Ausgabe 
6.6.1929
 
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Nr. (30 Zweiter Blatt

Sie Denkschriften für Madrid.

Heute beginnt in Madrid die Tagung des Studienkomitees für die Minderheiten­frage, d. h. des gesamten Völkerbunds­rats in einer dreitägigen Spezialsitzung für die Behandlung dieses Problems. Grundlagen dafür waren die Erklärungen Dr. S t r e s e - manns am letzten Tage der Dezembertagung des Völkerbundes in Lugano und seine Rede vom 6. März d. 3. in Genf, mit der er die deutsche Auffassung über die Verpflichtungen klarstellte, die dem Völkerbund aus seiner vertraglich über­nommenen Garantie für die Bestimmungen des Minderheitenschutzes erwachsen. Unterstützt wurde er dabei durch die Vorschläge des kanadischen Ratsmitglieds Dandurand, uni) trotz einer spürbaren Gegenaktion wurde die Aufgabe da­durch gefördert, daß sämtliche Dölkerbundsmächte aufgefordert wurden, dem ständigen Dreierkomitee für Minderheitenfragen bis zum 15. April ihre Bemerkungen zu dem Problem einzureichem

Dieser Einladung haben 14 Regierungen ent­sprochen; Kanada als fünfzehnte hat sich auf ein bereits während der Märztagung vorgelegtes Memorandum bezogen. Der Inhalt des deut­schen ist bekannt: er gipfelt in folgenden For­derungen: Mitteilung des Ergebnisses der jeweiligen Arbeiten des Dreierkomitees an alle Ratsmitglieder: größere Oeffentlichkeit des Ver­fahrens, um den Minderheiten zunächst Kenntnis von dem Schicksal ihrer Eingaben zu geben: Zu­geständnis des Rechtes der Ausschüsse, auch von den Minderheitenvertretungen ergänzende In­formationen einzuholen: Erweiterung des Dreier­komitees und vor allem Beseitigung der Be­stimmung, wonach die an einer bestimmten Frage als Rachbarn oder Stammverwandte einer Min­derheit besonders beteiligten Rationen von den Vorprüfungen der Beschwerden ausgeschlossen sind. Unter den Denkschriften der übrigen Re­gierungen ist die österreichische als eine wesentliche Unterstützung dieses deutschen und kanadischen Standpunktes besonders begrüßens­wert. Sie hebt unter Darlegung einer Reihe von Beispielen die bisherigen Beschränkungen hervor, die gegen das Rechst der* Minderheiten auf Währung des kulturellen Zusammenhangs mit dem stammverwandten Gesamtvolk einer anderen Ration bestehen, und schlägt Feststellungen nach dieser Richtung hin vor, die von der Kommission für geistige Zusammenarbeit im Völkerbund ge­troffen werden sollen. Sowohl Ungarn, wie Bulgarien heben begreiflicherweise die ihre eigenen Stammesgenossen außerhalb der Landes­grenzen betreffenden Beschwerden hervor. Dabei wird betont, daß große Dolksteile sowohl Un­garns, wie Bulgariens durch die Friedensver­träge vom Mutterland abgetrennt worden sind, und daß für diese besonderen Fälle der Rahmen des materiellen Minderheitenrechts zu eng ge­zogen worden sei. Von neutralen Mächten haben sich sowohl die Schweiz wie die R i e ver­lande, die beide von sich aus an einer Minder­heitenfrage nicht interessiert sind, wie schon wäh­rend der Ratsverhandlungen in dankenswerter Weise für das Problem interessiert, ebenso auch die chinesische Regierung. Unter den Geg­nern stehen die Staaten der Kleinen Entente, die zusammen mit Griechenland und Polen eine Denkschrift eingereicht haben, natür­lich obenan. Ihre Argumentation ist bekannt: sie wird eingehender Widerlegung in Madrid be­dürfen. Denn sie geht von einem ganz engherzigen Standpunkt aus, der die Minderheitenschuhver­träge als eine Art politischer Zwangsauflage im Austausch gegen andere, nicht verwirklichte politische Konzessionen an die betreffenden Staa­ten auffassen will und sie offensichtlich am lieb­sten ganz abschaffen würde, anstatt in ihnen wertvolle Ansätze für ein neues internationales Recht, eine selbstverständliche moralische Pflicht gegenüber abgetrennten Bevölkerungsteilen einer fremden Ration zur Regelung ihres Dauerver­hältnisses gegenüber dem neuen Staatsgebilde zu erblicken.

