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6.11.1929
 
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Rr. 26' Erstes Blatt

179. Jahrgang

Mittwoch, 6. November 1929

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prinzMaxvonBadenI*.

o n ft a n 3, 6. Roo. (1VTB. Funkspruch.) Prinz 2Nax von Baden, der letzte kaiserliche Reichs­kanzler, ist heute früh um 5.45 Uhr gestorben. lieber das letzte Krankheitsstadium hatten die be­handelnden Aerzte am Dienstag folgenden Bericht ausgegeben:

Aus einem vor 3% Jahren erlittenen Schlag­anfall entwickelte sich bei dem Prinzen ein kli­nisches inneres Leiden, und feit dem 1. November bildete sich bei dem Prinzen, der aus einem anderen Grunde das Krankenhaus aufsuchen mutzte, ein uretischer Zustand (Harnleiden) infolge völligen versagens der Nieren heraus. 3n diesem Zustand zunächst völliger, später halber Bewußt- l o s i g k e i t traten Schwankungen ein, da die Herztätigkeit sich im ganzen gut hielt. 3m Lause der Tage ist aber eine zunehmende Ab­nahme der Kräste eingetreten."

Prinz May von Baden, der achte und zu­gleich der letzte Kanzler des kaiser­lichen Deutschland, ist eine tragische Fi­gur gewesen. Ein Mann reinsten Charakters und ehrlichsten Wollens, der aber an den Verhältnissen und an seinen Energien scheiterte. Das Hamlet-Problem, das Goethe einmal in die Formel gotz,eine Last auf Schultern ge­legt, die für diese Last zu schwach waren". Hat sich auch an ihm erfüllt. Dabei ist er sich der eigenen äl nzulänglich kett sicherlich bewutzt ge­wesen. Er hat sich gesträubt, das undankbare Amt zu übernehmen, und ist schließlich in die Bresche gesprungen in der Hoffnung, wenigstens noch Einiges retten zu können, um dann am Schlutz die traurige Bilanz ziehen zu müssen, daß er alles verloren hat.

Dabei ist zuzugeben, daß er eine unheilvolle Erbschaft übernahm. 3m Sommer 1918 zeigte sich immer mehr, daß Deutschland die innere Widerstandskraft gegen den feindlichen Ansturm verlor. Graf Hertling mußte gehen. Schon bei der Auswahl von Michaelis hatte sich die ganze Schwäche der kaiserlichen Menschenkennt­nis bewiesen. Bun sollten die Bersäumnisse vie­ler 3ahre innenpolitisch nachgeholt werden in einem Augenblick, wo der Zusammenbruch an der Front unmittelbar bevorzustehen schien. Merk­würdig genug, daß man ausgerechnet auf den Prinzen Mar von Baden verfiel. Deutschland sollte die ersten Gehversuche nach dem parlamen­tarischem System machen, und zum Kanzler wurde ein deutscher Prinz geholt, der gleich­zeitig der Erbe der badischen Krone war. Die Sozialdemokraten akzeptierten ihn, obwohl sie von ihm nicht viel mehr wußten, als daß er einige Reden gehalten hatte, die allerdings deut­lich bewiesen, daß er sich von dem alten System sehr weit entfernt hatte. Er war dem über­schwenglichen Kreise des Geistesreformers und Weltverbesserers Johannes Müller nahe gekom­men, der auf ihn und seine Denkweise einen nachhaltigen Eindruck machte und ihn vielleicht zum Monarchen eines neuen Kurses, vielleicht auch zu einem guten Kanzler in friedlichen Zeitläuften befähigt hätte. Aber seine Kraft reichte nicht annähernd aus, dem Rad in die Speichen zu fallen und den rollenden Wagen aufzuhalten.

