Ausgabe 
6.6.1929
 
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Feuersäulen bis zu einer Höhe von 50d Metern auf. Die ganze innere Fläche des großen Kraters hat sich in ein Feuermeer ver­wand e l t. Die Annäherung an die Krater- ränder ist äußerst gefährlich. Die Erup­tionstätigkeit des kleinen Kraters ist nach wie vor sehr lebhaft. Immer noch werden große Schla­ckenstücke emporgefchleudert, die auf die Seiten­wände des großen Kraters niederfallen. Indessen ist der Lavasee in dem Abrund im kleinen Krater verschwunden. Aus der Tatsache, daß die großen Schlackenstücke beim Aufprall auf den Erdboden zersplittern, läßt sich schließen, daß die Eruptionstätigkeit zurückgeht und die Temperatur der herausgeschleuderten Massen sinkt.

Wegen Straßenraubs in Männerkleidern vor Gericht. - Wegen scyweren Straßenraubes wurde in Ber­lin eine 22jährige Verkäuferin unter Zubilligung mildernder Hmstände zu der Mindeststrafe von einem Iahr Gefängnis verurteilt. Sie hat in einer Aacht als Mann verkleidet, ihre frühere Arbeitgeberin, die eine Anzahl Limo- nadenverkaufsstellen betreibt, und deren 18jäh- rigen Gehilfen auf der Straße überfal­len, ihnen Pfeffer in die Augen geworfen und ihnen die Geldtaschen geraubt, wurde aber sofort von Passanten eingeholt und sest- gehalten. Der Angeklagten, die verlobt ist und fleißig gearbeitet hat, bis sie durch Krank­heit in Rot geriet, wurde unter der eigen­artigen Bedingung Bewährungsfrist be­willigt, daß sie während der Zeit von drei Iah- ren bis zum Ablauf der Frist nicht heiratet und sich in eine Stellung als Hausangestellte in eine geschlossene Anstalt begibt. Diese Stel­lung bürfe sie, wenn sie nicht ins Gefängnis wandern wolle, nicht verlassen, ehe die Anstalt sie für gebesiert erklärt. Dieser Gerichtsbeschluß erregte unter den Anwesenden ebenso großes Aufsehen wie die Entscheidung desselben Rich­ters in einem früheren Falle, in dem er um­gekehrt eine Bewährungsfrist mit der Bedingung bewilligte, daß der Angeklagte das junge Mäd­chen, das er aus Eifersucht durch ein Salzsäure- Ättentat entstellt hatte, nunmehr heiraten müsse.

Ehrung eines deutschen Gelehrten in pari».

Die französische astronomischeGe- s e l l s ch a f t gab bekannt, daß der zum ersten Male zur Verteilung kommende von Esnault-Pel- t e r i a und Ändrs Hirsch gestiftete internationale astronomische Preis dem Professor an der Universität Berlin, Hermann O b e r t h , zuerkannt worden ist. Dieser Preis im Werte von 5000 Fran­ken wurde ausnahmsweise für die gekrönte Arbeit Oberths auf 10 000 Franken erhöht. An der Spitze des Preisrichterkollegiums steht General Ferris; ihm gehören außerdem der Nobelpreis­träger P e r r i n, zahlreichen bekannten Astronomen und Physiker an. Professor Oberth hat das Pro- blem des Raketenantriebes für die Be­zwingung der Luft behandelt und so weit ent­wickelt, daß bisher unbekannte Schnelligkeiten er­möglicht würden. Lobend erwähnt wurden zwei Ar­beiten, von denen eine der deutsche Ingenieur Hohmann eingereicht hat.

Schwere Explosion in Friaul.

Ein der Aufbewahrung von Sprengstoffen der italienischen Kriegsverwaltung bestimmter, int Dorfe Tauriani bei Spilimbergv (Prov. Udine- gelegener Lagerschuppen geriet aus unbekannter Hrsache in Brand und flog in die Luft. E l f Arbeiter wurden getötet, sechs schwer und sieben leichter verletzt.