Reben den Staaten haben auch die großen Minderheitenorganisationen selbst, so vor allen, der Europäische Rationalitäten­kongreß, ihre Bemerkungen eingereicht: dieser

Amiens.

Don Kurt Kersten.

Wenn man französische Provinzstädte kennt, bleibt von Amiens fast nichts zu erzählen. Man müßte die Sensationen schon zaubern oder selbst veranlaßt haben.

Eine jener stillen Städte Frankreichs, in denen um die Mittagszeit fast kein Mensch auf der Straße zu sehen ist, die sich in Jahrzehnten nicht verändern, für die es keine Zeit zu geben scheint. Immer dieselben weihen Häuschen mit den typi­schen Rolläden, denselben Eisengittern vor den hohen Fenstern, dieselbe Bauart, dieselbe Anlage des Stadtbildes da sind die Boulevards auf den ehemaligen Festungswällen, da ist die schmale Hauptstraße mit den Läden, in denen sich zeigt, wie fern Paris trotz zweistündiger Bahn­fahrt ist, da kommen die Regierungsgebäude aus der Zeit Ludwig XIV., dann einige winklige Gassen bis zur Kathedrale, von der man so viel gehört und gelesen hat, deren Dachreiterspitze elegant wie ein Degen in den Himmel stößt, und die man vor zehn Jahren wochenlang vom Wald von Moreuil durchs Scherenfernrohr sah.

Amiens ist die Stadt jenes Peter, der zum ersten Kreuzzug aufrief es war ein Kreuzzug armer Leute und Ritter, die in der Heimat nicht mehr leben konnten. Und nun steht der Arme- leutcpriester in Granit vor dieser Kathedrale, die einen so ganz anderen Charakter hat, als man immer geglaubt hat. Tolle Figuren sind zu sehen: bäurische, plumpe, ulkige Burschen an Giebeln und Wänden, ein flämischer Bauer von Christoph schleppt seinen Iesusknaben auf den mächtigen Schultern, mit dicken Bäuchen, groben Gesichtern steht eine Reihe von Heiligen auf einer Galerie des Hauptportals, sie freuen sich ihres Daseins, flankiert von herrlichen, primitiv ge­hauenen Pferden, bizarren Tieren, in allen Win­keln sieht man Foppereien da sind Dauern, die einem die breite Zunge grinsend entgegenstrecken da sind lustige Teufel und hübsche, dralle Frauenspersonen es ist eine buffohafte Ka­thedrale, Zeugnis eines unverdorbenen, frischen Dauernstammes: urwüchsig, daseinsfroh, voll­gefressen, spottend jeder Trauer.

Donnerstag, 6. Juni 1020

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

letztere fordert begreiflicherweise die extensivste Auslegung und Anwendung des Minderheiten­schutzes.

Reich und Lustfahrt.