So mutzte er am Tage seines Amtsantrittes das Waffenstill st sndsgesuch hinaus» gehen lassen, über dessen unheilvolle auhenpoli- tische und militärische Folgen er sich klar war, er mutzte im Innern durch überstürzte Reformen die Sozialdemokraten bei der Stange zu halten suchen. Daran zerrieb er sich 3n den kurzen Wochen vom 3. Oktober bis zum 9. Rovember, wo er die Geschäfte führte, drängten sich Ereig­nisse von weltumstürzender Bedeutung zusammen, Die ihn einfach zu Boden warfen, so daß er gerade in den kritischen Tagen auch körperlich behindert war. Er wollte die Monarchie schützen, aber er lieferte sie tatsächlich der Revolution aus. Er wollte den Zusammenbruch vermeiden und führte Deutschland auf den Weg nach Ver­sailles. Daß er zuletzt die Abdankung des deut­schen Kaisers bekannt gab, bevor sie feststand, war die letzte Hemmung, die der Revolution noch im Wege stand. In seinen 1927 erschienenenEr­innerungen und Dokumenten" hat er manches Unbegreifliche zu erklären versucht und wenigstens einiges menschlich verständlich gemacht. Aber das geschichtliche Urteil konnte er nicht mehr beein­flussen.

Lebensdaien.

Prinz Max von Baden wurde 1876 als Sohn des Prinzen Wilhelm, eines Bruders des Groß- Herzogs Friedinch I., in Baden-Baden geboren. Seine Mutter war die Prinzessin Marie, geb. Romanowsky, Herzogin von Leuchtenberg. Prinz Max studierte in Heidelberg und Freiburg Rechtswissenschaften und promovierte zum Dr. jur. Er tat dann Militärdienst beim Garde- Kürafiierregiment in Berlin, war später auch Kommandeur des badischen Leib-Dragonerregi- ments, nahm dann aber seit 1908 kein Kom­mando mehr an. Um so regeren Anteil nahm er dafür an dem politischen Leben in Baden als Präsident der badischen Ersten Kammer. Am 3. Oktober 1918 wurde er als Rachfolger des Grafen Hertling der achte Kanzler des Deut­schen Reiches und gleichzeitig Ministerpräsident in Preußen. Jedoch schon bald schlug ihm die Revolution vom 9. Rovember 1918 das Heft aus der Hand. Prinz Max führte noch die

Koalitionskrisis um die Ehescheidungsresorm.

Oie Zentrumsabgeordneten verlassen den Rechtsausschuß. Ein Warnungssignal der katholischen Parteien.

Wir sind ja in den letzten Jahren an schwierige parlamentarische Lagen nachgerade gewöhnt, aber o verworren wie diesmal haben die Verhältnisse doch selten gelegen. Wir haben eine Koalition, d i e eigentlich keine Koalition mehr ist, wir haben eine Regierung, die nur zusammengchalten wird aus außenpolitischen Gründen, in der Außenpolitik aber nicht nur durch die fran­zösische Kabinettskrise zum Warten verurteilt ist, und infolgedessen die dringend notwendige innerpolitische Reform nicht glaubt ankurbeln zu können. Wir hätten zwei Mehrheiten im Reichstag, von denen aber die eine durch Einstellung der Deutschnatio­nalen ausgeschlossen ist, so daß tatsächlich nur die Mehrheit der Großen Koalition bleibt, die aber in sich wieder so zerfallen ist, daß tatsächlich ein Zu- fammenregieren kaum denkbar erscheint. Das geht zur Rot gut, solange der Reichstag nicht beisammen ist, und solange auch die Lösung der lebenswichtigen Probleme hinausgeschoben wird. Sobald aber prak­tische Arbeit verlangt wird, versagt auch biefe Mehrheit, oder sie erzielt bestenfalls siehe die Arbeitslosenversicherung Notkompromisse, bei denen nicht nur nicht die Parteien, sondern auch der Staat nicht auf ihre Kosten kommen.

