Ausgabe 
6.6.1929
 
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Verein für das Deutschtum im Ausland.

Am Freitagabend trafen sich die Mitglieder des D.D. 21., Ortsgruppe Gießen, auf der Dergschenke zu einem gemütlichen Beisammen­sein mit Pater Sonntag aus der Bukowina. Aach einer kurzen Begrüßung durch den Vor­sitzenden der Ortsgruppe, Dr. König, erzählte Pater Sonntag in fesselnder und zu Herzen gehender Weise über die Entwicklung des Deutschtums in der Bukowina, insbe­sondere der von ihm seit 24 Jahren betreuten Gemeinde Augustendorf bei Czernowitz, einer 2lnsiedelung von Deutschböhmen, deren Vor­fahren Glasarbeiter in den Glashütten des Döh- merwaldes waren und im Jahre 1838, 15 Fa­milien stark, den Wanderstab ergriffen, um im östlichsten Zipfel des alten Oesterreichs einen besse­ren Lebensunterhalt zu finden. In anschaulicher Weise schilderte der Redner die trostlosen Zu­stande desBärenlandes", die er antraf, als er im Jahre 1905 seine Heimat, das damals deutsche Elsaß, verließ, wie aber zäher Wille und Liebe zu seinen Dolkssgenossen ihm trotz aller Rück­schläge und Widerwärtigkeiten schließlich zum Siege verhalfen. Gin Schulhaus und eine Kirche waren die sichtbaren Zeichen dieses Erfolges. Da kam der Krieg. Dreimal wurde Augustendorf vom Feinde, den Russen, erobert und lebte fortan unter feindlicher Aussicht. Offenbar war es der klugen und umsichtigen Leitung dieses guten Hirten zu verdanken, der seine Schafe nicht im Stiche ließ, wenn die Gemeinde Augustendorf nicht so sehr unter den Bedrängnissen des Feindes tzu leiden hatte. Der Redner konnte im Gegenteil über manche Beispiele rührenden Edelmutes seitens der russischen Offiziere erzählen. Im Jahre 1917 wurde Augustendorf durch die Truppen des Generals Conda wieder vom Feinde befreit. Die Gräber deutscher Helden, die bei diesem Be­freiungskämpfe fielen, werden jahraus, jahrein von den Augustendörfern aufs beste gepflegt. Trotz dieser Befreiung kam die Bukowina beim Friedensschluß an Rumänien, und damit be­ginnt, wie für viele andere deutschen Volks­gruppen. so auch für die Bukowina, das große seelische Leiden, das seinen Ausdruck findet in dem Kampf um die Erhaltung der Mutter­sprache, die von der neuen Staatsoberhoheit verboten wird, in der Absicht, mit der Mutter­sprache zugleich dem Kinde auch sein Volkstum und seinen Glauben zu entreißen. Dieser Kampf ist in der Bukowina besonders schwer, wejl die dortigen Deutschen nicht gelernt haben, den Kampf zu führen. So sind viele Schulen heute schon gänzlich rumänisiert, die deutsche Sprache darf selbst in den Pausen nicht ge­sprochen werden. Auch das ®ebet muß rumänisch sein. In den Kindergärten sind nur die rumä­nische und ruthenische Sprache zugelassen, die deutsche nicht. Was es bedeutet, seine Mutter­sprache nicht sprechen zu dürfen, das kann, so führte der Redner aus, nur derjenige fühlen, der es mitmachen und miterleben muh. Man will die Kinder seelisch töten. Gegen diesen Plan kämpft Pater Sonntag einen bitteren und schweren Kampf. Biegen oder brechen, gewinnen oder untergehen, das ist seine Losung. Und schon man­cher bösen Absicht ist er durch sein mutiges und ofsenes Auftreten mit Erfolg begegnet.

Wir müssen diesem wackeren Manne auf deut­schem Vorposten dankbar sein für seine Arbeit und freuen uns, daß unsere Gaben für dieses unser besonderes Betreuungsgebiet, nicht ver­gebens sind, sondern, wie dieser lebendige Zeuge bewiesen hat, beste Früchte trägt. Mag darum dieser Vortrag, und mögen auch diese Zeilen mit dazu beitragen, für die kommende Werbe- w o ch e des D. D. 2L die Herzen und die Hände zu öffnen, damit wir auch weiter diese Kämpfer um die Erhaltung des Deutschtums im Auslande und unsere deutschen Brüder und Schwestern

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etttatf um Wmr.