In der Sitzung des Haushaltsaus­schusses des Reichstages vom Dienstag sprach Reichsverkehrsminister Dr. Sieger- wald in längeren Ausführungen über den Luftfahrtetat. Er sagte u. a., man müsse sich damit abfinden, daß es eine Wirtschaft­lichkeit des Luftverkehrs und der Luftfahrt­industrie bis auf wei teres nicht gebe und daß beide sich nur durch Zuwendungen des Reiches halten könnten. Die Länder um uns hätten es leichter, weil bei ihnen die Grundlage der Luftfahrt das bet uns verbotene Militär­flugwesen bilde. Diese Länder verausgabten für das Luftfahrtwesen unvergleichlich mehr als Deutschland. Auch hier könnten wir uns in der Luftfahrtfrage nicht abseits stellen. Die Luft­hansa habe kein Monopol, werde aber deshalb allein vom Reich unterstützt, weil sie auch das Risiko langer Flugstrecken trage. 26 Prozent des Aktienkapitals der Lufthansa habe das Reich, 19 Prozent hatten die Länder und je 27Vz Proz. die regionalen Gesellschaften und die Privatwirt­schaft. Wenn man ©ntbureautratifierung fordere, spreche er sich unbedingt dafür aus, der Luft­hansa, die über privatwirtschaftliche Kräfte ver­füge, alle Freiheit zu geben. Eine systematische Lösung der Derkeh-rsaufgaben werde aber die Lufthansa nur lösen können, wenn sie nicht ge­

zwungen sei, von der Hand in den Mund zu leben, sondern wenn sie mindestens für drei Jahre auf einen festen Mindestzuschuh vom Reich rech­nen könne. Als solche Mindest summe seien für den europäischen Luftverkehr 16 Millionen errechnet, wozu noch Beträge für das Transozean- und Transeurasien-Projekt kämen. Er hoffe, daß das Kapital für diese, namentlich die Reichspost interessierenden Pro­jekte mit einer Garantie des Reiches aus dem Privatgeldmarkt entnommen werden könne. Für die Garantie, Verzinsung und langjährige Amor­tisation sehe der Etat erstmalig 550 000 Mark vor. Ernste Sorge verursache die Frage, ob die hoch­stehende deutsche Flugzeug- und Motoren-Industrie mit den Reuerungen Schritt halten könne, weil kein Geld fürAuf- träge vorhanden sei. So seien die Mittel für ReicAaufträge in diesem Jahre um 16 auf 6 Millionen gekürzt. Der Minister empfahl, einen besonderen Unterausschuß zu bilden, der die Luft­fahrtfragen in Zukunft erledigen solle. Aus dem Zahlenmaterial, das der Minister gab, geht her­vor, daß zum Beispiel 1929 England 7, Frankreich 7,2 5, Deutschland 0,44 Mart pro Kopf der Bevölkerung für die Luftfahrt in Frage komme.

Aus der Debatte ergab sich, daß am Luft­fahrtetat insgesamt 27 Millionen ge­strichen sind. Rachdem noch Ministerialdirigent Dr. Brandenburg die Ausführungen des Ministers mit Einzelheiten ergänzt hatte, wurde die Beratung vertagt.

Das Welipattamenl der Fraurn in Berlin.

Weltkongreß für Frauenstimmrecht. Eine Iubiläumstagung. 2000 Frauen aus 45 Ländern in der Reichshauptstadt. Ein großes gesellschaftliches Ereignis.

Don Siegfried Ascher.

