Echo -er presse.
Rückwirkungen auf die Koalition.
Berlin, 6. Rov. (SH.) Zum Auszug der Vertreter des Zentrums aus dem Rechtsausschuh des Reichstages schreibt die „Germania": Die Zentrumspartei habe ebenso wie die Bayrische Tvlkspartei keinen Zweifel offengelassen, daß sie die Erleichterung der Ehescheidung, wie sie von der Mehrheit der Regierungsparteien gewollt wird, nicht mitmachen könne, und nicht mitmachen werde. Sie habe den Kanzler über diese ihre Grundhaltung zu keiner Zeit im Linklaren gelassen und vor allen Dingen in den letzten Wochen ernstlich auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die durch die etwaige Forcierung der Entscheidung in dieser Weltanschauungsfrage heraufbeschworen werden mühten. Der Kanzler hätte also damit rechnen müssen, dah durch die Abwälzung der Verantwortung auch die unzweifelhafte Mehrheit des Rechtsausschusses den Forderungen der Zentrumspartei nicht Rechnung getragen werden könne. Deshalb sei es höchst überflüssig gewesen, die Regierungskoalition im jetzigen Augenblick mit dieser Auseinandersetzung zu belasten. Der Protest der Zentrumsmitglieder des Rechtsausschusses sei ein sehr ernstes Warnung s s i g n a l. Er sei ebensowenig ein bloßer Formalalt wie eine offene Kampfansage. Soviel aber stehe fest: Das Zentrum kämpfe mit aller Klarheit für die Llnantastbarkeit einer weltanschaulichen Position. Eine Verschärfung der politischen Gegensätze würde nicht zuletzt auf Zentrumsseite der drängenden staatspolitischen Aufgaben wegen auf das tiefste bedauert werden. Die Verantwortung müsse in diesem Falle den Kreisen bleiben, die die weltanschauliche Tragweite ihrer Bestrebungen offenbar unterschätz tew
Der „Vorwärts" sagt, es dränge sich der Eindruck auf, als ob das Zentrum diesen Weg eingeschlagen habe, um seine Forderung nach einer Umgruppierung innerhalb des Kabinetts zu unterstreichen. Es wünsche das Wirtschaftsministerium gegen das Iustiz- ministerium einzutauschen, teils mit Rücksicht eben auf die Ehescheidungsreform, mit der es sich bzw. Herirn v. Guörard nicht belasten möchte, teils weil es das Wirtschaftsministerium für wichtiger halte. Eine Erfüllung seiner Wünsche liege aber kaum im Bereich der Möglichkeit, da ein Tausch möglicherweise weitere Folgen nach sich ziehen würde.
Die „D. A. Z." meint unter Hinweis auf die schlechten Finanzverhältnisse des Reiches, dah für das Zentrum und die Bayrische Volkspartei das Zusammenleben mit der Sozialdemokratie ohnehin seinen Reiz verloren habe. Der Konflikt sei unausbleiblich. Rur der Termin, der durch die ungesunden Oppositionsverhältnisse schon mehrfach künstlich hinausgeschoben worden sei, stehe noch nicht fest. Für die Deutsche Volkspartei, die ebenfalls Grund genug habe, mit der heutigen Koalition unzufrieden zu sein, sind diese Strömungen in den Rachbarparteien deshalb so bedeutsam, weil sie ihren Forderungen nach organischer Finanz- und Wirtschaftsreform Unterstützung und Rachdruck geben könnten. Die Risse in der Koalition etwa dadurch verkitten zu helfen, dah man eigene wohlerworbene Rechte hinsichtlich des Bestandes an Ministerien preis- vebe, wäre für die Volkspartei unter diesen Llmständen ein sehr schlechtes Geschäft. Die „Dörsenzeitung" begrüßt den Vorst oh des Zentrums, weil der neue Koalitionskonflikt, wie er sich auch entwickele, keineswegs zu einer Stärkung des sozialdemokratischen Einflusses, sondern im Gegenteil zu einer Erschütterung der in der Tat bereits unerträglich gewordenen marxistischen Vorherrschaft führen werde.
