Nr. 209 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Aeitag, 6. September 1929
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Giehener Anzeiger
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Horror vacui.
Derlin, 6.September.
Don unserer Berliner Redaktion.
Run haben wir es also glücklich geschafft, daß über die Arbeitslosenversicherung im Reichstagsausschuh eine offene Krise ausgebrochen ist: nach wochenlangen Vorbereitungen, nach endlosen Verhandlungen aller mittelbar und unmittelbar Deteiligten sind sämtliche Anträge über die entscheidenden Punkte der Reform einschließlich der Regierungsvorschläge abgelehnt. Ausschuß und Regierung stehen vor einem Haufen Scherben und müssen nun mühsam beginnen, die einzelnen Teile wieder zusammenzuflicken. Ob ihnen das gelingt? Theoretisch müßte es ausgeschlossen sein, aber der Parlamentarismus der ungeahnten Möglichkeiten, unter dem wir leben, hat so manchesmal schon das Unwahrscheinliche Ereignis werden lassen, daß vielleicht auch diesmal wieder das Wunder geschieht, zumal da niemand ernsthaft eine Krise will.
Die Parteien nehmen deshalb auch den Zusammenbruch noch gar nicht tragisch, sie glauben vorläufig nur, Haag spielen zu müssen: die Politik Snowdens hat ihnen so mächtig imponiert, daß sie das nun alle nachahmen wollen und am weitesten zu kommen, glauben, wenn sie unverrückt an ihrem Standvunkt sesthalten: wohl in der Erwartung, daß die Verhandlungspartner zuletzt doch die Rerven verlieren und mit sich reden lassen werden. Möglich, daß es dahin noch kommt. Unerfreulich genug bleibt es jedenfalls, daß mitten in den entscheidenden Kämpfen um den TZoung-Plan ein solcher Riß quer durch die Regierungsmehrheit klafft. Das hätte sich vermeiden lassen müssen und hätte auch vermieden werden können, wenn etwas mehr Führungswillen und etwas Mehr Voraussicht bei der Regierung gewesen wäre.
Die Reform der Arbeitslosenversicherung mußte das Gesellenstück des Kabinetts Müller sein. Darüber bestand schon seit vielen Monaten kein Zweifel. Der Kanzler aber, in s einer Autorität geschwächt durch den Kampf um den Panzerkreuzer, vielleicht auch schon zermürbt durch seine Krankheit, hat die Dinge laufen lassen, bis cs zu spät war. Sonst hätte er niemals zugeben dürfen, daß der Reichstag im Sommer auseinander ging, ohne wenigstens mit der Arbeitslosenreform reinen Tisch gemacht zu haben. Denn die Aufgaben, die uns damals schon im Herbst erwarteten, mit dem Pounaplan und seinen inncrfinanziellen Auseinandersetzungen, waren so groß, die Reibungsfläche so unübersehbar, daß wenigstens diese unnötige Belastungsprobe den Parteien erspart bleiben mußte. Statt dessen haben sich alle mit dem Bedauern über die Vertagung begnügt. Die Volkspartei hat aber wenigstens durchsetzen können, daß die Regierung sich verpflichtete, Mitte August eine entsprechende Vorlage bereitzuhalten und den Sozialpolitischen Ausschuß einzuberufen, damit dann im September der Reichstag in einer Sondersession die Reform verabschieden konnte.
Auch damit ist es nun wieder nichts geworden. Herr Wissell hat sein Versprechen nicht gehalten, und als er deshalb in die Zange genommen wurde, half er sich schließlich aus der Verlegenheit mit einem Negierungsentwurf, der nicht Fisch und nicht Fleisch war, der garnicht einmal den Versuch machte, das Defizit der Arbeitslosenversicherung zu beseitigen, sondern die Kernfrage offen ließ und den Parteien das Weitere überließ: das traurige Bild eines Ministers, der nicht die Uötige Ressortverantwortung aufbringt, um gegen den Stachel feiner Partei zu löcken, der deshalb bewußt einen unfertigen Entwurf einbringt und alles Weitere den Parteien anvertraut, unter denen die Gegensätze noch sehr viel schärfer sind als im Kabinett.
