Briandspricht in Genf: OerDölkerbun- und derKriede
Oer falsche Magier.
Herr Briand hat einen Mißerfolg erlebt; das steslen wir mit Befriedigung fest. Er hat zwar mit feinen Deklamationen vor dem Völkerbund den üblichen Beifall gehabt, aber er als verwöhnter Schauspieler war mehr gewohnt. Er muß nun plötzlich feststellen, daß die Walze, die er früher so erfolgreich drehte, nicht mehr zieht, daß man hinter seine Tricks gekommen ist und nicht mehr die schöne Phrase sieht, sondern nur den Wann, der mit Worten jongliert, aber jedesmal versagt, wenn er den Worten die Tat folgen lassen soll. Vielleicht hat er etwas Aehnliches befürchtet, vielleicht ist er, der die Resonanz braucht, um sich an ihr wieder zu begeistern, deshalb so unsicher gewesen, denn auch seine Rhetorik war schlecht. Es fehlt ihr das Faszinierende, das sonst die logischen Lücken verbarg. Was er am Donnerstag von sich gab, war nicht viel mehr als eine Aneinanderreihung von verschwommenen Gemeinplätzen, die überall da, wo sie überhaupt faßbar sind, durch ihre Gedankenarmut und ihre älnwahrheit auffallen.
Eine Verbeugung vor dem Völkerbund? Schön. Aber die Leistungen des Völkerbundes sollen doch erst kommen. Im ersten Jahrzehnt seines Bestehens hat er sich immer tot gestellt, wenn er seine Existenzberechtigung nachweisen wollte. Er hat Polen nach Wilna, Litauen nach Memel, er hat Italien nach Fiume marschieren lassen, obwohl es sich jedesmal um eine glatte Verletzung von Verträgen handelte. Er kann zwischen Rumänien und Ungarn einen Vergleich nicht schaffen, er kann die brutalen Vergewaltigungen der Minderheiten selbst in den Nachfolgestaaten nicht verhindern.
Der Völkerbund ist auch heute noch eine Kulisse, mehr nicht. Und die Rezepte, die Herr Briand jetzt empfiehlt, werden daran nichts ändern. Er wagt es, das Wort Abrüstung in den Mund zu nehmen, jedoch nur, um dafür den Gedanken der Sicherheit, am liebsten gar des Genfer. Protokolls, in den Vordergrund zu schieben, das französische System, das der Organisation des Krieges, aber nicht der Organisation des Friedens gewidmet ist. Bleibt schließlich der nebelhafte Gedanke der Vereinigten Staaten von Europa. Auch hierzu hat Briand nichts zu sagen gewußt als Phrasen. Er hat die Schlagworte weltfremder Ideologen übernommen, sich jedoch nicht die Mühe gemacht, sie selbst durchzudenken, weil er doch weiß, daß nichts dabei herauskommen kann, solange Frankreich nicht auf die Machtpolitik verzichtet, die, wenn auch mit anderen Mitteln, von Briand so gut propagiert wird wie von Poincarö. Und weil das nachgerade auch die hohe Versammlung merkt, fand er wenig mehr als einen guten Abgang, wie ihn ein mitleidiges Publikum auch noch einem altgewordenen Heldendarsteller verschafft-
Wieder einmal ein „großer Tag" in Genf.
' Genf, 5. Sept. (WTB.) Die heutige Vor- mittagssitzung der Dölkerbundsversammlung bot von Anfang an das Bild eines großen Tages. Kurz vor der Sitzung war bekannt ge- wotden, daß Briand noch am heutigen Vormittag sprechen werde. Tribünen und Saal hat
ten sich daher rasch bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch das Erscheinen von Reichsminister Dr. Stresemann, der heute zum ersten Mal wieder an den Arbeiten in Genf teilnimmt, fand in den Wandelgängen und im Reformationssaal allseitige aufmerksame Beachtung. Rach einem längeren Gespräch zwischen Macdonald und Stresemann folgte die herzliche Begrüßung durch Briand und H e n d e r - s o n. Viele andere Delegierte begaben sich noch vor Eröffnung der Sitzung zum Platz Dr. Stre- semanns, um ihn nach einer zweijährigen Pause in der Völkerbundsversammlung willkommen zu heißen. Rach einer Rede des belgischen Außenministers Hymans erteilt der Präsident das Wort an den französischen Ministerpräsidenten Briand, der sich unter stürmischem Beifall von seinem Platz erhebt und die Rednertribüne besteigt. Er sprach auch diesmal mit dem starken Pathos, das man an seinen großen Reden kennt, und wurde an zahlreichen Stellen durch lebhaften Beifall unterbrochen.