Geknebelte Opposition in Polen.
Der Sejm durch Dekret
des Staatspräsidenten vertagt.
.Berlin, 6. Aov. (Priv.-Tel.) P i l f u d f k i ist in dem Kampf mit dem Parlament aufs neue der Stärkere geblieben: er hat beim Staatspräsidenten ein Dekret durchgesetzt, wonach d i e Eröffnungssitzung des Sejm um dreißig Tage hinausgeschoben worden ist. Mit anderen Worten, es ist ihm gelungen, die lästige Opposition wieder einen Monat mundtot zu machen, deren Absicht es war, einen Mißtrauensantrag gegen den Marschall einzubringen und im übrigen mit dem gegenwärtigen Regierungssystem abzurechnen. Schon vor einigen Tagen sollte der Sturmlauf einsehen: Pilsudski hatte aber etwa hundert Offiziere in das Sejmgebäude geschickt, die durch ihre Anwesenheit eine Vertagung der Sitzung erzwangen, was dann zu einem heftigen persönlichen Wortwechsel zwischen dem Sejmmarschall Das- zynski und Pilsudski selbst führte. Daszynski hatte nach diesem Auftritt dem Staatspräsidenten entweder die Parlamentsauflösung oder den Rücktritt der Regieurng vorgeschlagen. Aber weder das eine noch das andere Ereig- n i s trat ein, eben weil Pilsudski gar nicht daran denkt, auf irgendwelche Anregungen des Paria- ments einzugehen. Wie sich die Dinge nun weiter entwickeln werden, weih vorläufig noch kein Mensch. Die Möglichkeit einer Diktatur Pil- sudski besteht zwar, aber der Marchsall scheint es doch vorzuziehen, am gegenwärtigen System festzuhalten, dabei aber stets den Sejm auszu- schalten, wenn er es für nötig befindet.
Aus dem petitionsausschuß des Hessischen Landtages.
- ? a 5- Aov. Der Petitionsausschuh des Hessischen Landtages ersuchte auf einen Antrag des Abgeordneten Wolf (Landbund) wegen Beseitigung von Mißständen auf dem Bahn-
-'Al°ckheim die Regierung, sich bei der Aeichsbahndirektron Frankfurt a. M. dafür zu verwenden dah die Lieberdachung des Bahn- stelges 2 als vordringlich in den Bauplan der Reichsbahn eingestellt wird. Wegen der von sozialdemokratischer Seite gerügten Verhältnisse auf der Eisenbahnlinien Reinheim — Selshe im und der daran entlang führenden Provlnzialstraßen wird die Regierung aufgefordert, sich weiter mit der Süddeutschen Eisenbahngefellschaft um die Verbesserung der Verhältnisse zu bemühen. Die Straßenfragen können zum Teil aber erst mit der vorzunehmenden Feldbereinigung gelöst werden. Der Antrag Donat (Demokrat), der bei LI e b e r s ch rei - tung der Verkaufszeit in ländlichen
Ladengeschäften auch die Bestrafung der Käufer anregt, wird für erledigt erklärt, da die Regierung mitteilt, dah die gesetzlichen Bestimmungen eine solche Bestrafung nicht zulassen. 3m neuen Arbeitsschutzgesey sei auch nur die Strafbarkeit des Arbeitgebers und seiner Beauftragten vorgesehen.
Folgenschwerer Vulkanausbruch in Mttelamerika.
3n Guatemala sind die Städte Jinca und El p a k r o c i n i o mit ihrer gesamten Bevölkerung von der Lava und der glühenden Asche des Vulkans Santa Maria begraben worden. Die Rettungsarbeiten des Militärs, des Roten Kreuzes und der Freiwilligen Feuerwehr wurden durch den starken Regen sehr behindert. Die Ausbrüche des Vulkans sollen auherordentlich stark gewesen sein. 3n Quezaltenango verursachte der Ausbruch eine große Panik. Die Einwohner hielten sich zur Räumung der Stadt bereit, die vor 27 Jahren bei dem letzten Ausbruch des Vulkans gänzlich zerstört wurde.