So liegen also jetzt die Dinge, daß die Sozialdemokraten jeden Abbau der Leistungen ab- lchnen, aber mit einer Beitragserhöhung rasch bei der Hand sind, die nur die Hälfte des Defizits ausgleicht, daß die Volkspartei wieder die Beitragserhöhung ablehnt, weil sie zu Lasten der Wirtschaft geht, also die Preise steigern und damit unsere Konkurrenzfähigkeit bedrohen muß. Wobei die Sozialdemokraten es sich sehr bequem machen mit dem Schlagwort des Kampfes gegen die Sozialreaktionäre, die den Arbeitslosen die letzten Pfennige nehmen wollen. Daran denkt doch im Ernst niemand. Niemand will die Einrichtung der Arbeitslosenversicherung beseitigen, wir wären alle froh, wenn wir sie zugunsten der wirklich Arbeitslosen auf der gegenwärtigen Höhe halten könnten. Aber das Kernproblem bleibt doch, daß endlich einmal die R e i ch s - finanzen in Ordnung gebracht werden müssen, daß wir lernen, uns nach der Decke zu strecken und unsere Steuerpolitik entsprechend umstellen, damit wir wenigstens den Versuch machen können, die Poung-Lasten aufzubringen. Das ist aber hoffnungslos, wenn auch weiterhin die Reichsfinanzen Hunderte von Millionen in die Arbeitslosenversicherung ä fonds perdu hineinpumpen müssen. Deshalb ist diese Reform die Voraussetzung jeder gesunden Finanzpolitik, deshalb ist sie für das Schicksal der nächsten Monate so ungeheuer wichtig. Aber deshalb muß auch der Zwang der Tatsachen so stark sein, daß Regierung und Parteien über das Vakuum hinwegkommen, das sie selbst geschaffen haben. Denn sic bringen sich drinnen und draußen um jeden Kredit, wenn sie an dieser ersten Schwierigkeit scheitern.
Der Regierungseniwurf zur Reform der Arbeitslosenversicherung im Ausschuß abgelehnt.
Die Sparanträge der Parteien.
Berlin, 5. Sept. (WTB.) 2m Sozialpolitischen Ausschuß gab Reichsarbeitsminister Dr. Wissell zur Frage der Reform der Arbeitslosenversicherung einen Aeberblick über die Ersparnisse, die durch die bisher schon eingebrachten Anträge der Parteien und die im Verlaufe der Debatte gemachten Anregungen über die Regierungsvorlage hinaus erzielt werden würden. Die Anträge der Sozialdemokraten und Demokraten, die für die Saisonarbeiter auf eine Herabsetzung der Regel- sähe auf die Sätze der Krisenunterstühung hin- ausliefen, würden eine Ersparnis von 21 Millionen Reichsmark ergeben. Der Antrag des Zentrums auf Kürzung der Lohnklassen 7 bis 11 auf die Sähe der Krisenunter st ühung würde eine Ersparnis von 45 Millionen zur Folge haben unter der Voraussetzung, daß die heute gültigen Familienzuschläge gezahlt würden. Durch den Antrag der Wirtschaftspartei auf Staffelung der Llnterstühungs- sä he würde sich eine Ersparnis von 113 Millionen Reichsmark ergeben. Durch die Verlängerung der Wartezeit über die Regierungsvorlage hinaus könne eine weitere Ersparnis von 24,5 Millionen Reichsmark erzielt werden. Die Herab st ufung der Linker st ühung s- sähe nach bestimmten Prozentsätzen, wie es ein Antrag der Volkspartei verlangt, würde eine Ersparnis von 150 Millionen Reichsmark bringen, die Verlängerung der Wartezeit auf 2 1 Tage unter Berücksichtigung der beantragten Staffelung eine weitere Ersparnis von 15,3 Millionen Reichsmark. Der Antrag der Deutschnationalen, der eine 5) e r abseh u n.g R e- q e i i <i b c verlanghw le Ersparnis' von 134 Millionen Reichsmark bringen, die Verlängerung der Wart ez eit für berufsübliche Arbeitslose auf vier Wochen eine weitere Ersparnis von 26 Millionen Reichsmark.
