Ausgabe 
6.11.1929
 
Einzelbild herunterladen

Echo -er presse.

Rückwirkungen auf die Koalition.

Berlin, 6. Rov. (SH.) Zum Auszug der Vertreter des Zentrums aus dem Rechtsaus­schuh des Reichstages schreibt dieGerma­nia": Die Zentrumspartei habe ebenso wie die Bayrische Tvlkspartei keinen Zweifel offengelas­sen, daß sie die Erleichterung der Ehe­scheidung, wie sie von der Mehrheit der Re­gierungsparteien gewollt wird, nicht mit­machen könne, und nicht mitmachen werde. Sie habe den Kanzler über diese ihre Grund­haltung zu keiner Zeit im Linklaren gelassen und vor allen Dingen in den letzten Wochen ernstlich auf die Schwierigkeiten hinge­wiesen, die durch die etwaige Forcierung der Entscheidung in dieser Weltanschauungsfrage her­aufbeschworen werden mühten. Der Kanzler hätte also damit rechnen müssen, dah durch die Abwäl­zung der Verantwortung auch die unzweifelhafte Mehrheit des Rechtsausschusses den Forderungen der Zentrumspartei nicht Rechnung getragen wer­den könne. Deshalb sei es höchst überflüssig ge­wesen, die Regierungskoalition im jetzigen Augen­blick mit dieser Auseinandersetzung zu belasten. Der Protest der Zentrumsmitglieder des Rechts­ausschusses sei ein sehr ernstes War­nung s s i g n a l. Er sei ebensowenig ein bloßer Formalalt wie eine offene Kampfansage. Soviel aber stehe fest: Das Zentrum kämpfe mit aller Klarheit für die Llnantastbarkeit einer welt­anschaulichen Position. Eine Verschärfung der politischen Gegensätze würde nicht zuletzt auf Zentrumsseite der drängenden staatspolitischen Aufgaben wegen auf das tiefste bedauert wer­den. Die Verantwortung müsse in diesem Falle den Kreisen bleiben, die die weltanschauliche Tragweite ihrer Bestrebungen offenbar unter­schätz tew

DerVorwärts" sagt, es dränge sich der Eindruck auf, als ob das Zentrum diesen Weg eingeschlagen habe, um seine Forderung nach einer Umgruppierung innerhalb des Kabinetts zu unterstreichen. Es wünsche das Wirtschaftsministerium gegen das Iustiz- ministerium einzutauschen, teils mit Rücksicht eben auf die Ehescheidungsreform, mit der es sich bzw. Herirn v. Guörard nicht belasten möchte, teils weil es das Wirtschaftsministerium für wichtiger halte. Eine Erfüllung seiner Wünsche liege aber kaum im Bereich der Möglichkeit, da ein Tausch möglicherweise weitere Folgen nach sich ziehen würde.

DieD. A. Z." meint unter Hinweis auf die schlechten Finanzverhältnisse des Reiches, dah für das Zentrum und die Bayrische Volkspartei das Zusammenleben mit der Sozial­demokratie ohnehin seinen Reiz ver­loren habe. Der Konflikt sei unausbleiblich. Rur der Termin, der durch die ungesunden Oppositionsverhältnisse schon mehrfach künstlich hinausgeschoben worden sei, stehe noch nicht fest. Für die Deutsche Volkspartei, die eben­falls Grund genug habe, mit der heutigen Koa­lition unzufrieden zu sein, sind diese Strömungen in den Rachbarparteien deshalb so bedeutsam, weil sie ihren Forderungen nach organischer Finanz- und Wirtschaftsreform Un­terstützung und Rachdruck geben könnten. Die Risse in der Koalition etwa dadurch verkitten zu helfen, dah man eigene wohlerworbene Rechte hinsichtlich des Bestandes an Ministerien preis- vebe, wäre für die Volkspartei unter diesen Llmständen ein sehr schlechtes Geschäft. Die Dörsenzeitung" begrüßt den Vorst oh des Zentrums, weil der neue Koalitionskonflikt, wie er sich auch entwickele, keineswegs zu einer Stär­kung des sozialdemokratischen Einflusses, sondern im Gegenteil zu einer Erschütterung der in der Tat bereits unerträglich gewordenen marxistischen Vorherrschaft führen werde.

Geknebelte Opposition in Polen.