Oie Wetterlage.

den die schlechte Finanzlage uns aufge- zwungen hat, ist schwer. Ich habe die Manöver in diesem Jahre ausfallen lassen, ein vitales Ausbildungsmittel. Ein Jahr kann man vielleicht so verfahren, mehrere Jahre nicht. Wir stehen a m Wendepunkt der Kriegskun st. Halten wir an alten Methoden fest, versäumen wir den An­schluß an die Zukunft. Die Ausbildung ist eine so wissenschaftliche geworden, daß selbst der letzte Mann noch über eine gewisse Gelehrsamkeit ver­fügen muß. Jeder einzelne Mann muß taktisches Verständnis haben. Alles das zu erreichen, kostet Geld. Wir können ein Jahr die Ausbildung dros- fein; auf die Dauer ist das aber unmöglich. Viel ist der große Verwaltungsapparat getadelt worden. Wir werden mit größtem Ernst diese Ver­hältnisse im Ministerium und im Heere prüfen. Es wird eine Einsparung der Ausgaben ver­sucht, die sich 1930 auswirken soll.

Keine Einigung über den Reichsbahnschiedsspruch. Vor der Entscheidung des Arbeitsministers.

Berlin, 5. Juni. (WTB.) Heute fanden im Reichsarbeitsministerium unter dem Vorsitz des Mi­nisterialdirigenten M e o e s Verhandlungen über die Verbindlichkeitserklärung des Schieds­spruches für den Reichsbahnbetrieb statt, die er­gebnislos verliefen. Die Vertreter der G e= werkschaften erklärten, daß sie zu einer Der- ständigung bereit seien, doch gelang es nicht, die Reichsbahn zur Annahme des Schiedsspruches zu bringen. Die Entscheidung liegt nunmehr bei dem Minister. Die Reichsbahn steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß für sie die Annahme des Schiedsspruches unmöglich sei, da er eine Neube­last u n g von über 40 Millionen Mark bedeute, die ohne eine Tariferhöhung nicht aufgebracht werden können. Dabei ist die Reichs- bahnhauptoerwaltung durchaus davon überzeugt, daß an sich die soziale Lage ihrer Arbeiter eine Lohnerhöhung rechtfertigt. Wenn sie trotzdem auf ihrem ablehnenden Standpunkt beharrt, dann nur deshalb, weil sie der festen lleberzeugung ist, daß sich gerade in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage eine weitere E r - Höhung der Eisenbahnbetriebe höchst ungünstig auf die allgemeine Wirtschaft aus­wirken würde und daß durch die dadurch entstehende neue Teuerungswelle die etwaige Lohner­höhung wieder illusorisch gemacht würde. Die Reichsbahnhauptoerwaltung ist, wie wir hören, nach wie vor entschlossen, im Falle der Verbind- lichkeitserklärung des Schiedsspruches durch das Reichsarbeitsministerium dessen Gültigkeit vor dem Reichsbahngericht anzufechten. Die Ver­handlung vor dem Reichsbahngericht dürfte in die­sem Falle alsbald anberaumt werden.

Reichspräsident und Außenminister an den Verein deutscher Zeitungsverleger.

Auf die Begrüßungstelegramme, die die Hei­delberger Hauptversammlung des Vereins Deut­scher Zeitungsverleger an den Reichsprä- sid enten von Hindenburg und an den Reichsaußenminister Dr. Stresemann ge­richtet hat, sind folgende Antworttelegramme eingegangen:Den zu ihrer Tagung in Heidel­berg versammelten deutschen Zeitungsverlegern danke ich für die freundlichenGrüße, die ich herzlich erwidere. Mit besonderer Be­friedigung nahm ich Ihre Versicherung entgegen, daß der Verein Deutscher Zeitungsverleger ge­willt ist, unter Zurückstellung vorhan­dener Gegensätze an dem großen Werk wahrer deutscher Volksgemeinschaft m i t z u ar­beiten. Ihrer von diesem Streben geleiteten diesjährigen Versammlung wie Ihrer künftigen Arbeit wünsche ich aufrichtig reichen Erfolg.

von Hindenburg, Reichspräsident."

Dem Verein deutscher Zeitungsverleger danke ich herzlich für die mir telegraphisch übermittel­ten, ehrenden Worte, mit denen er auf der Hauptversammlung meiner Arbeit gedacht hat. Der Hauptversammlung guten Erfolg wünschend, bin ich mit herzlichen Grüßen an alle dort Ver­sammelten Ihr S t r e s e m a n n.

Der Rogensprozeß.

Schwere Belastungen durch den Bruder der Angeklagten.

