Ratur- und Staats- Wissenschaft 405. Außerdem sind noch 139 Gäste vorhanden, so daß sich die Besucherzahl der Technischen Hochschule für das Sommersemester auf 2751 stellt, gegenüber 2551 Besucher im Vor­jahr.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

Aus dem Kleebachtal, 6. Juni. In den Gemarkungen unserer Gegend hat man jetzt mit dem Dickwurzfehen begonnen. Im Gegensatz zum vorigen Jahre sind Sehpflanzen ausreichend vorhanden, dagegen klagen zahlreiche Landwirte über Mangel an Kohlpflanzen. In wenig erfreulicher Weise hat sich das Regenwetter in den Roggenfeldern ausgewirkt. Hier liegen ganze Flächen der zu dicht und mastig stehenden Saaten wie gewalzt am Boden. Die Haferfelder zeigen einen dichten, ge­schlossenen Stand, die Kartoffeln find schön und gleichmäßig aufgegangen. Die Aussichten für die

scheiben quoll ein träger, dicker Qualm, der sich in den Lungen festsetzte.

Irgendeiner schrie:

Der nächste Zug fährt auf uns drauf!

Keiner überlegte sich, daß das unmöglich war. weil ja die einzelnen Strecken abgeblockt waren.

Die Menschen waren wie die Irren. Die Schaff­ner waren machtlos. Der Rauch biß in die Augen und erschwerte das Atmen.

Ich ersticke," winselte eine Frau.

Die Türen des Wagens waren hermetisch get schlossen. Man bekam sie nicht auf.

Die Menschen hämmerten mit den Fäusten machtlos dagegen.

Plötzlich hatte irgendeiner den Handwerkskasten erbrochen, ein Beil blitzte im Schein der Taschen­lampe auf und von einer wuchtigen Hand get führt, biß sich das Eisen in die Holztür.

Schlag auf Schlag folgte.

Ballen splitterten, Geröll rieselte, es rutschte, glitt, knirschte. Die Menschen stiegen aus den zerbrochenen Fenstern, zerschnitten sich die Hände an den Glasscherben und krochen keuchend in den verqualmten Tunnel.

Riemand wußte, in welcher Richtung er laufen sollte.

Doch unwillkürlich drängten alle in der Rich« tung zurück, aus der man gekommen war.

Trauben entsetzter Menschen klammerten sich aneinander und stießen sich vorwärts.

In Wirklichkeit war noch keinem etwas paf« fiert, aber die Angst und vor allen Dingen der furchtbare Rauch peitschte die Menschen Dort wärts.

Ellinor stand eingekeilt in einer Gruppe schrei« enber Weiber, die vor Angst winselten.

Sie war wie betäubt von dem Schrecken, doch allmählich fand sie ihre Besinnung wieder.

Es ist doch gar nichts geschehen!" dachte ft« immer wieder,nur der fürchterliche Rauch!"

Eine Frau mit einem Kind auf dem Arm hatte sich an sie geklammert.

Was ist geschehen," heulte sie entsetzt,Hilfe! Ellinor übersah blitzschnell die Situation.

Durch die Tür des Wagens konnte sie nicht, weil sich die Menschen wie ein Knäuel davvr- ballten. Bleiben konnte man auch nicht, weil die Hitze in jedem Augenblick zunahm und der Rauch dicht wie Rebel wurde.

Fort!" dachte sie mechanisch.

Die Frau mit dem Kind hielt sich an ihrem Rock fest.

Helfen Sie mir, lassen Sie mich nicht hier, ich habe noch zwei kleine Kinder zu Hause ...!"

Sie hiell Ellinors Hand wie mit Gisenklam- merrt. Das Kind weinte. Ellinor kletterte durch das zerbrochene Fenster und zog die Frau nach.

Halten Sie sich ein Taschentuch vor Den Mund und dem Kind auch.

(Fortsetzung folgt.)