Richt weniger als 2000 Frauen, die aus allen Gegenden der Welt, sogar aus Australien, Bra­silien, den Bermudas, Cuba, Aegypten, Island, Indien, Reuseeland, Peru und Südafrika kom­men, werden sich in den nächsten Wochen in Berlin versammeln, um eine wichtige Tagung abzuhalten und ein Jubiläum festlich zu begehen. In Berlin wurde vor 25 Jahren der Weltbund für Frauenstimmrecht und staatsbürgerliche Frauenarbeit gegründet, und in der Reichs­hauptstadt toertien nun die Delegierten aller Län­der das fünfundzwanzigjährige Bestehen dieser Organisation feiern. Alle drei Jahre pflegt der Weltbund einen Kongreß abzuhalten. Die dies­jährige Tagung geht aber weit über den Rah­men der üblichen Zusammenkünfte hinaus, denn die Tagesordnung weist außerordentlich wichtige Themen auf. In der Zeit vom 17. bis zum 23. Juni sollen die verschiedenen Ausschüsse ta­gen, um später dem Plenum über das Ergebnis ihrer Beratungen zu berichten. Schon einige Tage vorher vom 12. bis 16. Juni fin­den vorbereitende Sitzungen statt. Am 14. Juni treten zum erstenmal die internationalen Aus­schüsse zu einer Sitzung zusammen. Zunächst wird die Kommission für Frieden und Völkerbund tagen, in der die Amerikanerin Ruth Morgan den Vorsitz führt. Am gleichen Tag tritt der Ausschuß für Familienzulagen" zusammen, der für kinderreiche Familien besondere Vergütun­gen fordert. Diese Zulagen sollen unmittelbar an die Hausfrau gezahlt werden, damit diese mit einer bestimmten Einnahme rechnen kann, die dem Verbrauch des Mannes auf jeden Fall ent­zogen ist. Kinderreiche Hausfrauen sollen dadurch in Zukunft der Rotwendigkeit enthoben sein, einem Rebenberuf außer dem Hause nachzugehen. Allerdings ist es heute noch nicht abzusehen, wann diese Bestrebungen verwirklicht werden können. Dagegen kann derAusschuß für gleiche Sittlichkeit und zur Bekämpfung des Frauen­handels" zufriedener sein. Die junge Generation vieler Länder will nichts mehr davon wissen, doppelte Moralbegriffe für die Geschlechter an­zuwenden. In der Frage des Mädchenhandels

Wenn man ins Innere kommt, sitzt auf einem Sarkophag ein kleines, dickes, nacktes Bübchen, die Linke auf einen Totenkvpf gestützt, das Bürsch­chen weint über das fliehende Leben.

Es hieß, in der Rähe der Kathedrale gäbe es ein Viertel, das an Holland erinnere. Man müßte es unbedingt sehen.

Les hortillonages heißen die weiten sumpfi­gen Strecken rings um Amiens, dort bauen die armen Leute Gemüse, immer liegen, umgeben von Wasser, Fetzen fruchtbaren Landes, das ganze Gebiet ist von zahllosen schmalen Ka­nälchen durchzogen, in kleinen Booten fahren die Bebauer zu ihren Grundstücken, ihren Inseln. Es ist eine harte ungesunde Arbeit: jede Woche einmal halten sie auf einem bestimmten Platz unter alten Bäumen im untern Teile der Stadt am Fuß des niederen Kathedralenhügels Markt ab dieser Platz liegt an einem Fluß, der einen unheimlichen Ramen trägt es ist ein Fluß, der Ströme Blutes ausgenommen hat, an dessen Ramen sich die Seufzer und Aengste von Millionen hefteten ein Fluß, der stöhnend und scheu durchs Land fließen müßte: die Somme.

Sie verzweigt sich hier in zahllose kleine Ka­näle, schmale Grachten ziehen durch das alte Stadtviertel, das an Holland erinnern soll. Aber die Romantik verfallender Häuser kann nie be­tören. Es ist schrecklich dort, wo die kleinen Gemüsebauern von Amiens hausen, enge Gäß­chen, niedrige Duden, hingeklebt hart an die Ka­näle, zu jeder Daracke führt übers Wasser ein schmaler Steg ein freudloses Viertel.

Katzen hocken überall auf den Simsen der nie­drigen schmalen Fensterchen, denn es wimmelt hier von Mäusen und Wasserratten. Kläglich rankt sich Grünes um die Gitter der Stege. Die Häuschen sind einstöckig, haben kaum drei Kam­mern: durch die offene Haustür sieht man in den engen, düstern Wohnraum es war Mit­tag. Sie löffelten ihre Dettelsuppen, die Teller klapperten müde, graue Leute mit bleichen Gesichtern. Armes Gemüsevolk von Holländisch- Amiens.