Nachdem die Tätigkeit des Vulkans Santa Maria am Abend etwas nachgelassen hatte, erfolgte am
Dienstagmorgen ein neuer starker Ausbruch. Man nimmt an, daß bisher etwa 3 0 0 Personen getötet und 200 verletzt wurden. 37 Leichen konnten erst geborgen werden. Infolge der riesigen Hitze in der Umgebung des Kraters und der ausgedehnten Lavaströme ist es unmöglich, den genauen Sachschaden festzustellen, viele Leichen werden von den Lavaströmen fortge. schwemmt.
Der guatemalische Geschäftsträger in Mexiko erhielt Berichte aus Guatemala, nach denen die Bewohner von Mazatenango am Samstag durch ein dumpfes unterirdifches Grollen aufgeschreckt wurden, dem ein Erdbeben und vulkanische Ausbrüche folgten. Ein Laoastrom ergoß sich über die ganze Gegend, zerstörte alles in seiner Bahn und überholte zahlreiche Flüchtlinge. Die gesamte Vulkanzone des Gebietes von Suchitepeguez ist mit Asche bedeckt, die stellenweise eine zwei Meter hohe Decke bildet. Tausende von Menschen sind obdachlos. Die Kaffee-Ernte und andere Ernten des Departements find vernichtet.
Die Außenpolitik des Labourkabinetts.
Macdonald berichtet über seine Amerikareise. — Oie Wiederaufnahme der Beziehungen zu Rußland. — Ein Sieg der Arbeiterregierung.
London, 5. Rov. (WTB.) Premierminister Macdonald brachte im Linterhaus einen Vertagungsantrag ein, um eine Erklärung über seine Reise nach den Vereinigten Staaten und Kanada abzugeben. Sein Besuch sei das Ergebnis der Besprechungen mit General Dawes gewesen. Die Vereinigten Staaten verfolgten mit wachsamer Eifersucht ihre historische Politik, sich von den Verwicklungen der alten Welt freizuhalten und befänden sich daher nicht im Völkerbund. England sei im Völkerbund und habe Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund übernommen, demgegenüber es loyal bleiben werde. Hoover habe einige der größeren historischen strittigen Fragen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien, wie z. B. die Rechte der Kriegführenden, sog. befestigte Basen usw. aufgeworsen, und sie seien übereingekommen, sie in der Hoffnung auf ein Einvernehmen zu prüfen.
Der Führer der Opposition Baldwin erkannte an, daß Macdonald in den Vereinigten Staaten als Premierminister des Vereinigten Königreiches und nicht als Parteiführer gehandelt habe, und erklärte, der Premierminister habe die Dankbarkeit aller Parteien für diese Haltung verdient. Auch Lloyd George beglückwünschte Macdonald zu seiner Reise. Macdonald habe die Atmosphäre der Verstimmung zwischen den Vereinigten Staaten und England geklärt und für größere Herzlichkeit in dem Verhältnis beider Länder gesorgt. Für England sei es notwendig, hinsichtlich des Themas „Freiheit der Meere" sehr vorsichtig in bezug auf die Preisgabe irgendwelcher englischer Rechte, vorzugehen. „Ich nehme an“, so fuhr er fort, „dah wir gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten keinerlei Verpflichtungen eingegangen sind, und dah für alle Fragen die Möglichkeit weiterer Prüfung offen bleibt?" Macdonald beantwortete die Frage des Redners mit einem zustimmenden Kopfnicken. 3n der Frage der Rechte der Kriegführenden sei keinerlei Verpflichtung eingegangen worden, man habe nur verabredet, dah das Problem Gegenstand weiterer Erwägungen sein werde. Die Frage, ob und welche Enterst ü h u n g die Vereinigten Staaten der englischen Regierung in der Frage der allgemeinen Abrüstung angedeihen lassen könnten, sei von ihm in Amerika nicht aufgeworfen worden. Schon die Vorbereitung der Fünfmächte k on f e r e nz, die sich doch lediglich auf die Abrüstung zur See beschränke, habe Mühe genug gekostet.