Briand
wies daran, hin, daß der Völkerbund bereits zehn Jahre bestehe. Diese Zeit sei nicht verloren gewesen. Der Völkerbund habe die'großen Schwierigkeiten, auf die er stieß, überw nden und den Skeptizismus besiegt. Heute habe er das Vertrauen aller Völker. Was werde er mit diesem Vertrauen der Völker anfangen? Alles, was im Interesse des Friedens in den letzten Jahren geschaffen wurde, sei nur mit dem Völkerbund möglich gewesen. Das gelte auch für Locarno und den Kelloggpakt. Cs bleibe aber in der Arbeit für den Frieden immer noch eine große Lücke, die früher oder später ausgefüllt werden müßte. Wir haben den Krieg als Verbrechen gestempelt, fuhr Dri- and fort. Wer aber könnte sagen, daß das Werk des Völkerbundes dadurch vollendet ist? Er muh alles vorbereiten, um den Krieg zu vermeiden (Langanhaltender Beifall.) Was wird der Völkerbund tun, wenn der Krieg ausbricht? Vor einigen Jahren bemühte man sich einen Monat lang vergeblich, Sanktionen für den Friedensstörer zufinden. Aber wir können auch auf die Strafe nicht verzichten, wenn wir die Lücke überbrücken wollen.
die Frage der Rüstungsbeschränkung sei eine heilige Pflicht der Unterzeichner des Versailler Vertrags. Allerdings gebe es Schwierigkeiten. Da sei zunächst das Problem der Sicherheit, die sehr schwer festzustellen sei. Aber auch dieses Problem mühte durch Zusammenarbeit gelöst werden.
Er glaube auch, daß der vorbereitende Ausschuß es schon sehr gefördert habe. Wenn das See- ablommen zustande komme, so werde der vorbereitende Ausschuß die Konferenz zusammenberufen ' können, die den Artikel 8 der Döller- bundssahung, den Abrüstungsartikel, verwirklichte. Die privaten Besprechungen über dieses Problem, die jetzt im Gange sind, würden sicherlich gute Erfolge bringen.
Briand verbreitete sich auch über das, was man als seinen Gedanken der „Vereinigten Staaten von Europa" bezeichnet hat. Ich habe mich einer Idee angeschlossen, sagte er, die man unvorsichtig genannt hat, die aber
großzügig ist. Diese Idee hat nach und nach an Boden gewonnen. Gewiß scheint es abenteuerlich für einen Staatsmann zu sein, sich auf diesen Boden zu begeben. Das Problem hat nur indirekt mit dem Völkerbund zu tun. Cs handelt sich nicht nur im wirtschaftlichen, sondern auch im weiteren Sinne um eine Art Bund, der aber gegen niemand gerichtet ist. Cs sollte zwischen den europäischen Staaten ein Band, ein Bund existieren, der ihnen erlaubte, gemeinsame Ziele zu verfolgen. Ohne die Souveränität der Staaten anzutasten, könnte dieser Bund im sozialen Sinne gute Auswirkungen haben. Ich möchte meine Kollegen deshalb bitten, diese Frage ernstlich zu prüfen. Briand schloß sich der Auffassung Macoonalds an, daß der Friede eine Frage der Moral ist. Wir müssen die Kräfte, schloß Briand, die den Geist der Völker zu verhetzen trachten, an den Pranger stellen und ihnen das Heft aus den Händen reißen. Ich wende mich hier besonders an die Frauen. Sie müssen ihre Familien gegen diese Hetze verteidigen. An dem Tage, wo den Kindern die Liebe zum Frieden gelehrt wird, und wo sie lernen, auch andere Völker zu achten, an diesem Tage werden die Sicherheiten überflüssig werden, und es wird Friede unter den Völkern herrschen.