Aeu-Strelitz, 5. Iuni. (WB.) 3m Ro­gensprozeß wurde der Bruder der beiden Ange­klagten Fritz und August Rogens, Wilhelm Rogens, vernommen, der auf sein Zeugnis- verweigerungsrecht verzichtet hat. Er gibt zu­nächst nähere Einzelheiten über die Familien­verhältnisse im Hause Rogens. Sein Vater, der entweder durch Selbstmord oder durch Hnglücks- sall ums Leben gekommen ist, habe ost über die Hnsauberkeit im Hause und über die sittlichen Abwege der Mutter, der Angellagten Frau Kähler, geklagt. Wilhelm Rogens, der sich ver­heiraten wollte, ist von Iakubowski seinerzeit gefragt worden, -ob er bereit sei, ihm eines der Kinder abzunehmen. Als Entschä­digung sollte er einen blauen Anzug und ein Fahrrad erhalten. Wilhelm Rogens war, das Einverständnis seiner Dräut vorausgesetzt, dazu bereit. Seine Mutter hat ihm aber abgera­ten. Gelegentlich eines Besuches bei Wilhelm Rogens hat später Frau Kähler ihm erllärt, daß August Rogens gesagt habe, er, August, solle eines der Kinder vergiften. Diese Behaup­tung wurde heute von Frau Kähler bestätigt. Wilhelm Rogens bekundet, daß Fritz ihm in Lübeck seine Beteiligung an dem Morde anvertraut und ihm gesagt habe, daß Jaku­bowski ihm 175 Mark in bar, einen Anzug, ein Fahrrad sowie verschiedene Möbelstücke für das Verstecken der Leiche des kleinen Ewald gegeben habe. Fritz hätte dem Zeugen dann genaue Angaben über das Verstecken der Leiche gemacht. Ihm habe Fritz erzählt, daß Iaku- b o w s k i ihm vor der Tat das Kaninchen- loch, in dem die Leiche versteckt werden sollte, gezeigt habe. Als er, Fritz, den Ewald in Empfang genommen habe, sei dieser schon halb t o t gewesen. Er habe nur noch etwas gestram­pelt.

Vorsitzender:Früher haben Sie angegeben, daß Fritz erklärt habe, I a k u b o w s k i habe ihm die Leiche übergeben, heute sagen Sie immer derjenige .

Zeuge Wilhelm Rogens:Ich habe angenom­men, Iakubowski sei es gewesen."

Vorsitzender hält dem Zeugen vor, daß er früher angegeben habe, Iakubowski habe zu Fritz

MchonaldmitderÄegieningsbMiingbeauWgt.

Die Herrschast der Lübour-Party.

Die Labour -Party wird nach der jahre­langen Herrschaft der Konservativen nun wieder ans" Ruder gelangen, wobei die Feststellung interessant sein dürste, daß dieses Ereignis wie­der in eine Zeit fällt, wo es sich um die Lösung der Reparationsfrage handelt. Das 17. englische Kabinett, das damals unter der Füh­rung von Maedonald stand und vom 22. Ia- nuar 1924 bis zum 4. Rovember 1924 im Amte blieb, bis es vom jetzigen Kabinett Baldwin ab­gelöst wurde, stand im Zeichen der Londoner Konferenz, die im August- 1924 zum Dawes- plan führte. Maedonald wird also auch dies­mal mit seinem Kabinett die Erledigung des Voung-Planes zu erfüllen haben, und man darf nur hoffen, daß diese Parallelität der Er­eignisse auch Symptom für die Parallelität der politischen Entwicklung sein wird.