Diese Stadt hat im Krieg furchtbar gelitten, zu Beginn waren deutsche Reiter einige Tage

arbeitet der Ausschuß mit dem Völkerbund zu­sammen.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld bietet sich heute noch demAusschuß für gleiche Arbeitsbedingun­gen für Mann und Frau". Wenn auch die Zahl der berufstätigen Frauen in allen Ländern dauernd wächst, gibt es doch noch eine Anzahl von Berufen, zu denen dem weiblichen Geschlecht der Zutritt versagt ist. Gegen diese Zurück­setzung kämpft der Ausschuß: er will gleiche Be­dingungen, gleichen Lohn und gleiche Detäti- gungsmöglichkeiten für Frauen und Kinder. Die Lage der unehelichen Mutter und ihres Kindes will derAusschuß für die unverheiratete Mut­ter" verbessern. Wichtig ist auch die Arbeit des Ausschusses für die Staatsangehörigkeit der ver­heirateten Frau". In den meisten Ländern ist e8 heute so, daH die Frau bei einer Verheira­tung mit einem Ausländer ihre frühere Ratio­nalität verliert. Man will nun erreichen, daß die Frau ihre Staatsangehörigkeit nach eigenem Ermessen behalten oder wechseln kann. Für die Frauen, in deren Heimat bereits das Frauen­stimmrecht besteht, gibt es eine besondere Kom­mission: diese soll auf die wahlberechtigten Frauen eindringlich einwirken, damit sie ihren Einfluß geltend machen sollen.

Am 17. Juni beginnt dann der eigentliche Kon­greß, der mit einer Iubiläumssihung eröffnet wird, die Berichte der verschiedenen Ausschüsse entgegennehmen und mehrere öffentliche Abend­versammlungen abhalten soll. Die Bedeutung des Kongresses kann man schon aus der Stellung­nahme der Regierung erkennen. Der Reichs­kanzler wird die Teilnehmerinnen empfangen, die Stadt Berlin wird ihnen ein Frühstück ge­ben, im Reichsministerium des Innern und dem Auswärtigen Amt werden offizielle Empfänge veranstaltet werden. Eine Festvorstellung der Staatsoper soll mit dem Kunstleben Berlins bekannt machen, Führungen durch Museen unb andere Besichtigungen werden den. Damen des Kongresses nachhaltige Eindrücke vermitteln.

Reben der Arbeit soll aber auch die private Geselligkeit nicht zu kurz kommen. Ein besonderer

hier, hernach barg sie die Stäbe der Alliierten während der Sommeschlacht. Auf den Hoch­ebenen von Villiers-Bretonneux verbluteten Zehn­tausende, Amiens wurde aus der Luft und von Ferngeschützen monatelang bombardiert, ganze Straßenzüge gingen in Brand auf. 700 Häuser wurden völlig zerstört, über 200 Bewohner wur­den getötet.

Am Rachmittag fuhr ich hinaus nach Moreuil, nach Lihons, bis Chaulnes, an den Rand der großen Wüste, in das Land des Schweigens. Don dieser Fahrt ist fast nichts zu berichten. Der Krieg war da und ist nicht mehr. Moreuil war ein Trümmerhaufen und ist ein neues Städtchen, unerkennbar für den, der es im Krieg kannte. Erst wenn man in die Ratur zurückkehrt, zu den Feldern und Düschen, erkennt man das Toten- feld wieder. Auf der steil ansteigenden Straße über Moreuil denkt man unwillkürlich, daß man nun doch nicht mehr eingesehen wird. Oben auf der Höhe an einer Weggabel haben sie einen Obelisk aus gelbem Sandstein errichtet: am 8. August Deutsche vertrieben der erste Tag der großen Schlacht, der zur Befreiung des Landes führte.