Roman von Senta Recket.

Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.

15. Fortsetzung Nachdruck verboten.

Ellinor beruhigte ihn und mit einem Seufzer der Erleichterung gab sich Jimmy wieder dem Genuß des Autofahrens hin.

Ellinor betrachtete ihn gerührt von der Seite.

Wie sich ein Mensch noch über Autofahren freuen konnte I Ihr war es selbstverständlich ge­wesen. Wieviel Genüsse entgingen einem doch, wenn man alles hatte!

Wissen Sie, Miß Betty, ich werde in irgend­einem Lunch-room auf Sie warten, Sie müssen mir nur versprechen, mich wieder abzuholen, eventuell müssen Sie mich da auslösen, denn wenn es sehr lange dauert, dann esse ich mehr, als ich Geld bei mir habe. ...

..Ja, das ist eine glänzende Idee, Jimmy, Sie können auch soviel essen, wie Sie wollen, ich löse Sie dann aus, denn ich glaube, es wird doch ein Weilchen dauern, bis ich wiederkomme!" Ellinor wußte, daß George sie Wohl nicht so schnell wieder loslassen würde, wenn er sie ein­mal hatte.

Der Wagen sauste den Broadway herunter, allerdings kam man hier nur schrittweise vor­wärts. In drei Kolonnen fuhren die Wagen. Ost es noch weit?" fragte Ellinor. Sie konnte den Moment des Wiedersehens kaum erwarten und doch schlug ihr das Herz bis an den Hals, als Jimmy sagte, sie hätten nur noch ein paar Schritt zu fahren.

Roch ein oder zwei Ecken, dann hielt das Taxi so unvermittelt, daß Ellinor erschreckt auffuhr.

»Da ist es!" sagte Jimmy und deutete auf ein großes Gebäude. Er half Ellinor galant aus dem Wagen, packte sie am Arn, und zog sie zu dem riesigen Portier.

Hier ist sie, Dill!", sagte er und zwinkerte mit den Augen, als wollte er sagen:Ra, was bin ich für ein Kerl!"

Er gab Ellinor die Hand, verabschiedete sich schnell und gab die Adresse des Lunchrooms an, in dem er warten wollte. Es drängte ihn, fort­zukommen, denn er hatte plötzlich die Vision eines großen Beefsteaks, ringsherum mit einem Wall von Gemüsen und einem Berg von knusprig gebackenem Kartoffelbrei!

Ellinor fuhr mit dem Lift zum fünfzehnten Stock herauf, wo George sein Privatoffice hatte.

In welcher Angelegenheit wünschen Sie Herrn Wellton zu sprechen?" fragte der aufwartende Boy.

Ellinor überlegte einen Moment. Unter ihrem wahren Ramen konnte sie sich natürlich nicht ernsuhren, an Betty Glynn hatte George Wellton

draußen in ihrem schweren Kampfe unterstützen können!

Oberheffische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 3n der letzten Sitzung der Oberhessischen Gesellschaft für Ratur- und Heil­kunde (Naturwissenschaftliche Abteilung) sprach stud. phil. F. Kirchheimer überBraun- kohlenumformnng und Pollenverteilung". Auf Grund statistisch-pollenanalytischer Untersuchun­gen verschiedener Braunkohlenprofile des Tertiärs kam der Vortragende zu dem Ergebnis, daß die Beteiligung korrodierter (also umgewandelter) Pollen an der Gcsamtpollenfrequenz von pollen­führenden Braunkohlen und Sedimenten stets der Intensität ihrer kinetischen bzw. statischen Be­anspruchung entspricht. Hieraus ergeben sich schwerwiegende Bedenken gegen die Berechtigung einer Uebertragung der quantitativen pollenana­lytischen Methode auf tertiäre Ablagerungen. Die Pollendiagramme und Spektren geben näm­lich infolge der Störung durch die verschiedene Korrosionsbeständigkeit der Pollen keineswegs das wirkliche Verhältnis der Beteiligung der einzelnen Gattungen an der Zusammensetzung der tertiären Pflanzen wieder.