Die Herrschaft der Labour-Party darf aber keinesfalls in ihrer außenpolitischen Auswirkung überwertet werden. Es ist wohl richtig, daß die englische Arbeiterpartei, wie ja auch Mae­donald bereits in Interviews erklärt hat, viel stärker für eine Verständigung ein­tritt, als es die konservative Regierung konnte. In vieler Hinsicht kann auch erwartet werden, daß die Abrüstung jetzt von englischer Seite aus stärker forciert werden wird als bisher. Es wäre aber verfehlt, nun schon eine völlige Umstellung der englischen Außenpolitik Voraus­sagen zu können. Auch die englische Arbeiter­partei ist in ähnlichem Sinne in allererster Linie groß bri tannisch orientiert, so daß die kontinentale Politik nur insofern gewisse Ab­änderungen erfahren wird, als es eben jetzt vielleicht zu einer bequemeren Liquidation der Rachkriegswirkungen kommen könnte. Im allge­meinen wird aber auch hier die englische Links- regierung einen vorsichtigen Kurs einschlagen, der entsprechend der englischen Tradition eine klare und gebundene Festlegung vermeiden wird. Et­was anderes ist es vielleicht, anzunehmen, daß die Räumungsfrage jetzt womöglich leich­ter zu lösen ist. Man darf dabei aber nicht ver­gessen, daß der französische Einfluß in diesem Falle letzten Endes doch der stärkere ist. Kurzum, es wäre verfehlt, nunmehr schon von deutscher Seite aus mit einem gewissen Illusionismus in die Zukunft zu blicken. Die kommende Entwick­lung wird vielmehr £>on den anderen Komponen­ten der kontinentalen Politik abhängen, die in ihrer Komposition jetzt mehr und mehr zwangs­läufig werden, so daß, vor allem was die Räu­mung anbelangt, eine Aufschiebung der Lösung dieser Srage kaum noch möglich fein wird. Und als letzten Punkt darf man nicht vergessen, daß

auch Herr Maedonald in England mit Lloyd George rechnen muh, das heißt mit den Li­beralen, die auch jetzt noch eine ausschlaggebende Rolle spielen. Die Herrschaft der Labour-Party wird deshalb im Zeichen der Vorsicht stehen. Die interkontinentale Politik Europas wird damit zunächst wenigstens keinerlei besondere Heber» raschungen aus diesem Wandel der englischen Politik erwarten können.

Der Besuch beim König.

Noch keine endgültige Ministerliste.

London, 5. Iuni. (I2L) Die formale B e - trauung Macdonalds mit der Bildung des neuen Kabinetts durch den König, ist erwartungsgemäß, heute mittag erfolgt. Bei feiner Ankunft im Schloß Windsor wurde er von dem hofmarfchall des Königs empfangen und um 11.30 Ahr nach dem Krankenzimmer geleitet, das ec wenige Minuten nach 12 Uhr wieder verließ. Man glaubt zu wissen, daß Maedonald heute dem König die Jlamen einiger Mitglieder feiner Partei mitteilen wird, die er aufgefordert hat, feinem Kabinett beizutreten, doch wird die voll­ständige M i n i ft e r l i ft e nicht veröffentlicht wer­den, bevor sie Maedonald dem König unterbreitet hat. Das wird wahrfcheinlich am Samstag geschehen. Man betrachtet es als sicher, daß Snowden das Schahkanzleramt übernimmt; aber die Besetzung des Postens des Staatssekretärs für auswärtige Angelegenheiten gibt Anlaß zu allerhand Mutmaßungen. (Es werden für diesen Posten u. a. die Rainen Arthur h e n d e r - s o n und 3. h. Thomas genannt.

3n der heutigen Sitzung des Vollzugsausschusses der Arbeiterpartei wurde beschlossen, einen Sie­ge s f o n b s zu begründen und die Bildung des zweiten Ministeriums der Arbeiterpartei entspre­chend zu feiern.

Das neugewählte Parlament trift am 25. 3uni zusammen, doch wird die erste Woche ledig­lich mit der Erledigung von Formalitäten ausge­füllt sein. Erst in der darauf folgenden Woche wird das Parlament mit einer Thronrede, die das Programm der neuen Regierung bekanntgibt, for­mell eröffnet werden. Infolge des Regie­rungswechsels dürften die neuen Minister nicht vor Ablauf einiger Wochen in der Lage fein, gesetz­geberische Vorschläge zu unterbreiten. Deshalb wird sich das Parlament voraussichtlich Ende 3uli ver­tagen und erst zu Beginn des herbstes seine Ar­beiten wieder aufnehmen.

Rogens beim Hebergeben der Leiche gesagt: Halte den Finger man noch etwas auf den Hals, Ewald ist noch nicht ganz tot."

Zeuge:3a, das hat Fritz mir erzählt."

Fritz Rogens bestätigt, daß ein solches Gespräch stattgefunden habe, er habe aber, so behauptet er heute, etwas aufgeschnitten. Der Vor­sitzende fragt dann den Zeugen Wilhelm Rogens, ob er wisse, ob seine Mutter darüber im Bilde gewesen sei, daß Fritz an dem Deiseiteschaffen der Leiche Ewalds beteiligt war. Der Zeuge erwidert, daß er feine Mutter danach gefragt habe, sie habe mit einem Achsel­zucken geantwortet.