Der Staatssekretär des Aeußeren, Henderson, brachte dann den Antrag ein, daß das Linker- haus sich mit der Wiederaufnahme der Beziehungen zu Rußland einverstanden erklären möge. Er verwahrte sich entschieden gegen den Vorwurf, daß er bei den Verhandlungen mit Dow- galewski „kapituliert" habe. Es sei ihm gelungen, eine Vereinbarung über die Unter» la f Jung der Propaganda zu erzielen. Wirtschaftlich betrachtet sei es zwar richtig, daß die Sowjetunion ohne Vorhandensein diplomatischer Beziehungen in England Einkäufe machen könne. Tatsächlich aber mache sie ihre Einkäufe in den Vereinigten Staaten und habe seit dem Abbruch der Beziehungen ihre Einkäufe in England erheblich vermindert. Die geplante Politik gegenüber Rußland liege im Interesse des europmschen Friedens.
Hierauf brachte Baldwin einen Abänderungsantrag ein, worin der Regierung vorgeworfen wird, sie habe die seinerzeit bekannt- gegobenen Vorbedingungen für eine Wiederaufnahme der Beziehungen nicht eingehalten. Es sei zu verlangen, daß diese Bedingungen vor Wiederaufnahme der Beziehungen erfüllt werden. Henderson habe sich zu einer Kapitulation bereitgefunden. Was gedenke die Regierung zu tun, wenn die russische Regierung ihr Versprechen bezüglich der Propaganda nicht einhalten würde, und ob in diesem Falle die Beziehungen wiederum abgebrochen werden? Ein Abkommen mit Leuten, die nach wie vor fanatisch an die kommende Weltrevolution glauben, ist das Papier nicht teert, auf das es geschrieben ist. In Indien und China ist die russische Propaganda besonders gefährlich.
Der Führer der Liberalen, Lloyd George, sagte u. a., mit der russischen Propaganda habe es nicht viel auf sich, beim bei den Parlaments- Wahlen hätten die Kommunisten in England so schlecht abgeschlossen, wie in keinem anderen Lande der Welt. In Deutschland gebe es eine kommunistische Partei von drei ‘ bis vier Millionen. Trotzdem habe Deutschland diplomatische Beziehungen mit Rußland. Es werde in Europa keine Abrüstung geben, bevor Rußland in die Organisation der Rationen hineingebracht sei. Vor diesem Zeitpunkt könnten weder Polen noch die Tschechoslowakei, noch Rumänien abrüsten. Das Llnterhaus hat darauf den Abänderungsantrag Baldwins abgelehnt und den Regierungsantrag mit 324 gegen 199 Stimmen angenommen.
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Dir Voruntersuchung im Sklarekskandal
Eine Erklärung
-es Oberbürgermeisters Böß.
Berlin, 5. Rov. (WB.) Das Rachrichtenamt der Stadt Berlin veröffentlicht folgende Erklärung des Oberbürgermeisters D ö h:
»Die ungeheuerlichen, ehrverletzenden Angriffe, die in meiner Abwesenheit, ohne daß ich davon Kenntnis erhielt und mich dagegen wehren konnte, gegen mich erhoben worden sind, haben mich aufs tiefste erschüttert. Lim so schwerer habe ich es empfunden, daß ich mich auch nach meiner Rückkehr nicht sofort öffentlich dazu äußern durfte, da ich verpflichtet war, vorher die Vernehmung in dem von mir beantragten Disziplinarverfahren abzuwarten. Rach- dem diese heute nachmittag erfolgt ist, gebe ich folgende Erklärung ab:
1. Die meiner Frau von den Gebrüdern Skla- rek gelieferte Pelzjacke ist ihr als ein besonders günstiger Einkauf von Pelzfellen auf gedrängt worden. Rach Lieferung der Jacke habe ich die Liebersendung der Rechnung verlangt. Da mir der Rechnungsbetrag z u niedrig erschien, ich mich anderseits mit den Gebrüdern Sklarek nicht in Verhandlungen über den Preis einzulassen wünschte, habe ich mich der peinlichen Erörterung dadurch entziehen wollen, dah ich einen Betrag zur Linderung von Rot verwandte und die Gebrüder Sklarek hiervon benachrichtigte. Ich erkenne natürlich heute, zumal nach den jetzigen Aufklärungen über die Persönlichkeit der Verkäufer und den Wert der Pelzjacke, daß es u n - vorsichtig gewesen ist, den Pelzkauf zu dulden, und — entgegen meinem ursprünglichen Gefühl — die Pelzjacke nicht zurückzugeben Emer rechtlichen und sittlichen Schuld bin ich mir nicht bewußt. Die Pelzjacke ist wenige Stunden nach meiner Rückkehr dem Konkursverwalter der Firma Sllarek zurVerfügunggestellt worden. Andere Pelzsachen habe ich und meine üamilie von den Gebrüdern Sklarek nicht bezogen.