Darauf hielt Geheimrat Prof. Dr. W. König einen überaus interessanten Vortrag überFilme, die im physikalischen Unterricht Verwendung finden". Ausgehend von den Anfängen des Be­strebens, den Film in den Dienst des natur­wissenschaftlichen Unterrichts zu stellen, gab er an Hand dreier Filme ein eindringliches Bild davon, inwieweit dieses Bestreben heute schon verwirklicht worden ist. Der erste Film zeigte die einzelnen Phasen der von einem Dipol aus­gehenden elektrischen Kraftlinien. Man sah sehr anschaulich, wie die einzelnen Kraftlinien von innen heraustraten, sich allmählich abschnürten und schließlich in den Raum hinauswuchsen. Bei diesem Film handelte es sich um einer, sog. Trick­film. Die beiden anderen Filme, welche aus dem Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für Strömungsforschun- gen in Göttingen (Leitung Prof. Dr. Pran dl) stammten, demonstrierten am natürlichen Objekt die Strömungserscheinungen von Flüssigkeiten um feststehende feste und um bewegte feste Körper. Es wurde vorgefübrt, wie man durch geeignete Formgebung die Wirbelbildung verringern kann und durch welche Maßnahmen (z. D. durch.seit­liches 21 Eifaugen) die Wirbelbildung etl. ganz ausgeschaltet werden kann. Der Vortragende wies im Anschluß an diesen Film auf die große praktische Bedeutung hin, welche diese Film­aufnahmen für die Technik insbesondere für die Luft- und Schiffahrt besitzen. Der letzte Film demonstrierte in außerordentlich anschaulicher Weise die Braunsche Molekularbewegung.

Zum Schluß behandelte Prof. Dr. C e r m a k in einem längeren Vortrage die Vorgänge der Tonbildung bei Pfeifen. Dr. F. K.

Oberheffen.

Einweihung des chang. Gemeindehauses zu Lang-Göns.

* Lang-Göns, 3. Juni. Der Sonntag, 2. Juni, war für die evangelische Ge­meinde Lang-Göns ein großer Tag. Er brachte die Krönung des Werkes, an dem fast genau ein Jahr gearbeitet worden war, die Einweihung des evangelischen Ge­meindehauses, bas nach den Plänen des hessischen Kirchenbaumeisters Geh. Rat Dr. W a l b e, Darmstadt, in unmittelbarer Rühe von Pfarrhaus und Kirche errichtet worden war.

Schon am Samstag wehte vom hohen Turm der Kirche und dem Gemeindehaus die Kirchen- fahne. 20 Schwestern der beiden Konferenzkreise

nicht das mindeste Interesse und die Bewerbung um den Sekretärinnenposten war ihr zu banal, vielleicht hatte George im Moment auch auf eine neue Sekretärin gar feine Lust. Und sprechen wollte sie ihn um jeden Preis.

2luf einmal schoß ihr ein Gedanke durch den Kopf.

Sagen Sie bitte Mr. Wellton, eine Dame möchte ihn in der AngelegenheitRachtexpreh PhiladelphiaReuyork" sprechen I"

Komische Angelegenheit, dachte der Boy, als er in das Zimmer feines Chefs ging.

Aber es mußte doch eine wichtige Sache sein, denn der Chef war nach der Anmeldung aufge­sprungen, als hätte ihn eine Schlange gebissen. Dann hatte er die Sachen auf seinem Schreibtisch hin und hergeschoben, eine Zigarette aus dem Etui genommen, ohne sie anzuzünden, also lauter Dinge getan, die eine große Erregung verrieten.

Wie Ellinor dann in das Zimmer gekommen war, das wußte sie später nicht mehr genau. Sie war auf einmal da, es war alles so natürlich, es hätte gar nicht anders fein können.

Sie war mit kleinen Schritten über den Teppich zu dem Mann gegangen, der wie erstarrt am Schreibtisch lehnte.

«Da bin ich, Georgie," sagte sie leise, und der Versuch eines Lächelns glitt über ihr Gesicht, aber sie hätte auch im selben Moment heulen können,da bin ich, Georgie, ich hatte das Ge­fühl, daß ich dich ganz einfach sehen muh!"