Der Rede Briands folgte der übliche stürmische Beifall.
Stresemann über den Locarnogedanken. Glaube — Arbeit — Erfolg.
Genf, 5. Sept. (WB.) Zu Ehren der Mitglieder des Völkerbundsrates veranstaltete der Verband der Völkerbundsjvurnalisten sein tra» ditionelles Frühstück. Auf die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden erwiderten die Präsidenten des Völkerbundsrates und der Bundesversammlung. Weitere Tischreden hielten Macdonald, Stresemann und Briand. Stresemann erinnerte an das Wort Macdonalds, der nach Abschluß der Londoner Konferenz über den Dawes-Plan an das harrende und Beifall spendende Publikum seinerzeit die Frage gerichtet hatte: „Warum wollen wir unsere alte Freundschaft vergessen?" und wenige Wochen daraus vor der Völkerbundsversammlung von dem leeren Stuhl Deutschlands gesprochen hatte. Diese Worte hätten ganz wesentlich zu der großen Bewegung beigetragen, die mit dem Ramen Locarno auf ewig verbunden sein wird und zu der gemeinsamen Zusammenarbeit in Genf geführt hat. Ein Rückblick auf den Anfang dieser Bewegung ist ein neuer Beweis dafür, daß man zuerst an eine Sache glauben muß, damit sie sich durchsetzen kann. Glaube ist das erste, Arbeit das zweite und Erfolg das dritte Glied der Kette. Trotz aller Sysiphusarbeit, die für die Verständigung der Völker geleistet werden muß, und trotz aller Rückschläge wird es notwendig sein, den Glauben an ein Vorwärtskommen fest in sich zu tragen. Wer die Augen nicht absichtlich verschließen will, muß heute gestehen, daß diese Zeit eine Zeit fortschreitender Verständigung gewesen ist.
vor einigen Monaten in ftorono auf Voldemaras verübt wurde. Pletschkaitis war ursprünglich Sozialdemokrat, ist aber bereits seit langem aus der Sozialdemokratischen Partei in Wilna ausgeschlossen.
Minister Curiius berichtet dem Reichspräsidenten.
Hindenburg über das Ergebnis im Haag
Berlin, 5. Sept. (WB.) Reichspräsident v. Hindenburg empfing heute den Reichswirtschaftsminister Dr. L u r t i u s, de- ihm in Vertretung des Reichsmini st ers des Auswärtigen. Dr. Stresemann, Bericht erstattete über den Gang und das Ergebnis der Haager Konferenz. Der Reichspräsident sprach dem Minister zugleich mit dem Ersuchen um Uebermitt- lung an die übrigen Mitglieder der Delegation seinen Dank für die in schwierigen und mühevollen Verhandlungen geleistete Arbeit aus. Insbesondere gab der Reichspräsident seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß endlich das Recht Deutschlands auf Befreiung der rheinischen Gebiete von fremder Besatzung in naher Zukunft erfüllt werden soll. Der Reichspräsident sprach ferner die Erwartung aus, daß von der jetzt erreichten Etappe aus die Lösung der noch offenen Reparationsfragen und die volle Anerkennung der deutschen Staatshoheit erkämpft werden möge.
Oie Schiedskommissionen des Locarnovertrages.
Wie Graf Westarp das Haager Abkommen über die Kontrolle auslegt.