Weiter in den Grund hinab stilles Land, stille Dörfer, abgeerntete Felder Wald- Parzellen mit verstümmelten Bäumen sind die ieljten Zeugen. An der Luce, dem schmalen, rasch fließenden Dach zwei kleine Dörfer ein Gutshof, dicht am Bach. Dort haben sie am 8. August angegriffen; und dort stand in einem kleinen Garten eine zerschossene Kirche, die haben sie abgerissen, im Garten wuchert das Untraut noch wilder als zuvor, Soldatengräber waren dort schon zu unserer Zeit, sie haben sich um einige Gräber vermehrt Engländer. Dann kommt eine Bauernfrau groß, blond und voller Kraft wir sprechen einige Worte sehr freundlich. Sie weih, wer ich bin. Plötzlich sehe ich zwischen uns im Gras einen deutschen Stahlhelm, zehn Jahre sind vergangen.

Wir fahren durch eine Allee, in der eine Feuerstellung lag, wo ich verwundet wurde nun persönliche Dinge. Richts zu erzählen. Weiter über Caix nach Rosieres, das unter furchtbarem Feuer lag ich sehe immer noch das verwundete Pferd, das am Rand der Straße stand und den zerschmetterten rechten Vorderfuß

Repräsentationsausschuß, dessen Leitung in den Händen der bekannten Politikerin Baronin von Kardosf-Oheimb liegt, sott für den wür­digen gesellschaftlichen Empfang der mehr als 2000 Damen des Kongresses sorgen, die aus 45 Ländern zusammenkommen. Der Damen-Auto- mobil-Klub. wird seine Privatautos zur Verfü­gung stellen, und da dem Ausschuß Frau Käthe Stresemann, Frau von Siemens und andere bekannte Persönlichkeiten angehören, ist es gewiß, daß man alles aufbieten wird, um den Gästen das Leben in Berlin möglichst ange­nehm zu gestalten. Ratürlich werden all diese Empfänge nicht etwa Selbstzweck sein, sie werden nur den Rahmen für die Zusammenkünfte bilden, bei denen den Gruppen gleichgesinnter Frauen Gelegenheit gegeben werden soll, miteinander näher Fühlung zu nehmen. Richt etwa Massen­veranstaltungen sind geplant, man will immer nur die Personen gesellschaftlich zusammenbrin­gen, von denen man überzeugt ist, daß sie zu­einander passen. Während einer großen gesell­schaftlichen Veranstaltung will Frau von Kar- dorff-Oheimb einen Vortrag halten, in dem sie ihre Lieblingsidee propagieren will: Sie wird zur Gründung einerMutterliga" auffordern, die für die Erhaltung des Weltfriedens eintreten sott.