George antwortete nicht. Er stand ganz steif und still, er konnte es einfach nicht glauben, daß Ellinor da war, daß sie da so einfach herein- gefommen war durch die Tür, wie irgendein anderer beliebiger Mensch.

Georgie," fragte Ellinor leise,Georgie, was ist denn?" llnb dann plötzlich in einem ver­zweifelten Ausbruch wahnsinniger Angst:

Sag. kennst du mich nicht mehr, weißt du nicht mehr...?"

Ja, ja," sagt er nur, und dann küßte er sie, bis sie taumelnd nach Atem rang.

Als sie ein wenig zur Vernunft gekommen waren, lachten sie tote zwei Kinder.

Sag mal, Liebes, wie kommst du eigentlich hierher? Ist das nicht furchtbar leichtsinnig? Wenn ich nun einfach hlnglnge und sagte: ich habe Ellinor Stanley entdeckt, bitte, wo sind die 100 000 Dollar?"

Abgesehen davon, daß du der allerletzte wärst, der die Belohnung verdient hätte, würdest du sie auch gar nicht bekommen. Ditte, denke daran, daß nicht du mich entdeckt hast, sondern daß ich ganz freiwillig zu dir gekommen bin, was natür­lich die Sachlage in ganz anderem Licht er­scheinen läßt!"

Ach, was sollen mir die 100 000 Dollar, ich habe dich ja!" Wieder riß er sie an sich und küßte sie.

Gießen und Wetzlar sammelten sich um den vom Ronnenweierer Mutterhaus entsandten Pfarrer zu ernster Aussprache. Mit ihren weihen Hauben gaben sie dem Haus und seiner Feier Rahmen und Hintergrund.

Im Gemeindegottesdienst am Sonntag predigte Pfarrer Weber von Holzheim, der Sohn des langjährigen hiesigen Pfarrers. Der Posaunen­chor und ein Schwesternchor unter der bewährten Leitung von Karl Boller gaben der Feier in schön geschmückter Kirche besondere Weihe. Unter den prächtigen Linden des Kirchplatzes ver­sammelte sich am Rachmittag eine etwa 1500 bis 2000 Köpfe zählende Festgemeinde. Die Kinder der Kinderschule, mit Blumen geschmückt, be­zeugten unter Leitung ihrer Schwester mit Lied und Spruch ihre Freude an der neuen Schule. Die Festpredigt hatte der Direktor des Landes­vereins für Innere Mission, Pfarrer Röhricht, übernommen. Rach einer Begrüßung durch den Ortspfarrer sprachen ihre Grüße und Glück­wünsche aus: Oberkirchenrat Wagner, der Superintendent der Provinz, zugleich als Ver­treter des Landeskirchenamtes und der Kirchen- regierung; Regierungsrat Dr. Krüger als Ver­treter des Kreisamtes Gießen: der Dekan des Dekanates Gießen, G u ß m a n n, Kirchberg-Lol­lar, und der Vertreter des Ronnenweierer Mut­terhauses, Pfarrer R u s s e r, Äonnenweier. Auch hier wirkten Posaunenchor, Gemischter Chor sowie die beiden MännergesangvereineGermania" und Frohsinn" mit. Eine festliche Kaffeetafel ver­einigte dann die geladenen Gäste im Saal des neuen Hauses, bei der junge Mädchen in Hütten­berger Tracht die Gäste begrüßten und bedienten. Hier sprachen der Ortsgeistliche und Pfarrer Russer allen denen, die zum Gelingen des Werkes mltgeholfen hatten, ihren Dank aus. Dürger- mcister R o m p s überbrachte die Glückwünsche der politischen Gemeinde.