Berlin, 5. Sept. (Privatmeldung.) In der „Kreuz-Zeitung" bespricht Graf Westarp unter der Überschrift „Die Dauerkontrolle der entmilitarisierten Zo ne" das Abkommen über die Kontrolle der entmilitarisierten Zone vom 30. August, das vom Staatssekretär des Auswärtigen, Henderson, bei der Schluß - tagung der politischen Konferenz im Haag verlesen worden ist. Der umfangreiche Artikel, der sich u. a. mit der Auslegung des Artikels 213 des Versailler Vertrags, dem Investigations- Protokoll vom 24. September 1924 und dem Abkommen vom 30. August befaßt, stellt am Schluß auf Grund von vorangegangenen juristischen Darlegungen folgende Behauptungen auf:
„Das Abkommen vom 30. August enthält e i n doppeltes Llntersuchungsrecht, nämlich a) die Anerkenntnis, daß das Investigationsrecht des Völkerbundes sich auf die Kontrolle der Entmilitarisierung beziehe, b) die Ausdehnung der Zuständigkeit der im französisch-deutschen und belgisch-deutschen Schiedsvertrage von Locarno vorgesehenen beiden Vergleichs-
kommissionen auf alle Streitigkeiten der Entmilitarisierung, c) das Recht und die Verpflichtung aus dieser Der- gleichskommission, auch auf einseitigen Antrag Frankreichs oder Belgiens zur Klärung der vorgebrachten Anstände jede Llntersuchung auch auf deutschem Boden vorzunehmen. Diese Regelung ist für die Dauer der Locarnoverträge, also auf unbeschränkte Zeit, getroffen. Danach steht für uns fest: Das Abkommen vom 30. August begründet die Dauerkontrolle der entmilitarifierten Zone, die bisher von allen deutschen Parteien ohne jede Ausnahme abgelehnt worden ist und auf deren Ablehnung sich gerade das Zentrum durch juristische Darlegungen seines Parteivorsihenden und durch dessen Briefwechsel mit Minister Wirth mit besonderer Schärfe fest- gelegt hat. Wir halten an der Ablehnung fest und sagen äuch dem Kontrollabkommen wie den finanziellen Haager Abmachungen schärfsten Kampf an.“
Stresemann
an die Deutsche Volkspartei in Hessen.
Darmstadt. 5. Sept. Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat an den Landesverband Hessen der Deutschen Volkspartei als Antwort auf dessen telegraphische Grüße folgendes Telegramm aus Genf gesandt: „Aufrichtigen Dank für das Telegramm, das ich heute in Genf vorfand. Ihr Gedenken und der Ausdruck tmntbarpr Anerkennung der langjährigen Arbeit für Deutschlands Souveränität hat mich aufrichtig gefreut. Rur die gemeinschaftliche Arbeit weitester Kreise des deutschen Volkes und das treue Ausharren der Bevölkerung des besetzten Gebietes haben es ermöglicht, die vorliegenden Ergebnisse zu erzielen, gez. Dr. Stresemann."
Der Zeppelin-Transozeanverkehr
Eckeners Besprechungen in Amerika.
A k r o n (Ohio), 5. Sept. (WTB.) Rach der gestrigen ersten Besprechung Dr. Eckeners mit Vertretern Reuyorker Bankhäuser und der Good Bear Zeppelin Company erklärte Präsident Litchfield von der Good Bear Tire and Rubber Company, daß noch immer zwei bis vier Jahre vergehen würden, bis der Betrieb der Luftschifflinien ausgenommen werden könnte. Er und Dr. Eckener hätten alle Einzelheiten eines die ganze Welt umspannenden Luftschiffverkehrs erörtert. Man nimmt an, daß außer den Reuyorker Danken auch die Dollar-Schiffahrtlinien an dem geplanten Unternehmen interessiert sind. Dr. Eckener erklärte, daß er beabsichtige, mit dem „Graf Zeppelin" in diesem Jahr noch mehrere Fahrten in Europa, namentlich nach Skandinavien, zu unternehmen. Er werde vielleicht auch noch einmal mit dem Luftschiff nach den Vereinigten Staaten kommen, vorausgesetzt, daß er die Luftschiffhalle in Lakehurst benutzen könne.