Angenehme Aussichten für den Winter! Denn was wir hier aufzuzeichnen versucht haben, ist ja nur eine ganz rohe Skizze, die fast ganz schwarz in schwarz wird, sobald man den Dingen noch näher auf den Leib rückt: in dem Willen, vorbehaltlich der Ergebnisse der Haager Schlußkonferenz den Poung- Plan anzunehmen, sind die Regierungsparteien einig. Sie sind auch einig in der Erkenntnis, daß dieses Experiment nur gewagt werden kann, wenn nun endlich mit der Finanzreform Ernst gemacht wird. Aber wie diese Finanzreform aus- sehen soll, darüber gehen wieder die Meinungen sehr weit auseinander. Die Sozialdemokraten sind sehr für eine Finanzresorm auf Kosten der Bür­gerlichen. Sie scheuen sich davor, ihren An­hängern begreiflich zu machen, dah ja auch der deutsche Arbeiter den Krieg verloren hat und zu seinem Teil ebenso zahlen muh, wie jeder an­dere Bürger. Es ist deshalb mehr als nur eine Vermutung, dah die Sozialdemokraten zwar den Voung-Plan annehmen helfen, dann aber sich aus der Regierung drücken möchten, um als Oppositionspartei den neuen Wahlkampf zu führen.

Die bürgerlichen Parteien denken selbstverständ­lich nicht daran, sie unter so günstigen Bedingun­gen aus der Allgemeinverhaftung zu entlassen, und es ist deshalb ganz gut, wenn der Führer der Bayrischen Dolkspartei, Prälat Leicht, daS ganz offen gesagt HLt. Er gilt mit Recht als ein sehr kluger und vorsichtiger Politiker, und die Drohung, die er jetzt in Bamberg ausge­sprochen hat, sollte von den Sozialdemokraten nich tüberhört werden. Für Heerrn Leicht kommt freilich noch etwas Besonderes hinzu; für ihn ebenso wie für das ganze Zentrum: die Ehe­scheidung ist ein Problem, an das beide Parteien nur vom religiösen Gesichtspunkt aus herantreten. Deshalb wollte das Zentrum ja auch das Justizministerium abgeben, und wenn nun im Reichstag eine Mehrheit für eine gründ­liche Reform des Ehescheidungsrechts eintritt, dann kann von hier aus auch eine Lage geschaffen werden, die einen Abmarsch des Zentrums wie der Bayern möglich macht. Der gestrige Exodus der Zentrumsmitglieder aus dem Rechtsausschuh gibt dafür schon einen Vorgeschmack.

3m Rechtsausschuß.

Berlin, 5. Rov. (DDZ.) Im Rechtsausschuß des Reichstages wurde die Ehescheidungsreform weiterberaten. Abg. Hanemann (Dnl.) er­klärte: Die Deutschnationale Volkspartei ver­schließt sich durchaus nicht der Rotwendigkeit, das Ehescheidungsrecht so umzugestalten, daß es nicht mehr mit gewissen sittlichen Grundsätzen

in Widerspruch steht. Sie halte eS aber für not­wendig, gleichzeitig die anderen mit der Frage der Ehescheidung im sachlichen Zusammenhang stehenden Fragen in die Aenlerung einzubeziehen, und zwar besonders mit Rücksicht aus die zu­künftige Stellung der Frau in der Ehe. Die Deutschnationale DolkSpartei lehnt jede Telllösung ab.

Abg. Pfleger (BVP.) erklärte, dah für ihn und seine politischen Freunde die Frage der Er­leichterung der Ehes^eidung eine so schwerwie­gende politische Frage sei, dah nach seiner Auf­fassung weder im Reiche noch in einem Lande ein Mitglied seiner Partei einer Regierungskoali ti on an gehö­ren könne, deren Mehrheit sich für Erleich­terung der Ehescheidung ausspreche. Wenn er sich trotzdem an der Weiterberatung der vorliegenden Anträge beteilige, so geschehe das, um Verbesserungen der Anträge zur Annahme zu verhelfen. Im übrigen werde die politische Seite der Frage zweckmäßig nach Ab­schluß der ersten Lesung des Entwurfes im Ausschuß zu erledigen sein.