Ein unabsehbarer Strom von Festgästen von nah und fern ergoß sich dann in die Räume des Hauses zur Besichtigung. Heberall hörte man Stimmen des Lobes und der Anerkennung über die Zweckmäßigkeit und Schönheit der inneren Einrichtung des Hauses. Es enthält neben einer Wohnung für die Kinderschul- und Kranken­schwester den Saal der Kinderschule und den Gemeindesaal mit Bühne, der zugleich als Ver­sammlungsraum der verschiedenen kirchlichen Vereine dient. Für die Ausstattung der Woh­nung der Schwestern haben die Frauen der Ge­meinde unter Leitung des evangelischen Frauen­vereins großzügig gesorgt. Ein Heim im schön­sten Sinne ist dadurch entstanden. An das Haus schließt sich ein Kinderspielplatz, zu dem die Kin­der, ohne die Straße benutzen zu müssen, gelan­gen können. Die politische Gemeinde, die die Schwestern angestellt hat, schenkte zur Einweihung eine moderne Einrichtung für die Kinderschule, bestehend aus reizenden Stühlchen und Tischchen für etwa 60 Kinder.

So ist eine vorbildliche Stätte zur Hebung und Vertiefung des Gemeindelebens geschaffen, ein Helm der tätigen Liebe und der Arbeit der kirchlichen Vereine.

Abends füllten sich die Räume des Hauses zu einem Gemeindeabend, bei dem Pfarrer Wal deck- Darmstadt, der früher in der Ge­meinde tätig war, einen Vortrag über Pfarrer Oberlin und Luise Scheppler, die Gründer der ersten Kinderschule, hielt. Der Schriftsteller Hein­rich R a u m a n n -Ranzhausen wußte die Herzen für die Arbeit an den Kindern zu erwärmen.

Der klingende Ertrag des Tages war eine Kollekte von 350 Mk.

Landkreis Gießen.

* Klein-Linden, 5. Juni. Auf 75 Jahre seines Bestehens kann jetzt der Posaunenchor unseres Ortes zuruckblicken. Im Jahre 1854 ist er trotz mancher Stürme und Angriffe ins Leben ge­rufen worden. Es war in jener Zeit nicht leicht, einen solchen Chor zu gründen. Eingeistlicher Mu­sikverein" sollte es sein, der Gott zu Lob und Preis

seine Weisen erklingen Heß. Der Chor ist der Mefi» in Hessen, und hat nun während Z Jahrhundert manchem Freude bereiten und Dienst tun dürfen. Bei sehr vielen kirchlichen Feiern und Veranstaltun­gen, sowie im Zusammenhang mit der Leipziger und der Hermannsburger Mission hat der Chor ge­wirkt. Man ist hier besonders dankbar dafür, daß er durch die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahr- mit sicherem Bestand durchgeführt wurde, und freu­dig sieht man dem 75. Jubelfest entgegen. Es roer* den 14 Posaunenchöre Oberhessens dabei mitwirken, Festprediger sind Pfarrer V ö m e l (Rodheim) und Missionar L a n g h o l f (Hermannsburg), die Kir­chenbehörde wird sich am Fest beteiligen. Der Fest» gottesdienst findet vormittags im Wald statt, nach­mittags wird ein Festzug, anschließend Feier im Walde veranstaltet. Näheres wird im Anzeigenteil der Freitagsausgabe desGieß. Anz." .betanntge- geben.

* Klein-Linden, 5. Juni. Zu dem am Montag berichteten Unglücksfall bei einem Fußballwettspiel zwischen den Mannschaf­ten der hiesigen Freien Turnerschaft und des Arbeiter-Sportvereins Beilstein wird uns noch mitgeteilt, daß der verletzte junge Mann, Rudolf Viertelhausen, nicht durch einen Fußtritt gegen den Unterleib zu Schaden kam, sondern daß der scharf getretene Fuß ball dem Spieler unglücklicherweise gegen den Leib flog und, da der junge Mann kurz vor­her gegessen und getrunken hatte, ihm dadurch die Verletzung zusügte. Durch mehrtägige Beobach­tung des Bedauernswerten in der Chirurgischen Klinik in Gießen wurde festgestellt, daß zum Glück keine ernstere Verletzung vorliegt und der junge Mann ohne weiteren Schaden davon­kommt. Seine Entlassung aus der Klinik wird dieser Tage erfolgen. Der Vorgang, der auf einen unglücklichen Zufall zurückzuführen ist, wird natürlich von den beteiligten Sport­vereinen lebhaft bedauert.