Alle wesentlichen Bestimmungen werden übgelehnt.
Es wurde dann zunächst über Ziffer 26 der Vorlage entschieden, die die 23eme|fungsgrunö- sähe für d i e Unter st ühungssähe enthält. Sämtliche Anträge wurden abgelebt, und schließlich auch die ganze Rr. 26 der Regierungsvorlage, wodurch eine Lücke im Gesetz entstanden wäre. Auch sämtliche Anträge zu Ziffer 28, die eine Einzelregetung für Saisonarbeiter bringt, wurden a b g e l e h n t und auch ein Teil dieser Ziffer nach der Regierungsvorlage, nämlich die Bestimmung, daß Saisonarbeiter volle Arbeits- losenunlerftühung erst nach einem Jahre versiche- rungspflichtiger Beschäftigung, sonst nur einen Teil davon erhallen sollen. Angenommen wurde nur die Bestimmung, daß nicht die Beitragshöhe, sondern der Unterstühungsort für die höhe der Saison- arbeiterunlerstühung maßgebend sein soll, von Ziffer 29 wurde die grundlegende Bestimmung genehmigt, wonack) die Arbeitslosenunterstützung erst nach Ablauf der Wartezeit gewahrt werden soll. Die Wartezeit beginnt mit dem Tage der Arbeitslosmeldung. A b g e l e h n t wurde im ganzen Abschnitt die Bestimmung über die Länge der Wartezeit, die nach der Vorlage für Ledige 14 Tage, sonst 7 bis 3 Tage betragen sollte. Desgleichen wurden sämtliche Anträge zu Ziffer 31 über die Anrechnung von Renten usw. auf die Arbeitslosenunterstützung abgelehnt. Auch die Regierungsvorlage sand keine Mehrheit. Artikel 2 der Vorlage, der eine Beitragserhöhung von einem halben Prozent vorsieht, wurde mit 15 gegen 9 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bei vier Enthaltungen des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei abgelehnt. Artikel 3 und 4 über bas Inkrafttreten und die Verkündung des Gesetzes wurden ebenfalls abgelehnt. Damit sind in allen bekannten Streitfragen Lücken in der Vorlage entstanden. Abg. Raedel (fromm.) fragte, ob die Regierung nach der Niederlage nicht die ganze Vorlage zurückziehe. Der Ausschuß beschloß, die zweite Lesung am 12. September zu beginnen.
Die Notlage der Reichsanstalt.
Präsident 2hrup dringt auf beschleunigte Erledigung des ßicformgesctzes.
Berlin, 6. Sept. (Wolff.) Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beobachtet die Entwicklung in der Frage der Reform der Arbeitslosenversicherung mit lebhafter Sorge. Durch die Verzögerungen, die das Reformgesetz bisher
erlitten hat und die ihm noch weiterhin bevorzustehen scheinen, haben den Präsidenten Dr. Syrup veranlaßt, im Interesse der Reichsanstalt erneut bei allen in Betracht kommenden Stellen auf eine schnelle Erledigung zu drängen. Jeder weitere Zeitverlust erschwert die Lage der Reichsanftalt in finanzieller und verwaltungsmäßiger Hinsicht Kann das Gesetz erst am 1. Rovember d. I. in Kraft treten, so besteht die Gefahr, daß die Reichsanstalt im Winter wiederum erhebliche Darlehen vom Reich in Anspruch nehmen muh, um ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen. Schließlich ist zu bedenken, daß mit dem 30. September d. I. die gesetzliche Regelung für die berufsübliche Arbeitslosigkeit, die im letzten Winter der Reichsanstalt eine Ausgabenverminderung von rund 130 Millionen ermöglichte, automatisch außer Kraft tritt. Die bedrohliche Tatsache, daß s ch o n j e h t die Kurve der Arbeitslosigkeit einen saisonmäßigen Anstieg genommen hat, sollte für eine Beschleunigung der gesetzgeberischen Arbeiten sprechen.