Der Sejm durch Dekret

des Staatspräsidenten vertagt.

.Berlin, 6. Aov. (Priv.-Tel.) P i l f u d f k i ist in dem Kampf mit dem Parlament aufs neue der Stärkere geblieben: er hat beim Staats­präsidenten ein Dekret durchgesetzt, wonach d i e Eröffnungssitzung des Sejm um dreißig Tage hinausgeschoben worden ist. Mit anderen Worten, es ist ihm gelungen, die lästige Opposition wieder einen Monat mundtot zu machen, deren Absicht es war, einen Mißtrauensantrag gegen den Marschall einzubringen und im übrigen mit dem gegen­wärtigen Regierungssystem abzurechnen. Schon vor einigen Tagen sollte der Sturmlauf einsehen: Pilsudski hatte aber etwa hundert Offiziere in das Sejmgebäude geschickt, die durch ihre An­wesenheit eine Vertagung der Sitzung erzwan­gen, was dann zu einem heftigen persönlichen Wortwechsel zwischen dem Sejmmarschall Das- zynski und Pilsudski selbst führte. Daszynski hatte nach diesem Auftritt dem Staatspräsidenten ent­weder die Parlamentsauflösung oder den Rück­tritt der Regieurng vorgeschlagen. Aber we­der das eine noch das andere Ereig- n i s trat ein, eben weil Pilsudski gar nicht daran denkt, auf irgendwelche Anregungen des Paria- ments einzugehen. Wie sich die Dinge nun weiter entwickeln werden, weih vorläufig noch kein Mensch. Die Möglichkeit einer Diktatur Pil- sudski besteht zwar, aber der Marchsall scheint es doch vorzuziehen, am gegenwärtigen System festzuhalten, dabei aber stets den Sejm auszu- schalten, wenn er es für nötig befindet.

Aus dem petitionsausschuß des Hessischen Landtages.

- ? a 5- Aov. Der Petitionsausschuh des Hessischen Landtages ersuchte auf einen An­trag des Abgeordneten Wolf (Landbund) wegen Beseitigung von Mißständen auf dem Bahn-

-'Al°ckheim die Regierung, sich bei der Aeichsbahndirektron Frankfurt a. M. dafür zu verwenden dah die Lieberdachung des Bahn- stelges 2 als vordringlich in den Bauplan der Reichsbahn eingestellt wird. Wegen der von sozialdemokratischer Seite gerügten Verhältnisse auf der Eisenbahnlinien Reinheim Selshe im und der daran entlang führenden Provlnzialstraßen wird die Regierung aufge­fordert, sich weiter mit der Süddeutschen Eisenbahngefellschaft um die Verbesserung der Verhältnisse zu bemühen. Die Straßenfragen können zum Teil aber erst mit der vorzuneh­menden Feldbereinigung gelöst werden. Der An­trag Donat (Demokrat), der bei LI e b e r s ch rei - tung der Verkaufszeit in ländlichen

Ladengeschäften auch die Bestrafung der Käufer anregt, wird für erledigt erklärt, da die Regierung mitteilt, dah die gesetzlichen Bestim­mungen eine solche Bestrafung nicht zulassen. 3m neuen Arbeitsschutzgesey sei auch nur die Straf­barkeit des Arbeitgebers und seiner Beauftragten vorgesehen.

Folgenschwerer Vulkanausbruch in Mttelamerika.

3n Guatemala sind die Städte Jinca und El p a k r o c i n i o mit ihrer gesamten Bevölkerung von der Lava und der glühenden Asche des Vulkans Santa Maria begraben worden. Die Rettungs­arbeiten des Militärs, des Roten Kreuzes und der Freiwilligen Feuerwehr wurden durch den starken Regen sehr behindert. Die Ausbrüche des Vulkans sollen auherordentlich stark gewesen sein. 3n Quezaltenango verursachte der Ausbruch eine große Panik. Die Einwohner hielten sich zur Räu­mung der Stadt bereit, die vor 27 Jahren bei dem letzten Ausbruch des Vulkans gänzlich zer­stört wurde.