L Wleseck, 5. Juni. Der Voranschlag der Gemeinde ist dem Gemeinderat vor einigen Tagen zugegangen. Er sieht für das RechnungS- jabr 1929 eine Ges amtausgabe von 204974 Quart vor, während durch die Einnahmen aus dem Betrieb 144 079 Mark gedeckt sind, so daß noch ein Fehlbetrag von 60 895 Mart verbleibt, der durch Grund- und Gewerbesteuer gedeckt werden soll. Im Jahre 1928 betrugen die Ausgaben 205 839 Mark, die Einnahmen auS dem Betrieb 147 88Q Mark, der Umlagenbedarf 57 959 Mark. Besonders ist dabei zu beachten, daß einzelne Rubriken in Einnahme und Aus­gabe große Veränderungen gegenüber 1928 auf­weisen.

# Hungen, 5. Juni. Der dritte Festtag deS Landvolktages bewegte sich in kleinerem Rahmen. Rach einem Zug durch die Stadt zum Festplatz führte die Reitergruppe deS Landjugendbundes im Bezirk Hungen mehrere Reiter-Spiele vor, die eine große An­zahl Interessenten herbeigeführt hatten. Die Vor­führungen, die von fortgeschrittener Ausbildung zeugten, wurden mit reichem Beifall belohnt.

Kreis Schotten.

g Laubach, 5. Juni. Vorgestern fand im Solmser Hof" die ordentliche Generalversamm­lung des Vorschuß Vereins Laubach statt. Der Gesamtumsatz steigerte sich von 9,7 Millionen Mk. in 1927 auf 13,3 Millionen Mk. in 1928. Die Spar- und Scheckeinlaaen nehmen fortgesetzt zu. Das eigne Vermögen beläuft sich auf 40 443 Dkk. Der Reingewinn beträgt 5025,03 Mark.

-t- Ober-Schmitten, 5. Juni. Der in der hiesigen Papierfabrik beschäftigte Arbeiter Edel­mann von R a i n r o d trat gestern früh nach beendigter Rachtschicht auf seinem Fahrrad den Heimweg an. Auf halbem Wege nach Cichels- d o r f wurde er von einem Auto erfaßt und überfahren. Der Verletzte wurde in das Krankenhaus nach Schotten übergeführt. Wie ver­lautet, hat er einen Beinbruch davongetragen.

Bobby Carlton öffn'ete grabe in diesem Mo­ment die Türe und trat mit einem schmetternden Mornlng!" ins Zimmer.

Erschrocken blieb er stehen:Pardon, Pardon!" Blitzschnell drehte er sich um, und wollte wieder hinaus.

Mit zwei Sprüngen war George neben ihm.

Richt toeglaufen, Bobby, du sollst auch mal etwas Hübsches sehen!"

Bobby drehte sich um, und grinste wie ein Honigkuchenpferd.

Donnerwetter, die Frau war ja erstklassig!

Amüsiert lachte ihn Ellinor an, sie hatte ihn sofort wiedererkannt. Das war ja der flotte Bursche, dem sie beinah mal mit ihrem Wagen in die Flanke gefahren war, auch im Madison- Square-Palast hatte sie ihn gesehen, als sie George das Geld abluchste. Auch Bobby er­kannte sie. Ein strahlendes Leuchten ging über sein Gesicht, aber Ellinor sah es noch rechtzeitig.

Als Bobby nun den Mund offnen wollte, fuhr sie schnell auf:

Halt ihm den Mund zu, Georgie, schnell halt ihm den Mund zu!"

George stürzte auf den verdutzten Bobby los. Er preßte ihm die Hand auf den Mund, daß er den Atem verlor.

Bobby schnaufte und prustete, aber George hielt eisern fest.

Verzeihen Sie," rief Ellinor,aber ich muß ganz schnell etwas sagen, ehe Sie den Mund austun: ich bin Ellinor Stanley! So, George, nun laß das arme Opfer los!"

Bobby wetterte und fluchte. Aber als Ellinor erklärte, daß sie ihn zwar reizend fände, aber nicht die geringste Lust gehabt hätte, sich von ihm finden zu lassen, da der Termin noch nicht abgelaufen sei, da ließ er sich schnell versöhnen.