Vizepräsident H u n f ch e r von der Good Bear Zeppelln Company erklärte, er erwarte» daß die
Marine die Pläne bezüglich der Einrichtung von regelmäßigen Luftschifflinien über den Stillen Ozean unterstützen werde, namentlich soweit ein regelmäßiger Luftschiffverkehr mit Hawai in Frage komme, da den dort stationierten Marinemannschaften auf diese Weise Gelegenheit geboten werde, sich weitgehende Erfahrungen bei der Landung großer Luftschiffe anzueignen. Die Kosten der für den transpazifischen Dienst zu bauenden Zeppeline werden auf vier MillivnenDol- I a r per Schiff veranschlagt. Die Errichtung einer Luftschiffhalle in Hawai dürfte nicht notwendig sein, da die dort vorhandenen Ankermasten vollständig genügen. Allerdings müßten in Hawai Tanks für die Aufbewahrung des Heliumgases angelegt werden, das für die in den pazifischen Dienst einzustel- lande Luftschiffe benötigt wird. Die geplanten Zeppelin-Verckehrslinien sollen durch die beiden Reuyorker Bankhäuser Lehmann & Co. und Murphy & Co. ohne Beteiligung des Publikums finanziert werden. Im Verlauf des Winters wird man sich bemühen, vom Bundeskongreß mehrjährige P o st k o n t r a f t e für die Zeppelin-Linien zu erhalten.
Oer Kamps
um die Freiheit der deutschen Lustfahrt.
Berlin, 6. Sept. (Priv.-Tel.) Vor kurzem sind mit den in der Botschafterkonferenz vertretenen Mächten Verhandlungen ausgenommen worden, die eine Erleichterung der Deutschland auferlegten Luftfahrtbestimmungen zum Ziel haben. Die Ausdehnung des Flugwesens in Deutschland hat nämlich ergeben, daß die Bestimmungen des Jahres 1926 zum Teil doch sehr erhebliche Beschränkungen der deutschen Zivilluftfahrt darstellen. Die Neuanlage von Flughäfen im Rheinland hat sich aus flugwirtschaftlichen Gründen als unbedingt notwendig herausgestellt. Die Frage ist insofern akut, als unter Umständen damit gerechnet werden muß, daß eine vergrößerte Zeppelin-Luftschiffhalle an einem Ort in der Rheinprovinz errichtet werden soll.
Der Berliner VombenattenMer meldet sich?
Frankfurt a.M., 6. Sept. (111. Drahlmel- düng.) Am Rachmittag des 5. September erschien bei dem derzeitigen Leiter der hiesigen Slaatsan- waltschaft ein Mann, der angab, er habe dos Bom- benatlentat im Reichstag gemeinsam mit einem anderen verübt. Seine Personalien gibt er wie folgt an: Kaufmann 3 o f e f hetl, geb. am 6. 3uni 1890 zu Frankfurt a. M. hett machte in stundenlanger Vernehmung Ausführungen bis ins einzelne über die Tat. Die zuständige Berliner Stelle wurde sofort telegraphisch und schriftlich benachrichtigt, h e t t wurde se st genommen und sieht zur Vernehmung für die Berliner Behörden, die für die weitere Untersuchung der Sache zuständig sind und auch allein in der Lage sein werden, die Angaben des hett auf ihre Richtigkeit
nachzuprüfen. Rach den Umständen müssen seine Angaben zunächst mit Vorbehalt ausgenommen wrden. Rach Ausweis des Strafregister» in Frankfurt ist ein 3osef Helt mehrfach vorbestraft.
Aus aller Welt.
Schweres Stratzcnbahnunglück in Rcichcnberg.
