Ausgabe 
7.6.1929
 
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diesjährige Heuernte dürften Lurch Len Regen nicht mehr wesentlich besser werden. Obwohl feuchte Talwiesen einen saftigen Graswuchs zei­gen, haben Wiesen in trockeneren Lagen nur einen spärlichen Grasbestand, der weit hinter dem des Vorjahres zurückblcibt.

Kreis Biedenkopf.

XX Rodheim a. d. Dieber, 5. 3unt Die SängervereinigungE i n t r ach t - Lie­de r k r a n z" beging am Sonntag in schöner Weise die Feier ihres 65jährigen Beste­hens. Der vor dem Kriege gegründete D ü n s - berg-Sängerbund, der seine Tätigkeit wie­der ausgenommen hat, hielt bei dieser Gelegen­heit am Vormittag im Dendcrschen Saale ein W e r t u n g s s i n g e n ab, an dem sich die Wän- nergesangdereine aus Dieber, Crumbach, Fel­lingshausen, Kinzenbach. Königsberg und Rod­heim beteiligten. Als Pflichtchor sang jeder Ver­einCs blies ein Jäger wohl in sein Horn", außerdem ein selbstgewähltes Lied. Zu Deginn dieser Veranstaltung begrüßte der Bundesvor- sihcnde, Hauptlehrer Eisbein (Fellingshausen), die große Schar der Teilnehmer. Die Vereine zeigten in chren Gesangsdarbietungen sämtlich gutes Können, das auf eifrige Hebung schließen ließ. Als Glanzpunkt dieses Teiles des Festes war der MassenchorJägerlied" unter der Lei­tung des Musiklehrers Leib zu betrachten. An­schließend an das Wertungssingen gab der als Kritiker amtierende Reallehrer Blaß (Gießen) in kurzen Zügen eine gerechte Betrachtung der ganzen Veranstaltung. Seine Ausführungen rächten den Sängern und ihren Dirigenten dank­bar begrüßte Anregungen, die durch praktische Hebungen des Kritikers noch vertieft wurden. Der Rachmittag des Festtages war der Stif - tungsfe st feier der Sängervereini­gung Vorbehalten. Hieran beteiligten sich auch die Männergesangvereine von Krofdorf und Waldgirmes, sowie die Arbeitergesangvereine von Vetzberg und Rodheim. Unter Vorantritt der Marburger Militärkapelle bewegte sich ein statt­licher Festzug mit 14 Fahnen durch den ge­schmückten Ort nach dem Festplahe. Rach einem Begrühungschor unter der Leitung des Diri­genten Kümmel hielt hier Wilhelm Dender die Festansprache, in welcher er den Werdegang des Jubiläumsvereins, sowie die hohe Dcdeu- tung des Männergesanges schilderte. Die heu­tige Sängervereinigung wurde im Jahre 1920

durch den Zusammenschluß Ler bis dahin ge­trennt bestehenden VereineEintracht' undLie­derkranz" gebildet. Diese Verschmelzung ist bei­den Organisationen und der Pflege des Männer­gesanges in unserem Orte sehr zum Vorteil ge­worden. Das Fest, an dem auch alle anderen hiesigen Vereine teilnahmen, nahm einen har­monischen und allgemein befriedigenden Verlauf.

Hessische Polizeiwoche.

WSR. Darmstadt, 6. Juni. Am heutigen Tage eröffnete Fabrikant Dr. Karl Merck, Darmstadt, die Polizeiwoche mit einem Vortrag über die Rauschgifte, ihren Gebrauch und ihre Fälschungen. Der Redner ging von der Tat­sache aus, daß die Menschheit überall in ihrer Hingebung die in Pflanzen enthaltenen Rausch­gifte gefunden und, teilweise mit oder zu kulti­schen Zwecken, benutzt habe. Von den über 200 be­kannten Rauschgiften erscheine der größte Teil in alkaloider Form (Chinin, Kokain. Strychnin), während z. D. Kaffee, Tee usw. nicht zu dieser Gruppe gehörten. Verständlich sei, daß viele Menschen mit der Gewöhnung an die Rauschgifte in der Sucht nach diesen Mitteln und ihrer Er­reichung auf alle möglichen Wege verfielen. Trotz internationaler Bekämpfung habe sich in unge­ahntem Umfang ein Ausbeutertum und Fäl­schungswesen entwickelt, das ungeheure Summen verdiene. Der Redner ging dann auf die fabrika­torische Herstellung ein und behandelte hieraus die Folgen des Morphinismus, Kokainismus usw.

Professor Dr. Strauch, Berlin, ein Spezialist auf seinem Gebiet, sprach darauf an Hand von Lichtbildern über die FrageM o r d oder Selbstmord?" Der Redner behandelte u. a. an zahlreichen Tatbestandsaufnahmen die Merk­male, ob Mord oder Selbstmord durch Erhängen, Erdrosseln, Stich- oder Schnittwunden, Erschießen usw. vorliegt.

Zum Schluß sprach Polizeidirektor Wilhelm (Ehlingen) über die Frage:Wie sucht der niodcrne Verbrecher seine Spuren zu verwischen?" Der Redner schilderte an einer Reihe von Beispielen aus der praktischen Arbeit der Kriminalpolizei, wie der zunächst unerkannt gebliebene Täter seiner Ermittlung zu entgehen suche, wie der der Persönlichkeit nach bekannte Verbrecher sich der Ergreifung zu entziehen be­mühe und wie der verdächtige Verbrecher be­

strebt sei, Lie Hcbersührung zu verhindern, welche I besondere Vorsicht der Verbrecher aufwcnde, um die ihm gefährlichste Spur zu beseitigen, die» | jenige nämlich, die durch die Verwertung der Beute entsteht. Zusammenfassend bemerkte der Redner, daß die Ausgabe in erster Linie krimi­nalphysiologisch zu lösen sei, und er schloß mit der Mahnung, bei der Aufnahme des Tat­bestandes die größte Sorgfalt auf die Auf­findung derunverwischten" Sparen zu legen, die der Täter trotz aller Vorsicht immer wieder am Tatorte zurücklasse.

Düchertisch.

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Kunst und Wissenschaft.

Der schöne Mensch in dec neuen Kunst."

Die AusstellungDer schöne Mensch in der neuen Kunst", die in diesem Sommer auf der Mathildenhöhe in Darmstadt gezeigt wird, erhält durch die über Erwarten starke Be­schickung aller Länder ein internationales Ge­präge großen Ausmaßes. Das Material ist voll­zählig und durch seine Vielseitigkeit außerordent­lich interessant. Auffallend ist die große Zahl der

Dildhauerwerke. Lle ein Drittel aller Arbeiten ausmachen. Alle Rationen sind vertreten. Al­lein aus Paris sind 55 Gemälde und Plastiken cingctroffcn. Für die historische Abteilung wur­den 100 Photos in vorzüglichen Ausführungen gesammelt, die über das Problem des mensch­lichen Körpers von der Steinzeit bis zur Mo­derne einen fesselnden Rückblick geben.

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Gießen, den 7. Juni 1929.

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