Vor allen Dingen eins, meine Herren!" sagte Ellinor, als einigermaßen Ruhe eingetreten war, es darf natürlich kein Mensch ahnen, wer ich bin. Ich habe keine Lust, well George mich liebt und in seiner Verliebtheit vielleicht Dummheiten macht, ober well Sie mich nett finden, Mr. Carlton, meine Idee aufs Spiel zu setzen! Meine Frist ist erst übermorgen abgelaufen, bis dahin darf mich keiner finden! Ich bin Betty Glynn, bitte, hier ist mein Pah!"

Ellinor hielt den Pah hin und George und Bobby Carlton versicherten hoch und heilig, sie feien vollkommen davon überzeugt, daß sie wirk­lich Betty Glynn sei.

Was wollen Sie eigentlich tei mir, Betty Glynn?" fragte George und kühte Ellinor zärt­lich aufs Ohr.

Ellinor fuhr empört auf:

Sie haben sich anständig zu benehmen, Mr. Wellton, eine Dame, die man vor zwei Minuten noch nicht kannte, küht man nicht! Es scheint da

eine kleine Verwechselung vorzuliegen. Ich bin hierher gekommen, um mich um den Posten einer Privatsekretärin beim Chef der Wellton-Werke zu bewerben. Sind Sie von meinen Fähigkeiten, diese Stellung auszufüllen, überzeugt?"

Ree!" warf Bobby ein.

Warum nicht?"

Abgesehen davon, dah ich George in diesem Falle nicht die notwendige Sachlichkeit und Ob­jektivität dieser Sekretärin gegenüber zutraue, bin ich einigermaßen fest davon überzeugt, daß Sie ebensowenig von diesem Geschäft verstehen wie ich. Sie sind doch eine Frau von Welt, Sie tonnen fabelhaft Auto fahren, das habe ich selbst gesehen, Sie können sicher unerhört gut Golf spielen, auch einen anständigen Bridge traue ich Ihnen zu, aber dah Sie Bureauarbeiten tun können, das glaub' ich nie und nimmer, ich finde auch, es würde gar nicht zu Ihnen passen!"

Ellinor wurde auf einmal ernst.

Sie haben Unrecht, Mr. Carlton, und du auch George, denn ich sehe an deinem Gesicht, daß du Mr. Carlton zustimmst. Es ist nicht so, ich bin vielleicht anders, als andere Mädchen in meinem Alter und in meiner Position find. Ich bin reich, man erzählte mir das schon, als ich noch ganz klein war. Jeder Wunsch wurde'mir erfüllt, ich konnte mit meinem Leben machen was ich wollte, Und ich wollte etwas machen auS meinem Leben, es sollte groß und wunderbar werden! Ich wußte noch nicht ganz klar,, was ich machen sollte, aber ich empfand es von klein auf. Als ich sechzehn Jahre alt war, da träumte ich davon, einmal einen Prinzen zu heiraten und in einem alten Schloß zu wohnen, mit siebzehn Jahren wollte ich mein ganzes Geld den Ar­men schenken. Ratürlich war das alles Ronsens. Mit achtzehn Jahren hatte ich schon keinen be­stimmten Plan mehr, ich wußte nur, dah ich ir­gend etwa- tun müsse, das mich ganz ausfüllte. Ich wollte nicht so leben, wie die Kinder reicher Eltern leben. Ich habe bei Pa im Geschäft ge­arbeitet als einfache Angestellte, Pa läßt in dieser Beziehung nicht mit sich spaßen, er ist für keine Spielerei zu haben. So habe ich arbeiten gelernt, Unb im Grunde genommen ist es auch meine Idee gewesen, dieser Wettlauf um die 100 000 Dollars, und es war ganz klar, dah nur ich die Sache machen konnte. Pa hat zuerst gesagt: ,Es ist unmöglich/ aber ich habe gesagt: .Denke nach, du muht es möglich machen/ Endlich sagte er zu! llnb es ist gegangen. Willst du mich nun als Sekretärin anstellen?"

Ich tue alles was du willst, kleine Ellinor« denn Ich habe dich lieb!

Und so wurde Ellinor Stanley nein, Betty Glynn Sekretärin bei George Wellton.

(Fortsetzung folgt)