3n Reichenberg i. Böhmen entgleiste m einer Kurve ein vollbesetzter S trabenbahn wagen mit Anhänger in voller Fahrt. Der erste Wagen wurde umgeworsen und säst alle Fahrgäste wurden verletzt. Bis jetzt wurden drei Tote und 2 6 Schwer- und Leichtverletzte festgestellt. Der erste wagen sprang vermutlich infolge zu schneller Fahrt, an einer scharfen Kurve aus den Schienen und stürzte mit großer Wucht um, 'während der Anhänger sich vom Triebwagen losriß und entgleiste, aber neben den Schienen stehen blieb, so daß kein Insasse des Anhängers zu Schoden kam. Dagegen wurden sämtliche Insassen des ersten Wagens verletzt bzw. getötet. Eine Händlerin liegt im Spital im Sterben. Von den ins Reichenberger Krankenhaus eingelieferten Personen konnten drei wieder entlassen werden, zwei wurden sofort operiert
Lin Zug in einen Kanal gestürzt.
Der erste Frühzug aus Zwolle nach Leeuwar- den (Holland) fuhr heute in der Rähe des Städtchens Meppel in einen Kanal, da der Brückenwärter die Brücke nieder- zulassen vergessen hatte. Die Lokomotive versank vollkommen im Wasser, während der Tender auf der Kanalböschung hängen blieb. Mehrere Wagen des Zuges wurden ineinandergeschoben, wobei der Postwagen zertrümmert und ein Postbeamter erheblich verletzt wurde. Der He'zer und mehrere Reisende, die ins Wasser fielen, erlitten Verletzungen. Da der Zug in den frühen Morgenstunden nur schwach besetzt war, blieb ein größeres Unglück verhütet.
Schwerer Automobilunglück.
Auf der Chaussee zwischen Gjarfc und Friedrichs- tal (Pommern) dicht bei Gartz wurde ein Stettiner Kraftwagen aufgefunden, dessen beide Insassen irn Wagen verbrannt waren. Man nimmt an, daß es sich um den Wagen der Besitzerin des Hotels „Alte Post" in Stettin und um den Chauffeur Dupke aus Züllchow handelt, der den Kaufmann Friedrich Lenecke aus Stettin von Berlin dorthin zurückbrachte.
Schwerer Taifun auf den Philippinen.
Ein Taifun brachte den Dampfer „Matjon* im Ragay-Golf zum Untergang, wobei 28 Personen ums Leben kamen. Der Taifun ging mit Wolkenbrüchen einher und richtete an verschiedenen Teiien des Landes schweren Schaden an. Der Orkan hielt vom Sonntag bis zum Dienstag an und verzog sich erst am Mittwoch in der Richtung des Chinesischen Meeres. Der Gouverneur von Pampanha schätzt den allein in dieser Provinz angerichteiea Schaden auf fünf Millionen Dollar. In Montalban brach ein Damm, so daß der Pasig-Fluß die Gegend, überschwemmte. 17 Personen sind ertrun-
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Wettervoraussage.
Störungen im Rorden haben ihren Einfluß weiter südwärts ausgedehnt und im deutschen Küstengebiet Riederschläge gebracht. Don Königsberg wurden heute 11 Millimeter Rieder- schlag gemeldet. An der Rückseite der Störung fliehen polare Luftmassen nach Mitteleuropa, die bei uns zunächst Abkühlung verursachen werden. Dabei kommt es zu Bewölkung, sowie stellenweise zu Rebelbildung. Auch vereinzelte Riederschläge, jedoch mehr im nördlichen Teile, dürften zu erwarten sein. Mit dem Zustrom der Kaltluft wird gleichzeitig der wieder über den britischen Inseln lagernde hohe Druck nach dem Festlande verfrachtet, so daß später Bewölkungsabnahme einsetzen dürfte.
Wettervoraussage für Samstag: Teils wolkig, teils aufheiternd, etwas kühler, Neigung zu strichweisen Niederschlägen.
WitterungsaussichtenfürSonntagr Allmählich wieder etwas wärmer, teilweise wolkig, teils aufheiternd.
Lufttemperaturen am 5. September: mittags 28,2 Grad Celsius, abends 20,6 Grad: am 6. September: morgens 14,4 Grad. Maximum 28,8 Grad, Minimum 12,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefs am 5. September: abends 25,4 Grad: am 6. September: morgens 19,2 Grad. — Sonnenscheindauer 114. Stunden,