Abg. Bell (Zentr.) gab hierauf namenS der Zentrumsmitglieder des Rechtsausschusses fol­gende Erklärung ab: »Wir find bei der Reichsregierung wegen der Behandlung der Eherechtsreform im Rechtsausschutz vor­stellig geworden. Heber das Ergebnis ha­ben wir bisher von der Reichsregierung keine Mitteilung erhalten. Solange wir darüber nicht unterrichtet sind, können wir an den Sitzun­gen des Dechtsausschusses nicht teilneh- men. Hierauf verliehen die Zentrums­mitglieder geschlossen den Saal.

Abg. Dr. Kahl (DDP.) gab dem Ausschuß Kenntnis davon, datz der Reichskanzler ihm mitgeteilt habe, es seien neuerdings von zwei Parteien schwerste Bedenken gegen die Behandlung der Ehescheidungs­reform im Ausschuh geltend gemacht wor­den, und dah er, der Reichskanzler, dem Vor­

sitzenden anheimgestellt habe, die weitere Ent­scheidung zu treffen. Er und der ftellDertretcnbe Vorsitzende Abg. Dr. Landsberg (Soz.) seien ein­mütig zu der Auffassung gelangt, dah es nicht ihre Sache fei, die Ehescheidungsresorm von dem Arbeitsplan des Dechtsausschusses abzu­sehen, sondern dah lediglich und ganz allein der RechtSausschutz selbst hierüber zu ent­scheiden habe.

Abg. Dr. Bredt (WP.) erllarte: Die Wirt­schaftspartei legt den größten Wert auf die Er­haltung der Familie und steht den B e st r e * Bungen auf eine Erleichterung der Ehescheidung grundsätzlich ablehnend ge­genüber. Sie kann aber ihre Teilnahme an den Beratungen nicht versagen. Mit einem Ver­lassen des Saales ist der Sache nicht gedient.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) hob hervor, nur Befreiung vorn Zwang zum Lügen erstreb­ten die Sozialdemokraten mit ihrer Forderung nach der Ehescheidungsresorm. Rach dreijähri­gem Getrenntleben der Eheleute sollte auf Ver­langen eines Teiles die Scheidung ausgespro­chen werden. Der Redner betont die Einsetzung eines älnterausschusses.

Abg. Ehlermann (Dem.) erllärte, dah bei dem großen Wandel der Auffassungen über die Ehe jetzt endlich die lang erstrebte Ehescheidungs­reform kommen müsse. Der koalitionsbedrohenden Erklärung der Bayerischen Dolkspartei könne man vielleicht begegnen, indem man die Reform nicht Erleichterung der Ehescheidung, sondern Ver­besserung der Ehescheidung nenne. Die Re­form sei vor allem im Interesse der Sittlich­keit und der Wahrhaftigkeit notwendig.

Hierauf beschloß der Ausschuß, die Anträge zur Ehescheidungsreform einem älnteraus- schu tz für die weitere Beratung zu überweisen. Am Mittwoch wird der Rechtsausschutz sich mit der rechtlichen Stellung der unehelichen Kinder beschäftigen.

Die Beteiligung amVollsbegehren

Baden

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Beteiligung in Prozenten: mm unter 5 Prozent

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Holstein

Abdankung des Kaisers herbei und übergab das Amt des Reichskanzlers in die Hände des sozialdemokratischen Parteiführers Friedrich Ebert. Er zog sich dann auf seine oberbadische Besitzung Salem am Bodensee zurück. Prinz Max, der mit dem Großherzog Friedrich II. von Baden am 22. Rovember 1918 ausdrücklich für sich und seine Rachkommenschaft den Thron­verzicht erklärte, ist seit 1900 mit einer Tochter des verstorbenen Herzogs Ernst August von Cumberland, der Prinzessin Marie Luise, ver­heiratet. Deren Bruder ist der frühere Herzog Ernst August von Braunschweig. Dieser Ehe ist die Prinzessin Marie Alexandra entsprossen, die 1924 den Prinzen Wolfgang von Hessen heiratete; ferner der 1906 geborene Prinz Berthold von Baden.