Vorsitzender zum Zeugen Wilhelm Rogens: Wissen Sie nicht, ob Kreutzfeld zwischen der Mordgeschichte gesteckt hat?

Zeuge:Das kann ich nicht mehr genau sagen."

Vorsitzender: Sie haben früher angegeben, daß Iakubowski zu Fritz gesagt habe:Wenn du den Mund hältst, kriegst du 600 Mk". Zeuge: Das kann wohl stimmen. Aus weiteres Be­fragen erklärte der Zeuge, er entsinne sich mit Sicherheit dieses Gesprächs. Die Angeklagte Frau Kähler bekundete darauf, daß Wilhelm Rogens ihr von einem Gespräch zwischen Iaku­bowski und Fritz erzählt habe. Beide hätten geflüstert und sich Stillschweigen gelobt. Vorsitzender zu Wilhelm Rogens: Sie haben gesagt, Sie hätten, als Sie von Fritzens Mord­beteiligung erfahren haben, ihre Familie links liegen lassen. Zeuge Wilhelm Rogens: Das stimmt, ich habe mich geschämt. Vorsitzender zu Wilhelm Rogens: Hat Ihre Mutter nicht zu Fritz einmal gesagt: Run hat August sich bald verraten? Der Zeuge bejaht diese Frage, während Fritz Rogens und Frau Kähler ent­schieden in Abrede stellten, daß ein solches Ge­spräch stattgefunden habe.

Die Zeppelinmotoren.

Die Untersuchung der Kurbelwellenbrüche.

Friedrichshafen, 5. Iuni. (TH.) Wie die Telegraphen-Hnion erfährt, sind die Unter* suchungen der Kurbelwellenbrüche der Zeppelinmotoren schon seit acht Tagen im Gange und haben bereits gewisse Ergebnisse gezeitigt. Erste Fachleute der deutschen Technik, wie Professor Kühbach von der Technischen Hochschule Dresden, einer der hervorragendsten Schwingungstheoretiker, und Professor Thoma von der Technischen Hochschule Karlsruhe, der ein neues ausgezeichnetes Verfahren zur Unter­suchung von Schwingungen entwickelt hat, sind zu diesen Untersuchungen hinzugezogen worden. Zunächst ist eine Untersuchung auf dem festen Prüf st and der Maybach-Werke vor­genommen worden. Das Resultat war, daß Schwingungen von kritischem Ausmaß sich hier nicht gezeigt haben, weder bei fester Verbin­dung der Zylinder untereinander noch bei durch­schnittenen Ansaug- und Auspuffrohren. Weitere Untersuchungen auf dem festen Prüfstand sollen mit mehr oder weniger weicher Kupplung und mit verschiedenen Betriebsstoffen (Benzin, Benzol, Detriebsgas) erfolgen. Die Motoren sollen dann weiter einer Prüfung in der Maschinen­gondel unterzogen werden, die in gleicher Weise, wie die Gondeln im Luftschiff aufgehängt ist und endlich sollen dann Messungen wäh­rend der Fahrt im Luftschiff selbst vorgenommen werden, um die Einwirkungen des Fahrtstromes festzustellen.

Es wird mit allem Rachdruck von feiten der Zeppelin werft betont, daß große, insbesondere T r ansatlantik-Fahrten nicht zur Aus­führung gelangen sollen, bevor die Stö- rungsquelle erkannt und beseitigt rst. 3m übrigen ist es bekannt, daß Kurbelwellen­bruche an Luftfahrzeugen gerade in letzter Zeit

in außerordentlich großer Anzahl (mehr als hundert Fälle) zu verzeichnen waren und bereits seit geraumer Zeit Gegenstand ernsten Studiums der deutschen Luftfahrtbehörden waren und noch sind. Wenn Luftschiffe bisher von Kuichelwellenbrüchen verschont waren, so ist das darauf zurückzuführen, daß zwischen Propeller und Motor im Luftschiff ein G etriebe ein­geschaltet war, das vom Propeller aus­gehende Störungen aufnahm. Die ßöfung des Problems wird daher sehr wahrscheinlich auch in einem Getriebe gefunden werden, das geeignet ist, etwa auftretende Schwingungen zu dämpfen.

Am Vorabend der Madrider Ratstagung.

Stresemann nach Madrid unterwegs.