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Kommunistische Ausschreitungen in Dresden.
Dresden, 6.Sept. (WTB. Funkspruch.) Aus Anlaß des in der gestrigen Stadtverordnetensitzung zur Verhandlung kommenden Antrages, der sich gegen den Ab bau der Erwerbslosen unter st ühung richtete, marschierte gestern abend auf Aufforderung derKom- munistischen Partei ein Dcmonstra- tionszug nach dem Rathause, dessen Umgebung jedoch durch eine starke Polizeikette abgeriegelt war, so daß es hier zu keinen größeren Störungen kam. Erst am Dönisch-Plah ereigneten sich ernste Zusammenstöße. Die Menge, die sich mit Zaunlatten und Brettern bewaffnet hatte, hieb damit auf die Polizeibeamten los, die ihrerseits vom Gummiknüppel Gebrauch machten. Mehrere der Angreifer wurden verhaftet. Eine Anzahl von Polizeibeamten wurden verletzt, davon drei schwer. Auch mehrere Demonstranten trugen Verletzungen davon. Gegen 10 ilfir abends war die Ruhe wieder- hergestcllt.
Aeues Vombenatlentat in Aorddeuisthland
Anschlag aus das Regiermrgsgebäude in Lüneburg. — Schwerer Sachschaden.
Oer Regierungspräsident unverletzt. — den Tätern keine Spur.
Lüneburg, 6.Sept. (DTB. Funkspruch.) heute nacht gegen 1 Uhr explodierte neben dem Haupteingang ; u m Regierungsge- b ä u d e mit gewaltigem knall und großer Sprengwirkung eine Bombe. Ein Pfeiler des Kellergewölbes, in das die Bombe gelegt war, wurde her- ausgeriffen, einzelne Mauersteine flogen 25 Meter weit cm die gegenüberliegende Ralhausnsand und hinterließen dort deutlich sichtbare Spuren. Fast sämtliche J e n ft e r des Rathauses, viele des Regierungs- sowie anderer Gebäude sind zertrümmert. Teilweise wurden die Fensterrahmen durch den Lustdruck eingedrückt. Die Wirkung der Bombe ging nach oben und durchschlug das Kellergewölbe. In dem darüber liegenden Bureau des Bezirksausschusses wurden starke Verwü st ungen angeridjfet. Ein Schreibtisch versank halb in der Fußbodenöffnung, die meterhohen mit Akten voll ungefüllten Regale sind vollständig durcheinander geworfen.
Der Zeitpunkt des Anschlags war günstig gewählt, da ein Teil der Regierung, darunter der Bezirksausschuß, gegenwärtig in einen Neubau umzieht. Regierungspräsident Dr. h e r b ff, der über dem stark gefährdeten Vorboden schlief, blieb unverletzt. Die Lichtleitung im Gebäude versagte zunächst. Die zuständigen Stellen, das Polizeipräsidium, sowie sämtliche Landjägerei- und Polizeistationen der Umgebung wurden in Kenntnis gesetzt.
Polizeipräsident W e n f f e r traf mit mehreren Beamten aus Harburg ein und hat die (Ermittelungen ausgenommen, von den Tätern fehlt vorläufig noch jede Spur.
Anonyme Drohbriefe an Behörden.
Die Polizei offenbar hilflos.
Berlin, 6. Sept.» (Priv.-Tel.) Die geheimnisvolle Attentatsserie in Rorddeutschlano und der Höllenmaschinenanschlag auf das Reichstagsgebäude fanden eine neue geheimnisvolle Fortsetzung. Die verschiedensten Behörden und Unternehmungen erhielten Drohbriefe, in denen Spreng st ofsattentate angekündigt werden. So hat in den letzten Tagen auch die Oberpostdirektion Ber- l i n eine Reihe von anonymen Schreiben erhalten, wonach gegen die Fernsprechämter in Berlin Attentate geplant seien. Die Kriminalpolizei ergriff bereits Maßnahmen, um etwaigen tatsächlich vorhandenen Absichten unverantwortlicher Elemente zu begegnen. An alle Fernsprechämier sind telegraphische Weisungen ergangen,.die Gebäude strengstens überwachen zu lassen. Gleichzeitig sind Ermittlungen nach den unbekannten Briefschreibern mit größtem Rachdruck ausgenommen worden.