Nachdem die Tätigkeit des Vulkans Santa Maria am Abend etwas nachgelassen hatte, erfolgte am

Dienstagmorgen ein neuer starker Aus­bruch. Man nimmt an, daß bisher etwa 3 0 0 Personen getötet und 200 verletzt wur­den. 37 Leichen konnten erst geborgen werden. In­folge der riesigen Hitze in der Umgebung des Kra­ters und der ausgedehnten Lavaströme ist es un­möglich, den genauen Sachschaden festzustellen, viele Leichen werden von den Lavaströmen fortge. schwemmt.

Der guatemalische Geschäftsträger in Mexiko er­hielt Berichte aus Guatemala, nach denen die Be­wohner von Mazatenango am Samstag durch ein dumpfes unterirdifches Grollen aufge­schreckt wurden, dem ein Erdbeben und vulka­nische Ausbrüche folgten. Ein Laoastrom er­goß sich über die ganze Gegend, zerstörte alles in seiner Bahn und überholte zahlreiche Flüchtlinge. Die gesamte Vulkanzone des Ge­bietes von Suchitepeguez ist mit Asche bedeckt, die stellenweise eine zwei Meter hohe Decke bildet. Tausende von Menschen sind obdachlos. Die Kaffee-Ernte und andere Ernten des Departe­ments find vernichtet.

Die Außenpolitik des Labourkabinetts.

Macdonald berichtet über seine Amerikareise. Oie Wiederaufnahme der Beziehungen zu Rußland. Ein Sieg der Arbeiterregierung.

London, 5. Rov. (WTB.) Premierminister Macdonald brachte im Linterhaus einen Ver­tagungsantrag ein, um eine Erklärung über seine Reise nach den Vereinigten Staaten und Kanada abzugeben. Sein Besuch sei das Ergebnis der Besprechungen mit General Dawes gewesen. Die Vereinigten Staaten verfolgten mit wachsamer Eifersucht ihre historische Politik, sich von den Verwicklungen der alten Welt freizuhalten und befänden sich daher nicht im Völkerbund. England sei im Völkerbund und habe Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund übernommen, dem­gegenüber es loyal bleiben werde. Hoover habe einige der größeren historischen strittigen Fragen zwischen den Vereinigten Staaten und Groß­britannien, wie z. B. die Rechte der Kriegführen­den, sog. befestigte Basen usw. aufgeworsen, und sie seien übereingekommen, sie in der Hoffnung auf ein Einvernehmen zu prüfen.

Der Führer der Opposition Baldwin er­kannte an, daß Macdonald in den Vereinigten Staaten als Premierminister des Ver­einigten Königreiches und nicht als Par­teiführer gehandelt habe, und erklärte, der Premierminister habe die Dankbarkeit aller Parteien für diese Haltung verdient. Auch Lloyd George beglückwünschte Mac­donald zu seiner Reise. Macdonald habe die Atmosphäre der Verstimmung zwischen den Ver­einigten Staaten und England geklärt und für größere Herzlichkeit in dem Verhältnis beider Länder gesorgt. Für England sei es notwendig, hinsichtlich des ThemasFreiheit der Meere" sehr vorsichtig in bezug auf die Preisgabe irgendwelcher englischer Rechte, vor­zugehen.Ich nehme an, so fuhr er fort,dah wir gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten keinerlei Verpflichtungen ein­gegangen sind, und dah für alle Fragen die Möglichkeit weiterer Prüfung offen bleibt?" Macdonald beantwortete die Frage des Redners mit einem zustimmenden Kopf­nicken. 3n der Frage der Rechte der Krieg­führenden sei keinerlei Verpflichtung ein­gegangen worden, man habe nur verabredet, dah das Problem Gegenstand weiterer Erwägungen sein werde. Die Frage, ob und welche En­terst ü h u n g die Vereinigten Staaten der englischen Regierung in der Frage der all­gemeinen Abrüstung angedeihen lassen könnten, sei von ihm in Amerika nicht aufgeworfen wor­den. Schon die Vorbereitung der Fünf­mächte k on f e r e nz, die sich doch lediglich auf die Abrüstung zur See beschränke, habe Mühe genug gekostet.