Konto „Böß j u n.“ gehabt hat. Ich und meine Familie haben vor mehreren Jahren vereinzelt Bekleidungsstücke von der
Firma Sklarek bezogen und nach Lieferung ordnungsmäßig bezahlt. Dah ich überhaupt Waren von der Firma Sklarek genommen habe, erklärt sich aus der Llebernahme der städtischen K.V.G. durch die Gebrüder Sklarek.
3. Zwischen den Gebrüdern Sklarek und mir oder meiner Familie Huben niemals persönliche oder gesellschaftliche Be- zieh ungen irgendwelcher Art bestanden. Ich und -meine Familie sind niemals bei ihnen zu Gast gewesen, ebensowenig wie die Gebrüder Sklarek bei uns.
4. Eine Begünstigung der Gebrüder Sklarek durch mich ist niemals erfolgt und auch niemals in Frage gekommen. Ich habe niemals auf ihre Lieferungsgefchäfte oder Kreditgeschäfte Einfluß genommen oder auch nur Einfluß zu nehmen versucht. Rach der Dezernatsverteilung und der bestehenden Organisation habe ich mit den Lieferungs- und den Kreditgeschäften zwischen den Gebrüdern Sklarek und der Stadt nichts zu tun gehabt.
5. Es ist mir niemals gemeldet worden, daß die Gebrüder Sklarek hohe Millionenkredite von der Stadtbank erhalten haben. Ich habe von den hohen Millionenkrediten der Gebrüder Sklarek erst während der zweiten Hälfte meiner Amerikareise erfahren. Ich bin von jeher grundsätzlich gegen hohe Kredite her Stadtbank an private Unternehmen gewesen. Ich habe bereits im Jahre 1925 mit dem damaligen Stadtkämmerer und dem Geschäftsführer Schmitt von der Berliner Stadtbank ausdrücklich vereinbart, dah hohe Kredite der Stadtbank an Private nicht gegeben werden sollen.
6. Ich verurteile aufs schärfste, dah zwischen den Gebrüdern Sklarek und der Stadt Berlin ein Monopolvertrag ohne die städtischen Körperschaften abgeschlossen worden ist. Ich habe von diesem Dertragsabschluh erst in Amerika gehört.
2. Es ist unrichtig, daß eins meiner Äin- cer bei der Firma Sllarek ein besonderes
_ Alle Behauptungen, die mit den vorstehenden Erklärungen nicht übereinstimmen, sowie alle sonstigen über mich aufgestellten Behauptungen, 1 * 3 4 5 6
die darauf hinauslaufen, daß ich unerlaubte Vorteile irgendwelcher Art in Anspruch genommen habe, sind unwahr und werden von mir gerichtlich verfolgt werden.
(gez.): Böß, Oberbürgermeister."
Der Llntersuchungskommissar des Oberpräsidenten hat dem Oberbürgermeister mitgeteilt, dah das Geheimkonto „Gustav" nach dem Ergebnis der Ermittlungen nichts mit seiner Person zu tun hat.