Berlin, 5. 3uni. (Priv.-Tel.) Reichsaußen­minister Dr. Stresemann hat, ohne sich vor­her über den Stand der Reparationsverhand­lungen zu äußern, die Reise zur Tagung des Dölkerbundsrates in Madrid angetreten. Er ist begleitet von seiner Gattin, vom Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. P ü n d e r, vorn Reichs- Pressechef Ministerialdirektor Z e ch l i n und vorn Vortragenden Legationsrat Redelhammer. Dr. Stresemann wird in Paris einige Stunden verweilen, um dort mit dem deutschen Repara­tionssachverständigen Dr. Schacht sich zu be­sprechen. Die deutsche Delegation ist unter Füh­rung von Staatssekretär Dr. v. Schubert be­reits in Madrid eingetroffen. Staats­sekretär v. Schubert hat dem spanischen Minister­präsidenten Primo de Rivera einen Besuch abgestattet.

Aus Madrid wird bekannt, daß die Delegierten der Ratsmächte morgen im Gebäude des spani­schen Senats als Ratskomitee für die Minderheitenfrage zusammentreten, um die vertrauliche Aussprache und Prüfung des Be­richts des Dreierkomitees zu beginnen, der bekanntlich immer nur vorbereitenden Charakter getragen hat. Er sollte dem Rats­komitee als Grundlage für die weitere Aus­sprache über die Minderheitenfrage und die deut­schen und kanadischen Anträge zur Verbesserung des Verfahrens bei der Behandlung von Minder- heitenbeschwerden dienen und gleichzeitig die grundsätzliche Stellungnahme des Völkcrbunds- rates zu der vom Völkerbund übernommenen Garantie des Schuhes der Minderheiten vor­bereiten. Am Vorabend dieser wichtigen Bera­tungen sind, wie zu erwarten war, die Gegen­sätze der verschiedenen im Völkerbundsrat ver­tretenen Auffassungen unverändert vor­handen. Die deutsche Regierung hat ihren Standpunkt, wie erinnerlich, vor zwei Mo­naten in einer für das Dreierkomitee bestimmten Denkschrift eingehend begründet. Sie wird bei den bevorstehenden Beratungen an ihren Argumenten festhalten, deren grundsätzliche Be­deutung den Abschluß eines Kompromisses nicht zuläßt, wie es sich sonst im konkreten Fall der einzelnen Minderheitenbeschwerde vielfach als praktisch notwendig erwiesen hat.

Aus aller Wett.

Die Eruption des Vesuvs.

Reapel. 5. Iuni. (WB.) Das Observato­rium auf dem Vesuv meldet, daß während der ganzen Rächt sehr starke Explosionen zu vernehmen waren, während die Oeffnung des kleinen Eruptionskegels neue Lava ströme ausspie. In der Zeit von Mitternacht bis 1 Hhr nahm die vulkanische Tätigkeit noch mehr zu, und zwischen 4 und Hhr stiegen gewaltige

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Wettervoraussage.

Der Abzug und die Abflachung der skandi­navischen Störung gehen nur langsam vonstat- ten. Sie übt jedoch keinen Einfluß mehr auf un­sere Wetterlage aus. Ein Ausläufer des neuen britischen Fallgebietes hat bereits unser Gebiet überquert und erneute Riederschläge gebracht. An der Südseite der Störung dringen weiter aus Südwesten kommende Luftmassen vor, die uns zunächst noch Riederschläge zuführen werden. Iedoch wird mit dem später einsehenden Luft­druckanstieg die Riederschlagstätigkeit Nachlassen und es wird zur Durchbrechung der Wolkendecke kommen.

Voraussage für Freitag: Zunächst vor­wiegend bedeckt, zeitweise Regen, später wechselnd wolkig, mäßig warm.

Voraussage für Samstag: Wolkig, auch zeitweise aufheiternd, Rachlassen der Rieder­schläge und nur noch vereinzeltes Auftreten.

Lufttemperaturen am 5. Iuni: mittags 14,4 Grad Celsius, abends 10,4 Grad; am 6. Iuni: morgens 11,3 Grad. Maximum 15,2 Grad, Minimum 9,3 Grad. Riederschlag 3,6 Milli­meter, Sonnenscheindauer 21/2 Stunden.

Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 5. Iuni abends 16,9 Grad; am 6. Iuni morgens 13,6 Grad Celsius.