Ein litauischer Emigraniensührer in Ostpreußen verhaftet. Aiieniaisplan gegen den litauischen Diktator Woldemaras?
Eydtkuhnen, 5. Sept. (WB.) Deutsche Landjäger verhafteten gestern zwischen Mehl- kehmen und Kassuben den Führer der litauischen (Emigranten in Polen, Pietsch- tuifis, und fünf feiner Anhänger. Bei den verhafteten wurden zwei Gewehre, sechs Revolver, sechs Handgranaten, sechs schwere Bomben und viel Munition vorgefunden. Die verhafteten gaben an, daß sie seit zwei Iahren in Polen lebten und den versuch machen wollten, über d i e Grenze nach Litauen vorzudringen, um dort verwandte zu besuchen. Die verhafteten wurden gefesselt dem Amtsgericht in StaUupönen zugesührt. Die starke Bewaffnung der sechs Festgenommenen läßt vermuten, daß diese einenhand st reich geplant haben. Man nimmt an, daß sie vielleicht den Eisenbahnzug, mit dem der litauische Ministerpräsident Woldemaras von Genf nach Litauen zurückkehren wird, in die Luft sprengen wollten. Ob die Annahme berechtigt ist, wird die spätere Untersuchung ergeben. Pletschkaitis war bereits in der Rächt vom 2. zum 3. September bei Szittkehmen über die Grenze gekommen. Die Bewegungen der aus sechs Leuten bestehenden Gruppe, die sich im Walde des Gutes Disfelwethen bei Mehlkehmen verborgen hielten, erregten verdacht. Man sah sich veranlaßt, die Landjägerei zu alarmieren, die im Verein mit Gutsangestellten den Wald umstellte und die verdächtigen festnahm. Pletschkaitis versuchte anfänglich, seine Identität zu leugnen, wurde aber insbesondere angesichts der bei den verhafteten gefundenen Waffen derart in die (Enge getrieben, daß er
sich schließlich zu erkennen gab. Die Waffen, darunter ein großer Korb mit sechs schweren Bomben, wollen die verhafteten nur zur Verteidigung gegen einen etwaigen Angriff mit sich geführt haben.
Der litauische Emigrantenführer Pletschkai - t i s hat die Öffentlichkeit namentlich des Offens in den letzten Iahren häufig beschäftigt, denn er war der Hauptführer der politischen Bewegung, die sich gegen den litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras und das herrschende Regierungssystem überhaupt richtete. (Er trat zum erstenmal vor zwei Iahren durch den von ihm organisierten Zaurog- gener Putsch besonders in Erscheinung. Der Aufstand wurde mit Waffengewalt niedergedrückt, und Plelschkailis und seine Anhänger flohen nach Wilna. Von hier aus führte Pletschkaitis den Kampf gegen Woldemaras weiter, indem er gleichzeitig die polnischen Ansprüche auf Wilna oerfei- tigfe. Der litauische Ministerpräsident hat dem Völkerbund erst kürzlich Material hierüber vorgelegt und noch wenige Tage vor seiner Abreise nach Gens in einem Telegramm an den Völkerbund erneut auf die Umtriebe des (Emigranfenfüfjrers hingewiesen. Jlarf) diesen litauischen Darstellungen hat Pletsch- kaikis in Wilna militärische (Emigranten- forps organisiert und ausbilden lassen. Litauische Regierungskreise haben auch die Zwischenfälle an der Grenze, von denen man in der letzten Zeit verschiedentlich hörte, auf Pletsch- taifis zurückgeführt, ebenso das Attentat, das