Der Staatssekretär des Aeußeren, Henderson, brachte dann den Antrag ein, daß das Linker- haus sich mit der Wiederaufnahme der Beziehun­gen zu Rußland einverstanden erklären möge. Er verwahrte sich entschieden gegen den Vor­wurf, daß er bei den Verhandlungen mit Dow- galewskikapituliert" habe. Es sei ihm ge­lungen, eine Vereinbarung über die Unter» la f Jung der Propaganda zu erzielen. Wirtschaftlich betrachtet sei es zwar richtig, daß die Sowjetunion ohne Vorhandensein diplo­matischer Beziehungen in England Einkäufe machen könne. Tatsächlich aber mache sie ihre Einkäufe in den Vereinigten Staaten und habe seit dem Abbruch der Beziehungen ihre Einkäufe in England erheblich vermin­dert. Die geplante Politik gegenüber Rußland liege im Interesse des europmschen Friedens.

Hierauf brachte Baldwin einen Abän­derungsantrag ein, worin der Regierung vor­geworfen wird, sie habe die seinerzeit bekannt- gegobenen Vorbedingungen für eine Wiederauf­nahme der Beziehungen nicht eingehalten. Es sei zu verlangen, daß diese Bedingungen vor Wiederaufnahme der Beziehungen erfüllt wer­den. Henderson habe sich zu einer Kapitu­lation bereitgefunden. Was gedenke die Re­gierung zu tun, wenn die russische Regierung ihr Versprechen bezüglich der Propaganda nicht einhalten würde, und ob in diesem Falle die Beziehungen wiederum abgebrochen werden? Ein Abkommen mit Leuten, die nach wie vor fana­tisch an die kommende Weltrevolution glauben, ist das Papier nicht teert, auf das es geschrieben ist. In Indien und China ist die russische Propaganda besonders gefährlich.

Der Führer der Liberalen, Lloyd George, sagte u. a., mit der russischen Propaganda habe es nicht viel auf sich, beim bei den Parlaments- Wahlen hätten die Kommunisten in England so schlecht abgeschlossen, wie in keinem anderen Lande der Welt. In Deutschland gebe es eine kommunistische Partei von drei bis vier Mil­lionen. Trotzdem habe Deutschland diplomatische Beziehungen mit Rußland. Es werde in Europa keine Abrüstung geben, bevor Rußland in die Organisation der Rationen hineingebracht sei. Vor diesem Zeitpunkt könnten weder Polen noch die Tschechoslowakei, noch Rumänien abrüsten. Das Llnterhaus hat darauf den Abänderungs­antrag Baldwins abgelehnt und den Re­gierungsantrag mit 324 gegen 199 Stimmen an­genommen.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------:_____________________________________________________________________________

Dir Voruntersuchung im Sklarekskandal

Eine Erklärung

-es Oberbürgermeisters Böß.

Berlin, 5. Rov. (WB.) Das Rachrichten­amt der Stadt Berlin veröffentlicht folgende Er­klärung des Oberbürgermeisters D ö h:

»Die ungeheuerlichen, ehrverletzenden Angriffe, die in meiner Abwesenheit, ohne daß ich davon Kenntnis erhielt und mich dagegen wehren konnte, gegen mich erhoben worden sind, haben mich aufs tiefste erschüttert. Lim so schwerer habe ich es empfunden, daß ich mich auch nach meiner Rückkehr nicht sofort öffentlich dazu äußern durfte, da ich verpflichtet war, vorher die Verneh­mung in dem von mir beantragten Disziplinarverfahren abzuwarten. Rach- dem diese heute nachmittag erfolgt ist, gebe ich folgende Erklärung ab:

1. Die meiner Frau von den Gebrüdern Skla- rek gelieferte Pelzjacke ist ihr als ein beson­ders günstiger Einkauf von Pelzfellen auf ge­drängt worden. Rach Lieferung der Jacke habe ich die Liebersendung der Rech­nung verlangt. Da mir der Rechnungsbetrag z u niedrig erschien, ich mich anderseits mit den Gebrüdern Sklarek nicht in Verhandlungen über den Preis einzulassen wünschte, habe ich mich der peinlichen Erörterung dadurch entziehen wol­len, dah ich einen Betrag zur Linde­rung von Rot verwandte und die Ge­brüder Sklarek hiervon benachrichtigte. Ich er­kenne natürlich heute, zumal nach den jetzigen Aufklärungen über die Persönlichkeit der Ver­käufer und den Wert der Pelzjacke, daß es u n - vorsichtig gewesen ist, den Pelzkauf zu dul­den, und entgegen meinem ursprünglichen Gefühl die Pelzjacke nicht zurückzugeben Emer rechtlichen und sittlichen Schuld bin ich mir nicht bewußt. Die Pelzjacke ist wenige Stun­den nach meiner Rückkehr dem Konkursverwalter der Firma Sllarek zurVerfügunggestellt worden. Andere Pelzsachen habe ich und meine üamilie von den Gebrüdern Sklarek nicht be­zogen.