rrauerfeierfürdenJürsienVülow

Altona, 5. Rov. (WTB.) Mit einer ein- drucksvollen Trauerfeier nahmen heute in der Elbparkvilla in Klein-Flottbeck die Angehörigen, die Vertreter des offiziellen Deutschlands und ein großer Kreis von Freunden und Verehrern Abschied von Fürst Bülow. In Hamburg, Altona und den Elbevororten hatten neben den amtlichen viele private Gebäude H a l b st o ck geflaggt Auch die deutschen Schiffe im

Hasen zeigten die Flaggen Halbmast. In den dun­kel verhangenen, mit einer äleberfülle von Blu­men und Kränzen geschmückten Räumen der Villa fand sich in den ersten Rachmittagsstun­den die Trauergemeinde ein. Zu Häupten des Sarges erhob sich ein Kreuz, umgeben von Lor­beer- und Palmenbäumen. Dor dem mit weihen Chrysanthemen bedeckten Sarge waren neben den Kränzen der Familie, des Königs von Ita­lien und des früheren Kaisers die Kranz­spenden des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers und der Reichsregierung, deS Reichstages, des Auswärtigen Amtes und der Reichskanzlei niedergelegt. Reiche Blumenspen­den im Dorgarten zeigen die Liebe und Dereh- rung, welche der Fürst in Deutschland und in der Heimat seiner Gattin, Italien, genoß.

Bei der Trauerfeier hatte die Vertretung der Reichsregierung Reichskanzler Müller persönlich übernommen und dabei einen Kranz mit Schleife mit der Inschrift «Der Reichs­kanzler und die Reichsregierung" niedergelegt. Reichstagspräsident L ö b e war ebenfalls er­schienen und überbrachte für den Reichs tag einen Kranz. Auch die drei Reichs- und Staats­behörden, denen der Verstorbene in seinem amt­lichen Wirken besonders nahegestcrnden hatte, waren vertreten, und zwar das Auswärtige Amt durch Staatssekretär Dr. v. Schubert.

das srreuhische Staatsministerium durch Staats­sekretär Dr. Weismann und die Reichs­kanzlei durch Staatssekretär Dr. Pünder; Erster Bürgermeister Dr. Petersen als Ver­treter des hamburgischen Senates; weiter Ver­treter der Bankwelt, Industrie, Schiffahrt, des Handels, des Gewerbes und Handwerks. Ein Streichquartett leitete den Trauerakt ein. Pastor ChalibäuS legte seiner Ansprache das Wort zugrunde: «Ich bin dein Pilgrim und dein Bür­ger, wie alle meine Väter", das sich der Ent­schlafene selbst für seinen Grabstein gewählt hatte. Weitere Ansprachen wurden nach dem testamentarisch geäußerten Wunsche des Ver­storbenen nicht mehr gehalten. Rach dem ge­meinsamen Gesang des Liedes «Jerusalem, du hochgebaute Stadt" sagnete der Geistliche die Leiche ein. Ein Sängerchor sang das Lied «äleber den Sternen". Dann zog die Trauer­gemeinde nochmals an dem Sarge vorüber. Die irdische Hülle deS Fürsten Bülow wurde später nach dem Krematorium in Hamburg-Ohlsdorf übergeführt, wo sich in Anwesenheit nur der nächsten Familienmitglieder die Einäscherung vollzog. Fürst Bülow hat dem hamburgischen Staat seine erlesene Bibliothek für die Staats- und älniversitätsbücherei und mehrere Bilder für die Kunsthalle vermacht