Schwere Kämpfe und ungeheure Beharrlichkeit waren nötig, um die Erfolge zu erringen, auf die der Weltbund heute mit Stolz Hinweisen kann. Rur wenige Frauen, die vor 25 Jahren! an seiner Gründung teilnahmen, stehen heute noch in der Bewegung. Eine einzige deutsche Frau, die zu den Gründerinnen des Bundes ge­hört, wird der Iubiläumstagung beiwohnen. Es ist die erste stellvertretende Vorsitzende, dis Reichstagsabgeordnete Frau Adele Schreiber- Krieger. In ihrem freundlichen Heim, das in einem Berliner Villenviertel liegt, erzählt sie von den harten Kampfjahren, die hinter ihr lie­gen.Ich gehöre heute zu den Veteranen den Bewegung", sagt Frau Ähreiber-Krieger,unb ich fjabe für das Frauenstimmrecht gekämpft, als man unsere Bestrebungen noch verlachte. MaN kann sich heute nicht mehr Vörstetten, welche Schwierigkeiten die Veranstaltung einer Ver­sammlung besonders in kleineren Städten bot, wenn man für das Frauenstimmrecht eintretenl wollte. Von den deutschen Gründerinnen wird außer mir niemand der Iubiläumstagung bei­wohnen. Rie dürfen wir es dem Weltbund für Frauenstimmrecht vergessen, daß seine Mitglieder selbst in der Zeit der fchwersten Kriegspsychose ein Zusammenhörigkeitsgefühl bewahrten. Unsere Zentrale, die sich seit der Gründung in London befindet, hat es bei Kriegsausbruch vielen deut­schen und österreichischen Frauen und Kindern er­möglicht, in ihr Heimatland zurückzukehren, lin­iere Zeitschrift ist auch im Krieg erschienen, und wenn auch die Frauen aller Länder damals selbstverständlich auf der Seite ihres Vaterlan­des standen, haben sie sich doch nie zu Haßaus- brüchen gegen ihre früheren Kampfgenossinnen hinreihen lassen. Wenn man die Begeisterung unserer Kämpferinnen sieht, kann man am Er­folg der Bewegung nicht zweifeln. Reiche, ver­wöhnte Frauen setzen sich nicht nur mit ihrem Vermögen, sondern mit ihrer ganzen Persönlich­keit für unsere Bestrebungen ein. So gehört die ägyptische Delegierte zu den reichsten Frauen ihres Landes, aber auch zugleich zu den eifrig­sten Kämpferinnen für Frauenrechte. Die Ab­gesandte, die Island schickt, hat sich nicht gescheut, lange Reisen zu Pferde durch ihr Land zu un­ternehmen, um für uns zu arbeiten. Als wir vor 25 Jahren den Weltbund für Frauenstimm­recht gründeten, waren wir davon überzeugt, daß wir nach harten Kämpfen unsere Ziele erreichen würden. Heute stellen wir eine Macht dar, die in der ganzen Welt geachtet wird. Die be­lächeltenDiaustrümpfe" von früher sind aus der männlichen Ideenwelt verschwunden. Der Weltbund für Frauenstimmrecht wird nicht eher ruhen, bis er den Frauen der ganzen Welt zwei Dinge gesichert haben wird: die vollkommene politische und die vollkomnlene wirtschaftliche Gleichberechtigung."

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

so erbärmlich ausstreckte vorbei auf dem Dorfplah dreht sich ein Karussell mit ohren­betäubender Musik kleine Mädchen, festlich ge­putzt, promenieren auf und ab. Dor Lihons lag hinter dem kleinen Walde schon damals ein fran­zösischer Friedhof: er ist viel, viel größer ge­worden. Zwischen Lihons und Chaulnes lag die alte Sommestellung vorbei, verschwunden Chaulnes, der Friede ist da zurück über Har- bonnieres, wo die Tanks die Stäbe überraschten, zurück über Vitters-Dretonneux, wo so grauen­haft viel Dlut floß.

Es ist ein stiller übersonnier Spätnachmittag im September das Land schläft, atmet ruhig im gleichmäßigen Takt. Als wäre alles nie ge­wesen.

Kakteen.

Knoop war Hampe fünf lumpige Mark schuldig.

Knoop trug sorgfältig auf der flachen Hand etwas, das war in weichem Seidenpapier ver­hüllt. Er traf Hampe.

Sooo," sagt der,du kaufst Kuchen. Auf einen Donnerstag. And wie steht es mit meinem Geld?"

Das ist kein Kuchen. Das sind Ableger von

Kakteen."

Schöne Kakteen. ... Pappdeckel, Seiden- .

Papier. ... Schöne Ableger."

Destirnrnt."

Soll ich mal mit der flachen Hand drauf­schlagen, daß die Schlagsahne auseinanderspriht?"

Wenns dir Spaß macht!"

Hampe schlug zu.--

Es waren doch Kakteen. H. Fr. B,

Hochschulnachrichten.

Professor D. Paul Althaus in Erlangen hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Dogmatik an der Universität Halle als Rachfolger des Geheimen Konsistorialrats Prof. W. Lütgert ab­gelehnt. Prof. Althaus lehrte früher in Göt­tingen und Rostock. Die außerplanmäßige Bibliothekarin an der Universitätsbibliothek in Marburg, Dr. Gerda Krüger, ist zur plan­mäßigen Bibliothekarin an 5er Aniversitäts« bibliothek in Marburg ernannt worden. i