KontoBöß j u n. gehabt hat. Ich und meine Familie haben vor mehreren Jahren ver­einzelt Bekleidungsstücke von der

Firma Sklarek bezogen und nach Lie­ferung ordnungsmäßig bezahlt. Dah ich über­haupt Waren von der Firma Sklarek genommen habe, erklärt sich aus der Llebernahme der städti­schen K.V.G. durch die Gebrüder Sklarek.

3. Zwischen den Gebrüdern Sklarek und mir oder meiner Familie Huben niemals per­sönliche oder gesellschaftliche Be- zieh ungen irgendwelcher Art bestanden. Ich und -meine Familie sind niemals bei ihnen zu Gast gewesen, ebensowenig wie die Gebrüder Sklarek bei uns.

4. Eine Begünstigung der Gebrüder Skla­rek durch mich ist niemals erfolgt und auch niemals in Frage gekommen. Ich habe niemals auf ihre Lieferungsgefchäfte oder Kreditgeschäfte Einfluß genommen oder auch nur Einfluß zu neh­men versucht. Rach der Dezernatsverteilung und der bestehenden Organisation habe ich mit den Lieferungs- und den Kreditgeschäften zwischen den Gebrüdern Sklarek und der Stadt nichts zu tun gehabt.

5. Es ist mir niemals gemeldet worden, daß die Gebrüder Sklarek hohe Millionen­kredite von der Stadtbank erhalten haben. Ich habe von den hohen Millionenkrediten der Gebrüder Sklarek erst während der zweiten Hälfte meiner Amerikareise erfahren. Ich bin von jeher grundsätzlich gegen hohe Kredite her Stadtbank an private Unternehmen gewesen. Ich habe bereits im Jahre 1925 mit dem da­maligen Stadtkämmerer und dem Geschäftsführer Schmitt von der Berliner Stadtbank ausdrücklich vereinbart, dah hohe Kredite der Stadtbank an Private nicht gegeben werden sollen.

6. Ich verurteile aufs schärfste, dah zwischen den Gebrüdern Sklarek und der Stadt Berlin ein Monopolvertrag ohne die städtischen Körperschaften abgeschlossen worden ist. Ich habe von diesem Dertragsabschluh erst in Ame­rika gehört.

2. Es ist unrichtig, daß eins meiner Äin- cer bei der Firma Sllarek ein besonderes

_ Alle Behauptungen, die mit den vorstehenden Erklärungen nicht übereinstimmen, sowie alle sonstigen über mich aufgestellten Behauptungen, 1 * 3 4 5 6

die darauf hinauslaufen, daß ich unerlaubte Vor­teile irgendwelcher Art in Anspruch genommen habe, sind unwahr und werden von mir ge­richtlich verfolgt werden.

(gez.): Böß, Oberbürgermeister."

Der Llntersuchungskommissar des Oberpräsiden­ten hat dem Oberbürgermeister mitgeteilt, dah das GeheimkontoGustav" nach dem Ergebnis der Ermittlungen nichts mit seiner Person zu tun hat.