Die verräterischen Geheimlonten
Berlin, 5.Rov. (WTB. Amtlich.) Unter Vorhalt der vorgefundenen Kassenbelege und der unter Decknamen geführten Konten wurden heute durch die Staatsanwaltschaft I der Bürgermeister Schneider, die Stadträte D e g e n e r und Gaebel, Direktor S ch ü n i n g und Stadtamts- rat Sakolofski vernommen. Nachdem auch die Gebrüder Sklarek vernommen waren, hat die Staatsanwaltschaft I die Eröffnung der Voruntersuchung gegen die zuerst genannten fünf Personen wegen passiver Bestechung und gegen die Gebrüder Sklarek wegen aktiver Bestechung beantragt. Der Erlaß eines Haftbefehls gegen die Stadträte Otto Gaebel und Gustav Degener, die beide der Kommunistischen Partei angchörten, wird auf die Entdeckung der Geheimkonten zurückgeführt, aus denen sich u. a. ergibt, dah Gaebel etwa 30 000 Mk. im Jahre von den Sklareks erhalten hat, die nur als Bestechungsgelder bezeichnet werden können. Gaebel und Degner haben ferner ihre Garderobe ohne Gegenleistung bei der Kleiderverwertungsgesellschaft anfertigen lassen. Dem Stadtrat Gaebel wurden häufig für Sonntagsausflüge Mietautos zur Verfügung gestellt, wobei die Rechnung des Fuhrunternehmers sich häufig auf etwa 100 Qliart belief. Gaebel soll seinen Einfluh dahin geltend gemacht haben, dah in der kommunistischen Presse Angriffe gegen die Firma Sklarek unterblieben. Beide sollen noch gestern in der Form einer Berichtigung abge ft ritten haben, von den Gebrüdern Sklarek Zuwendungen erhalten zu haben. Die Voruntersuchung wegen Bestechung wurde auch auf den Generaldirektor der Berliner Hafen- und Lagerhallen-Gesellschaft (Behal), S ch ü n i n g, ausgedehnt. Schüning war in den Jahren 1924/25 Stadtrat-Dezernent für die Berliner Anschaffungsgesellschaft. In diese Periode seiner Tätigkeit fallen d i e ersten Vertragsabschlüsse zwischen den Sklareks und der Stadtverwaltung. Er soll noch bis in die letzte Zeit günstige Auskünfte über die Sklareks erteilt und ihnen Empfehlungen an amtliche Stellen gegeben haben.
Bürgermeister Walker in Aeuyork wiedergewählt.
Die Dürgermeisterwahlen haben den erwarteten Sieg des bisherigen Bürgermeisters, Jimmy Walker, ergeben. Abgesehen von den gegen Mitternacht noch ausstehenden 121 Wahldistrikten erhielten: Walker 340 000, der Republikaner La Guardia 360 000, der Sozialist Thomas 167 000 und der frühere Polizeipräsident Enright 6000 Stimmen. Die bemerkenswerte Zunahme der sozialistischen Stimmen bildet die Sensation des Wahltages. Die bisher höchste Stimmenzahl von 145 000 hatte der sozialistische Kandidat Hillquit im Jahre 1917 erreicht.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
2ly der Südseite der kräftigen Islandströmung, die sich in ihrem Kerngebiet etwas auffüllt und langsam nordostwärts weiterbewegt, hat sich ein Ausläufer entwickelt, der über Frankreich bis zu den Pyrenäen vorgreift. Er wird seinen Einfluß auf unsere Wetterlage geltend machen, o daß zunächst etwas Erwärmung und vorübergehend auch stärkere Bewölkung mit einzelnen Riederschlägen zu erwarten sind. Jedoch wird alsbald der durch die Strömung zusliehende Kaltluststrom wieder ein Auflösen der Wolkendecke herbeiführen, so daß für später bei nächtlichem Aufklaren wieder die Nachtfrostgefahr zunimmt.
Voraussage für Donnerstag: Rach vorübergehend etwas milderem, wolkigem Wetter mit einzelnen Riederschlägen wieder Temperaturrückgang, teils wolkig, teils aufheiternd.
Aussichten für Freitag: Rachtfrostgefahr, wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung.
Lufttemperaturen am 5. November: mittags 4,4 Grad Celsius, abends 1,6 Grad: am 6. November: morgens 3,6 Grad. Maximum 4,3 Grad, Minimum 1,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 5. November: abends 4,6 Grad: am 6. November: morgens 4,8 Grad Celsius.