Die verräterischen Geheimlonten

Berlin, 5.Rov. (WTB. Amtlich.) Unter Vorhalt der vorgefundenen Kassenbelege und der unter Decknamen geführten Konten wurden heute durch die Staatsanwaltschaft I der Bürgermeister Schneider, die Stadträte D e g e n e r und Gaebel, Direktor S ch ü n i n g und Stadtamts- rat Sakolofski vernommen. Nachdem auch die Gebrüder Sklarek vernommen waren, hat die Staatsanwaltschaft I die Eröffnung der Voruntersuchung gegen die zuerst ge­nannten fünf Personen wegen passiver Bestechung und gegen die Gebrüder Sklarek wegen aktiver Bestechung beantragt. Der Erlaß eines Haft­befehls gegen die Stadträte Otto Gaebel und Gustav Degener, die beide der Kommunistischen Partei angchörten, wird auf die Entdeckung der Geheimkonten zurückgeführt, aus denen sich u. a. ergibt, dah Gaebel etwa 30 000 Mk. im Jahre von den Sklareks erhalten hat, die nur als Bestechungsgelder bezeichnet werden können. Gaebel und Degner haben ferner ihre Garderobe ohne Gegenleistung bei der Kleiderverwertungsgesellschaft anfertigen lassen. Dem Stadtrat Gaebel wurden häufig für Sonntagsausflüge Mietautos zur Verfügung gestellt, wobei die Rechnung des Fuhrunternehmers sich häufig auf etwa 100 Qliart belief. Gaebel soll seinen Einfluh dahin geltend gemacht haben, dah in der kommunistischen Presse Angriffe gegen die Firma Sklarek unter­blieben. Beide sollen noch gestern in der Form einer Berichtigung abge ft ritten haben, von den Gebrüdern Sklarek Zuwendungen erhalten zu haben. Die Voruntersuchung wegen Bestechung wurde auch auf den Generaldirektor der Ber­liner Hafen- und Lagerhallen-Gesellschaft (Behal), S ch ü n i n g, ausgedehnt. Schüning war in den Jahren 1924/25 Stadtrat-Dezernent für die Ber­liner Anschaffungsgesellschaft. In diese Periode seiner Tätigkeit fallen d i e ersten Vertrags­abschlüsse zwischen den Sklareks und der Stadtverwaltung. Er soll noch bis in die letzte Zeit günstige Auskünfte über die Skla­reks erteilt und ihnen Empfehlungen an amtliche Stellen gegeben haben.

Bürgermeister Walker in Aeuyork wiedergewählt.

Die Dürgermeisterwahlen haben den erwarteten Sieg des bisherigen Bürgermeisters, Jimmy Walker, ergeben. Abgesehen von den gegen Mitternacht noch ausstehenden 121 Wahldistrikten erhielten: Walker 340 000, der Republikaner La Guardia 360 000, der Sozialist Thomas 167 000 und der frühere Polizeipräsident Enright 6000 Stimmen. Die bemerkenswerte Zunahme der sozialistischen Stimmen bildet die Sensation des Wahltages. Die bisher höchste Stimmenzahl von 145 000 hatte der sozialistische Kandidat Hillquit im Jahre 1917 erreicht.

Oie Wetterlage.

Oienstaa, C. rarntovrrih 1QOQ -7h n-KAr---------

Jan rtayei

Köst'

Seydfefiord

yrjnKt

nyrCoruna

HA

5 ZS) ög vj J^rmont Genf .

Shimm

WZ1

L

Owoixenios. Q neuer, onaio DedecKt.® wonug q oeaeciti «ssegr^ »Schnee a Graupeln - Nebel KGe«/itter.(§)Uinastilie.^>, sehr «enter Ost massige» SOdsodwesu q stürmischer nordwest Oie »feile fliegen mit dem Winde. Pie oei den Stationen stenenden Zah» len gehen die Temperatur an. Die Ulmen verbinden Orte mit gleichen} nf ««eresmveau umoereehnelen Luftdruce

Wettervoraussage.

2ly der Südseite der kräftigen Islandströmung, die sich in ihrem Kerngebiet etwas auffüllt und langsam nordostwärts weiterbewegt, hat sich ein Ausläufer entwickelt, der über Frankreich bis zu den Pyrenäen vorgreift. Er wird seinen Einfluß auf unsere Wetterlage geltend machen, o daß zunächst etwas Erwärmung und vorüber­gehend auch stärkere Bewölkung mit einzelnen Riederschlägen zu erwarten sind. Jedoch wird alsbald der durch die Strömung zusliehende Kaltluststrom wieder ein Auflösen der Wolken­decke herbeiführen, so daß für später bei nächt­lichem Aufklaren wieder die Nachtfrostgefahr zu­nimmt.

Voraussage für Donnerstag: Rach vorübergehend etwas milderem, wolkigem Wetter mit einzelnen Riederschlägen wieder Temperatur­rückgang, teils wolkig, teils aufheiternd.

Aussichten für Freitag: Rachtfrost­gefahr, wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung.

Lufttemperaturen am 5. November: mittags 4,4 Grad Celsius, abends 1,6 Grad: am 6. November: morgens 3,6 Grad. Maximum 4,3 Grad, Minimum 1,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 5. November: abends 4,6 Grad: am 6. November: morgens 4,8 Grad Celsius.